Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-06-05 · Heft 1906 (5.6.1924) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1906 (5.6.1924)
Date
1924-06-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980989--19215-3006344
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

X «kr SftWf, ÄStMrMg Menee MMMMlkÄM j> a. > •>’*' ®* $puit! $Ö0® r-iirir^r"—* ~n irr-m tu ton —-- ..W BERBCEL-WAGi! nv WB HH% n m HD HB t Million im Gebrauch l Million im Gebrauch Sie ist Erlösung und Wohltat für Velkäuser und Konsumenten. Sie beschleunigt, kontrolliert, spart und kostet »ach » Wochen Gebrauch nicht»! Jedem Wiener Geschäftsmann tvird auf 3 Tage unverbindlich Und gratis über Verlange» eine Wage zur Probe zur Verfügung gestellt BERKEL-Vertrieb, Wien, I. Biberstr. 9 Re letzten Kurse. JtoWobknß der „Wiener Morgenzeitung".) Dondon. 4. Juni. Die Londoner Börse war heute fester, wim Are BmsscpaitM sich t'iibsrvevkanft hat. Der Börsenbefuch dxrr jedoch Eving. weÄ der Dertbytcvg ein halber Feiertag ist di« meift-M Börsenbesncher dem Derby beiwohn den. Der i WechsEurßemnarkt tim erst fester, später abgeschwächt, welche Betw^ung sich auf diele andere Märtkte gleichmäßig übertrug Brunil-che Staatsanleihe waren fester, Kriegsanleihe notierten 1^06,26, boasAianische Anleihe waren fester infolge der Mitbetreffs Evmrmung einer Kamnmssion zpr Prüfung der brasilianischen SdaiatsftnanFM. Das Agio der nerren tschechischen Anleihe stieben allf 0,875, zeitweise aus 1,1Ä. Deutsche Reichsmrleihe sarck auif 16. Gffen. und Stahlaktien warm fester, Petroiöumwerte l«cht erholt ebenso ZimraMen. Baumwolle: Juni 18, Juli 17,45, Oktober 16,60, .Jänner 15,04, März 14,89. Aegyptsche Baumwolle 10 bis 12 Punkte niedriger. ..^.Baumwolle: Full Middling 16 Punkte niedriger > 18*37, amerikanische Terminware unverändert bis 8 Punkte höher, Juli 17,48, Oktober 15,62, Jänner 15,07, März 14,90. 11 Uhr 4 Punkte niedriger bis 1 Punkt höher. Mittags 6 Punkte niedriger. 7«2 Uhr 10 Punkte niedriger bis^ Punkt höher. 7.3 Uhr ^Punkte niedriger bis 1 Punkt höher, IM 17,87, Juli 17,36, Oktober 15,50, Jänner 14,96, März 14,90. Zucker: Der allgemeine Ton des Marktes war ruhig, omvoyl ein ganz ansehnliches Geschäft in britischer raffinierter Ware zu den letzten niedrigen Preisen getätigt wurde. Weißer Jcwä 86 6, greifbar 20,9 (Juni-Juli), tschechischo-slowakische Granulate ebenso wie hblländische greifbar 36 Schilling, amerikanische Granulate (Juli) 25. Terminware eröffnete fest, wurde aber merklich schwächer. August 23.8 bis 23, Oktober 21 bis 21 V„ Dezember 20 bis 20,3, März 80,17,. c . Aetallmarkt: Kupfer Standard Kasia 62,18,9, drtz^- Monate 62,19, Elektrolyt 67,7, Zinn Standard Kassa 211,17, drei Monate 211,7, Blei englisches 33,8, ausländisches 91 bis 39, Meffing ausländisches 35,5. . rreichische Anleihen, Tschechische erst 98,76. später 99.50, Prag 89, Skoda 92, Bankverein —, Bödenkredit 19,Royal Dutch 36.25, Shells 4,375, Central Mining 11^25, Diamond 16, Debeers 11,50, General Mining 12, Rio Tinto 32,76. ^„Wechselkurse: New-York 4,31,05, Paris 86,25, Brüssel 97,56,25,. Berlin 18 Billionen, Wien 307,600, Prag 147.45, Amsterdam 11,64,75, Stockholm 16,315, Kopenhagen 25.665, Nom 99j35, Schweiz 24,575, Madrid 31,66, Warschau 22.35, Athen Sophia. 605. Rumänien 1025. Konstantinopel 841, Büdapest 870.000 bis 440.000, Riga 22,87. London, 4. Juni D e v i s e n s ch l uß k u r s er Prag Ml15/le. Paris 83,95, Brüssel 97.- Rom 99,87^, Zürich 24.58, Madrid 31,875, Amsterdam 11,56, Kopenhagen 25,675, Christiania 31,905, Stockholm 16,30, HelfingsorS 172, Berlin 18 Billionen. Wien 307.500. priest, 4. Juni. Paris 1177. bis 118, Amsterdam 850 bis 870, Brussel 10,150, bis 103,50, London 99,20 bis 99,45, New- York 22,96 bis 23,05, Zürich 403 bis 406, Bukarest 9,25 bis bis 67,50, Budapest 0,0225 bis 0,03, Wien 0,03177, bis 0,03277», Agram 27,70 bis 27,90. , WaNan-, 4. Juni. Mittelschlußkurse: London 99,277„ YorkÄoi'l/O, 404,25, Belgrad 28, Brüssel 101,75, New- Klv-Yorlr. 4. Juni. (Radio.) Devisenschlußkurse: Tag- Seife 3%, Wechsel auf London 4,32,50, 60 Tage-Wechsel M50, - Paris 5,16, Amsterdam 37.32, Prag 2,93,75, Berliner Schlußkurs 237, bis 24, Silber 67%. 4. Juni. Effekrenkurser Canadian Pacific 146,26 tex^ Dividende), Union Pacific 131,90 (ex Dividende), Union Steels 97,125, Royal Dütch 51,875, Atchinson 101, Baltimore and Ohio 54,75, York Central 102,375, Northern Pacific 62,25, Southern Pacific 80. . Juni. (Radio.) Die heutige Börse war viel freundlicher gestimmt, als die der borangegangenen Tage, doch war. der Umfang der Geschäfte noch immer gering. Allein die französischen Wertpapiere profitierten von der Besserung des französischen Franken und die internationalen Werte, die eigentlich infolge der Besserung. des Franken im Rückgänge sein sollte, zeigten ernsten Widerstand. Französische Renten sowie französische Elsenbahnen waren fest, ebenso französische Zuckerwerte. Gleichfalls freundlich gestimmt, waren russische und Pekroleümwerte. der Kulisse waren die Umsätze bedeutender als im Schranken Mld Festigkeit war der Charakteristikum der Börse. Russische Jndnstriepapiere sowie südamertkanische Minen waren ungemein fest. Wechselkurse: London 84,90, New-York 19,54, Nrag 58, Bukarest 8,20, Wien 27,75. Paris, 4. Juni. (Radio.) Effektenschlußkurse: Banque de France Pragobanka 406,—, Credit LyoNatS 1512, Suez 14,420, Platine ‘ 758, Dabrowa 774, Bangue Ottomane 758, Central Mining 966, Rio Tinto 28,32. Le Naphta Russe 416, Succerie d'Eghpte 1245, Bakou 2664. Cautchoucs sin 151,60, Chartered 46,—, Debeers ordin. 1088, GoldfieldS 82.—, Huanchakas 315, Jägers Fontain 256.-, Malacca ordin. 135,-, Maltzoff 446. Mexican Eagle 69,50, Padanq —,—, Rand Fontain 90,50, Randmine 261.50, Silva plana 142.-, Tanganhika 153.—, Tubice soie 629.—, Utah Copper 1450, Shell 273,50, Royal Dutch 31.250, Bnrmah -. „Jas weiße Znüentnm." München, 3. Juni. (I. T. A.) Wie schon bekannt, stellte die Münchner nationalistische „Großdeutsche Zeitung" w «gen Geldmangels ihr Erscheinen ein. Das Organ Richard Knutzes, „Die neue Zeitung", teilt Mt, daß der Grund darin liegt, daß die deutschvölkische Freiheitspartei der nationalistischen Arbeiterpartei ihre Unterstützung entzogen hat. Die Zeitung schreibt: „Da die Nationalsozialtst-en van ihrem- Programm des w a h r h a f t e n d e nt scheu Sozialismus nicht abweichen, 'haben die mecklenbur-. gssHu siG Vonpommenschen Rittergutsbesitzer, die mast Wvhl als die AushÄt-er dev Freiheitspartei bezeichnen darf, natürlich kein Geld mehr für das unter dem HaupteiHluß der Bayern stehende Blatt übrig. Hoffentlich ziehen die^Mlichen bayerischen Nationalsozialisten recht VE die erforderlichen Folgerungen aus dem Vorfall und machen sich wieder frei von der Geldmacht des w e i ß enIn d e ntums." Für eine jüdisch-arabische Sie Mm de, Wir haben bereits berichtet, daß der arabische Schriftstellar und Journalist Michel Sarkis^ auf einer Weltreise in Wien angekommen ist. In einem längeren Gespräch, das einer unserer Mitarbeiter mit ihm hatte, fetzte Herr Sarkis seine Anschauungen über die dort Hm angestrebte Verstände gung zwischen Juden und Arabern auseinander. Sie soll sich, wie er betont, zunäAt und hauptsächlich auf Palästina beziehen. Herr Sarkkis hat über diese Frage ein Buch geschrieben, wie er uns sagt seit 800 Jahren das erste arabische Buch, das sich mit der jüdischen Frage beschäftigt. In diesem Work anerkennt er das jüdische Recht auf Palästina. Bon Zion ist das Judentum ausyrgangen, nach Zion kehrt es zurück. Er kommt mit seiner großen kulturellen Begabung, mit reichen historischen und technischen Kenntnissen, die es in den Dienst des Archbaues seiner alten Heimat stellen wird. Das arabische Voll in diesem Lande weiß dies zu schätzen, und es wäre nötig, beide Gemente zu einer höheren Einheit zu verbinden, um das Land zur Blüte zu bringen. Die SchwierWeiten eines solchen Planes find gewiß sehr groß. Aber eS ist zu bedenken, daß doch der Zionismus erst feit ganz kurzer Zeit itt Palästina an der Arbeit ist. Die Widerstände m der arabischen Öffentlichkeit gehen von seiten der islamisch-christlichen Partei aus, deren Führer Mussa Kasim Pascha ist; sie werden zu einem großen Dell vom europischen Stellen erzeugt, zu einem T«i>l stießen fie aus rel-igiös-mationaleu Erwägungen. Herr Sarbis hat vor einiger Zeit im Auftrag einer Kairoer Zeitung eine Reife durch das gesamte arabische Territorium gemacht. Er ist durch den Jemen und Hadramauth (SüdNste Arabiens) über Aden nach Maskat gegangen und hat auch Indien besucht. Uoberall hat er seine Gedanken über die. jüdisch-arabische Frage voagetragen und hat dabei konstatieren können, daß an diesen Stellen der lokale Gctzaratismus der arabischen Führer ein vollständiges Desimcressement für die Angelegenheiten Palästinas bewirkt. Nach seinen Darlegungen scheint es sehr übertrieben, von einer panarabrschen Bewegung zu sprechen. Literarische Anfänge sind allerdings schon vorhanden. Einen umsassenden politischen Charakter scheint sie aber bisher nicht angenommen zu haben, wie überhaupt eine politische Schulung der arabischen Massen kaum vorhanden ist. Mit Ausnührne Aegyptens sind die arabischen Zeitungen des Orients sehr klein und beschränken sich, da die große Masse kaum lesen und schreiben kann, it»t auf einen sehr geringen Leserkreis. Für die Aushebung der Msa! Ein Antrag der tschechischen Handelskammer. (Eigendienst der ,Mene'r Morgenzeit-nng".) Prng, 4. Juni. Die Zentrale der tschecho-ftowakischen Handelskammern -hat einen Beirat für Pässe und Visa ins Leben gerufen, der in seiner ersten Sitzung beschloß, an das Außenministerium eine Eingabe zu richten, in'der die Aufhebung der Bisa auf Ne TagesordnungdernächstenVölkerbundverfayrml u n g zu setzen gefordert wird. Der Seeckt-Prozetz. Berlin, 4. Juni. Im Seeckt-Prozeß wurden heute die P l a U> o y e r s gehalten. Der Staatsanwalt hielt die Schuld der Angeklagten Th-ormann und Grandl für erwiesen. Er bezeichnete Thormann als Spiritus rector der Tat und Grandl als bewußten M itläufer^ Er beantragte für beide Angeklagten je brei Jahre Zuchthaus. Das Urteil wird morgen gesöllt werden. Ire Wirren in Albanien. Der Ministerprüsident ermordet. ' (Gigendieust .der „Wiener Morgenzeitung".) Rom, 4. Juni. Die Blätter melden aus Briildtsi: Die natwualistischeu Truppen haben auf ihrem Vormarsch Wetat besetzt. Die Regierung von Tirana versucht noch im letzten Augenblick, mit den Rebellen zu verhandeln,, um sie an ihrem weiteren Vormarsch gegen Norden zu hindern. Die Verhandlungen mußten aber unterbrochen werden, weil die Negierung die Forderungen der Nationalisten nicht annehm'en kann. Das Generalkommando der Rebellen hat an die Bevölkerung einen Aufruf gerichtet. < Ein italienisches Torpedoboot hat heute nachts Tarent verlassen und patrouilliert längst der albanischen' Küste zwischen Valona, Skutari und Duräzzo.. ' Ans Valona trifft die Meldung eiy, daß der albanische . Uinrsterpräsident ermor.dH worden'sei. / Rückkehr von Migranten nach Budatzest. (Gigendienst der,Wiener MorVenzeWstgss.) Budapest, 3. Juni. Der frühere Sekretärder Mo kretischen Partei, Jakob it Hne«, der als Emigrant Jahre außerhalb, des Landes wellte, ist jetzt nach der jüngsten Amnestie wieder' nach-Budapest zuritckgekehrt. Ein tAeiter-er bekannter Emigrant, - Bernhard Kondor, wird in den'nächsten Tagen gleichfalls hier eintrvffen. Herrn Sarkis. Die Vormacht des Arabertmus' sicht immvo mehr auf Aegypten über und von den Zentren dieses Landes wird der stärkste Einfluß aus die arabische Welt geübt. Die Blättier „M-Ahram" uuü> ,M Mokatam" sind die größten arabisschen Organe. Sie evfcheinen in Kairo und hckben eine AWage von etwa 80.000 Exemplaren, woraus sich ein sehr gwßer politischer Einfluß evgkbt. Auch diese Blätter beschäftigen sich nur wenig und mrr nebenbei mit der Pcllöstin a-AngÄetzenhest. Eine ausgesprochen antiKionistssche Stchnmung ist in Syrien, in Bagdad Md unter den persischen Arabern zu konstatieren. Sie trö-gt dort ausgesprochen religiösen Charakter. Das palästinensische Arabertmn ist zur HAstx. a»t^ zionistisch, zur anderen Hälfte bereit zu einer Verständigung mit den Juden. Die AngiehungAvaft dieser prozionistischen Gruppe mutz tn dem Muß wachsen, als die Bovtelle der jüdischen Siedlung, Arbeitsmethode «nd LebenAhaltung für DoW und Land sichtbar werden. Eine Verständigung ist jederzeit nröglich; nach Meinung des Herrn SarW sind die Vorbedingungen hierfür schonheute gegeben, wogn seine Arbeit, das eingangs «erwähnte Buch, sehr viel beigetragen habe. Herr Sarkis ist ein junger Mann mit einer vorzüglichen Dildun-g, der er im Jesuitenkolleg in Beyruth teilhastig getvordeu ist. Er ist ganz erfüllt von dmr Gedanken, eimn politischen Anschluß des Mischen Bruderstammes an das arabische Bott dürchznführen uüd er wünscht rmv die Mkilge und politische U'NterstützuNg der jüdischen OefstnWichkeit. Der Zweck seiner Guropareise ist, Material für ein neues Werk zrr sammeln, welches den arabischen Stämmen die Künde da-von bringe» soll, daß das Mische SiebzchumillionenvM auf allen Gebieten menschlichen Wissens und menschlicher Arbeit Hervorragendes geleistet hat, daß es Gellchrte aller Kategorien und Männer der praktischen Arbeit besitzt. Davon weiß das Avo-bertum, wie Herr Sarkis auSftiihvt, m seiner übsr«großen Mehrheit bis hellte gar nichts, und wenn es dies erfahren wird,- dann werden sich auch die Anschauungen in bezug aus den Wert der Mischen Konzentration in Palästina ändern. Hetr SarlkiS, der uns sehr gute Gnupfehlungen maßgebender jüdischer Kveise in Palästina vorwies und dessen Bestreben wir »ach Kräften »tttevstützen wollen, trägt seine Anschauungen bald in Arabisch, bald in Französisch nlld Englisch schr lebendig und überzeugend vor. HoffeEch wird seine Suggestivkraft sich auch bei den Arabern gewähren und zu einem Ziel führen, düs für Juden wie für Akaber gluckver-- heißelck sst und beiden eine neue Zukunft ansschließi. Die Fudm in der ruffischeu kommuiiistMen Partei. Fünf ProMt. Riga, 4 ^puni. HI. -T. A.) Auf dem jetzt in Moskau tagenden Kongreß der russischen kommunistischen Partei, stellte M. Stalin im Laufe seines Berichtes «über die Arbeit der ^Partei feist, daß die russische k-ommumstische Partei 900.000 eingetragene Mitglieder zählt, unter denen sich 46.000 -Huden -befinden. Sie amerikanischen Fnde« und die FewM Agrnch. An der Rümmer vom 3. Juni unfereS Malles be* offentlichten wir eine im Warschauer „Haint" erschienene Unterredung des Herrn Dr. Leon Lewite mit dem Präsidenten der Zionistischen Orgaulsatiou, Är. Weizmann. Dr. Weizmann erklärt nun in einer an die Redaktion des „Haint" gerichteten Depesche, daß Herr Dr. Lew-.te diese Mitteilungen ohne Mssen Dr. Weizmanns verössentlicht habe und daß seine Ausführungen in einigen wichtigen Punkten ungenau wiedergegeben svien. Numerus clausus-Bewegung a» der Wilna« Universität. - Wilna, 2. Juni. (I. T. A.) Dieser Tage fand in Wilna 'eilte große Versammluirig der konservativen und liberalen polnischen'Studentenschaft unter der Losung: „Numerus clausns^ .'oder nicht", statt. Die Versammlung war überfüllt. Die jüdischen Studenten waren nicht erschienen, auch die lillken polnischen Gruppierungen fühlten. Der Rektor der Universität, Professor Pasczewski, war anwesend. Der erste Referent, ein Vertreter der christlich-akademischen Gruppierungen, hielt eine maßlose antisemitische Hetzrede und. führte aus, wenn der Sejm -den Numerus clausus nicht behandeln will, so genüge das Zirkular Glombinstis, um der Gefahr der -Uebersslltung der Universität durch Jvlden zu begegnen. Er iführte"ciüs, daß unter den 2209 Studenten der Wilnae-r Universität sich 510 Juden befinden. Wenn die Entwicklung so weiter gcht, wird in zehn Jahren kein polnischer Student wehr an 'der Universität sein. Die nächste Rchnerm, die Studentin Fräulein Ado I p H, rief psm-Horsttzeriden zu:'„Wc q-«, ihr den Kam Pf geg e n bi« Ju h e n an fangen wollt, somützt ihr zuerst däS Katheder verbrennen, auf dem ihr jetzt sitzet. Denn auf eben diesem Katheder lehrte vor 100- Jahren der große, von Juhen abstammeude Historiker Lolewel -polnische Geschichte." Als die Vorschläge des Referenten angenommen wurden, schleuderte sie ihre Studentenkappe auf den Tisch und verließ den Saal. Das war das Finale des großen anti-ftmitischen Meetings auf der Milnacr Universität.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.