Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1905 (4.6.1924)
- Date
- 1924-06-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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lmt ilidftlWMftMröri. Wien, DMttvoch Wiener: Moegenzertung. '4. Juni 1924' -tt. ÄuWävuntzSbedürst^g sind noch gewisse Widersprüchr, jwisHen st'nert Angaben und dem Ergebnisse'der bishrrigcn Erhebung«!: bestchen. So machte er unmittelbar «ach dtt'Bllt'Aeutzeru-ngen, dse davcmf schließen^ ließen, daß -yk-vo« k,ema«dem Ta-tL eh-un ge« wuchs, oder ' daß drc Lat von mehreren.Peris.onen vo rb er e itet worden, sti. Weiters stehen sM« Angaben, über den Saitp-unk t, wann er den EMchluß zur Da: gefußt hahe,. Ms Ploerspmch^ mit. Briese«, die gefunden wuchem I« Mem dieser Briese, der in den Zeitungen im Wortlaute VeWeullicht w'che/ äußert er die Wicht, seinem Loben ein Ende zu machen und vorher noch den Bundeskanzler zu besvrtrgcn. Auch die Fragen, warm er sich in den ' ~ Besitz der Waffe ae^etzi habe, und was ihn bewogen habe, vor der Tut eine yahrl nach Graz W unternchmen, sind bis mm nicht' ' vollständig ^art. G-eilfLave AnhattSPUntte dafür, daß JÄöorck Mrtfch >uldige oder Mitwisser der Tat gehabt hebe, konnten durch dr« bisherigen Echewmgen n i ch t Munden werden. HaK -einem gestern von. der, Polizeikorrefpondenz, der:-, öffeMchten- Bericht zeigte sich sJcyporsk - -bei den Ginber- «yhcheu^Aie ÜM Genehchigu«g ider Aerzttz durch PMzeichtn Dr. Hedrich und Regierungsrat Dr. Presser vorgvnommen wurden, sehr hinterhältig und Welt' «stich weise Komödie. Wenn er bei Widersprüchen ertappt und eindringlicher befragt wird,' marikiert er Ohnmachts- - anfälle?Wd Bewußtlosigkeit. s - . Bei. seiner Verhaftung wurde bei Hm eine Fahrkarte Von Graz nach Wie« gefunden. Er mußte infolgedessen auch zugeben, daß er S3>msiag in Graz war. Was er dort getan hat, ist noch nicht geklärt, bedarf abrr entschiedenst der Aufklärung, ebenso vor allem, was ihn zu seiner Tat veranlaßt hat, mit wem er in Graz beisammen war und mit wem er verkehrt hat. Er hatte sich am Samstag nach seiner Abreise aus Potte liste in nach Baden begeben, bei -der Badener Bezirkskraukenkafse «ahez« eine Million Kronen behoben als Krankengeld für seine Frau und die Schwägerin. Dieses Geld hat. ex aus die Fahrt nach Graz mitgenommen. In seinem Besitz« wurden aber bei der Verhaftung «ur etwas über 100.000 Kronen vorgefunden. Wohin das übrige Geld gekommen ist, ist noch nicht klar. Soweit sestgesttllt H, hat er in einem kleinen Ga st Hof in Graz die Nacht von Samstag aus Sonntag verbracht. Kriminalbeamte der Wiener Polizeidirektton wurden nunmehr mit Photographien Jaworeks nach Graz «und nach Bruck an der Mm sowie, nach Wr.-Neustadt gesendet, um im Einvernehmen mit den zuständigen Lokalbehövden über den Aufenthalt Jaworeks Genaueres in Erfahrung zu bringen Qto Wr.-Neustadt ist man auch bemüht, stnen Eistnbahmr zu ermitteln, von dem Jaworek erfahren haben will, daß d^r Bundeskanzler zu seiner Mcksachrt nach Wien, den Bylawn-Mxpreßzng benützen werde. Man nimmt an, daß' Jaworek schon in Wiener - Neustadt das Attentat verüben wollte, ' daß er aber dort die richtige Gelegenheit nicht fand und d^halkb nach Wien reiste, um im SiMcchnhos in Wien die Schüsse gegen den Kanzler altzugeben. Jaworek befindet sich «och immer auf der Klinik Eiselsb erg. Seine Bewachung durch Kriminalbeamte dauert fort. Zutritt zu seinem Zimmer halben nur die behandelnde« Aerzte und die mit seiner Pflege betrauien Schwestern. Von seinen Angehörigen hat ihn bisher nur sein« Frau besucht, während die Mutter bisher sich nicht eingestellt hat. Die Gründe hierfür sind einstweilen noch nicht bekannt. Andere Besucher werden zu dem Kranken, wegen Verabredungsgefahr nicht zugelassen. Sein Zustand ist zwar ernst, aber nicht mehr . lebensgsföhrlich, doch ist an die Ueberführung des Attentäters i« das Jnquisitenspital noch nicht zu denken, da er auf der. .Unfallstation genau so eingehend einvernommen werden kann wie im Lande'sgericht. Dazu kommt noch, daß im Jnqursitenspital die notigen Behelfe für die Behandlung der immerhin .schweren Verletzung Jaworeks fehßen. , .. Das Verhör Jaworeks. Anteilnahme der polnischen Regierung. Der.polnische Gesandte IN Wien, Dr. Sigismund Lasv eki, erschien gestern beim Bumdespräsidelften Doktor Hainifch und 'beim Bundesminister ''für Aeutzeres, Dp. G rüubevtze r, und Äermtttslite beiden im Wfttvge. 8 Präsidenten der polnischen Republik den aufrichtigsten Wusch nach schleunigster Genesung des Bundeskanzler. Eine Kundgebnng der Wiener Knltüsgemeinde. In der geistern unter dem Vorsitze des Präsidenten Prof. Dr. Alois Pick stattgefundenen Plenarsitzung des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde wurde einhellig die folgende Kundgebung beschlossen: Der Vorstand der . Wiener Israelitischen Kultusgemernde vevurtril' mit innerster Empörung den frevelhasten Anschlag aus "das Loben des Chefs der Bundesregierung. Bundeskanzlers Dr. Ignaz Seipel. Der Kullusdorstand gibt sthrex. innigsten TMnahM unv- .dem Wunsche. AüÄ>ruck, daß.-tÄr/MüdPtzZanzler baldigst in:den vollen. Besitz seiner GestvWhM MWge und seines > dem. Fr i'e bx n un h' >d« if Wied tz r au s r ich tu mg O e st e r r e i ch s gewidmete Tätigkeit wieder aufnehmen künne> m giit jfitlfHfififOjloIes gftuflölett. Die Frontkampfervere.i«igu ng, die Gard der christlichsozialen Pclrtei, hat am Montag eine Aalarr« Übung .auf dem Kavlsplatz abgehalten'und dgbei'ein Flug, blgtt verbreite^ daschem Ghentat die Mische.Färbung geben sM^ Titel: „Wer sind die' Mörder?" Im Text wimmekE er von Hinreisen auf die ,Mlsch-marxistische.Demagogen" die jede chvdstliche oder ' nattönalK Gesinnung i^acherlich machen und besudeln. Der Ausruf (Dru^.. .und Verlag Leitender Ausschuß der Fronikämpfervereinigung,. vr« antwortlich Anton Seifert, sämtliche Wiens 3'. Bez., Rw. snmofskhgasse 16) klingt in den folgenden, ganz eindeutige« Appell aus: . ,sDeuWösterreichi:sches BoA! Wie lange willst Dm noch diesem «lenden Treiben mschen?! ,Wie lange 'willst Du Dich noch We'Uerhlü Wst vckällWn 'durch Partechader'und KlassenküMpf, ansiat: gegen.Deine wahren Peiniger mit geeinter Macht -porz'ugchen?!- Uaubst,^Dü noch innner, daß die Frontkämpfer Deine .Feindei-und'chW Wisch-marxistischen Führer Deine Freunde sind?! Raffe Dich auf! Einige Dich! AlMliche parteimäßige Unterschieds dürfen: uns .in dieser eären Zerl nicht entzweien!! '■ Die Frontkämpferignntz." Sie Horthtz-Schergen in Men. Gestern haben einige, Zeitungen die Nachricht ^bracht, daß Budapefter DeteMvs in Wien eingetroffen sind, uim die Untersuchung in. der Angelegenheit des Attentats gegen den Bundeskanzler zu unterstützen oder zu führen. Die Frechheit, mit welcher es die Schergen Horthys wagen, nach Wien zu kommen, hat natürlich die größte Entrüstung hervorgerusen. Die Justiz in einem Lande wird direkt verseucht, wenn dieses. Gesindel .sich irgendwo sehen läßt; denn man kann überzeugt sein, daß alles, was diese Leute machen, nur dem einen Zweck dient, durch Lügen chve eigenen Verbrechen zu verschleiern. Wir haben uns nach Erhalt der Nachricht vom Eintroffeu der Hor-thy-Baüditen in Men an die zuständige Stelle gewendet und die Auskunft erhalten, daß die Detektivs der Horthh-RegieruNg,. die' tatsächlich: unter Führung des berüchtigten Stiborsky in Wien erschienen sind, seWsiverstandlich ’ nicht gerufen worden waren, sondern in der bekannten magyarischen Auf-- drmgleichkeit u«gebet«n hier erschienen sind/ Dar von Budapefter. Blättern mit großem Lärm angekündigte wertvolle Mat ex i. d l, aus welchem hervorgehen soll, daß der' Anschlag auf den Bundeskanzler Dr. Seipel in Verbindung zu bringen, sei mit Anschlägen aus Hovchh, aus den König von England und den Präsidenten der. französischen Republik, ist vom Anfang bis zum Ende erlogen und durchaus wertlos. Ebenso erlogen ist die Bchauptung, daß aus Anlaß des Prozesses gegen den angMichen Attentäter aus Horthy, Sztaron, auch der Name JawurekS genannt wurde. Man sieht also, daß das ganze Gehaben dieser Horthy- Banditen darauf hinaus!äuft, sich * ' ' ' in fremde Angelegenheiten einzumischen und diese Einmischung für eigene Zwecke auszunützen. Der Mörder Horthy sucht die Gelegenheit, mit dem König von England, dem Präsidenten von Frankreich und dem Bundeskandier von Oesterreich zusammen genannt zu werden, das heißt, sich in ' . anständiger Gesellschaft, zu der er sonst nicht käme, ‘ zu befinden.; Hoffentlich iverden diese Banditen bald ans Wien verschwinden. Was in Ungarn zusammengelogen wird. Budapest, 8. Mai. (Del. der ,Mr. Morgenzeitung") „Az Ujsag", ein legNmistisch-antisemitisches Matt, deröffentlicht Einzelheiten ' übhr die Zusammenhänge des seinerzeit geplanten Attentats auf den ReichSverweser Horthy mit dem Attentat aus Bundeskanzler Dr. Seipel. Dem Blatt zufolge hat einer hör führenden ungarischen Kommunisten, Eduard C h l e p k o, die Ortsgruppen der ungarischen kommunistischen Emigranten in Deutschland, Oesterreich, Frankreich und in der Schweiz organisiert. Sitz der österreichischen' Ortsgruppe war anfangs W r.-Neüstadt, von. wo die Ortsgruppe spät« mch Leoben verlegt wurde. Anläßlich - der Untersuchung gegen den Attentäter Sztaron fuhren Gpdapest»er Detektivs nach Leoben und stellten auf Grund der Angaben Sztarons fest, daß die nnga- . rischen Emigranten - Alexander ZelenAa, Avpad Pal. und. Emanuel BoÄowitz eine anarchistische. Verschwörung znx Ermordung von Staatsoberhäuptern und eöponierten Polst Hern angezettett hatten. Arpad Pal wandte sich nach Paris,., um Mllerand oder Poinoare zu ermorden; ein anderer Anarchist begab sich nach Gens, um auf einen führenden Völkevbundpolitiker ein Ättenlat' zu verüben, noch andere Mitglieder der Leobner ÄnarchistenVande fuhrest nach Marseille und Baroelona. zu den dortige«' anar^stffchen Organis^ Im.'Verlaufe dieser' Untersuchung evfchren' -di>e BOa«< pester Detektivs, daß die Leobner Anarchistengruppe gleichzeitig mit der Entsendung Sztarons nach Budapest einen anderen Genosien. mit der Ermordung deösterreichischen Bundeskanzlers beauftragt habe. . Die Leobner Anarchisten hielten ihre Zusammenkünfte im dortigen Cafe Erzberg <ch. Bei wichtigen Besprechungen trafen sie sich jsdoch in unzugänglichen Gebirgsgegenden bei Leoben. Alle Teilnehmer an der Ovganüsation hatten die Verpflichtung, nach dem verübten Attentat Selbstmord zu bagchen, wenn eine Flucht mssichiSlor erscheint. Tatsächlich wollte auch der Horthy-Attentater Sztaron im Augenblick, seiner Verhaftung, wenn auch erfolglos, Selbstmord verüben, ebenso wie Karl Jaw-rek, der Attentäter gegen Dr. Seipel. Wie ,Iz Eft" mitteitt, hat sich die Oberstabthauptmann-. schcrft heute mittags mit der Wiener PoliHöMrekion telephonisch in Verbindung gesetzt und die Mitteilung, echalten, daß nach den bisherigen Ergebnissen der Untersuchung kein Zusammenhang zwischen dem Sztaponschen Anarchistenbund und dem Attentat , aus Bundeskanzler Dr. Seipel bestehe. Der Attentäter Karl Jawmek stand in keinen Bezie- Hungen zu der anarchistischen Organisation des Cafe Eerzlbrrg in Leoben. Jaworek wurde gestern neuerlichen Derhören unterzogen. Er hielt hierbei an feiner Verantwortung fest, daß er den Anschlag aus eigenem Antriehe und ohne irgend welche Mitwisser verübt habe. Ebenso ^behauptet« er auch heute, daß er erst vor seiner Abfahrt. aus Wr.--Neustadt nach Men auf dem dorttgen Bahnhöfe. erfahren habe, daß auch der Bundeskanzler in demselben Zuge von Wr.-Neustadt nach Wien reist; zurzeit, da er den Abschiedsbrief än seine Gattin schrieb, habe er davon noch nichts gewußt. * Eine Kundgebung dev Landeshauptleute. „ Di« den Mehrheitsparteien angehörenden Landeshauptleute versammelten sich gestern nachmittag zu einer Besprechung, an der Vizekanzler Dr. Frank, und die Bundesminisler Dr. K i e n b ö ck und Schmitz teilnaymen. -Namens der erschienenen Landeshauptleute verlieh Landeshauptmann Hauser den Empfindungen des Mitgefühls «nt den schwerverletzten Kanzler beredten Ausdruck «nfc «Marie, daß die Landeshauptleute in Befolgung des dovbiMchen Beispieles des Bundeskanzlers Dr. Seipel entschlossen seien, die Sanierung's Politik fortznsetzen und mtt ganzer Kraft und Treue hinter der Regierung zu stehen. Zugleich sprach ÄMch.eshauPtmann.Hauser den Wunsch aus, «daß »ine Albppdnung der in Wien versammelten Landeshauptleute heute vormittags dem Bundeskanzler persönlich die Gefühle mtb Wünsche der Länder aussprechen, wenn dies das Befinde« des Bundeskanzlers gestatte. Die Verhandlungen mit den Lentschnationalen gescheitert. Berlin, 3. Juni. (Priv.-Del. der „Wiener Morgenzeitnng".) Knapp vor Beginn der heutigen Reichstagssitzung widerriefen die Deutschnationalen ihre Bedingurrgen,. unter denen sie eine Teilnahme an der Reichsregierungsbildung anzunehmen erklärt halten. Die Sozialdemokraten halben. im Reichstag ein« Interpellation über die durch die Wirtschaftskrise für die notleidende Bevölkerung drohenden Gefahren eingebracht. Las neue Kabinett Marx. Berlin, 8, Juni. (Wolfs.) Der Reichspräsident hat den bisherigen Reichskanzler Marx in seinem Amte und aus Borschlag des Reichskanzlers auch die bisherigen Reichs- Minister in ihren Aemtern neu bestätigt. LäMszenen im Reichstag. Berlin, 3. $amu (WoG.) Auf der Tagesordnung der heutigen Rsichstagssitzung Milden kommunistische Anträge auf Freilassung der in UntschuchungShast besiMichen drei kommunistischen Abgsordwsbsn, worunter sich.Ab-., geordneter Schlecht befindet. Abg. Loübe als Berichterstatter teilt mit, daß die Ausvechterlhaltung der Untevsuchungshaft für notwendig erklärt werde, weil Fluchtverdacht vorliege. Die Verhaftung der Tscheka in Bevlm halbe zur Aufdeckung von Mordpilänen geführt. Die Evmordnng des Genevals v. Seeckt sei nur. unterblieben, weil der Derwat des Planes befürchtet wurde. Der Ausschuß beantrage, den Fall Schlecht weiter zu pvülstn, die Fvsilasfuing der beiden anderen Abgeordneten jedoch albMehnen. Während der Rede deS Kommunisten Koenen^ kommt es zu. einem Z w i s che n s al l. Präsident.W a l lraf ruft den Abg.. Remmele zur Oidmug, weil er wiederholt die Ordnung gestört habe. Hiewuis folgen lärmende Kundgebungen seitens der Kommunisten. Der Präsident schließt unter allgemeinem Lärm, den Abg. Remmele aus, wovaiiis er die Sitzung aufhebt. Da nach WlicheransUahme der Sitzung Abg. Remmele sich'weigert, den Saal zu ve-rlässtn, wird er für 20 S i tz u u g e u ausgeschlossen. Die Sitzung wird hierauf geschlossen. ■ . . Lohubewegung der mMchen Mnbahner- (Eigendtenst der „Wiener Morgenzeitung".) L-ndott, 3. Juni. Ein Teil der Eisenbahner droht mit einem neuen Ausstand. Die Eisenbahner halben neue Lohnforderungen gestellt und deren Erledigung ultimativ mit Mittwoch abends befristet. Gin Teil der Angestellten der Untergrüindbähn hat sich ihnen angeschlössen. Die Gewerkschafte« haben die Sanktionierung dieser neuen Lohuibeweguug abgelehnt und die Eisenbahngesellschaften eMären, nur mit den Gewerkschaften verhandeln zu wollen.