Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1904 (3.6.1924)
- Date
- 1924-06-03
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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jgjefönr me», mmw' Sommersakko und Hose K 550.000 Herrenkleiderhaus H. WEIN BERGER I. SINGERSTRASSE 6 schlechtsunterschied. Der Fettansatz d-es Kastraten nähert sich einer Mittelstufe, die dem ZVeib näher liegt als dem Manne. Alsa die Keimdrüsen sind beim Menschen das letzte Etwas, das bestimmt, ob und wo man dick wird. Sicher sind auch andere Drüsen mit im Spiele. Ist zu viel Sekret der Schilddrüse, die die Geschwindigkeit des Stoffwechsels reguliert, im Blut, so erfolgt rapide, oft tödliche Abmagerung. Uebermäßige Entwicklung einzelner Köc,derlei!?, der Füße, der Hände, der Nase, hat ihr Hirnanhaug am Gewissen. Werden doch in neuester Zeit die Rassenunterschiede und Merkmale einzig auf die Verschiedenheit der innersekretorischen Drüsen zurückgeführt. Gerade so wenig wie vom Verdickungsstoff der Insekten, wissen wir vom Wesen der inneren Sekrete. Ja, Professor Steinach sagte mir einmal in einem Gespräch, daß man in zweihundert Jahren gerade so über unsere Lehre von der inneren Sekretion lachen wird, wie wir heute über die altertümliche Meinung, daß Frösche aus Schlamm entstehen, lächeln! Rerten wir also aus dem dunklen Gebiets die Weisheit, da^ wir nicht wissen, wovon man dick wird. Jawohl: Weisheit! Wir ersparen uns dann, das Geld auf wertlose Allerweltsmittel und Qüacksalben hinauszuwers^n. Auch ein Segen des Nicht-Erkennen-Könnens. . gur zweite« Wischen WeWlfskonferenz. Bericht an die Wiener Fürsorgeinstitution. Ueber Einladung des Präsidenten der Wiener Israelitischen Kultusgsmemde, Herrn Prof. Dr., P. i ck, fand am Sonntag den 1. d. im Sitzungssaale des Kultusvorstandes eine Besprechung der Vertreter der Kultusgemeinde und der großen Mischen Füvsorgeinstitutionen statt, bei welcher das Mitglied des Zentralrates der jüdischen Welch iffskonsereng, Herrn Dr. Markus Krämer (Czernowitz) über die bisherige Tätigkeit der Pariser Exekutive der Weltihiffskonferenz und die Probleme der in der zweiten Augusthälfte in Karlsbad stattsindenden jüdischen WÄthiffskonferenz ein eingehendes Referat erstattete. Bon der Kultusgemeinde waren außer dem Präsidenten die Herren Vizepräsident Dr. Desider Friedmann und Siegmund Kauders, für die Großloge B'nai Brich Herr Dr. Moritz Schnabel, für die Israelitische Alliance Herr Dr. Kam inka, für die Zentralstelle für jüdische Fürsorge die Herren Präsident Wachtel, Vizepräsident Dr. Lvw und Sekretär Dr. Löwh, für das Zionistische Landeskomiitee für Oeste-rreich di« Herren Oberbaurat Ing. Stricker, Dr. Gelber und Nebengahl, für den Zionistischen Frauenverband Frau Erna Patak, für das Jüdische Hikfswerk der Agudas Jisroel Pros. Dr. Eisler, für die Misrachi die Herren Schalom Lilienfeld und Makkiel Grünwald erschienen. Namens der Exekutive nahmen mch Herr Qbervabiner Dr. H. P. Chajes und namens der Zentralrates Frau Anitta Müller-Cohen teil. Ms Schriftführer fungierte Kultnsgemeinde-Wizesekretär Meißler. Dr. Krämer gab einen historischen UebeMick über die Gründung und die Tätigkeit der WelchillfÄoNferentz und die allmähliche Durchsetzung der von ihr ausgestellten Prinzipien, insbesondere, daß da§ Hilfswerg Sache des ganzen Mdischen Volkes sei, daß der Unterschied zwischen Nchmer und Geber auszuhören habe, die Betroffenen selbst zum Hilsswerk heranzuziehen, die lokalen Organisationen unter Wahrung ihrer Autonomie mit der Hiffsarbeit zu betrauen seien und die Hilfsarbeit systematisch und besonders aus rekowstruktivem Wege zu führen sei. Referent erinnert mit Genugtuung au die große Aktion der Wiener Judenscha.fi für die ukrainischen Pogromopfer, welche von großer agitatorischer Bedeutung war. , Der WelthilfskonserM, welcher Organisationen auS 60 Ländern angeschlossen - seien, ist es nach UeberSvindung großer Schwierigkeiten gelangen, für die.dringende HM mehr als 20 Millionen Franken aufzübringen und auch für den Wiederaufbau größere Summen bereitzustellen. Das größte Verdienst erwarb sie sich um die Regulierung der Flüchtlingsfrage in Polen und Rumänien und das Hi'lfAverk in der Ukraine, wo sie eine große Anzahl von KindeMchen und sanitären Anstalten ins Leiben rief und unterstützte. Sehr wichtig und von großer Bedeutung für das Judentum sind die internationalen Beziehungen, die. mit dem Roten Kreuz, der Internationalen Union für Kinderhilfe urck der Flüchtlingskommission Nansen beim Völkerbund angeknüpft Warben. Auch die Teilnahme der Juden an der internätionalen Gmigrationskonferentz in Rom ist als ein Erfolg zu werten. Der Referent begründete die Forderung nach Gründung eines zentralen F i n a n z i n st i t u t e s für EmigrattonS- und HilfSUwecke, als welches von der Welthilfskonferenz die Bereinigte jüdische WolkSbank (United Jewitish Peoples Bank) in Paris und London gegründet wurde. Gin Teil des MtienbapMes von ■50.000 Psnud sei schon ausgebracht und eS sei Sache des Judentums, sich an der Aktienzeichnung zu beteiligen. Soll Mn vre große Organisation von Dauer sein, müsse an die Gründung eines We'ltv erb andes für jüdisch e .soziale Fürsorge geschritten werden. Ein jüdischer RettungsfonLs muß ins Leben gerufen werden, für welchen die jüdischen Fürsorgeinstitutionen, insbesondere die Kultusge- ME MorMizeliSM. 8. Mn! ISA fit. mt iiieiiiben ständige jährliche Beitrage abzuführen hätten.- So wird es gelingen,-einen Dauersonds zu schaffen, aus dem in Zeiten der Not, die ja periodisch über einzelne Teile des .Judentums hereinbricht, die Notleidenden beteilt werden sollen. Es wird dann nicht notwendig sein, im gege- , denen Moment wieder an die Sammelbüchse zu klopfen und den betroffenen Teilen des Judentums - wird dann ein Recht z u st e h e n, aus dem Hilfsfonds unterstützt zu werden. So wird die chaotische jüdische humanitäre Wirksamkeit, welche jährlich 200 Millionen Dollar aufbringt, auf ein höheres^ nationales Niveau gebrächt.'' ' . Mit diesen großen Problemen gehe die Exekutive in die Einberufung der zweiten Welchilsskonferenz und erwarte das. Verständnis und die Mitarbeit des'gesamten Judentums. Nach dem Referat gelangte die nachstehende Resolution zur einstimmigen Annahme: „Die unter' Vorsitz des Präsidenten der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Herrn' Prof. Dr. Pick, am 1. Juni 199t im Sitzungssaals des Kultusvorstandes tagende Sitzung der Vertreter der Kultusgemeinde und der jüdischen Fursorgeinstitut'ionen nimmt der Bericht des - Vertreters der Exekutive der Mischen Welch ilfsikonfcrenz, Herrn Dr. Markus Krämer, über die Tätigkeit der letzteren mit Befriedigung zur Kenntnis, und begrüßt die Einberufung der zweiten'jüdischen WeMsiWonferenz, welche im August 1824 tagen und einen Weltverband fürjüdische soziale Fürsorge ins Leben rufen soll." - . Tragisches Schicksal zweier Wiener in Kanada. Zwei junge Wiener, die vor Jahresfrist über See gegangen sindscheinen im Lorenzostrom ertrunken zu sein^ Wir erfahren darüber: Im Mai vorigen Jcchres sind aus ihren Wiener. Wohnungen der damals 20jährige Johann H o l -i c e k, Mohrengasse 18 wohnhaft, und der 22jährige Bäckergehilfe Richard Wagner, Van Swietengasse 4 wohnhaft, verschwunden. Sie gedachten nach Amerika auszuwanbevn, Vevsügten aber weder über Geld noch Papiere. In Kiel versteckten sie sich als ,/blinde Passagiere" an Bord des Frachtendampfers „Arkansas", der nach Kanada in See ging. Mts das Schiff den Kanal La Manche passiert hatte: kamen die jungen Wiener hervor. Der Kapitän ließ sie an Bord und verwendete sie bei der Arbeit im Maschinenraum und an Bord. Als das Schiff nach langer Fahrt bei Montreal vor Anker ging, wurden sie ungehalten und von der Vinwan-derungspolizei verlhastet. Acht Tage blieben sie in Haft und als-am achten Tage das Schiff neuerlich in See stechen sollte, wurden Holicek und Wagner an Bord der „Arlkansas" gebracht, mit der Weisung, daß der Kapitän sie nach Deutschland zurückbefördern sollte. Das Schiff lag noch im Lovenzostrom. Am Tage nach der Einbringung der beiden blinden Passagiere kam man darauf, daß sie nicht mehr an Bord waren. An der Backöordseite war ein Tau befestigt, das bis zum Wasserspiegel des Stromes ging und den Weg zeigte, den die beiden jungen Leute, ihre Kraft überschätzend, genommen hatten, um nicht nach.Europa zurück zu müssen. Sie waren beide tüchtige Schwimmer, hatten aber jedesfalls von der Kraft des mächtiges Stromes keine Ahnung, wußten nicht, daß. eine Flucht durch den Strom den Weg in den Tvd ^bedeutete. Ueber das Schicksal 'des Holioek herrscht leider Sicherheit. Am 20. Mai 1923 wurde, bei Que^bek seine Leiche ans Land getrieben. Was mit Wagner geschehen ist, kann nicht genau geisagt werden, doch durfte er kaum glücklicher als sein Bereiter gewesen sein. Tragisch ist, daß die Schwester des Holicek, die in den Vereinigten Staaten lebt, als sie von der Ankunft des Bruders gehört hatte, die große Reise nach Kanada unternommen hat. Sie ist nur um einen Dag zu spät gekommen, um feinte Flucht vom Schiff zu hiutertreiben. Noch tragischer ist, daß sich der Vater des Holicek den Verlust feines einzigen Sohne's derart zu Herzen genommen hat, daß er vor einigen Monaten vom Schlage gerührt wurde und auf der Stelle starb. Von beiden jungen Leuten sind damals Briefe an die Ettern eingetroffen, in denen sie sagen, daß das Schiff ,-Arkansas" wohl zurückfahve, daß sie aber nicht-auf dem Schiff fein werden. 2ie Forderonge« der Straßenbahner. Gestern haben im Rathaus Von 11 Uhr vormittags bis in die späten Nachtstunden mit 'einer kurzen Pause unter Vorsitz des Btzebürgermeisiers Emmerling und Stadtrates Speiser Verhandlungen mit den Vertretern der Straßewbahner stattgefunden. Es kam eine vorläufige Einigung zustande, die einer heute stattfindenden Vollversammlung Vovgelegt werden wird. Diese Vereinbarung betrifft die L o h n verhält n is s e, die Dienstfolge, die Betriebsverlängerung bis 12 Uhr nachts, den Bahnhofrundverkehr und die damit zusammenhängenden Fragen. Keine Erhöhung des Straßenhuhntarifs. In der Straßenlbahnerversammluug am Samstag behauptete ein Vertrauensmann, daß bereits Karten zu dem künftigen Zwe'itausendkronentavif gedruckt vorrätig liegen. Die RathaMorrespoudenz ist ermächtigt, demgegenüber p erklären, es fei vollständig unrichtig, daß seitens der Straßsübahnldirektion eine Tariferhöhung vorbereitet wird und daß sich die Fahrscheine eines neuen Novmaltarifes bereits in Druck 'befinden. Es werden vielmehr die Fahrscheine nach wie vor zu den gegenwärtig bestehenden Tavifausätzen bestellt und gedruckt und erst vor kurzem sind Beistellungen auf Fahrscheine mit dem Aufdruck des geltenden 1700 Kronen-Preists erfolgt. Trüber Wetter. Rach eim Dauer von drei Wochen begann sich gestern das prächtige Höchst mrmrwEer zu trüben wtb brachte geringfügige Niederschläge. Die Temperatur ging unwesentlich zurück. Für h e u t e kündigt die Voraussage trübes und kühles W ette r mit Regen an. Letzte Nachrichten. Ae englisch-russische Konferenz tun dem Abbruch? Das Scheitern einer Anleihe. London, 2. Juni. Beide Parteien, der anglo-rüssv schen Konferenz scheinen einig, ^.daß ein Zusammen, bruch der Konferenz schwer zu vermeide« sein werde, falls die Cithkreise nicht entgegenkommev werden. Wenn die Regierungsgarantie für die Anleihr ausgeschlossen ist und die Bedingungen der City immer noch entsprechend dem ursprünglichen BaEevmemvrandum bleiben, sind die Aussichten für die Anleihe gleich Null und dadurch werden auch weitere Verhandlungen anderer Punkte zwecklos. Deshalb geben beide Parteien ihre Diskretion auf. — Rakow sk i gibt ausführliche Interviews. Mae Nonald-Hmiot. London, 2. Juni. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeitung".) Zr> den ftanzötsiischen Meldungen Mer einen Brief Mai Donalds an H erri ot berichten die Abendblätter, Mac Donald habe Herriot eingeladen, nach London zu kom> men, um über die Durchführung des D a w e 's p r o j e k 13 zu beraten. Er habe sich auch bereit erklärt, im Falle einer Berhinderung Herviots nach Paris zu kommen. Herriot habe erwidert, daß er noch nicht Ministerpräsident sei und sich daher die Antwort Vorbehalten müsse. In der Downingstreet erklärt man, daß die Meldung über den Bvief Mac Donalds an Herriot nicht ganz richtig ssi, Mac Donald habe keinen offiziellen Brief an Hernot geschrieben, ^dagegen habe in der letzten Zeit ein Gedankenaustausch zjwilschen Herriot und Mae Do,naldi über die Möglichkeit einer Zusammenarbeit stattgefunden. 2er Mordanschlag gegen Seeckt. Schluß der Zeugeminvernahme. Berlin, 2. Juni. In der heutigen Verhandlung im Attentatsprozeß Seeckt wurde mit der Zeugeneinvernähme fortgefähren. Als erster Zeuge wurde Obervegievungsrat Mühlhausen vom Reichskommffsar für öffentliche Sicherheit einvernommen. Der Genannte furchte «ach, zuweiseu, daß das Attentat wiMch ernsthaft geplant gewesen fei. Zur Begründung zitiert er einige Stellen aus der „Deutschen Tageszeitung", äyfe er als Organ der Mdeutscheu bezeichnet. Der nächste Zeuge, Obervegierungsrat Weiß, erklärt, er halte seine Behauptung aufrecht, daß das Attentat gegen Seeckt nicht ernsthaft gemeint gewesen sei. Würde die politische Polizei, sagte er, ihre Archive öffnen, >würde man von Hundert von geplanten Morden erfahren, die niewals ausgeführt worden seien. Morgen werden die Plaidoyers beginnen und vielleicht Wird auch das Urteil gefällt werden., 2er Prozeß gegen Ankermau«. Zn sechs Jahren schweren Kerkers verurteilt. Berlin, 2. Juni. (Del. der „Wr. MovMzeitung".) Vor dem Schwurgericht fand heute der Prozeß Men den Uchcher des Anschlages auf Maximilian Harden, den ehemaligen Oberleutnant Anke «mann, statt, dessen beide HeHershelser bekannMch schon ahgeuvteilt sind, wogegen sich Ankermann seinerzeit seiner Verhaftung durch die Flucht nach QestevWich entziehen konnte und erst später verhaftet wurde. , MaKöMian Ha^rden war zur Bechandlung nicht erschienen, sondern hatte ein ärztliches Attest emgesendet, demMisoljge er sich in ärztlicher Behandlung befindet und eine Reise nach Berilin Nicht ohne schwere gesundheitliche Schädigung unternehmen könne. Bei der Vernehmung erklärte AMvmanr^ schon dreimal wegen Betruges mit Geldstrafen vorbestraft zu sein. Der Staatsanlwalt ' beantragt» drei Jahr« Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust. Der Prozeß endete mit der V e r u r t e rf un g Ankerwan ns wegen versuchten Mordes zu sechs Jahren schweren Kerkers. 2ke Hakenkreuzkrawalle in der Praterstraße. Die KorrefpoUdenz Wilhelm Meldet: In einem MontagWatte wuvde, berichtet, daß es am Sonntag in den Abendstunden in der. Pratevstraße zu Ausschreitungen nationalsozialistifcher Parteigänger gegen Kafsieehausgäste gekommen sei, ohne daß die SicherheitSwache interveniert hätte. Demgegenüber stellt die Polizeidiveküon fest, daß sie sogleich nach Verübung des An- Mages auf den BundeMnzler mit Rücksicht auf die zu ge-wärtigende Erregmg unter -er BeviMerung deü normalen RaponMenst ganz bedeutend verstärkt und insbesondere auch sür einen Patrouillendieust vovgeforgt hat, um allfälligen Ausschreitungen sofort entgegentreten zu können. Als um etwa 11 Uhr nachts eine Grupps jugendlicher Personen, anscheinend näüonallisoziMftischev Parteizugelhörigkeit, in mehreren Kaffeehäusern in der Praterstraße Gäste beschimpfte und auch tatsächlich insultierte, war daher Siche vheitswa che sofort zur Stelle, griff ein und hielt z w e i der an den Ausschreitungen beteiligten Personen an. Die Ausforschung der Übrigen ist im Zuge. Gegen diese wird die entsprechende Svmt^halndlung einge'leitet Werden. 'Der verstärkte Sichecheitsdienst Wibt,übvigenS auch in den nächsten Tagen auftecht-