Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1902 (1.6.1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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»cirfelf Men, Sonntag Wiener Morgenzeitung. 1. J'nm 1924 Nr. IM Nie Musilwoche in Rrw-Vork. Die /.'He Woche int Monat Mai gilt seit sechs Jahren in New-Uork als MuisMvoche. Sie ist in 'der Regel mit einer musikalischen Ausstellung verbunden, die immer regen Anspruch findet. Finanziett wird die Musilwoche unter anderent auch von der Organisation der MnstkinstrnmentenhäMer, für die diese Veranstaltung eilte Art Spezialmesse bedeutet. Den Höhepunkt der Musilwoche bildet die Vorführung der Volksmusik aller Staaten und Nationen. In diesem Jahr-e wurde diese Revue der Musik der verschiedenen Völker in der Aeolian Hall abgehalien. Während jedoch ln den früheren Jahren auch die jüdische V o l k s m n s i f durch ein eigenes Konzert im Rahmen der Veranstaltung zu Worte kam, ist in der heurigen Musilivochc die jüdische Volksmusik tticht in das Programm ausgenommen worden. Der Direktor der Veranstaltung, Prof. Dr. Finley, erklärte auf eine Interpellation wegen dieser Unterlassung, daß ihm hierbei jede verletzende 2Wcht ferngelegen sei und daß er sehr gerne das Programm mit einem Kongert jüdischer Volksmusik bereichert hätte, wenn die, in Betracht kottitttenden Faktoren von jüdischer Seite sich hierzu gemeldet hätten. " ■ Aus de« Theatern. Burgtheater. Morgen, 7 Uhr abends, „D e r K a u f m d lt n von Venedig", Dienstag, 7 Uhr abends, „D i e r o t e M ü h l e". A k a d e m i e t h e..a t e r. Dienstag, '/»8 Uhr abends, „Garten bei Sitflcitb". K a m m e r s p i e l e. Heute und morgen „L i s s y, d i e Kokotte" mit Erika G l ä ß n e r. Rosa V a l e t i wird in Egon Erwin Kisch' Groteske „Die Galgentoni" die Titelrolle darstellen. Volksoper. Heute „T o s c a", morgen „D e r Freischütz". Dienstag „C o s i f a n t u 11 e" und „S ch a n s p i e l d i r e k t o r". Raimund-Theater. Heute spielt Irene T r i e s ch . die Rebekka West in Ibsens „RosmerShol m". Am 17. Juni beginnt die E x l - B ü h n e ihr Gastspiel. Die Exl-Leute werden hier einen vollständigen Anzengruber- und Schönherr-Zyklus zur Darstellung bringen und dazwischen auch einige sehr lustige Bauernpossen cmfführen. Neues Wiener Stadttheater. Morgen 28. Aufführung der Pariser Sensationskomödie „Dieschw.arze Theater in derJosefstadt. Heute, */,8 Uhr, . ferner morgen und Dienstag „Der Kaufmann von Venedi g". Carl-Theater. Heute letzte Aufführung „Blaubar t". Von Montag bis einschließlich Freitag bleibt das Theater geschloffen. Samstag Uraufführung „Die Königin der Nach t", Musik von Walter Kelle. Johann Strauß-Theater. Freitag Erstaufführung der Operette „D e s K ö n i g s N a ch b a r i n". Modernes Theater. Heute, */,8 Uhr abends, „58. G. B. § 1812". Donnerstag zum ersten Male Jacques Offenbachs„Pariser Leben". Avollotheater. Von heute bis inkl. Mittwoch spielt spielt Herr Dr. Lothar R i e d i n g e t die Rolle des Jacques in der holländischen Operette „Die Königin vom Montmartre". Schlußvorstellnng im Gong. Vor Antritt seiner Gastspielreise spielt das neue Fignrentheater heute, Uhr abends, im Grillparzer-Saal der Hofburg (Eingang unter der Michaelerkuvpel) „Ein G e l ö b n i s" von P o c e i. Versteigerung von Werken Isidor Kaufmanns. Am 2. Juni findet im Dorotheum in Men eine große GemälveauRion statt, die außer acht MeisteowerikM von Waldmüller nnld hervorragenden BDe.ru von Amerling, Engen v. Maas, Jchndo Epstein, Hugo Kaüffmcmn, KoÄloek, Kowalskh, L. K. Müller, Ommegcmck, Pappevitz, Pettenhofen, F. T. Pckter, Rasfält, Ranftl, Rumpler, Scheilifhout, Schuster, Bautier, Gabriel Max, Spitzwoa, Aquarellen von Rudolf Al t, Calame, Greil, Jettel, Klimt und Wigand sowie Miniaturen vom Daffinger, JpM, Saar und Theer nicht weniger als zchn Hauptwerke des berühmten und auch im AuslaiÄ,, besonders in IlmerAa hochgeschätzten vor drei Jnhren Vemtovbeii-en Wiener Malers Jlidor Kaufmann enchMt, die in dem Ken erschienenen, vorzüglich ansgeftatteiien Katalog würdig reproduziert sind. Neben einem gMzischen Dorfmotiv und dem Innern einer Synagoge, einem seinen, kleinen StillebM und einem GenvMld erregen vor allem fünf seiner famosen JudeiEpfe unsere Bewunderung, besonders Vas Hauptstück „Der Knabe", Kat. Nr. 58, „Der Jüngling", Nr. 57, und „Der Mann", Nr. 56. Auffallend sitch die, niedrigen Dchätzungspreife. Für das Jüdische Mufeninr wäre jetzt Gelegenheii, Meisterwerke Isidor Kaufmanns günstig zu erwerben. Dritte Kollektivausstellung Uriel Birnbaum. J-m Saal des Neuen Fvauenkliibs (1. Bez., Tuchlauben il) hat der jetzt drÄßigjähmge Maler und Dichter Uriel Birnbaum seine in den. letzten vier Fahren geschaffenen Werke zu einer einvrucksvöllen Schau vereinigt. Zunächst der Zyklus „Mosetz" (1921 bis 1924), bestehend ans 52 Blättern, und der Zyklus .F>er Kaiser und der Architekt" (1921 und 1922), bestehend ans 50 Blättern, zwei Werke, die demnächst in Mappensorm erscheinen werden, ferner Zeichnungen zu dem Gedichtbande „In Gottes Krieg" (1919), der Zyklus „Von Welt zu Welt" (1919 und 1920), Zeichmrimen, mm Märchenbuch „Alice im Wunderland", m dem Gsdichdbrlche „Leben in Liebe", der Zyklus „Der Seelenspiegel", Totentanz-Blätter, die Entwürfe zu dem Schon Werk Weltuntergang", Porträtzeichnnnzen, „Da8 und eine Reihe von Einzelblättern. Die bereits erten Dmckwerke Uriel Birnbaums liegen in der AusstellnnK, die tm Rahmen der „Wiener ZeiEnnst" stattfindet, «tr Emsicht auf. Ei« jüdisches Museum in Mantua. Die Direktion des hMvtzNchen Palais der Stadt Mantua hat alle diejenigen Mv«r. die alte jüdische Kultusgegrnstände von ÜmfiletAchem Charakter oder historischer Bedeutung besitzen, «MÄovbert, sie einem zu grüßenden jüdischen Museum zur NechÜgung m stellen. Das Museum hat den Zweck, ein Bild von den alten, so sehr interessanten religiösen Bräuchen zn baoahvsn. Der Eimadunig wurde entsprochen, nnd es sind Won sirre Reche .sehr interessante Gegenstände gesammelt; so Ate oabewm ein prächtiges, durchsichtiges Pergament (eine Mchrfcheinttch aus tat Zen «m 1500 stammende Arbeit), guf d«n «mr SechuLoh fwiratSvertvag) «schviÄen ist. ferner S^eHchüssrki» rrvchrere antike BuchanSgaiben usw. fwtuflwejtttit «Zaaver. Das Blatt erscheutt ÄS HagMÜtthMoaphie «rf Japan, signiert von Viktor Tischler AN» EvNa Wagner, rn einer immemerten Anklage von 60 Ab- Mnöttm Vethig der KunschaM«« sSürthle in der Aus der Musikwelt. Ende Septsmlber findet in Leipzig ein dreitägiges Händel-Fest statt, dessen Programm alle Gebiete des Händelfchen Schaffens umfassen wird Das Oratorium „Belsazar" gelaugt zur sizenüschsn Außfühmug. — Hermann D n r r a, der in Berlin leibende Komponist, von dem kürzlich ein Schelmenspicl „Der Frühlings regen", Text von Ebechavd König, in Nürnberg zum erstenmal aufgeführt wurde, arbeitet an einer komischen Oper, der ein Werk von Calderon zugrunde liegt. Versteigerungs-Einteilung ^a«4 Täglich Pretiosen; Jeden Di Silber 1 und Chinasilber; Jeden Ml Brll-1 Unten- und Perlenschmuck im Franz-Saal. Täglich Qebrauohsgegenstände im Ludwigstorff-, Rössler- und Kolonrat-Saal; jeden Dl schone Wäsche, Kleider, Pelze, Perserteppiche, Nähmasohinen und Fahrräder; jeden Mi Photoapparate, Operngläser, Trieder, Reisszeuge. Mikroskope, Schreibmaschinen im Ludwigstorff-Saal. Jeden Do Schönes Mobiliar, moderne Gemälde,Teppiche, Luster. Klaviere, Pianino, Arbeiten des Kunstgewerbes im Franz-Josef- Saal —Di, den 3., Mi, denll. und jeden Fr. im Hoch-Saal, ferner Mi, den 4. und Sa, den 14 im Dechau-Saal: Kunstgewerbe, Gemälde, Reproduktionen, Antiquitäten und Teppiche. — Jeden Di und Fr Möbel, Luster, Beleuchtungskörper, Bilder, Hausgeräte im Ulashof. Fr, den 6, Musikinstrumente und Musikalien im Ludwigstorff-Saal. Mo, den 2., Do, den 5. und 12., Fr, den 6. und 13. und Sa, den 14. BUoher Im Eminger-Saal; ausserdem Di, den 10 und Mi, den 11. Bllcher ausser Katalog verschiedenen Inhaltes, Romane, Erzählungen, Konvolute etc. im I Dechau-Saal. ledern Di und Fr Briefmarken, Vl.Mariahiifersir.73. jeden Mi Teohnlaeho Auktion: Autos und Bestandteile, Maschinen, Werkzeuge, Armaturen, Altmaterial, VUI., Feldgasse 6. Di, den 3. bis Do, den 6. um V,3 Uhr nachm.: Vollständige Einrichtung von B Zimmern, Halle samt Nebenräume; erstklassige Möbel (Jaray;, Perserteppiche, Gemäde, Textilien, Klnbgarnituren, Kunstgewerbe, Chinaj Silber, ‘‘Orientallka,; Geweihsammlung u. a. Versteigerungssaal Margareten, V. Strohbachgasse 8. Täglich Schaustellung von 1 Uhr an ■ Samstag, den 7. (Pfingstsamstag) keine Schaustellung und keine ■■ Auktionen, Montag, den 9. (Pfingstmontag) geschlossen! H Beginn der Versteigerungen (wo nichts anderes bemerkt) um 3 Uhr Näheres in den „Mitteilungen1* und „Nachrichtenblättern". 2. und 3. Juni 1924 353. KUN ST AUKTION Gemäldesammlung hervorragender Wiener nnd dentaoher Meister des 19. Jahrhunderte J. Alt, R.v. Alt (6 Werke), F. v. Amerling, E. v. Blaas (3 Werke), A. Calame, A. Couder, J. Epstein, Hugo Kauffmann (4 Werke), Isidor Kaufmann (10 Werke), Oustav Klimt. H. Koekkoek, H. Larwln, Gabriel Max (2 Werke), L, C. Müller, F. G. Papperitz, A, v. Pettenkofen, F. X. Petter, J. G. Raffalt, M. Ranftl, F, Rumoler, G. Schachinger, A. Schelfhout, A. H. Schram, J. Schuster, B, Vautier, r, O, Waldmüller (9 Werke), B. Wigand (8 Werke) Gemälde alter Meister E. Baschenis, G. B. Guyp, A. v. Everdlngen, Frans Francken, Heinrich Füger, D. Gran, H. Janssens, P, Lely, W. van Mieris, D. Tiepoli Miniaturen von M, M. Daffinger (2 Stück), von R. Ipold (17 Stück), Saar, A. Theer n. a. Graphik, Tapisserie, Teppiche, Antiquitäten, Wallen, Spitzen SCHAU STELLUNC!af°gf S VBASTEIOEKUHg« JSSjÄ?L4u “Ä: Gerichtssaal. Der Leifen-AeWch vor Gericht. Am gestrigen fünften BwHaüdknngstag erstatteten die BuchsachveHändigen ihr Gutachten. Vorher wurden noch einige Anklagesakten erörtert. Es wurde dein Angeklagten vorgewovfen, daß Effekten mehrerer Einleger der Oesterreichifchen BEsbank^ in den Büchern nicht verzeichnet waren. Der Vorsitzende konstatierte jedoch, daß die fraglichen Wertpapiere in anderen Bankinstituten vevioahrt waren, weil die Volksbank keine Tresors beisaß. Eine Gutschrift-von 509 Millionen auf den Namen des Trebitsch erklärte sich, ZeugeMussagen zufolge, durch den Verkauf seines Lokales und der Einrichtung an die Volksbank. Das erhaltene Geld sei zur Gänze zur Befriedigung der Gläubiger der Volksbank verwendet worden. Ms Gegenwert erhielt Trebitsch Anteilscheine her Bank in der Hohe des genannten Betrages. Der Konkursmasseverwalter Dr. Häril sagte aus, daß die Einleitung des Konkursverfahrens nur einem Zufall gnzuschrerben sei. Der Antrag ans Verhängung des Konkurses wurde lediglich wegen einer EIpensensorderung in der Höhe von 600.000 K. gestellt. Da die Summe der Miven die der Passiven nahezu erreichte, war es von vornherein sicher, daß auS den Mitteln der Masse die Gläubiger schadlos ^hätten werden konnten. Der Koukurskommissär.Hofrat Biber gab als Zeuge an, daß der erste Ausglsichsantrag aus Grund des Gutachtens des Professors Einöhrl aus 100 Prozent lautete. Nach der Ansicht ldes Zeugen war der Angeklagte sicherlich der Meinung, daß er tatsächlich aktiv sei und IM .Prozent bezahlen könne. Das eingeleitete Ansgleichsverfcchr-en Legen die Oesterreichische Bolksbank wurde eingestellt, wsil Me GläMger bestiesoigt wurden öder sich wenigstens keiner indähr bei dem Zeugen meldete. Aus Bestagen der Verteidiger erklärt Hosrat Biber, daß Trebitsch im Interesse der Gläubiger tätig war, sich bem-ühte^ Geld aulszntreiben und immer neue Mittel dem Idrrte-mchmen zusuhrte. So weit die Mtenkenntnis des Zeugen reiche, evge'be sich kein AnhMSpunkt dafür, 'datz Trebitsch ein Betniger sei. Das Raggendorser Werk sei nach der Enthaftung deS Crebttjch durch diesen wieder in Betrieb gesetzt wotden. Der AnSgleichsveNvÄt-er Dr. Kappelmache, gab den Wert des Raggendorser Werkes, dessen Ertragnis jährlich einige hundert' Millionen betrage, nrit zchn bis ttf MiMarden an. Die Angeklagten Trebitsch und Ellner verantwor-teten sich damit, daß -ur Zeit ihrer Vechaftung alle Bücher vorhanden waren, aber später inslbefondeve inhölge mchrmälige, Transporte in Vetltch geritten. Trebitsch «Märte, er habe M ftkm Verhaftung eine Eingabe an dg- Gericht ge- «acht, bch et» der vchUMbche, bei bw* XUbm mhme durch das Gericht angelegt werde. Dies,er Vorschlag sei nicht berücksichtigt worden. v Die gewesene Sekräterin des Trebitsch sagte aus, daß der größte Teil der von den Unternehmungen abgeischlossenen Geschäfte ordnnngsgÄnäß cssektuiert wur>e, und daß die Zahl der Reklamationen relativ geringfügig war. Ae Salti« mit der Schere getötet. Vom Morde freigesprochen. Aus Wr.-Neustadt wird uns bmichtet: Vor dem hiesigen Schwuvgericht hatte sich gestern der 53jährige Friseur Milan Ke!ez wegen Verbrechens des Mordes zu verantworten. Delv Beschuldigte hatte im Jahre 1900 die um acht Jahre ältere Jriseurswittvr Hedwig P e i t l geheiratet, um Meister zu werden. Die Ehe war sehr unMMch, zumal der Mann ein Trinker war und die Frau ihm seit 1913 die ehelichen Beziehungen verweigerte nnd insbesondere seit dem Besuch einer angeblichen Stiefschwester sehr eiferifüchtig war. Am- 28. Februar dieses Jahres hat der AngeAagte von seiner Frtn eine Zärtlichkeit begehrt, war aber von ihr abgewiesen worden. Darüber geriet er in derartige Aufregung, daß er der im Bette liegenden Frau die Haarschere in den Unterleib stieß. Er verließ dann das Zinmrer, welches er absperrte. Zwei Stunden später hörte eine Nachbarin mehrere Male um Hilfe rufen und fragte den Mann, ob seiner Frau schlecht sei. Kakcz sagte: „Ich werde schon machen." Zu seinem Zichsöhn sagte er, daß er der Muter etwas angetan habe und sich jetzt der Gendarmerie stellen rde, was er auch tat. Der Angeklagte warsgeständig, erklärte aber für unschuldig und schiliderte in weinevlichem Ton, daß urch 20 Jahre an der Seite seiner Frau ein wahres Mar- ..um durchgemacht habe. Er durfte nicht im Zmemer schlafen, sondern mußte in der Küche oder inr Geschäft die Nacht verbringen. Die Frau habe die ganze Geldgebarnng in Händen behalten und er habe erst gegen abends etwas zu essen bekommen. Er sei am Tage der Tat in einen derartigen Zorn geraten, daß er nicht wußte, was er tat. Er habe nicht im geringsten daran gedacht, daß er seine Frau veÄetzt habe und wollte sie noch, als die Gendarmen kamen, um Verzeihung bitten. Er bereue seine Tat auf das tiefste. Die Frage des Staatsanwaltes, ob sich nicht einige Zeit vorher etwas ereignet habe, was seiner Frau Anlaß gab, sich ihn:', zu verweigern, verneinte der Beschuibdigte. Der Staatsanwalt ließ nun einen Brief verlese^, welcher eine Anzeige enthielt, daß Kekez ei« schwachsinniges Mädchen, welches bei ihm bedienstet war, mißbraucht habe. Der Staatsanwalt, behielt sich vor, bezüglich dieses Vorfalles die AMage zu erheben. Atehrere als Zeugen vernommene Personen schildern die Ermordete als eine tvahre Furie, mit der nicht auszukommen war, und eine Hanspartei äußerte, daß jeder andere Mann die- Frau ebenfalls umgebaucht hätte, welchen Ausdruck der Vorsitzende strenge rügte. Der AngeAagte wird hingegen als ruhiger, anständiger Mann geschildert, der keimm was zu Leide tun konnte. Auch der Ziehfohn des AngsAagten schildert ihn als gutmütig und erklärte, daß der Vater mit der streitsüchtigen Frau ein furchtbares Leben führte. Für die" Unverträglichkeit der Ermordeten spricht die Tats>ache, daß sie ihre Zichtochter durch ihre Gehässigkeiten auf die Straße getrieben hatte. Die Gerichtsärzte bezeichneten den Beschuldigten in ihrem Gutachten als einen infolge mangelhafter SchuMldung und Erziehung moralisch znrückgMiebenen, nach einem unglücklichen Ehelelben dein Alkohol ergebmen, energie- und willenlosen, reizbaren Menschen, der zur Zeit der Dat zwar nicht sinnesverwirrt gewesen sein mag, jedoch die Dat im Affekt begangen haben dürfte. Die Gefchwornen verneint c n die an sic gestellte Hauptfrage auf Mord einstimmig, die Eventualsrage auf Totschlag wurde mit elf Stimmen verneint. Auf Grund dieses Verdikts wurde der AngAagte f r e i g e s p r o ch e n. Der Staatsanwalt erhob die Nich!igkeits-beschwerde und beantragte die Haftbelassung des AngLklagten, da der Akt dem UntevsüchunKvichtsr zur Vorrmtersuchung wegen Verdachtes des Verbrechens der Notzucht übevlveise. Der Gerichtshof gab dem Antrag statt ui>!d beschloß, die Enthastnug von der Entsscheidung des Unttvsuchnngsrichters. abhängig zu machen. ' * Wenn «um jemand auf die Hühneraugen tritt. Natürlich geschieht das am leichtesten in der Elektrischen, auch wenn zufällig gerade, keine passive Rüsisten« herrisch!. Der Schaffner springt ans daS Trittbrett, wo sich schon ein Fahrgast befindet. Möglich, daß er diesem dabei auf die Hühneraugen getreten ist, inöglich auch nicht. Der Fahrgast behaichtet eS wenigstens bei Gericht, wo er sich zu verantworten hgt, da er dem Schaffner angeblich einen Stoß versetzt haben soll, der darauf sÄbstverständlich den Wagen halten ließ, um einen Wachmann herbeizuvnfen. Der Fahrgast: Er .ist mir auf beide Füße getreien und ist in dieser Stellung veaharrt. Da er auch weiter auf meinen Füßen stellt blieb, gab ich ihm einen Stoß, damit er heruntersteigt. Der iBcha-ffner: Es ist möglich, daß ich an seinem Fuß rmkmn und diesen streifte. Urteil: Wegen tätlicher Ehrenbetsidigung 600.000 Kronen Geldstrafe mit der Begründung, der Angttlngte hätte. den Schaffner auiffordern müssen, von seinen Füßen herunterMteigen, was jedoch nicht geschehen ist. Pr^essor Plate als Kläger. Im 28. Mat fand vor dem Jenaer Mmtsgerichi eine BeleidigungsÄage. des bekannten Prof. Plate >gegen:den Redakteur des „WT l.der Humor istischen Beilage de- .Meckliner Tageblatt"), Müf Wienerzoologischen Vorträge an der .Jenaer Ün^versitä-t 'durch antisemitische Ausspruch e würzt. U-eber dicfe Airt, Wissenschaft zu verbreiten, hat Jvfef WreneEraunsberg im Mi“ ein humoristisches Gedicht veMentttcht, durch welches sich Prof. Plate beleidigt fühlt und die Mage echob, Bor Gericht gab der angeklagte Redakteur au, sr sei Jude und habe sich durch Pvof. Plate beleidigt geWlt, weil dieser in seinen Borlesimgeu die Iuden all» minderwertige Rasse bqeichütt hat. Ju berechtigte SeLWvehr habe er zu der Waffe der Feder ge«Mn. Prüf. Wate bestritt vor Gerichts i« seinen Barlchmgen von den Juden als minder- Rasse aesprvchrn tu haben. Dies« AuHage deS Zooi» Wv« Wkobe VeMchernng heworgernfen. DaS es.-» i»«S. .GrMraL