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Wiener Morgenzeitung · 1924-06-01 · Heft 1902 (1.6.1924) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1902 (1.6.1924)
Date
1924-06-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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ppp T"”^ rrTTr" X ms AuMe Wilbrandt-Baudius. Z« ihrem 81. Gebrutstage. Heute begcht Auguste W i «lb r aud t - Ba ud «i u s ihren Ar Geburtstag. Mehr 'als 70 Jahve übt .b'ie große Meisterin des BurOheaters ihre iKunlst. (Wie erst' jüngst Heinrich GMckSmann in Erinnerung brachte, hat sie schon im achten Lebensjahre als Dheaterktud in Verstellungen mitgswivkt.) Wunder-bar, Die die Kunst dieser Frau Noch jetzt wächst. JebeSmall, Denn man das Glück hat, ihr auf den Brettern des Burgtheaters zu begegnen, ist es eine Festesst,mde. Die Bornchncheit, die geistige Anmut dieser Men Greisin sind unveGeichilich. Ihre Must des Sprechens und Gestaltens nicht minder. Sie hat auch in der verflossenen GPietzeit neue Rollen kreiert und insbesondere die Me Fürstin in der Komödie „Improvisationen im Juni" war eine unIvergeMche Leistung. . «Mn Wien ist man sich nicht immer 'dessen bewußt, wenn hier große Menschen und Künstler leiben und «wirken. Es ist eine Genugtuung zu wissen, wie sehr die Meisterin Auguste Wilbrandt-Bandius von den Wiener Kunstfreunden geliebt md geehrt wird. Die vornehm schlichte Dame lehnt alle öffentlichen Kundge«bungen ab. Man entsprach dem Wunsche der Meisterin, ihren 80. Geburtstag ohne öffentliche Mer vorübergchen p lassen. Daß sie nun auch im neunten Jahrzehnt ihres Lebens in voller geistiger und GrpeMcher Frische icont Burgtheater wirkt, ist ein Glück für diese Kunststätte und für Wien. Möge si« der Bühne und dieser Stadt Noch lange erhalten bleiben. DE9r.sDBBDanaaainHBaipDiBBBaii«RiBgigaiia w Ei Q /■ » 0 H B n (RedaktionJäJJQMN XLOMFZ1QJO., KunatredaJcUon: Architekt JOSEF HAHN) ,t die einzige seriöse illustrierte jüdische Kunst- und Literatur-Zeitschrift Das Maiheft ist soeben erschienen: ERNST.WEISS: Die Jugetid des Daniel / JOSEF KALMER: Der Maler Henry Jluydtn / MANFRED STUltMANN; Die Berufung / JOSEFAWJN: Anmerkungen tum Kapitel „Jüdische Volkskunst* / Dr. SAMUEL RAP- PAPQRT: Die Toten in der Synagoge / Dr, AÜ6USTA WELpER-STEJN- BERff: Die Rachel. Mit Bild «. Autogramm / IMMANUEL LOW: Salomon Ihn Sakbel / .ANDRE BEAUNOM: Der Bildhauer Jacgues Lipchtts / EDMÖND FLE(I: Die Vision Airahams / AZ1Z DOMET: Jotsef Trumpeldor. Mit einem Vorteort von Israel Zmgtoill / JOSEF HAHN: Die Malerin Mela Muter I AVROM MOREWSKI: Rollen und Regien in Än-skys ,Dybuck‘. MH drei Ssenenbildern ton Nathan Altmann / sowie die Rubrik: Buch, Kunst und Künstler / KwnsiblStter und mehr als 80 lUusirationm Einzelnummer K 18.000 / Jährlich (12 Hefte) K 200.000 «HU.- Mu.II.wmti'.l-Z IBBBBB Hfl HflBKflEf B fl ■ B■HA H Bfl fl*B■HHA HB »fl■S fl Gastspiel Irene Tviesch. f 7m Es macht uns heute kein Bergungen mehr, hinterdas Gehet,nuis der Msenschen Frauen zu kommen. Was halben sie uns zu sagen? Welche Rätsel gibt es zn Lössen, seiOvm die' Psychoanalyse mit der Dämonie ihrer LoigÄ Wbist deu tichsten Mythos ins grelle Licht des Alltags gerückt und zum HausgÄräuch für Backfische und Intellektuelle gemacht hat? Die gute Heldda, die ein Sterben in Schönheit verlangt, voin Weinlaub im Haar schträrurt, mit erotisch verleugnendem AngmatUsschla«g nach jenen Genüssen des Lebens blinzelt, die nur letzter Mut^ letzte EntsHlosfeuheii geben können, erscheint uns als hysterisches «Frauenzimmer, den: ein brutaler Kerl von Mann die Grillen hätte austreibeu können. Hinter jedem Wort ein Fragezeichen, hinter «jeder 'Geste etwas Unaussprechlich-Rnverstandenes, Gespenster des Blutes in die spanischen Stiesel oder Bürgerlichkeit eingezwüngt, Professor Frieud weiß Rat! . '! Unangetastet geiblisban ist der Mechanismus «des Stückes, die Geometrie der «Geschehnisse, das Näder Werk der Dialoge. Otto B.rahlM hat hierzu die passende Melbdie gesunden — Irene T r i c s ch hat sie verstauiden und singt sie wie in den se'li«gen Lessinig-Dhaater-Tagcin, talktsicher, rhythmisch einwamdfrei, .vibrieven!d auch' dort, wo es beim Dichter Gedankenstriche gibt. Sie nl/acht aus den: Weibchen Hedbq eine tragische Figur, gilbt ihr Altmeuschlichkeitstön-e, die zwischen Pathos und Ironie, zwischen HeilMeit und SelbstpeMlage, liegen, füllt tote Stellen mit einer Inbrunst des Leidens, das sich «selbst auf den Dhron hebt: und sogar den Ekel, vor der Mutterschaft, welche., die Au«gst vor der Lan«geweile «(ihre ureigenste Krankheit) bannem sollte, 'gdelt sie in chver heroisch unterdrückten. Aniumlität. So olft das Schauspiel ins Lächerliche albzubiegen droht — für die Nerden des J!ahchn>sdertse>ndes — reißt sie es ins Erhabene empor. ' ' Den SlpießLrdozm'len DeSman stattete Rudolf Zeisel mit allen Details der Pedanterie, des Kleinbürgertums, der gütijgen Geischränlklheit aus: echteste dsu>t>sche SchauspiÄer« tradition, echtester Ibsen-Stil nach BrahMschenr Rezept. Das ^Heldentum, das «in ihm (Zeisel) schlmnnrert, verstand er geschickt zu unterdrücken. Richard Dusch in sky schlug sich ehrlich mit der Besessenheit des genialischen Gjlert Lötv'bong herum. Er riß sich Ms, ve-rblntele flackernd an der Dämonie eines Geistes, der «ihm fremd war. Schade! Er hätte mit Rudolf Zeisel die Rolle tauschen sollen. Man glaubt ihm fein .Baheanielntuinr,' nicht aber die Höhe des Gefühls. «Alfred Naulg^ebauer als Gvack, Mvienne -.GdßAe-r »ls 'Aan'.Mivsteld'.Hölja F/rHer «als Tante «J-Mg, Lina Loos als Dienstmäldchfn «gmlg^n behiüisam wie ans Teppichen, durch «das Gi'ück. Jfn Mfens uordiischer NcheWust ,-dort obvn" sühlten jHH. .OeMflHe. Ä-gch Mw»siicy«^^GiDg. v.'v.; Menev Morgenzeitung. , 1. Ku-ck 1924 SMe 11 yf 1, Xpeüzspem#^ fernen' Spangenschuhe^; ÄchTpap3 Che^reüe 7™ Box 'rfert'enjfiefei 'Sabinen genäht I f&äbraijai.ipbiKCcV ■§ TRahrhengert&hi I r^mTändepspang jn 27-30 ib.000 K:31~55l1&.ooo v»«, •' k OolLeper» ... - .L-_ v handgenaht für tarnen «iSäf^plsChuhe - - für taVLrchssun ö'ox.hLndgentzdt Tfafeplschuhe füriamen braun Box h&nk enS'hf st. fürlleppen Modernes Theater. ,O. «. B. § 1312.“ Komödie von Otto E r n st' Hes s c. Für der: gewöhnlichen Sterblichen scheint der Paragraph, der dem geschiedenen' Ehegatten Verbietet, jene Person zu heiraten, mit der er Ehebruch begaitgen, wenn die Ehe eben dieses Ehebrnches halber geschieden mürbe (die Nummer des Paragraphen entspricht dem deutschen bürgerlicheir Gesetzbuch), eine Fülle von Tragik in sich zu schließen. Anders der Stückeschreiber — Die Feder sträubt sich, Lustspieldichter zu sagen. Er zieht aus jener'viel umstrittenen Gesetzesbestimmung-den Stoff zu einer Komödie und baut drei Akte lang Variationen in Dur und Moll über das Thema: wie begeht der deutsche Schulmann am bcsten^uud wirksamsten seinen Ehebruch? Der wackere Philologe Pergamenter — was wäre dasdeutsche Lustspiel' ohne den Professor, seit dom der Serenissimus erledigt ist, erhält er die . ganze Branche' — will von seiner Frau loSkommen und eine junge Aerztin heiraten. Damit ihn die Gattin sreigibt, umß er (LnstspieAogik) einen Ehebruch begehen, damit « aber die Erwählte heimführen famtf darf er ihn nicht mit ihr begehen. Die ganze Familie und der klassische Philologe des Gynuräsiums zer- , b'rechry sich den 'Kopf, woher man diesen GeliebteniErsatz nahmen könnte und ob der Professor das große Werk vollbringen wird, ohne sich zu „blamieren." Daß sich an diesen Berairmgen auch die zwanzigjährige, theoretisch — bitte, garantiert nur theoretisch —, aufgeklärte Stieftochter beteiligt, ist eine Nuance, die besonderen Geschmack verrät. Uebechaupt verträgt sich Professoren-CharMeristik mit Schlüpfrigkeiten und recht kräftigen Pointen ausgezeichnet. Selbstverständlich findet sich-das Gesuchte, «und zwar inGMt viner exotischen SchMriir, bicvmm Sehnsucht nach ihrer Tropenheimat geschüttelt wird und sE iw Evnmngeluhg anderer wilden Bestien mit dem .dewtschen Professor begnügt. Rach dem der Seiteusp'rung getätigt ist,, löst sich , alles./Untev Ausbrüchen des Stolzes' und der BesÄMW^b Hat^stän' diese Fabel'erzählt, so ist alles erzählt. Mr Mt ist ein trockener, witzloser Dialog und sehr viel Würze, aber deutscher.Ävt. GesPM tmr.de flott und!MMter..MKücken!d, Poll Witz und chtame Älide Krrch ' M rÄd^vechende jüutze^ zösin, auch Frau Sering als Gattin bekundete wie immer scharfe und kluge «Charakterisiernugskunst. Herrn Jensen gelang es trotz der zahllosen Unmöglichkeiten seiner Rolle andem Studiendirektor einen lebenden Menschen;n gestalten. Der Beifall blieb dünn und matt. . K. M. KvMkle. Bronislav Huberman. — Eine Sängerin aus Neu-Seeland. Der erste Eindruck des Huberlnau-Konzertes war die unerträgliche Hitze im schlechtveutiliericn MnsikvereinLsaal, welihe aktch auf den großen Geigenkürkstlcr hemureltd einwirkte. Htlberman spielte deutsche unlb slawische Musik, Bach, Brahms unh Tschai'kowsky. Bleibt er auch mit fciu-cm edlen, süßen Ton und der Hoheit Vornehucheit seines Spieles den deutschen Meistern ttichts schuldig, so zeigt er doch erst in Tschaikowskys Violinkonzert, dessen slawische Seele in ihm starken Widerhall findet, die höchste Stufe seiner techitisch und gesi'chlstnäßig völlig schlakensreien Geigettktlnst. Wie Mols Btlsch heilte in der Wiedergabe des Beethoveilschen Violinkoitzertes ohne Rivalen dastcht, so Hubermon in der klassischen Vollendung seiner Tschaikowskk)-Jnterpretation. Das Konzert der Sängerin Winnie E. Fraser erregte um ihrer fernen Herkunft lvilleir Neugierde. Eine Künstlerin von der Tropeninsel Nett-Seeland, ans welcher in der Phantasie des Europäers troch Menschenfresser hausen, als Jttierpretin nwderner europäischer Lyrti! Die Sängerin, welche von Fvieldrich Wührer feitrsühlig bagloitei, ein bunt zusammengewürfeltes internationales Progranmn erledigte, besitzt an- / sehnliches Tomnaterial, die gesunde Stnnme hat Rasse, freilich klingt die Höhe scharf und nlitunler unreitt und der Vortrag hat dasl Primitive der Nelt-Seeländerin noch lftcht übevivktnden. Umso kultivierter — oder zivilisierter? — mußte eine „Gvklppe vonjBolkWedern der Eiugckboreittn aus Neu-Seeland" anmuten: Bgnale'Mstallyeln des eurchiäislhwt Musismarktes aus eng« lMm Mxt mft -seichter KlavierbeWtmrg, wie sie der moderne Ojrbrettenkompoklist viel besser zu sornlen venmg. Die Wkl» den' «find wahrlich bessere Menschen, -als die europäischen Ber» rMÄmpfer<Ü« urspÄrnglich nelifeMMifchen MeiMen. fib. 40

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