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Wiener Morgenzeitung · 1924-05-31 · Heft 1901 (31.5.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1901 (31.5.1924)
Date
1924-05-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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... Jkl iII Ml ii~; ■ «w«»"»1" .. *' ' ."" . ' ' **1* "' Hegen hat die.sicherlich schwere Aufgabe, in allen konwjdfen - Fällen. :b#t.. Nachweis eines Zusammenhanges Ayi^en der ' Toleranz, die von den verantwortlichen Stellen solchen- Ausschreitungen gegenüber beobachtet WiÄ», und der Häufuugder Fälle zu erbringen. Ohne'üns'jetzt auf die Vorgänge in den einzelnen Ländern einlassen zu wollen, muß doch darauf verwiesen werben, daß es sich überall nuv M gemeinsames System handelt, durch, ivelches das Judentum s praktisch recht« und schutzlos gemacht werden soll. Dieses System bloßzülsgen, und zwar rasch Und konsequent', mit allem Nachdruck aufzüdeckm und damit W Konrpetenz des Völkerbundes auch den sogenannten unverantwortlichen Elementen gegenüber festzustellen, ist eine der wichtigsten und dringlichsten . Ausgaben der jüdischen BölkerbmMgen. - Wtener MortzMzerknn^ 8r. übi Der Mordplm gegen Ae Aussage der gnstirrates Gaß. (Eigenbienst der „Wiener Morgenzeitmrg".) Konflikt des Generalkommissärs Smith mit Horthy. Generatkommissär Jeremias Smith erweist sich für Horchy und seine Getreuen immer mehr als unangenehmer Patron. Man war hier gewöhnt, daß die EhefS auswärtiger Missionen sich sehr rasch -dem magyarischen Geselligkeitsleben anpaßten und inter pocula wurde so^ manches so erledigt, wie es nicht -hätte erledigt werden sollen. Der nüchterne Amerikaner Smith ift solchen Lockungen offenbar nicht zugänglich und fest entschlossen, sich in jeder Beziehung die Unabhängigkeit seines Urteils zu wahren und -es durch keinerlei Suggestionsmittel trüben zu lassen. Daß er die ihm zugewiesenen Prunkräume gegen einfache Arve itsräume eingetauscht hat, ist bereits 'bekannt. Auch, eine andere Zudringlichkeit hat GeneraKommissär Smith abgestellt. Er bemerkte nämlich, daß bei seinen Autofahrten sämtliche Polizeiwachposten salutierten; als er dahinter kam, daß sein Auto durch ein kleines Fähnchen in Nationalfarben als Ministerauto gekennzeichnet ist, und die Wache deshalb die Ehrenbezeigung leistet, verbat er sich diese - Kenntlichmachung seiner Person. Seitdem hat Geuerallommissär Smith nicht nur von der Wache Rühe, sondern kann auch seine Beobachtungen und seine Kontrollgänge unerkannt machen. Bei dieser, unabhängigen Art der Führung seines Amtes mußte er -bald mit' Horthh in Widerspruch geraten. Den ersten Konsliktsstoff bot das Studium der Verteilung der sogenannten Held ende sitze. HortH hat nämlich, um seine Kreaturen mit fremden Gut zu belohnen und sie an sich zu feffeln, den sogenannten Heldenorden gegründet und jedem „Helden" einen Grundbesitz geschenkt. Den Boden-für diese Heldenbesitze verschaffte sich Horthh durch Konfiskation der Güter von Juden ÜND sonstigen' politisch mißliebigen ElementeÜ. MMÄMmtMsfäp stellte nun fest, daß diele der mit' Heldeübesrtzen bedachten Personen überhaupt niemals - im - Felde warech manche sogar überhaupt nicht gedient haben,' daß - -ihnendaher aus dem Heldentitel überhaupt kein Besitz zuWme: Er stellte ferner -fest, daß die. dem- RerchsveWeser persönlich nähe stehenden Personen .förmliche' Latifundien zugewiefe« erhielten. .So zum'Beispiel bekam der intime Freund und Flügeladjutant Ho.rthhs, Major Magashazy, einen .Heldenbesitz von 1000 Joch fruchtbaren Land^. Den größten WdeNbchitz «ahm sich Horthy selbsch indem er W-rn ehemaligen kleinen Landbesitz von Keuderes zu M?in.vielfach vergrößerten Herrschaftsbesttz „arrondierte", Generalkommissar Smith. eMarte nun. .in einer Unterredung -Mit Horthh, daß -seiner Auffassung nach diese Vergeudung von ungarischem Bodenbesitz ungesetzlich und vertragswidrig sei. Abgesehen davon, daß seinen 'Informationen nach der Ursprung dieses Besitzes nicht ganz einwandfrei sei, könne er nicht umhin, festzustellen, daß, wenn die ungarische Regierung wiÄich rechtinätzig über diesen immensen Vodenkomplex verfügen konnte, es ihre Pflicht gewesen wäre, chN zu verkaufen, Wodurch sie die Mittel gewonnen hätte, zumindest drei Viertel der Staatsschulden Ungarns zu begleichen. GemeraNommissär Smith teilte Horkhy mit, daß er in diesem Sinne an seine Auftraggeber Bericht erstatten werde. In politischen Kreisen ist man nun gespannt, welchen weiteren Verlaus diese Affäre nehmen werde. ' Srabo-Nagyatad will M den Men konkmrieren. , Perün, Ä). Mai. Ueber-die Einvernahme des Justizrate- Ela $ wurde bereits kurz berichtet. Er bezeichnet Gran« del:als zuverlässigen Mmv. Erchat mit ihm zchD-über den pasisiv«n Wide>rst-äNd im 8t uh-rgeibitzt. gesprochen - und.Hm Geld gsgeben, .das' gegen die' Separatisten verwendet wwden sollte. Eläß fährt dann fort: Da-nn kam? .. der 9. November m München, und auch den Besprechungen hierüber wohnte Dr. Grande! bei, und der Verlauf des Putsches drückte-ihn schwer nieder. Er entwickelte damals Ansichten, die ich als extremistisch' bezoichnete und die allgemein auffülen. Er sandte dann von Augsburg Berichte über die Novemberereignisse an meine Freunde, Grande! nahm dann an einer Besprechung am. 5. ode'r 6. November in Potsdam teil, in einem Kreise, der -mir völlig fernstcht. Bon Grandel hörte ich erst wieder, als er am 12. Jän-nev nach Bdtäm kam. Et hesuM mich ganz .kurz im Alld.eut s chen Perbänd und kam dann am nächstenDeg in-meine' Wohnung, wo ein ganzer Fragenkomplex besprochen wurde. ' - . - P o rs.i Haben Sie 'über General v. Seeckt miä Hm gesprochen? . Zeuge: Jawohl, das sind Dinge, die Gegenstand streng vertraulicher Besprechungen tvaren und über die nichts ausgesagt werden konnte. Aber , nachdem Grandel dem Untersuchungsrichter ausgesagt hat, übevwirvde auch ich meine Heenmu-n-geit. Mt Grandel und meinen Gesinnungsgenossen habe ich'je nach der Lage über Seeckt gesprochen. Wenn Seeckts Haltung bedenklich wurde, haben wir Pas geäußert. Wie die Dinge - . Zur Zeit der beginnenden RuhrMon waren, kann, ich nicht zur Sprache bringend -Es spielt dann auch das sogenannte Rekont-er zwischen mir und Seeckt Hinein, aber die HinMheiten kann ich -nur in gchkimer 'Sitzung, aussprechen. Ich besitze ein gutes Gedächtnis und trete jä^"1 jedes Wort ein, aber . im Interesse der Oeffentlichkeit . . kann ich nicht öffentlich sprechen. Generälstaatsanwält: Es kann Herrn Maß nur n ü tz* lich und angenehm sein, diese Sache, öffentlich-zu Uärsm Justizvat Cl -a ß: Es handelt sich um s u bt i il e D i n g % die die innere Staatssicherheit berühren. Ich erkläre öffentlich, daß ich nie Exzellenz v. Seeckt von einem Umsturz des Staates gesprochen habe. G eneralstaatsanwalt: Welche extremistischen Aeutzerungen hat Dr. Grandel getan? Justizrat Claß: Mit den: Wort extremistisch wollte ich mn;: die Erregung.Grandels andeuten. Grandel behauptet, in Bayern stünde eine Million Menschen zum Marsch nach Berlin bereit. Generalstaatsanwalt:-Ist in diesem Zusammenhang von. General v. Seeckt gesprochen worden? Justizrat Claß: Wenn von Seeckt die Rede war, dann in dem Sinne, was zwischen Bayern und Berlin sich entwickelte- und wie Seeckts Stellungnahme war. Keineswegs hat Grandel von Seeckt in einem anderen Sinne gesprochen. Der Generalstaatsianwalt Lindow erbat nun - eme Pause, damit er sich über seine weitere Haltung schlüssig werde/ Räch Wiedereröffnung "erklärte -der Generallstaatsanwalt, - daß er sich inzwischen mit General v. Seeckt in DeMudUng gesetzt habe-und daß dieser bereit sei, am Freitagmorgen vor Gericht zu erscheinen. Das Gericht beschloß, -die Verhandlung bis Freitag, morgens hall» 9 Uhr, zu vertagen. schienen Länder zwecks systematischer Zusammenarbeit . im Answandenmgsschutz beschlossen. Ser konservative Ansturm Mac Somld. London, 30.. Mai. Das gestrige. Stimmenverhältnis 300 :232 zugunsten der - Regierung ergab sich -durch die Stimmenabgabe sämtlicher Sozialisten ausschließlich dreier Abgeordneter, die an dem Wiener' Geweickschastskongreß teiltvehmen.Bon den Liberallen enthielten sich 30 der Sttmmenalbgabe/darunter auch-Lloyd George, der bis Hum letzten Augenblick gegen: die R^ierung Mae Donald kämpfte. Acht' Abevale stimmten für. den konservativen MßbilliKnttzZantvag. Die Kömservakibe« waren offenkundig enttäuscht über die Art der Unterstützung durch die Liberalen, die lediglich für den Aufschub des konservativen Antrages, -nicht aber für die Ablehnung der Herabsetzung-, -des MimstergehülteL votierten, so-daß jeden Augenblick der gleiche Antrag wieder auftauchen kann. Dies dürfte auch höchstwahrscheinlich im Laufe -der nächsten Wochen bei der Behandlung der Wohnungsfrage der Fäll sein. Kontinentrellse dveirr Minister. Der ZkvMord der MmtralltLt kommt nach Wien. London, 30. Mai. Nachdem hie Kabinett'skrise übe-rwunden ist, flogen Heute drei Minister ms London nach dem - Kontinent. KriegKminister Stephan Walsh nach Köln zur Inspektion der Rhemarmee, Sir Brancker, her DirÄtor dev Zivilaviatik nach Prag zur Luftausstellung, Frank Hodge's, ^illord der Admiralität nach Wien. . Budapest, 30. Mai. In einer tu Bugae bei Szegedm hielt ÄckevLauminister Szabo« N a g h a t a d eine 9M>e, in der er betonte, die wjaHve christliche Politik dürfe nicht in Antisemitismus ausarte«, sondern es müsse aus wirtschaftlichem Gebiete der WettbewerH mit den Aiuden aiH« gemmwen worden. ' Re römische Amwanderuugrkonserenz. Rom, 30. Mai. In der Vollsitzung der AuÄvande-- rungskon-ferenz wurde heute eine Anzahl von Anträgen der Kmmnisstonen erledigt. Der Antrag aus obliaatorische B e i t r ag se i nh eb u-ng von den Arbeitslöbnen für Zwecke der zuvüMeibendm FamilienmitAieder der Auswanderer wurde angenommen. Die Ginführung einer be-s omde re n' ä rztlich e n Assistenz wurde gebilliat. Ferner wurde ein Verbot vom Staate nicht autorlsterter Auswandererpropagcmda, die Errichtung von Zentralinfovmationsämtern, die Zulassung fremder Wohltätigkeit zum Auswanderungsd-ienst gebilligt.. Die Gleichberechtigung zwischen Auswanderern und Einheimischen in Fragen des .. Rechtsschutzes wurde angenommen. Schließlich wurde eine. Resolution M. herein. eine MMe BöllerbuMiga in Danzig. Danzig, 20. Mai. (I.' T. A.) Dieser Tage wird' in Danzig unter Leitung des Herrn.Dr. Trivus aus Berlin die erste Versamimiluing zwecks Gründung einer jüdisch e n V ö l k e p Ibündll i g a Mchalten werden. Man erwartet, daß der GenevaMretar dev Mischen DÄegati'onen, Herr L. M otzkin, Zur BetsamnitUng eintreffeN wird. Mlittbund als Lehrgrgkvstand ln polnische« Schalen. - Warschau, 30. Mai. Der UntervlchtSminister' hat in Ausführung des Beschlusses des Völkerbundes vom 27. November 1028 die Schulbehörden angewiesen, das Kapitel „Entstehung und Zweck des BNeM-ndes" in-den Lehrplan des Geschichtsunterrichtes der MttelMrlen, Lehrerseminavien und Fachschulen aufzunehmen.' ' Sie güden ln der Bekwaltnng Polens. W-rschaÄ, SS. M«;. W T. '«.> Jii dir l-tzkn Sitzender juridischen Sejmkommisston interpellierte der Abgeordnete Hartglas über die Zurücksetzung der Juden im G etich'tswesen Md.sührte-äusdäß^von Juli 1923 bis. Mai .1924 . .176 christliche Richtevanwärter - ernannt, wurden; von den . 30 jüdischen Bswerbern wurden in der gleichen Periode nur vier ernannt, aber auch mrr solche, die hei hochgestestten Persönlichkeiten Protektion hatten. , Der -Minister erwiderte, daß die Annahme von Richteranwärt-ern durch nationale oder religiöse Heminnisse lWMt'tst. - - zionistischer Wahlsieg in Lemberg. (Eigendienst de-r ,Mener M-orgenzeitung".) Lemberg, 20. Mai. Bei den am Sonntag habten Wahlen aus der ersten Kurie der 'iKult-uZgemeinde erhielten die Zionisten von 667 abgegebenen gültigen Stimmen 569. Es erscheinen demnach gewählt die Zionisben: Dr. Alex. Hansmann,' Bahnrat I. Melzer,. Dr. Dogilewski, S, Ora-nsch, H. Ak-selrad, SchnabgedMeter Dr. B. H a u s n e r, Dr. S ch m v r a k, Dr. Rosenkranz, Zwi Karl WrMor des hebräischen Pädagogiums) und Direktor I. Bürge r. Wie der. Warschauer I. T. A.-Vertreter erfährt, haben die Gorev Chassidim Und verschiedene andere chassidische Gemeinschaften beschlossen, -bei Den wMleüden KehMah-V^ nicht für die/Kandidaten der Agudas Jffroelzu stiurmen und ein u na'bngllges Wahlk'vmitee zu bilden. Der Grund liegt darin, daß die Agndah in Kvcckau und' im übrigen Westgalizien eine gemeinsame Liste mit den Affimilante" t. zensnr für Sgnagogenpredigten. Warschau, 28. Mai. D. L. M.)' In der Sitzung des polnischen Sejms Vom 22. d. interpellierte der jüdis.che Parlamentsklub über den folgenden Fall:; Der Starosta von D o h o b r r e z ordnete an, daß alle Predigten, die in sämtlichen Synagogen der Dohobriezev jüdischen Kultusgemeinde gehalten werden, vorher der Zenftw unterbreitet werden sollen. Diese BerordMNg wird streng eingehalten. Als der Stellvertreter des Rabbiners die Forderung, seine angekündigte Predigt der Zensur zu unterbreiten, als ungerecht und die Ehre der jüdischen GeWchen an-, tastznd, zurückwies,. wurde chm verboten, die Predigt zu halten . ' . - Spanien und die Spmlolen. Verhandlungen des Diktators Primo de Riveva. New-Aork, 30. Mai. Wl. der ,Wiener Morgem zeitung".) ^Das größte fpanffche Tagbliatt von« Kuba, „Heraldo deHuba", bringt an auffaUendsr Stelle unter dem Titel „Die spanische Regierung verhandelt wegen Belebung der Wischen Einwa'liderung" eine Un-terredung feines NewHorter Korveslpondenten mit den zwei sjpanMischen Rabbinern de Sola und Schulmann über die Verhandlungen des Diktators Primo de R i v -e r a in der jiidischen Ein>wandemngSfräge. Eihacham de S ola ist Oberrabbi-ner der Ppaniolischen Synalgoge in Manhattan, ivelche 10.000 fpä-niolische Mitglieder zahlt. Unig-esähr ebensoviele spanWilfche Inden -wohnen in Havanna' und Kuba-. >' ÄUf die Frage, was an deü Gevüchten -wahr sei, antwartete OberraMner de Solä: Es entspricht wiMch den Tatsachen, daß GeneM Primo de R i Vera Mit allen Mitteln daran arbeitet, die Symipa-thien der-^uden, beson-- ders der s-ephardischen igMen,' zugew'M'Nen und sie zmEilniwanldevung nach Spanien zu bewegen. Hn die Freundschaft der Juden'stcherer p' erlangen, beauftragte de Ribera seinen Vertreter im Dölk-eOund, dort folgenden Antrag zu u-ntwbreiten: „Die spa>usche.Regierung erklärt sich bereit, für die in Europa Vers sagten j üd iß chen Studenten in Madrid eine Universität für alle Fakultäten zu errichten, und verpflichtet sich hiemit, für diesen Zweck in: schönsten Viertel von Madrid Grunds und Gebäude bereit zu stellen und der Universität eine Jahresdo-tation zitzustche-vn." Primo de Rivera fei1] tf daß mst dxn

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