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Wiener Morgenzeitung · 1924-05-30 · Heft 1900 (30.5.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1900 (30.5.1924)
Date
1924-05-30
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Wietzev WMWvWA ZY.MrlM Se8e K „Wr.Morgenzettnng" jeden Ireitag »»«««»Ul--.'" f „-Die Dörrwvon Morrsoreau." .DWw bedeutenden Filmwerk liegt der -nwnige Roman des älteren Dumas zugrunde. Die Regie hat Mit großem Geschick b'iitfe durch die Werke Dumas' so romantisch schömenüe Zeit zum Leben zu- «Mecken verstunden. Die Pracht Ver HoshÄtung deS damaligen Königtums ist hier in belebten Bildern anschaulich geschildert, und -auf den LaMtraßeN, dem Schauplatz, aller Mnpfe. die Dumas seine HelSden siegreich schlagen Laßt, spielt sich die Handlung' ab. JUvervusenen Kneipen und in alten Klöstern bilden sich Verschwörungen und werden in nachtfinsteren Gassen und Hausfluren von locker in den "Scheiden sitzenden Degenklingen durchkreuzt. Eine waffen- MrreM, Romantik ist hier Mt neuem Leben erwacht. -Die anSyezÄchnete Regie hat er verstanden, diesen ungeheuren Stoff vollkommen zu erfassen, und $u, durchdrimgen und außerdem eine MeiM pittoresker MAieus wirksam zu beleben. Besonders vffMlvoll ist sie in .den -großen Massenszenen und Kämpft«, die äußerst geschickt inszeniert sind und imstande sind, Spannung zu erwecken und sie aufrecht zu erhallten. Durchwegs ausgezeichnet ist die DaÄtellung, die von ausgesuchten markanten-Typen, getreu dem Stile der Zeit, getragen wird. Im MittÄpunft des ausgezeichneten Ensembles stcht Genövieve Fe- M x. die hier eine sehr schöne dautellerische Leistung bietet, die nichts M Wünschen übrig läßt. Ban den anderen Darstellern Wären.'besonders. Apei hevvorzuheben, die für ausgezeiichneten -und wrrMch zündenden Humor sorgen; beide bieten hier Letstüügenin ihrem Fache, me weit Wer das Mittebnaß hinausragen. Wvch alle übrigen Darsteller ftnö, wie bereits einmal durchwegs sehr gut Md 'leisten unter «der straffen der sehr geschickten Regie durchaus Mr Bestes, die Klarierung, die bei diesem Film verwendet Mr nicht, wie so oft, störend, sondern ist danach Mkinng dieses Werkes nur noch zu heben. BetteLpMzefstn." Mm stellt eine AschvWvödellMchichte im typisch sischen Genre dar. die mit . dem deutschen nur die an- 'Masse von UnmWl'ichksiten gemeinsam hat. Sonst ist , _}« verkannte Prinzsffin und der sie bssveieude Prinz aus demmodernrn Leben hemuÄgenommeit. In die anfangs sehr Eg/ verllMsmde Ha-MuNg gerät AM Schluß Verwirrung , «ff VerwivMna. bis dann naUÄich durch den m diqsem Fil- .men unvermeEchsn Zufall die Lösuing kommt, die allgümettr Veifrftdigen soll. - ' In die MtmerPn sehr nette und sehr harmlose Handlung; arhMA die Ldegie mit der ViMvsität detz RouiriiNMs gieilbewußt Und prWs »ge Welkte entwickelnd in einer, Bilderamer 'die man ahne irgend' welche ArffveWnlg ruhig über sich. Mt, wobei man schon im zweiten Mt mcht im gesten mehr im Unklaren darüber ist, ^vie sich die weitere 'entwickeln wird. Eine äußerst angenehme Eigen- «in Goimmerpvotzoamm. r dsr AuSWruUg zeigt Kiefer Wm vollendete Dschnilk, eiben nur die Routine eines schon längs zusammen- ' e?' ÄMsWswnfsrMe ergibt, das VM einer außsvst, cmnven ReOe gaDhrt wird. In-der Hauptrolle bearbeitet irÄich Mla so n chr P-MWn mit allen ihr zu Gebote stchenden Mitteln der Rührung. Nicht ohne Erfolg. Doch bietet sie jedenfalls mehr in den Momenten, in denen sie eine feine und nette KomM entwickelt/ die'auch ergveiftnid wirkt. Kurz/ resümiert: Ohne daß dieser Film, etwas Bedeutendes ist, biotet er sehr guten DurÄchnitt, der nur den Fchler hat, eben über das in dieser Art schon Vst Gesehene ' nicht hinauSzüragen. „Der Unbekannte." Die Plakate behaupten, daß Richard Talmadge, der Star dieses Films, der größtenteils Raufereien schildert, der eleganteste, tollkühnste und -noch mit -anderen Superbativen, behaftetste Schauspieler ist. Gar. so arg ist es nun gerade nicht,- aber svdenfalls bietet dieser für UnS neue Star, der sin Virtuose im Springen, Fußtritten -lind -krwcks onts ist, in seiner Art sehr nette Leistungen, die jedenfalls die diversen Helden des alten -Kontinents in diesem Genre hinter sich zuvucklaffen. . Die Handlung dieses stoß-, hieb- .und trittfreudigen Films. versucht anfangs scheinbar allen Ernstes eine Tendenz, zu vertreten, die sich gegen die Wirtschaft der Trusts in Amerika auflehnt. Aber das ist nicht gar so ernst gemeint, und schließlich gibt die Handlung nichts weiter als. Gelegenheit /für.die. Kunst-, stücke des Trägers eines Namens,' ' den 'zwei Schwestern sehr bekannt und geläufig gemacht habend 'Und diese bietet sie. In fast je-dem Weiten Bild sieht-man den ^„elegantesten Schau- Weier der Welt" sich iin einem. Knäuel von' ihm mißhandelter Detektivs herumrvllen, die.scheinbar nur dazu da sind^um von Gm mit .größtem Raffinement mißhandeU zu werden. Aber eines' muß man ihm unbedingt lassen: Die Raufereien sind alle durchwegs ausgezeichnet dargestellt und . -lassen auch Humor mcht vermlssen, der hie und da etwas .an.die Zeichnungen von Wilhelm Busch gemahnt. . .. Jedenfalls ist es'kein Kunststück, diesem neuen Star" voräuszusagen. haß er unter den haWöüchiftgen Kinoaästen jenseits des. Gürtels bald eine ansehnliche Berehrevschar aiWuweisen höben wird, die sich im edlen Nachahmungs-drange manche blutige Nase und Mnch blaues Äuge zWehen Wrste. Die Filme bet Woche. „Schwester Majorie". — „Der Liebe Lust und Leid." — „Aus gssähMcher Spm." - „Im Rausch der Leidenschaft." ,Die Dame von Monsoremr." — „Mer Rächte einer schönen Fvlm".' ' /- " ' ROTENTURM-KINO WIEN,!. FLEISCBMAIkKX 1 Ab heute bl8 3. lun! Monumenia{f{im; in 6 Akten haich dem Roman von ÄLEXÄKDER. DUMAS und das tlbrige Sohl«geri>rogT.&mxa'- Beginn der Vorsiellaigen: 4. , ' BegleitmuBik elaer erstklassigen. ,$ und \9 Uhr netlerkapelle Lesen Säe D IE FII HW E LT ' lliuklrierte Kinorevue Fllm-Fachbl&tf und -Publikums-Wochenschrift REDAKTION UND VERWALTUNG: Wien,' Vif. Hermanngasse Nr. S Telephon Nr. 36-S*88 Der letzte Grossfilm der Saison nach d&m berühmten Roman v. Alexander Dumas in folgenden Kinotheatern: Vom 30. Mai bis 2. Juni; ZIRKUS BUSCH-KINO, Wien, II. GARTENBAU-KINO,, Wien, I. ROTBNTIIRM-KINO, Wien. I. WIENZSILE L.ICHTSPIBLB, Wien, VI. HAYDN-KINO, Wien, VI. Vom 3. bis 6. Juni: EOS-LICHTSPIELE, Wien, III. GRAND WIEDNER - KINO, Wien, V. PHÖNIX-KINO, Wien, VU. Votn 6. bis 9. Juni: MARIAHILFER LICHTSPIELE, Wien, VI. FLIEGER-KINO, Wien, IX. FLORIDSDORFBR LESEHALLE, Wien, XXI, Vom 10. bis12. Juni: KRUGER-KINO, Wien. I. MICHELB EU ERN-KINO, Wienv XVHL VINDOBONA-KINO, Wien, XX. n. s. w. MÖND1AL-F1LM, WIEN, VH. REE EBBE 0 EEM,■■■*•■ ■■■■■8 Bl BEBESEEEEKEEES B ■ - Der große Sittensilml - mit Ada Koor. Wrilie Serri. S«ar Beregi «. Stto SchmLle : Ab heute Ä» Wiener Kinos!; :b' b ■ ■■&*■ ailTE BEXV U S-FIL K, WIEN, VH.B 00000000 Stoff £ M T0ICJI4-ADlEA«aSSlMl' Tdkfon Ne GoRytirht - Nachdruck verboten. Aßttsch« Mrkag, Berlin. 4. Fortsetznng. Hawdoloh und Zapfenstreich. Bon Sammh Gronemann. Quecken. - De« ÄMmnt vim Wibpe-Ä, >der Leiter her Ueber- EharngSstM, welchem ich zugeteilt war, war ein ganz rsizenber Mensch. Das stellte sich aber erst später hieraus. An sensm Morgen av^r, an dem ich meine Dättgjkeiit begann — beginnen wollte/ ist richtiger —, erfüllte er mein .Gemüt mit Schreckm mvd Furcht. Ich hatte eben meinen neuen Kameraden, den Polnischen, litauischen, weißruthenischen, russischen Dolmetschern mich vorstellend, die Hand geschüttelt und mich an meinem Tisch niedergelaffen, aus den die OrdonnanK schon ein ha-lbes ^Dutzend Nummernder ,/Letzten NaijS" gelegt chatte, die durch' Strucks Dienstreise unerledigt liegen geblieben ^waren — ich^ suchte meinen Rotstift, als sporenMrrend der Leutnant aus seinem Zimmer kam, einen eng bedruckten FMobogen aus meinen Matz warf und mich anwies, diese Bekanntmachung schleunigst iM Wrdische zn übersetzen. Entgeistert starre ich aüf Las UnglückSpapier, auf dem . gewaltige rote Vermerke: ,Mlt sehr!!!" und sofort zu übersetzen und zu plalatieven!!!" angebracht üvaren, die meine Bevlegeicheit nicht eben verminderten. Wie Mte ich eine Uebersetzung ins' Mdische Wstande gingen, wenn ich dieser Sprache nicht im mindesten mächtig, sondern nur eben - gedruckte Texte z>n lesen imstande war. Mer wie wurde mir erst, als. ich mechanisch den deutschen Text zu leisen begann. Di« Uebvvschvift lautete:.„Verordnung über zweÄmäßige Maßnahmen gegen die Qmecke." —^ Quecke? Was. ist — wer ist Quecke? — . Ein schädliches Reptil? — Eine InsektivnskvaBheit? — Eine veiligGse oder 'PoMifche Sekte? Das Studium der Verordnung ergab so viel, daß die Quecke auch unter dam Namen Mutterkorn" bekaMt warsollte mir mein Freund, der Sexualethlker helfen köninen? Aber so viel bekam ich allmählich doch heraus, daß es sich um eine laudwirtschastlich-^botamsche Mngeliegmhsit handelte, um irgend mt dem Getreidewuchs abträgliches Mckraut, das auSgerottet werden mußte. Wenn es nun irgend ein Gebiet aus der Welt gibt,- aus dem ich nvch Mwissender bin, als auf allen anderen, so ist es das der Agrikultur. Trotzdeui habe ich bisher noch kein Werk über die Landwirtschaft in Palästina geschrieben. Und nun saß?/ ich vor einem umfangreichen, drei Föltodvuckseiten umfassenden Elaborat voll von naturwissenjschaMchen, botan-ischen und agrartschein FachauMücken, die reizvoll in die schönsten Schacht-eMtze von Vevwaltung's- und Juristendeutsch der-., woben -waren. Unmöglich, einen Sinn./Hmeiuzubringen. Und 'i das sollte ich in eine -mir fremde- Spräche übersetzen. Ich ' verstand, nicht einmal den sogenannten deutschen Text. Und dann „Sehr eilig!!!" Struck verreist und ich allein / mit der Quecke. Mr schwante ein schnelles Ende meiner. Dolmetfcherherrlichkeit. Entlarvung und Entlassung mit ' Schimpf- und" Schande W t% war gar^uiK abtznsehen, was kommen konnte. ' - Die Blicke der Kameraden m Zimmer 'waren, wie ich fühlte, auf mich gerichtet. Niemand tat etwas, außer einem jungen. Mann m Iägerunisorm, der irgend etwas in. seiner Schublade kramte, aus?der es seltsam ückte; alle saßen, die ' Hände in den Taschen, auf ihren Stühlen zuvückgelehnt- und' staunten mich an. Sie hatten wohl i^e Queckenürbett schon hinter-sich und warteten ungeduldig^dett 'W Mi«.. schen,-Text. Ich' fühlte, daß Meine/VevlegerHeit.offenbar iverden mußte und begann in meiner'Not langsam.in Wdi- . schen Buchstaben den deu-tschm Text auf einen Bogen nachzumalen, also Me.einfache TranAftrirpti-on aiWferttgen. Diese blöde, mechanische Dätigkeit 'abfoOierte mich /Mehr und mehr Und Mit wüchsendem Eifer bedeckte ich da's Watt „ mit den krausen hebräischen.'Lettern; 'hieWcht. .Wbetze--.-.iH)' mir zuletzt selbst schon ein, daß ich auf diese Mise etwas ' leistete. -Plötzlich aber 'bemerkte ich, daß Meine' Tätigkeit die Kameraden ^beunruhigte. Sie steHew-die Kopfe zusammen und hielten anscheinend Schauri. Bisweilen schritt jemand langsam hinter meinem Stuhl vorüber und bemiDte;; sich offenbar,wirr über die Schulter zu Micken. Sollte möglich sein, daß.j-enwnd von ihnen..so^ hiel.davyn verstand,?daß er merkte^ daß ich nur ^deutsch mit hebräischen Schriftzeichen schrieb? Im.höchsten Grade nnwahöscheinbich. Aber doch — die Unruhe wi; chs m-eHar, und -jetzt'. kamgewichtig' einerder Herren auf mich.zü, legte mir M Hand aus. die.Schulter uwd'sprach; .. -V,; ' " -''i-’-.-'.'1 „Entschuldigen Sie, daß ich Sie in Ihrer eisvrgett Ar- ’jßcit störe!" Ich ließ M Feher sinken und starrte chm ins Gesicht. Mn war's'vorbei! . /Megen'Sie immer-so. zu.ckvhettM?" ' -Mi r wurde sehr,' sehr, s chwM' >' „Wie — meinen Sic Wßf1 i „Na, es wirft ja diM aufte-izend, wettn 'man sicht, wie -Sie so blitzschnell diese Hierog-lyphen kvitzeün. Immer sachte'mit die jungen Pferde. Wenn Sie so fortmvchen, sind' Sie ja noch -heute fertig. Sehen Sie, wir haben alle die Queckensache schon stit drei Wochen liegen und außer ^dem erneu i Polen' hat noch keiner auch nur angefangen. Sie bringen uns ja alle ins Schlamaffel! Und wen-n's emmal sv schnell geht, bekom-men wir am Ende noch-mehr Arbeit» Wir,-müffen doch-auch zeigen, daß -wir schwere Arbeit leisten^ Mn'sch, -leben Sie sich doch'erst mal -bei uns ein!" Also das war's! Auch hier galt der aste, viel bewährte Gru-ndsatz, den ich. schon-aus meiner Reftrendarzeit kannte und den ich stets gern 'befolgt hatte: „Keine Me ist so eilig, daß sie nicht durch ÄiegeMerben noch eiliger werden könnte!" Ich atmete erleichtert aus! Mit diesem Grundsatz ließ es sich arbeiten und jedenfalls hatte ich Zeit gewonnen. . Daß nach solcher Methode im Bereich des Militärs Verfahren wird, hatte sch schon in meiner Ausbildungszeit als Rekrut' erfahren. -Zum ersten Mal war es mir au^egangen, als eines Tages in Rathenow ein Unteroffizier und sechs Mann, zu denen ich gehörte, zum Sortieren -von- Patronen-Msen konimandiert waren. Der Herr Unteroffizier setzte sich auf eine Kiste, zündete sein Pfeifchen cvn und ließ die Beine herabbaumeln. Mr aber machten uns mit Eifer a-n die Arbeit, so daß'ich nach einer Sttlnde ihm stolz die Beendigung des Werkes melden konnte. Selten -habe ich' einen. Menschen so entgeistert gesehen, wie damals den Herrn Korporal. Erst nach Minuten konnte er sprechen. Dann aber ergoß sich eine Flut von Beschimpfungen über uns; er rief die ganze Welt zu Zeugen -dafür an, daß es solch -dämliche Rekruten noch nie gegeben habe. Schließlich sprang er. von s-esuer Kiste herab, schMete all unsere sorglich ausemander- -fortierten Hülsen wieder in eine Kiste und befahl: ,K-och einmal anfangen! Und mindestens drei Tage hat es zu dauern! Sollen wir -denn morgen wieder zu dem dämlichen Dienst?" Die selige. Frau Penelope hat ja nach einem ähnlichen System gearbeitet und -so -wurde e§ -mrr"durch meine ßuMnüftische AüWWr«A nicht schwer, «dich bald und' gründlich an. diese. Methode.zu gewöhnen, ^>ie im übrigen m den meisten öffentlichen Betrieben sich eingebürgert hat und deren, GLWndu-yg^a'fle'm vioAeicht'.'dw.'^HWffel zu der Krage'geben kärm, wieso Privatbetriebe inr allgemeinen rentabler geführt tvechen als öffentliche. ' - - 'MrPtzung folgt.H-- 3978

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