Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1899 (29.5.1924)
- Date
- 1924-05-29
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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'!T 1 WWWWWWWW MWs Men, GomnerStag ifchwendet sich nicht. au grotesken Details, sondern er pulsiert ist jeder ihrer Baweg-ungen; nur «scharf .profilierter tänzerischer MhhchmuS in der Musik springt von ihr-cm«Körper unverstanden -yb. Pepi v. Ptasynszky gibt die Tänzerin als Ballettdiva -traditioneller Prägung. Schon wenn sie zu Beginn den Mer- Lenden Schwan" nach der Musik von Camille Saint-Saens tanzt, ist man Wer ihre künstlerische Physiognomie orientiert. MS dunkler Mbgvund gähnt ..dem Zuschauer der ungchüllte Wlhnenvanm entgegen, nur in der Mitte flattert ein unbeteiligtes PensBnchen, dessen illustrierende Zuckungen das Lied vom sterbenden Schwan versinnbildlichen. Meder ein Todesgestang Mf das Ballett, angestimmt von einer prominenten Vertreterin dieser Kunstgattung, deren formale Technik selbst j dar vasiige Tempo des Schluß-teileS der QiUchk>n Ungarischen i Rhapsodie hemmen muß. In ihren Tanzarien, den während der Htanvkmg eingestreuten Solotänzen, zeigt sie ein lebendiges! rhythmisches Gefühl und Sinn für naiven Humor, in patheti-! scheu Meditativen erstarrt sie im WAdruck. ' - Die Musik von H. Bereny ist ihrer Wirkung sicher. Sie arbeitet ganz mit den herkömmlichen Mitteln, verwendet -unter dem Zwange des Suft-ts reichlich Tonmalerei und halt M Klange nach bewährten Rezepten das exotische Milieu fest. Em anderer LandSmann Bereichs, Bola Bartok, hat uns mehr za sagen, aber Bereich erspart jede geistige Anstrengung und wird überall ein Publikum in Begeisterung versetzen. Er wurde gestern mit seinen treuen Mithelfern oft und stürmisch gerufen. Mfved Sandt. KammeMel«. Me unmögliche Gogo." Gago, Gonoiergetochter, kecke« Fvatz, Mistkäs«, wird lkaachnAchen in einem Hukswllm, stellt von morgens bis -albends alles auf den Kopf: den Salonbesitzer, die Schauspielerin, den S-iittenkommisiär, die Moral des Pariser (!) Spießers. Sie tut dies in davart avatüvlich-ifrech« Weise, daß man . ihr nicht base werden kann und für sie gegen die anderen Partei Nimmt. Eine nette Fabel, aber wiÄungslos durch ihre WrtzsiosigAeit, banale MtualiMmhaschevei, ■ Situationsavmut. SeWst die Orska, der die Aiutorenftvma T «und J die Laufmädchenrolle auf' den Leib geschrieben hatte, konnte mit der Gogo nichts ansangen. Ihre PalleNberg-Koprevewi, Hr forciertes NaturmMtum, selbst «ihre nackten Beine, die allerlei Kurzweil trieben, konnten die LmgÄveil des Mbends, der sich bis in die -Mitternacht zog, nicht barmen. Das Publikum ging gähnend, verärgert, weil um die Nachtruhe gebracht, aus dem HauS. Nur einige Nervenstarke brachten die Energie auf zu Blch«. _ « „Sie Sffodjt nwft Benebln." Modernes Beater. Gm,wunderschöner Abend. Georg Kaisers ,Me FÜvcht nach Venedig" ist eine Dichtung und die Vorstellung ist gang ungewöhnlich geiMckt. Neider Renata Mvrdos Regie und über die Schauspieler, vor allem Wer Manche D-eogan, ist mehr zu sagen dfe uns heute der Raum gestattet. Mr kommen «morlgön aus Werk und Darstellung zurück. 91 Das Zelt (liedahtion. JETJOEUf KOJEFZICR, KunatredaTctionArchitekt JOSEF BAHN) S ist die einzige seriöse illustrierte jüdische Kunst- und Literatur-Zeitschrift . «mm Das MaOuft Arscheil•< «n dm nächsten Sagt* und enthält r m—m ERNST WEIBSt Di» Jugend des Daniel / J08EF KALMER: Der Ehler Henry Jlayden / MANFRED STURMANNi Die Berufung / JOSEF AW1N: Anmerkungen tum Kapitel „Jüdisch Volkskunst* l Dr. SAMUEL RAP- RAPÖRTf Di» Toten in der Synagoge / Dr. ÄOQÜSTA WELDER-STE1N- BER8: Di» Rachel. Mit Süd «. Aldogramm f IMMANUEL LOWi Salomen Ihn Sakbel / ANDRE BBAUNOM: Der Bildhauer Jacques Update / EDMQNDFLBß: Die Vision Abrahams l AZ1Z DOMET: Josse/ Trumpeldcr. Mit einem Vorwort von Israel Zangunll I JOSEF HAHNt Di» Malerin Mel» Muter I AVROM MOREWBSI; Rollen"und Regien in An-skyt ,Dybuek‘, Mit drei Seenenbildem von Nathan Attoumn / eoui» die Rubrik,' Buch, Kunst und Künstler / Kunstblätter und mehr als SO lUmtratümen Aus De» Aeateru. Mene« MorgenzeUrmg. SS. Mai 1924 ©rite r MteUmgenaus dem PubMum.?ür ckie ihnen an1L88lLoL äsr Vsrlqduotz Ihrsr loodtsr rugekommenen kreunäliclien Olückwünsche danken auch!m blamen der Verlobten Herr und krau Rabbiner Dr. David Feuchtwang Möbelfabrik J. Spira J Einzelnummer K 18.000 / Jährlich (12 Hefte) K 200.000 | Verlag u. Reduktion: Ulen, II. Taüorstr. 1 -3: 619 Feine Wohnungseinrichtungen. Wieg, III.. SieDenslerogasse 1—3 (Ecke Karl Schweighofergasse) S, e i n b". 'flchr abends, «Der Burgtheater. Heute, 2 Uhr na Alp enkönia und der Mens chen abends „M a e v e t h". Montag ‘/*8 Uhr Kaufmann von Venedig". Akademietheater. Heute, 3 Uhr naö „Wölfe in . der Nacht". */,8 Uhr abends Liebe wacht". Ab Montag de» 8. Juni beginnen sämtliche Vorstellmgen im B u r g t h e a t e r um */»8 Uhr abends, imAkademieth eater um 8 Uhr abends. BolkSoper. Heute «Die schöne Helena". Morgen „Walküre". Raimund-Theater. Morgen beginnt Irene T ri e s ch ein kurzes Gastspiel, Md zwar in Ibsen» „H e d d a Gabler". Paul L i p i» »k i von den bereinigten Meinhard Bernauer-Bühnen 1» Berlin wurde von Direktor Erich Müller an das Johann: Strauß-Theater verpflichtet, wo er in der Op«etten«ovM „D e 8 König» Nachbarin" in der Rolle de» Kronprinzen Friedrich gastieren wird. ' Theater an der Wien. Morgen, 7 Uhr abend», HMdertste AuMnmg der Kalmaunschen Operette „Gräfin M.a r i z a" unter persönlicher Leittmg de» Komponisten. Ab SCHWEIZIRHAUS Cafe-Restaurant im Prater täglich Orchesterkonzert WACEK 41« Das beste Pilsner .Bier in Wien, auch vofzügl.; Wiener Biere sowie köstliche Weine / Kalte und warme Speisen öjETABIUJO/ä WKVCriSCHK& Tee von sicherer Wirkung, angenehmem Geschmack, vollständig nnschädlicb, stellt schlanke, grazlfise Figur her ohne Aendernng der Lebensweise, prompte Gewichtsabnahme. Bei Voreinsendung des Betrages von ö. K. 31.000 für ein Paket, erfolgt die Zustellung franko WaldheEms Apotheke, Wien,!. Hlmmelpfortgasse 14 58 DAHENWESTEN Strickwaren, Wirkwaren u. Sportartikel in grosser Auswahl Mav CaIva» li- CliiKkengasse ft ■’IOA «PVBAilVl; Telephon 46-608 802 2er Diebstahl an dem Kaffenbsten Marisch. Der Italiener Casini zu drei Jahren Kerkert verurteilt. ' Opernthrater. Frau Jsrbtzo verMchiedst sich in der hvNVigen.Gpicheilt Donnerstag i^rn 8. Jmr als Recha in der - „Jüdin" vom Wiener PubKlMN. Vorher singt sie noch Freitag ' und Dienstag die Tstelpartie in Giordanos „Fcdora" Dem Geschäftsbiener der Hutfirma Böhm, Mart sch, wären bekanntlich^ am 24. Jänner d. I. beim Gebäude 'der. Ersten österreichischen Sparkasse ' 92 Millionen Kronen, die er in der Niederösterreich.rschen Eskomptegesellschaft behoben hatte, gestohlen worden. Ms Marisch zum Gebäude der Sparkasse kam, standen vor dem Gingangstor, das zur Hälfte geschlossen war, mehrere Leute. Im Augenblick, als Marisch vor dem Tore angelangt: war, drängten die Leute jihn in den Eingang hinein, undl er trat etwas zurück, um! den fremden Personen den Weg freizumachen. Hinter dem Tore sah' Marisch zerknülltes Geld liegen und bemerkteidaß zwei. Leute dieses Geld anfhoben. Er. bückte sich, um ihnen dabei zu helfen, in diesem AngeMick wurde ihm der Mack, den er unter dem linken Arm ^trug undin dem sich 92 Millionen Kronen befanden, entrissen und alle Personen, die um ihn gewesen, verschwanden, i Zwei Tage später, am 26. Jänner, wurde in Prag dem Kafsaboten Wenzel Fleisch mann eine HaMasche mit 10.000 Dollar, 30.000 tschechischen Kronen und zwei Aktien Mter ganz ähnlichen Umständen gestohlen. Einer per Täter, er nannte sich Anton C e n f i, wurde festgenommen. Er leugnete und es wurde bei ihm and) kein Geld gefunden. Jedoch schon in der folgenden Nacht wurden in Gmünd, noch tauf tschecho-slowakischem Boden, zwei Männer, die sich Maroello Ronchi und Mario- Ferraro nannten und die mit einem Autoauf österreichischen Boden zu gelangen trachteten, verhaftet. In ihrem Besitze wurden 10.000 Dollar, 82(824 tschechische Kronen, überdies 10 Stück österreichische Kronemwben zu 500.000 K., 99 Stück zu 100.000 K./ ein Stück zu 50.000 K. sowie kleinere Noten gefunden. Die sofort eingeleiteten Erhebungen ergaben die Gewißheit, daß die in Prag Verhafteten auch, den Diebstahl in Wien ausgeführt habeir. Es wurde festgestellt, daß die Berhaftetm M zum Abend des 25. Jänner hier im Hotel Post gewohnt hatten, wo auch Eligio Casini verhaftet wurde. Er stellte in Abrede, von dem Diebstahl an Marisch, Kenntnis zu haben, konnte aber nicht bestreiten, daß er hie in Prag verhafteten Leute kenne. Bei Durchsuchung seiner Sachen wurden Geldbeträge gefunden, die einen Zusammenhang mit dem Diebstahl an Marisch zweifellos erkennen lassen. Easini war gestern wegen des Diebstahls an Marisch. vor einem SchöffenseMt angeklagt. Der Angeklagteder kein Wort deutsch spricht, muß mit Hilfe eines Dolmetschers verhört werden. Er erklärt sich nichtschuldig und gibt an, daß er nach Oesterreich gekommen sei, weil er wegen eines Betruges in Italien verfolgt wurde. Fervaro und Cvnp' Ml er apf .BergNüguNgStouten nach Payis^ Konstantinopel, Alexandrien und Kairo kennen gelernt haben. Sein. Geld habe er Lei der. Devisenzentrale in der Herrengasse eingewechselt.',Äuf., bicv'Frage des Vorsitzenden - warum er^ie^ 8gyPtischen/Pfnn8no^ff'tt'cht''tn'der^Mtwnalbank, sondern in der Lombardbank eingewechselt habe, antwortet der Angeklagte, er habe M erkundigen Wolken, welche Bank einen höheren Kurs bezahle. Der Geschäftsdiener Marisch schildert den Sachverhalt konform der Anklage. Der Zeuge kann nicht behaupten, daß sich der Angeklagte unter den Leuten befunden habe, die sich damals im Hausflur aufhielten. Auch! kann er nicht sagen, wÄche Sprache von den Leuten gebraucht wurde. Der Prokurist der Firma Böhm, Elias Tauber, stellt dem Marisch das beste Zeugnis aus. Er wurde sehr oft zum Einkassieren großer Summen verwendet, von welcher Gepflogenheit man auch, nach dem Raubansall keinen Abstand nahm. Der Handelsagent Ignaz Baumfeld sagt aus, daß er den Angeklagten einige Tage vor dem Vorfälle im Cafe Capna kennen gelernt habe. Damals habe ein Kellner die Gäste gefragt, objemand italienisch sprechen könne. Er! habe sich gemeldet und dem Casini als Dolmetsch gedient. Der Zeuge ist dann, mit dem Angeklagten ins Gesprächs gekommen. Casini habe gefragt, ob er, der Zeuge, auch Geschäfte mit Pelzen und Brillanten zu vermitteln in der Lage sei, was vom Zeugen bejaht wurde. Später seien dann, noch zwei Italiener zu Casini gekommen, die der Zeuge ans Grund der ihm vom Vorsitzenden gezeigten Lichtbilder als Ferraro und (Semft agnosziert. Am kritischen Tage habe der Zeuge wieder Ferraro«, Cernfi imfr Casini im Kaffeehause getroffen, und zwar gegen 12 Uhr. Am Freitag war nur der Angeklagte im Kaffeehause anwesend, dieser erzählte dem Zeugen, einer der Leiden anderen wäre nach Budapest gefahren, während sich der zweite mit einem Mädchen in Wien herumtreibe. Am Samstag sei vlurn der Angeklagte mit dem Zeugen ins Pelzhaus Soffer gegangen, um dort einen Nerzpelz für 19 Millionen zu kaufen. Der Privatbeamte Alois T e u f e l h a r t hat den Angeklagten im Börsengebäude bei d«er Devismzentrale gesehen. Casini und Ferraro, den der Zeuge nach, der Photographie erfemtt, haben sich an den Zeugen in auffälliger Weisei hercmgedrängt, weshalL er sich, beeilt haLe, aus dem G-ebäude fortzukommen, zumal er 600 Millionen bei sich. trug. Ms der Zeuge dann am nächsten Tage über den Raubanfall in der Bognergasse las, meldete er seine Wahrnehmungen bei!der Polizei und bezeichnete bei der Gegenüberstellung Casini und Ferraro mit Sicherheit als die beiden, die chm tagsvorher auf der -Börse durchj chr lBenehmM ausgefallen waren. Spät abends wurde das Urteil gefällt. Casini wurde wegen Teilnahme am Bandendiebstahl zu drei Jahren i'chweren Kerkers, verschärft durch ein hartes Lager alle drei Monate, verurteilt. Ms dem Angeklagtem das Urteil Übersetzt wurde, rief er erregt aus: Dieses Urteil, ist eine Infamie! Ich. protestiere dagegen! Der Verteidiger meldete die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung am. Sie Klage des Schwerlavalide» Saltos. Die beide» Angeklagte» fteigesprochen. Nach dreitägiger SHwurgevichtsverihaMung wurden der Obmann des Zentralverlbandes der Krisgsbeschäldigten Br a-ndeiS und der Sekretär Wolfmüller, die von dem Obmann des Schwerinvalidenverbandes wegm einer Reihe von Zeitnivgscrrtikeln gÄlcogt worden waren, in denen gegen Gallos die ehrenrührigsten Anschuldigungen erhoben wurden, in allen Punkten freigesprochen. Die Anwüvfe bezogen sich unter anderem darauf, daß Gallos in den ail-lerinnigsten Beziehungen zu den M o n a r ch i st e n p art eien und den Hakenkreuzlern stcht und «die Lielbe aller Mmmrchistenkliüngel besitzt und daß ihm Schmitz eine Million aus «den StaatsgÄdem zur Verfügung stellte sowie daß' er für seine Sammlungen die von ihm selbst nachgemachte Stampiglie mit dem Namen'if Ministers Schmitz gebrauche. Ser Seifea-TrebiW vor Gericht. Am gestrigen dritten Verhandlungstage gelangten di» Fakten Fanto, Mineralölindustrie zur Besprechung. Trebitsch hatte bei dieser Firma namens der ihm g«chörenden „Gedes- Kokysfett^ um 166 holländische Gulden gegen Vorauszahlung gekauft. Cr zahlte mit einem Scheck der Qesterreichischen Volksbank, erhielt die Ware, aber der Scheck wurde nicht eingelöst, worauf die Anzeige erstattet wurde. Trebitsch^ verantwortete sich dahin, daß m dieser Sache sein damaliger Rechtskonsulent Dr. Zettl für ihn gehandelt habe. Er selbst wurde nicht näher über den Sachverhalt orientiert. Der Staatsanwalt beantragt darauf die Einvewahme des Rechtsanwaltes Dr. Zettl? Der Vorsitzende verfügt dessen sofortige Vorladung, um so mehr, als Dr. Zettl auch beim Nächsten Faktum mitgewirkt haben soll.. In diesem Falle handelt es sich um eine Forderung dec'Firma Hvchstädter u. Schickhardt von 3000t tschechischen Kronen, für die ein Scheck von der Bolksbank auf die Prager Kommerzialbank nicht eingelüst wurde. Auch hier soll Dr. Zettl, wie Trebitsch sagt, ohne ihn zu informieren, die Angelegenheit durchgeführt haben. Diese Firma hat.übrigens ihren Strafanttag zurückgezogen, da inzwischen ein.Ausgleich erfolgt ist. Das nächste Faktum betrifft die Bosnische Elektrizi tätsgesellschaft, die 633.450 österreichische Kronen dafür verlangt daß sie Schmierseife bestellt und bezahltaber nur teilweise geliefert bekommen hat. Trebisch gibt an, daß er bei Auftragerteilung in Haft war. i Hierauf erftlgte-die Verlesung von Korrespoudcuzeu. ■itliSR&Sti