Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1899 (29.5.1924)
- Date
- 1924-05-29
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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DM'Ä _Wien, Bonnerslatz ‘ Aidüem regt, irgendwo eine oitmeitbe Hand wirkt, die M Hilfe einer gut fundierten Organisation Unruhen uUd Haß erzeugt und unter verschiedenen Masken die Atze betreM. Eswäre, eine^ >se>hr wichtige Aufgabe der WÄSonferer^, wenn sie zustande Ehilmnt, die Faden der Weltderschwörnng bloßzusegen und gegen die -Brunnen- Vergiftung genau so vorzugehen, wie man gegen den Ehvlerabazillus und die Spirochäten vorgeht. Die Gefahr dieser Seuchen ist um nichts bedeutender als die Gefahr, die aus dem Antisenritismus droht, der ja nur. ein TeÄ, nur ein Mittel des Planes ist, das bißchen > Frieden, das nach Versailles noch übrig geblieben ist, in ätöe Lust zu sprengend Es fft keine ausschließlich jüdische Sache, um /die es W'handÄL Ware sie dies, so würde die Lügenkampagne .W rasch in fich selbst gusammenbrechen. Entkleidet man 'dys antisemitische Geschrei des weltpolitischen Charakters, so bleibt ja nur dümmster und widerlichster Unsinn übrig, den jeder halbwegs normale Nichtjude sofort durchschaut. Nur die BchaiHMg von einOn weltpoli- Wchen Ziel, än dessen Ende die Unterjochung der Welt durch die Juden stchen soll, hat die AAtation zu einem so großen Erfolg geführt und ihr insbesondere nach der •' internationalen Anerkennung der jüdischen Rechte , auf PMstina neue Impulse gebracht. Und da diese AnerkMmng durch den Völkerbund erfolgt ist, da weiter der! VKkeMmd als ein zur Sicherung des Weltfriedens bei sMmrrtes Instrument geschaffen wurde, so ergibt sich! automatisch der Pavallelismus der Kampfziele; der BiMerbund erhielt das Mäntelchen einer jüdischen Institution, die wiederum im Interesse Alljudas wirken soll. Der BMerbund kann gegen diese Verquickung der Dinge nichts unternehmen. Er steht zu hoch, als daß. ihn das Geschrei der Ritualmörder erreicht. Aber es ist die Sache der Staaten, die ihn geschaffen haben, der Pest und der Lüge entgetzenzutreten, und sie werden diesen Zweck am ehesten erreichen, wenn sie die durch die Feststellung des Mischen Rechtes auf Palästina geschaffene. Situation ausbauen. Das Werk muß logisch weitergeführt werden bis gür Erfüllung des Mischen Anspruches auf gleichberechtigte Vertretung der Mischen Natron im Volkerfotttfc. Dann wird die Möglichkeit vorhanden sein, an einem zentralen Ort mit dem internationalen Giftmischertum ins Gericht zu gehen. Es handelt sich um ritte Forderung der Kultur und der SiÄichkeit. Re internationale Auswanderung?' ronferem. Rom, 27. Mai. (Telegramm . der;Mener Morgenzeitung.") Die AuswandevUMAonferenz hat auch gestern ihre AÄerten. iftoetgeW;--.'. M^.'ÄoWBffüm für die! Definition des Begriffes Auswastdever hat. die. Beschlüsse der ' Subkommifsion gestern . angenommen. >Danach gilt als Auswanderer jede Person, die ihr! Hermatsland in der Absicht verlaßt, um Arbeit, zu suchen,! sowie jede Person, die ihren Ehegatten oder Verwandten in i auf- oder Absteigender Linie, Enkel, Neffen, Geschwister oder!Verschwägerte desselben Grades begleitet, oder ihnen! nach fährt, wenn sie schon zu demselben 'Zweckeausge-! wandert sind, oder jode Person, die unter derselben Bei dingung in da's^Land zurückgekehrt, in das sie schon einmal i ausgewandert war. Ms Einwanderer gilt jeder Fremde, der; in einem Lalche einlangt, um Arb ei tzusu ch-en, mit der ausdrücklichen oder stillschweigenden Aussicht der dauernden Niederlassung. Ms gewöhMcher Ar- -beiter wird jeder Fremde angesehen, der.in einem Lande nur!zu dem Zwecke emlangt, um dort,v o rübergehend zu! arbeiten. ' , Zn dieser Definition chrt der österreichische D'e l e-. 'gierte eine Erklärung betreffend die Einwanderung der int ellektu-ellenArbeiter abgegeben. Gestern vor- - mittags hat eine gemischte SpeziaLkommisiion sich mit: der Frage des sogeuan nten Statutnms für .Auswanderer befaßt. In dieser Kommission ist auch der österreichische Delegierte, Ministerialrat M o n t el, Mitglied. ' i Die erste Sektion für ^ifsahrtsangelegenheiten hat die -den Schiffahrtsgesellschaften ansWevliegenden Bedingungen behandelt, die sich auf sanitäre und humanitäre Einrichtungen beziehen. Aus die Größe des Schiffes , und dessen. Geschwindigkeit werden Bedingungen 'bearbeitet. Auf dem Kongreß ist die Jea durch Liieren Wolf, - Eduard Qnniger und S. Ianov^ vertreten. Der Delegierte der „Hiäs", . -der jüdischen IvMiMNteu-tHisft'gesellschaft Amerikas, Ä Leon Wer. Amerika gegen SowiettntzlMÄ. Keine Anlethe«. i v ' (Gigendienst der „Wiener Morgertzeituntz".) . " Washington, 28. Mai. Im SkWLtsdepartement wird im Zusammenhang mit den jüngsten Sondierungen Sinowi j e w s über die Möglichkeit einer amevRvnischenAnleihe für , Sowjetrußland erklärt, daß die amerikanische Regie mng eine solche Anleihe unter kei-yc-n Am ständen gutheißen würde. Solange die Sowj?Lvegiemng für ihre S ünden nichi Buße getan Habe, werde Amerrka die.Be- .ziehungerr mit Rußland nicht wieder ausnehmen. Die An» ovkennung der Sowjetregierung durch England könne nicht .als Pritzwenzfall für die Amon Men, da die amerikanische ^Regierung von Rußland nach wie vor die Anerkennung i seiner früheren staatlichen und privaten Verpflichtungen^ -fordere. Gleichzeitig erklärt man, daß die öffentliche Mei- ■ imtng, besonders die Finanzkreise, diese Haltung der iRegievung voll und ganz genehmigen. Wiener Morgenzettüns. 29. mm 1024 ormanu und Grundel vor Gericht. Der Mrdplml gegen Eeeckt. ■ . Wlkn, 28. Mai. Der erste Bechandlungstag in dem Prozess« gegen diebeiden Nationalsozialisten Thor mann und Dr. Grandei, die beschuldigt' werdest, im Jänner dieses Jahres ein Attentat gegen den General v. S ee Hk t geplant zu haben, gab ein goradM.gvauenhast>es. Bild von ^der Zersplitterung und dem moralischen Tiefstand in den rechtsradikalen Organisationein. Wie Dhormann osten zugab, hat er mit dem Zengen Tettenborn, dem Berliner Sekretär der deutschnationalen Volkspartei, einen Plan zur Ermordung des Generäls v. Seeckt besprochen und in der Person des gleichfalls als Zeugen erschienenen Studenten Köpka den Attvntätercmsgesucht. Thormann behauptet aber, daß es chm-mit diesam Plane nicht ernst gewesen sei, son-' dern daß es nur seine Absicht war, Tettenborn, der ein H albjude sei, als Spitzel-zu entlarven. Tettenborn gibt aber wiederum' an. daß Dhormann, der den - alldents chen> Kreisen nabesteiht, ganz ernsthaft die Ermordung Seeckts beabsichtigt habe, daß er selbst äber als SekretÄr der d e u t^s ch n a t i o n.ia I e n B o l k s p a r t e i diesen alldeutschen Plan inicht -billigen konnte. Die biHvrigM Aussagen eWeben noch"'kein klares Bild darüber, wer von den beiden die Wahrheit sagt, und zwar um so weniger, als es sich bei Tbormann utn einen Fanatiker handelt, der seine Aussagen,zu einer politischen Piropagandarede benützen will? t .Das Verhör mit Thovmann wickelte sich in folgender Weife ab: Der Angeklagte erzählte: Am Neujahrstage 1923 kam, ich nach Berlin und fuhr'Anfang Jänner wieder nach München zurück. Hier setzte nun eigenMch meine politische Täfigkeit ein. Am 2. Jänner war ich bet Rotzbach, und bei dieser Gelegonheit. erzählte er mir,- daß ihn am Vormittag ein Phänomen, ein Deutschamerikaner namens Doktor Janvzik, besucht hcibe, der schwörreich sei und seine diplomatischen Künste für AuslandsvepbindtMgen anbiete. Ich bat, diesem Herrn vorgestellt zn-werden, was auch geschah; inzwischen mußte, ich wieder nach Berlin zurück, weil es meinem Vater schlecht ging und ich dessen.Geschäft auf die Beine stellen mußte. „Daun bin -ich am 23. Oktober abermals nach München übersiedelt. und. dort irgs ich schon am Bahnhof einen-Bekannten., der mir zuflüsterte: ° „Es geht los!" Ich nreldete mich infolgedessen am 26. Oktober bei der Technischen Abteilung 'vier ruhmreichen Ehirhardt-Brigade. Am 9. November kam dann der Putsch, der zusammenklappte. Ich mußte an dem Tage nach Starnberg, und sagte zu.einem Bekanten: „Wenn ich zuvückkomme, ist dr-e ganze, Geschichte zu Enlde", und so ist es wirklich gekommen. Ich übernahm dann die Verpflegung der Ehrhardt-Brigade' und habe bis zum 16. Dezember -von den bayrischen Bauern Material für 16.0M-MaMschastssPeisungen . ohne eine« Pfennig Geld (EigeMettst her „Wiener Morgenzeitung".) Tettenborns Wohnung zu erfahren. Als mir das-nicht möM war, bin ich mit Dr. Grande! ausgegangen und habe mij ihm am Sonntag im Leipziger Hof gegessen. Anr Wend in Cafe Exzelsior, habe ich Dr. Grandiel erzählt, - was ich tri Schilde führte und, habe chm auch von der. Tätigkeit Detten borns erzählt, der'mir als Hqlbjnde verdächtig war/ Dokto> Grande! lächelte über das, und ich war Wer seinen Skchtizrs mus etwas ärgeirlich. Deshalb ging ich weiter aus mir -heraus und sagte, Tettenborn habe etwas mit Seeckt vor. Ich erkläre -hier ün Gerich-tssaLl feierlichst, daß ich Mi emern Attentat gegen General v. Seeckt niemals etwas zu tut gehabt habe. - _ Dhormann schildert, daß er Granidel gebeten habe, sics doch diese beiden „Oberspitzel" einmal selbst anzusehen. Weite! habe er sich mit Tettenborn und Köpke zu dem nächsten Ta^ abermals btzi Josty verabredet.. Vors.:- Wenn Sie alles nur für. Spitzelmache hielten ist es doch nicht erklärlich, weshalb Sie sich -noch einmal treffet wollten. An ge kl. Thormann: Ich wollte nur sehen, wi« weit diese beiden Lauselümmels Hr Spiel treiben würden. Vors.: Sie sind also an dem Wbend aüseinandorge' gangen indem Gedanken, daß am 16. Jänrier das Attent.as stattsindsn werde? - - . ..." An g e k l. T h ormanu:' Aber kern - Gedankt:, ich wußü ja bestimmt, daß nichts Nachkommen wiitzde. -Ich wollte nw das Spiel , zu Ende-bringen, mn dann Herrn v. Graefe nnd Exzellenz Ludendorfs über die Tätigkeit Tettenborns zu benachrichtigen. - - - Vors.: Dazu wareitr doch aber Ihre Mhllosen Berab irednngen mit- Tettenborn und Köpke doch wahchaftig nichi nötig.' . . . „ Ang ekl. Doch; denn ich wollte die beiden pshchologrsa studieren. ' Bors.:-War Ihr Spiel äber nicht gefährlich? Dvtckev Sie doch einmal an Erzbergr r und Rathenaul - An ge kl.: Wenn man alles glarrben wollte, was in na. tionalen Verbänden gesprochen -wind, dann müßte in Deutsch, lernt) und in Frankreich kein Stem mehr aufi dmn acnderev stehen... - Vors.: Dann muß ich Ihnen eutg^enhalten, daß Ihr Protokoll mit den Worten beginnt: Ich gebe zu, an einer Verabredung, Seeckt z« beseitigen, teilgenomme-n zu haben. ' . A-ngekl.: Das konnte ich doch auch picht leugnen, da ich mit den Leuten darWer gesprochen Habe. , .. Vors.: Sie haben weiter in dem Protokoll gesagt, daß die-Anregung, Seeckt zu b^eitiM, von einem tont ihnen ausgegangen sei. Sie wüßten aber nicht mehr von wem.. . zusamtrvemgebracht. denn die nationalen, jungen Leute hatten nichts zu. esien. ... -- -In -München Mob ich, da ich einert Prozeß 'mit .Doktor Jane z i k hatte, derwegen- Betruges angeklagt war. Ich erwähne das, weil, ich durch Janozck, .der das - Haupt -einsr ganz bestimmten Cligue ist, Herrn v. Tettenborn kennengelernt habe. Am -17. Dezember fuhr ich dann wieder nach Berlin, nm Janczik weiter zü beobachten und mir. da eine Staats-Umstellung! nicht mehr zu erwartenwar, eine andere Position zu schassen. ' Sv-kam ich dazu, am 3. Jänner der Dieu-ts HÄ öl lisch e -n Freiheitspartei in dsr Dessauer Straße ei-mn Besuch abzustat-ten. Bors.: -Kannten Sie denn diese Partei näher? An ge kl. -Dhormann: Ich kannte Herrn v. Tettenborn und wußte, daß» er in der Roßbach-Affäme die unsaubere Rolle gespielt -hat. Jur Bureau der DeutschvölUchen stieß ich auf Wnlle, der im Begriff war fortzugchen und wurde.von Tettenborn in ein iKonferenzpimmer 'Meten, wo wir-über alles mögliche sprachen. Ich fragte Tettenborn: Wo ist der Spitzbube Ianczik? Dettenbom -sah zur Erde und behauptete, er wisse es nicht. Ich bin» jedoch -davon überzeugt, daß er es gewußt hat. Ich Mach dann über die Ereignisse vom 9. November, und über nreine Ansicht befmgt, sagte ich -M v. Tettenborn, ich hätte noch nie so viel lächesn.de Juden gäschen wie am 9., 19.. utkd 11. -November in München. Ich erzählte Tettenborn, wie die R-eichswchr auf das Volk geschlagen habe, daß es einem Hund jammern konnte und schilderte -ihm. wie ich abends in den Hausflure« die Pfaffen habe stchen sehen. Ich äußerte dann zu Tettenborn, daß ich in Berlin die geheime« Absichten der Jude» erkunden wollte; denn die-Juden sind ein Staatspnglück. Ein Jude, nämlich Adler, ist es gewesen, der durch dm Mord an dem Grasen Stürgh den - ersten Spatenstich' zum Grabe DeuWlands getan hat. Ich sagte wir. baß dieser Jude seine Tat nicht ausgeführt haben würde,. wenn er nicht gewußt hätte, daß er vollen Schutz bekommen würde. Im Laufe des Gespräches fragte ich 'dann Dettenbom. wer denn >in MümchM der Reichswehr >den Befehl zum LoSschlägm auf das Volk gegeben habe. v. Tettenborn antwortete: „Das' ist natürlich Generäl v. Seeckt gewefem" Ich erwiderte darauf:' Seeckt ist ja auch das nationale Unglück Deutschlands. - Bo-rs.: Halten Sie den Herrn v. Tettenborn für einm Spitzel? . Angek-l. Thormann: 'Natürlich, denn -Detteuborn verkehrt ja in Jancziks Kreisen. Bors.: Wie-kann denn das möglich sein, daß ein Spitzel Sekretär der Deutschvölkischen Jreiheitspartei wird? An ge El. Thormann: Alle nationalen Verbände sind ja durch Spitzel zersetzt. Vors.: Haben Sie ven-n z. B. He>r.rn Wulle über ihren Verdacht gegen Tettenborn etwas mitgeteilt? Angekl. Thormann: Nein-, denn ich war Tetten- , born bereits auf der Spur und wollte ihn tn-den nächsten Tagen festfetzeri. .Da kam «r mir aber zuvor und veranlaßte meine Verhaftung. Nach einer-kurzen Reise nach München bin ich dann am 9. Jänner nach Berlin zurückgekommen und tras ' mich ans Wunsch von Dettenbom wrt diesem -im Cafe Josty. Als wir das Lokal verließen, sagte Tettenborn zu mir.: „Hätte ' -ich nür -mchr Geld gehabt, bam wäre Seeckt jetzt schon weg.; Haben Sie Geld mrt?" Ich war überrascht, faßte mich aber sofort und sagte: „Jawohl." Darauf deutetemir .Dettenbom an, . er häste einen ungetvetlen .Kameraden Usw. .Ich habedarWMn Tettenborn abermals 60 Dollars gegeberr Am nächsten.Tage, eirmn Donnerstag, hatte mich Tettenborn zu Aschmger -bestellt, kam aber nicht.,Am Samstag traf ich bei einem Spaziergänge Dr. Gvandel, den ich aus SuddLutschland kannte und der sich ans einer Gefchästsveitse >befand, in der . Leipziger Straße. Ich fuhr zu Fähvenhoch, mn von diesem Hierauf wird dar zweite AngeNagte, . . Fabrikant Dr. Gottlieb Grandel; . - aus Augsburg, vernommen. Der- Angeklagte ist so .schwer -he^ leideW, daß die Ger-ichtsäirzte wiederholt - eM^isM .müsstn. ,-Bis zur Revolution." eM-ärt der Beschuldigte, habe ich mich für Politik nicht 'besonders interessiert. 0.820 lernte ick dann Mer - ' -.-'i» kennen, der mich auch in Augsburg besuchte, und da ich ai^ diese junge Bewchung , m, ihren Anfängen Hoffnung setzte» stellte ich mich auch finanziell zur Verfügung. Mein Wunsch war, daß die Hitl-er-Beiwegung sich auf' kulturpolitischem, nicht aber aus parteipolitischem Gebveit bewegen sollte. Als sich dann die Gntwicklung in nmgekchrter Weise vollzog, habe ich mich Mrückgezogen, 'denn ich f&tot, wie gesagt, Nicht parteipolitisch eingestellt. Familie, Heimat u n d. V a t e rla nh. das. ist mein politisches Programw. Die Ruhchesetzung erschütterte mich iseelisch am schwersten und wirkte , auf meine ohnehin schwache Gesundheit' ungünstig ein, zumal auch die wirtschaftlich ' daraus erwachsenden SchwievigksitM und diö Nöte der Inflation immer drückender wurden. Vor geraumer Zei^ habe ich Jnstizrat Clatz kennen gelernt und bin mehrfach mit Hw KlisämMen>gelkoMMech da mich die alldeutsche Bewegung interessierte. Der Angeklagte erzählt dann, daß er im Jänner -nach Berlin >gekonnnen fei. Am 12. JäNner habe ihn in der Keipzigerstraße ein Herr gegrüßt. Ich mußte mich estt besinnen, wer das war und erkannte schließlich Thormann. Er .epzählte mir auch auf eine diesbeMgliche Frage, daß er zur d e u t's chvö-lkischen Freiheitspartei Werbinldungen-habe «m Wulle kenne. Am Sonntag kenn dMrn Dhormann ins Cafe EMsior und dort erzählte -er mir zum ersten Male von Tettenborn. Des -'sei, so erklärte mir Dhormänn, ein ganz Radikaler, der schon aller.-. Hand Waghalsiges geleistet habe. Und nun deutete mir Dhormann auch an, daß Tettenborn etwas -gegen Herrn v. Seeckt Plane. Ich habe da.zu -den Kops geschüttelt und gelächolt. denn es erschien mir absurd, daß -nian wieder einmal mit dem Schicksal Deutschlands spielen wollte. , ., Dhormann erbot sich, mir Tettenborn i-ns Hvtel zu brin-. gen. Auch das erschien mir nicht gefährlich, ich hatt? vielmehr den Verdacht, daß man Geld von mir herausholen wollte, denn Dhormann hatte mir wiederholt versichert, daß Tettenborn und Köpke, so geldhungrig seien,-daß sie die tollsten Sache» machten, nur um in den Besitz von Mitteln zu kommen. Tab sächlich erschien Tettenborn mit Köpke am nächsten Tag int Leipziger Hof, und wir aßen dort zusammen. Die Leiden waren nicht etwa meine Gäste, das betone ich ausdrücklich, denn eine solche Annahme würde ich als eine Schande für meine Person betrachten. Tettenborn sprach, während Köpke, wie wir in Bayern sagen: „verdruckst", d.-b. hinteMltig dasaß nnd niemanden anzuschauen sich getraute. Er aß und redete rein Wort, Im Lause der UntLrhaltnng fragte Dhor-lnann den Köpke ganz laut: „Sie wollen also die Sache gegen Seeckt ausfichren?" und: Köpke erwiderte mit niedergeschlagenen Mugen: „Jawohl". Er verlangte zunächst. eine größere Summe zur Sicher stellung seiner Mutter, wie -er sagte, und als ich ihn fragte» wo denn die Mutter wohne, antwortete -er so zögernd und unsicher, daß ich den Eindruck hatte, der Mann ist ein Lügner. Dhormann erwiderte, daß auch, diese Summte besorgt werden könne und'nun fragte Köpke. ob er nicht sofort eine größere Abschlagszahlung darauf bvkomnten könnte. Da >das Befinden des Angeklagten Dr. Grandel sich stark, verschlechterte, brach auf Antrag der Sachverständigen der Vorsitzende die Vernchmung^ab.