Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1897 (27.5.1924)
- Date
- 1924-05-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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^briggeibli ebenen Kinder. Auf Umwegen. Wenn auch der größte.Teil des NaGmlchses seine Zukunft, sein Leben für die Mndecheit lassen mutzte, so bleibt die Art doch erhalten. Bald find auch die Larven reif, Helfer und -Schlepper .sind genüg da, in die neu-gegründete Kolonie komnrt Leben, der Pilz -treibt seine, will heißen der Ameisen Ambrosiaköpfchen: zweite Generation. Wie 'ein Märchen klingt es, würde nicht der K i u d e x* m o. r tz an die grausame WiMichkeit erinnern. Das Leben macht es immer -so. Auch ein Trick seiner Technik. Wo für viele kein Platz, entwickeln sich die wenigen''auf Kosten der anderen. Der Feuersalamander legt bis 70 kiemeniraigcnJbc Larven^ins Wasser. Sein Verwandter, der Alpensalamander, hat kein Wasser zur Ablage. Er muß die Larven in seinem Mutterleib austragen und ernähren, bis sie kiemenlos und reif zum Landleben sind. Ernähren! Ja, wenn es ginge, gleich 70 reif auf einmal, so lauge Zeit! Statt, der 70 (so viele Eianlagen sind ursprüirglich da) kommen nur zwei leibende Junge zur Welt. Die anderen wurden' verbraucht . zux Nahvslofftieferung für die zwei Auserlesenen im Mutterkörper. Dasselbe wie bei der LKiükse MöWnzettunH '27. Mai ISA Sette B An Kindermord in Wcago. 6in Md eMhrt und da»» ermoM. Verblendete wollten das Ganze als Maxime für die Menschh-eit aüfstellen. Vergeblich. Die Herren vergaßen, daß die Menschen so etwas haben, was mqn Moral nennt... Aus Nöw-Dork wird gemeldet: Die Blätter berichten von einem scheußlichen Verbrechen in Chicago. Der 14jährige Sohn Robert des reichen Chicagoer Uhreufabrikanten Jakob Franks wuiäie auf dem Heimweg aus der Schule von einigen eleganten Männern angesprochen, die -ihn zu einer. ' " ' " Autofahrt einluden. Seitdem war der Knabe verschwunden. Am nächstfolgenden Abend wurden die Mem des Knaben telephonisch aufgerufen . . und es wurde ihnen mitgetellt, daß der Knabe entführt worden sei, sich aber Wohl .befinde. Tags darauf kam ein Brief an bk Mern, worin sie aufgefordsrt wurden, ein Lösegeld von 10.000 Dollar zu erlegen. Sollten sie die Polizei verständigen, würde der Knabe getötet werden. ' Der Vater des Knaben war schön bereit, das LosegelÜ von 10.000 Dollar au den vereinbarten Ort dem Entführern abzuliefern, als die Polizei den Leichnam des Knaben in einem Sumpf bei Chisago entdeckte. Die Entführer hatten offenbar ge» fürchtet, daß die Polizei auf ihrer Spur fei und hatten sich deshalb des Knaben entledigt.. Die Leichenbeschau ergab, daß Robert Franks durch Hammerschlage auf den Kopf getötet worden sei. Die Verbrecher gingen, um ihre Spuren zu vev Meiern, so raffiniert vor, daß sie dem Kopfe des Leichnameine blaue Brille aufsetzten, die die Identifizierung der Leiche tatsächlich M* schwerte. Bon den Urhebern der Tat fchlt jede Spur. Die Goldziher-Mliothel in Jerusalem. Bon Prof. Dr. A. S. Iahuda. Dr. äi für der A: S. Ja huda^ Professor Sprache und Lrteratur ' an er Universität, wurde mit der Ordnung und Katalogisierung der GMziher-BiMothä in' Jerusalem betraut. lieber den Wert nrü> '. die Bedeutung dieser Erwerbung äußert sich der hervorragende Gekehrte folgendermaßen: Die Bibliothek des weltberühmten Orientalisten und Professors an der Budapester Universität, Dr. Ignaz Goldziher, wurde für die Jerusalemer hebräische Universität au gerauft. Diese Erwerbung bedeutet eine ernste Phase in der Geschichte der jüdischen Hochschule von Jerusalem. Prof. Gold ziher war während eines halben Jahrhunderts der berühmteste Orientalist der ganzen Welt. Nach Alfred v. Krämer, der zum ersten Male den ernsten Versuch unternahm, die Kultur geschichte des Islams zu lbearbeiten, war GoWher die erste Fachautorität auf dem Gebiete der islamitischen Kulturgeschichte. Mben Fleischer, dessen Schüler GoDziher war, und Wilhelm Ahlwardt wurde er für den bedeutendsten Kenner der Ätarabischen Sprache gehalten und mit Recht Ln eine Reche mit Theodor Nöld eike gestellt, der, wie man weiß, der größte Md tiefgründigste Orientalist aller Zeiten war. In iriefett Zweigen dtt einschlägigen Fachwissenschaften, besonders in dar mohammedanischen Theologie uiw Dogmatik, erwies sich Gckldziher als unerreichter Meister, der seimn Schülern neue und bis dahin unbearbeitet gebliebene Gebiete der onentaKscheu Wissenschaft eröffnet hat. Das Wissenschaft liche Interesse Goldzihersbeschränkte sich jedoch nicht nur auf die islamitische Wält «nd die semitische Philologie. Auch alle Zweige der Wissenschaft des Judentums fesselten sein tiefes Interesse, und es gcht unter den Orientalisten kaum eiuen,der die ganze Geschichte^ Literatur und Philosophie des Judentums in solchem Matze förmlich in sich eingesogen hätte, wie Goldziher. Von seiner frühesten Jugend an war die BRel seine treueste Begleiterin. Bis auf seinen letzten Lebenstag studierte er, bchonders „in schlaflosen Nächten", mit Liebe und Begessterung denTalnmdund tvar ein tiefer Bewunderer der Mischen Literatur und Philosophie des Mittelalters. Seine Li Mingsschrfftsteller und Dichter waren Juda Halevi und Maimonides, aber ebenso genau kannte er die Werke von, Luzzaio, Zunz, Gvaetz, Steinschneider, Mraham Geiger, wie auch die. hervorragendsten Bahnbrecher der modernen jüdischen marokkanischen, Konstantinopler, turkestänischen, indischen, persischen und javanischen Drucken von unschätzbarem Wert. Einen besonderen Wert repräsentiert die umfangreiche Korrespondenz, die Goldziher in wissenschaftlichen Fragen während 50 Jahren mit den hervorragendsten Fachautoritäten der Welt unterhalten hat. Mese Briefe, hat der Sohn Goldzihers, Prof. Dr. Karl G o l d ziher, mit großer Umsicht und Pietät geordnet. Starb einer der Gelehrten, mit denen der große Orientalist im Briefwechsel stand, so sammelte er dessen Schriften zu einer eigenen Grippe, die er mit der hebräischen Bezeichnung'des Friedhofes „Beth Hachchim" — das Haus des. Lebens — nannte. Diese überaus wertvolle Korrespondenz wird in den von der Jerusalemer Universität herausgegebenen „Scripta Unwersitatis" als GMziher-Serie veröffentlicht werden. Der Weltrundflttg. Der „Datty Expreß" meldet aus Tokio: Der britische Weltflieger Maela reu verlor die Herrschaft über sein Flugzeug, kurz nachdem sein Aeroplan Achab verlassen hatte. Das FLrgzeng stürzte in den Hafen und wurde vernichte t. Die Ntannschaft ist unverletzt. Die amerikanischen Weltftieger trafen am Samstag w Tokio ein, woselbst sie bis Freitag bleiben. Dieses fabelhafte, umfassende Wissen Goldzihers spiegelt. sich auch in seiner Bibliothek wieder. Es ist begreiflich,-daß sich die verschiedensten Bewerber um den Besitz dieser Bibliothek bemühten. Zu den ernstlichsten Bewerbern gehörte die japanische Regierung die,. um diesen kostbaren Schatz zu erlangen, einen der bedeutendsten Gelehrten Japans, als UnterhäMer nach Budapest entsandt hatte. Es ist fürdie jüdische und die. orientalische Wissenschaft ein besonderes Glück, daß die Bibliothek Goldzihers nach Jerusalem und nicht nach Tokio kam, wo sie anläßlich der verheerenden Erdbeben- und Feuerkatastrophe ein Raub der Flammen geworden wäre. Die BWothek umfaßt 6000 Bände mit 1300 Titeln von 2600 Autoren. Unter diesen Büchern sind 600 arabische, 60 türkische und Persische Schriftsteller mit 800 Werken vertreten, von denen ein Teil im Orient und ein Teil im Westen gedruckt wurde, 770 Autoren mit rund 1600 Buchtiteln befassen sichln zwölf europäischen und fünf orientalischen Sprachen mit nahezu sämtlichen Zweigen der semitischen Philologie und der orientalischen Wissenschaften. Die modernen biblischen Wissenschaftsgebiete sind durch 800 Werke vertreten. «In der Abteilung fürHebraica und Judaiea erscheinen 40 Autoren mit 750. Buchtiteln. Hiezu kommen noch 600 Autoren mit 800 Buchtiteln, welche die verschiedensten Wissensgebiete des Mittelalters und der modernen Zeit bearbeitet haben. Eine eigene MteiluNg bilden die Rechenschaftsberichte der Kollegien aus Europa, Asien und Novdafrika, ferner die Berichte der Orientalisten-Kongvesse, die Kataloge der großen europäischen mw orientalischen Brbliorheken, die Jahresberichte der jüdischen Literaturgesellschaften und Seminarien, die Lexika und Enzyklopädien der ' orientalischen und westlichen Sprachen. Unter den arabischen, persischen und türkischen Werken sind die Unica von ägyptischen, 'syrischen, tunesischen, algierischen. Ein Raubmord in Salzburg. Aus Salzburg wird gemeldet: Der ILijähvige Sk^hmachevl-ehÄiug Peter H a t i e r und fern Bruder, der AjWige Hilfsarbeiter Franz Harter, überfielen gestern in denfrichm Morgenftmwen das Schuhrnachevchchaar Alois Md Marie Schulz in deren Wohnung im Schlafe. Marie Schulz wurde ersch lagt n aufgefunden. Wois Schulz ist mit einer Schädelgertrürnmer u n g in^ Krankerchaüs gebracht worden und dürfte schwerlich am Leben echaÄen bleiben.! Bor der Verübung der Tat hatten die -Lechen Harter dem. achHährigen Neffen des Ehepaares, der in demselben Zimmer schlief, einen Knebel in den Mund gesteckt und Wr die Augen verbunden. Me Tater, die fünf Mililionen ln Bargeld und Schmucksachen geraubt hatten, wurden mittags in tzem nahen bayvifchen Grertzort Freilassing verhaftet. Automobilttuglück m Aerli«. Bettitt, 26.- M-a/i. (Tel. der ,Mener Morgentzeitüng") Bovgestern nachmittags ereignete sich in der Nähe von Jübben in der Mark ein schweres AutomMlungillück. Der Wagen des Berliner Bankiers I f r -a e l, des Mitinhabers eines BanlkkmmnissionSgcischäftes in der Leipzigerstraße, geriet infolge einer Reifenpanne ins Schleudern. Die am Steuer sitzende Frau Dr. Nenberg, die Gattm eines praktischen- Arztes, verlor die Geüvalt über das Fahrzsug, /das gegen einen Caussesbauim raste und sich überschlug. ‘ ' Von den Insassen war ein Fräulein Sachs, die Tochter eines Verficherungsdiveiktors und PrivatsekretäM einer Berliner Konzertagentur, sofort tot. Deren Schwester,..Frau Drucker, erlitt einen schweren Bmch des Oberschenkels und eines Armes. Der Besitzer des Wagens, der Bankier Israel, erlitt sehr schwere Verletzungen, so daß an seirrem Auskommen gezweiftlt werden muß. Frau Dr. Neuberg, die am Steuer saß, brach sich das Schlüsselbein und trmrde bewußtlos, ebenso wie die anderen Verletzten, nach dem Krankenhaus in ÄMben gebracht. Arbeiterentlaffungrn in Mschosrhofe«. Wege« Lohndisferenzen. Wie die Sektion Sw^burg des Hauptveribandes der -Industrie Oesterreichs mitteilt, hat die Mitterberger K«pfer-A.-iG. der Gesamtbelegschaft ihrer Bergbaubetriebe in Mihllbach bei B ischofshofen gekündigt und 'wird' den Betrieb am 7. Juni stilleigen. Der Gmiw zu dieser Maßnahme liegt in Lohtchisferenzen, die bereits zwei Monate audauern. Der Bergarbeiterverband hatte die Fordemrvg einer - LOProzentigew Ächn- - echöhung echoben, die jedoch mit Rücksicht auf die wirtschafti siche Lägenicht bewMgtwerden 'konnte. Die zugeftandene Echöhung der FamilienzuLage ist nach Mitteilungen der Un . temchMuing von den Arbeitern als Unzureichend abgelchnt WMen-. Von der Kündigung find über 800 Arbeiter betroffen. Dar Hüttenbetrielb in Außevfelden mit über 400 ^Arbeitern > hlMt vorläufig noch aufrecht. Sine merkwürdige Wohnnngrliga. Ankündigung von Demonstrationen in einer Hausbesitzer« Versammlung. In der von uns gestern bereits kurz erwähnten Haus- . befitzerversamMuttg, die Sonntag beim Gschandner tagte, erklärte Landes, der Vertreter der WohnungsWa, .der -Organisation der Wohnungslasen und Untermieter, das M i e t e n g e s e tz mit Men seinen Nutznießern und Parasiten müsse verschwinden. Die Hausbesitzer seien mitihren Forderungen inr Recht. Der chemaltge Arbeitervat Fischer kündigte eine große Demonstration der- Hausbesitzer utib Wohnungsuchenden für die nächste Zeit an. Die Versammlung gestaltete sich stellenweise sehr stürmisch. Schließlich wuvde folgende Resolution angenommen: Heraus mit dem Abbau des. Mieten« gesetzes nach Maßgabe der wirtschafMchen Lerstungsfähiigkett des Mieters! Keffelexvlofion ans dem ttalieuischen Tordedoboot aus der Donm. Aus Linz wird gemeldet: Me dem „Lin-zeH Bolksblatt" aus Grein berichtet wild, ereignete sich gestern in den späten Nachmittagsstunden unterhalb Groins auf dem donauauiftvärts fahrenden italienischen Dorpedvboot „75^ eine schwere Kesselexplosion/ wobei mchr-ere Mann teils schwer, teils Mcht verletz/ wurden, denen der Arzt von Grein die erste Hilfe leistete Nach einer späteren Meldung desselben Blattes habt sich auf dem italienischen TorpÄoboot. ein Rohrb.ru ch ereignet. Nach längerem Aufenthalt konnte das-Boot seine Fahrt forffetzen und habe heute vormittags Gr-ew Passierb »erbot ei»« monarchWche« Berfammlmlg. Eine für Sonntag von den Monarchisten nach Gmünd einberu-fene Versammlung wurde von der. Beziv'kshaupü maninschast Gmünd wegen Gefährdung der öffentlichen.. Sicherheit verboten. Preiszuerkemmng au der 8srqMlsch«1heoloA ' schm Lehrauftav fn Wie». Die „Oberrabbiner Dr. Chajes-Sttftnng". Herr Dr. George A. Kohnt aus Zdew-Aork, Sohn des verftobbeneir. hervorragenden Gelehrten. Rabbiner Dr. Alexander Kohut, wMe vor zwei Jahren in Wien und besuchte die hiesigen jüdischen Kulturinstitute. Der Eindruck, den er hier gewann, ^stimmte ihn, zwei Stiftungen zu errichten, in welchen die Förderung der Wissenfchast des Judentums mit der Bekundung der Pietät , und Devehrung für zwei wissenschaftlich verdiente Männer sich harmonisch vereinigen sollte. So schuf er zur Ehrung des Andenkens seines Vaters die „Alexander KohNt Nlemovia! Foundation" mit dem Sitze in Wien, die jährlich die Drucklegung und Veröffentlichung eines bedeuffamen füdisch-wissenschaftlichen Werkes besorgt uttd . als Zeichen seiner Werffchätzung für den Gründer und zum Teil Nmbeleber der meisten Wiener jüdischen BiWungsinstitute die Oberrabbiner Dr. Chajes-Preisstifinng" für Hörer der ^ffsr.-theolog. Lehranstalt in Wien. Nachdem im Vorjahre in Verbindung mit der Feier des 30jährigen Bestandes der Jsr.-ckheolog. Lehran- Mt die ersttnalige Zuerkennnng des Preises im Rahmen einer größeren Feierlichkeit erfolgt war, fand diesen Sonn« tag die diesjährige zweite Preisverteilung statt. Der Rektor' der Lehranstalt,. Prof. Dr. Adolf S ch w a r z, umgeben von den Professoren. Dr. A p t ow itz e r und Dr. K raus, und der gesamten Hörerschaft, begrüßte die als Gäste erschienenen Herren: Oberrabbiner Dr. H. P. Chajes, Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurt e r, die Kultnsvorsteher Dr. I. Ma r.gA k.i e s und Dr. L au da n,' die ' Professoren des ReligiönSlehrer« seminars Dr. M. Rosenseid, Dr. H. Redisch, M. Rath, Otto Simon,, den BMothekar Dr. Kristianpoller und andere und eräffnetedie schlichte, aber eindrucksvolle Feier, mit einer .hon edlem Geiste gü-' trageneu Ansprache, in welcher er hervorhob, - daß der Rabbiner neben dem. Wirken in Gemeinde und Schule sich wissenschaftliche Forsch er tä tigke.it zur Pflicht nmchen. müsse. Wenn diese Preisstiftnng. den Namen des Wtemr Oberrabbimrs trägt, eines Gelelr^'i,