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Wiener Morgenzeitung · 1924-05-25 · Heft 1895 (25.5.1924) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1895 (25.5.1924)
Date
1924-05-25
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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. -i iv1 WIK 'Mm, Sonntag -/*** . Neue 8 '* Gastspiel Maria Orska. M«ra MIzewa^ist mit. der OLLkaM der RMaiffomoebÜhm in di e Neu e Mmt Bühne ÄLergestedelt. Die WigÄ-Wogel-GMen (wird Wera entlarvt —7 wind sie nWd entlarvt) find .in diesem neuen Rahmen weit erträKicher . (düS Glück gehört' doch zu den besten seiner Gattung) und! Maria OE ist wirklich außerordentlich. Gradmesser für die z MÄMg der Künstlerin in dieser Rolle: Man ist bis zur letzten Gzem Ar ihrem Bmue, trotzdem man sie erst kürzlich in diesem KvttNinaMck sah. Zwei Neubesetzungen. Herr Jordan Ar Herrn HendriHS) geht an, Fräulein Gimson (Kr hingegen gcht nicht an. > A. Wiener: MoLgenzeitrtng. nt«. „Gyges und Alpenköuig V,8 Uhr, der Schwank Moser. Kein Karten» Aar de« Aeatet«. B«r gkh eate r. Morgen, 7 Uhr, fei« Ring*. Dienstag, 7 Uhr, „D e r unbber Menschensein h* A k a demietheater. Morgen, „D - r B i b l t 0 t h e k a t" von G. b. Emf. BolkSoper. Heute, 7 Uhr, „C a r m e it". Nachmittags „Zarund Zimmermann". Montag „M a r t h a". D eutscheS B 0 l k S t b e a t e r. Heute Bernard GhawS „DvrManndesSchicksals" und „Der Boxkampf". Kammersviele. Dienstag, als Nachtvorstellung,'Uraufführung von Paul Franks und Armin FriedmanüS „D i e u n» moglicheGo-Go" („Ein Tag aus dem Lebe» eines Lauf- Mädels"). Die Go-Go spielt Maria Orska. Theater i n d e r I 0 f e f st a d t. Heute, x/a8 Uhr, „K a b a l e u n d Liebe". Montag, 7 Uhr,. Erstaufführung von «Der Kaufmann vonVenedig". Dieses Stück wird Dienstag, Mittwoch und Donnerstag (Anfang l/s8 Uhr) wiederholt. Freitag „Aimöe". SamStag „DerDienerzweier Herren. Raimund-Theater. Täglich «Komödie um R ö s a". Freitag Gastspiel Irene Triefch in Ibsens „H e b d a Gabler". Theater anderWten. Freitag den 30. d. findet die 100, Aufführung von „Gräfin Mariz a" mit Emmh Ko s a r y statt. Johann Strauß-Theater. Die Erstaufführung de- Tanzmimodramas „H a f ch i s ch" mit dem Ensemble deL königlichen. Opernhauses in Budapest mußte wegen technischer Vorbereitungen auf Dienstag verschoben werden. Ausgegebe. Karten mst dem Datum 26. Mai behalten Kr Dienstag Gültigkeit. Heute «w morgen keine Vorstellung. , Lustspielth eater. Dmmerstag den 29. d. nach- MagS. gelangt zur Erstaufführung „D i e F i r m g 0 d l a u 8 Amerika. Schwank in drei Akten, von Emil Janko. Das zkvttte Bild spielt im Wurstelprater. m 0 der « eS Theater. Heute findet um */,8 Uhr ahends die letzte .Borstellung des ftanzöfischen Ensembles statt. Zur Aufführung gelangt „M a c 0 u s i n e d 0 V a r b 0 v i e*. Montag den 28, d. um Vs8 Uhr abends ist die Premiere von 'Georg Kaisers „D i e F l u ch t n a ch V e n e d i g" nüt Blanche D e r g a u und Alfred H S tz l i n. Regie r Renata M 0 rd 0. — Louis Verneuil, Elvire Popesco, Jane Danjou und das gesamte franzöfischv Ensemble verabschiedet sich morgen um 7 Uhr abends vom Wiener Publikum. Louis Verneuil wird die „ttsprssisntation de gala" im Modernen Theater mit einer Canferie eialeUctt; hierauf mit Jane Danjou dm ersten Akt von „L’amant dfe coeur", mit Elvire Popesco den ersten Akt von „Ma cousine de Varsövie* und mit Jane Danjou die beiden letzten Akte von „Une jeune manage" spielen. In dieser Vorstellung werden an jeden Besucher AlbumS mit den Bildern und Autogrammen des gesamten französischen Ensembles, Louis Verneuil, Elvire Popesco «ch Jane Danjou inbegriffen, gratis verteilt. Apo llothearer. Täglich bis inklusive Samstag den 31. d., v,8 Uhr «öenbs, «Die Königin v 0 n Mo ntr t r e". 25,Mqi 1924 Seite 11 GL'ammatlca,. in JtMen .-allgemein.' „Die MM. Dujse" für em kiwzes in Wien zu göwinnen. Dke wiM M GGtsucher M % MMer ». I. m der.Reuen Wlivn^r. O>LM.e gastieren. ... derez-Feier in Berlin. Unr den großen oMd r%fpJpe rez zu.ehren, veranstalteten die MtMeder zwmMchen Veremigunig. -im KimMrhans eine echS Feier. Prof. Gtermann gab eine feinWWge GinWrun'g mWchen und Werk des Künstlers. Em Akt Ws dem Drama rPl/ 9.?^c-ue Kette" ManigtL Ar D.arstellun-g. Gut geichEe Klndttchöre und der M-ge Darsteller Gad Pchelasio verhaffen dem Sbück zu großer Wrokung. -c. . - Tanzregie. Die Tanzbühne Laben (Hamburg) hat rn Munster i. W. einen Bchvegungschor gegründet Die Lertnng wurde Kurt Joos Übertragen, der-von dem Intendcm-^n des Dheater^ der Stadt Muster Dr. Niedecken- ^edyardt MlckMltig als BeweonnOrcAssöür verpflichtet dies der erste großgÜM-ge Versuch, einen tanzeri- Ichen Willen, konsequent In den Dienst des Theaters zu stellen. o - MbaWouijch« ^.MusMeM. Wir lesen in der „Neuen Zürcher Zettung st „Ems epochemachende EntLcckunq verdankt man seit einigen Tagen dem Berliner Spezialsorschrr auf dem Gebiete des musrkalnchen Altertums und der allgemeinen Inntrumentenkunde. dem verdienstvollen Musikhistoriker Kurt sachs dem es gelungen ist. ans altibabylonischen Keilschrlft- Tontmeln des Berliner Museums den Mufiktext zu ßrincilt Gedicht heransMlü,cn. In der Mitte der TüNtasel steht der DriPugltext aus dein dritten Jahrtausend, Äshrnche Ueber>LNllg beige ge beii, links befindenstmiche Lvfa.n.7inensteNnngen . von Silben in Keilschrift, aus denen Hachs einen zusaminenhattger.ücn musikauschen' .^nhalt m entziffern vermochte.. Diese musikalische Schrift gibt eme Harstubealei ' . 'Härfenvegleltung 311 einem kosmologischen Gedicht mit ^tlgerovdentlich vielen Doppelgriffen, Oktaven, Quarten^'^li-d Quinten, anfgebant aus dem System der Pentageltenden Silben zur Folge haben. Bevor Sachs seine ne«e Entdeckung veröffentlicht, läßt sich, auf Grund einer Unterredung mit dem Gelehrten feststellen, daß die Hypothese von dein reichen Jnstrumentariu-u lind einer' aiisgebudeteii Notenschrift bei den Babyl-niern sich bestätigt hat. Musikalisch ist jedenfalls immer. deutlicher aus den uralten Denkmälern zu ersehen, wieviel die Griechen den Kulturvölkern des Orients entnommen haben, und wie legendarisch die. ihnen zngeschriebene musikalische Bedenrung erscheinr. Das tut natürlich dem Verdienste der Griechm um die Ansbilduug der Theorie, der Musik keinen Eintrag. Berliner Kunstnachrichten. Unter idem Titel „Mode' und Kostüm in Buch und Bild"' wird von Dr. Wvksgang -Bruhn Mmstgewerbemulsenm) in der Krmischandmng Reuß unlb Pollak nächste Woche eine Ausstellung erüssnet. — . Die Galerie Grosz stellt am . 1. Jrrli AktsMien, ReiiseibAder aus dm SkiWuhefteu, frühe Aribciiten und sadirilsche Zeichnungen aus. — Im KronprinzeuPalais wird gegenwärtig eine Slevogt-> Nische eingerichtet, die neioen ' neueren Aquarellen des Künstlers einen großen Fries, darstellend Figuren und Gruppen aus der „Z auberiloi e" darbieten wird. Autz' dem BuWheater. An jedem Montag wird fortab 4m Buvgcheater eine klaisßifHtz Borsteliung für die Jugend zu kleiuen Preise« M-Pnden. Im Rahmen dvcher Bötztellwwgen geilongt Mon'ta>g den 26. d. Hebbels ,Dy!gcs und f»>in Ring" zur ArHühÄvug. Die nächste PrembeNe des BurgthsaterS „Abenteuer in China" würde mtif Dormersta-g den 5. IÄnIi üerlagt. Auch die Eröffnung des Schönbrunner Schloß>tlh-e.aters mußte verschoben werde», da die BauarbMen nicht ferDggestellt fmb. Die Boxstellungen dürsten erst Mitte Juni beginüerr. ,Der Gong." Die betzte MujffHvnng der ,ß erva padrona" 4m ,-Goug", dem neuen FMrenÄMer im GMlparAer-Saal der-HdMrvg (Eingang unter der MichaelerkuMl), findet hellte wm-baH 8 Uhr abensdZ statt. Um halb 6 Wr nachmid'bags IugendbovstMmg. Der Bübnenvcwilt gegen das Linzer Theater. Der deMMterveichiliche BÜIHnenverttn hat, wie er uns mittoist, in femer gestrigen Dorstandssitzun'g beschlossen, Mer das LandeS-theater in Linz die Sperre zu vechäugeir. Der Divvktor des Untevnchmens hattrotz viislfachec Aufforderungen' seitens der Orgamifattonen sich bisher nicht bereit gefunden. ReeugaigeimvntS durchzu>fichren Eröffnung der Renalffaneeausstellung in der Sezession. Gestern um 11 Uhr vormittags wurde die RenaistsanceauSftelllung *£■» der Sezession fdurch den Herrn BüMspräsidenten Dr. Michael Haiuis ch m feierlicher WM« erÄffnet. Die Aussstellung, dre allgemein den größten Beifall findet, ist tä'Mch von 9 bis 6 Uhr geöffidet. Shmphouiekonzerte im BurMsten. Heatte ftegimnen We Shmiphoniekonsert e im Burlgg'arten. Das Programm -euthAt die Meiistevstttg-Ouvermre, die Beethoven- SymMonie Nr. 1, Mchart. ÄM und Smotaua. Montag findet ein Däuzabend des Bodenwi-eser-EEembles. DienStag der KpM Abestd des Beethoven-ZylkstuS, Mitttvoch ein TaWbÄd Fritz Wolf-Ferrari, Donneirstag ein heiterer Abend, Fmtag der dritte Abend des Bethoven-Zyklus und SamStag. sin yeüterer Mond Mt. Rudolf Hindcmith verläßt Wien. Der SoloviolooeW und Dvolfeffor an der Wiener MusWWeimie Rudolf Hindem U h tritt wieder in das A m a r - Q u a r t e t t ein, dessen Violocellist er ürspvünglich war. DaS Quartett tritt mit iynt eine .umfängrsiche, bis Anfang 1926 reichende MKlandSreffe an. Me nffchstjlihti« RttvSorker Opernsaison. In New« Yorlk kcmvntt in der nächsten Saiison zum erstemnal fett Kriegsausbruch R. Wagners ,M>mig der MeLungen" zur ÄtWhrmvg. In ErweiteMig ldieS SMPil-aneS. soll die Oper von Leo Jauavelk an Ufa" und Monte miegizis „Giovanni Galvirefe - zur Darstellung golanigon. -^Die zweite Düse kommt nach Wien. Wie wir erfahren, >' M eS gMmgen, die dsvzütt gvötzds TralMin 'IialienS Irma' Der Kadivec-Prozetz vor dem Sberlte« Am 13. Juni findet vor dem Obersten Gerichtshofs als Kassationshof unter Vorsitz deS S-euatspräfidenten Dr. W ärhanek die Berhandlung über die Nichtigkeitsbeschwerde der vom Landesgerichte zu s e ct) I Jahren schweren Kerkers verübte ilten Sprachlehrerin Edith Kadrvec statt.. Die Nichtigkeitsbeschwerde stützt sich in der Hauptsache darauf, daß der Tatbestand unter eine Gesetzesstelle subsumiert wurde, die auf ihn keine Anwendung finden könne, oenn das A u s p e i t s ch e n v 0 n K i n d e r n sei kein NnznchtSfall. Auch wird die grundlose Ausschließung der Oeffentlichkeit vor dem Wiener Landesgerichte bei der Kassationsverhandlung zur Sprache kommen. Die Verhandlung vor dem Obersten Gerichtshöfe selbst wird wahrscheinlich öffentlich durchgvsührt werden. Wenigstens gehören geheime Verhandlungen vor denn Kassationshvfe zu den größten Seltenheiten. Erst vor wenigen Tagen wurde ein Notzuchtssall öffentlich verhandelt, so daß nicht anzunehmen ist, daß gerade der Kadivec-Prozeß unter Ausschluß der Qesseutlichkeit dnrchgeführt werden wird. Sollte er öffentlich stattfinden, so werden alle Einzelhe-i-ten aus der lanWgerichtttchen Vechandlung, da sie den Gegenstand des Referats bilden, der Berichterstattung zugänglich sein. Gfo AchWnMriger wegen füllten, monatelang vorher erfolgt seien, weil'der Bursche cm bettsscheu, genußsüchtig und gewalttätig ist und sogar seine leib llche Mutter mißhandelt hat. Slugenscheinlich habe Fein de«i Anschlag unternommen, um sich des im Wäschekasten der Frar Bayer verwahrten.Geldes zu bemächtigen. Die VerhaMung leitete Hofvat Bill Lek. Der Angeklagte erklärte sich nichtschuldig. Er habe aus Aufregung darüber, daß ihn die Frau beschimpft hat, den Stich gegen sie geführt. Bors.: Was haben Sie das ganze Jahr gemacht? — Angekl.: Im Sommer bin ich baden gegangen. — Bors.: Das ist gerade keine Beschäftigung für den ganzen Tag. Wa8 haben Sie im Winter gemacht? — Aingekl.: Ich bin zL meiner Mama ins Kaffeehaus gegangen. — Vors.: Die Arbeit hat Ihnen ostenbar nirgends gepaßt. Sie haben ja auch nichts gelernt. Staatsanwalt: Warum haben Sie denn bei der Polizei eine ganz andere Verantwortung gehabt? — Angek!.: Weil ich dort so brutal behandelt und beschimpft wurde./ — Staatsanwalt:' Ihre erste V eranÄvorttmg war aber' die vernünftigste. Das wüvde gegen Ihre Aufregung sprechen.! Verteidiger: Wie war das bei Ihrer Dechaftung?^ — Angekl.: Ich bin so g es ch lagen worden, daß ich^ bewußtlos wurde. — Verteidiger: Sie haben auf! die Frage des Herrn Vorsitzenden, ob Sie die Frau verletzen! wollten,-schließlich geantwortet: Ja, aber gleich Ehinzugefüg!: Ich hab>e aber nicht'die Absicht gehabt. Man sicht daraus, wie leicht Sie zu beeinflussen sind und vor der Antorttät zurückweichen.! , Die Hauptzeugin Kawline Bayer ist Viktualienhand-; lerin und 33 Jahre alt. Der Verteidiger veÄangt ihre Be-' eidigung. — Vors, (zur Zeugin): Hegen Sie noch eine Feind-; schaft gegen den.Angeklagten? — Zeugin (zögernd): Einen! Zorn Hab' ich schm auf'.ihn. — Verteidiger: Dann verzichte ich auf Beeidigung. - Die Zeugin gibt an, daß sie noch heute als Foligs deS! Attentats Beschwerden habe. Den Angeklagten kennt sie seit drei '■ Jahren, er hat bei ihr oft ausgcholsen und die Kunden bedient.! t täglich lich er sich von ihr Geld aus, 10.000 bis 20.000 i Kronen, hat aber alles wieder zurückgezahlt. Eines Tages Hai er plötzlich die Tätigkeit bei ihr wieder eingestellt. Die Zengin! childcrt den Ueberfall konform der Anklage. . Ein vom Verteidige Dr. Ludwig Finkler vorgelegter, Antrag auf Einhoümg eines Fakultätsgutachtens wurde abge-! lehnt.! Währender Vechandlung fiel der 15jährige Bruder des! Angeklagten im Vovraum des Berhandliungssaales oihnmächrig i zusammen und mußte gelabt werden. Die Geschwornen verneinten einstimmig die Frage, auf versuchten Raubmord und bejahten mit zchn gegen! zwei Stimmen die Frage auf schwere körperliche^ Beschädigung und. einst nmnig die Frage auf eingetvstene j Berufsunfähigkeit von mchr als 30 Tagen sowie mit sieben.\ gegen .fünf Stimmen die Frage auf Verübung her .Tat in tücki-! scher Art. Die Frage, ob die Tat Lebensgefahr mit sich-bracht«,! wurde mit sechs gegen sechs Stimmen Und die.Frage auf Sin-i nesverwirrung mit acht gegen vier Stimmen verneint. Auf Grunid dieses Verdikts der Geschwornen wurde Fein wegen schwerer körperlicher Beschädigung zu einem Jahr schweren Kerkers, verschärft durch einen Fasttag vierteljährig,! verurteilt. Die sechsmonatige .Untersuchungshaft wurde ringe«!- rechnet. Die Privatbeteiligte wurde mit ihrem Ersatzanspruch ' von 30 Millionen auf den Zivilrechtsweg verwiesen. Wegen schwerer Körperbeschädigung zu einem Jahr verurteilt. AuS nicht völlig aufgeklärten Beweggründen ist der Mord anschlag hervorgegangen, dessentwegen sich gestern der erst 18jährige Verkäufer Egon Fein vor den Geschworen zu ver antworten hatte. Er war fallweise im BMnalienhaudel der Frau Karoline Bayer in der Guucpendovferstraße als 2lushilf Verwendet worden, insbesondere im vergangenen Sommer, als er poftenloS war. In bcu ersten NochmittqgSsttmden des 8. Jänner erschien unvermutet Fein in der Wohnung der Frau Bayer und bat sie mn.ein Kilogramm-Aepsel, das er schielt. .Nachher kam er zweimal wieder. Beim zweiten Besuch versetzte er der Fvüu Bayer Plötzlich -mit einem Bajonett einen Stich in den Mcken. Sie lief hilferusend aus der Küche in das Wchnz«er Egon Fein flüchtete tn den Hof . und versteckte sich sin Klosett wy er von Hausleuten festMommen wurde. Die der Frau Payer von FÄn zugefügte -Verletzung haben hie Ger-ichtSärz-te als schwer bezeichnet. Da nach ^>en BeglejimnstÄMn die ränbefische Absicht des Burschen zu erkennen war, hat die Staatsaru waltschaft den Won.Fstn.deS versuchten Raubmord«! angMagt. Im Vorverfahren motivierte Egon Fein..seinen Anschlag mit Rache wegen einer ihn: von Frau Bayer zuge> fügten Schimpfes. Die Staatsanwaltschaft bezsichnete diese Ver antwvrtuug als unglaubwürdig, weil die beharrpteten BVschüntz Arbeiter und FabrikantensgaMn. Das Strafbezirksgericht 1 hatte gestern über eine Ehrend beleidigungsklage zu urteilen, welche der 56jährige Schlosser« gchilfe Simon G. gegen die Fabrikantenszattin Betti Brand-/ statt er eingebracht hatte. Wie in der'durch Dr. Plaschkes vertretenen Klage ausgeführt wurde, hatte die Beschuldigte am 9. April ans dem Wäscheboden mit dem Kläger eine Auseinandersetzung, in deren Verlauf sie letzteren mit einer Reihe von Schimpfworten und Schmähungen überhäufte. So rief sie unter anderem dem alten Manne zu: „Sie dreckiger Jnd', Sie alter Schleichhändler, Sie Ausbeuter, Sie Schwindler, gehen Sie nach Galizien." Am nächsten Tage stellie Frau! Brandstätter den von ihr Beleidigten 'auf der Straße zur Rede, > weil er ihr am Vortag bei dem Streit auf dem Wäscheboden das Zitat aus „Götz von Berlichingen" zugerusen haben soll. Be-' vor noch G. zu feiner Verantwortung etwas sagen konnte, versetzte ihm Frau Brandstätter in rascher Anfeinanderfolge; vier Ohrfeigen, lief ihm dann noch ins Haus nach, packte ihn ' am Halse und würgte ihn, wobei sie ihm.zurief: „Jüdisches Gesindel, jüdische Bagage, Sie gehören nach Galizien." Der Kläger hatte ein ärztliches Zeugnis beigeschlossen, in' welchem bestätigt wllrde, daß er im Zusammenhänge mit der ihm von Frau Brandstätter zugefügten MißhaMung Würgespureu am Halse und Schwellungen im Gesichte hatte. Ai- Zeuge vernommen, erklärte' der Kläger, daß er infolge der Mißhandlungen einen Tag lang Schmcrzen hatte. Der im BerhandlungSsaale anwesende staatsanwaltschaftliche Funktionär erklärte über Befragen deS RichkerS, daß er keinen Anlaß Habs, gegen Frau Brandstätter eine öffentliche Anklage zu erhebe ir. Der Klagebertreter Dr. Plaschkes beantragte mit Rücksicht auf die Schwere der tätlichen und ivörtlichen BeleidiguNh', über die Angeklagte eine Arreststrafe zu verhängen, zumal Frau Brandstätter die Gattin eines Milliardärs sei, der die Aerlß^ rung gemacht habe: „Geld spielt in diesem Falle keine Rolle." ' Der Richter verurteilte die Angeklagte unter Anwendung bosorrderer MiÜ>e zu einer Geldstrafe von 200.000 K., wen« tnell zu 4 8 S t u n d e n A r r e st. Als erschwerend wurde die Mehrheit der Beschimpfungen und das Zusammentreffen der tätlichen und wörtlichen Beleidigung, alS mildernd dagegen das Geständnis, die Unbescholtenheit und die Aufregung der. Angeklag/en zur kritischen Zeit vollangenommen. Der Klage«! Vertreter meldete wegen zu geringer Strafe die Ber>lfnng an.!

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