Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1895 (25.5.1924)
- Date
- 1924-05-25
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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'Nr. IMS Wien, swsrmMfl Wrenev Morgenzeitung. ift. Ma t 1SZ4 Seite 7 HerrenwlicSie nach Nass Berthold Schaar UL Laridstr. Öflrtel 19. Linien: 0, 4, 118 MttchS sperrte er wie gewöhnlich! seinen Laden Md ging in ein gegenüberliegendes kleines Speisehaus essen. Sein Hiund begleitet ihn, Md im Gasthaus band er das Tier an seine» Stuhl an. Es war ein außergewöhnlich heißer Tag. Die Tür znm Restaurant stand' weit offen. Plötzlich! ertönte auf der Straße ein schriller Pfiff. Tobtz sprang vom Boden auf, riß den Stuhl um, befreite sich> von ihm und'. raste in langen Sätzen davon. Großer Gott, schrie der Alte, mein Hund, mein Hund! uitö' stürzte tödlich ettch rocken zum Lokal hinaus. Von Tvkch keine Spur. Um die nächste Straßenecke sah er ittüf. die flatternde Kleidung eines Chinesen verschwinden. Keuchend' dort angelangt, konnte er aber auch keinen Chinesen mehr sehen. Plötzlich kam er zum Bewußtsein, welch raffiniert eingefädeltem Gaunerstreich er zum Opfer gefallen, war. In der Hoffnung, zu retten, was vielleicht noch zu retten war, eilte er wie besessen zu seinem Bankhaus. Zn spät! Die Halunken hatten grüirdliche Arbeit getan» ein Chinese hatte eine halbe Stunde zuvor die Schecks behoben. _ Mutter und Tochter aus dem Fenster gesprungen. Angst vor der Delogierung. Budapest, .24. Mai. (Tel. der „Wiener Movgenzeitnng".) Gestern nachts spielte sich in dem Hans Waitznergasse 79 Äse evfchMernde Familientrogödie ab. Im dritten Stockwerk Hauses wohnte seit acht Jahren die 40 Jahre alte Frau Leo Szemere mit ihrer 20jährigen Tochter Henriette in einer Zweizimmerwohnung. Frau Szemere lebte seit vier Jahren von ihrem Gatten g eschieden und brachte sich als Mafseuvin fort, während ihre Tochter Klaviersiunden gab. Das Wohnungsamt hatte, der Frau Szemere, welche ursprünglich eine Afterpartei war, vor einiger Zeit das Hauptmieterrecht zuerkanni. Trotzdem erhielt Frau Szemere vorgestern üibermscheuderweise eine Aufforderung des Metamtes, ihre Wohnung innerhalb 24 SturÄen, bei Gefahr der Delogierung, zu räumen, da die Wohnung für einen Polizeirat ange- .sordevt worden sei, Frau Szemere und ihre Tochter gerieten wegen dieses Bescheids des Wetamtes in helle Verzweiflung. Gestern nachrnÄtagZ Übergaben die Seiden Frauen zwei kostbare Rchsterchüudchen, an denen sie sehr hingen, der Obhut des Tierschutzvereins. Am Abend kehrten sie nach Hause und sperrten sich in der Wohnung ein. Gegen 11 Uhr nachts öffneten sie ein Fenster, traten auf dem Sims hinaus und sprangen gleichzeitig vom dritten Sto ck in die Tiefe. Frau Szemere war sofort tot, die Tochter Meb sekundenlang an den Telephondrähten hängen, welche aber rißen, so daß das Mädchen auf den Gehsteig fiel. Sie wurde in das Rochusspital transportiert, wo sie zehn Minuten spater starb. Eine Polizeikommiffion, die kurz nach Mitternacht -mttraf, konnte nicht in die Wohnung eindringen, weil nicht nur die Wohnungstur, sondern auch sämtliche Zimmertüren verriegelt und' überdies mit Möbelstücken verbarrikadiert waren. Frau ^emeve hatte offenbar die Absicht, der neu einziehenden Partei die Besitznahnre der Wohnung möglichst zu erschweren. Der Gehilfe: Keineswegs, bitte sehr. Das Gesicht ist doch so glatt wie meine .Hand. Dev Gast: Na, waschen Sie mich ab. De« Gehilfe: Mit dem Schwamm oder mit der Hand? D e v.G a str Mt der Hand? Gott behüte! Dann schon lieber mit dem Schwamm. Der Gehilfe (drückt den Schwamm aus): Der gnädige Herr hat recht. Mit dem Schwamm ist es ja doch am besten. Die ganze Hygiene ist nicht so viel wert. (Er fährt ihm mit dem Schwamm — in welchem winzige, scharst Stömchen sind —- über das Gelsicht.) Der Gast: Sogar mit dem Schwamm können Sie einen schinden? Warum sind Sie nicht Schinder geworden? D e« Gehilfe: Ich war es Mi Jahre lang! Der Gastr Bravo! Er kratzt wieder mit einem Stein.) De« GaM Was gebt ih« denn in den Schwamm, -amit er kratzen soll? De« GeHMser Dies ist ein neuer Schwamm, bitte sehr, da sind einige Steine noch aus der Fabrik darinnen geblieben. Wr beginnt M» mit einem nassen HcvMuch abzuirackneN.) De« Gastr Mm» kn dieses Geschäft bringe ich mein Gesicht nie WWtzv, Der GehkM MwMl die IaWWasche): Gehen Sie zum RemE Mr Wtzt Kn die Wem in den, Mund, nnd in die MM- MayeMch« spritzt er w in der Meinung,-atz Mer Man heilen wm; De, Gam Gemg, gvmrg, P<.er md Schluß. Der Ge-Wse (pudert ihn ein, namsuMch den Schnitt Und Mn auch den MM: Gehen Sie znm Rennen? De« GgWDm Puder M stcht So, de« M M), „Islam. Aropa md Juden. Der erste Bortrag Wladimir Zabotinsltzr. in dis Nase den Schnitt, Mn großen Saale des Konzerthausts, der trotz der vorgerückten Jahreszeit und der herrschenden Hitze gefüllt war, hielt Wladimir Jabot i n sky gestern den ersten der beiden angekündigten Borträge. Jabotinsky, der Gründer der jüdischen Legion, die während des' Weltkrieges in Palästina kämpfte, steht bekanntlich in schärffter Opposition zur Leitung der allweltlichen zionistischen Organisation, der er seit einiger Zeit nicht mehr angchört. Seine Wiener Vorträge werden nicht von offizieller zionistischer Seite veranstaltet, sondern von privater Seite. Diese Feststellung ist deshalb nötig, weil die österreichische Zionistische Organisation und ihre Leitung ebenso wie die Leitung der Zionistischen Weltorganisation auch viele der von Jabotinsky gestern geäußerten Ansichten über zionistische Politik nicht teilt, einige seiner Grundsätze sogar durchaus ablehnt. Jabotms'll), der sehr eindrucksvoll spricht, führte ungefähr aus: „In der Nähe de's Döblinger Friedhofes, auf welchen: Herzl begrabenist, darf man wohl wieder vom „Großziomsmus" sprechen und das im offiziellen Zionismus, verpönte Wort „Judenstaat" in den Mund nchmen. Auf die leider noch immer diskutierte Frage, ob wir Juden in Palästina den Judenstaat haben müssen, so wie ihn Herzl ursprünglich konzipierte, also die Mehrheit der Bevölkerung, antworte ich: Entweder wir erlangen den Judenstaat -oder wir errichten in Palästina ein neues Ghetto. Vogel-Strauß-Politik und Verschweigungstaktik sind völlig unangebracht. Die Araber werden niemals gerade das zugeben, worauf es vor allem arckommt: die ungestörte Immigration. Man vergesse nicht die historische Tatsache, daß stets die Kolonisierung eines Landes für die dort siedelnde Bevölkerung — und ist sie noch sodünn und ist noch soviel Raum für Zuwanderer — unannehmbar ist. Nach meiner Ansicht gibt es daher keine Hoffnung auf friedliche Auseinandersetzung zwischen 700.000 Arabern, die in Palästina siedeln, nnd den Juden, die nach Palästina wollen. Hingegen halte ich die Angst vor dem „Panislamismus" für unsinnig. Schon während der letzten hundert Jahre gab es zwischen den einzelnen Reichen der mohammedanischen CWaMIWWMlCWIWaaWWIIWWWlWWWWWWWW Welt ebensowenig eine Solidarität, wie dies bei den christ liechen Staaten der Fall war. Man erinnere sich, wie wirkuuZslos der Aufruf zum „heiligen Krieg" der mohammedanischen Welt im Jahre >1910 verhallte. Die Abschaffung des Kalifats ist das Endglied dieser historischen Entwicklung Auch. die Solidarität der übrigen außerhalb Palä. stinas wohnenden Araber und ihrer Betätigung gegenüber der zionistischen Tat halte ich wenigstens innerhalb jener Zeit, die für die Bildung des Judenstaates in Botrachi kommt — das sind die nächsten zwei Generationen —, bei der gegenwärtigen Struktur und Rückständigkeit Arabiens für ausgeschlossen. Ich folgere daraus, daß die 700.000 Araber Palästinas gegen die Errichtung des JudrnstaateZ keinen Widerstand leisten können, wenn England und Europa dies ernstlich wollen. Es ist kein Unrccht, wenn das jüdische Volk, welches durch das Verbrechen der Weltgeschichte heimatlos ist, 1 den hundertsiebzigsten Teil Arabiens, nämlich.Palästina, zugeteilt erhält, auch gcgen de n Willen der palästinensischen Araber. JÄbotinsky kritisierte hierauf die Politik, der zionistischen Leitung, insbesondere Herbert Samuels, des englischen Oberkomnrissärs in Palästina. Wenn im Lande seit zwei Jahren Ruhe herrsche, sei dies damit erkauft worden daß wir dort „Schutzjuden" sind und daß die. jüdische Immigration lächerlich gering sei. Der ernzisg rnögliche und sichere Schutz dev jüdischen Kolonisation sei nur durch jüdischst Militär gewährleistet. Auf die äußere Form komm es nicht an. Aber die Einstellung jüdischer Soldaten nnd die. Ueiberjragnng des Schutzes der Kolonisation an sie werde von den Aktivisten, in deren Namen Jabotinsky sprach, als die erste Vorbedingung für jene zionistische Arbeit erachtet, die zum Judenstaat führt." SS ' Vortrag Jabotinskys bei den Spaniolen. Die ttnioui Espagnole veranstaltet Dienstag im Hotel Continental einen Vortrag Wladimir Jabotinskys über die Bedeutung der Spaniolen für das jüdische AuPbauwerk. Die Stunde des Beginnes wird noch bekannt gegeben. , . . Geschichte der Juden erhalten Sie als & GRATISPRffMlE der VWiener Horgenzeituns« bei Aufgabe eines Jahresaijonnsments siehe Abonnement* larif Der Gehilfe (reißt ihm die Serviette aus dem Den Schnurrbart stutzen? Der Gast (blickt in dm Spiegel, bemerkt den Schnitt): Sie haben mich ja doch geschunden, daß das Kreuzdonnerwetter diesen Neutttsche'iuer Schinder hole... Weshalb haben Sie es mir nicht gesagt? Der Gehilfe: Sagen soll ich es auch noch? Der Gast (schaut verzweifelt bald in den Spiegel, bald auf den GeWen): Sie haben mich ja doch geschunden? Womit haben Sie mich geschnitten? Mit dem Rasiermesser oder mit dem Schwamm? Nun, in dieses Geschäft bringe ich mein Gesicht nie wieder. Ihr sägt ja doch, statt zu rasieren! Warum haben Sie mich nicht iiüt einem Hobel geschunden? Nun? Warum nicht mit einem Hobel? Der Chef: Ich bitte vielmals um EntschuMigiürg, es ist dies ein neuer Gehilfe, nur aus Probe. Ich werde ihn aber noch heute fortschicken. Der Gehilfe (für sich): Schade, daß ich ihn nicht noch mehr geschnitten habe. Der-Ga st: Warum haben Sie mich nicht mit einem Hobel abgeschält? Der Gehilfe (gerät in Zorn): Aber lassen Sie doch schon diesen Hobel in Ruh'. Der Gast (zählt): Was das Trinkgeld betrifft, ... nein, Sie bekonrmen nichts. So bin ich noch nie geschunden worden. (Schaut in den Spiegel.) Ich werde mir einen Bart wachsen lassen. De« Chef: Er ist nur auf Probe, bitte. Und er ist auch schon entlassen. (Der Gast entferitt sich. Der Gehilfe wendet den Lederpolster um und läßt den folgenden Gast Platz nehmen. Er geht nach rückwärts, zieht das Rasiermesser ab, singt dazu: „Hedi, mein süßes Mädi, MM...") Das ganze beginnt von vorne. . (Autorisierte Übersetzung aus dem Ungarischen von Maurus Mezei.) Sei der Wahrsagerin. Ich gebe auf Prophezeiungen niichts. . vor den Wettevmachövn hübe ich einen gewissen ReisPÄt, oibwchl ich da eiiinmal sehr Me Crstchvungen machen mußte. Die BarauAsälge hatte etttett sonnigen Dag augMn-digt und ich eM, es war am Sonntag, schon ftühmorgens mit alleckei Absichten und Pvaliines im Gewa-nde Mn Lufchaus, wo ein RondeMms mit Mer kleinen Gvisitte Veveinsbärt war. Die Zeit vsching Und die MaÄ» kam nicht. -Mdm Herz zerging bereits vor Ungeduild und die PvaLmes taten es auch- Da . kam zwar nicht die HMe, aber -daPür eine böse WoWe und ülbevschüttete mich im R!u mit einM Hagel von EiMvnevn. Das Unwetter zog Md MrWbvv, nUv ein Schnupfen AÄb zurück. Die Lusthauslust diu ich seitdem losigelworden, den Schnupfen nicht. Ich Mibe zlvar noch inmer viel von den Wetterpropheten, warte fettdeur aber, ob schön, oh Regen, in gedeckten M'uimen ab, ob mich Me auMtzen Wßt. Jmmöchtn LMN.man sich auf die Dane« dem Einflüsse ftmes MtteuZ nicht entwichen nnd muß sich der Mentalität fein-es HauKmetsters, der Bedwmrin, der WaWmu - und eMcher Na-Wärn anpafsen. Sonst kommt mau ins Gerede und eiüus Zwei drei-känn eines Dag^ eine Sittew amWomymffion vorßpvechen oder -es kommt der Rauchfangkchver uind demaskiert sich zuletzt als SteuerTonunissär, nachdem er Mir Wevall hiuemtzefchaut hat. Die Neben Haiushewohner und Nachbarn schwärlmn also fett einiger Zeit für eine geheimnisvolle Dänre da draußen wo in Ottakring, die ganiz wünderbar-e Erikenntniffe und ProphezeiMgen zu Tage fördern und als KarteMufschlägcvin und Wahrsagerin unerreicht dastehen soll. Was kein Mulnder ist, denn in ihrer Ahnettvsihe finden sich Scharfrichter, Pferdediekbe, ein RäuberhauMMM, ja ein naher Verwandter von ihr soll sogar vor wenigen Jahren gehängt worden sein, was sie ihm übrigens nach feiner zchnten Bluttat prophezeit halben soll. Die Frau Pipalek, die kinderlos -ist, war mit chvem Hund und den Dienstmädchen erst UiMlich dort. Die weise Frau, hat der Pipalek Hoffnung zugeispivochen Und de-m DienstuMel etwas Unangenchnus gewalhrßagt. Nun die Prophezeiungen sind^ eingetrossen. Das Foxl, die Nelly, hat Junge geworfen, die Frau Pipalek hat sich ihr neues 'Äfo mit VanWegefvovenLn im Stadtpark vor Schreck über den Preis angeschüttet (zum Glück war es nur Wasser) und die HausgchHin schaut auf em- Nta'l so verändert a>lvs. Die WaschfvaiU hat die drei Nummern der Wahrisagevin m die Lottevie gesetzt auf Lnrz und auf Graz -ist eine hewuAgÄommem Die Frau BaiMrMvir war neulich bei der Wrmderfrau und hat gefragt, oib alle Hckffnung umsonst str. Me Wahrsagerin har gesagt n-Äin und gcheinmisvoll angedeutet, es stche eine übervaschsnde Wendung bevor. Und tatsächlich! Der BaMkrach war zwar nicht mehr MMHasten, aber der Herr DirÄtor ist stlffamerwLife nicht verhaftet Wochen, , sondern ein Kollege von ihnr. Er seWst, der. Herr HausbefoMr Bvodmayer, sei um zehn „Fetzet getröstet von der Wahrsagerin weggegangen. Der Doktor Wo Hm Mr das