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Wiener Morgenzeitung · 1924-05-25 · Heft 1895 (25.5.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1895 (25.5.1924)
Date
1924-05-25
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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y k't Wien, Sonntag Wiener Drorgenzeituns. S8. NM 1924 . Nr. L8Sö i auch unter dem ,Drucke der Kirche Verordnungen ergehen lassen mußte, die den Juden das.Tragen, besonderer Abzeichen auferlegten, so steht ,es doch fest, daß diese 'Ber-" fügungen niemals zur Durchführung gelangten, weil sie eben durchaus nicht in den Geist des Staates yin,LlN-t' paßten. - - . Innerhalb« des Staates bildeten die Juden wie auch die anderen zahlreichen nationalen' Minderheiten eine geschlossene nationale Gruppe, in deren Selbstverwaltung der Staat möglichst wenig eingriff. An der Spitze der einzelnen Gemeinden stand jeweils ein Judenmeister, der nach außen hin dem Staate gegenüber die Judengemeinde repräsentierte. ' Der Jude müßte nicht er selbst sein, wenn er nicht unter diesen' für ihn so günstigen Umständen ein reiches, geistiges Leben entwickelt Hütte, das sich nicht nur auf sein eigenes. Schrifttum beschränkte, sondern in alle Wissensgebiete der damaligen Welt hineinzudringen versuchte. Besonders traten sie in diesem an dem Uebergang zwischen Orient und Okzident gelegenen Lande als die Vermittler der Kulturen auf. Man zog fie gern als Uebersetzer heran, da sie des öfteren neben dem Hebräischen auch des Lateinischen und Arabischen kundig waren. Ihre wissenschaftlichen Interessen erstreckten sich, auf Naturwissenschaften und Medizin, aber auch aus Philosophie Md Mystik. Unter den Philosophen jener Tage ist vor allem Jakob ben Abbamari ben Simson ben Anatoli zu nennen. -Bei der zentralen Stellung, die in diesem Staate der König einnahm, und bei der-überragenden Persönlichkeit vor allem eines Friedrich II. ist es klar, daß i von ihm aus die AnregMg zu wissenschaftlicher Arbeit kam. j Der Hof war der lebendige Mittelpunkt alles geistigen! 'Geschehens. Äm Schlüsse möchten wir, noch schildern,. wie wohl jfcer Jude jener Tage in Unteritälien und Sizilien ausge-! sehen haben mag. Wir haben ihn ms nicht als gedrückten, liaijtetett, ängstlichen Menschen vorzustellen, wie sich üt jener Zeit wohl schon der Judenthp in anderen Ländern. Europas Und besonders in-Deutschland, entwickelte, wo man stets ängstlich war und ängstlich sein mußte, weil irgendeine neue ^Verfolgung in jeder» Augenblicke über die Juden herein- . brechen Lunte. Hier unten war man frei; stolzerhobenen Hauptes konnte man dahinschreiten. Man war von oem '^Bewußtsein erfüllt, daß Jude und Bürger des Staates sein keinen Widerspruch bedeute; man fühlte sich geborgen,. man brauchte sein Judentum weder religiös rwch national zu verleugnen, und war sicher vor Verfolgungen. In dieser". Atmosphäre -tteT Freiheit erhob man sich zu den Höhen Äler Geistigkeit und Menschlichkeit. Aber muh diese schöne Epoche ging für das Judentum vorbei; mit der Herrschaft der Anjous, die nach.denff, Sturze der Staufer, vom -Papst eingesetzt .wurden, zog der Geist der .Intoleranz ein, und. das Tragendes...Ab-. Zeichens machte die' Juden .auch hier, ängstlich' uitb befangen. ' . .. , Dr. WUy.Cohn.-/ Leutsch de la Menrthe gestorben. Am 18. Mai'skarb in Paris Hetr Emike Deu'tschde ka Meurthe, einer der bedeutendsten Industriellen Frankreichs, im Alter von 77 Jahren. Er war ein bekannter Philanthrop und spendete große Summen für Kunst und Wissenschaft. Er gründete die französisch-amerikanische Organisation zur Unterstützung der sranMschen Kriegswaisen und wurde deswegen zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt. Er war der Begründer des Univevsitatsviertels in Paris, in welchem die wohnungslosen Studenten ein Heim haben. Er gab für diesen Zweck die Summe von 10 Millionen Franken aus. Herr Deutsch jpendete auch, größere Summen für j üdi s che H i.l f szwecke. .. , . Beim Friseur, Don Franz Molnar. (Szene: Ein sogenanntes bürgerliches Friseurgeischäft, wohin Grafen zwar nicht kommen, wo mgn Mach den KäbMut scher, wenn er sich dorthin verirren sollte, mit dem Rufe: „Keine Zeit" hiwusdrängt. — Personen: der Gast, die Gchilsen und dir Chef.) D e r G ä st (tritt. ein. Sieht, daß alle Sessel besetzt sind, wendet sich in der Türe um): Ich werde ' später kommen. Die Gehilfen (im Chor): Wir - sind. schon fertig! Der Chef: Eine Sekunde, bitte sehr. $&er Gast läßt sich überreden, wartet eine gute halbe Stunde, liest das „Interessante Blatt", die. ,Meme Volts-, zeitung". den subabonnierten „SimpliMimus".) Der Gehilfe: Bitte sehr. (Er dreht auf dem Sessel den Lcherpolster um.) Der Gast: Na endlich. (Setztsich.) Rasieren Sie, mich, ich mache Sie aber aufmerksam, meine.Haut ist sehr empfindlich. Auch das letzte Mal haben Sie.mich mit dieser elenden Säge derart, geschunden, daß. mir kein Stückchen Haut im Gesicht geblieben ist, doch die Haare haben Sie mir alle stehen gelassen. Ich sah aus, wie ein schlecht gerupftes Huhn!. Der Gehilfe (peinlich): Hehche. (Er stopft die Serviette in den Kragen des Gastes.) .... Der Gast: Sie erwürgen.mich ja. . Der Gehilfe: Bitte sehr. Der G a st: Sie. erwürgen mich;. stapfen Sie. doch Nicht den Fetzen so hinein.. (Er zieht den Hals . ein und Blinzelt auf die Serviette'hinunter.) Wie viele Menschen haben Sie mit diesem Fetzen schon bedient? Der Gehilfe: O, bitte,.die ist vein. Der Gast: Gut, gut. Gehen wir weiter. Dies sst Din schmutziges Lokal, hierher komme ich nie wieder. Also ÄÜW, ßt lchnt ben KM surück.). - eilt semitisches Srmment. Die Auffindung eines Hakenkreuz-Fvieses in den Telnpvlruineu Von-Kephar Nahum hat ziemliches Aufsehen gemacht. Der Fries wurde anr 8. März d. I. von den Herren Kommerzialrat Max Klein aus Mödling und Ingenieur Siegfried G r a u b a r t <m8 Innsbruck errtdeckt, die unter Ftihrung eines französischen Mönches die Ruinen durchwanderten. Herr Klein photographierte den Stein und nach seiner Aufnahme hat Herr Dr. OSkar Rosenfeld die hier folgende Federzeichnung angefertigt. ■V i r >V Man sieht auf 'dem Bild zwei einander kreuzende Mäanderlimen,' die'an den Schnittstellen typische Hakenkreuze bilden. Die Synagoge von Kephar Nahum (Tel Hum) stammt aus der vorchristlichen Zeit, womit dargetan ist, daß das Hakenkreuz kein arisch-indisches Sonnenrad ist, sondern ein in ganz Vorderasien verbreitetes Ornament, Der Kaffer, der ßhinese und der Hund. Eine Geschichte aus den südafrikanischen Diamantenfeldern. Bon Tessh Polln. . Charles Ley hatte einen kleinen Trödlerladen in einer belebten Straße von Kimberley. Die Konkurrenz aber war groß, das Leben teuer und der Nutzen gering. So betrieb er auch, den gefährlichen Handel mit. geschmuggelten, rohen Diamanten. T , Das Diamantengeschqst in Südafrika ist englisches Monopol und liegt.. in den.. Händen einiger Gesellschaften. Sei dem Wext 'dieser'.Ware'werbest die raffiniertesten Mechoden in Anwendung gebracht, um, Schmuggel zu verhindern. Ein Heer von Detektives ist zu diesem Zwecke ausgeboten, , nnö jehe Uebertretung wird mit schweren Freiheitsstrafen geahndet. Ley hatte nicht wenig Angst vor „plötzlicher Entdeckung". Sogar' bis in seine Träume verfolgte ihn diese Furcht. In einem geschickt konstruierten Geheimfach seiner großen Kassa hatte er den jeweiligen Bestand an „schwarzer Ware" wohlverwahrt. ' Eines Tages kam ein Chinese, der ein kurzhaariges Windspiel an der Leine führte, in seinen Laden und schlug chm ein ausgezeichnetes Geschäft vor. Dabei zeigte er ihm einen vierkarätigen Diamanten, den er irgendwo aus seiner faltigen Kleidung hervorgezogen hatte. Ley erschrak, faßte sich aber rasch, verriegelte sorgsam die zur Straße führende Der-Gehilfe: Pardon. (Er beginnt die Kopflehne hinianfzuschrauben.) Der G a st:' Was machen Sie? Der Gehilfe: Wir gehen eiüvas Wer. (Er schraubt fest darauf los.) Der Gast: Sie brechen mir das Genick, sehen Sie denn nicht? Wohin zum Teufel schrauben Sie denn?. Der Gehilfe: Bitte sehr. (Er beginnt die Seife zu rühren und schmiert sie in das Gesicht des Gastes.) (Panse.) Der Gast: Bemerken Sie nicht, daß Sie mir den Mund einseifen? Der Gehilse: Bitte sehr. (Er wischt dem Gast die Seife mit dem Finger aus dem Munde.) Der Gast: Wozu schmieren Sie sie mir auf die Zähne? Sie glauben wohl,, eine Zahnpasta in der Hand zu halten? D e r G e h i l f e: Bitte sehr. (Schmiert ihm die Seife in die Äugend Der Gast: Und jetzt wieder in die Augen! So.schinden Sie mich doch schon, so lange ich noch meine Wut bezähmen kann. Wo sind Sie geboren? Der Gehilfe: In Noutitfchein, achtzehrchundertachtuudneunzig. Der Gast: Daß Sie zur pe gefahren waren achtzchnhundertsiebenundneunzig! Der Gehilfe (geht nach rückwärts und zieht an einem Lederriemen das Rasiermesser ab, er summte dabei): Kedi, mein süßes Müdi, Mädr. ,. Der Gast (betrachtet tzingestist die Mrmerdecke): Also kommen Sie doch schon, kommest Sie. Der Gehilfe (beginnt ihn zu rasieren): Der - gnädige Herr hat einen starken Bart. Der Gast: Mir schmeicheln Sie. vergebens. Der Gehilfe: Der gnädige Herr hat Lenstlbüt V a zM, m kleiner .Irrtum, Tür und wies mit Mer Handbewegung dm Besuchst« iv ein Hiuthrzimmer. ~ ' i.. Dort' begann der Chinese zu'erklären:. H-'i- D'ie Sache ist sehr einfach, vor allem-' kaufen -'Sie meiner: Toby. Der Hund ist dressiert und kostet hundert Pfund. Wie Sie gleich sehen werden, ist das kein Geld für seine besonderen Qualitäten. Bei diesen Worten zog er ein großes, haariges Bündel hervor, das er auf dem Tisch! ausbreitete. ' Was soll das sein? fragte Ley in gespannter Go- Wartung. Der Asiate lächelte: Eine Perücke. j " Eine Perücke? Was für eine Perücke? Als Antwort winkte der Chinese seinem Hünd, beügtst sich zu ihm nieder und zog ihm die Perücke über. Das! Windspiel sah nun aus, wie ein ganz gemeiner, langhaariger Kaffernhund, wie ihn die in den Compounds arbeitenden Kaffer» häufig mitzunehmen pflegen. Ich weiß noch immer nicht, warum ich den Hund kauf«: soll? Eine Viertelstunde nachher wußte er aber alles genau. Der Chinese strich! die hundert Pfund ein und Tvby blieb vorläufig bei seinem neuen Besitzer. Zwei Tage später wurde Tvby am frühen'Morgen von dem Kaffer Fim verabvedungsgemäß abgeholt. Einige Stunden darauf meldete sich! ein Nigger mit" seinem Hund im Office der De Beers Mining Company. Er Unterzeichnete den üblichen Vertrag für eutm Monat, in welche Zeit kein Arbeiter '.seinen' Compound auS Gründen der Kontrolle verlassen darf. Indessen wartete der Trödler Ley ungeduldig auf den Tag in Monatsfrist, der ihm sein g.rößtes' Geschäft bringen sollte. Fim grub fleißig in den ihm zugewiesenen Rayon, unter steter Beobachtung eines mißtrauischen Apfsehess'. Sein Hund' war stets bei ihm, mrd wenn er m der Arbeit iune-. . hielt, spielte er mit ihm und kraute ihm das Fell.. > Genau nach einen: Mvmrt "legte. Fim die Arbeit' nieder. Er.- sowohl wie der Hund bekam die übliche Portion Rizinusöl, und, nachdem dieses seine Wirkung getan hatte, wurde er. noch gründlich 'untersucht, erhielt seinen Lohn und konnte gehen. 1 Bald darauf erschien der Chinese-mit Tvby. in Lehs Laden. . - Das Geschäft ist gelungen!- . - - - . .. Er bückte sich, griff in die Perüscke des. Hüpdes, mtdes zeigte sich, daß unter den. langen Haaren sorgfältig eine Anzahl kleiner Taschen verborgen waren. Aus. diesen^ holte er eine Menge roher Dianranten. hervor,- deren kleinster nichts ' «Littet zwei Karat war. Die Beute wurde gemessen, gewogen, . geschätzt und. zuletzt geteilt: Zwanzig Prozent für Fim, .je vierzig M. Ley und heu Chinesen. . . . - - Der letztere bat den Händler, auch die beiden, ande-. ren Anteile zu übemehmen,. und nach! längerem heftigen Feilschen einigte, man sich schließlich über."den Preis. Ley stellte zwei Schecks aus. Der Chinese prüfte sie. genau, steckte, sie ein -und bemerkte. dann wie beiläufig: . Ich gebe Ihnen einen guten Rat: Sind Sie vor- - sichtig, der Chef der Regierungspolizej äus-Capetpwn treibt in Kimberley wieder sein Unwesen. Uebrigens haben Sie ja jetzt ein gutes Versteck, und dabei deutele er vielsagend auf Toby. . . Mit seinem stereotypen Asiatenlächeln empfahl ,er sich höflich und ging. ' . , Ter ängstliche Trödler hatte nichts Eiligeres zu tun, als nicht nur die. neue Ware, sondem auch den gefährlichen Inhalt seiner Kasse m der Perücke, des Hundes-zu verbergen. Der Gast: Was haben Sie - getan? D e r G e h i l f >e: Nichts, bitte, sehr. (Er veWischt das Blut rafch mit der Seife.) Der Gast: Sie werden mich doch nicht geschnitten haben?. Der Gehilfe: Keineswegs. (Schmiert ein wenig Seife auf den Schnitt.) Der Gast: Was beißt denn so sehr? Oder haben Sie mich vielleicht doch geschnitten? D e r G e h i l f e: Sie beißt hmte sehr. ES haben daS auch schon andere Herren gesagt. Aber nicht einen jeden beißt sie. Der Ga st: Nun, in dieses Geschäft bringe ich mein Gesicht nie wieder. (Tr Überläßt' sich mit einem tiefen SeuGer seinem Schicksal. Der Gehilfe rastert ihn. Zuerst von oben nach unten, währenddem er mit Me, Fingern seiner linkep Hand ihn einige Male ins Gesicht zwickt, M ob-er-sEN würde: ,,M Süßer, du Herzall-evlisbster!" Dann zieht er ihn mit der lichten Hand die Haut nach unten und rasiert von unten nach oben. Der Gast macht in diesem Augenblick -den Eindruck, als würde er mit der linken HäMe seines Gesichtes weinen. Doch in der. nächsten Minute drückt ihn der GchWe den rechten Mund- Winkel nach, oben und rasiert das Prolfkl feines Kinnes, so daß unser Mann esn Gesicht macht, als würde er lachen. Dann drückt.er ihm das Kinn nach oben, so daß die Seife in den Kragen gerät. Nachher drückt er den Kops zuerst nach rechts, dann nach links, dann, das Kinnbein rasierend, drückt er nacheinander die ödifoen Wangen bis zu -den Ajuaen hinauf, wodurch sich diese sWehen. Zuletzt druckt er mit dem- Finger die Wange nach unten, daS Untere AugenM wich himbgezogeü, st daß das wie Innere sichtbar wird.) Der Gehilfe: nicht blutarm. Der gnädige Herr ich durchaus oben.) D e r G a ft: Alle .Haare sind Mn gebNeVsw

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