Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1892 (22.5.1924)
- Date
- 1924-05-22
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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jle Lage des LeopoldftSdter Hotelgewerbes. Aeußerungen eines Hoteliers. Nufer Geschäft — aiutwortvt ein Hotelbesitzer im 2. BsM ans die Frage unseres Mitarbeiters — liegt brach, unsere Zimmer veröden. Die Sperre der Nordwestbcchu, -die Ucberleitung der Fernzügo von der Nordbahn zur Ostbahn haben unserem Gewerbe den Todesstoß besetzt. Wie der Bürgermeister jüngst im Gemeinderate berichtete, wird an diesen Bestnnnmngen bis aus weiteres nichts geändert werden. Wir wollen zwar die Hoffnung auf eine günstige Wendung noch immer nichs ansgeben, wissen jedoch zu gut, daß in Oesterreich Provisorien definitive Maßnahmen bedeuten. Wenn der Fremdenverkehr sich bessert, wenn die angekündigten Paß- und Visumerleichterungen eme Erhöhung der Frequenz mit sich bringen werden, können wir davon nicht profitieren. Denn der müde Ressende steigt in der Nähe de8 Bahnhofes ab, wo er ankommt. Wir bleiben die AuSgestoßenen, denen man den Faden der Existenz abgeschnitten hat. Auch die mit der Zeit zu erwartende Belebung des russischen Verkehres wird uns nicht zugute kommen, da ja der Nordbahnhos vom Fernverkehre ausgeschaktet ist. Mit uns sind natürlich" auch viele andere Erwerbszweige in unserer Nähe in Mitleidenschaft gezogen, da der Fremdenstrom unseren Bezirk Mitteilimgm aus dem Publikum. Orchesierkonzert Scfltweiz@t*haus (Prater) Cafe-Restaurant Das beste Pilsner Bier in Wien 1 / Auch vorzügl. Wiener Biere und Weine I 4,e Kalte und warme Küche Trestcianski Teplice (Slowakei) na,umarme 42° C. Sclnvefeltlierinen und Schwefehchlamm gegen Rheuma, Gicht, Ischias, Neuralgien K““' SÄ Valutnsohwaohon weitgehendste Prafsarmässlgungen.-Tagsskurausgaben von 45 teoheoh. K, Wohnung, Bad, Verpflegung. Information durch Direktion Gustav Siege, Wien, VI. Turmburggasse 16, Telephon 41-24 Badegäste genlessen 33V»°/o Ermässigung auf den tschecho-slowakischen Bahnen ~~ SÄ. Mai 'IM . ■geilet, Letzte Mchrichten. Beratung der Repamtlsnrkonferenr Wer, Lestrrrerch. (Eigeudienst der „Wiener Morgenzeituug^.) : ' Paris, 21. Mai. Die Neparationsfoimiussion hieül heute eine Sitzung ab, die hauptsächlich Fragen gewidmet war, die O e ste r r e i ch und Ungarn betreffen. Erstens den Rückkauf von vier Staatsgruben durch die österreichische Negierung, zweitens die Voll m a ch t der österreichischen Regierung zum Austausch gewisser Kunstgegenftände, drittens die Frage des Artikels 194 des Friedensvertrage's von Tricinon und viertens die amerikanischen Kredite an Ungarn. Meine Chronik. mvidüt. Diesen Tassachen gegenüber hat der Stouerdviick in keiner Wesse mchgelassen. Unsere Grundpresse wären unter der Weltpavität. Ein einbettiges Zimmer, das bei mir drei Friedenskvanen gekasteit hat, sst jetzt mit 35.000 Kronen kalkuliert, also unter dem WÄtPreise. Dazu kommt aber ein Abgabenzuschlaig im Ausmaße eines Drittels, somit überschreitet der Ziminerpveis die Friedensparität. Wir sind froh, toenn wir von Fall zu Fall Künstlertvuhpen, Sportvereine usw. bekommen, denen wir die weitestgehenden Konzessionen machen, nur um die Löhne für dar Personal einzubvingen, und die Betriebe aufrecht erhalten zu können, die ja, wenn man uns nicht endgegenkommt, früher oder später dem Schicksale der Sperre verfallen sind. Los Wetter. Der gestrige Tag war sehr heiß und erreichte beinahe die Temperatur der heißen Angusttage. Kurze Zeit ging abends ein Regen wilder, der jedoch keine Abkühlung brachte. Die Voraussage kündigt für heute wiederum schönes, warmes Wetter, durch lokale Gewitter unterbrochen, an. W i e n. W. Mai. * Der Sabal. ES ist erreicht. Wir haben lange genug darauf gewartet. Aber jetzt ist er unwiderruflich da und eine schwere Sorge wird von uns genommen. Bitterkeit, ja Grimm -mußten im Herzen eines jeden Steuerzahlers, der sein Vaterland liebt, aussteigen, wenn e-r die Vertreter der Wehrmacht zwar in schmuckem Gewände, jedoch mit einem — man -verzeche -das harte Wort — ausgesprochenem Krautmesser durch dies Ländchen ziehen sah. Das wird jetzt anders werden. Die arme Armee. Soviel Milliarden, was das kostet, und kein - Säbel. -Aus die goldglitze-men, blanken Knöpfe kann man noch -verzichten. Sicher werden die. auch bald kommen. Aber ein Soldat ohne Sabul. Ein Nonsens. Gut; vom Feldwebel abwärts, kann man eS sich-noch gefallen lassen, denn bei diesen Kategorien wird überall ein Auge zugedrückt, im Panoptikum, im Zirkus, im Flohtheater issw. Doch die höheren Chargen?. Wohin sollen die greifen, wenn sie, wie es leider geschehen soll, bisweilen von vaterlandÄosen Gesellen schief angeschant werden? Man komme nicht damit, daß so ein Säbel ein.zweischneidiges Schwert ist. Eine richtige Charge braucht den Säbel, das erfordern der Respekt, die Disziplin, das Dienstreglement und auch die -Republik. Ein Stein fällt uns vom Herzen. Zwar, die Krise bleibt und der Dalles steigt,-aber wir können doch ruhiger schlafen, denn der Sabul ist wieder da. a s. * To-eösall. Gestern ist hier Herr Max Fischer, Direktor der israelitischen Kinderbetvahranstalt, gestorben. Er war ein bedeutender Pädagoge und als stenographischer Praktiker und Theoretiker bekannt. Durch viele Jahre gehörte er auch dem reichsrätlichen Stenographenbureau an. Das Begräbnis findet heute um 1/all Uhr vormittags vom Trauerhause, 2. Bez., SchiffamtSgasse 15, aus statt. * Selbstmord. Am 8. d. hat eine Frau beim Kommissariat Favoriten angezeigt, daß ihr Sohn, ein 16j äh ritz er M a u r e r l e h r l i n g die Wohnung mit Selbstmordgedanken verlassen habe. Gestern früh wurde seine Leiche aus einem Ziegelteich im Laaerwalde gezogen. Der Tod dürfte vor etwa vierzehn Tagen eingetreten sein. * Meder ein verschwundener Student. Seit dem 11. d. ist der 19jährige Hörer der Philosophie Heinrich Konrad, der Sohn des Hosrates bei der Finanzlandesdirektion Konrad, verschwunden. Er pflegte täglich bis zu sieben Stunden im Laboratorium zu arbeiten und scheint sich überanstrengt zu haben. Sein einziges Vergnügen bildeten Spaziergänge in der Gegend des Kalhlenberges. Eine Bekannte der Familie will ihn auch gestern dort gesehen haben. * Wladimir Jabotinslh in Wien. Samstag den 21. und Mittwoch den 28. d. spricht im großen Konzerthaussaale Herr W. Jabotinskh über die Themen „Islam, Europa und Juden" und „Die Krise im Zionismus uuL ihre Lösung". Jabotinskh, dessen Persönlichkeit wir vor kurzem gewürdigt haben, hat in den letzten Monaten eine Reihe von Vorträgen in Deutschland und den Ostseeländern gehalten, die in jüdischen Kressen lebhaftes Interesse erweckten. Eine Anzahl jüdischer Studentenkorporatwnen hat beschlossen Herrn Jabotinskh am Ostbahnhof, wo er morgen um 5 Uhr nachmittags eiutrifft, zu empfangen. Das Empfangskomitee ladet alle Freunde des Redners ein, sich eine halbe Stunde vor Ankunft des Zuges aus dem Ostbahnhof (Ankunftseite) einzufinden. * Ein internationaler Betrüger verhaftet. Anfangs August vorigen Jahres wurde in Wien ein Konsortium von Paßsälschern verhaftet, die aus raffinierte Weise zahlreichen tschecho-slowakischeu Au swanderern unter der Vorspiegelung, ihnen Schiffs karten und Reisedo käme nte für die Fahrt nach Amerika zu. besorgen, das ganze Hab und Gut,, insgesamt 150 Millionen Kronen, herausgelockt hatten. Es war damals gelungen, alle Beteiligten zu verhaften, nur der ehemalige Kaffeesieder Karl.Fritz, der. mit den Betrügern im Spiels war, konnte nicht erwischt werden. Nunmehr Wunde Fritz in Berlin, wo er gleichfalls seit längerem gesucht wird, bei einem Taschendiebstahl verhaftet. 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Bezirk, Taborstraße 20a, dringende Sitzung des Zionistischen LokaUomitees gemeinsam mit der SchekelkommissiM. * Türkische Jsraelitengemeinde in Wien. Morgen nm halb 7!Uhr abends im großen Tempel der türkischen Jlstaelitengemeinde (2. Bezirk. Zirknsgasse 22) die feierliche Installierung des Gemoinderabbiuers Chachain Nissim Ovadia statt. * Keine Bewilligungen für den Stratzenhandel. Infolge der großen Zahl der Ansuchen um Bewilligung von Plätzen für den Straßenhandel hat der Magistrat bereits im vergangenen Jahre ausnahmslos alle Gesuche abgelehnt. Nunmehr hat der Gemeinderatsansschuß für Ernährungs- und Wirtschaftsangelegenheiten beschlossen, daß Ansuchen von Straßenhändlern um Platzb e w i l l i g n u g e n bis einschließlich 31. Dezember ausnahmslos ohne weiteres Verfahren abzulehuen sind. * Studentischer Ueberfall auf eine jüdische Redaltivn. Aus Warschau wird uns OcridjiLct: Vorigen Freiing erschienen mchrere Mitglieder der Wiluaer „patriotischen Stude-ntenveöbindung" in der Redaktion des dortigen indischen Blattes „Die Zeit" und forderten die Bekannt gäbe des Verfassers eines Artikels, in welchem die Uebersälle der Studenten ans Juden in Wilna am 1.' Mai scharf kritisiert wurden. Der Chefredakteur wies diese Zumutung energisch zurück, woraus die erschienenen Studenten zu raufen begannen. Die Redakteure üKeawWigten schließlich die Studenten Und Übergaben sie der Polizei. Die Wiener Morssnzeifung das beste jüdische Tag bla tt schenkt Ihnen, i Exemplar des Geschichte \1F961Z der Juden Drei elegante Geschenkbände bei Aufgabe eines Jahresabonnements für K 420.000 * Dr. Laster bleibt in Amerika. Aus New-Zork wird uns berichtet: Der Sieger im internationalen Schachwettkampf, Dr. Eduard Las k t r, hat über Einladung der größten Schachklubs der Vereinigten Staaten eine Turnve durch das Land unternonlmen und -in mehreren Städte,! bereits erfolgreiche Vorstellungen im Simultanspiel gegeben. Der Weltmeister hatte ursprünglich die Absicht, bloß bis Ende Juni in-Amerika zu bleiben, doch ist es sehr wahrscheinlich. daß er dem Drängen des Schachverbaudes von Amerika nachgeben und ständig in Amerika bleiben wird. * Seltsame Funde in Fischen. Die Geschichte von dem „Ring des Polykrates" aus Schillers Ballade wiederholt sich gar häufig, wenn auch nur darin, daß die merkwürdigsten Tinge Int Magen von Fischen gestmden werden. So wurde kürzlich in einer Aust ern sch ale, die bei dem englischen Fischerort Weymonth aus Land gezogen worden war, ein altertümlicher .ranring gefunden, der aber nicht das gernngste Zeichen auswies, so daß man-nicht feststellen konnte, wessen Finger er früher geschmückt hatte. Fischer können viel von den wunderlichen Gegenständen berichten, die sie bisweilen mit ihrer Beute' ans Land ziehen. Der Kabeljau ist besonders gierig und verschlingt alles Glitzernde oder Bunte. In einem 2,5 Pfund schweren Kabeljau fand sin Angler einen schönen Ring, der mit einem kostbaren Diamanten geschmückt war. In einem anderen Kabeljau, den eine Frau zu Ghurnside -itt Berwikshire kaufte, fand sie beim Ausnchmen eine blaue E m ailb rösche mit' eingradierten Buchftalben und einer Zahl. Sie.gab eine Anzeige aus, und es meldete sich auch die Besitzerin, eine Dame ans GdinburU, deren Tochter die Brasche bei einer Bootsfahrt verloren hatte. Wenn ein Haifisch gefangen wird, so öffnet man ihn stets, um nachzusehen, was in ihm ist. Man kann da die merkwürdigsten Neberraschnngen erleben. So fand man in einem Har, der 1912 bei der Insel Mauritius gefangen wurde, einen Hund, eine Ziege uno ein kleines Museum von- Knochen. Ein kleinerer Hai, der bei der nordamerikanischen Küste gefangen wurde, bewahrte in seinem Innern eine H,a n dt a s ch e, die unter anderem vier englische Goldmünzen, vier Dollar, einen Diamantring und einen Liebsbries barg. Als' den erstaunlichsten Fund, der in neuerer Zeit in einem Fisch gemacht wurde, bezeichnet eine englische Zeisschrist eine Ent-- deckung, die man im Oktober 1915 im Magen eines Haifisches machte. Man vermutete damals, daß die Deutschen in den Bereinigten Staaten Fahrzeuge gemietet hätten,-um die deutschen llnterseeboote zu unterstützen. Aber eilt Beweis dafür war nicht zu erlangen. Da singen einige Brasilianer bei Pernambuco einen Haifisch, und als mau ihn öffnete, fand man in ihm einen Sack, der Papiere des Dampfers „Maria Quesada" enthielt. Diese zeigten, daß das Schiff dazn gemietet worden war, deutschen Unterseebooten zu helfen. * Die Einwanderung nach Spanien. Ein Vertreter des Lodzer „Neuen Völksblatt" hatte dieser Tage ein Gespräch mit dein Warschauer spanischen Konsul über Einwandorungsmöglichkeiten in Spanien. Im allgemeinen — erklärte der Konsul — mache ich hinsichtlich der Erteilung des Paßvisnms keine Schwierigkeiten, wenn der Auswanderer mir Nachweisen kann, daß er nicht aufs Geratewohl nach Spanien reist, sondern ein bestimmtes Reiseziel vor Augen hat. Die wirtschaftliche Lage Spaniens ist im gegenwärtigen Augenblick nicht die glänzendste -und ich würde Menschen ohne Kapital, die nach Spanien gehen wollen, um dort Arbeit zu finden, von einer solchen Auswanderung abraten. Spanien besitzt keine große Jndnstrie, das Land ^beschäftigt sich hauptsächlich mit der Ausfuhr von besseren Südfrüchten pmd Wein. Hingegen bietet Spanien ein reiches Arbeitsgebiet für Fachmänner nnt Kapital. Diesen ist Gelegenheit geboten, beim Ausbau der Jndnstrie niitznarbeiten und da ist ihnen eine glänzende Zuknn-ft sicher. Auf die Frage, welche Beziehungen heute zwischen der spanischen BevÄikerung mrd den Juden bestünden. antwortet der Konsul: Eine JNden-sragc aibt es bei uns übechaupt nicht. Die Beziehungen zwischen der eingeborenen Bevölkerung und >den in Spanien lebenden Inden sind die srenndlichsten. Die Inden genießen im Lände sämtliche Rechte, genau so wie die übrige Bevölkerung. Im übrigen meinte' der Konsul lächelnd, würde die indische Presse sicherlich bereits davon Notiz genommen haben, wenn, in Spanien die Inden in ihren Rechten verkürzt wäven, so wie ja die Rechtsbeschränkungen der.Juden in anderen Landei'n von der jüdischen Presse erörtert und kritisiert werden. Mn einer Anspiel.nng aus die historisch bekannte .Jndenverwlgnngen in Spanien, meinte der Konsul znm, Abschied: Die heutige Generation in Spanien-könne nicht für die Handlungen ihrer Vorväter in jener Zeit verantwortlich gemacht werden und deshalb sei es besser, -über jene traurige Zeit gar nicht zii sprechen. * Filmpriisnttgsnoten. Eine originelle Rubrik hat das sran- Msche Fachblatt „La Revue cinematographigue" eingerichtet. Es bringt in Tabellensorm die in einem bestimmten «eiiraum vorgelfnhrten Filme und erteilt ihnen Noten! Inhalt. Photographie und Regie echMen je eine Note; aus diesen dreien Wird die-Gesamtlesstnng klassifiziert. So wurde,i in vierzehn Dagen in Paris V\X vVll|lv Ul «y-L 7YIUUkU k*v — vvvlv ,V v , Gesamtleistung waren zwei Filme mehr als gut, elf Filme gut, zehn- Filme genügend. * „Der Filmsreund". In München sst eine Zeitschrift „Der Fi l ni f r e n n d" (Filmsrennd-Verlag, Emebkahaus) erschienen, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Film durch Pflege der ernsteil Filmkunst zu fördern. Dcr von der Zeitschrift ausgeischriebcnc Preis für das beste Filmfnjet beträgt 1000 Goldmark. Der Filmstosf. der zu einem knappen-Filmeniwuvf umgearbeitet werden soll, war im ersten Aprilhest a'bgedrnckt. W»nWWm»>«UUWWWlMMWUe>OeeSMr,