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Wiener Morgenzeitung · 1924-05-21 · Heft 1891 (21.5.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1891 (21.5.1924)
Date
1924-05-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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-«»°f «M «MWH ' rl CT" Mene« Morgi-«,ett>Mg,zamwtsm mmmf aM ffli M. 18W Herrenwäsche . nach Hass, Berlhold Scheer Linien: III. Landstr. Qürtel v, 19, 4,118 r WdS die GeMtkregelung dev städtischen AngeanstMtzt, so wniide grundsätzlich beschlossen, die Ge- 'sUDg ans Gmndlage der Goldparität erst nach der de- KeamtenstandeS durchzuführen. ' Krirzynski - Bettreter Polens lm Völkerbund. " tkof, W, Wik. '(SHw. DM.) Di« PSln'sPe Re. gierung Hat beschlvfiett, denn Völkerbund eine ständige Delegation Ku unterhalten. Zum Ehef -er Delegation soll «atz der „Mbune de Geneve" der ehemalige Mnister des Leußrrn und gegenwärtige' Gesan-t« in Bukarest, KrikßtzDSki, ernannt werden. Inland. Mische »Merbuudliga. /: m Mische VSAeMlndliga für Oesterreich, Wer 8ttM konstituierende Versammlung wir ausführlich Leuchtet haben, tritt heute mit einer größeren Werdeversanrm- Lrng vor daS PMWm. Der gÄvesen« Botschafter Oester- Wich-Ungarns ^in WaWngton, Herr Dr. Konftantcn Drrmba, Präsident der österreichischen BöVeribundliga, laich Mr Entstehung «und Zukunft der VolkerdundeS sprechen. Nach chm wich Odechaurat Robert Stricker über das Thema „Der Völkerbund unddi «Iude n" referieren. Her Adend, den der Präsident der Jüdischen Völker« klMAga, OberraKbiuer Dr. C h a j e 8, mit einer Ansprache eröffnen wich, findet heute um hcckb 8 Uhr abends im Festster de-Ingenieur- und Archtiktendeveins (1. Bez., Eschen- VEchMV statt. 2!e agrattsche Woche. '’ Bes den gestrigen Beratungen der agrarischen Woche,. die sich mit der HMrng der Viehzucht beschäftigt«, wurde ettlsttmmig eine Resolution angenommen, in der gefächert wttd, die AuZsuhribeschränkungen für Vieh auf8uh eL en und eine Tarisermahigung für ViehtränZporte dWtMiphren,1 , Sie Auszahlungen an die Buuderangestellteu.; Durch eine Vervärnung der Regierung wich bestimmt, Hiß den PündeKangestellten am >1'. Juni d. I. als Borü'uWihkung auf die dritte Etappe der 'Besoldungsreform 9&jß MärzbezÜge ausge-ahlt werden sollen. Bekanntlich^ find' die Mehält« der BwrdesangeMlten nach' den Bezügen des März 1921 Lb'gestust. Wer daher damals zwn Beispiel 10.000 Kronen als Märzbezug hatte, erhält w» 1'. Juni außer feinen bisherigen Bezügen den Betrag vvn 896.060 Kronen. Bei einem Märzbezug von 15.000 Krone», der nur für höhere Beamte gilt, beträgt die Bor- «mszahlung 15.000 mal 29,6, das ist 444.000 Kronen. Aus diesen Leiden Feststellungen ist zu entnehmen, daß die erwartete» Echöh ungen nicht besonders günstig find und di« Verordnung nur 'die bessergestellten 'Beamten befriedigen wird. _ '■! ’•! -1 | j : > % östemichisch-tschechlschen Handelrvettrass- Verhandlungen. t (Eigendienst dw ,Mener Morgenzettung") Prag, 80. Mm. In informierten Kreisen rechnet man Nunmehr mit einem raschen Fortgang der Verhandlungen mit Oesterreich. In den Differenzen bezüglich der Meistbegü-nsügung steht eine Einigung in naher Sicht. An den Verhandlungen über den Ausgleich privatrechtli'cher Forderungen mit.Oesterreich im Prager Finanzministerium nehmen für Oesterreich der Minlsterial- E Dr. Schönberger, Sektionschef Dr. Schreuer und OLerlandeSgerichisrat Dr.Gianelli teil. Rumstnien M Sefterreich. Bukarest, 80. Mai. (Del. der ,Mr. MovgenzeiMg".) Dar rmnänische Finanzministerium teilt den Blättern mit, daß die meisten Fragen, die gegenwärtig von der Wirtschaft l i ch enDelegation-inWienmitOestevreich verhandelt werden, nach Muster der vor kurzer Zeit mit Ungarn abgeschlossenen Konventton ihre Lösung.finden werden. Man hoffe daher, daß die Verhandlungen in Wien binnen -kurzer Zeit xu Ende geführt werden können. «er „Schuft" für SS Millionen. Die Parlamentskorrespondenz meldet: Wie noch erinner« kich, hat Nationalrat Deutsch im Mai des Vorjahres gegen den Bergrat Ing. Reönl au s Hall in Tirol eine Ehrenbeleidigungsklage beim Bezirksgerichte in -Grein deswegen angestrengt, weil Bergrat' Retivl das Vechalten des Nationalrates Deutsch während deS Weltkrieges scharf kritisiert hatte. Bergrat Reiarl wurde damals vom Bezirksgerichte Grein frei gesprochen, ebenso auch in der zweiten Instanz in Linz. Die Kosten deS langwierigen Prozesses, der erst im November deS vorigen Jahres sein Ende fand, wuchsen aus rund 55 Millionen Kronen an, die Abgeordneter Deutsch zu zahlen verweigerte. Wie uns mitgeteilt wird, hat der Vertreter des Bergrates Reinl gegen den Nationalrat Deutsch die ExekutionSklage einHereichtz:. 3m Wirbel der Krise. Verhaftete «ad verschwundene Vaufters. Bankier Meller verhaftet. Wie berichtet, hat daS kantonale Pölizeikommando in Zürich am 17. d. telegraphisch daS Wiener Sicherheitsbureau in Kenntnis gesetzt, daß der Bankier Siegmund Meller Nach Beruntreuung von 600.000 Schweizer Franken feit Samstag den 10. d. auS Zürich flüchtig geworden ist, uttib sich möglicherweise nach Oesterreich gewendet haben' dürfte. DaS Polizeikommando ersuchte in diesem Telegramm um die Verhaftung deS flüchtigen Bankiers. ES wurden sofort alle Gendarmeriepostm von der Flucht verständigt, doch gelang eS Nicht, irgendwelche Anhaltspunkte : über den Aufenthaltsort Mellers zu erlangen. Montag abends wurde gemeldet, daß sich der Defraudant in Fügen im Zillertal aufhalten solle, und noch in später Nachtstunde ging vom Wiener Sicherheitsbureau ein Telegramm an den dorttgen Gendarmerieposten ab, in dem die Verhaftung angeordnet wurde. Gestern vormittags traf aus Fügen dir Antwort «in, daß Siegmund Meller auf Grund der Depesche in den frühen Morgenstunden von der Gendarmerie verhaftet worden ist. ZZ Ein verschwundener Bankier. Der Inhaber deS Bankgeschäftes Euchal u. Co., Theodor Buchal,. der auf dem PeterSplatz ein Bankgeschäft betreibt, ist seit einige« Tagen auS Men verschwunden. Buchal hat, wie auS einer Strafanzeige an die Polizei hervorgcht, fast fein ganzes Eigentum zu Geld gemacht. Er hatte seinen Gläubigern einen Ausgleich mit 200 Millionen unter der Bedingung angeboten, daß sie von einer Strafanzeige abstchen. Die Gläubiger schielten sich Bedenkzett vor. Inzwischen ist Buchal verschwunden. Interessant ist, daß die beiden Gesellschafter der offenen Handelsgesellschaft' Markgraf Artur Pallavicini und Graf Eugen Hardegg sind. Die Gläubiger hoffen, daß die reichen Verwandten der beiden einen Konkurs verhnwern werden. Die Passiven werden mit einigen hundert Millionen bezeichnet, M Teltscher verhaftet. Die Polrzeikorrespondenz meldet: Der 28jährige Kauf» ' mann Robert Teltscher, dessen Fnma sich schon seit einiger Zeit in Zahlungsschwierigkeiten befand, wurde gestern von Kriminalbeamten im Südbahnhof verhaftet. Ihm wird zur Last gelegt,, sich in großen Mengen Rimessen, die nicht; feht Eigentum waren, angeeignet und verwertet zu haben, ohne den ganzen EtlöS der Transaktion pflichtgemäß abzuführen. Der auf diese Weife zugefügte Schüben soll 10 bis 14 Milliarde» betragen. Teltscher hat bei verschiedenen Banken in Men große Franken- und Effettenspevulationen durchgeführt, die ihm mißglückt sind. Offenbar hat er hiezu auch die veruntreuten Rimessen verwendet. Seinen Verbindlichkeiten, die noch nicht genau bestimmt sind, stehen Aktiven' in der Höhe von fünf Milli a r den gegenüber. Teltscher behauptet, daß ihn kein strafbares Verschulden treffe, da er den Erlös für alle Rimessen abgeführt haben will. Er gab aber zu, daß er durch seine mißglückten SpMlationen tief in Schulden geraten ist. Er wurde dem Landesgericht eingeliefert. Bankfirma Kirlh in Zahlungsfchwrerigkerten. Die Bankfirma Leopold H i r t h befindet sich seit einiger Zeit iu Zahlungsschwierigkeiten, in die sie hauptsächlich durch den mißglückten AuSgang eines in Kurz-Aktien inszenierten Hausserummelgeraten ist. Zur Regelung der Verbindlichkeiten finden mit den Gläubigern der Bank Verhandlungen statt, die von dieser als aussichtsreich angefchen werden. Tagesbericht. Re Ermordung des Eisenbahners Still. Eine Protestversammlung gegen Las Hakenkreuzleru^teil. Gestern abends fand im Favoritner Arbeitecheim eine stark besuchte Versammlung wegen d«S cmifselhdnerregenden Urteils.im Prozeß Herlerich-Nosko statt..M sprachen die Nattonalräte Pölzrr und Dr. EiSler. Pölzer wies auf die Gegensätze in der Rechtsprechung bei Arbeitern und HalerckveuHern hin. Während srgialdemokrattsche Vertrauensmänner wegen verhältnismäßig geringfügiger Gesetzesverletzungen ' mehrmonatige Kerkerstrafen erhielten, wurden Hakenkreuzler regelmäßig freigesprochen oder erhielten auffallend Mde Strafen, die in keinem Ver- Mtnis zu ihren Verbrechen standen. Er führt« einige Prozesse an, wo wegen Aufforderung zur Zahlung von Gewerkschaftsbetträgen und wegen Eindringens von Streikenden in ein Mrtshaus die Betreffenden zn schweren Kerkerstrafen verurteilt wurden. Dr. Eisler beleuchtete di« Ursachen dieser Klassenjustiz. Er führte aus: Bor dem Krieg« gab es keinen Schöffensenat, die Zulasiung zu dem Ehrenamt« der Geschwornett war von einer hohen SteuerlePung abhängig. Die soziakdemokrattschen Abgeordneten betrachteten es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben, sofort nach dem Umstürze die Gleichberechtigung aller Bürger auf dem ^Gebiet« der Rechtspflege herzustellen. Doch dies« Gleichheit ist nur einescheinbare Es hat stch gezeigt, daß di« Rechtsprechung trotz der Zulassung von Proletariern zum Geschwornenamte ihren Charakter als Klassenjustiz nicht verloren hat. Auf den Geschwvrnenbänken bemeE man fast nie Arbeiter. Abgesehen davon, daß regelmäßig, insbesondere bei politischen Prozessen, vom Stäatsanwalt und eventuell auch vom Verteidiger alle Gffchwornen ans Ar- L«iterkreis«n abgelehnt werden, suchen auch die Arbetter und Arbeiterinnen selbst unter allerlei Vorwänden sich -der Erfüllung ihrer Pflicht zu entziehen. Dies ist begreiflich, wenn man in Betracht zieht, daß Schöffen und Geschworn« durchaus ungenügende Entschädigungen erhalten. In vielen Fällen ist es auch Arbeitern ganz unmöglich, dem Rufe als Volksrichter Folge zu leisten, «wenn sie nicht riskieren wollen, bei ihrer Rückkehr einen anderen auf ihrem Arbeitsplatz zu finden. Vielfach zeigt es sich, >daß feW Geschworn«, die den Avbeiterschichten angehören, sich nicht dem Einflüsse der geleihrteN Richter, bezichungsweise anders gesinnter Mitgeschworner entziehen und Ktassenurteile nicht verhindern konnten. 1 Als Abhilfe schlägt der Redner vor, an Steue ernannter Richter freigewählte zu berufen. Einzig und allein d i e freie Richter Wahl könne der jetzigen Klassenjustiz Einhalt tun. Bis.zur Erreichung dieses Zieles, das erst bei einer genügenden Mehrheit in den gesetzgebenden Körperschaften erreicht werden kann, müssen die Geschworney- und Schöffengebühren eine derarttge Erhöhung erfahren, daß es Arbeitern und Arbeiterinnen möglich ist, daS Geschwornen- oder Schöffenamt nicht mit der Preisgabe ihrer Existenz bezahlen zu müssen. Es Wird auch Aufgabe der Arbeiterorganisationen sein, ihre Mitglieder so weit juristisch zu schulen, daß sie dem Einfluß andersgesinnter Richter nicht so ganz Mos gegenüberstehen, # Im Aufträge des.Verbandes der sozialdemokratischen Abgeordneten des Nationalvates erschienen gestern beim Leiter des Justizministeriums, Vizekanzler Dr. Frank, die Abgeordneten S e i tz, D a n n e b e r g, EI d e r s ch, D e u i s ch, P tz l z e r, um aus.pie Erregung aufmerksam zu mächen, welche der Ausgang des Schwurgeri'cht'sprozesscs wegen der Ermordung des Eisenbahners Karl Still ausgeHst habe. Vqekanjfler Dr. Frank erklärt«, daß ein gerichtliches Urteil, und -war «in Urteil des GeschwormUgevichtes vorliege, durch das ausgesprochen sei, daß Still nicht durch di« Tat eines der Leiden Angeklagten getötet worden sei und daß deren Handlungsweise nur ein« Uebertretung darstelle. Gegen ein gerichtliches Urteil seien nur die ordentlich « n R e ch t L m it t«l zulässig und «r habe mtt Rückstcht auf das Auffehen, das der Fall in der Oeffentlichkeit erregt habe, bereits einen Bericht der Staatsanwaltschaft erngeholt, ob die Voraussetzungen zur Einlegung eines ' Recht'smtttels vorliegen. ES sei gewiß bedamrlich, -wenn ein ' Menschenleben durch eine strafbare Handlung vernichtet werde, ohne daß eine Sühne erfolge. Andererseits sei es selbstverständlich, daß di« Strafe immer nur den wessen könne, d«r ÄS d«r Schuldige festgestellt sei. Lar Haleakreuz - ein semitischer Smameat. Die SYnagogenrnine von Kephar Nahum. Vorgestern berichtete die „Neue Freie Presse" auS Haifa vom IS. d.: „Die von Direktor Gunnar Sommerfeld geführte dänische Palästina-Expedition, an deren Entdeckungsreisen in da» Innere des Landes Ihr Korrespondent leilmmmt, entdeckte gestern in Kaphernaum in den Ruinen der bekannten Synagoge au» der Zeit Jesu Christi einen schönen Fries, der al» Bandmottv vier Hakenkreuze austveift. Damit ist ei» Beweis dafür gefunden, daß das Hakenkreuz kein arische» Symbol fft, zumäl andere Friefe, die in den Trümmern von Kaphernaum entdeckt wurden, Hexagramme, also Zion »st « r n e, tragen. Di« dänische Expedition photographierte beide JrieSarten." Wir haben an hiesigen informierten Stellen Erkundigungen eingezogen und konstatteren, daß dieselbe Entdeckung am 8. März d. I. von den Herren Kommerzialrat Max Klein (Mödling) und Ingenieur Siegfried Graubart (Innsbruck) gemacht wurde, die beide auf Heer Palästina- Reise an diesem Tage da» Trümmerfeld der Synagoge von Kephar Nahum besucht hatten. Die Herren photographierten die Ruinen, und auf einer ihrer Aufnahmen ist ganz dentlich auf einem qrterliegenden Stein «in aus vier Haken-§ kreuzen gebildetes Abschlußornament zu sehen. Herr Kommerzialrat. Klein hat von seiner Aufnahme auch ein Diapositiv anfertigen lassen. Die Ausgrabungen in ber Dabibstadt. Die Gesellschaft zur Erforschung Palästinas teilt mit, daß die Ausgrabungen in der Davidstadt mit Erfolg vor sich gehen und daß sie demnächst an die archäologische Erforschung des OfelbergeS schreiten wird. Prof. Macal ist er, der bisher die Arbeit geleitet hat, ist nach England zurückgekehrt und-an seine Stelle ist Mr. Grey Danken getreten. . _. 1 , Selbstmord des Sohne« Delbrücks. Aus B e r l i n wird unterm 20; h. gemeldet: Der jüng> Sohn des verstorbenen Professors Delbrück, Dr. Friedrich Delbrück, hat wegen beruflicher Differenzen Selbstmord verübt. Er war Assistent an der zweiten chirurgischen Abteilung, de- Rudolf Birchowschen Krankenhauses. tzrdstübe in Italien. '' Rom, 20. Mai. Heute um 2 Uhr ö Minuten früh bürde« in Pisa und Lucea schwache Erdstöße in nordöstlicher Richtung in einer Dmer von fünf Sekunden verspürt. In Florenz und bei Lucca waren die Erdstöße so stark, daß die Bevölkerung aus dem Schlafe geweckt wurde. Schaden wurde Sicht ang^icht^-''"

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