Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1890 (20.5.1924)
- Date
- 1924-05-20
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Mm, Disnssttg -■m^v Wiener MoPgenreltÄffpf.^; 20. Mar 1924 Nr. 16SV Wieder zwei Hakenkreuzler fre Ile Tötung an dem Menbahner Still. : Die Angeklagten im gestrigen Prozeß wegen des Totschlages an dem Arbeiter Still, der 29jährige Herterich «ch der LLj^rige Johann No-ko sind Nationalsozialisten und waren in der Ordnertruppe der Ha-ken- Keuzler tätig. Herterich hat sich allerdings als Frontkämpfer bezeichnet. Kei seinem Verhör gab er an, «rßertorrrlich als Ordner zu der Versammlung am 4. Mai in Favoriten hingegaugcu zu sein. Er erklärt sich alS nichtschuldig, da er in die Luft geschossen habe. Er könne nicht sagen, wer ihm die Pistole gegeben habe. Er fei zu ausgeregt gewesen. Er wisse nur, daß ihm jemand eine Pistole in di« Hand gab und sagte: Da hast du waS, ich borge dir meine Pistole! Vors.: Der Nosko selbst hat erklärt, er habe Ihnen seine Pistole gegeben. In der Voruntersuchung, zu einer Zeit» Wo Sie die Aussage Noskos nicht gekannt haben,. erklärten Sie, Sie wüßten nicht, woher Sie die Pistole, die bei Ihnen gefunden wurde, haben. Wenn aber Nosko erklärt, er habe sie Ihnen gegeben, so sei das möglich. — Der Angeklagte nickt mit dem Kopf. Herterich erzählt, daß er sich.nach der Versammlung von seinen Kameraden «^sondern wollte, weil er ZiviMeider trug und nicht als Nationalsozialist erkenntlich war. Er sei plötzlich von einem Dutzend Leute umringt gewesen, die schrien: DaS jst auch ein Hakenkreuzler! Cr habe ewige Hiebe von rückwärts erhalten. Da habe er die Schlifft abgegeben, Bors.: Wurden Me dem Still im Spital gegenübergestellt? Angekl.: Ja, einmal. — Vor!.: Der Still hat bestimmt behauptet, daß Sie ihn getroffen haben. AngeN.: Das war ein Irrtum. Vors.: Wäre es nicht möglich, daß Sie Ihn unabsichtlich getroffen haben? Anzekl.: Ich habe nur in die Luft geschossen. Still har gesagt, daß er mich erkennt, weil ich damals zurückgekämmt- Haare trug. Er hat das aber gar nicht sehen können, weil ich eine Kappe aufhatte. — Vors.: Aber seine Angaben bezüglich Ihrer Kleidung und des sonstige» Aeußern haben sich als richtig erlMen. Ein Gefchworner: Sie behaupten, Sie seien überfallen worden» es war aber doch der Gassenzug von der Polizei ahgrsprrrt. Angekl. (verlegen): Ja, aber der Kordon war ziemlich weit weg. - Der Staatsanwalt zeigt, die Pistole in der Hand, den Gebrauch der Waffe mck> sagte: Bei diesem System der Frommerpistole mutz man zuerst repetieren, dann erst ist die Waffe entsschert, Sie müssen die Mordwaffe also schußbereit bereits eingesteckt haben. Wie haben Sie di« Waffe gehalten? Der Angeklagte, zeigt, wie er damals kerzengerade in die Lust geschossen hübe.'Das sicht so unglaubwürdig aus, daß ironische Heiterkeit im Publikum entstcht. — St aals anw.: Wenn Sie gesagt hätten, Sie können sich nicht erinnern, wie sie geschossen haben, so chatte ich Ihnen das. vielleicht geglaubt. Ez ist auch schon Mehr als auffallend, daß Sie, der sich damals in solcher Aufregung befunden haben will, , sich jetzt auf einmal sogar an'solche Einzelheiten erinnern, wie Sie die Pistole gehalten haben! Haben alle anwesenden Leute, von denen Sie bedrängt worden sein sollen, roft Nelken' getragen? —^ Angekl.: DaS Miß ich nicht. Der Zweitangeklagte Nosko leugnet, überhaupt geschossen zu . haben/ Er habe damals keinen Revolver gehabt. Er sei erst einige Tage vor dem Vorfall in die nationalsozialistische Partei eingetreten. Bevor die Nationalsozialisten auf Weisung der Polizei den Saal einzeln verließen, wurden Pistolen unter die Hakenkreuzler verteilt. Er habe von ei arm Kameraden eine Frommerpistole -stimmen, sie aber dem Herterich gegeben, well er Hn in Bedrängnis sah. Der Vorsitzende verliest die Aussagen, die der grtötete Still vor seinem Tode angelegt hat. Bor rllem betonte L.ill, er habe sichdam -.iS an der Demonstration gar nicht beteiligt, sondern sei zusälliz?n der 2rnd.;urg.issr unter eine Gruppe von Nationalsozialisten geraten. Er iah fünf junge Leute, von denen einer die Hand hochhob und drei Schüsse abseuerte. Beim zweiten Schuß hat der Mann die Waffe auf Still gerichtet. Als Still die Angeklagten Herterich und Nosto vorge-fühvt worden waren, hatte er in Herterich auf das Bestimmteste den Mann »rkannt, der ans ihn die Waffe angelegt hatte. Still erklärte auch, er Hab: durchaus nicht eine fezialdcmokvatifche Binde getragen, sondern seine Kiftnbahnerbinde mit dem Mugrckd. Der eine SachberstäMge, Prof. Meixner, erklärt, die Verletzung sei an und für sich nicht unbedingt tödlich, jedoch außerordentlich schwer gewesen. Der zweite Sachverständige, Dr. Werkgartner, legt im Gegensatz zu Prof. Meixner dar, er halte es nicht für ausgeschlossen, daß die Verletzung infolge eines Gellerschusses erfolgt sei. AuS den Zeugenaussagen siM» die deS Polizeikonzipisten Gregor und det Belastungszeugen, Straßenbahners Nova!» wichtig. PÄtzeisonziPist G re gor, der den verwundeten Still einvernonmenen hatte, gibt an, dieser habe fest behauptet, Herterich fti der Täter. Der Zeuge habe bei Still keine rote Armbinde gesehen. Zeuge Nova! sagt aus, er fti m der Landgutgasft einer Gruppe von NationalsgLialisten begegnet, die von einer anderen Gruppe junger Burschen verfolgt wurde. Plötzlich wandten sich die Hakenkreuzler um und schossen, worauf die Verfolger flohen. Der Zeuge ging den Nationalsozialisten nach und ließ sie durch die Wache arretieren. Auf der Polizeiwachstube habe er dann neuerlich die Täter mit Bestimmtheit agnosziert. Während er jedoch von NoÄo mit Sicherheit behauptet, daß er geschossen habe, weiß er von Herterich nur, daß dieser den Arm mit dem Revolver gehoben habe. Der Nationalsozialist Großmann gebt an, daß sich Herteri ch in seiner Gruppe befand und, als \- ^drängt wurde, geschossen habe. Das Urteil. Das Urteil im Hakenkreuzlerprozeffe wurde gestern spät abends gefällt. Es hat großes Aufsehen hervorgerusen. Herterich wurde nicht nur dom Totschlag, solcher« auch vom Verbrechen der öffentlichen Gewalttätigkeit freigesprochen und nur wegen Uebertretnng der körperlichen Sicherheit und wegen Uebertretnng des Waffenpalents zu 100.000 Ä. Geldstrafe, eventuell 48 Stunden Arrest, verurteilt. Nosko wurde vom Verbreche« der öffentlichen Gewalttätigkeit, beziehungsweise der Uebertretüng der körperlichen Sicherheit freigesprochen und bloß wegen Nebertretnng des Waffenpatents z« 30.000 K. Geldstrafe, eventuell 24 Stunden Arrest verurteilt. Die Strafe wurde bei beiden Angeklagten als dmch die Untersuchungshaft verbüßt erklärt und die Privatbeteiligte auf den ZivilrechtSweg verwiesen. Nach den Reden des Staatsanwaltes und des Verteödigers wurde nach kurzer Beratung das Gcfchworenenverdikt gefällt. Die Geschworenen hatten den Vorsitzenden um eine Rechtsbelehrung ersucht. Der oben erwähnte Freispruch erfolgte einstimmig, ebenso einstimmig die Schuldigsprechung des Herterich nach § 431 und beider wegen Uebertretnng des Wafsenpatentes. Der Vorsitzende verkündete nach kurzer Beratung die Strafe von 100.000 Kronen, beziehungsweise 50.000 Kronen für die beiden. Da die Straft durch die Untersuchungshaft als verbüßt erscheint, konnten die beiden Freigesprochenen sofort den Gerichtssaal verlassen. Der Verteidiger hatte die Stellung einer Zusatzfrageauf Notwehr oder Notwohrexzrß gestellt, was abgelehnt wurde. Das Publikum nahm das Verdikt mit Ruhe, aber mit großem Erstaunen aus. Auch die Angeklagten waren ganz überrascht, als das milde Urteil verkündet wurde. Das Urteil der Geschworene» muß schon deshalb wuudernehmen, weil sich im Verlauft deS Beweisverfahrens ergeben hat, daß Herterich tatsächlich geschossen hat, daß ein Zeuge die Angabe des Still, Herterich sei der Täter, bekräftigte, und Herterich nicht Nachweisen konnte, haß er mißhandelt wurde. Mit Recht hatte der StaatS-anwalt darauf verwiesen, daß es sich um einen politischen Prozeß handle, daß sich aber die Geschworenen nicht ' von politffchen Erwägungen leiten lassen dürfen. Die politischen Erwägungen scheinen aber doch bei diesem Urteil sehr mitgewirkt zu haben. Wäre das Urteil auch so ausgefallen, wenn nicht Hakenkreuzler angeklagt gewesen wären? Eine Person, die an der Tötung eines Menschen beteiligt war, wurde nach jener Bestimmung des Gesetzes behandelt, die angeweNdet wird, wenn zum Beispiel eine Frau eine unversicherte Hutnadel auf der Elektrischen trägt, das heißt, nach dem § 481 des St.-G.! * Die Mitschuldigen der Fälscher von Fünfpsunduoten. Als Mitschuldige der vor kurzem dem Landesgerichte emgelisferten Falscher von englischen FNsPfmrdnoten wurden der frühere Besitzer des Cafe „Expreß" in der Schleifmühlgasft, Carlo Ne- Po te, und der Bartton Ettore Millani, der aus Senia, der Heimat Carusos, stammt, vechastet. * Eine abgebrochen« Zirkusvorstellung. Während der sonntägigen Abemworstelliurrg im Zirkus ,,Metropo I e" m der Ottakringerstraße erschien em städtischer Verwaltung' kommissär im ZirkusgebaM, um wogen der rückständigen Lustbarikettssteuer eine Pfändung' der Kassenbesiände vorzunehmen. Eingegcmgen waren etwa 2,5 Millionen Kronen, die aber angeblich zur Zahlung der Äriistengagen bestimmt waren. Als der städtische Beamte die Harw auf dieses GM legen wollte, nahmen die Artisten dagegen Stellung, und erklärten, die Vorstellung nicht wetteryusühren. Da der Oberkommissär vm seiner Forderung nicht albsiand, wurde die Vorstellung abgebrochen und die Besucher angewiesen, sich das Geld an den Kassen zuvückgeben zu lassen. Diese taten es und entfernten sich in Ruhe. * Licht-, Luftnnd SsmienbestrahlimgSsPort am Bisamberg. Wir erhalten folgende Zuschrift: Herr Florian Berndl, der Begründer des GänfohänselS in W:en, der auf seinem Besitz „Gamshöhe am Bisambevg" Äfft- und Sonnenbäder ünentaMich zur Verfügung stellt, ladet alle Freunde des Natur- Heilverfahrens ein, die Licht-, Lust- und Sonnenbäder auf dem heilbringenden Bisambera zu benützen. Wäsche und Proviant sind mitzubringen. Zuschvisten sind zu richten an Florian Berndl, Postfach Langenzersdorf. * Der Norddeutsche Nohd wird auch in diesem Sommer seine beliebten Fahrten von Bremerhaven-Lloydhalle nach den .Nordfeebädern Warrgerooge, Helgoland und Norderney wieder ausnehmen. Nach Wangerooge soll dreimal wöchentlich der Dampfer „Delphin", nach Norderney zweimal wöchentlich' der Dampfer „Najade" verkehren. Außerdem werden an den Sonntagen' Hm- und Rückfahrten vm Bremerhaven nach Wangerooge sorvohl ww nach Helgvland und auch mm Norderney nach Helgoland ausgeführt. Em^ aefote Soulntagssahrlen nach Helgoland stnden auch post Wangerooge aus statt. Der' Smmtagsdrenst Bremerhaven« Helgoland und zurück soll durch den geräumigen Doppebschraubeil-Salondanlpscr „Grüßgott" auögesührl lverden.; An de» beiden Psiugsttageir. fmden Fahrten von Bremerhaven- «oydhalle nach Helgoland mü den Dampsern ,,ÄriHott^ «lttst . VnrwKnta" r M ö 7 bä de rsa h r' ln > l des Norddeutschen Lloyd wird m den nächsten Tagen erscheinen utk dann von allen Vertretern des Norddeutschen Lloyd uni» ändere» Reisebureaus unentgeltlich zu beziehen setz»! („Mas.") .;• * Nadiokonzert der Sendestation „Radio-Hekaphon" Kr Mitttvoch den 21. d., von halb 5 bis halb 6 Uhr nachmittags: 1. Johann Strauß. .Ouvertüre zur Operette ,Hr-ttH Methufa- - fern". 2. Zeller, „Sei nicht bös", Wallzerlied aus „Der Obersteiger". 3. Johann Strauß, ,-Frauen'herz", Polka--Mazur (Violine Herr SiAing). 4. „Alt-Wiener Operetten" -(Gesang: Frau Christl Paulsdovf, Herr Jültus Patzak). 6. R-chttationen:. Herr Hans Kirchner. 6. Johann Strauß, ,Mien-er Blut", Konzertwalzer. 7. Komzak, ,Ms der Zeit der sungen Lietbe" \ -(Potpourri. Quartett Silving). * „Das Tributwl." Die Nummer 4 der mternationalen Justiz- und Kriminalzeitung. Mas Tribunal", vrin!gt> -eine originelle Millionen-Preisan^chreibun-g, in der die Leser ausge. fordert werden, die Frage am beantworten: ,Mieso sind Sie eigentlich -noch ustboscholten?" Die reichillustricrte Numnrer bringt allster dem Beginn des Prozesses gagen den Mädchen« mörder Schenk die Geschichte von dem sapanifchen „König der Opiumschnruggler". -der von London aus den ganzen Kontinent mrt.seinen Waren überschwemmte, einen hochinteressanten Prozchbericht ,-Bom Kaisevschloß in den Kerker", eine erschütternde Schilderung „Die armen Sünder", bemerkenswerte oberstgerichtlirhe Entscheidungen von' allgemeinen Interesse und vieles andere. * Mord an einer Prostituierten. Aus Berlin, wird genreldet: In der Nacht zum Sonntag tmrrde die unter Sittenkontrolle stehende Frau Kusch elewski in ihrer Wohnung von einem desertierten f.rauzöflifchen Soldat-en emwrdet. Der Täter wurde von dem Ehemann der Ermordeten der Pollizei übergeiben. * MindestMalte .im Hanöelsgewerbe für den Monat Mcck. Die paritätische Kommission des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft hat die Veränderung der Läbenshaltungskostrn gegenüber dem Ddonate April nrit plus 2 Prozent festgesetzt. Die Mindeftgehalte der H a n d e l § a n >g e st e -l l t« n 'betragen sonach für den Monat Mai gemäß dem allgemeinen KollcTtivvertmge während der ersten sechs Monate der Prapis 639M0 K., nach der Freisprechung im -weiten HMjahve der Praxis 704.060 K., nach einjähriger Praxis 768.800 >K., . nach zweijähriger Praxis 863.000 K., nach dreijähriger Praxis 9W.200 K., Nach vierijähriger Praxis 1,055.400 K>, nach einer längten als sünffährigm Praxis 1.ME K., Angestellte (Anfänger), welche mindestens einen Kveisährigen -Tageskurs einer Handelslchranstalt mit Erfolg absolviert haben, erhalten die oben angeführten Bezüge nach einer dreinronatigen praktischen BetätiMna. Wahrend dieser Zeit erhallten /sie ein Entgelt von 675.000 K. Die Mindestlbetzüge der Lehrlinge betragen für den Monat Mai im ersten Halbjahr der Lvhvzeit 105L00 K-. im zweiten Halbjahr der Lehrzeit 1-31.400 K., im dritten HaLbljahr der Lehrzeit 167.700 K., im vierten HaMahr der Lelhnzeit 184.000 K., rm fünften und sechsten HalVjahre der Lehrzeit 210.200 K. Kleine Wouik. * Eine neue illustrierte jüdische Zeittrng. Soeben erschien in Berl'm die erste Nummer der illustrierten Wochenschrift in jüdischer Sprache „-Jüdische illustrierte Zeitung"'. Die Leitung hat Dr. M. W render inne. Das 16 Seiten starke Heft bringt als TrtelbÄd den Kopf Dr. Nathan Birnbcvums. Die Jllustvattonen zeigen Wissenswertes aus allen Gelbieten. Aus dem reichen Inhalt seien nebst einer kurzen Würdigung Birn- - baums eine übeUsichtliche Wochenschau, eine jlüdische Radio« . betrachtung in humoriftis-cher Form .uud-«in. Arffsatz über die Geschichte des Br i-efmarlkens-ammelns hervorgeh oben. In der Wochenschrift erscheint' Bernhard Kellermanns Roman ,/SchiwedenÄees Erlebnis" Mm ersten Male in Wischer Übertragung. * Friedhossschändungen. VaS «Hamburger ifraelitifch-e Fa-milienblatt" berichtet-e vor kurzem über Fri-edhofsf-chäudungen M der Nähe von Kassel. Nunmehr erfährt die Zeitung über neue Me von Vandalismus nt dieser Gegend. In den Gemeinden Hof und Breitenbach wurde eine Reihe von Gra'bdenlntälern teils umaeworfen, teils zertrümmert. Der Totenhof liegt an einer lelbhaffen Straste. Seit Jahrzehnten ist die Gralbesruhe der Toten nicht Mort worden. (I. T. A.) * Ein braves Parlament. Man schreibt aus London: 4,0; 411; 4,24; 4,27; 4,30; 4,85; 4,40; 4,42; 5P; 5,4: 6,16; 5,22; 5,30; 5,41; 5,45; 5^0; 5^8; 6P uslw. ufw. Das ist nicht etwa die Zetttafel eines Londoner Bahnhofes, das sind nicht Hieroglyphen aus den letzten Sportmeldungen englischer Abendblätter, sondew das ist, wie me Londoner „Evening News" .dom 7. d. ftststellt, die Zeittafel, die dre Sprechzeit' der Redner im englischen Untechaus vom 6. d. anzeigt. .Colonel Cr oft beginnt um 4 Uhr. Er hält die verhältnismäßig lange 'Rede von 11 Minuten. Der nächste Redner setzt die Geduld des Hmffes auf eine harte Probe, indem er 13 Minuten braucht, um seine Ansicht zu entwickeln. Der ihur folgende Abgeordnete hat wieder Vernunft angenommen und brMcht nur 4 Mimtten. Nach 'ihm kommt ein „Zweiminuten-Cicero", Wie sich das Londoner Abendblatt ausdvückt. Der nächste, überaus menschenfreundliche Abgeordnete, hält -den Rekord. Er ist in einer Mmute fertig, so daß es denn Berichterstatter nicht einmal möglich wird, Nam' und Art zu erkunden. . * Statistik der Schweizer Presse. Man schreibt uns: Auch -der schweizerische Blätterwald ist in den fünf Jahren seit Kriegsende wieder stark aufgesorstet worden und mcht weniger als 410 neue Zeitttngen, darunter 63 politische, sind entstandeu, während 163, darunter 53 politische, wieder emgegangen sind. Der Zuwachs beträgt somit 242. Wetter besagt die Statistik, daß im Jahre 1923 auf ein Zeitungs- oder Zeitschviftenunternehmen mrr noch 2092 Etuwcchner enffallen. Nach den Uusgeichnungen der schwvrzerischm Postverwaltung könneit unter den 1860 im Jahre 1923 erschienenen Zvttungen und Zeitschriften 446 als polttische Blätter angesprochen werden. Durchschnittlich wurden in den fünf Nachkriegsjahren jährlich 280,4 Millionen Zeitungsversendungen zur Zettung?i'-,-msportlaxe befördert, gegen 236,2 Millionen wahrend der fünf Kriegsjahre. In: Vergleich M Vovkrnegszeit sst der Versand schweizerischer Zeitungen stach dem Auslände, der während des Krieges eine gewaltige SteMrung erfahren hatte, Wegen der Vakltaschwierigkeiten entf etwa die Hälfte zufammengeschrumpfi. _ * „Tausendundeine Nacht." Bei der großen övientalischen Märchensammluwg, die ums stets als das bewunderunqSwürdigste Beispiel der östlichen Phanitaste erschernien tmrd, gibt es taufeMlndesne Geschichte in tausendunldeiwer Nach:. Warum sind eS 1001 Md wicht rund 1000? Der Grund hierfür scheint tn> der im Orient herrschenden uralten Ali' itetflMttig gegen runde Zahlen zu liegen- Leiht jemand 1000 -Rupien, sso wird eine Quittung auf 1001 ausgestM, den Sträfling, der m Indien m IM. Stockschlägen verurteW wird, erhält deren. 101, tveÄ ihm das wemger schaden soll! Dagegen smd mach jüdischer GesetzieScruAeguug, wenn jemand zu 40 Stockschläg^n verurteilt wird, nur 39 zu vev-, abrelchen.^ Ueberall ist es die Furcht vor der rnnd-eu Zahl, d:e sich im Aberglauben des OrMts aus drückt ' -d dev nur noch das eine Märchen zu den 1a»s<".«d ä'.-ck.... verdauleiv muss-':'..