Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1890 (20.5.1924)
- Date
- 1924-05-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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m W«'-"' WM , MEäK Wrenev Movqenzertuns. pftm jöie gute Lust eingeatmet.) Zuerst werden brc Kinjchr--getreten und geschoben. (Die Natur wirkt Lemhigend tÄ macht die Menschen milde.) Alles rennet und flüchtet. Minder jammern, Witter irren. SchlieMch hängt man vgendmie am Wagen und kehrt zurück van ^der Natur . . . '"fT, ’!! Ali. . Set neue Weg der Fürsorge. r Der erste sonnenhelle, warme Maientag. Deshalb kamen beit mehr Gäste nach Neulengbach, als man erwartet hatte. Aus dem Frühlingsgrün leuchteten ihnen die beiden Häuser des Vereines „Gute Herzen" in solcher Farbenfrische entgegen, »aß wohl mancher im ersten Augenblick nicht wußte, welches ras neuerbaute» heute zu eröffnende Erholungsheim sei, und nxlches das „alte", das so viele Wiener Kinder kennen. Besichtigung der beiden Häuser, Festgesänge. der Kinder, offizielle Ansprachen. Bor 82 Jahren ist der Verein „Gute Herzen" als Kinderbekteidungsver-ein gegründet worden. Bald fand er es notwendig, kränkliche, schwächliche Großstadtkinder;ur Erholung aufs Land zu senden. Vor 12 Jahren baute er sein hübsches Haus in Neulengbach und in den Jahren der Lahmlegung so vieler Wahlfahrtseinrichtungen ist es ihm gelungen, das Erholungsheim ganzjährig geöffnet zu halten. Daß eine private Vereinigung heute die Kraft aufbrivgt, ein neues Heim zu bauen, berührt fast wie ein Kuriosum. Was an Lobeserhebungen und Worten der Anerkennung über die Opferwilligkeit, Arbeitsenergie und Umsicht des Bereinsvorstandes und dessen Präsidenten Herrn Schleifer vorgebracht wurde, erschien daher durchaus gerechtfertigt. Die Sprecher und Zuhörer waren alber keineswegs Laien. Wohl zur Hälfte bestand die Schar der. Gäste aus Vertretern von Bundesministerien, städtischen Aemtern, Krankenkassen und den verschiedensten Försorgemstitutionen, die alle an dem Bestand der Erholungsheime interessiert sind und ihre Schützlinge dorthin senden. Er herrscht nämlich in der Fürsorge ein neuer Zug. Keine private Institution, sei es Spital, Waisenhaus, Erholungsheim oder sonst eine Anstalt, vermag sich ihm zu entziehen. Die Mitgliedsbeiträge und Speichen, mögen sie auch manchmal hoch erscheinen, reichen bestenfalls aus, die Gebäudeerhaltung, die Administrativkosten und die Spesen einzelner Freiplätze zu decken. Im allgemeinen muß aber allenthalben jeder Schützling für seine Verpflegst Kurkosten ufw. voll aufkommen. Dabei sollen diese Schützlinge, die 20.000 bis 100.000 K. täglich zu decken haben, den ärmsten, bedürftigsten Kreisen angchören. Da müssen nun Stadt und Laich, Krankenkasse, Berufsorganisation usw. eintreten. Dies erklärt Wohl zur Genüge einen Umstand, der Lei dem Eröffnungsfeste so vielen Besuchern ausfiel. Die Vorstandsmitglieder des Vereines „Gute Herzen" sind fast ausschließlich Jud^u, manche unter ihnen würden gerne vor allem ihre bedürftigen Volksgenossen befürsorgen, dennoch finden sich nur Wenige jüdische Kinder unter den Kleinen, die im Heime zur Erholung weilen. Achnlich verhält es sich bei zchlreichen Mrsorgeinstitutioneu der verischiedensten Art. . Die Juden gchoren nämlich in ihrer Majorität nicht Berufen au, die der Krankenkassepflicht unterstehen, und ein hoher Prozentsatz der Wischen Bedürftigen wird den Ausländern zugszähli. Die KultuSgemeinde mch die Ghewra Kadischa, die schon früher in einzelnen Fällen Zuschüsse gewährten, kannten mm den an sie gestellten Forderungen bei weitem nicht mehr Nachkommen. Deshalb mußte die „Zentralstelle für Mische soziale Fürsorge" chren Arbeitskreis erweitern. Die Organisation aller Fürfforgevereine und ihre Zusammenarbeit sind es, die bei uns Stadt, Land und Krankenkasse, wo diese nicht vinzutreten verpflichtet sind, zu ersetzen suchen müssen.. Die Echolungsfürsorge für die jüdische Jugend im diesjährigen Sommer soll den ersten umfassenderen Versuch dieser Art darstellen. . „SM kommt ihr," wird man sagen, „lange, allzu lange nach Stadt, Land und Krankenkasse, so daß vielleicht viele Plätze für Hilfsbedürftige, die früher den Juden dffen gestanden waren, heute nicht mchr zu besetzen sind." Die Pflicht des Gesetzes fetzt sich eben rascher durch als die Pflicht des Herzens. Siegfried Atze!es, Ser Kimresormkovgred beeadü. Sonntag wurde der Kinorefornvkongreß beendet. Es Mt sich nunmehr ein abschließendes Urteil über die Beratungen fällen. Die Schuld daran, daß dieser Kongreß mt von theoretischer Bedeutung ist, scheint vor allem den Präsidenten der Urania, Dr. Kühler, zu treffen. So wie es verfehlt wäre, einen solchen Kongreß nur mit FilmfachlMten zu beschicken, . ebenso unangebracht erscheint es, die Filminidustriellen und die . Mlminteressenten überhaupt, deren Sache hier verhandelt wurte. ausMchsiden. Mmr sicht, welche merEwürdigen Borschläge hier außge-tMcht sich». Eine Rednerm wünschte, daß nur deutschnationale Filme, eine andere, daß nur chr i stk ich -et Hirsche hevgestellt werden. In dem van der ■ Leitung der Urania ausgöarberdsten Bericht wird mitgeteilt, daß der FWmschviUteller Poriges die Beschränkung der K»«vrefovwbestveblmgen der BolksbAmer auf das Gebiet des Lchv- ' und Külturftlims empfahl. Wohlweislich ist in dem Berichte nicht erwähnt, daß Poriges der Tagung das Recht nutz die Koorpeteng Mfpriach, den Film zu reformieren. Fritz Lang wWete sich gegen die Unternehmer, die oft gange Szenen MS einem Film hermSschMiidenweil sie diese mit - ihren geschäftlichen Interessen nicht für vereinbar halten M verlangte sAr Erwachsene volle Zensurfreihekt, MchNltaitgs kam es zu erregten EWidevungen und 'Lärmssme^ die in dem Berichte HS. PrWdenten Dr. Kößlex ganz iDwwähnt Keibett. Im ganzen mch großen liegt hier der MiWückte Ver- . such einer .gM guten Idee vor, das breite Publikum zur .Mstarbeit an der Berbesstvunig deS Films, der ja AMch. resqvMbeldKMheMWteßM.--' 2Ü.-MÄ 1924 feHe-'l GROSSER KONZERTHAUSSAAL Wladimir fabotinsky spricht Samstag den 24. Mai, 7 Uhr abends, über: „Islam, Europa and Jaden“ Mittwoch den 28. Mai, 7 Uhr abends „Die Krise im Zionismus u. ihre Lösung“ Karten von K 5000 aufwärts ah der Konzerthauskassa; Kehlendorfer, I. Krugerstrasse Nr. 3; Buchhandlung R. Löwit, I. Rotenturmstrasse 32; Bücherstube, U. Taborrtrasse 20a Sie SeWtmordepidemle. Die Zahl der Selbstmorde -und Selbstmordversuche nimmt noch immer zu. In den letzten Dagen ereigneten sich wiederum mehrere Fälle. Samstag nachts hat sich in Citnem Hotel in Mariähilf der 46jähvigs GvunMMndler Johann L. wegen schlechten Geschäftsganges erhängt. Sonntag nachmittags hat. sich der 31jährige Kaufmann Hans Sch. aus - unbekannter Ursache durch Morphium vergiftet. Am 18. d. wurde ein OSjähriger Gejchäftsterter an der -Türangel feiner Wohnung erhängt aufgesunden. Vorgestern nachts hat sich die Z-uckevwarenhändlersgattm Marie F. aus Angst vor ErMndung-durch Genuß von Atropin zu vergiften versucht. Sonntag abends hat sich.die Hausgehilfin -Paula A., UnÄersitätsstraße, durch Leuchtgas zu vergiften versucht. Die Ursache der Tat ist unglücklich» Liebe. Samstag -nachts hat sich die Schneiderin Karoline -M., Sterneckplatz, aus unbekannter Ursache in ihrer Wohnung durch Leuchtgas zu -vergiften versucht. Man brachte sie ins Allgemeine Krankenhaus. Die 30jährige Krankenschwester Hermine Dh. versuchte, sich aus unbekannter Ursache durch Sublimat zu -vergiften. ", Auch ttt Budapest. Aus Budapest wird gemeldet: In der letzten Zeit haben sich, wi-e in anderen Städten, auch in Budapest -die Selbstmorde uNd SMstmovddevsuche gchäuft. Gestern mußte die Rettungsggsellschaft in nicht Wender als 16 F allen von Selbstmorden und Selbstnwrdversuchen intervenieren. zur Linderung des Kiudereleuds. New-Aort, 19. Mai. (Wohf.) Die am 11. d.'iu'LoS- Angeles verstorben L Frau Eugenic Ball in' hat in ihrvm TesteMent den Städten Hamburg- und Wien je 10.000 Dolla* -zur Linderung des Ki-nder-etends vermacht.., ,, > - > ^$K* Abschluß See ÖHett«Gschm WSsttEoche PMt heute, Dienstag den 20. d., im Kaule dev Israelitischen Kultusgemeinde ■Ä 1 Bez., Sertenstettengaffe 4, eine E Konferenz der MttarbeUer M: ' TageSvrduung: ll. Bericht Wer de« Verlauf und das ResEat der Pal8stinEoche, erstattet von Herrn Dr. Nahum Blauer. 2. Aussprache Wer die gesammelten Erfahrungen und über den Aufbau der Keren Hajessod-Arbeit in Oesterreich. Vs ergehen keine gesonderten Eistladungen! Mit Rücksicht auf die Wichtigreit diesev Konfevenz evwarten wir, daß alle Mitavpeitev zuverlässig leilnehmen. ' Das Präsidium der Oefterreichischen Keren Hajessov-Kommission. Morgen, Mittwoch: Jüdische Bevsammlung in Flovidsdovf im Bortragssaale des Cafe Klein, 21. Bez., Am Spitz 2, halb 8 Uhr abends: „Der Verlauf dev Ocsterreichischen Palästina- Woche." Zteserenten: Dr. Joses Löwen Herz uyd Lehrer Aaron Schwertsinger. Morgen, Mittwoch den 21. &, findet im Hotel Continental eine ) ' . Bevsammlung dev Spanivlen fiittt. Cs werden Herr Rabbiner Dr. David Feuchtw ang Herr Ovetbaurat Ing. Robert Stricker Wer den Ansban des jüdischen Palästina sprechen. Beginn 8 Uhr abends. Me Massive ReWenz im Svitalrbrtriebe der Gemeinde Mm. Nach der Einstel'ur.g der passiven Resistenz m den Fonds» pitäteru würben gestern sofort die Verhandlung en -zwilchen der Orgauisatiou der Hilfsärzte und den Städträten andter und Speiser-wegen der von der Gemelrnde verwÄteten Soi«äler geführt. Die Organrsatro-lv der Hilfsärzte bertef sich dLüei auf einen tZeinei-nderatsbeschluß vom.7. März 1824, der ' unter arideren', die jeweilige Echöhnng Gier Bezüge ' .in demselben prozentuellen -Verhältnis zusichert tote die Bezüge der Gernernideangestellten vom Marz 1921 gesteigert weÄen (Jndexprinzip). Die Gemeindevertreter erklärten zubillige,r z« wollen, daß den . der Gemeinde -unterstellten, Mfsärzten momentan dieselVen Zuwendungen gegeben werden, wie sie das Ministerium für soziale Verwaltung den Fondsangestellten zugebilligt hat und daß sie von nun an auch genau dieselben Bezüge erhalten sollen wie die HAfsärztc m den Fondsspitätevn. Wenn die Organisation der-Hiffsyrzte keine höheren Forderungen stellen Wirt»,-als gegenüber der FondSverwaliung gestellt wurden, wird dte Passive Resistenz chesten? eingestM werden. / Einigung in deu Fon-ssPrtSlevn. Der Reichsverband der SPiicklsLrizte Österreichs ' t-eiü mit: Der passive Widerstand an den FondDPiMern und am KviEgsbLs-chädigtenspital wurde gestem restlos beertdet' 'Da mit der Gemeinde Wien noch keine Mrkgung erfolgt ist, -werden heute in den Gemeindespitälern die Amibulatori-LN gänzlich gesperrt.. Die Aufnahme in dvinKühLN - Fällen erfolgt nur durch den JouvnMrtzt. Es werten nur diejenigen schriftlichen Arbeiten durchgefühvt, welche zu den dringendsten Behelssn der Kranken notwendig sind. Sollten die BerhchMMgen mit der Gemeinde im Laust des heutigen Tages zu-keiner Einigung führen, so würde der posiftve Widerstand am A. d. in den vollständigen Mreik vertvandelt WM». ' . - Sw Wetter. A-m gestrigen Tage war schönes, heißes Wetter. In'Tiro, stieg die Temperatur -sogar über 25 Grad. Die rasche ErtMmung wird von Westen durch eine warme SWveststMumx gebracht. Für heute ist weiter warmes-Weiter .cmgMndigt, da§ heute abends Mr morgen eine Derschlechterty^ durch einen GeWArrregen erfahren soll. Dev evste HWHlchg> Gestern mittags ist der SSjShrtge AngchW tzes' Haust», der Barmherzigkeit, Mrl Bankhüber, in der -^wisingerstraße vom Schlag getroffen Worten. Die RettungSgeseMafl übevführte ihn in das Krankerchaus, doch ist der Mann dort, ohne das BewuWein wiederertangt zu hoben, gestorben Nach ärzt'kchsnr Gutachten ist «r einem -Hrtzs ch!<a>g evle-gen Sie fiöcttsmtttetamÄt. GeMse bedeutend bM-«, D-cr gestrige Tag brachte eine wesenMchs ÄeMNgung fü alle Arten von -Gsmüst, namenMch für Gärtneruted Feld» sal-at, welcher auf die Hälfte, beziM«gSw>ei!st 'ein Drittel des bisherigen Preises sank. Auch für Spinat P der Preis echsWch zurückgeigangen. Der MavUpveiS betragt 2000 M'2800 K. pro Kilogramm. JtMenische Kirschen kosten allertings noch 'immer 17.000 Vis 22,M K,- . ' 'v?" Wr«N, 20. Mai. Gewerbelegitimütiouen für WMMgsttiftttde. Da mit Rücksicht auf das Uebechcmdnchmen von Hausierern die Poli- Miche Kontwlle in den Bundesländern derzeit sehr strenge gchandhabt wird, empfiehlt das Gremium der- MMer Kastfmannschast -allen Firmen, welche GeschäfisMstnde /verwenden, dringendst, von den Mständigen magistratischen Bezivksäurtern für ihre Reisenden Gewerbelegäitimationen zu verlangen. Die notweMgen Formulare sind Ebenfalls dort er- * Versastuttg eines Erpressers. Am 16. d'. echielt em Geschäftsmann in MeiMng einen arwnhmen Brief, in dem er auifgesortert wurde, bis zum 17. d. fünf Millionen an der Kasse eines Kinos zu hmterlegett, widrrgenIfallK der Briefschreiber das Gerücht über BszichlMgen ’ber Gattin . des Adressaten zu einem Geistlichen vertffenüichen werte.' Um den Erpresser zu erwischen, wurde em Kuvert an der Kasse; des Kinos hinitertegt, und als der Schreiber kam, es abzuhvlen, wurde er Mgehalten. Er ist der A^ährige BäckevgchKst, Ladislaus Pekarek. Er gestand die Tat ein mrd gab zu, den Brief deshalb geschrieben zu haben, weil er Geld benötigte, um seiner GeAMen, die Mutter werden soll, Möbel zu kaufen. Eine aufsehenerregende Szene am Donänkanal. Gestern gegen Mittag hat sich auf der Schwedenbrücke eine aufsrhencrregende Szene übgespieü, die augenscheinlich durch einen Irrsinnigen hervorgerustn tvurte. Gegen Mittag: beobächteten Passanten einen jungen Mann, der auf den Tragflächen unterhalh der Fahrbahn der SchwedeMrücke herümkroch, sich dann mitten über devr Donaukanal niederhockte mrt sich nicht rührte. Da keine MöAichkeit bestaird, den jungen Mann-ans Ufer--zu bringen, wurte die Feuerwehr alavnMt,' welche auf.der Brücke die Geräte aufstellte. Ms der Mann Feuerwehrleute sah, die Anstalten trafen, uMrhaW . der Brücke' auf die Trag'balken zu gelairgen, kwch er auf den Tragflächen an das Ufer, wo ihn die Rettnügsgesellschaft übernahm, die chn zur Ue'berprüfung st'mes GeiisteszustaMes auf das Polizei-kornmissariat brachte. Der. lotm ist ein 21jähriger Beamter. Wiederaufnahme des Gesamtverkehres Strecke Pfafstn- ,'chlag—Kienberg-Gammg auf der Ubbstaltechn. Nach Beendigung der RäumunasaMiten auf der wegen.Felsrutschung gesperrten Strecke Pfaffenschlag—KiLnberg-Gamnig der Mbstalbchn wird ab Mittwoch den 31. -.'der Gefämwerkebr in der geyan-nt-m Strecke wieder aufgenmnmeL. - ' ^..