Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1890 (20.5.1924)
- Date
- 1924-05-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wen, TieMag U'r Wir erhalten folgende Inschrift: Oer Herausgebier ' des „Morgen" und des „Tag", .Herr Maximilian schreie r, hat vor Zwei Wochen wegen.meiner StellunLnahmie gegen den Redakteur seiner Blätter, Hugo Bettauier, im „Morgen" einen Angriff gegen meÄte Pierson unteriwmmött. Er hat mich einen Mamc gerrannt, der ans „verschiedenen Gründen das Recht verwirkt hat, in Fragen der Sittlichkeit illttch, nur ein Sterbenswörtchen mitzureden", ohne di^se verschiedenen Gründe. anzuftchreu. Ich habe daraufhiu Herrn Maximilian Schreier einen feigen, niederträchtigen Verleumder geüaMt und ihn aüfgefordert, mich im Gerichts,aale Zur ^Verantwortung zu ziehen, und seine Gründe zu nennen. Herr! jSchreier hat nicht geklagt und seine Gründe nicht genannt, sondern es vorgezogen, nochmals seine arwnymen^Verdächtigungen. vorzNbringen. Er hat gleichzeitig mei-m^ Freunde und die. zionistische Partei zur Stellungnahme aufgefordert. Sowohl Meine Freunde und Mitarbeiter in der- „Wiienex Mow tzenzeitung" als auch! die Zionistische Parteileitung hüben Schreiers Vorgehen als Verleumdung gebran'dmarkt. v i Nun rückt Herr Schreier mit. seinen Gründen heraus. i Er behauptet vorerst, ich hätte Hugo Bcttauer, einen '„ÄbeMnben Zeitnngsmamr", mft alttestamentarischem Haß verfolgt und ums Brot bringen wollen. Ich habe Bettauer nicht etwa wegen seimr Ansichten über Grotik,sondern wegen gewerbsmäßiger Kuppelei angeklagt, und seine Auftraggeber und Kollegen ansgefordert,' öffentlich, Hu erklären, daß sitz dieses Treiben verurteilen. Herr Schreier hat dies unterilassen. Als im Auslunde diese unsaubere Affäre dahm ansgelegt wurde, daß die gesamte' Wiener Journalistik korrupt^ verlottert und'käufliche sei, Hube ich meine Aufforderung, das Aireiben .BetLaners öffentlich 'abzulehnen, wiederholt. Ob ich damit das Recht verloirkt habe, w Fragen, der SittlichkeÄ ein SterbenÄvörtchen mitzuteden, möge die Oeffentlichkeit entscheidet . . Darm behauptet-Herr Schreier, ich hätte einen Journalisten «usgebeutet urch durch. Rabnlistik um die ihm zukommende Entlohnung gebracht. Bezeichnenderweise mtterläßt er es, den Namen dieses Journalisten Zu. nennen. Ich habe nie' Gelegenheit gehabt, aus dtzr journalistischen Arbeit irgendeines Mannes irgendwelchen nrateriellen Nutzen zu ziehen. Ich habe nie i>m Leben jemanden ausgebeutet. Die Behauptung des Herrn Schreier ist erlogen Zum Schluffe behauptet Herr Schreier, ich wäre än „einen Mam herangetreten" und hatte ihn. durch gehässige, publizistische Angriffe zur Leistung von Beürägen „für Partei- oder sonstige Zwecke" notigen wpllen. Herr Schreier nennt wieder keinen Namen. Ich will Herm Schreier aber.doch zur Aufrichtigkeit verhelfen und nenne den Namenr Es handelt, sich, um den.Präftdenten der. Umvnbattk, Herrn' Sjegmund Bösel. Im: Freundeskreis des Herrn Schreier G das Gerücht fabriziert' worden, daß ich Herrn Bosel durch journalistische Angriffe zum Geldgeben für Parteizwecke genötigt hätte. Ich habe, wie bereits einmal in der „Wiener Morgenzritung" erklärt wurde, die entsprechenden Schritte wegen dieser Verleumdung, welche Herr Schreier nunmehr ohne Namensnennung wiederholt, unternommen. Ich habe den Freund des Herrn Schreier, dessen Sache von Herrn Schreier als sittliche Angelegenheit so eifrig betrieben wird, den Redakteur Hugo Bettauer, geklagt. Im Gerichtssaale wird also in Kürze über diese perfide Verdächtigung Klarheit geschaffen werden. Ich...habe im Vorstehenden die Gründe des Herrn Schreier mitgeteilt, derenchalben ich nach seiner Darstellung kein Recht besitze, in . Fragen bev Sittlichkeit auch nur eiü Sterbenswörtchen.'Mitzureden. Ich bleibe bei meiner Behauptung, daß es sich, hier, um feige Verleumdung handelt. Robert Stricker. (Eigendienst der ,M-ener Morgenzeitung".) Konstantirwpsl, 19. Mi. Die politischen Beziehungen zwischen der Türkei und FvaMeich haben üiberraschenderweffe.ein« nicht unwesentliche Trübung erfahren. Die Regierung von Angora hat schon des öftern von Frankreich die Erfüllung der seinerzeit vom Frankl En- Bouillon gsrnachten Auisage einer AutonomifierlMg der Hafenstadt Antiochia Verlangt. Das Schweigen der Pariser Regierung auf diese Forderung hat die politischen Kreise der Türkei derart erregt, daß sich Mustafa Ke mal veranlaßt sah, im Ministermt die Msendung einer Protestnote nach Paris zu -beantragen. In dieser Protestnote wird die tückische Regievmig zunächst wegen der Kämpfe an der syrischen Grenze Ver- Wahrung ein/ .en und sodann in strikter Form die Einhaltung des sürnertzettigen Abkommens Wer die Auwnomifierung der Hafenstadt fovdevm Antiochia fft der einzige große syrische Hafen, der einen freien Zugang zu dM syrischen Mandatsgebiet hillidet. Beginn der englisch-türkischen Koaserenz. London, 19. Mai. Heute begannen die Verhandlungen zwischen Sir Percy Cox, dem Vertreter Großbritanniens, und Fethi Bey, dem Präsidenten der tückischen Nationalversammlung als Vertreter der Regierung in Angora über die Mossulfrage in..Konstantinopel. Nach Artikel 3 des Vertrages von Lausanne soll diese Frage in freundst?« st uchen Verhandlungen zwischen Großbritannien und dir Türkei geregelt werden. Falls beide Mächte nicht einig isoll ein Schichsspruch de- BMechWihes er. ' >..'«> MX," » >> Steifet 2Ö. .M. Wi '* * M: IM Ermordung zweier englischer Wzlere durch London, 19. Mai. (Tel. der „Wiener Movgenzeitung".) Räch Einer Meldung aus Jerusalem sind bei G h e z a zwei«ngltsch e Offiziere durch W liste nb öd Uinen örMordet wovdeN. Auch die Armee füll uNabhÄrgig Macht werden. Kairo, 19. Mcki. In Erwiderung auf eine Anfrage in der Kammer sagte der K ri egsmi n i st er, es sei nicht vereinbar mit der Würde des ägyptischen Königreiches,->daß sein Posten von einem Ausländer be- Der PreMieM-inffter ecklärte, M RchiMNg wünsche, daß'die ganze Amck Md Es damit zusammenhängende ägyptisch sei, und arbeite an der Erreichung dieses Zieles. und dM 4 ' (Eigendienst der „Wiener Movgenzeitung".) Washington, 19. Mai. ' Das aMerikanU . , hat trotz Coolidges Veto mit 319 gegen 78 Stimmen das Gesetz über die So 1 däten « n t s ch ä d i tzUng a n g e n o inttH n. Die Regierung und das PücküiNtzttt find über eine. Anzahl grundsätzlicher Frageü UtteiNig, -darunter über die Frage des Weltgerichtshoftzs, der Ei ntv a nd e ru ng shesti mmu.n.g e n, der Grle i Hteru ng v o n S teu e r ma ßnähman für Farmer.und einer ganzen Gruppe von Gesetzen, die eine starke Vermehrung der Staatsausgaben .bringen würden und nach Ansicht Coolidges die gegenwärtigen' Hoffnungen bet amerikanischen Rütionälwirtlchaft zeritörett würden. Jedenfalls dürfte.Evolidge,. der.Mern. Ncht.srErankt. fft, den repüblllänischen KvnNNt'' irft Inni l auch dann .ganz' .de» herrschen, wenn er jetzt im SeM neUMich eine Niederlage erMen sollte. f UM« und Griechenland. (Eigendienst i>er „Wiener NorgenMung".) Athen, 19. Mai. Der italienische Gesandte überreichte gestern dem Präsidenten der Republik sein Beglaubigung s s ch r e t b tz n. Der Gesandte eEärte, daß das neue Regime Griechenland die Ruhe sichern werde. Sswjetmßka«d und Griechenland. Moskau, 19. Mai. Der ehemalige Botschaftsrat der Sowjetunion än Detütz^ Ust i n o iw, fft als Wollmächtigter PeMeter der Mwn.nach Athen äbgereist..Er. fft .der erste Vertretet dtt. Sotvjetumvn. in Griechenland.. . TkMenveeschiebungen an der rnsstsch- (Ei gendienst der ,Miener Movgentzkitung^.) Bukarest, 19. Äai. Zwischen Bratianu und dem Kriegsminffter General Margare'seu fand eine Besprechung bezüglich der militärischen Maßnahmen an der Dnfefirgrenze statt, da nach den hiestgen Informationen die Russen Ttuppengruppiierungen an der beßarabischen Grenze vornehmen. Rumöm'ens Schadenersatzansprüche an dle gentrasmWe. Eine erregte Konferenz in Galatz. (Eigendienst der ,Mener Morgenzeitung".) Bukarest, 19. Mai. In Galatz tagt eine inMnationale Konferenz, welche über Rumäniens Schadenersatzansprüche an die Zentralmächte wegen der Beschießung von Galatz während des Krieges und über die Ansprüche der inteirnatiomlen DonaukonMWott wegen der Zerstörung ihres Gebäudes zu entscheiden hat. Es nehmen daran außer Mitgliedern der Donaükommffsion, Vertreter und Experten der alliierten Mächte sowie Deutschlands, Oesterreichs, Ungarns und Builgavienö teil. Den Vorsitz führt der französische Delegierte Martin. Amerika fft ebenfalls vertreten. Die Verhandlungen waren s e h r e r r e g t, da verschiedene Zentvafftaaten die Verantwortung an der Beschießung a'blchnen. Die Alliierten bestehen auf der Enffchädigung auf Grund der Friedensverträge. Es handelt sich darum, festzustellen, welche Staaten an dem Bombardement teilgenommen haben. Die Entscheidung dürste morden fallen. 4 -—- ' ‘ :m zwischen Balarrilllva und Mausenbnrg., (Eigendienst drr „Wiener . Morgenzeitung".) Klauftnburg, 17, Mai. Wie der heute erschienene „Uj Met" berichtet, haben auf der Strecke Balaszsalva— Klausen bürg gestern große Ausschreitungen studentischer. Hakenkreuzler gegen jüdffche Reffende stattgefunden. Es wurden mehr als hundert Personen blutig geschlagen, von denen eine große Anzahl mit schöneren Verletzungen in die Spitäler gebracht werden mußte. Die Ueberfälle nahmen .ihren.Ausgang von einer in Balaszsalva äbgehaltener: Studentenferer, wo Demonstranten gegen den dortigen Tempel borgehen wollten, was durch, das energische Verhalten der Behörden und der Gendarmerie verhindert werden konnte. Das Mitglied des studentischen Ordnungsausschusses, Professor-Stephan Pop, be'nühte sich, beruhigend zu wirken. Das jüdische Rechtsschutzbureau Siebestbürgens wich die Ein politisches Attentat in Gegerr das „NordbShwische Tagblütt". (EiMdienst der ,Mießer Morgenzeitung")) ' Prag, 19. Mt. Das in Tetstheu MeittM „Nord.- böhmische Tagblatt" berichtet, daß in der Rächt diitf Sams-- täg unbekannte Wer in das Gebäude seines -Verlages emfovuMn Firn und tzwei Bomben, anscheinend i ana ten deutschen Ursp tot ÜZ s, ittbckH au sflnv gelegt Niteü. Dü. aber die durch den Torspalt ins Freie geleitete Zündschnur drei ZentiMier -vor Erreichung der Bombe ve-rlöschtfft, Mt es zu keines Explosion. Bon den Tätern fehlt -Me GM. Das Mtt meint, daß es sich um den Versuch eines Politischen Attentats ~ Identen mt bildet ein Die Mchschtitta wird vertagt. Belgrad, 19. Mai. Nach dsm Empfang des Prä der ÄMtztiNa bevlff kt König hm Paste MMÄich ins PMis uO betraute ihn Mit der- BiilduUtz eines Geschaftsministeriums, das die GessM der Skup.schtina sogleich zu'schließen Und die RögteMtigsigeschäste bis zur Eröffnung der Herbst-' sess-ibn des PaMdstents zu führen hatte. Man glaubt, datz'' .Pa-sie dWr Kön'ig die.Liste seines brshertg.eu Kabinetts vorlegm Mvde. .so -daß die. Krise, morgen Hvött f o t m ell e n A b s ch ll'u ß finden dürste, Ser Nntzrstreik. Der Kampf um den Achtstundentag. Berlin, 19. Mai. Nach einer Erklärung der Bergt , avbeiterveMnde fft einer der H aup t st reit p u n i t e -MWett den beiden. PnOeien' hie Beurteiluny der Frage, welche Arbeitszeit gWMväcklg'zurecht bfftche. Der Reichsarlbeitsminister ist deshalb heüte an den Vorsitzenden des ReichMpff'HaftsvaW .Mit der. Bitte chevangetreterr, sofort uinlpackeiische aOeltsvechtsEundige Juristen namhaft zu machen, die Wer die genannte Rechtsfrage -nach Anhövu^ng des SdaOPnMs der heistm Parteien in mWM kucher FM M MOaMn MMy Men. -! 'C.'* . 1 ' ■ / ' avrt.W.^ .h+tmmm* ' '' r ziviler AnsnaWszastaad Über die Regimentsfeler«. Berlin, iS. Mi. Wie der .. heute im ReichsvütssitzNngsisaO des Reich fprechung -von WrtretLM der IMWWffts der statt, die der Anmttdung des AiK" zustaudes auf die. von'M MchtsÄ ern UM W, fa nd "eine De- Ut M. in der «nvapester Partei. (Eigendienst de« „Wiener MürMzellMg".) 7" BüdchP, 19. Mai. In der Partei Wokf-Zichy, welche namentlich im StMhause dominiert, -aber auch ttt der großen Politik als die geräuschvollste Antisemit e n p a r t e i ein« Rolle spielt, steht eine.Spaltung bevor, indem Wolf und einige soimr aggressivsten Anhänger in die Opposition gehen, während Graf Fvhann Z.i ch y, der gemäßigterer MsimMng fft, eim parte-ilose Haltung einnchmen will. Dieser Scheidungsprozeß würde eine Klärung namentlich fn der hauptstädtiischen Politik bringen, in welcher die a-nttse'mitffche Richtung bisher vorgeiherrscht hat, die sich jedoch angesichts des Umschwunges in her Stimmung der Mhlevschaft immer mehr zWückgchrängt steht. :a usSu- Mdüche «Mttbnndyga. |r Die Jüdffche WAeckurMga für Oesterreich, Wer deren könstitll'ierende BersamWung wir ausführlich berichtet haben, tritt morgen mit «wer größeren WerbeveffouMUng vor das PüNkum. Der gewesen« Boffchafter Öfftsrckich-Pngarns in WaHingwn, Herr Dr. Konstantin Dumba. Präsident der österrsichischen VWePbuMiga, wird Wer Entstehung und Zukunft desBS-lkerbuudes sprechen. Nach ihm wird Obeckaurat Robert Stricker Über daß DhentL- ,D e r B ö l-. kerbund und die Iudeu".referieren. Der Abend, den dir Präsid-ent der IÜVffchen BöHevbundliga, Oberrrbbiner Dr. Ehajes, .mit einer. Ansprache eröffnen wird, findet heute um HM 8 Uihr abends im Festsaal des Ingenieur- und ArchttcktynverMeS (1. Byz., Eschenbachgaste S) statt. ■ - - FinanMe Mhandlnagen mit der Achecho- Slowakei. Mer den Ausgleich privatrechtlichtt ForVerWgen und Schulde». a, 19. Mi. Heute bgannen im Finanzmin-tsterium rügen mit den ö, st erreich i s ch e n Delegierten. Über den Au s gl ei ch p r i v-a trechtlicher Ford e» L u n g e n und S ch u l ddie auf österreichisch-unga-; rische Kronen lauten, also solcher Fovderung-en, die vor dem 26. Februar 1919 gemäß der Konffriptionsberordnung VM 7. August 1922 enfftandenffind. Vorsitzender her tschechollowäkffchen Delegation ist Sektionschef Dr. Vlasak, Vorsitzender der österreichischen Delegation fft Ministerialrat Dr. Schönberger. Die österreichische AbvechnungsstellS ist durch SekttottSchef Dr. Schreuer und Obeckanb^r geviWrat Dr, O i««neski g vevtrettzn.