Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1888 (18.5.1924)
- Date
- 1924-05-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1888 > ' Wien, Sonntag ,” 'sr: 'rv Wiener Morgenzeitung. 18. Mai 1924 " ' : «eite l tu WMr-MMMt sind ,Dr. Hofb«ners Entfettungs-Tabletten von bester Wirkung, angenehmem'Qeiohmack, vollständig unschädlich. Kein Diätzwang oder Aenderong der Lebensweise, prompte Gewichtsabnahme. Keine SchllddrUsa I?or Kein Abführmittel! Depot: Apotheke H. Bayer, Wien, I. Wollzeile Nr. 13 Warschau, 17. Mai. (P. T. A.) „M onito r" verösftnteicht Vas Gesetz, wodurch die Ausfuhr von Petroleum verboten wird., Der Präsident der Republik hat jedoch «>a§ Recht, das Ausfuhrverbot über Antrag des Minislermms für eine gewisse Zeit aufzuheben. . WairWlt, 17. Mai. (Tel. dev „Wiener Morgen- Leitung".). In den Couloirs des Sejm zirkulieren seit einigen Tagen Gerüchte über eine bevorstehende Umbildung des Kabinetts Grabs ki, die man mit dev durch die französischem Kammerwahlelt geänderten politischen Konstellation' erklären will. Da diese Gerüchöe mit großer .Bestimmtheit auftreten, zog Ihr Korrespondent an informierter Stelle Erkundigungen ein. Es wurde ihm mitgeteilt, daß die Frage der Rekonstruktion der Regierung Ende des kommenden Monats, spruchreif werden wird, wenn nänr-- lich die dem Kabinett Grabski erteilte E r nt üchtigung abläust. Es wird der Plan erwogen, eine Parlamentarisierung der Regierung vvwznnchmen- und es liegt auf der Hand, daß eine solche unter den gegebenen Verhältnissen nnr im Sinne einer Orientierung nach links versucht Werden wird. Es würde sich hierbei um die Wiederholung des nach,, dem Rücktritt Witos gemachten Versuches handeln, und es wird wiederwie damals der Nante des .Abgeordneten Th ugnt als desjenigen Politikers genannt, der die Kabinettsbildung in die .Hand nehmen soll. Ebenso wie damals müßte auch, diesmal der Versuch gemacht werden, einen Anschluß des jüdischen. ParlameutsklubS au die Linke zu erreichen, da eine Linksregiernng bei Opposition des jüdischen Klubs nicht von Dauer sein, könnt!.'. Als künftigen Außenminister nennt man den. derzeitigen Vertreter Polens im Völkerbund, Stennt v. Skry u ö k i. — Die aus Prag hierher gelangten. Nachrichten, über die bevorstehende Ernennung des Wiener Gesandten Grafen L a s o c k i für den Prager Posten, werden Ihren: .Berichterstatter als unbegründet bezeichnet. Wie ei« „politischer Mord" gemacht wird. Zu unseronr unter diefein: Titel in der gestrigen Rümmex der ,Mienen Morjgenzeiiüng" erschienenen Bericht Wer 'bi-e MeModen. weLcher sich die Presse der Agudas Jiftoel i-m Wahlkampf aMWch der jüdischen Gemeinde- Wahlen in Polen bedient, echalte-n' wir von dom Verantwortlichen Redakteur dev „iJindiischeu Wochenschrift" in Wien. Herrn MaMel G r!ü n Wald, folgende Zuschrift: „Trotz der ernsten und sachlichen Dementis der . gesamten Wischen Presse «in Polens sÄveid sie nicht im Dienst der Ägnda-Propaganda stcht, Meiden besonders die Organe der Aiguda'außerhalb Polens bei der politischen MorÄpropaganda, die aus iGmnd des Vorfalles in Aus Heinrich Heines Studentenzeit. Bon Professor Dr. Wilhelm Stein. ■ Es ist gewiß nicht gleichgültig für die Beurteilung des Dichters von „Deutschlarrd, ein Wintermärchen", ob seine hohnvolle Kritik deutschen Wesens lediglich besserwissevischer Spottlust -entsWng pder auf bitterböse jLvlehnisse zurückzuftihren ist, .s Mit wahrem Ernst stürzt sich der junge Student gleich bei seiner Ankunft in Bonn -in gernmnistische Studien. Sein Brotstudium, die Juristerei, läßt er links liegen und imdmet sich mit Ferreveifer dev deutsche:: Altertu,nrsknnde, die er -in ihren EmzelgMeten. wie Urgeschichte, Sprachforschung, Rechtsentwicklung, zu erringen strebt. Noch schaut er auch mit inniger Verehrung zu August Wilhelm v. Schlegel -auf und feiert ihn. in durchaus ehrlich gemeinten Sonetten. Won der naiv enthusiastischen Art dieser studentischen Frühzeit entwirft Heines Freund Friedrich SLeinmann eine kulturhistorisch recht-lehrreiche Schilderung, indem er von dem Lebenskreis rings um den jungen Heine sagt, daß er sich „durch einen hohen-GM von Sittlichkeit, durch tiefe Erkenntnis ihres Zweckes, durch richtige Ergründung des akademischen Lebens und Studiums-und ihrer späteren Stellung als wissenschaftlich gebildete Glieder in -Kirche, Staat und Wissenschaft auf das vorteihafteste auszeichnete. Ferne von wüstem Treiber:, zügelloser Roheit und Gemeinheit, in innigem Verkehr -und vereintem Streben nach Ausbildung mit und zueinander wechselndem Studium und Austausch der Ideen-mit den Freunden des geselliger: Verkehrs in umMoser Sittenreinheit und beüvährter WreHastigkeit"« v Die Freunde dieses Kreises zog Heine sogar der damals Mherrden Bonuer.Burschenschaft, der „Allgemeinheit", vor, m die er ungeachtet jseines Judentunrs ohne weiteres ausgenommen worden war; sein Leibbuvsch.war der nachmals so berüchtigte FranAoseufresstr Wolfgang Menzel, dem ja auch Heine wiederholt -irr seinen Schriften recht iü&el mitgespielt hat. Vom weißen Flauschrock und dev roten Mütze -bis zum Pseisenkopf mit schwarz-wt-goldenen Quasten machte'er alle die Aeußerlichkeiteu der Studentenmoden mit gleichenr Eifer mit, üvieer auch anderseits |gttf Jahrestag WiverMtsgründung aus 'dem Dra- London« 17. Mai. Heute gab eS an der Börse so großes Angebot von Geld, daß die Geldgeber in großer Bedrängnis auch zu l»/a% zu anno ihr Geld nicht anbringen konnten. Dian spricht aber dieser Erscheinung keinerlei Bedeutung zu, weil am Samstag zu wenig Besucher auf dem Markt sind. Silber stieg um .IV, auf Ankäufe von Kontinent und von. China. Der Preis war 33'/,«, Terrninware 33»»/„. London, 17. Mai. Devisenschlußkurse: Prag 148, New-Aork 4.36»/,6, Paris 75,77'/«, Brüssel 89,87'/-. Rom 98,06 '/„ Zürich 24,62, Madrid 31,47'/„ Amsterdam 11,67»/«, Kopenhagen 25,80'/«, Christians 81,40'/„ Stockholm 16,42»/„ Helsingfors 173-/«, Berlin 18,75 Billionen, Wien 310.500, Athen 215'/,. - Londoner Börse. New Orleans 24 bis 50 Punkte niedriger. Amerikanische Effekten: Akinson 103, Baltimore 62-/«. Great Northern Vorzugsaktien 57»/„ Nordische Paeifiie 59, Reading 52'/«, Southern Pacisiie 89, Union Pacific 131%. Canadian 138V«, United Steels 95'/„ Vorzugsaktien 118%, Royal Dutch 54»/*, Shell 38'/,. Kupfer besser, Kassa 60,17,6 bis 61,4 also 12 Schillinge niedriger. Ausländisches Blei 99,10, Messing 30,17,6, drei Monate 31,2,6, ausländisches Aluminium 130, inländisches 126.' Zucker: Es zeigte sich etwas mehr Interesse. Weißer Terminzucker fester. Mai 25,9, August 24 bis 24,1»/,, Dezember 20,3, März 20.90, weißer Java, Mai-Juni 23, Juni-Juli 22, Juli-August 21, tschecho-slowakische Granulate 25,10'/, bis 26 franko Hamburg, amerikanische Granulute 27,6, ftanko Bord London. B a n m w o l l e: Anrerikanische Tenninware eröffnete 17 bis 22 Punkte niedriger. Schluß 31 bis 22 Punkte niedriger. Mai 17,22, Juli 16,75, Oktober 14,53, Jänner 13,99, März 13,37, aegyptische 25 bis 20 Punkte niedriger. Mai 21,80, Juni 21,60, Jul: 21,50, August 19,60, November 19,10. Äew-2)orkr-» 17. Mai. (Radio.) Devisenschlußkurse: Taggeld nonriinell, Wechsel auf London 4,37, 60 Tage-Wechsel 4,34, Paris 5,71, Amsterdam 37,87, Prag 2,95, Berliner Schlnßkurs 23-/» bis 22'/-, Silber 65-/,. Triest, 17. Mai. Amsterdam 830 bis 845. Brüssel 108 bis 110, Paris 129 bis 130, London 98 bis 98,52, New-Aork 22,35 bis 22.475. Zürich 398 bis 400, Bukarest 11 bis 11,60, Prag 66,25 bis 66,76, Budapest 0.0267 bis 0,325, Wien 0,315 bis 0,325, Zagreb 27,70 bis 27,95. M a i l ä n d e r Mittelschlußkurse. London 98,372, Paris 129,45, Zürich 399,25, Prag 66.25, Belgrad 27,85, Amsterdam 843, Brüssel 109,75, New-York 22,60. Zendr>',eiew betrieben wird. Daß die Darstellung dev ü:.cvul)ifti!|d)en Presse vom AnfaM bis sunt Ende uMvahr ist und wie sie im eigenen Lager gewertet «wird, dafür gibt es nun ein schwerwiegendes Zeugnis. Der R ab bin er von I >endrzeje w. ein Parteigänger der Aguda, hat an eine Anzahl von jüdischen Blättern, 'darunter auch an die Wiener „Jüdische Wochenschrift", folgendes Schreiben mit der Bitte um VerüffeMichuug gerichtet: „In der -Zeitung „Der Jnd" Nv. 336 ist eine Nachricht aus Jendrejew abaeidruckt, daß infolge eines Parteikampses mn die bevonsichenden Kehilla-Wahken ein 17jLhriger junger Mann ermordet worden -sei. Als ich diese Nachricht erblickte, stand ich überrascht da und fragte mich: Welche srevllerische Hand konnte diese Fälschung einer Zeitung -Mr Veröffentlich ung zugeschickit haben? Es ist wahr, daß ein junger Mann von 12- -bis 14jahrigen Rmtsbolden getötet worden ist, die aber weder selbst noch ihre Wtern-irgend einer Partei <mgchören. . Es zeichnet im Namen der Wahrheit und der Gerechtigkeit Rabbiner.Jechiel Jesaja Weinberg. Jendrzejew, den 2. Jjar 5684. Dieses Schreiben ÄbeMitÄe ich schon jetzt Ihrer Re-? daktion, damit der KoevHastm KampaMe,, welche die KWdapresse führt, so rusch 'wird tnoglich durch die^ VevöffeMchu-ny diches WWdevle,AiKy> ''ZeugnWs M Kndtz M setzt werde.-; ' Herrenwäfcht nach Maas Berthold Schee in ien: III. Landstr. Gürtel 19, LO, 4, 1 Ae ftöndige Kabinettskrise in gugoslawiei Belgrad, 17. Mai. (Tel, der „Wiener Morgeuzeiituntz.'. Die Verhandlungen des demokratischen Führers Davids vie wegen der Bildung emer KonzentratiivnZre-gi! rung sind ergebnislos verlausen. Da der König die Bildung eiiner Wahlregsernng ai Lehnt, kann es unter Umständen Mch zur Bildung einer «es tralen, außerparlamentarischen Regierung kommen, an der« Spitze der Wojiwode Steptnovie treten würde, der geste: dringeltd nach Belgrad berufen wurde und. heute in Andrer beim König erschien. Ivland. krleichterungen im Reiseverkehr. Statt des Bifumstempels — Sichtvermerkmarkeu. Der Abbau der Reiseverkchrsbeschränkungen geht nur sisi zögernd vor sich. Trotz des Grazer Abkommens weigern sich d zentraleuropäischerl Staaten, den BisnmKvang aufzuheben un die Paßschikanen zu beseitigen. Die Tschecho-Slowakei hatte si> seinerzeit bereit erklärt, das Paßvisum ausznlassen, - wer: Qestevveich sich zu demselben Schritten entschLösse. Dies ist jedoi! nicht geschehen, weil für Oesterreich die Paß- und 'Visrlw gebühren einen so bedeutenden Betrag ausmache: daß hierfür die Kosten der meisten ausLvärtigen Bertretunge: der DonanrepubM bestritten werden können. Werden die Pah und Vifumgebühren als Einnahme des Außenamtes gebuch werden, so würde dieses sogar eine Akt iv post im Budge bilden. Nunmehr hat man sich in Wien, wie Handelsministe Dr. Schürfs jüngst mitteilte, zu einer Erleichterung der Visumvorschriften entschlossen, die jedoch nu' den nach Oesterreich Einreisenden vorderhand zugutkommen soll. Die Vifumgebühren werden irr Hinkunst in Sinne des Grazer Abkommens in einheitlichen Beträgen fest gesetzt werdem (10 Goldsranken für das Dauervisum, 7 für di einmalige Hin- und. Rückreise uiw einen Goldfranken für di? Durchreise.) Statt des Visumstempels werden Sichtver merkmarken eingeführt, die der Reisende in seinen Pas klebt. Diese Marken werden bei den zuständigen Handelskorporationen, bei den Verwaltungen der österreichischen Äur orte und Herlanstalt«:, bei der Wiener Messe: A.-G. sowie be! den verschiedenen Sportverbänden erhältlich sein. Die aus dev' Auslände Einreisenden werden sich also nicht an die österreichischen Konsulate wegen eines Visums wenden urüssen, sondern können sich die Sichtvermerkmarken auch brieflich durch die oben erwähnten Stellen gusenden laffen. Diese Be-' slimmungen gelten selbstverständlich nur für K a u f l e n t e Kurgäste und MitgMer von Sportkorporationei> (Touvistenvereine, Uutoklübs usw.). Oesterreich gewährt diesi- Erleichterung für den Reiseverkchr, ohne daß die Nachbarstaaten ein gleiches Zugeständnis machen, jedoch erwartet man an hiesigen zuständigen Stellen, daß die N a ch f o l g e st a a t e n im Ainne der SWprozW d e m B e i s tzi el Oe st errelchs folgen werden. > \ ... chenfels poetisch feierte und an -denr stillen Ringen der damals freiheitlich gesinnten Ingers mit der eben hart einsetzenden MtterniEchett Reaktion mit-ga^em Herzen terluahm. Ein mitzvevstandener Zeitungsbericht über diese Feier zog dam: ein hochnotpeinliche Untersuchung der Beteiligten —darunter auch Heines —< nach sich, , endete aber mit einer deutlichen Bla:nage der RogierungsboMmission. Doch schon brachte die Veröffentlichung eines freiheMch geftimrnten Tirrnliederbuches von Jean Baptist.Rousseau» eines Freundes Heines, neue Unruhe in die Bonner Studentenschaft, bis schließlich die -VevbreiAwg einer stark revo- INtionär gehaltenen Flugschrift „Frag- und AntworMchle'n: über allerlei, was inr deutschen Vaterlande besonders not tut, für den dervtschen Bürger- und Bauersnmnn" erst die Flucht eines Teiles der Burschenschafter brachte und dam: gar den strengen .BeM. des Königs, die ,MgWemheit" auszulöseu.. ' ' \ Diese Vorgänge zogen -nicht spurlos an Heine Vorüber. Sein ehenraliger, fast kritikloser Enchusiasnms im:rde nunmehr von einer stefrtischen, tief melancholischen Stimnmng abgelöst. Die besondere Reizbarkeit seines Wesens ließ ihn die bitter enttäuschten Hoffnungen noch weher empfinden als die anderen Brrvschenschaster. In den: «Gedicht ,/Deutschland, ein Traun:", das währschemlich die Keimzelle für «das 24 Jahre später erschienene Epos „Deutschland, ein Wintermärchen" ist, gibt er dieser Ernüchterung aus seiner einstigen patriotischen Schwärmerei wehmütigen Ausdruck. Er glaubte nicht an ein fromn:e.s, biederes Volk, an eine kernhafte, altdeutsche Gesinnung^ jetzt sicht er an ihrer Stelle „nuräin Vvlklein Zioerge, kriechend aus „der Riesen Grab"; statt der erträumten Friedenszert sicht er „die Ketten schmieden, die den deutschen Nacken biegen". Es ist auch aus der neuesten- Fovschungen.über Heine nicht zu ersehen, ob die „antisemitischen Flegeleien chrichlich-germanischer Bursche" mit teilhaben an der bitteren Resignation dieser Zeit. Eine noch tiefere Enttäuschung aber bereitet ihm die Universität Göttingen, die er in: Herbst 1880 bezieht. „Denk' Dir, Fritz," schreibt Heine an F. v. Beughem, „nur 9 (sage nenn) Studios hören dieses Kollegium. Unter 37'VJ Studenten, worunter doch gewiß 1000 Deutsche sind nur die für die Sprache, für das innere Leber: und für die geistigen Reliquien ihrer Bäter Ingresse haben! O Deutschland! Land der Eichen und des Stumpffinnes!" Gemeint ist des bekannten! Germanisten »Deneckens Kollegium" über altdeutsche Spräche, das Heine „mit Vergnügen hört". Gerade Göttingett, das ja damals noch unter englisch-hannoveriaruscher Herrschaft stand, hatte den deutschen PaMülariSnurS in unübertrefflicher Weise ausgebildet und außerdem die sozialen Unterschiede aus feudaler Zeit weiter erhalten. Darum wurde Heine hier auch sein Judentum recht deutlich zum Bewußtsein gebracht. In seiner Denkschrift über Ludwig Börne erzählt er, daß er einst im Bievkeller $it GöttitzHen bewundern mußte, „mit welcher GrüMichkeit" seine Altdeutschen Freunde die Proskriptionslisten ansertigten für den Tag, wo sie zur Herrschaft gelangen würden. Wer nur im siebenten Glied von einem Franzosen, Jitden oder Slawen abstammte, «ward zum Exil verurteilt." Für den wichtigsten Teil des Göttinger Aufenthaltes, nämlich für das Ende desselben, schien uns die wichtigsten Aufklärungen. Denn wenn auch das Consilium äbeundi-, das Heine Vom akademischen Senat erhielt, durcharrs mit seinem bekannt gewordenen Raufhandel, mit dem Entiner Studenten Wiebvl begründet werden kann, ist feine Ausstoßung aus der Göttinger Buvj'cheuschaft bis heute keineswegs eindeutig aufgchellt. Zwar ist Goedekes Behauptung, hier in Göttrngen habe sich Heine die Jnscktion zu der Krankheit geholt, die ihm nach Jahrzehnten die Qualen der Matratzerrgruft bereitete, durchaus unbewiesen geblieben, denn die Untersuchungen Rahmers haben mit höchster Wahrscheinlichkeit gezeigt, daß Heine nicht an einer durch Syphilis hervvrgerufenen Tabes dorsalis, sondern an einer wahrscheinlich angeborenen spina^n Form der Progressiven Muskelatrophie gelitten hat. Um so gewisser ist es durch Scheuers Schrift ,Heinrich Heine als Student" getvvrden, daß der Ausschluß des Dichters aus der Bursche,:- schaft infolge der Verletzung des dort geltenden Keuschheitsgesetzes erfolgt sei, daß aber Heine dazu durch die ihn: gänzlich ungewohnte Trunkenheit, in die ihit Kameraden versetzt, gelangte. Tatsache bleibt jedenfalls, daß er durch diesen Ausschluß im Innersten verletzt wurde und daß sich diese persönliche Beleidigung mit den ideellen Euttäuschun- 1 gen seines einstigen Eitthnsiasmus verband, um die bohr:« erfüllte Stimmung zu erzeugen, die Heine, von nun. an für ■te# deutschtünielnde Treiben hatte.