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Wiener Morgenzeitung · 1924-05-17 · Heft 1887 (17.5.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1887 (17.5.1924)
Date
1924-05-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Sk. 1807 ' ^" "r-~.■ Men.GüMstag '' Wiener Semeinberat. v I» dev gestrigen Sitzung wurde zunächst eine Reihe \\ san Grundkäufen ohne Debatte beschlossen, ebenso wurden?! Strgßenhevstellungen 4m Siedlungsgebiet in Simmering uw Len Betrag von 300 Millionen Kronen genehmigt. Beschlossen wurde ferner die Errichtung einer Abteilung fürgefchlechtskranke Kinder im ZentraMnderheim der Stadt Men. •;■ Eine lebhafte Debatte loste das Referat Professor Tandlers aus, welcher um die Genehmigung von 598 Millionen für den Betrieb der Friedhöfe anftrchte, ein Mehrevfordernis, das durch die aufgelaufenen höheren Lohne und Materialpreise begründet sei. Der ChvisMchsoziale Doppler erklärte, daß außerordentlich viele Beschwerden über arge Mängel in der Friedhofsverwaltung laut werden. Insbesondere zeige sich eine schreckliche Vernachlässigung und unzureichende Pflege der Anlagen, vor allem ober ein großer Mangel an Bewachung. Diese M-ißstän'de seien hauptsächlich auf den gewaltsamen Abbau des Friedhosspersonal zurüchnführen. - G'emeinderat Urban bespricht das Vorgehen der Gemeinde bei GräbsteinMösungen, wodurch das ansäfsiM Steinmetzgewerbe vollständig ruiniert werde. Gemeinderat Panosch (christlichsoz-ial) fragt, ob in der Post Gebäudeerhalinng auch das Krematorium enthalten, ferner ob die Zeitungsnachricht richtig sei, daß ein zweiter Verbrennungsofen in Betrieb gesetzt wurde. Redner möchte wissen, wieviele Personen in der Leichenhalle verbrannt worden seien und ob der Betrieb sich erhöht habe. Im Altersv ers orgungshanse in Lainz würden den Leuten Fovmularien vorgelegt, in denen sie ihren W u n s ch nach Berbrennung ausspreche n müssen. Nach dem Schlußwort des Stadtrates Tandler wurden die Anträge des Referenten angenommen. Gtadrat Tandler beantragte die Errichtung einer Kranke npslegeschule im KraiEnhaus der Stadt Men zur Heranbildung von diplomierten Krankenpftegerinnen tyrtb die Bewilligung eines Pauschalkredites von 200 iDc t U t o ne n Krön e n. für das erste Vierteljahr. ^Angenommen.) Sodann wurde der Antrag, dem Brau hause der Stadt Wien zur Erbauung einer Autogarage sowie emer Tischler-, Anstreicher-- und Sattlerwerkstätte und einer Unterstation für die Elektrizitätswerke einen S a chk r e d i t v o n 1/2 M i l l i a r d e n K r o n e n zu bewilligen mit den Sliimmen der Mhcheit angenommen. Im weftererr Verlause der Sitzung wurden die Entwürfe und Kosten für Wohnhausbauten im 18. und 19. Bezirke genehmigt und ein ZnschuWredit von 1,62 Milliarden fiir d'ie Vermehrung der für die Durchführung der laufenden Erhaltungsarbeiten in den Steinpflasterstraßen im Jahre 1924 derzeit beschäftigten 15 ArbeitSpartven auf 25 Partien bewilligt. Ibach Erledigung einiger minder wichti'gen Referate wurde die Sitzung geschloffen. - . . , Die Strabeubah« wird Enger fahre«. Wie wir erfahren, werden die Anträge über die BerlÄWtu.uF des Straßenbahnverkchrs nächsten Freitag den Gemein de rat beschäftigen. Nach den Vorschlägen der Direktion sollen ab Sonntag den 1. Juni von 23 Linien die letzten Wagen um 12 Uhr nachts vom Ring aus verkehren. Die Betriebsverlänserung soll auf -den Linie &, B, 0, J, 8,13. 118. 23. 81. 36, 36. 41, 43, 46. O, W, 88, 62, 63, 67, 71. 74 und eiltet neuen Linie 1, tht von der Lowengasse in den Prater führt, in Kraft treten, Dieses Verteilsschema berücksichtigt alle Wiener Bezirke in gleichem Maße. Jeder Bezirksteil, wenn auch teilweise, wird durch Umsteigen erreichbar sein. Eine weitere Verbindung bietet noch die - BahnhöfvuMinie, die nach wir vor int bisherigen Ausmaße ab 11 Uhr nachts Verkehren wird. Sie passive RMenz i« de« SvMern. Günstiger Stand der Verhandlungen. ~ Gestern wurde mit einer Verschärfung der passt-« den Reststenz vorgegangen. Die Schwestern in den Ambulanzen leisteten,nur die notwendigste Arbeit,:so daß auch 'die kli n i s ch e n Ambuwnzm mit Muhe geführt wurden. An -einzelnen Kliniken kam e8 zu kleinen Auseinandersetzungen zwischen den schreibenden Schwestern und den Aintschen Chefs, die aber bald von den gewerkschaftlichen Vertretern 'beigelegt wurden. ' Minister für Bolksgesundheit Schmitz ließ gestern vormittags Vertreter der Hilfsärzte, Beamten, Apotheker und Schwestern zu sich kommen, um Verhandlungen Wer den baldigen Abbruch der passiven Resistenz und über die! Forderungen der einzelnen Kategorien der Angestellten einzuleiten. Die Verhandlungen gehen nur langsam vor sich, da mit den einzelnen Gruppen gesondert verhandelt werden muß. Die Verhandlungen mit den Aerzten Hab en zu einer Eintgung geführt. Ihre' Forderunge n nach weiterer Au 'sg c st alt un g der besonderen Zulage« wurden erfüllt. Ebenso wird die von ihnen schon seit fünf Monaten §&■ wünschte Dienstordnung in kürzester Zeit erleb i gt sein.! ' - ■ Auch den Fv rd erunge n d e r aude re n Kategorien gegenüber verMt sich da's Gesundheitsministerium ebenso entgegenkommend, so daß am Montag mit der Aufnahme der normalen Ar« beit i« ben KKaMnhäusern zu rechnen ist, Merker Mörlgenztttüns. . IW ,W I 1 «fr» 1 rf FTI FFM «li r 4# W 8 m Tfalbsthuh&Jfrangen* WM Jf ffl ■ Schuhe und Pumps. Wf!W ^^88^000 M&mngemhf. {Passende Pimumfe KZ&m^SQmj35^ mimmm Zugunsten des Stadterweiterungsfonds. Am 20. d. wird in Wien die erste, für vier Tage anberaumte Versteigerung hochinteressanter und vielfach wertvoller Sammlungsstückc beginnen, die seinerzeit der österreichische Erzherzog Franz Ferdinand durch eine langjährige Sammeltätigkeit zustande gebracht hat. Die Mittel zur Erwerbung der Kunstgegenstände sicherte sich der Erzherzog aus dom Vermögen des Wiener Stadterw e it e r u n g s f o n d s, über -das er in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Burgbaukommiffion nach persönlichem Ermessen verfügen konnte. Der Wiener Stadterweiterungsfonds wurde um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts aus dem Erlös jener im Staatseigentum gestandenen Baugründen und Bodenflächen errichtet, welchen die noch aus dem Mittelalter stammenden Befestigungswerke, Walle und Glacis getragen chatten. Die reichen Mittel des Fonds ermöglichten es dem Staate, Wien mit den hervorragenden Wiener Monumentalbauten zu schmücken, die heute als Wlusealgebäude, Staatsoper, Burgcheater, Universität auf der Ringstraße, -dem ehemaligen Glacis, stehen. Die letzte Widmung des Stadtevweiterungssonds erfolgte im Jahre 1879 für den großen Ausbau der Reuen Hofburg, »lach den Entwürfen des Architekten Semper. In der weiteren -Folge übernahm Erzherzog Franz Ferdinand die Leitung dieser Bauarbeiten, wobei ihm Oberbaurat Baumann als technischer Leiter zur Seite stand; durch seinen Tod blieb' seine Kunstsammlung, die er bis dahin vor der Oeffentlichkeit streng verschlossen hielt, ein unvollendetes Werk.. ' Erst später erinnerten sich die für die Wahrung der heimischen 'Kunstschätze verantwortlichen Faktoren der Regierung auf die Erhaltung und Rettung der für die Kulturgeschichte der österreichischen Republik so wichtigen Gegenstände jener Sammlungen. Die Leitungen der öffentlichen Museen trafen in der Sammlung ihre Auswahl und veranlaßien die Aufnahme der 'betreffenden Objekte in ihre Bestände. Die restlichen Bestände blieben bisher in zahlreichen, >halbfertigen Räumen der Neuen Hofburg eingelagert, und es/wurde nun ihre Veräußerung i m finanziellen Interesse des S.tadterweiterungsfonds als zweckmäßigste Lösung erkannt. Vor kurzem wurde mit Zustimmung der Regierung von der Fondsverwaltung der Beschluß gefaßt, zunächst nochmals dten Museen und sonstigen staatlichen Stellen Gelegenheit zu.bieten, allfällige, .historisch besonders wichtige Objekte für ihre Sammlung aüszusmrdern, und dann alles übrige im Wege einer öffentlichen Versteigerung zu veräußern. Der erste Teil dieser Auktion wird in der Zeit dom 20. bi's 23. d. in den gegen den Heldenplatz zu gelegenen Räumen der Neuen Hofburg von der Wiener Kunsthaudlungsfirma August Johannes Schelle durchgeführt werden. Schon Donnerstag den 15. d. werden die Äuktionsräume dem Publikum zur Besichtigung eröffnet werden. Die Gegenstände umschließen: A l p e n l ä n b isches Renaissance-Mobiliar bürgerlicher und lbäuerlicher Herkunft, eine vollständige Saalverkleidung aus intarsiertem Holz von einem Schlosse in Nordtirol, kirchliche Holzplastiken aus drei Jahrhunderten, volkskundliche, kunstgewerbliche Gegenstände, deutsches Zinn, Arbeiten aus Kupfer, der Mehrzahl nach altes Kücheninventar, Hafnerarbeiten, Schlüsseln usw. Bon fremdländischer Kunst ist!hanptsächlich Plastik und Kunstgewerbe aus Spanien vertreten. Die Textilien mtfassen sehr wert- . volle. Trachtenstücke der österreichischeni Alpenländer aus der Epoche 'der Tiroler Freiheitskämpfe, Endlich einiges; modernes, englisches Mobiliar. Weiters: Portrats aus der ^Barockzeit, vier hervorragende Deckengemälde der Spät- Renaissancezeit, die bekannten vier großen Plafondbilder Makarts, darstellend die vier Tageszeiten, Landschaften, Stilleben, Allegorien,, kirchliche Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament, Heiligen- und Votivbilder. Etn reichhaltiger,, illustrierter Katalog dient den Besuchern als Führer -" Tf'. DM im Großer Brand bei der „Gtefüm". Ein vecheerender Brand ist gestern abends in den. Bauten der SiMungSgenosfenschaft der „Gefiba" aus den Gründen des ehemaligen Hütteldovfer Friedhofes auSgebrochen. Auf den Gründen, die m der Mosviuggasse % liegen, hatte sich die Südlungsgenosserrschaft „Gesiba",. in der sich Tischlermeister zusamipengeMoffen hatten, ihre Arbeitsstätten inmitten von SchrMrgcntensiedlujngerr geschaffen. In Holzbaracken sind das Maschmenhaus und die Lagerräume für Halbftrtig- und Fertigwaren untergebracht. Dort werden Türstöcke und Fensterrahmen und sonstiges Bauholz erzeugt, und auch die Gemeinde Wien bezieht dort einen Teil ihres Bedarfes. Neben den Baracken ist ein Holzplatz. Gestern abends gegen halb 7 Uhr ist nun aus bisher unbekannter Ursache im Maschimnhaus ein Brand entstanden. Die Feuerwehr fand eine sehr bedrohliche Lage. Für die weitere Umgebung bestand große Gefahr. Die ausgetrockneteil Hölzer boten dem Feuer reichliche Nahrung. Die Löschar.beit. gestaltete sich schwierig, da das Holz eine riosige Hitze verbreitete. Das Wasser mußte mitunter atrf recht weitent Wege aus Hydrauie:! umliegenden Gassen 'beschafft werden. Nach anderkhaD Stunden gelang das Feuer $t lokalisieren. yM Maschinenhaus mit seinen MaschinW «rch Baracke'.: n*& hakbfertiger und fertiger Ware ist zum Lrtle niedergebrannt. Auch ein Teil des Holzplatzes.ist ho« Flcnnmen zum Opfer gefallen. Der Schade ist sehr groß. Die freiwillige Rettungsgesellschaft, die während des Brsudes eine fliegende Ambulanz aus dour Brandplatze erriet hatte, leistete mchreren Personen erste Hilfe. Jer Bankbeamtenadbau. Am 15. d. wurden in allen Banken die Kü n d ig u jfc gen per 30. Juni durchgeführt. Hiedurch wird eine, große Zähl von Bankbeamten arbeüslos werden. Wie uns von unterrichteter Seite mitgetsilt wird, schwanken die Kündigungen u: den einzelnen Großbanken zwischen 4V und 90 Dabei sind die freiwillig Austretenden, die größere Abfertigung^ .erhalten, inbegriffen. Die genaue Ziffer läßt sich heute noch nicht feststellen. Vom Reichsverem der Bankbeamten wurden Frage b o g e n an die verschiedenen- Betriebsräte aus« geschickt, die noch in dtdsem Monat 'beantwortet sestc müssen, worauf eine genaue Statistik vorliegen wird. Umfangreicher sind die Kündigungen in den Privatbanken. Zu den bereits erfdlgten 250 bis 300 Kündigungen kommen weitere 300 hinzu, wobei die Kündigungen in der Allgemeinen In düst ri alb änk nicht eingerechnet sind. Die Msertigungen in dieser Baw allein betragen gegen s i e b e u M i l l i a r d e n, doch iss das Geld vorläufig nicht vorhanden. Merdmgs werden derzeit Verhandlungen mit einer englischen Gruppe wegen Uebernahme der Bank geführt, die nicht als aussichtslos bezeichnet werden. " M«: Die MvreformtagMg.' Äe Beratungen des Kirwreformtage's wurden gestern vörmittags fortgesetzt. Stadt'buchereidiro'ktor Dr. Er-wi^ Ackerknecht aus Stettin hielt einen Bortrag über der? Film als Kuilturproblem und die Wnsllerischen Möglichkeiten des belletristischen Films, wobei er auch den Kitsch im Film als kulturellen Uebergangswert gelten ließ. Präsident Dr. Adolf Vetter anaWerte da's >Wnt-drama als Kunsttypus. Hieraus sprach Fritz Lang, der Regisseur des Nrbelungenftlms und des Dr. Wabuse-Films. Als erster bei dieser TagUlNg legte er den Nachdruck auf künstlerische Seite des Films. Mla Balaz's stellte dM Antrag auf Errichtung eines Lehrstulhles für FÄmdrantaturgie an der Hochschule für Bühnenkunst, und beantragte im Namen des Schutzverbandes deuffchrr Schriftsteller Wiens die Einsetzung eines Komitees zur Schaffung eineß österreichischen Filmgesttzes, in dem Regisseure, Schriftsteller, Industrielle und Pädagogen gleich vertreten sein sollen. ' Die Tagung wird' bi's einschließlich Sonntag Die SelbstmordHedemie. Die 47jährige Eisenbähnerswitwe, Marie Cize^ wurde am 15. d. in ihrer mit Leuchtgas erfüllten Wotz« nung tot aufgefunden. Sie hat wegen Krankheit Selbst» movd begangen. — Der 31jährige Silberavbeiter KM Bube nieek, der sich am 5. d. vom Gangscuster in den Hof stürzte, ist im Sophienspitäl gestorben. — Gestern früh wurde der 27jährige Bügler R. Strnad mit seinem drei, jährigen Söhnchen bewußtlos im Bette aufgefunden. Die Rettuugsgesellschaft brachte 'beide, die schwere Gasvergiftungsevschemungen auswiesen, ins Spital. Ehe Zerwürfnisse sind das Motiv der Tat. Da? Wetter. v Das heitere, hochsowurerliche Wetter hielt auch gestern an. Vovmittags gab es schon 20 Grad Reaumür im Schatten. Die Mrttagstempevatur betrug vielfach über. 25 Grad, in Innsbruck wurden 30 Grad abgelesen. In Westeuropa ist die Dewperatur gefallen, in Osteuropa gestiegen. Die B o r a u s s a g e spricht von anhaltendem Schönw e tt e r, daß stellenweise durch Gewitter u n t e r b r o ch e n werden dürfte.

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