Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1887 (17.5.1924)
- Date
- 1924-05-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1887 _Wien, Scuttstag ' StaatsftrrMliine der DeutschnMonalen. Berlin, 16. Mai. (Wl. der ,-Wr. MorigeM-ituttg".) Las ZeutvuimKorgau „Die Germania" wendet sich heule in einer auffchenervegenden Zuschrift aufs heftigste gegen die dioutschnatiowaleu Machtiwüiusche. Es heißt dort: Es scheint außerordentlich uotwenAiig zusein, auf die G erfahren aufmerksam W umchen, die den: Staate drohen, wenn die DouWinatiii'Men gm Regierung gelaingeu. Es scho'me, daßeK-den Deu'dschnaltiiouallen auf einen Staatsstre^ich in direfer oder jener Form nicht im germgjsten ankomime,n wurde. Die Beauftvalguug der DentschnatianÄen mit der RegievunigslbklÄung könne also i-nuerpMtisch die allerf chlimmste n Foilgeu haben. Damm müsse sie unter allen Umjständen verhindert werden. Auch' wenn die gegenwärtige Negierung vom neuen Reichstag gestürzt tverÄen sollte, müßte unbedingt eine neue Regierung der Mitte gebildet werden. „Wuchtige Kundgebungen für die Republik." (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 16. Mai. Der sozialdemokratische Parteioörstand hatte' sür gestern den Part-e-ia>usschuß zur Erledigung mehrerer Fragen nach Berlin einlbernfen. Jnr Vordergrund der Beislpvechitmgen ständen die füngstetr Vorkommnisse in Halle. Alljgsnrvin wurde die Anregung znnr Ausdruck gelbracht, zur gegebenen Zeit w u chtige Ku ndgedungen für die Republik zu veranstalten. Schließlich billig t e der 'Parteiausschuß nach einem Referat des Abgeordneten Wels fast einstimmig die vonr Vorstand bsWossene Mtion zur Hevbe-ifnhrnng eines Volksentscheides Wer die Annahme oder Ablehnung des Sa chve rständigenguta chte ns. der Urheber der dentfch-ruWche« zwischen' falle» verhaftet. Berlin, 16. Alar. (Teil, der „Wr. Arorgeuzeiituug".) Der Kommunifteinsührer Boze N h a r t, d n r ch d e f s e n Flucht in die russische Handelsdelegatiion der deutsch-ruffische Z >w i s ch e it fa l l h -e r v o rgerufen Würde, 'ist heute in der Wohnung eines Mitgliedes der russiilschen Hundelsdeleigation v e r h a f t >e t worden. BozenHurt wurde in das PsliKeiigLfängnis emgeliefert. Beim Vav'hör verweigerte er auf beit größten Teil der an ihn gestellten Fragen jegliche AnMiuft. Bor der Beilegung de» Nuhrkonslftte». Berlin, 16: Mai. Die Berhandluttgen int Reichscubeits- -nmistermm Mer die Beilegung des Koufliktes im Rtchrbergbau fanden.heute abends ihren vorläufigen Mschluß durch die Fällung eines Schiedsspruches. Es kann als sicher angenonuuen werden,-daß' dieser Schiedsspruch sowohl von den Zechenverbänden. als auch von den GMerkschaftsver-bänden angenommen und daß die Arbeit am Montag wieder cufgenon'mcu wird. Damit wird -der Konflikt beendet sein. Der Schiedsspruch sieht eine Verlängerung des Manteltarifes bis zu in 30. Juni 1925 und eine Verlängerung des Mchrarbeitsabkouunens bis sunt 81. -März 1905 vor. Ferner wird in dent Schiedsspruch bestimmt, daß -die Mehrarbeit unter Tag eine Stunde, über Tag bis zu Mer Stunden betraget! soll, soweit nicht besonders schwierige Verhältnisse dies veMeten. Die über die siebenstundige Schicht hinausgchende Mehrarbeit wird nur zu den sonst geltenden Sätzen, also ohne besonderen Aufschlag bezahlt. Es loll 'keinerlei Maßregelung der Streikenden stattfinden. Keine fremde« Arbeiter nach England. London, 15. ffllal (Wolfs.) Im Unterhause erklärte Hendersou bei Besprechung des Budgets des Ministeriums des Innern, nicht einmal die Arbeiterregierung könne der Einreise von Fremden wohlwollend, grgenüberstehen, wenn diele fällten, um britische Arbeitskräfte zu ersetzen. Re amerikanische Anleihe für die Tschechoslowakei. Rew-Nork, 16. Mai. (Tel. der „Wr. Nwrgenzcttnng".) Der Dschecho-Slowakei tvird votl der N a t i o n a l City Baut und dem Bankhaus Kuhn, Loeb u. Co. eine Anleihe von IO Millionen Pfund Sterling. angeboten werden, und ziivar zu 8 Progent Berzinsttttg, Gmissionsknrs 96 Prozent. Die Amerikaner wollen die Hälfte der Su-ttv.ue selbst MfbviMN.- Re dauernde Kabinettskrise in Auzsstawle». Dnvidovic soll ein Konzentrationskabinett gründen. (Eigendieusi der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrad, 16. Mäi. David o v i c hat uachin'ittiags vonr König das' Mawdat zur Wildu>ng eitles Konzetttratiouskabinetts erhalten. In einer Konferenz der Chefs des oPpositionellM Mocks erstattete Davidovic Bericht über die vom König orihälieue Mission. Die Konferet>z.beschloß, ein KonzentvationsMinett Davidovic zu untevstützett. In politischen Kreise u glaubt ma>n, ^daß der Versuch Daviidovie', ew Kvnzentrationsbabinett zu bilden, nicht geliingen wevde, ivvil die Radikalen einem folchetr Kabinett die Unterstützung versagen würden, und daß Davidevic nach dem Scheitern dieser Mission mit dar Bildung eitles GeschMM'ruetls' anf de'nr oppositionellen Block betra-nt tverdcn w'.rd. - Wiener Mvrgenzeitung. 17. Mai 1921. . Ae letzte» Kurse. ’ London, 16. Mai. Die' heutigen Schtvankungen. des Franken /beunruhigen den gesamten Londoner Markt. Uttsichere politische Atlssichten und spekulative Mgaben sind, die Ursache der ständigen Schwankungen des frauzösijschen Frauken. Auf dem Aktienmarkt waren lediglich, Teeaktien wegen immer neuor überraschender Dividendendenerklärung steigend. Es gibt kaum noch oine Gesellschaft, die die vorigen Dividenden nicht verdoppelt hätte. Petroleumwerte waren schwächer, auch Minenpapiere schtvächten sich ab mit Ausnahme der Deebers, Oesterreichische Anleihe 93,60, tschechische anfangs schwächer, Schluß 97.50. Royal Dntch 37,75, Shell 44,38. Zentral Minnings 11,187, General Minnings 12,69, Deebers 12,60, Diamons 16,50, Rio Tinto 31.87»/-, Landerbank 11 Schjlling 3 Pence. New Orleans 24 bis 60 Punkte niedriger. Amerikanische Effekten: Atkinson 103, Baltimore 628/4. Great Northern Vorzugsaktien 57%, Nordische Pacific 69, Reading 52l/4, Suchern Pacific 89, Uniott Pacific 131%, Kanadian 138%, United Steel 95%, Vorzugsaktien ll85/s, Royal Dntch 64%, Shell 38V-. ' Kupfer besser, Kassa 60,17.6 bis 61,4 also 12 Schillitlg niedriger, 8 Monate 61,15 bis 61,17,6, also 10 Schilling ttiedriger. Ausländisches Blei 29,10, Messing 30,17,6, 3 Monate 31,2,6, ausländisches Aluminium 130, inländisches 125. Zucker: Es zeigte sich etwas mehr Interesse. Weißer Terntinzücker fester. Mai 25,9, August 24 bis 24,1%, Dezember 20,3, März 20,90. Weißer Java 41 n-Juni 23, Juni-Juli 22, Juli-August 21, tschecho-slowakischer granulated 25,10% bis 26 franko Hamburg, amerikanischer gramifateb 27,6, franko Bord London. Baumwolle: Liverpool: Verkauft wurden 4000, importiert 8091 Ballen. Amerikanische um 23 Punkte höher, Full Middling 18,g9. brasilianische 23. ägüptische 20 Punte höher, ostiudische 15 bis 25 Punkte niedriger, amerikanische Termin anfangs auf Kabelberichte 13 bis 22 Punkte hoher, später schtvächer. Un: 2 Uhr 15 Mitt: Nlai 17,79, Juli 17,11, Otober 14,97, Jättner 14,39. Schluß Juli 17,14, Oktober 14,97, Jänner 14,39, ägyptische 22,28, Juli 21,68. London, 16. Mai. Schluß der Londoner Börse: Boidet'.- l'rcbit 18 -bis 20 Schilling, Schlnßkurs Liverpool etwas besser, auf Realisatiottetl von NetvDork. Mai 17,70, IM 17 64. Oktober 14,95, Juni 14 75. New-Aork eröffnet für Mai zwer Punkte höher, die anderetr Termine waren 16 bis 20 Punkte 'n-iedriger. - London, 16. Mai. D e v r s e n s ch l u ß k u r s e: Prag 148,25, New-Nork 4.365, Paris 75,75, Brüssel 91,975, Nom 98,375, Zürich 24,605, Madrid 31,625, Amsterdam 11,6575, Kopenhagen 25,805, Christiania 31,525, Stockholm 16,425, HelsingforS 173,75, Berlin 18,75 Billionen. Wechselkurse. New-York 43,36>4, Paris 72,60%, Brüssel 90,37Vs, Berlin 18'/. Billionen, Wien 309.600, Prag 14,8%, Amsterdam 11,67. Christiania -91,52V«, Stockholm 16,43V-, Kopetchagen 25,81, Schweiz 24,62V-, Finnland 174, Rom 98,37V-, Madrid 31.50%, Warschau 22,65, Athen 214V,, Sofia 600, Bukarest 887,50, Konstantinopel 815, Budapest 360 bis 460.000, Riga 22,62. Paris. 16. Mai. (Radio.) Die geschäftsstille Börse dauert an. Die wenigen Schlüsse, die gemacht werden, vülhren ausschließlich votl den bemfsntäßigett Bovsenfpieiliern her. und dies erklärt and) die verhältnismäßig große Schwatikuug, welche ofttnals ein Papier während der Bövsenzeit durchmacht. Französische Renterr waretr-gebessert, -öbeniso fwnMifche Bahnen und Elektrizitätswerte. Auch in der Kulisse , war die Tendenz fest, nur rttssische InduftriÄverte Waren schwächer. London 75,78, New-Pork 17,34, Prag 51.50, Wiett 24,76, Bukarest 8,50. Paris, 16. Mai. (Radio.) Effekteufchlußkurse: Banque de France' —. Pragobanka 400,—, Credit Lyonais 1538, Suez 28,45, Platine 754, Dabrowa 781, Bauque Ottomane 766, Central Mining 872, Rio Tinto 2440, Le Naphta Russe —, Succerie d'Eghpte 1015, Baku 2495, Cautchoues sin 152,—, Chartered —, Debeers ordin. 963, Goldfields 75.—, Huanchakas 298, Jägers Fontain 230.—, Malacea ordin. 139.—, Maltzoff 419, Mexican Eagle 78,25, Padang 319,—, Rand Fontain 81,50, Randmine 226.—, Silva plana 179.50. Tanganyika 1.39-, Tubice sote 629 -, Utah Copper 1231, Shell 350,-, Royal Dntch 28,900, Burtnah —Societe generale —. Aew-Por?r, 16. Mai. (Radio.) Devisenschlußkurle: Taggeld 3%, Wechsel auf London 4,36,62, 60 Tage-Wechsel 4.33,62, Paris 5,79, Amsterdam 37.38, Prag 2.95»/,, Berliner Schlußkurs 23% bis 23%, Silber 65'/,. Triest, 16. Mar. Amsterdam 83,5 bis 83,550. Brüssel 109 bis 111, Paris 129,50 bis 130,50, London'68,30 bis 98,50, New- Bork 22,40 bis 22.55, Madrid 308 bis 310, Zürich 398 bis 401, Bukarest 11 bis 11,50, Prag 66 bis 66,50, Budapest 0,0250 bis 0, 03, Wiett 0,0315 bis 0,325, Zagreb 27,75 bis 28. Me ein „voliWer Mord" gemacht wird. Dir Agrrda-Pressö beim jüdischen Genteindewahlkampf in Polen. Die Blätter der Aguda s Jifroel meldeten in großer Anfnrachung, daß am letzten Pessachtage in Ieudvzejew (|>oTcn) anläßlich einer PwpagattidaperfMntttltlttg für die jüdrschetr Gvm-eindewahletr der 16jährige Mendel L i p m a n o w i e z, ein Mitglied der Jugendorganisation der Agiodas Jisrool in Polen, von z i o n i st i s ch e tr Burschen iilberfallen und derart verprügelt wurde, daß er feilten Verletzungen erlag. Das Wanschauer Organ der Aguda „Der Jttd" ergeht sich ans diesom Anlaß in tttaßlofeu Bejschimpfungen der jüdischttalioualett Parteien, wlche bei dett Wahlen gefchlossett auftrelen, spricht von mörderischer Preßhetze und dergleichen. Das Blatt b c s ch uldigt ganz offen die Z i o tr i st e n in Jetldrzeietv d i e s e s M o r d e s. - dttl'n stellt es sich heraus, daß die Darstellttng der agudistischen Presse über diesen Fall vom Aufaug bis -zum Ende entstellt ist. Unter der Ueberfchrift „Niederträchtige Verlenmdungen des „Jud" bringt das „Lodzer Tagb'latt" den Bericht eines orthodoxen Juden ans Jendrzejew, eines Chassid des'Gerer Rabbi, aliso eines Berichterstatters, von dent nt an nicht behanptell kann, daß er für die jüdischnatiottalen Parteieir befottders viel Shntpathien iibrig hätte. Der Bericht lautet: „Am Nachmittag des letzten Pessachtages begab sich der TextÄkanfmann Lipmanowicz, ein Gerer Ehasfid, mit seinem 15jährigen Sohn e in das Bell) Hamidrasch zum Ntinchagcbet. Nach dem Gebet begab sich Ltpntanowicz mit . seinem Sohne zn seinein Vater. Nach Kurzem Aufenthalt erklärte der Bursche dein Vater, daß er in das Gerer „Stübel" all!?, wo chassidische Jünglitrge ans der .Sbadf verfmntnelt Seite 8 seien, um dett letzten Feiertag fvohlich z'.c feiern. Bei der Tü«. des „Stübel" hatte sich eine Gruppe von Buben von der Straße anaefammelt, darunter der 13jähvi!ge Schn des Merdehändlers - Bukowslki, der gegenüber dem ,Mübel" wchnt, und der ISjähviige Schn' des Meischers Glomlb. Die Burschen wollten mit Gewalt in das „Stlübel" eindringetk, über die chassidtzchen Jünglinge ließen sie nicht ein. Die Burschen hämmerten an die Türe, über vergeblich. Ztr dieser Zeit ging der jmt'ße Lipmanowicz -aus dent -„Stübel" auf dett Hof und wollte kurz darauf zu- Mckkchren. Zn gleicher Zeit trat der Pferdehändler BlMvskr, den der Lärm im Schlafe gestört hatte, <m das Fenster seiner Wchmrng und rief seinem Sohne, der sich bei ihm belllagte, daß die chassidischen.Jünglinge ihn nicht in das „Stübel" hineinlietzen, vom Fenster herab zu: „Du wirst doch mit einem der Ochsett fertig werden! Sie lassen tnich nicht schlafen!" In diesem Augenblick trat der junge Lipananowicz auf die Stufen zuttr „Stübel". Die Burschen überfielen ihn und lder 13jährige Schn des Pferdehändlers versetzte ihm unter Mithllse des Fleischerfchnes mit emem Hufeisen solche Schläge auf dett Kopf, daß er bald sein Bewußtsein verlor und nach zehn Minuten verschied. Die beiden jugendlichen Verbrecher wurden bald verhaftet. Zur Charakteristik des PferdchäMers, des eigentlich Schuldigen an diesem schauerlichen Mord, sei beigvfügt, daß das ganze Städtchett vor ihm Todesängste ausstaind. Der Sohn war nicht bester als der Vater. Di-e Kinder der Nachbarn hatten von ihm die ärgsten Drangsalierungen auszustchen; eine halbe Stunde vor der Ermordung des Lipmanowicz drohte er der 12jährigen Tochter eines Schusters, daß er sie töten werde." So sicht man denn aus diesem Bericht deutlich, wie ,/politische Morde" getnacht werden, damit sie für die Agitation verwendet werden können. Der Hatchttermin der polnischen Gerneindeioahlen ist dev 15. Juni; doch schon jetzt hat der Wahlkampf scharfe Formen angenommen. Solange dies sachlich und selbst bei schärfster Form mit anständigen Mitteln geschieht, ist sicher nichts dagegen eintzuweuden, um so mchr als es sich in dem Wahlkampf für die jüdischeu Gemeinden um ein hochbedeutsames Prinzip handelt: Ob die jüdischen Gemeinden weiter eine Stätte von Cliguenpolitik oder, wie es die nationalen Parteien wollen, ein Grundstein der )üdis ch-kulturelle n Selbstverwaltung werden sollen. Aber den Kampf tmt der Mordbeschnldigung und politischer Mordpro-gauda ztt sichren, ist das Schlimmste, was je auf diesem GMet geleistet wurde, vor allenr, weil es völlig u njüdisch ist. Bei dieser Gelegetcheit fei auch au.f eine andere Form der Wahlpropaganda hingewiesen, tvie sie vott der agudistischen Presse geübt wivd. Es wird verbreitet, daß in Galizien, wo die Wahlen in die jüdifchett Gemeindet: schon jetzt stattfiudett, die siidischnationalen Parteien ein Wahllkart ell mit den A s f i m i l a n 1 e n geschlossen hätten. Wer die Verhältnisse unter der Ittdenheit in Polen kennt, weiß, daß eine solche Kartellierung geradezu absurd ist. Die Unwahrheit dieser Darlegung dev leider mit den bedettMchsteu Mitteln avbeitettden agudistischett Presse tvird übrigens durch die (bereits in der gestrigen „Wiener- Morgettzeit'ung" verösteullichtett) ersten Berichte über das Wahlergebnis in Lemberg und St anislau aufs gvüMrchste'bewiesen, da aus diesen Berichten her- Vovgeht, daß die Astimilantenunit eigenen Listen aaftiüten . und ebenso wie die Orthodoxen. ein völliges Fiasko er- , litten. Wie sehr die Darlegungetr der Agnda-Preste die Wahrheit, die doch inr politischen Wahlkampfe letzten Endes. die wichtigste Grundlage bleiben muß, entstellet!, wird nur detn klar, der weiß, daß in den verschiedettsten Orten Polens und Galiziens ein W -a h l üb e re in k o m men z w i s ch e u A g u d i st e n und A s s i m i l a n t eü Hergestell t ivttrde. Wenn nun die Aguda dett Wahlkampf im ■ übrigen Polen, ebenso wie es bereits in Lemberg und Stanislau der Fall tvar, schmählich verliert, so hat sie es nicht zum wenigsten ihrer Presse zu verdanken. Das Wahlbündnis der Agndas Jisroel mit den Assimilanten. Ans Krakau wird uns berichtet: Die Agndah, welche sich bekanntlich -in Polen „Schlotneh Enconch Jisroel" nennt, hat, ähnlich wie es in mchreren ostgalizifchen Gemeiuiden der Fall ist, auch in Krakau für die jüdischen Gemeindewahlen ein Wahlbündnis mit den Assimilanten geschlossen, das nunmehr ossiziell zustandegekomtnen ist. Angesichts der Tatsache, daß die jüdischen Assimilanten in Polen von der gesamten Bevölkerung als Schädlinge des Judentums angesehen werden, hat dieses WalMindnis in der jüdischen Bevölkerung Krakaus und des übrigen Polen 'die stärkste Empörung hervorgerufen. Dieses Vorgehen dürfte mtch politische Folgen zeitigen. Eilte informierte Stelle will wissen, daß der orthodoxe Senator Deutscher wegen dieses Wahlbündnisses fem Mandat niederlegen, ^beziehungsweise aus dem jüdischen Parla me ntsTlnb wird ansireten müssen. Ihr Korrespondent hatte eine Unterredung mit dem orthodoxen Deputierten Kirschbraun, welcher erklärte, daß ihm bisher getmtle Nachrichtett über dett Alffchlnß dieses Wahlkartells der Orchodoxen agndistischer Richtung mit den Assim'iliantett nicht zngekommen seien; er sei jedoch überzeugt, daß dieses Wahlbündnis so widernatürlich sei, daß cs für die Kraf a«cv „Schlomeh Etttoneh IrsroeI" nicht gut aus geh en könne. . Scharfe Note« zwischen Pole« und Rußland. Warschau, 1b. Mai. (Polnische Telegrap'hett-Ageutur.) Die Regiermtg der Sowjetunion hat an den polttischen Gesandten in Moskau eine Note gerichtet, worin die polnische Regierung der Intoleranz gegenüber der uationaletr Minderheiten beschuldigt wird. In Evwidertlng darauf hat die Pol n i s ch c R tgiernug dem Sowjetgefandten in Warschau eine Note zugeheu lassen, worin erklärt wird, sie sei nicht in der Lage, die Sowjctuote als Grundlage für eine weitere Diskussion anzttttehmett. Ohne aus die itt der Note unter Bezugnahme auf Artikel 7 des Rigaer Bertrages erb-.eiten BefchuldtgNMN eittzttgeh'ett, tnüsse die pe'luisa-e