Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1886 (16.5.1924)
- Date
- 1924-05-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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GM? Mett, Freitag " Wietter MorgeMitung f*-*™1™"*B1* Das hervorragende jüdische Geschieh tswerk GRÄETZ, GESCHICHTE DER JUB EN in S. eleganten Geschenkbänden (ca. 2000 Seiten stark) erhalt jeder, der djew ■ , - -,\ ■safe „OTXEItfER MORGENZEITüNß^ abonniert und die Bezugsgebuhr auf ein Jahr im vorhinen entrichtet // Jaliresäbonnemeritsgebühr K 420.000 Falls Zustellung ins Haus gewünscht wird, sind überdies für Porto K 15.000 zu entrichten Für das Ausland beträgt die Jahresbezugsgebühr das 12fache des am Kopfe des Blattes ersichtlichen Monatsabonnementspreises zuzüglich K 25.000 für Expeditionskostert gen. Der Pol'itnk der Heutigen zionistischen Exekutive, welcher er Schwache und Nachgiebigkeit vorwirft, stellt Jabo-, ttnsky die Forderung nach einer groMgigen nationalpolitischen Aktion entgegen, welche das Gewissen Europas mH.die öffentliche Meinung Englands aufrütteln soll. Insofern« er eine Mische NationalanlerHe und den An sLau der für große Aktionen ungenügenden Mischen Kolonialbank fordert wird er Wohl nirgends aus prinzipiellen Widerspruch im bewußt Mischen- Lager stoßen; dieser richtet sich vielmehr gegen die Jabottnskysche Grundauffasiung, welche dem Gedanken der zionistischen Evolution in ihrer Gänze entgegentritt. Mhrend die Palästinastrmmung zu einer immer größere Mische Kreise umfassenden Ers^inung wird, und es heute gilt, immer energischere Schritte in der Richtung der Realität, der Schaffung kolonisatorischer, ökonomischer und damit auch politischer Tatsachen rm Lande der Mischen Zukunft zu tun, versucht es Jabotinskh, die P a l ä st i n a a r b e i t in der Richtung eine-r Utopist i k umzMegen, welche gegenwärtig keineswegs zeitgemäß erscheint, und will die Realpolitik den Arabern gegenüber durch eine nicht unbedenkliche Romantik ersetzen. . Jaboiinsy ist ein'interessanter und fesselnder Redner, der seine Hörer stets zu intereffieren weiß. So wird e's. seinien Vorträgen an Publium wohl nicht fehlen. Ob von ihnen die von ihm erwartete Wirkung ausgehen, wird, ist allerdings eine andere Frage. PMS Mahon — der englische Landen. (Eigendienst der ,Miener .Movgenzettung".) London, 15, Mai. Die.Kriminalaffäre des Mädchen- Mörders Patrick Mahon scheint sich immer mehr zu einer englischen Affäre Landrn auszuwachsen.. Wie Ne Blätter berichten, versuchten gestern ein junges Mädchen von Easkbourne und' ihr Bruder aus Neugierde di« Steinmauer um den Garten der „tragischen Villa" zu übeMttern. Unter ihren Füßen lösten sich Steine los/ und als -die jungen Leute das Arübgefallene Mauerwerk Wieder zmechtrucken wollten, entdeckten sie m ehre r e M e nschenknochen. Ferner wurden im.Garten der Villa Anochenfvagmente au'sgegraben. Es scheint also, daß die Comptoristnr Emrly Kay nicht das einzige Opfer Mahons gewesen feü 9er vSMsche Sefrandant als „Maalmordopser". AuS Hamburg meldet I. T. A.: In der Nacht vor den Wahlen verschwand aus . Bremen der Parteisekretär des dortigen völkisch-sozialen Blocks Karl H er m a n n. Die Deutschvölkischen verbreiteten das Gerücht, daß Hermann, der sich in der Judenhetze besonders hervorgetan hat, aus Rache von den Juden er m o rd et worden sei. Später ergänzten sie diese Mitteilungen dahin, daß es sich um einen reinen Ritualmoxd handelt. Es herrschte darüber große Aufregung. ,. . Nunmehr erläßt die Bremer Polizei eine Mitteilung, wonach amtlich festgestellt worden sei, daß Hermann nicht ermordet wurde, sondern' einfach unter Mitnahme von Parteigeldern der. Deutschvölkischen verschwunden sei. Wie man jetzt erfahrt, handelt es sich bei Hermann uttr einen zwanzigjährigen Schwindler und Hochstapler aus München. Er bot sich, den Bremer Völkischen als Wahlhelfer und Propagandist an.- Dann ließ er sich Vertrauensposten übertragen, bei denen er mit.der Kasse in Berührung kam, woraus er in der Wahl nacht verschwand. Tausende von Menschen in Bremen glaubten an einen Ritualmord. Viele Juden wurden mit Drohbriefen überhäuft. Hitler-Banden lieferten im Pol^eihaus das angeblich gefundene blutbefleckte Seitengewehr ab, mit dem der völkische Parteisekretär ermordet worden sein sollte, während andere Kakenkreuzler den A n z u g des Ermordeten.vorlegten. Gitte schwierige Rechtsfrage. Der gleic^eitige Tod zweier Erben. Di« New-Zorker Zeitungen berichten von einem interessanten Rechtsstreit in einer Erbschäftsangelegenheit, die durch die am 6. April erfolgte Ermordung des Millionärs Robert LouiseColoman bei Tirana in Albanien aktuell geworden ist. Das Schicksal einer 5 Millionen Dollar-Erbschaft hängt in diesem Rechtsstreit von der auf die Minute genauen ^Feststellung des Todes zweier Bruder ab. Der Vater des bei Tirana ermordeten Coloman, der 1893 gestorben ist, hatte testamentarisch verfügt, daß seine beiden Söhne bloß den Fvuchtgenuß seines Vermögens erben, während das Vermögen selbst als eine Art F i d e ikommiß definitiv demjenigen der Söhne zusällt, der den anderen überlebt. Der Zufall fügte es, daß der jüngere Bruder des in Albanien ermordeten Robert Louis Coloman a m s e lbe n Tag in Los Angel e's in Kalifornien starb. Nun wurde Robert Loms Coloman den vorliegenden Nachrichten zufolge lbei Tirana am 6. April um 10 Uhr vormittags getötet, MWxrstqMH nach osteuropäischer Zeitrechnung. William Coloman, der jüngere Bruder, dagegen starb am selben Tage, 1 Uhr früh, nach amerikanischer Zeitrechnung. Da zwischen, der ofteuropäijche.ü und amerikanischen Zeit eine. Differenz von neun Stunden besteht, , läßt sich astnehmen, daß die.beiden Bruder zur gleichen Stunde, ja vielleicht in derselben Minute aus dem Loben geschieden sind. Das amerikanische Erbschastsgericht sieht also' vor einer sehr schwierigen Aufgabe, .um zu entscheiden, ob das ' 5 Millionen Dollar-Vermögen den Erben William Colomans oder Robert Louis Colomans..zusällt. Die Erben beider Bruder haben gegeneinander Prozesse angestrengt, - in -dessen Verlauf die kalifornischen Erben den Nachweis zu erbringen trachten,-daß Williaw Coloman nicht um. 1 Uhr nach Mitternacht, sondern erst um 4 Uhr in der Früh gestorben sei und daß somit sie die Anwartschaft auf das gesamte großväterliche Vermögen haben. Selbstmord de» Wiener Bankiers MeAer in Pi In Wiener Bövsenkreistn sind seit -zwei Tagen Gerüchte . verbreitet, wonach sich in Zürich .'der. Mitchef eines-Wiener Banchcmses erschossen'haben soll. Es handelt sich' um den Mtchef der. seit einem Jahre hier bestehenden Firma Meller, Sattler u. Co. Es sind, nicht siuan- ' zielle Verluste oder mißglückte Börsenspekulationen, die cm diesem Selbstmord schuld sein sollen, sondern Privatverhältnisse. - Meller, der ungefähr im fünfzigsten Lebensjahr stcht, war verhsitratet und von seiner Frau geschieden- und soll in Zürich eine zweite Ehe eingegangen sein, - In letzter Zeit zeigt« er; große Nervosität, so haß man vermutet, daß er eine Anklage wegen Bigamie fürchtete. Er.reffte .nach Zürich. Von dort kam die Meldung von seinem angeblichen- Selbstmord. Som'Kompagnon Sattler hat' sich nach Zürich begeben, um festzustellen, ob Meller Ursächlich Selbshntzrd öerubt hat.' Re KalMoMe bÄm Mattinger Feuerwer!. Keine Befolgung b'etpAizeflichenVorschrisi^N: durch Zak. - Die gestrige - Katastrophe -heim Feuerwerk des. Grazer 'Pyrotechnikers.Heinrich Zak hat die Frage ausgelöst, wen bie;: Schuld an dem Vorfälle trifft,-bei hem eine Frau getötet und. sechs Personen verletzt wurden.. Es wurde ftstgestellt, daß Z a k, -um in dem Konkurrenzkampf gegen die Brüder Pinto nicht, zu;unterliegen, sich nicht an die polizeilichen Vorschriften gehalten -hat. Die Polizeidirektion hatte jede;Art von Feuevwerkskörpern, deren Verwendung ein gefahrloses -Abbrennen nicht gewährleistet,.: verboten. Hierzu gehörten in .erster Linie bte fünf- R i e s-.e n b o m b e n, die als Schlnß- - effekt gedacht waren und deren zweite die Katastrophe verursacht hat. Das Fewerwerk auf der Hohen Warte. Die Brüder Pinto, die am Samstag auf der Hohen 'Warte ein. Feuerwerk veranstalten wollen, sind durch den gestrigen Vorfall in Mitleidenschaft gezogen, da die. Veranstaltung ,in Frage stand und nunmehr die Polizei erst nach befriedigender -kommissioneller Besichtigung heute'die Erlaubnis geben wird. .Die Brüder Pinto erklären in einer Zuschrift, das; die'Feuer-! werkskörper nicht überladen Werden' dürfen und daß sie aus Grund ihrer dreißigjährigen Erfahrung einen klaglosen Verlauf ührer Veranstaltung garantieren können, zumal sie bisher schon über 4000 Feuerwerke durchgesührt' haben. Bei-der Vorführung 'wird-ein Sprengmeister -zugezogen' werden. Bombenbenützung wird verboten und ein umfassender Feuerwchrdienst anigeordnet. - - . Zak erklärte, er sei nicht in Vevwahrungshast gewesen, sondern nur aufgesordert worden, der Behörde zur Verfügung zu stehen. Er bchauptet, keine ' Knattbomben, sondern nur Effektbomben benützt zu haben. LZerschiebung des Feuerwerks aus der Hohen Warte. Das von den italienffche-n Brüdern Pinto für Samstag geplante große Feuerwerk wurde mit Rücksicht auf das Unglück in Ottakring verschoben. knichtung einer Abteilung Kr geschlechtskranke Kinder durch die Gemeinde. Stadtrat Prof. Dr. Tandler wird in der heutigen Gemeinderatssitzung einen Antrag eiwbringen, der nichts Geringeres bezweckt, als die Errichtung, einer Abteilung für geschlechts kranke Kinder im Zentralkinderherm, der Stadt Wien. Die Notwendigkett der Errichtung einer solchen Abteilung ist leider nicht zu leugnen, denn es Handelt sich um 16 0 g e s ch l e ch t s k'r a n k eKinder, welche bisher in verschiedenen Anstalten untergebracht sind, und nun im Interesse -er Heilung und Absonderung in einer Abteilung zusammengezogen werden sollen. / \; Die- Gemeinde Wien bewilligt für die Betriebsführung der Abteilung bis zur Fertigstellung -der Ergänzung 'des Voranschlages für das Zentralkinderhenn vorläufig einen Betrag von 100 Millionen Kronen. Es unterlkegr'keinem Zweifel, daß der Gemeinderat Ijcrr^c der Errichtung einer solchen Abteilung | zustimmen wird. itz. Mai 1924 M. 1886 Jas KinSerWal in de» Leovoidstadt. . - Zwischen dem Augarten -und einer eigenen Gartenanlagt stcht ein altes banM-iges Haus, dessen Bewurf Wen. Tag ab' fallen kann. In dieses Haus kommen seit nunmehr gena» . 50.' Jahren' täglichverzweifelte - MMer,- ihre kränkest Kinder in» Arm oder an der Hand. Und alle gehen getröstet wieder fort. Die meisten mit chren Kindern^ die sfachgmäße Bchandlinng in» Ambulatorium gefunden haben. Die anderen lasten ihre Kinder zurück;'aber auch sie können beruhigt sein, denn im Leöpold» städter K'inderspital geht es den Kindern sicher nichl.' schlecht. ' - ' ' Primarius Dr. Fritz Gassi ni, der das Institut seit, sisbzchu. Jahren leitet, führte einen unserer Mitarbetter durch - hie -hellen Säle. Ueberall grüßen freundliche, zutunliche Kinder -Da sicht man Säuglinge, die fast sterbend ins Spital' geliefert wurden, heute aber auf dem Bett eines Balkons vergnügt in die Sonne blinzeln und mit den Beinen strampeln. Ein dreizchnjahriger Knabe wurde mit Knochentuberkulose ein geliefert — eine schwere, aber -gelungene Operation hat ihn gerettet und sein „Grüß Gott" klingt schon ganz lebenslustig. Eines nur fchlt dem Humanitären Betriebe, in dem eZ Unterschiede nach Nation und Konfe'stion wirklich nicht gibt' das Geld zur Herrichtung des alten Gebäudes. - Am kommenden Sonntag findet ein Sammeltag für das .Leopoldstädter Kinderspital statt- und wir können nur hoffen daß der gewünschte Erfolg nicht ausbleibt. Der passive Widerstand In den Lpitiilern. Der passive Widerstand der Angestellten der Fonds; , spitäler dauert fort und macht sich im adminfftrativen Dienst« der Spitäler schr Mbar. Es bestand die Gefahr, daß sich di»' passive Resistenz auch auf die Kliniken ausdchnen wird, rw Falle das Ministerium für soziale Verwaltung nicht rasch ein Entgegenkommen zeigt. Bei fortgesetzter Hartnäckigkeit deS Ministers Schmitz würde die Stillegung des ganzen spiials. ärztlichen Betriebes drohen. Die Korrespondenz Wilhelm teilt Mit, daß ge. stern wohl mit einer Verschärfung der passiven Resfftenz vor. -gegangen wurde, daß jedoch der Ambulatoriumsbetrieb ohm Schädigung der Kränken funktioniere und auch das' Pflege« personal den Dienst in den Krankenzimmern verfehe.- P sei -hoffen, daß die Gefahr einer Stillegung des gesamten Spitäls. betriebes beseitigt werde, da heute unmittelbare Verhandlungen der Organisationen mit dem Minister Schmitz statt, finden.; ’ . , ' :- -; - " Der Brotprei« ««verändert. -Nach der dieswöchigen Errechnung der GestchungÄos^ ^leiben die Maximalpreise Kr Brot und -WeiMbäck in Ui. zinächsten Woche u n v e rände rt. . -; t- Sine Kmoreformtagung ohne Kinosachleute In der Urania hat gestern eine Kinorelformkonfeftenz -begonnen, zu der alle möglichen Stellen, nurmicht dii Kinofachleute eingeladen worden waren. Weder der Bund de, 'Filmindustriellen 'noch der Bund der Lichtspielcheater hatte eim Einladung echalten und nur der Registmr Fritz Lang cmi Berlin war berufen, die gesamte - österreichische und deutsch, Kinofachwelt zu vertreten. Daigegen waren anwesend: Bundesrat Hugelma nn, Nationcilrat Dr. Waber und-viel« an. der-e Vertreter von Körpevschuften, die wahrscheinlich-bisher nü etwas mit dem Kino zu tun hatten. Ein abschließendes Urteil, läßt sich allerdings nach dem gestrigen Tage noch'nicht fällen Der gestrige Tag.war vovzugsweift der Besprechung der Filmzensur gewidmet. Professor Dr. Lampe (Berlin) teilte mit, daß die vom preußischen Ministerium eingerichtete Filmzensurstelle da8 Recht habe, vorzuschlagen, daß. Filme, die. für die Volksbildung und auch in künstlerischem Sinne wertvoll seien, -von. der Ab« gäbe der Lustbarkeiissteüer befreit. werden. Im allgemeinen, wurde die Forderung nach Verschärfung, der Filmzensur ablehnend behandelt. ' .Heute wird der gewesene Präsident. der Staatsthe-ater Vetter über „Das Filnidrcima als Kunsttypus" sprechen. . Absturz eines Wasterflüszenges. Die Oesterreichische Lustverkchrsaktrengesellschast hatte -aw gekündigt^ daß am 16. d. der^ Flugpostverkchr zwischen Oien und Budapest wieder ausgenommen werde. Gestern früh traf äus Budapest das Wflsserflugzmg bei.der Reichsbvucke ein. Beim Anlegen stieß es an eine Plätte und geriet mit dem Steuer an einen hei der ' Reichsb'rücke eingebauten. Minensänger. Infolge der 'Gewalt des hochgchenden Stromes wurde, es hilflos fortgerissen. Die. drei Insassen befanden sich in großer Gefahr und'würden schließlich von der Mannschaft der ungarischen Schl-eppschisfe gerettet.' Das Flugzeug selbst .fft vollständig 'vernichtet....... ,. Die Direktion der Luftverkchrsanstalt bchauptet, daß. der Zwischenfall durch ein Derschen der. Mannschaft erfolgt sei. kinstellung der zweiten RügiwWerbindnng Mnchen-Men und Wien-München. I Angeblich wegen Mangels an FkMengen unterbleiben einige Zeitlaug (voraussichtlich acht.Tage) die' Postflüge München ab 9 Uhr,- Wien an 12 Uhr,- und Wien ab 12 Uhr 16 Minuten, München an . 16 Uhr 80. Minuten. Infolgedessen verkehrt während dieser Zeit nur der MngfeNvastwagenkurs ab Wiest, 1. Bez., Verkehrsbureau, 7 Uhr 30,Miinuten und jn der Gegenrichtung ab FluMd.Aspern. 15 Uhr 46 Mirncten. M« Flug«, post nach München wird daher nur einmal täglich, und zwat um 7 Uhr früh, abgefertigt. - ' . ' '