Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1886 (16.5.1924)
- Date
- 1924-05-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. MS Dielt, Fre i tag Wiener Morgenzeitung. 16. 9)lai 1921 Seite 8 in Mn in Betracht -kommenden öffentlichen Vertretungs- Wchem. verlangt. Die KMsevenz. halt es für notwendig, daß die gesamte Indens chaft Großrumäniens sich zu einem einheitlichen j ü d i f ch e' n Nation« lverband für Großrumänien vereinige. Die Deklaration stellt ferner fest, daß die überwiegende Mehrheit der Juden in Beßarabien und in der Bukowina sowie der anderen menen Gebiete auf dem gleichen nationalen Standpunkt steht, und daß der Natwnalvevband immer im GinklMg mit den Interessen des Staates zugunsten der KonfoWerUng GroßrumLnienZ und aller feiner Völkerschiastett Mei't ist, bei vollkvmmener AufrechterWtuug des seWaudigeN jüdischen Minderhe-itsprinzipes, behufs nrogiichst IvoMommemr iNchierisWung der Minderhieitsrechte mit den übrigen nationalen Minderheiten vorzugehen. ' Sie letzten Kurse. SSt eine Kontrolle des Waffenhandels. Bevaiungett des Völkerbundsausfchufses in Paris. (Eigendienst der „Wiener Morgenzei-tung".) 16. Mai. Hier tagt unter dem Vorsitz des Majors Whädde (Großbritannien) der Völkerbu nd saus schuß für Militär-, Marine- und Lustfahrwesen. Auf der. Tagesordnung steht die technische Durchberatung des Vorentwurfes für eine Konvention über die K on tr olle des Waffenha ndels. An den Arbeiten nehmen teil: Belgien, Brasilien, das britische Reich, Spanien, Frankreich, Italien, Japan, Schweden und Uruguay. Berechtigte Notwehr. Der angeklagte Berliner Bund jüdischer Frontsoldaten frekgesprochen. (Eigendienst der ,-Wiener Movgenzeitung".) Berlin, 15. Mai. Heute vormittags hatten sich vor dem Schöffengericht Berlin, Mitte, die Vorstandsmitglieder des Bundes jüdischer Frontsoldaten unter der Anschuldigung zu. verantworten, unbefugter Weife bewaffnete Haufen gebildet und diese ohne gesetzliche Befugnis betvaffnet zu haben. Nach der Anklage werden die Angeklagten beschuldigt, am 6. November vorigen Jahres im jüdischen Gemeindehause eine Wache eingerichtet und bewaffnete Patrouillen vorr dort entsendet und zum Teile befehligt zu haben. Als im November im Anschluß au die a l l g e m e iuen Lebensmittelkrawalle in Berlin in der Gvenadierftraße Pilünderuugerr jüdischer Geschaftsläden und WHniüngen stattfanden, hat der Bund jüdischer Frontso'kraten einen Teil, seiner Mitglieder bewaffnet und Schutzstreifen in die Gegend geschickt, um die bedroh te>n Iuden zu schützen. Bet einer solches Streife entstand ein Handgemenge, in dessen Verlauf ein Schuß fiel, der einen Plünderer tötete. Die Streife wupde damals von der Polizei festgenommen und auf Lastautos ZUm Polizeipräsidium gebracht. Da die Angeklagten bei der gestrigen Vernehmung' das Tatsächliche zugaben, wurde auf die Beweiserhebung verzichtet. Der Staatsanwalt beantragte die Freisprechung der Angeklagten, der das Gericht Folge leistete mit der Begründung, daß kein widerrechtliches Verhalteu, sondern nur N o t w e h r vorliege. Rach dem Muster von HM. Geplante Abhaltung eines „Uhlanentages" bei Berlin. (Eigendienst der „Wiener Morgenzei-tung".) Verkitt, 16. Mai. Die politischen Recht s o r g a u i >s alie « e n in Fürstenwalde bei Berlin haben für den nächsten Sonntag einen allge m e i n e n U h l a n e n t a g angesagt, der zu einer Demonstration für die Mona r ch i e werden soll. Daraufhin haben die K o m m n n ist e u ihre Berliner und Brandenburgischen Genossen a!nf- . gefordert, zu einer Gegendemonstration zu schreiten und die monarchistische Kundgebung nicht zu dulden. Jetzt ist ein Verbot der angesagten Feier und Umzüge ergangen. In der letzten Nacht ist düs U h l a n e u d e u k m a I in FürstenwaVe beschädigt worden. Die linke Hand der Figur wurde abgeschlagen. Man vermutet, daß die Täter Kommunisten sind. KommmMche Gewalttaten im Ruhrgebiet. Berlin, 16. Mai. (Tel. der „Wiener Mvrgeuzeituug".) Aus dem RHvgebiet werden zahlreiche Mißhandlungen Arbeitswilliger durch 'Kommunisten gemeldet. So wurde einem' Maschinenhoizer gestern nachts eine Handgranate ins Schlafzimmer geworfen, durch deren Explosion jedoch nur Äichfchädeu angerichtet wurde. Auf einen Steiger-Würden, 'während er in, der Küche saß, a cht Revolve>xschAf.se abgegeben. / Bier auf dem Wege zur Arbeit bHMiM Arbeiter wurden überfallen und Wver MhhanW/ 2er neue bayrische Landtag. (Eigendienst der Miener MorgeHMmg".) München, IS. Mai. Nach Festsetzung dev fReiftftintmcn^ nmndate ergibt sich nunmehr folgendes Bild: 'bayrischer Bauern- und Mittelstandsbund 1V, bayrische Volkspartei 16, Beamtengriippe Kratochwil 1, chrfftlichsoziale Partei (bayrisches Zentrum) 2, Deutscher Block 3, Kommunisten 9, nationalliberale Landespartet 1, vereinigte nationale Rechte : 11, .vereinigte SHWemokraten 23. Wd völkWer Block 23 London» 15. Mai. An der heutigen Börse waren die Valutakurse wenig verändert. Von Auslandsrenten war Oesterreich gebessert und notierte 94, französische Renten gaben nach, tschechoslowakische Krone notierte 9,7y3, Länderbak 10 Schilling 75 Pence, Bodenkredit 19, Baumwolle Schluß 8 bis 9 Punkto höher als gestern. London, 15. Mai. D e v i s e u s ch l u ß k ü r s er Prag 148»% New-York 4861%ß, Paris 78,75, Brüssel 87, Nom 9812V», Zürich 24,67-/-, Madrid 31,45%, Amsterdam 11,69^/«, Kopenhagen 25,80%, Christiania 31,52%, Stockholm 16,42%, Helsingfors 174, Berlin 18V», Wim 310.500, Athen 214%. Paris, 15. Mai. Die Börse ist noch immer schr still., Das Geschäft beschränkt sich ausschließlich aus professionelle Börsenkreise. Trotzdem war die Stimmung der Börse heute freundlicher, obwohl die Devisen sanken, zogen auch die französischen Papiere leicht an. Französische Renten waren sest. Ebenso französische Banken, wahrend Köhlenwerte leicht rückgängig waren. Russische Renten und russische Jndustriepapiere machten weitere Fortschritte. Petroleumwerte blieben unverändert. Aew-Vork» 16. Mai. Efsektenbörser Canadian Pazifie 147,87%, Union Pacific 131%, United States Stiles 96, Royal Dutch 54%. Trieft» 15. Mai. Amsterdam 835 bis 850, Brüssel 109,50 bis 111,50, Paris 130 bis 132, ' London 98,26 bis 98,50, New- Pork 22,45 bis 22,60, Zürich 396 bis 399, Bukarest 11 bis 11,60, Prag 66 bis 66,50, Budapest 0,025 bis 0,03, Wien 0,0315 bis 0,0325, Agram 27,70 bis 27,90. Prag, 16. Mai. Die Börsenkammer hat beschlossen, vom Montag den 19. d. an die Notierung der polnischen Mark zu löschen'und an ihrer Stelle den polnischen Gulden zu notieren. Ein Börsenschluß wurde mit 5000 polnischen Gulden festgesetzt. Weiters wurde beschlossen, beim Finanzministerium das Gesuch um Erweiterung der Kote der Aktien der Böhmischen UnionbaM in Prag'von 160 auf 200 Millionen Kronen Nominale, der österreichischen Alpinen Montangefellschaft in Wien von 300 auf 600 Millionen und das Gesuch der Bank für Handel und Gewerbe (früher Länderbany um Kotierung der Aktien hu Gesamtbeträge von 18 Millionen Kronen zur günstigen Erledigung zu empfehlen. Die Wisch» Gemerndewah!» in Pol». 80 Prozent der Stimmen in OstgaWen für den nationalen Block. (CigeMenft der ,/Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 14. Mai. Wie Ihr Korrespondent bereits graphisch berichten konnte, haben die Wahlen in die dritte Kurie der Lemberger-jüdischen Gemeinde dem nationalen Block eilten gewaltigen Erfolg gebracht. In Lemberg wurden 3974 Stimmen abgegeben; davon.erhielten die Kandidaten des jüdischnationalen Blocks 78 bis 80 Prozent, und zwar Deputierter-Dr. Leon Reich 3041, Rabbiner Wittels 2992, Maurych Rapaport 2885, »x Glasern: ann 2861, L. Stengel 2866, M. R oha tyn>2774, M-.-F i-nUIft ein 2829, R. Margu'lies 2689, M. Silber 2526, I. Konrad 2467 Stimmend Die vereinigten Asfimilanten und Orthodoxen.sind dnrchgefallen. Auch in der ostgalizischen Provinz war das Ergebnis e:n ähnliches; iit Start isla u, tvo 3258 Stimmen abgegeben -wurden, erhielt der nationale Block 2209 Stimmen,' so daß auch hier die orthödox-assimilatorische Koalition' unterlegen ist. In Jaworow, wo die Jüdischnationalen mit der Partei der Kansteute eine gemeinsame Liste ansgestellt hatten, erlangten sie 13 Mandate. Nur zwei Mandate sielen der Agudah zu. In S t r y j, wo Wahlkoalitionen zwischen den kleineren Gruppen nicht abgeschlossen worden waren, ergab sich eine stärkere^Stinmrenzersplittermlg, so daß das endgültige Resultat noch nicht feststcht. Die bisher bekannt gewordenen 'Teilrefultate lassen auch hier eine starke Mehrheit der Jüdischnationalen erwarten. Die Wahlen Verliesen in vollster Rnhe, Sar erste Aufgebot. Zur österreichischen Palästina-Woche. . Eine Anzahl jüdischer Menschen festigte sich in dew Tage, Wochen hindurch zu Wiener Juden zu gehen und mit ihnen über die jüdische Heimstätte in Pälä-- stina zu sprechen. Sie überlegten zunächst ernstlich, lote es anzüstelleu fei, daß der großen Sache durch solche zahlreiche Bcsnchgänge nicht Abbruch geschieht. Daß man nicht.als .Bittsteller xoder gar Almosenheischer ausgenommen werde; daß man. das herrliche, opfermutige Werk der jüdischen Pioniere nicht erniedrige, indem der Angegangene sich benimmt, als. stünden ihm Sendlinge irgendeiner Vereinsmeierei, Wahl-.' täterei oder eines verdächtigen Geschästsunternehmens zur Erhaltung von Bemssagitatoren gegenüber; daß mau nicht' schmachvolles ,Mitleid" erzeuge, wo Liebe, Freude, Bcgeffternng zu wecken ist. Daß sich nicht der. Gegenpart höflich „loskauift", während doch Reue Wer bisherige Unterlassung, Sorge um das Gedeihen des teuren Werkes, brennendes Verlangen, fortab nach Kräften mitzutun, bei den Besuchten verbleiben muß. Cs war der erste Segen dieser „Aktion" (schon dieses trockene Wort entstellt, entwertet das Ünterne-Hmen), daß sich diese Männer und Frauen vorerst selbst sestigen nlußten in ihren Ansichten über die jüdische Gegenwart, sammeln in ihrem Wissen um das, was auf paWmeMcher^ Erde vor sich geht. So haben sich alle, bevor sie an die erste Türe klopften^ bereichert und gestärkt, sich und die Bewegung unter den Juden der Vevftreuung,' welche der Errettung und Erneuerung des Judentums dient. Es war der erste Segen und ich glaube, er wird der wertvollste sein. Dann begann die Arbeit. Sie war nicht immer froh. Man traf auf so manchen, der ahnungslos und stumpf geblieben ist. Aber weit großer ist die Zahl derer, die noch gestern und vorgestern abseits standen und. heute mitschaffeu. Und es ist das Erlebnis " der österreichischm Palästina- Woche, daß diese Hundertschaften — wägen wir ab und schränken wir ein —, daß diese erste Hundertschaft der Erwecker und Erzieher absolut nicht gesonnen ist, die Arbeit ' abzubrechen und sich auf die angesetzten zwölf Arbeitstage zu beschränken. Das erste Aufgebot der Werbenden von Mann zu Mann will nicht äbrusten uud setzt die Entdeckungsfahrt nach ungekannten, bisnun unerreichten Wischen Zeit-, genossen fort, die teilhaben wollen und müssen an Erez Israel. Und schon formt sich hinter diesem ersten Aufgebot das. zweite. Das sind jene, die dabei -varen und bisnun doch nicht dabei, ganz frevelhaft nicht dabei, weil sie znstimmten und es bei dieser persönlichen Austimmnng bewenden ließen. Kein Zweifel für alle, die w vovbiMcher 'Gemeinschaft lwahvend der verflossenen Tage diesen Durchbruch zu den ftidischen Herzen gebahnt haben, daß die österreichische Palästina-Woche ein voller.Erfolg war, und daß sich auch ihr ziffernmäßiges Ergebnis von Woche, zu Woche steigern wird. Wer aber diese Zeilen liest, guten Willens ist und von den Besuchern (mancher von ihnen hat Bewundernswertes während der. verflossenen Arbeitstage für Palästina nicht erreicht wurde, stelle sich unausgefovdert mit seiner Opserileiftung ein. Es wird die Erdigste Anerkennnng für das Werk der Mitarbeiter an der österreichischen Paläftina- Otto. Abel es. Me Wrgermeisterwahl in Proßnitz. Ans Proßnitz tv'ird uns gechriöben: Bei der am 9. d. vorgenommenen -Wahl des Bürgermeisters .stimmten die jüdischnationälen Vertreter mit dem sozialistisch Block, so daß ein Sozialdemokrat gewählt wurde, Zu Vizebürgermeisterw wurden ein Nationalsozialist und ein Kommunist gewählt.. Vor der Wahl des St ad trat es entfernte sich der bürgerliche Block, nachdem er gegen die Zuweisung -eines Stadtratsmandates an die Zionisten protestiert und einen diesbezüglichen Rekurs eingebracht hatte. Der noch anweseüde sozialistische Block und die Jüdischnationalen wählten ihre Stadträte; der zionistische Vertreter im Stadtrat ist Herr Dr. Robert Sonnenmark. Graf Lasorki volnischer GesaMer i« Prag? (Eigei^dienst der „Wiener Morgel^eitung".) Warschau, 15. Mai. In Zusammen^hang mit der angehenden Liquidierung der I a w o r i' n a - A ngelegenhe i t soll die polnische Gesandtschaft in Prag in der nächsten Zeit d e f i n i t i v b e s e tz t werden.' Für diese Stelle ist der bisherige Gesandte in Wien, Graf Lasocki, aus er sehen. , Die ßsongrader Bombmwerfer. Budapest, 15. Mar. Die Kurie hat die Angelegenheit des Csongrader Bomb e natten täte s dem Szegediner Gerichtshof abgenommen und denr Szolnoker Strafsenat übertragen, tvo nunmehr die Hauptverhandlung shcittsinden wird. Die Kurie begründet diesen Beschluß mit der großen Stimmungsmache, ivelche irr Szegedin teils für,.teils gegen die Urheber des Bombenattentats, die beiden Brüder Piroska, getrieben wurde. Da das Szolnoker Gericht das gesamte riesige Aktenmaterial der Affäre erst studieren muß, dürfte die Haupiverhandlnng gegen die Bonlbenattentäter von Csongrad u i ch t vor dem Kerbst stattfinden. Zabottnrkyr Borttagstoumee. Wladimir Jabotiusky befindet sich zur Propagier rnug seines neuen zionistischen Programms auf einer Bor-' tragstouvnee, die ihn demnächst auch nach Wien ftihrt, woselbst er im Großen Konzerthaussaal zwei Vorträge halten wird. Jabotinskys unstreitig lnteressante und bedeutende ersönlichkeit ist in weitenzionistischen und jüdischen Kreisen bekannt; seine Leiistungen als Organisator der j üdischen Legionen, die während des Krieges in Palästina föchten, und seine mutige Haltung während der a r a b i f ch e n A >u s s ch r e i t u u gen i n P a l ä st i n a haben ihm zu einer verdienten Popularität verholfen. Die Anerkennung dieser Tatsachen hindert jedoch nicht die Feststellung, daß Jabotinsky, der sich in erklärter Opposition zum gegenwärtigeu zionistischen Kurse befilldet, seit längerer Zeit Gedanken vertritt, welche' die überwiegende Mehrheit der Zionisten ablehnt und die der palästinensischeil Aufbaubeivegung kaurn förderlich sein können, JaborinSty hat vom Kriege her eine gewisse militaristische Gedankenrichtung mitgenommen und tritt für die Schaffung eines jüdischen Schlchkorps in Palästina ein, welches allein den Wischen Aufbau des Landes sicherrr könne, während er die Politik eines jüdisch-arabischen I nt e res.senausgleiches in Palästina energisch ab lehnt. Er bekämpft die Palästinapolitik Englands und die Haltung der englischen Administration An Palästina und will nicht zugeben, daß auch auf denr Gebiete der jüdischen Politik, wie in allen politischen Fragen letzten Endes nicht die Deklarationen und die Postülate entschr-wen, sondern die Gewalt der Tatsachen, welche zu schaffen heute mehr denn je die allgernein jüdische Losung sein lN'.rß. Vor kurzem hat Jabotinsky fein Programm neuerdings formuliert. Dieses stellt bis zu einem gewissen Grade eine Kopie von Herzls Jdeengängcn dar. ohne freilich der g.'änd.'rten Wirk!iwwit von beute völlia Recknunra \n tra-