Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1883 (13.5.1924)
- Date
- 1924-05-13
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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m w ~ - MMtzd - [■■ . - Wien, 13. M-. * JtMlLum des Professors Pirquet. Gestern fand» im Beift'm zahlreicher Professoren der Wimer und ausländischen medrzÄrischer Fakultäten sowie eines Vertreters des Unt«r°-!richtsnnnisteriums die Fewr des 60. Geburtstages des Pro- Si Prrquet in seiner Klinik statt. Dre emkeitenden Worte Professor Knöpselmacher, dem sich Obermed^iualrat kwnfeld anschloß, der dem Jubilar eine ihm gewidmete Festnummer der„Wr. MediM'chen Wochenschrift" überreichte. Nach ihm sprach Professor Wenkebach in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des „Vereines für innere Medizin und 'Kinderheilkunde"". Hierauf hob Professor Mayerhofer aus Agram m einer längeren, mit Lichtbilder begleiteten Rede dl« Verdienste Pirquets um die Kinderherlkullch-e. hervor. Er. betonte dessen erfolgreiche Bekämpfung dvv Tuberkulose bei Kmdem und sprach von dem weltbekannten Namen, den sich Pirque durch ein« neue Ernährungsmethode, das „Nem-Syflem, geschaffen. Ern« große Anzahl namhafter 'Gelehrter ist aus der Reihe seiner Schüler hervoilgSgangen^ unter denen Professor Schick, der jetzt in Amerika wirkt, ern wertvoller Mitarbeiter seines Lehrers wurde. In Rt-> wegten Worten dankte Professor Pirquet für die ausge.-- sprochenen Glückwünsche und versprach, mich weiterhin daran unlzuarbeiten, daß Wien seinen Ruf auf dem Gebiete der Kinderkliniken bewahre. Auch die-Patienten und deren Angehörige bereiteten dem Jubilar gestern vormittags in der Kinderklinik Ovationen. * Der vermißte Mediziner Komlos. Gestern wurde fcstgestellt, daß der vermißte Mediziner Komlos tatsächlich am Abend des 7. d. in der Staatsoper war. Einer seiner Bekannten hatte mit ihm im» Foyer des Thoaters eine B^erielstunde vor der Vorstellung gesprochen. Bisher fehlt von ihm jede Spur. * Ein neuer jüdischer Buchladen. Im Zentrum des Wiener jüdischen Lebens, im Hanls, e, Tabor st ratze 20 a, wurde von Prof. Möses Rath und Dr. Merr Präger eine neide Buchhandlung erössmt, die neben großer Auswahl an allgemeiner Literatur ein öoItrftänlbi^cS Lager der modernen hebräischen und jüdischen Literatur halt. Unsere Freunde seien mit besonderem Nachdruck auf das neue Unternehmen aufmerksam gemacht. * Zionistisches Landeskomitee. Das Zionistische Landeskoimlee te'lt mit: Die Beurkssektionm, Vereine, Gesinnungsgenossen usw. werden aufgefordert,' so rasch als möglich die bercüs verkauften Schekälim abzuführen und die Blocks zu retournieren». D'e Zionistische Exekutive m London hat uns mügeteilt, daß im Monate Juni ein Vertreter der Exekutive nach W:en kommen wird, um unsere Sch ekelbücher, Schekelverrechnung usw. zu kontrollieren. Es ist daher notwendig, daß wir sofort int Besitze sowohl 'des Geldes für die veri-i kaiifteu Schekalrm, wie auch der nicht mehr benützten Blocks getan gm. * Der Bau Glashiitter Präzisionsuhren. Sonntag abends fand rm tcchno'ogischeii Ge rerbemusenm die Ausführung e'nes LehrsÄnres „Ter Bau einer Glasbütter Prä-isronsuhr" nl'i't vorausgehendem Radiofilmrundfunk statt. Der Film«- rundsunk war lnflÄg« schlechter Lautvevstärchckr kaum z.u hören. Dagegen bot der Lehrftlm ein prachtvolles Bild der Leistungsfähigkeit und Präzision menschlicher Arbeit. Wenn inan Ätaschiinen zu. bauen vermag, die präzis genaue Schrauben von, nicht ganz einem halben Millimeter Durchs messer 51t erzeuget! vermögen, so ist dies eine Leistung, dis Anerkennung und Erwähnung verdient. * Radiokonzcrt der Sendestatioir Radio-Hekaphon. Programm für morgen Mittwoch, von halb 5 Uhr bis halb 6 Uhr nach nnttags. „P u c c i n i - L e h a r"-Nach mittag: 1. Lehar, „Gigolette", Marsch aus der Operette „Libellen-' tanz"; 2. Puccini, Phantasie aus der Oper „Manou Les-- eaiit"; 3. Lehar, „Göld und Silber" (Konizertmallzer); 4. Puccinl, Quartett-Phantasie aus der Oper „La Boheme" und „Walzer der Musette" (Gesang Frau Grete Hllari); 5. Lehar, a- „Sternenikeb"", b) ,sDas Himmelbett"; 6. Pucctiui Phantasie aus der Oper „La Dosen", Arie des Cai-» varadossi (Herr Silving); 7. Lehar, „Ole-Ola" Shinrmy ails der Operette „Clo-Clo". Quartett: Silving. * Ussischkins Propagaudareise. Ussischkiu ist am 5. d. in Saloniki eingetroffem. Er wohnte daselbst der Keren Hajessod-Konserenz bei und sprach m einet: öffentlichen Versammlung m hebräischer Sprache über Palästina und die nächsten jüdischen Aufgaben. Von Saloniki begibt sich Ussischkm nach Bulgarien. * Einschreibung in das Jüdische Reformrealgymnasimn in Brünn. Alle Eltern, welche ihre Kinder in das Jüdische Reform realgymnasiunl irr Briinn einschveiben lassen wollen, das im Schuljahre 1924-25 die 1. bis 5. Klasse umfaßt, werden hiemit aufgesordert, der Direktion der Anstalt so-, bald als möglich den Geburtsschein, den Heimatschein und das letzte Schulzeugnis (in der Regel Frequentatiouszeugnis) zu übersenden. Bei. Ausländern ist besondere Beschleunigung am Platz. Solche haben außer den erwähnten Dokumenten noch em mit 2 Kconen-Stempel versehenes, an das Ministerium für Schulwesen und Volkskultur m Prag gerichtetes Gesuch der Direktion der Anstalt mitzuübersenden, ebenso ein amtliches Schriftstück, daß sie in einem "Orte innerhalb der Tschecho-Slowake! wohnen. (In der Regel polizeiliche Anmeldung.- — Den Bemühungen des Vereines Jüdische» Schule für-Mähren, ist es gelungen, 20 Schülerinnen ini einer erstklassigen Pension eine streng koschere Unterbringung zu sichern. Die Bemühungen, solche Möglichkeiten in großem Ausmaße zu schaffen, insbesondere auch für Knaben, wird auf das energischeste fortgesetzt. Man wende sich auch bie^* bezüglich an die Direktion des Jüdischen Reformrealgyrrv nafiums in Brünn, Stadthof 2. * Im Segelboot von Schanghai nach Kopenhagen. Kürzlich trafen rm Kopenhagener Hafen drei Beamte der Northern Telegraph Company ein, die auf einem nur 25 Tonnen großen Segelschiffchen den Weg von Schanghai nach Kopenhagen zurückgelegt hatten. Eine Gruppe von sechs Beamten hatte am 27. Februar d. I. Schanghai aus bleiern Schiffchen verlassen. In Batavia gingen drei der Beamten ans Land. Die übrigen segelten weiter nach Kapstad t, von dort über St. Helena Und Sierra Leone nach den Kanarischen Inseln, die sie am 9. April d. I. verließen, um nun in Kopenhagen einzutreffen. Die ganze Reise war von 'dem besten Wetter begünstigt, nur einmal hatten die Segler einen viertägigen Sturm zu überstehen. * Ein magyarischer Regierungsbeamter. Aus Budapest wird berichtat: Ter Ministerialsekretär rm Ackerbaummisterrum und Direktionsrat des Vereins der „Erwachenden Ungarn" Dr. Dübor Herkely unterhielt sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag m einem Budavester Nachtlokal ber Champagner und Zigeunermusik. Zwischen der Tischgesellschaft des Dr. Herkely und einigen Gästen von züdrschem Aussehen am NachbartisH kam es Sonntag früh gegen ö Uhr, zu ernem Wortgeplänkel, in dessen Verlauf der Munsterialiekretär ein« Bierflasche ergriff und sie einem jungen Mann am Nachbartisch mrt solcher Gewalt ins Gesicht schleuderte, daß der Betreffende blutüberströmt und ohn- ''«Jic&.tj.cr astÜLtttttuKuIicrtd)- ißjaliiAt .hrc-itntte .b,t» .nuit fjjuivPlt tdrckuv. Eetier Mitteilungen aus dem Publikum. 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Präzise 8 Uhr beginnt Dr. Leo Goldhamm-er seinen Vortragszyklus Wer Palästina-Kunde. Nach 8 Uhr kein Einlaß- Gäste willkommen! — Zionistische Bezirkssektion Innere S tadt. Heute, viertel 9 Uhr abends, im großen Saale des Cafe Siller, 1. Bez., Franz Josefs-Kai, Referat des Herrn Dr. Jos. Berger jun. Mer .Zionistische Arbeit" mit anschließender Diskussion. * Der Palästina-Film. Sonntag den 18. Mai, halb 11 Uhr vormittags, Wiedevholnnig der Vorführung des Palästina-Films „Eine Reise durch Evcg Israel im Jahre 1928" im TuchlaübettTino. 1. Bex;., Tnchlauben 7. Kartenverkauf bei Dr. Leopold Soifcr. 1. Be,z., Kohlmarkt 10 (Tel. 06-7-33). und am Tage der Vorführung im Kino von 9 Uhr vormittags an. Aurtritte ans dem Judentum. Vilma Zwicker, geb. 30. Mai 1895, Wien, Private. 2. Bez., Laffingleithnerplatz 2. Hilde Falk, geb. 4. August 1901, Wien, Private. 2. Biz., Rembrandtstraße 17. Paul Brück, geb. 6. August 1894, Wien, Privatbeamter, 2. Bez., Franz Hochedlingergasse 23. Malwine Fleischmann, geb. 30. Mai 1883, Wien, Geschäftsinhaberin, 8. Bez., MSstraße 5. Adolf Pick, geb. 9. August 1892, Budavesi, Maler, 2. Bez., IbbSstraße 18. Stephanie Bondy, geb. 29. Marz 1891,. Tulln, 5. Bez., Hamburgerstraße 6/9. Max Fuchs, geb. 21. Oktober 1882, Wien, Kaufmann. 5. Bez., Zentagasse 16. Josef Goldschmied, geb. 18. November 1889, Wien. 13. Hollergasse 2. Ludwig Glück, geb. 18. Februar 1883, Lundenbnrg, Handelsangestelltrr, 8. Bez., Stolzenthalergasse 4. Paul - Winternitz, geb. 1. August 1901, Luck, Student, 9. Bez.-,. Sechsschiimnelgafse 21, Helene Strein, geb. 31. Juli 1697, Gmunden,. 1. Bez., Zelinkagasse 12. Friedrich Kühner, geb. 6. Februar 1884, Wien. Fabrikant, 4. Bez., Mollwaldplatz 4. Hedwig Kühner, geb. 20. Jänner 1886, Wien, 4. Bez., Mollwaldplatz 4. Stevhan Jchbeiier, geb. 29. November 1908, Wien, Gymnasiast, 4. Bez., Wohllebengasse 8. Georg Murai, geb. 80. November 1894, Szeged, Bemnter, 9. Bez., Liechtensteinstraße 95. Isidora Brunnwasier, geb. 23. Februar 1895, Borhslaw, 9. Bez., Habngasse 12. Erwin Gargo, geb. 21. August 1904, Wien, Lehrling. 6. Bez., Kaunitzgaffe 33. Julianne Knöpselmacher, geb. 26. März 1895, Wien, 13. Bez., Aubofstraße 78. Dr. Eugen Fodor. geb. 5. November 1894, Balazich, 13. Bez.. Hochsatzengasse 18. Alfred Hendl, geb. 24. September 1888, Wien, 13. Bez., Penzingerstraße 74. Rosa Leontine Ulrich, geb. 19. Februar 1896. Lemberg, 15. Bez., Neubangürtel 23. Emma Rakos, geb. 15. August 1899, Zsaka. 3. Bez., Kbungasse 14. Cäcilie Lipp, geb. 9. September 1867, Men, Privatbeamtrr, 16. Hasnerßraße 10. Maximilian ' Wagner, geb. 8. Oktober 1901, Wien, Installateur. 16. Fröbelgasse 56. Ladislaus Rakos, geb. 19. April 1897, Budapest, 3. Bez., Khungaffe 14. Viktor Halm, geb. 23. Mai 1898, Wien, 8. Bez., Schrottgaffe 5. Bühue und Kunst. Reftrod im Burgtheater. „Der Zerrissene". — Akademie-Theater. Hundertgrädige-r Nestroy! Schon in den ersten Szenen sprüht es von Shakespeare-Weisheit und Shakespeare-Humor und dieses Fortissimo hält bis zum erstell Fallen des Vorhanges an. Im zweiten Mt entfaltet sich ein ländliches Idyll von unevhörter Heiterkeit. Dieser mit Kopsschmerzen behaftete, greinende Bauer, der trotz seiner schwerfälligen Einfalt verflucht Pfiffig sein kann, dieser rustikale Neurascheniker ist eine Figur, die an Durchschlagskraft dem „Zerrissenen" ebenbürtig zur Seite stcht. Uebers Bu-rgtheater zu schimpfen ist jetzt höchste Mcde. Man kann nicht sagen, daß die hundert Augen, die unentwegt auf den „sinkenden Äern" des Burgcheaters gerichtet sind, von Wchnmt gefeuchtet wären. Das beste Wiener Erbstück nach Kräften herabzusetzen, scheint den meisten Bedürfnis zu sein. . Darum ist es doppelt Pflicht, jeden guten Abend des Burgtheaters herauszustreichen. Schließlich wird es diesem Kunstinstitut wirklich schwer, ssich vorwärtszuarbeiten, und für Sünden von gestern das Ensemble und. seine . Führung von heute büßen zu lassen, ist unfair. Dieser Pestroy-Abend ist ausgezeichnet. Wärees möglich gewesen, den Krautkopf mit Herrn Kirschner vom Deutschen VoMtheaier zu besetzen — es bliebe nichts zu Pünschen übrig,Misst.Thaller8 „Zerrissener", längst bekannt und geliebt, kam in dem intimen Raum des Akademietheaters doppelt zur Geltung. Dai fiel .kein Nestroh-Wovt-unter den Tisch. Herr Mayerhoser gibt'dem wilden Gluchammer.behäbiges Format.. Es hat viel-für sich, den. geprellten Schlossermeister, der für. ein^, Unwürdige, sein Gröschel hergqb,. aber aus der' nnglücklichen Liebcsang-.'scgc'nHeit den Gewinn zog, m mnm"- j t!'iu) ..,.t Suls ergeben zu dürfen,-qls gutyrtigeq Polterer zu gestalten, der. im Liebesgram nicht, alb-, sondern beträchüich zunimmt.' Durchaus' tauglich und von der Regie gut beraten Herr Wawra als Krautkops, aber — wie schon angedeutet — an den göttlichen Kivschner darf man nicht denken. Bon erquicklicher Zurückhaltung, durch bescheidene Farberrgebung nur echter und herzhafter, Frau Seidler als Kachi, voll Verdienst Frau G l 0 s s h und Krautkopfs Banernknechte. Altwiener Musik in den Pausen, warme Heiterkeit während des Posseuspiels, fröhliche Gesichter beim. Nachhausegchen. — so wird das Burgtheater die Krise ubertanchem O. A. Paal Seraldh» „Aimee" bei Reinhardt. Eine dreiaktige Dichtung voll Wchnmt, Herbststimmung und jener lyrischen Zärtlichkeit, die bewegt, ohne zu erschüttern,' die nachdenklich macht, ohne daß man über das Menschliche darin philosophieren muß. Geraldhs Stück hat eine Höhe des Gefühls, eine Atmospäve des Geschmacks, welche die Erlebnisse seiner Figuren heiligt, sie auS dem Alltag in eine zanbervoll-Heglänzte Landschaft führt, wo es kern Nebeneinainderreden, keinen logischeu Widerspruch, keine. Mutpeinigung-mchr gibt. „Armee" ist eine lyrische Romanze trotz der tragischen Wolken, die einen heiteren Himmel bevölkern. Hanldlung? Wer verlangt nach ihr? Wer sucht sie? In behutsamen Worten, in Schluchzen, Lippennahen, Händeverschlbngen, in -stummem Augenspiä rollt das Schicksal ob, Wellenberg und Wellental, in einer jäh aufstergenden Kurve, die durch Seelenadel besänftigt wird: ein milder, süßer Akkord schließt es ab.. * . Der Dritte kommt und verlangt sein Recht. Er dringt in eine sanft Plätschernde, den Gefahren des „Draußen" unangreifbare Che; er lockt in das Ferne, Abenteuerische, ein lyrisch-gedänipster Ibsen-Kandidat. Bon gemeinsamen Erinnerungen überwältigt, Beherrscher ihrer Gefühle auch dort, wo das Blut toben sollte, bleiben Er und Sie, das Ehepaar, beisammen. Ein Jnternrezzo, dessen Ausgang uns klar wird, wenn wir wissen, daß es sich nicht um brutales Theater, son'dern um Dichtung, handelt. Denn nur darauf kam es dem Dichter (poete, nicht ecrivain) an. Diese „Ehekomödie" ist nur möglich unter Meuchen, die nach höchstem Seelenadel streben und um nichts in dev Welt aus den schönen, eleganten, lichtdurchfluteten Räumen ihres Daseins — der Architekt Witzmann hat mitgebichtet — in den luftleeren Raum des Unendlichen geherr wollen. Das abgegriffene Wort: Krrlturi sagt alles. * Den lyrischen Schönheiten der Dichtung können nrrr, Schauspieler gerecht werden, die das Letzte an Wort und Pausenkunst, das Erste an Geschmack und Zurückhaltung hergeben. Wiederum „Kultur!" Sie war vorhanden. Romberg kasteite sich selbst als liebender, menschlicher, verstchender Gatte, dessen grenzenlose, aber niemals demütigende Liebe verzeiht und rettet. Die Rolle des Dritten ist im Stück selbst nicht ganz klar: Janssen schwankte zwischen Verführer uüd Eroberer, er nersuchte, zu überreden, statt mitzureißen. Blond war Helene THirn i g, ganz schlichte Seele, packend in den Momenten der Hilflosigkeit, rührend heilig, als.ihr Gatte sie» die schuldig Schuldlose, zurückgewann. Ein Zauber von Reinheit und edelster Menschlichkeit weht durch das Stück, der Dialog, wie aus Versen gesonnt, kristallisiert sich zu einer Musik, die lange noch nachUingt. Oskar Rosenfrld. Tanzabenve. List Rinaldim. — Visa Gehrt. L 'wt R i n a l d i n i hat ein schmales, ovafformrges Gesicht, dessen hohe Strrn vom dmikien Haar beschattet wird. Hint:r dieser scheinen Gedanken zu schlummern, die, gchemmi. den Weg ans Tageslicht noch nicht gefunden haben, scheinen noch Gefühle zu zittern, die a.'s d..r Zerkindlichen Empfindens die Stävke der Naivität und aus der erwachten Jungfräulichkeit die Glut des Ueberswiv.rn^s bezogen haben. All das Unausgegorene, im Körper Verstaute hat auf ihren Tanz eingewirkt, der nur dort ganz gelöst ist, wo ein sug-nUichrr Humor, ein einfaches Gefühl zum Ausdruck gelangen soll. ,/Das Tanzlvgendchen" Gottfried Kellers als Unterlag-: für r'.ne tau-rasche Schöpfung zu 'benützen, ist schon deshalb für d'e Mg?nd0che Künstlerin unmöglich, weil ]\t noch uich. übe: die Intensität der Gestaltung verfügt um. die §eliok-it oer Musa künstleriisch zu erleben. Die wunderbare,, zaree Worim'.ladie des Dichters aber gar zu verstofflich'n und a*§? ras sage, für zweifelhafte Kulissen zu benützen, ist ein arger Knustsrepel. Die Größe und die Grenzen ihrer Begabung wird die weitere Entwicklung noch erichließen. Gisa Gehrt har tov Lisl Rinaldini ihre tänzerische Ausbildung in der Bodenwieser-Schule erfahren. Reifer im Mter, hat sie neben vielen: Nachempfundenen doch ein persönliches Erlebnis einzusetzen, das jeden ihrer Tänze bald leiser, bald stärker durchdringt. Im Walzer von Reger ist sie noch durch ihre unausgeglichene Armtechnik bchindert. Aber schon als Colomibine nach einer Musik von Moszköwskh «benützt sie einen technischen Einfall, , das Verlegen des Schwerpunktes des Körpers nach vorne, um ihren Humor leuchten zu lassen. Als Puck zur Musik von Tebussy fesselt sie durch die Leichtigkeit deS täuzerischen Ausdruckes, welcher der substanzlosen Musik adäquat ist. Variationen von Tartini vermählen sich mir der Weichheit ihrer Körperbewegungen zu immer neuer. Gliederung. In Lvjzts Mephisto-Walzer, dessen Erfindung schon reichlich erblaßt ist, hast sie sich an die lyrischen Teile, ohne zu Einheit der Form vorzudringen. Mer wie innig liebkosend umschlingt sie mit ihrem Körper die Töne Debussys, wie zeichnet sie zart die seelischen Reflexe dieser kostbaren Sonnenstrahlen! „Dorfkirchwerh" zur Missik von Bartok läßt ihr rhythmisches Empfinden, ihren robMen Humor in Erscheinung treten. Ern Tanz nach Scqrlatti ist gang in die Pastorale einer innigen FrHjahrsstimmung getaucht und ein Hochzeitstageine Groteske dem weiteren Publikum zu lchren, zeigt sie halh als Bräutigam, halb als Braut, ganz in die Parodie befangen. Gisa Gehrt ist ein .-.Versprechen, dessen Ersüffuna wir überwachen wollen. Alfred Srnd'..