Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1882 (12.5.1924)
- Date
- 1924-05-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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WMWWW WWWM % ■u Jp.M^UyU^, U AM I " ~~ Wen, MsMg Er behauptet, den Revolver nur zu seiner Verteidigung tzHogen zu Haben. Im Besitze Schwöbs wurde der mit fü«f scharfen Patron kn ge lade n e Revolv er g<s««den. _ Lar Verschwinden Komior Selbstmord? Wbe berichtet, ist seit Donnerstag der 20jährige Med^iner Ednumd KomloS verschwunden. Gestern Lcvm eLn Brief an Ko-mlos an, in dem der Schreiber seiner Verwunderung darüber Ausdruck gibt, daß KomloS pDtzbich lebenSWvrdrüssig sei und worin er ihn vor einem unbesonnenen Schritte warnt. Daraus ist zu entnehmen, daß Komlos gegenüber dem Schreiber des Briefes Velbstmordabsichten geäußert hat. La» Mische Schnlwesen in der Tscheche- Slowaiei. ®y& Brünn wLvd uns berichtet: Der hier ftattgesundene fünfte (außerordentliche) tschecho-slowalkiische Zionrstentag war hauptsächlich der Erörterung von kulturellen, besonders Schulfragen, gewidmet. In ausführlichem Referat hob Dr. Alfred Engel hervor, daß die Mischen Schulen in Böhmen und Mähren, die in den letzten Jahren teils durch die Fehler organisatorischer Grundlagen, teils durch die Eingriffe der politischen Bchörden vielfach zugrundegegangen sind, nunmehr auf -besseren organisatorlfchen Fundamenten neu aufgebaut und straff zusammengefaßt werden. Auch das jüdische Schulwerk in de.r Slowakei und in Karsnthorußland bedürfe, insbesondere auf dem Gebiete des Hebräischen, einer weitgehenden Verbesserung und Ausgestaltung. Das neue Schulwerk sei in neuem Wiste Lufzubauen. Nach eingehender Beratung wurde eine Resolution zur Schulftvge, die unter anderen fogende Forderungen enthält, angenommen: Alle Schulen, die von jüdischen Schulde rei nen oder Kulturysmeinden erhalten werden, werden ohne Rücksicht auf die gegenwärtige Unterrichtssprache als Schulen der jüdischen Minderheit anerkannt. Jnsolange weder im Schuilnrinßsterium noch im Schulreferat in Bratislava und Uzhorod' ein jüdischer Schulreferent bestellt ist, mögen der jüdische Nationalrat, beziehungsweise der Reichsiverband der jüdischen Schulde r e i n e in allen wichtigen und prinzipiellen Schulfragen zur Antragstellung und Aeußerung zugelassen werden. Die Ernennung eines Referenten jüdischer Nationalität im Schulministerium für jüdische konfessionelle Angelegenheiten und eines für das jüdiische Schulwesen. Einführung des neuhebräischen Unterrichtes als obligater Lehrgegenstand mit zjwei bis vier Wochenstunden. Das gesamte jüdische Schulwesen wird in angemessener Weise subventioniert. Ueberdies sprach sich die Tagung für die Erhaltung der jüdischen Fachschule in Mährisch-Ostrau aus und beschloß, im Einvernehmen mit dem dortigen Fachschulverein die nötigen Maßnahmen zur Sicherung des Bestandes und des Ausbaues dieser Schule zu treffen. Wlenev MörMnzeltmtS.^ Mitteilungen aus dem Publikum. —„IFA“ PALAST- KINO— --------- II. TABORSTRASSE 1 ------------- Nur noch heute Rafael Schermann im Film ferner Erika Glässner, Carmen Castellinl, Eugen Neufeld Zwischen Eh« nnd fliri 4, 726, 7, 7*9 Uhr * Dermitztes Mädchen. Seit dem 10. d. M. wird die 13Vrjährige Josefine Strohal, Volksschülerin, aus der elterlichen Wohnung, XX., Treustrahe 45, vermißt. Die kleine Strohal ist die Tochter der Wäscherin Luise Waschek. Die Mutter hatte gegen 3 Uhr nachmittags das Kind in die Versatzamtsfiliale in der Wallensteinstraße mit dem Auftrag geschickt, ein Kleid zu versetzen. Sie kam dem Aufträge nach und bekam für das Kleid 80.000 Kronen. Geld und Versatzschein steckte sie in die Tasche. Auf dem Heimweg blieb sie mit der sechsjährigen Marie Kosttschek, der Tochter einer Nachbarin, die fie mitgenommen hatte, vor dem Wallensteinkino stehen und sah die Bilder an; das benützte ein unbekannter Junge, um ihr Geld und Pfandschein zu stehlen. Als die Strohal da8 bemerkt hatte, ließ sie die kleine Mizzt stehen und sagte ihr, sie traue sich nicht nach Hause und werde, wenn sie den Knaben nicht finde, in die Donau gehen. Seither ist die Kleine verschwunden. * Der Erreger deS Darmkatarrhs. Aus Budapest wird uns telegraphiert: Der Arzt der III. internen Klinik Knorr hat den Ei-reger des chronischen Darinkatarrhs gefunden. Die Heilung soll nunmehr innerhalb weniger Wochen möglich sein. * Tanzinstitnt Hermann Braun, 14. Bez., Reindorfgasse 42. , _ (Entgeltlich.) Zer Hausarzt. Redigiert von Dr. Sanel Beer. Die Schlafkrankheit. Aus England kommt die betrübende Nachricht, daß dort eine schwere Schlafkrankheitepidemie das Land heimsucht und täglich die Zahl der Opfer stark zunimmt. Dieses Krankheitsbild ist den Wienern nur zu gut bekannt, denn ihr erstes Auftreten wurde hier im Jahre 1916-1917 festgestellt, in den folgenden Jahren konstatierte man die Encephalitis lethargica epidemica — dies die wissenschaftliche Bezeichnung der Krankheit — in Frankreich, Deutschland und England. Den Namen der epidemischen Schlafkrankheit erhielt das Leiden von dem Wiener Nervenarzt Professor Economo, dem das Verdienst gebührt, das vielseitige und absonderliche Krankheitsbild, dessen Deutung zuerst sehr schwer fiel, als eine neue Krankheitseinheit ausgezeigt und geklärt zu haben. Das oft gleichzeitige Auftreten der Grippe und der Schlafkrankheit erschwerte die Deutung der Krankheitsbilder, die man ursprünglich für einheitliche Krankheiten hielt, zumal man. bei beiden die entsprechenden Krankheitserreger nicht finden konnte. Wohl glaubte Professor Wiesner, dem die Uebertragung der Krankheit auf Affen und Kaninchen gelang, in den Ausscheidungsprodukten der Kranken den Erreger entdeckt zu Haben, doch bestätigte sich diese ursprüngliche Annahme nicht. 18. Mai im ' - . Nr. 1688 Auch die spätere Entdeckung, daß sich die gleichen Einschluß körperchen wie bei der Fiebevblase auch bei den Zerfallsprodukten Eneephalitiskranker ftnden, erwies sich als unrichtig, so daß bis heute nur feststeht, daß die epidemische Schlafkrankheit eine übertragbare Infektionskrankheit ist, die trotz der vielseitigen KrankheitSevscheinungen mit Sicherheit von der Grippe unterschieden werden kann. Man kann drei Formen der Schlafgrippe, wie man zuerst daS Krankheitsbild wegen der vorherrschenden Schlafsucht bezeichnete, unterscheiden. Die erste Form zeigt auffallende Schlummerzustände, Wahnvorstellungen und Benommenheit auf, die andere ist charakterisiert durch Reizerscheinungen orr» schiedener Art, es treten hierbei neben heftigen neuralgischen Schmerzen Znckungen und Krämpfe in den verschiedenen Muskel- und Nervengebieten aus. Die dritte Form, Äe mch? die chronische, sich lange hinschleppende Krankheitsform da»- stettt, weist das bei anderen Nervenkrankheiten bekannte Bild mit Muskelsteifigkeit, vorgebeugter Haltung, maskenartiger Leblosigkeit des Gesichtes und Speichelfluß auf. Es gibt im übrigen kaum ein Krankheitssymptom, das sich nicht auch bei der Schlafkrankheit findet und bisweilen die Krankheit allein beherrscht. Man denke nur an jenen Krankhertszustand, der sich bloß in quälendem, Tag und Nacht, oft monatelang anhaltendem Singultus oder Schluchzen (Schnackerl) dokumentierte. . Trotz des genauen Studiums der Krankheit in den verschiedensten Ländern, wo in den letzten Jahren Epidemien geherrscht haben, gibt es eigentlich keine charakteristischen SymPtome für die Krankheit, so wechselvoll und vielgestaltig kann die Krankheit verlaufen. ES gibt Fälle, die mit hohem Fieber einhergehen, während andere fast ganz fieberlos sich zeigen. Die wichtigsten Kennzeichen bleiben Schlafsucht, Zuckungen der Muskeln, besonders der Bauchmuskulatur und Augenmustellähmungen. Daneben stellen sich bei der Encephalitis, die hauptsächlich eine Erkrankung des Mittelhirnes ist, schwere Veränderungen der seelischen Persönlichkeit des Erkrankten ein. Es tritt eine Störung im Willensantrieb und Impulse ein, alle spontanen Handlungen unterbleiben. Der Patient verspürt keinen Hunger, keinen Durst, ist völlig apathisch und willenlos. Nicht in allen Fällen beherrscht die Schlummersucht das Krankheitsbild, sondern es gibt auch Kranke, die schwere Schlafstörungen oder die Erscheinungen der Schlafumkehr ausweisen, wobei der Patient bei Nacht unruhig und schlaflos bleibt; bei Tag gut schläft. Was den Ausgang der Krankheitsfälle betrifft, so verlausen 25 bis 50 Prozent gewöhnlich tödlich, eine Sterblichkeitsquote, die bei der in England jetzt herrschenden Epidemie eibenfalls gemeldet wirdi Leider kann man aber auch nicht sageck, daß die Ueberlebenden einer, völligen Genesung entgegensetzen, denn in einer großen Zahl bleiben, entsprechend der Buntheit und Vielgestaltigkeit des klinischen Krankheitsbildes unheilbare Defekte, wie Taubheit, Stummheit, Lähmungen der verschiedensten Nervengebiete zurück. Da bisher der spezifische Erreger der Schlafkrankheit noch nicht gefunden wurde, so erscheint bisher die Bcharwlung mit einem Serum oder Gegengift unmöglich. Dessenungeachtet kann man nicht sagen, daß nicht alle möglichen Mittel herangezogen wurden, um diese fürchterliche Krankheit zu bekämpfen. Tatsächlich scheint das eine oder andere. Heilmittel eine günstige Wirkung auszuüben. 6otinÖe6häiie=6eiDe:K2!)ui Wien. I, ADLE RGASSt-a Ttfefon Nr 7G2J54 mm Konzerte. Beethoven-Gedenkfeier. — Richard Strauß. — Moderne Musik. Es war ein Akt schöner Pietät von feiten der Konzert- Hausgesellfchaft, daß sie die Wiederkehr des Tages, an welchen sich vor hundert Jahren die unsterblichen Klänge der neunten Beethoven-Symphonie der Menschheit erschlossen hatten, mit einer historischen Aufführung des Werkes in der gleichen kleinen Besetzung feierte. — Es wäre wohl auch Pflicht der Staatsaper gewesen, diesen Gedenktag zu begehen, doch sie hat vor lauter Richavd Strauß-Rummel uud „Schaumschlägervi" für Beethoven keine Zeit. — Für uns, die wir in unserer Zeit leben und uns von den Orchesterretouchen, die Wagner und Mahler angebracht haben, kaum mehr zu trennen vermögen, bleibt das Werk in der ursprünglichen Besetzung eben nur historisch mit dem gewissen odiosen Beigeschmack des Historischen; nichts destoweniger wird man Herrn v. Klen au für die sorgfältig vorbereitete Aufführung ebenso Dank wissen wie den mitwirkenden Chören des Schubert-Bundes und des S i n g v e r e i n s und den vorzüglichsten Solisten Hüni-Mihacsek, Anday, Gallos und Erhard. Me bei der Uraufführung vor hundert Jahren brachte das Programm vor der „Neunten" die Beethovensche Ouvertüre ,/Die Weihe des Hauses" und noch drei Sätze der „Missa Solemms". Offenbar hatte das Publikum von 1924 einen viel Solemnis". Offenbar hatte das Publikum von 1824 einen viel war noch nicht derart musikalisch übersättigt, es gab noch krm? Serienausverkäufe und en Suite-Aufführungen der Meij»»rwerke wie in unserer Zeit mch. die der Uraufführung folgenden Jahrzehnte brachten nur einige wenige Aufführungen der neunten Symphonie. CS war ein ebenso großer als tragischer Augenblick/ als Beethoven am 7. Mai 1824 nach der Aufführung im Kärntne-rtor-Thoater teilnahmslos dem Publikum den Rücken kehrte, da er von dem losenden Beffall nichts vernahm. Erst als die GLngevi«' KaroVine Unge-r den fast tauben Meister dem Vvvttr«» ziÄvendete und ihn auf die Beifallsrufe des hüteych OchMwMMz KMtoMmS aMmerKwm machte, gab. er durch Verbeugung seinen Dank zu erkennen. Ob die Zuhörer Wohl damals eine Ahnung von der Größe dieses Werkes hatten, das seiner Zeit weit vorauseilte und als höchste musikalische Eingebung, als Freudenspender und als Verkünder lauterster Sittlichkeit noch immer im ersten Jugendglanze prangt! Richard Wagner versuchte ernst die Seelenstimmungen des Werkes durch Hinweise aus Goethes Faust zu verdeutlichen; heute braucht das Werk weder einen Kommentar noch eine besondere Würdigung zur Jahrhunderffe'ier: Ist es doch weit Mer den Kreis der Musiksteunde hinaus fast Gemeingut der gesamten gebildeten Welt geworden. * Der 60jährige Richard Strauß wird von der Mitwelt nicht nur in der Oper, sondern auch im Konzertsaale ausgiebig gefeiert: In einem Kammermusikkonzerl führte Professor 'Buxbaum Strauß' Cello-Sonate vor, eine frühes Jugendwerk, das sich noch brav an Mendelssohn hält und nur selten den späteren Melodiker Strauß verrät. Auch die von der philharmonischen Bläservereinigung gespielte anmutige Bläserserenade Op. 7 steht noch ganz im Zeichen Mendelssohns. Am gleichen Abend sangen Elisabeth Schumann und Hans Duhan Straußsche Lieder, der Mister selbst spielte mit auffallender Teilnahmslosigkeit den Klavierpart. Das erste Orchesterkonzert brachte unter Mitwirkung der von Direktor Schalk geleiteten Philharmoniker .die erst kürzlich aufgeführten.symphonischen Tonstücke „Ans Italien" und ,/Lod und Verklärung", die beide heute schon recht länglich anmuten und allzugrelle Belichtung durch häufige Aufführungen nicht gut vertragen. Das „festliche Präludium", eine äußerlich effektvoll ausgemachte Prunk- und Gelegenheitsmusik, eröffuete das Konzert, am Schlüsse standen die'vor Laune, sprühender^ immer willkommen „Lustigen Streiche Dill Eugenspiegels". Leider entfiel die „Deutsche Mottette", die wir ganz besonders hoch schätzen. Sie ist oben nicht leicht aufführbar und für die Einstudierung schwieriger Werte hat man in Wien bekanntlich niemals Zeit. * einen „internationalen" Musikabend. Man vernahm zunächst eine zarte impressionistische Tondichtung, „Arabia", des Spaniers Adolfo Salazar, für Klavier und Streichquartett: Klänge aus einem Märchenlande, gedämpftes Saitenspiel, buntes Geflimmer, allerlei Wohlgerüche, aber kein thematisches Rückgrat.. Ein neuer Klavievzyklus von Ernest Bloch, der von Rudolf R e t i mit reifem pianistischen nnd musikalischen Können nachgefühlt wurde, zeigt eine interessante Mischung von Lisztschem Klaviersatz und eigener lyrischer Tonwelt. Eine melodiereiche Flötensonate, von Darius Milhaud (Flötensolo Prof, van L i er) -ist anscheinend eine Schnellaribeit, und doch voll tiefer Eierdringlichkeit des Ausdrucks. Zwei belanglose Qmrtettzsätze des Portugiesen Ernesto H a l f f t e r - E s c r i ch e mit „Tristan"-Wendungen und exotisierenden, dämmerigen Farben und hübsche, im Herkömmlichen befangene typisch slowakische Soldatenlieder von Ladislav Vhcpalek — von Ruzena Herlinger mit warmer Empfindung gesungen — waren weitere Bestandteile des interessanten Programms, das mit einer neuerlichen Aufführung der genialen Stravinskh-Snite aus ,P'h!istoire d'un foldat" den schönsten Abschbitz fand. Wenige Tage später fand das letzte moderne Konzert dieser Saison rm Mozart-Saale statt, aus dessen Bortvagsfolge wir neben dem hübschen Liederzyklus „Nachtgesichte" von Egon Lustgarten — mehr intristant. als interessant» da er von der Tristanschen Liebesnacht gar nicht loskomntt — die kraftvollen, melodiereichen Lieder Op- 16 von Paul A. Pi Sk besonders heworhvben. Auch die ganz auf großen Ausdruck eingestellten, erschütternden „Nänien" für Klavier von Bela Bartok und eine ungenrein schwierige, schmissige Cellosonate von Artur Hon sigge r mit exotischen Tanzrhythmen (Dellosolo Wilhelm Winkler) begegnete lebhaftem Beifall. Ein GeueraLlob den Mitwirkenden beider Wende: dem Kolisch-Quarteti. den Sängerinnen Hüni- Mihaesek mid Weigl-Pazeller, den Piamsten Errvst Bachrich und Friedrich Wührer und dem Klarinettisten Viktor Pollatfchek, welche sich so oft in dieser Spielzeit Die Gesellschaft für neue Musik veranstaltete M der .SezeKM W Anschluß an M letztes „MeneL" Lonzert t der guten Dache Är Musikmoderne. zur Verfügung gestellt - >tten. Erwin Felber. e