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Wiener Morgenzeitung · 1924-05-12 · Heft 1882 (12.5.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1882 (12.5.1924)
Date
1924-05-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ruhiger Wahlverlauf. — Erfolge des Linksblockes. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) Paris, 12. Mm. Fn vollkommmer Ruhe ist gestern -er Wahlakt in ganz Frankreich vollzogen worden. Um 5 Uhr nachmittags Kumten überall die Wahllokale geschlossen werden artb das Skrntinimn begann. Das schöne Wetter hatte eine überaus große Wahlbeteiligung zur Fotze. Die meisten Wähler warm bis Mittag zur Urne geschritten und nachmittags begann die Menge sich vor den Wahlhureaus, den Bürgermeisterämtern und den Zeitungen anzusammeln, um Resultate zu erfahren. Die Feststellung des Wahlausganges gestaltet sich in Frankreich ebenso schwierig als m Deutschland: Gelangten doch 584 Mandate zur Vergebung, für die 452 Listen mit mehr als 2000 Kandidaten aufgestellt wurde«. Die Zahlung, zu der übrigens auch komplizierte Bedingungen der französischen Verfassung komme«, wird daher erst am Dienstag ein authentisches Bild «geben. Heute früh läßt sich folgendes feststclleu: An Paris ist im zweiten Wahlkreis der vom Krieg-minister Lefevre.gefüh^e »ationale Block ganz unterlegen. Dort> wie auchin den übrigen Pariser WaPbHirken, vielfach auch in der Provinz, siegte der Bwck der Linksparteien, besten Erfolge b«etts die gehegten Erwartungen S bertreffe«. D« nationale Block hat zwar zur Stunde noch eine große Majorität aufzuweisen, kin blutiger Sonntag in HM. Kommunisten gegen BMsche. - zahlreiche Tote und Verwundete. (Eigendienst der „Wien« Morgenzeitnng".) Halle a. S., 12. Mai. Der Anlfmarsch der Reaktion bei -er Enthüllung des Moltke-Denkmals hat, wie leider erwartet wurde, zu einer blutigen Straßenschlacht Mischen den Völkischen und Kommunisten geführt. Als die Wlkifchen in provozierender Weise unter Führung des Generals L >udendorfs, der Admirale Tirpitz und Scheer, des Prinzen Oskar v. Preußen, der-Generale Herringen, Below und Lettto w- BörLeck unter Glockengeläute sich zur Denkmalsenthüllung begaben, wo bereits 8000 bis 4000 Fahnenträger der meisten rechtsradikalen Organisationen aus ganz Deutschland ausgestellt waren, halben sich nicht nwr die Kommunisten, sondern auch die Bevölkerung durch das offen zur Schau getragene monarchistische Gehaben in ihrem republikanischen Empfinden verletzt gefühlt. Einzelne Versuche der Kommunisten, das reaktionäre Treiben zu hindern, wurde nicht nur von den rechtsradikalen Schutztruppen, sondern auch von der Polizei zurückgowiesen; hiebei kam es zu den e rsten Schie ß e re ren, bei welchen drei jugendliche Kommunisten erschossen wurden. Gegen Mittag besetzten die Kommunisten den von den Rechtsradikalen zur Abhaltung ihrer Parade ausersehenen Platz, um so die Heerschau, die vor Luden- Mutige Kammerwahlen in gapan. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 11. Mai. Gestern wurden in Japan die Kammerwahlen vorgenommen. In verschiedenen Orten kam hierbei zu heftigen Zufammenlstöße>n zwischen den einzelnen Parteien. Jrn ganzen we.iden zeh n Tote und Berwundete gemeldet. Das Wahlergelönis wird sich erst am Montag fvststellen lasten. , doch ist es «och nicht sich«, ob er den linken Block am Ende überflügeln wird. In offiziellen Kreffen wird allerdings mit ein« Majorität des nationalen Blocks gerechnet, doch setzt man allsogleich hinzu, daß auch in diesem Falle das uneingeschränkte Regieren desselben eine starke Erschütterung «litten hat. 177 Wahlergebnisse sind bereits festgestellt: Wiedergewählt erscheinen: Konservative 6; neugewählt 2. Republikaner 9; nengewählt 5. Radikale Dissidenten 8; neugewählt 3. Linksrepublikaner 12; nengetvahlt 5. Sozialistisch-Radikale 24; neugewählt 36. Sozialistische Republikaner 9; neugewählt 9. Unifizierte Sozialisten 16; riMgewählt 25. Kommunisten 1; mngewählt 3. Bon scannten PerMichMn' sind wiedergewähtt, beziehungsweise neugewählt: R e n a u d e l, Paul G o neo « rt, der Kommunist Mart h, die ehemaligen Minister Briand, Malvh, Maginot. Durchgefallen sind Arrago, General Castelnan sowie die stüheren Minister Bronsse, de Lastehrie. dorfs stattfinden sollte, zu hindern. Aus unverständlichen Gründen rückte die Polizei in mehreren Kompagnien und mit P a n z e r a u t o s an^ - um den Platz zu «räumen. Es entwickelte sich me förmliche Schlacht um den Platz, in dessen Verlauf mehre re Kommunisten getötet, sehr viele schwer verletzt wurden. Auch die Polizei hatte Tot« und Verletzte zu. verzeichnen. Die Abhaltung der Parade brachte den Höhepunkt der Ausschreitungen. Die Kommunisten feuerten auf die vorbeiziehenden. Kolonnen, was die Polizei zu einer umfassenden Säubevungsaktion veranlaßt«. Aus den Panzerautos wurde mit Maschinengewehren auf die Kommunisten geschossen, die das Feuer erwiderten. In dem sich entwickelnden Kampfe wurden fünf Polizeibeamte, zum Teil mit lebensgefährlichen Verletzungen, verwundst. Die Verluste der Kommmunisten konnten nicht fest gestellt werden, da diese, wie bei den früheren Anlässen, ihre Verwundeten sofort selbst abtransportierten. Unter Polizeilichem Schutz konnte die Parade dann abgehalten werden. Der Weltrvndflug. Der vermißte amerikanische Flieg« cmfgefunden. > Cordova (Alaska), 11. Mai. (Reuter.) Der amerikanische Flieger Martin ist mit dem Mechaniker unversehrt in Port-Moller eingetroffen. Er telegraphierte, d« Apparat fciK am 30. April auf einen Berg gestürzt und völlig zertrümrüert worden. Die erschöpften Flieg« hatten am 7. d. M. eine Trapperhütte erreicht, wo sie sich «holten und drei Tage ausruhten, und wären dann nach Port-Moller gekommen, woselbst sie In- Wkttonetz ßMttM An 77Wriger Greis wegen Srvrejßms und Mordversuches augeklagt. Der 77jährige Private Samuel August Schwöb wurde wegen des Verbrechens der Erpressung/ der gefährlichen Drohung und des Mordversuches an einem früheren Kompagnon, einem Bankier, verhaftet und dem Landes- ■ geeicht eingeliesert. Samuel August Schwöb hat eine bewegte Vergangenheit. Den deutsch-französischeu Krieg 1870-71 machte er auf franMscher Seite als Unterleutnant der Mobilgarde mit. Dann trat er bei der deutschen Verwaltung ein, beteiligte sich aber später an industriellen und Bergwerks- Unternehmungen. Im Jahre 1903 lernte er in Paris einen B a n k i e r kennen, mit dem er. seither in geschästlicher Verbindung blich. Bis zum Jahre , 1914 hat der Bankier ständig in Paris gelebt. Als für ihn im Jahve 1912 die. Konjunktur ungünstig war, hat Schwöb dem . Freund/ Bürgschaft geleistet und er behauptet, dabei sein beträchtliches Vermögen fast ganz eingebüßt zu halben. Im Mai 1914 war der Bankier in geschäftlichen Augelegenhei-. ten nach Manien gereist. Dort überraschte ihn der'Aus-, bruch des Weltkrieges. Er begab sich von.Albanien nach Wien und lebte seither hier in einem Stadthöiel mit seiner Frau. Als sich nun in Paris das Gerücht verbreitete,.daß. sich die materielle Lage des. Bankiers sehr günstig gestaltet habe, hielt Schwöb den Zeitpunkt für geeignet, nach Wien zu kommen und seine alten. Forderungen geltend zu machen. Er kam nach Wien, suchte den Bankier auf und verlangte von Hm 26.000 französische Franken. Obwohl der Bankier damals Geld nicht' flüssig hatte, gab er ihm etwa s österr. K.' 60.000. Mt diesem Betrage beschich.sich Mr den Augen-. blick Schiwob und kehrte nach Panis zurück. . "" Im Schtember 1921 tauchte Schwöb wieder hier ' auf> stieg im gleichen - Stadthotel ab wie der Bankier und sagte, er wolle auf Zahlung warten. Einige Monate IcBtc; er auf Kosten des Bankiers in dem Hotel. Der Bankier anerkannte die Tatsache, daß er dem Schwöb verpflichtet sei und 'bestritt widerspruchslos seither das Leben des alten Mannes, dem er seither mindestens 260 Millionen österr. Kronen gegeben hat. Allerdings konnte Schwöb niemals die Höhe der von ihm rechtmäßig verlangten Quote, noch aber auch den Titel, aus dem er sie verlangte, nennen. Er machte nur geltend, daß der Bankier durch seine Bürgschaft wieder zu Vermögen gekommen sei. Doch die Lage des Bankiers war nicht fortgesetzt derart, daß er allen Ansprüchen des Greifes genügen konnte. Als er daher nicht mehr die verlangten Summen leisten wollte, wurde Schwöb immer stürmischer und ' drängender. Er gebrauchte Drohungen aller Art und beanspruchte im ganzen drei Millionen franz. Franken als Quote aus den Geschäften, die dem Bankier durch die von ihm geleistete Bürgschaft geglückt seien. Der Bankier erklärte demgegenüber, er schulde dem Schwöb insgesamt 300.000 bis 400.000 franz. Franken, doch habe er darauf schon etwa 260 Millionen österr. Kronen ausbegahlt. In der letzten Zeit wurde Schwöb immer dringlicher. Manchmal bediente er sich bei seinen Forderungen der Vermittlung feiner „Sekretärin", die in seinem Namen auszurichten hatte, er werde den Bankier erschießen, wenn er ihm nicht binnen kurzer Frist die verlangten Summen, die bis 15 Millionen betragen, ausbezahle. Trotz der Drohungen bewies der Bankier in Anbetracht des höhen Alters Schwöbs Langmut; aber die unerquicklichen Szenen wiederholten sich. Einmal ließ Schwöb verlauten, wenn er selbst das Hotel verlassen müsse, werde es auch der Bankier tun, denn er werde sich selbst den Richter machen. Am 6. d. M. verlangte er die Bezahlung einer größeren Summe. Am 8. d. kam er wieder in das Hotelzimmer des Bankiers und verlangte von ihm 500 franz. Franken. Ms . sich der Bankier weigerte, verlangte er einen Scheck auf zwei bis drei Millionen österr. Kronen. Als ihm der Bankier ruhig erwiderte, er verfüge infolge der jetzigen Stagnation augenblicklich nicht über die Summe, zog Schwöb einen geladenen Revolver aus der Rocktasche und , legte auf den Bankier an. Im kritischen Augenblick warfen sich die Gatten des bedrohten Bankiers und ein zufällig im . Zimmer anwesender Rechtsanwalt auf Schwöb und ver?- hinderten sein Vorhaben, indem sie auch den Bankier aus dem Zimmer drängten. Aus Anzeige der Gattin des Bankiers, die für das ,: Loben dtzL MnmS fürchtete, wurde Schwöb verhaftet.

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