Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1881 (11.5.1924)
- Date
- 1924-05-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2980964--18897-3006001- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Hi ' I |' Wien, Sonntag et ni Schuhe! mit eingebauten BERSON-QUMMIABSÄTZEN -a» deatsche Wlederausbauministerium mfgelSst. Berlin, 10. Nlar. Durch eine Verordnung des Reichspräsidenten vom 8. d. wird da's Reichsminifterimn für Wiederaufbau mit 11. d. aufgelöst. Die Geschäfte übernimmt mit 12, d. das Reichsimim-stermm für Finanzen. Sin Wink mit drm Sannpfahl. Der dickfellige Kahr. Berlin- 10. Mai. Wie dem Wölfffchen Bureau aus München gemeldet wird, erwarte man in dortigen Regierungskreisen den R ii ck t r i i t D r. v. K a h r s. Diese Erwartnng sei ihm in mündli cher Fo,rm zum Ansdruck gebracht worden. ' __• Jet Ausschluß der Japaner aus Amerika. boolidges Antrag auf Verschiebung des Termins ab gelehnt. Washington, 10. A'cai. (Reuter.) Das Re prüfen-- tanteuhau's hat die Anvegungen des Präsidenten Coolidge abgelehnt, die Ausschließung der japanischen Ein Wanderung bis März 1925 zu verschieben und mit Japan über die Verlängerung des GentlvlnerEoinmens bis zu -dentsel'ben Zeitpunkt zu verhandeln. Auch die vereinigten Ausschüsse des Senats und des Repräsentantenhauses haben beschlossen, daß der Airsschluß der Japaner von der Einwanderung ru i t 1. I u l i d. I. in Kraft treten solle. _-, Uumheu im Fra". (Gigmdienst der ,/Wiener Arorgenzcitung".) London, 10. Mai. Nach einer Mitteilung des Äolc-nialchmtes sind in Mirluk (?) im Irak am 1. d. c r n st e U nruhen ausgebrochen. Sie wurden zunächst durch einen Wortwechsel zwischen So -Idateu und K a u sleureu ihevvorgerufen, in desserk^Zevtaus die Bevö l k e r u u g für die Kaufl-eute Partei nahm und die S o l d a t e n. a ug-r.i ff. Schließlich gäben die Soldaten, die die Offiziere vergebens zurüchzüha'lten suchten, Feuer und tüteten hundert Personen aus der Menge. 6 Soldaten wurden erschlagen. Ae iuuere Krise Jugoslawiens. Tristovic M der Bildung eines Konzentrationskäbrnetts betraut. Belgrad, 10. Alai. (Tschechofflow. Pr.-Bm.)' Hsü-te nachmittags -betmute der König den radikalen Minister Trifkovie mit der Bildung - eines Konzentration s k a b i nett s. Drifkovic stellte, dem opposttwuellett Block die Fovderi'-ng, daß der Block alle Bez-i ehungeu mit der kroatischen Bauernpartei abbr e. ch e, daß die Verfassung in ihrer Gänze in Kraft gesetzt werde subversiven Elemente beteilige, darunter auch der Anhänger Radic'. Die Führer des oppositionellen Blocks werden auf hiefe Forderungen morgenantworten. Man glaubt, daß die Mission des Ministers Tr-iffovic «wenig Aussicht hat. Wietter Ärorgenzertung. Die letzten Kurse. London» 10. Mai. Die Wechselkurse wäre» meist unverändert. Die Frankenbaisse wurde durch eine leichte Erholung aufgehalten. Der Silberpreis ist um '/,« prompt und Termin gestiegen. Retv-York 43,67.5, Paris 73,97,5. Brüssel 89,12,6, Berlin 18.87-5, Rom 97,87,5, Schweiz 24,61,5, Amsterdam 167,75, Madrid 31,61,5, Wien 310.500, Stockholm 16,50, Christian!« 31,17,5, Kopenhagen 25,60,5, Helsingfors 17,47,5,; Warschau 22.67,6, Athen 21,7,50, Bukarest 86,5, Prag 14,9. Baumwolle r Liverpool, amenkanischer Termin, anfangs 16,25 höher, Mai 17.66. Juli -16.95, Oktober 17.80, Jänner 14.30, März 14.14, Schluß 20 bis 21 höher. Mai 14.53, Juld 16.90, Oktober 14.85, Jänner 14.32, März 14.20, ägyptische' Mai 32.27, Juni 21.97, Juli 21.67, Oktober 19.65, November 19.05, Fullmiddling 18.12. London, 10. Mal. (Radio.) Devisenschlußkurse r Wien 311,000, Prag ■ New-Uork -4,-871/8, Paris 72.95, Brüssel 88,62'/», Rom 98, Zürich 24,60, Madrid 31.60. Amsterdam 11,68*/«, Kopenhagen 25,57V*, Chrlstiania 31,22'/*, Stockholm 16.52V«, Helsingfors 174V,. Berlin 19, Athen 210. New'Borll» 10. Mai. (Radio.) Devisenschlußkurse: Taggeld nominell, Wechsel auf London 4,37,50, 60 Tage-Wechsel 4.38,50, Paris 6,05, Amsterdam 37.38, Prag 2,93'/«, Berlmer Schlußkurs 23 bis 23-/„ Silber 65'/,.' Paris, 10. Mai. Im Privatverkehr schwächte sich das Pfund ein wenig ab. Es schloß gestern 73,90, fiel heute morgens einen Moment auf 72,85 und endete mit 74 Dollar. Marsckau» 10. Mai. Nachdem sich die feste Tendenz auch im gestrigen Privatverkehr der Effekten erhielt, übertrug sie sich auch auf den offiziellen Effektenmarkt. Die meisten Wertpapiere stiegen um weitere 10 bis 20 Prozent. Die Schlußknrse wäre n etwas schwächer. ' * Ix. Weizmannr Riiäreise «ach London. Aus N e w - 2) o r k berichtet I. T. A.: Der Präsident der Zionistischen Weltorgamsaiion, De. Eha-im Werznuttt n, Hai sich am 7. d. zur Rückreise nach London ein- Uumittelbar vor seiner Abreise eröfsuete Dr. Weizmam-n die- Keren Ha jessod-Kampagne in Philadelphia, deren Zielquote auf 300.000 Dollar fixiert ist. Dr. Weidmanns Reise nach der Pacific-Küste hat ein Ergebnis von 350.000 Dollar für den Keren Hajestod erbracht. _ Lr. Aenesch Wer den Stoeö seiner Romreise. (Eigeudienst der ,-Wiener Morgenzeitung".) __ ■ London, 10. April.' Der tschechoHloiwakische Minister " des Aeußern Dr. Benasch hat dem Prager Berichterstatter der „Times" eine Unterredung gewährt, in der er den Zweck seines Besuches in .Rom ausein'andevsetzte und evKärte, dieiser Beisuch imvde in gewissem Sinne die Fortsetzung der Konferenz der kleinen Entente feint. Ztveck seiner jetzigen Reffe nach Rom sei, die Zulftimmung dev Tschecho- Slowakei zu idem jugosilaw islch-^italienffchen Vertrag zu for- -mullieren. Dr. Benesch sagte: Die!.HayPffache ist, daß wir keine Differenzen halben. Ich Wunsche jeden Gedanken zu ^beseitigen, als o!b die Tscheche-Slowakei sich verpflichtet habe, andere Interessen als die eigenen zu verfoilgerr. Unsere PoMk bezweckt Frieden, Ruhe und ivirt'fchaffliche Tätigkeit. Weil Jtollien dasfÄbe wünscht, sind unsere Inm * Moderne Badeanlagen Waschtische u. Klosette GEBRÜDER MEDEK III. Ungargasse 47 »u Telephone 15S3,1040, 76197 Aus dem Tagebuch des Berl Etraselmann?) Von Jakob Krausz. 7. Ich bin wieder in der kleinen JeschiwahEtadt, aus welcher mich vor zwölf Jahren irgend ettvas auf die Larcksiraße Hinausgetrieben hatte. Ich bin nur auch heute noch nicht klar darüber, was die Triebfeder war? Lag es mir im Blute, tväre ich auch ohne fvenrde Einwirkung früher oder später ln einen bis dahin so abgöttisch gMobteir Büchern dnrchgebrannt öder war es wirklich jenes verunglückte eiste Siräsel und die unglückselige Art, wie mein Lehrer mich diese Entgleisnttg büßen ließ, 4w§ mich mit so erbarmungsloser Wrlcht aus dem Geleise schleuderte, daß ich heute nicht der berühmte, gefeierte Gaoir Rabbi Berl, sondern der von den p'nrftigen Gelehrten verachtete, verwünschte und von dem zünftigen Schnorrern vergötterte Berl 'Jlnj bin? Hat die Welt und vor allem die jüdische Lehre etwas verloreir, und wäre ich glücklicher gewesen, als ich heute bin, wenn tnein Schicksal sich geradlinig entwickelt hätte? So sehr ich mich auch auf meiner letzten Wandemng mühte, auf diese Fragen eine Antwort zu finden, ich erhielt keine. Rur eines weiß ich: ^Ährend der zwölf Jahre, die ich abseits von den: ürütgetret^nen Entwicklungspfade eines Mischen Bachurs, und sei er auch das blendendste Genre, verlobte, genoß ich so viele innere Fveüden, so viel ungetrübtes Glück, daß ich es heute, -rückblickend, als etot schweres, tiefes Unglück, als einen lebenszerstörenden Verlust enchfande, wenn die Erinnerung an diese zwölf Jahre des Berbnndenseins mit den *) Siehe „Wiener Morgeuzeiinnq" b'out .30. Mär;, 6., 13.. 20., 27. April und 4. Man großen, tiefgründigen Rätseln der lebendigen Welt aus meiner. Seele schwände. Wozu auch. Vergleiche anstellen, wann ich Gi'tt näher stand: als ich mich durch Labyrinthe, die von Zweifeln und Seelenängsten gequälte Männer um seine erhabene Lehre gelegt haben, durchwand, um ganz in seine Nähe zu gelangen, oder in diesen zwölf Jährell, in denen, cs keine Stunde gab, in der ich nicht in seiner unnritielbaren Nähe gestanden und meiner Bmst sich nicht der Segenssprilch entrungen hätte: Gelobt seist du Ewiger, der du mir stündlich einen Einblick geioährst in die Werke der Schöpfung,. . . * Zwölf Jahre lang hatte ich auf meinen Wandermigen den Umkreis der kleinen Jeschiwah-^Stadt gemieden. Die nie verblaßte Ehrfurcht vor meinem Lehrer hielt mich fern von der Stätte, an der ich ihm so viel Leid verursacht hatte. Aber jetzt trieb esnrrich mit einer unwiderstehlichen Gewalt dahin. In einer der Schlasftättcrl lvar gerade eine lustige Gesellschaft beisammen, man erzählte Heldentaten, die wc^üger'Erlebnisse, als phantastische Dichtungen waren, als ein Ncuankönunliug, der den Spitzuamcu „Der närrische Philosoph" führte, eintrat. „Ich hatte ursprünglich gar nicht die Absicht, in diesem Nest zu übernachten — sagte er nach kurzern Gruß an mich gewandt — aber ich hörte, daß du hier bist, Berl Jluj, und ich habe Post für dich. Bon Dine, der Tochter des Bendctt Schulklopfsr." ,Don Dina? Ist sie denn nicht verheiratet?" „Im Gegenteil, sie sitzt zu Hanse und lvartet noch Irninet auf einen Mann." „Das ist allerdings das Gegenteil vom Berheiratetsein, nnein lieber Reb Philosoph. . ' „Ja, a, um so mehr das Gegenteil," unterbrach ntir der Philosoph verletzt, „als sie jetzt arrch keinen Vater mehr har." lik. « IM,T~- mm 3 Dr. SSktlers BorschM. Eine parkamentansche Mion. — Die MtKc:«:;. n Bankm. Graz, 10. Mai. Einem Reda-Heuv des ,DkMr VoW. blattes" gegerMber mnchie FinaWunniisber <r. D. Doikbot , Gürtler MttMrngsn, wie er sich die Iveiteve Entwick« lung seiner VvrfchTäge denke. Dr. Gürtler sagte mtter anderenn: Ich habe meine BovschlLge ^dw Regierung und der chrifNchlsoziallen Partei Mterlbveitet -und muß ihnen naturgemäß eine gewisse Zeit Dassen, dazu Stellung zu nchmen. Ich bin jedoch fest entschlossen-, Mt-er allen Uniständen eine pa-rlamentarifche Aktion cinzuleiten, falls die Regiemng nicht irgend etwas tun sollte, was zulänglich ist, um den Banken.den Raub §G entreißen, den sie in den letzten Wochen eübeutet hat. Bon verschiedenen Seiten sind mir /Borfchtäge zngekonMen, die ich eingehend und ernsthaft prüfte. Sehr -pwn--- stbsl scheint wir der Vorschlag, sämtli che Effeikt end e p o t s bei den Banken für eine bestinmüe Zeit nute r die Kontrolle eines Treuhünders zu stellen, der zu regidftvieren hat, daß tatsächlich jene Effektenmengen vorhanden fhtfe, welche in den Depots ausgÄviesen erscheinen. Diese Maßregel evscheint mir als geeign-etes Mittel, um die Gerüchte zu ibeMuPfonJdaß sal-che Dcho-tstücke Von der Kontermine zur Evzi-Äung «eines Kursdruckes vevtvendet werden. Meine Vorschläge hüben i-nt allgemeinen eine günstige Aufnahnre göfunden. Jnsibesondere hat man dm Grundgedanken, - Banken zur Mithaftung heranzuziehen, als richtig bezeichnet. Mit den ablehnenden Aeußerungen Stülpers, deren Wert nur nach dem Annoncentarif seines ,/Volkswirtes" zu beurteilen ist, halbe ich keinen Anlaß, mich näher zu bchass-en. Mevdings kann man ülber die Cinzellheiten der Durchführung^ dieses wichtigen Gedankens anderer Meinung seiw Ich ersuche alle jene, die mir im Grunde zulst-immen, aber andere Vorschläge haben, wich davon in Kenntnis zu setzen, da ich mich keineswegs darauf versteilfe, daß diese wichtigen Gedanken-gerade nach meinen Ideen verwirAicht werden. Ich -bin jedermann dankbar, der Besseres Vorschlägen kann. Mit Vergnügen bin'ich in der Lage feftzustellen, daß die Banken nunmehr euergif chen Komwt«tt te nte n, die sich geweigert haben, sich wrdevstandslos ans, beuten zulasten, starke Zugeftändniffe machten. Ich habe gar nichts dagegen, daß die Banken freiwillig ein-eu entsprechenden Teil der Beute an ihre Opfer zurückstellen und auf diese Weife eine gesetzliche BchaMung der Frage überflüssig machen. Selbstverständlich nmß aber auch dann noch eine Maßnahrne ergrffstn ivevden, um eine Wiederholung solcher Dinge unmöglich zu -machen. Auf die Frage, was Dr. Gürtler zu Len -verschiedenen Pressemeldurrgen sage, die ihn als Muffigen Börsendiktator oder als Finangminister bezeichnen, erklärte Dr. Gürtler, er habe gar kein Interesse daran, Finanzminister Dr. K i e n b o ck §u. stürzen. Falls aber Dr. Kienböck von anderer Seite aus unüberwindliche Schwierigkeiten gemacht würden, so iväre sein, Dr. Gürtlers, Kandidat für die Nachfolge Dr. Kieüööcks nicht — Dr. Gürtler. Ebenso, setzte Dr. Gürtler hinzu, stehe ich auf denn Standpunkte, daß Bundeskanzler Dr. Seipel nicht berechtigt ist, früher die Staatsgeschafte einer anderen Regierung zu übergeben, bevor jene, die ihn gewählt haben, nicht in der Lage sind, ihm am Aücklichen Ende der Sanierung von Volks- und Staatswivischüf-t das Wsolnwr-inw gu erteilen. „Was, Bendett SchuKlopfer tot?" „Das ist es doch eben, was Dina mich bat, dir so rasch als möglich zu hinterbringen. Und auch dieses noch: „Sag' ihm," trug sie mir weinend auf, „wenn er noch ein Herz im Leibe hat und von dem alten Jluj noch ein göttlicher Funke in ihm lebt, so muß er hierher eilen. Sag' ihm, ich bin allein, so nruttevseelenallein und verlassen. Ich warte auf ihn 'bis zum Ablauf der Schloschim, dvr ersten dreißig Trauertage, und kmmnt er bis dahin nicht zu mir, so gehe ich zu ihm, von Schlafftatt zu Schlafstatt, bi's ich ihn geffnden habe..." „So hör' doch schon auf, du närrischer Philosoph!" unterbrachen die Anderenden -Redeschwall des Urrglücksboten, indem sie auf mich hindeuteten. „Aber entschuldigen Sie, meine Herren," rechlfertigt sich der Philosoph, in derselben Verfassung befand sich auch Dina Schulklopfer, als ich sie vor fünft Tagen verließ und seitdem bin ich wie ein lebendiger Steckbrief Tag und Nacht hinter Berl Jluj der, bis ich ihn endlich hier erreichte. Ein Jluj wje Berl bin ich nicht, aber PhilchoMe und Logik ist mein Fach, meine Herren." Jü derselben Mcht .noch war ich uMvwegs zu Dina. -Ich .konnte, wenn ich auch einen Teil der Nächte znr Wanderung benützte, in vier Tagen bei ihr sein. Ms ich Tina, an jenem Tage, an 'bem ich mit ihrem Vater vom Brffz^aug zurückkehrte, zuur letzten Male sah. war sie fünffehic Jahre alt und „trockne Ainnce" Heim Schirinmächer Barnch Paraplui. Er hatte diesen Namen, iveil über seinem Geschäft ein riesengroßer roter Schirm aiu's Holz hing und die Aufschrift trug: „Zum Pariser Paraplni"! Als seine Frau das jüngste Kind, einen Schreihals von einem Buben, van der Brust absetzte und sich wieder hem Geschäft widmete, imhm sie Diua Schulklvpfer als Kindermädchen auf und Dina hatte ihre