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Wiener Morgenzeitung · 1924-05-10 · Heft 1880 (10.5.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1880 (10.5.1924)
Date
1924-05-10
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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d ÜefPe 8 . SÖtUf, * Aenderungen in den Ambulanzstunden der Poliklinik. Don Montag den 12. d. an findet die Ordination für Hals- und AugenkvanLheiten von 8 bis 10 Uhr und die Ordination für Ohrenkrankheiten von halb 11 bis 1 Uhrstatt. * Bom Dorotheum. Das Dorotheum wird am 12. d. die Abteilung für Pretiosen der Zweiganstalt Rudolfsheim in das Haus, 14. Bez., Denglergasse 5, verlegen. Mit 32. d. wird der Sparein sagender kehr auch in den Anstalten des Dorotheums, Wien. 14. Bez., Graunianngassr 39, ferner, 14. Bez., Denglergasse 5,. und 21. Bez., Donauftlderstraße 20, eingeführt. Dre Geschäftsstunden sind für Las Belchnungsgeseift von 8 bis dr-eivr-ertel 3 Uhr. für den Spareinlagendeokchr von 8 bis 2 Uhr. * Betrugsanzeige gegen eine Automobilfirma. Gegen die Firma ,ß a j a", City Car-VertriebZgesellschast m. b. H., beziehungsweise deren - Inhaber Haas und Dietrich sind Betrugsanzeigen eingelaufen. Die Wirlschaftspolizei.. leitete Erhebungen ein und stellte fest, daß die Firma, die in der Parkgarage in der Liebenberggasse eme AutomobWwerkstärte besitzt und dort kleine Autos mit der Bezeichnung „Baja", der Wagen des kleinen Mannes, erzeugte, diese um 40 Millionen Kronen pro Stück absetzte. Diese kleinen Autos werden aber von Fachlütten-als minderwertig bezeichnet. Die Untersuchung hat ferner Mgeben, doch die Unternehmung gebrauchte „Baja"-Wagen zurückkaufte, sie neu lackieren und Herrichten ließ und dann als fabriksneu wieder anzubringvn versuchte. Es wurde die Anzeige an die Staatsanwaltschaft erstattet. * Der Zugszusammenstoß in Rattersdorf. In unserem gestrigen Bericht über den ZuasMam inenstoß in der Station . Rattersdorf (Burgenland) hat sich ein Schreibfehler eingsschlichen. Laut diesem Bericht hätte sich der Zusammenstoß in der Station M a t t e r s d o r if ereignet. Dies entspricht nicht den Tatsachen, der Zugszusammenstoß war in der Station Rattersdorf. * Große Versuchsexplosionen in Frankreich. Westlich von Lyon sollen am Donnerstag den 15. d., ferner am 23. und 25. d. jedesmal über 10.000 'KilogrammSPreng mittel zu Schallversuchen in die Lust gesprengt werden. Bei günstiger Wetterlage trifft der Schall auf österreichischem Boden am Abend des 15. d. in Vorarlberg zwischen 8 Uhr und 8 Uhr 20 Minuten, ,in N ied eröst err eich zwischen 8 Uhr 15 Minuten und 8 Uhr 40 Minuten ein. Die Explosion selbst erfolgt am 15. d. um 7 Uhr 30 Minuten abends. Dem bisher gemachten Erfahrungen gemäß dürste das H ö r b a r k e i t s g e b i e t bis über 900 Kilometer von d:r EZplosionsstelle reichen, also uoch ganz Oesterreich umfassen. Mit Rücksicht auf die 'außergewöhnlich große Sprengstoffmenge sind bei sehr günstigen atmosphärischen Verhältnissen Ueberraschungen nicht ausgeschlossen, da Explosionen von 5000 Kilogramm bis auf 600 Kilometer und darüber wahrnehmbar waren. -Der Schall kommt aus West-Südwest bis West, vielleicht in Intervallen von mehreren Minuten. Berichte mit Angabe der Wiwd- und Beiwölkungsverhältnisie und möglichst genauer Minntenzeiten werden sofort ,-p o r t o s r e i über amtliche Aufforderung" an die m e t e r e ologische Zentralanstalt, Wien, 19. Bez., erbeten, damit uoch rechtzeitig vor dem 23. d. ein genauer Bericht veröffentlicht werden kann. Kleine Chronik. * Um die Ecke. Karl Kammermeher war einer der vielen schwäbischen Bürgermeister von Budapest. Nach seinem Tode wurde sein Andenken durch eine Straßentaufe verewigt. Er bekam einen Ehrenplatz in der inneren Stadt, gleich neben Franz Deak, mit dessen Gasse er einen Winkel von dreißig Graden bildet. Wo die Schenkel dieses Winkels auseinander stoßen, aber einige Schritte nach der schwäbischen Seite, ereignete es sich eines Tages, daß ein lebensmüder Droschkeng seine letzten Seufzer von sich gab. Schnell war ein tzinann zur Hand, der den „Tatbestand" ausnahm. Ein rer Sohn der Steppe. Ort der Handlung:... Der Schutzmann studiert eine gute Weile die Straßentafel an der Ecke und kalligraphierte Koma... stimmt nicht... Koma... vertrackter Schwabe! War zu geizig, eine Krone zwanzig für einen ungarischen. Namen hemugel^n. Wem man eine Straße gegeben hat, der hätte doch sicher auch den schönsten ungarischen Namen haben können, wo jeder Ladenschwengel heutzutage schon einen historischen Namen hat... Ein zuvorkommender „Neugieriger" eilt dem Schutzmann zu Hilfe: Kam—mer— meh—er... Der Brave macht noch einen ernsten Versuch, nachdem aber auch dieser fehlgeschlagen ist, klappt er sein Büchlein energisch zusammen, steckt es mit entschlossen-triumphierender Miene ein und — faßt den toten Gaul am Hinterbein. Ho — ruck! Ruck! Mit Hilfe der inzwischen respektabel angewachsenen Trauewersammlung wälzt man den Leichnam einigemale um die eigene Achse über die Ecke hinaus, und Kammermeyer ist erledigt. Ganz erledigt. Ort der Handlung: Deak Ferenz-Gasie... * Ueber ein karpathorusiisches Nitualmordmarchen berichtet der Preßburger „Magyar Wag": Beim Groß- Beresznaer Buchdrucker Hermann Deutsch arbeitete vor Ostern das 12jährige Zigeunermädchen Elisabeth Tirpak. Am 18. verschwand'das Mädchen Plötzlich, was nicht weiter aüffiel, da sie oft in die Nachbardörser betteln ging. Der Fleischhauer Hajek soll nun in gewissenloser Weffe das Gerücht verbreitet haben, daß die Juden das Mädchen geschlachtet hätten. Das Gerücht machte im Ort schnell die Runde. Eine ukrainffche Frau bestärkte die falsche Nachricht, indem sie sagte, daß solche Fälle in der Ukraine zu den Alltäglichkeiten gehören. Die Zigeuner, durch den. Vater des Mädchens aufgehetzt, der auf der Gaste ausschrie, die Juden hätten sein Kind gekocht, gebraten und gegessen, zogen vor das Haus des Buchdruckers, verlangten die Ausfolaung der Leiche und schlugen die Fenster des Hauses ein. Auf Anzeige des Tirpak begann die Pomei nach dem Mädchen zu forschen. Die Gendarmerie gab dem Märchen dadurch Nahrung, daß sie in jüdischen Häusern Hausdurchsuchungen vornahm. Diese Durchsuchung geschah bei Deutsch .sehr genau; es wurde im Ofen und sogar in einer auf dem Lffen stehenden Krautschüstel nach geforscht. Am Nachmittag des anderen Tages bemerkten zwei Frauen plötzlich das Mädchen, das, zur Rede gestellt, antwortete, daß es im Nachbardorfe betteln war. Damit fand diese bezeichnende Episode ihr Ende. * Künstliche Augenlider. Amerikanische Blätter berichten Wer eine eigenartige Operation, die ein 'Arzt am Krankenhaus in Liverpool vor kurzem ausgeführt hat. Ein amerikanischer Soldat, der in einer Munitionsfabrik beschäftigt war, wurde infolge der Explosion eines Ballons mit Schwefelsäure furchtbar zugerichtet, wobei seine beiden Augenlider zerstört wurden. Eswar ein ganz besonderer Glücksfall, daß der Soldat hierbei nicht auch die Angen verlor. Mer seit jenem Tage konnte der Mann seine Augen nicht schließen. Nun hat es ein Arzt zuwege gebracht, dem Mann durch Transplantation zwei neue Augenlider zu verschaffen. Das Fleisch und die Haut wurden von dem Arm des Patienten genommen und die Heilung soll gut von statten gegangen sein, der Arzt hofft sogar, daß'auch-die Beweglichkeit der künstlichen Augenlider nrz normal werden wird. _Wiener MoLKenzettunei?< - - Letzte “ ' T Cardiff City gegen tschecho-flowalischer olympischer Team. Die Engländer siegen 3:2 (2:1). (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Prag, 9. Mai. .Cardiff City besiegte'heute die tschechoslowakische Olynchiamanuschaft mit 3:2. Zur Halbzeit lagen dieEnglärider mit 2:1 in der Führung. Die Tschechen spielten in folgender Anfftellung: Kaliba (Union Zizkov); Franz Hojer, Stehlik (Viktoria Zizkov); Kuchar, Cawan (Zildemce, Brünn), Eipera (C. A. S. K.); Novak (Viktoria Zizjkov), Brüder Novak (Zidenice), Viloek (Cechie, Karotin), Jelinek (Viktoria Ziizkov). In der Mannschaft fehlten die für das olympische Team in Aussicht genommenen Spieler der Sparta, der Slavia und des D. F. C. Trotzdem vermochten die Tschechen die Engländer zu zwingen, aus ihrer bei Professionals auf Kontinentreisen üblichen Reserviertheit herausjzugchen und um den Sieg zu kämpfen. Die Engländer zeigten wieder ihre taktische und technische^ Uebertegenheit, obwohl sie diesmal ohne -ihren rechten Verteidiger uüd ihren linken Läufer antrate-n, die aber durch erstklassige Ersatzmänner gut vertreten wurden. Im Lause der ersten Halbzeit wurde der linke Verbindungsmann der Gäste verletzt und wechselte den Platz mit dem rechten Flügel. Aber auch der rechte Enatzvcrteidiger wurde verletzt und mußte statinen. Die tschechische Answahtmannschast konnte sich ganz ausgezeichnet behaupten und den Engländern ein durchwegs offenes Spiel liefern. Die Gäste schossen ihre Tore in der vierten und sechsten Minute der ersten Halbzeit und in der 34. Minute der Metten Halbzeit. Die tschechische Auswahlmannschaft erzielte in der 30. Minute der ersten Halbzeit durch dm Mittelstürmer Novak das erste Goal und kam in der 12. Minute der zweiten Halbzeit durch ein Eigentor eines Engländers zu einem zweiten Treffer. Schiedsrichter Zadak benachteiligte die Gäste «durch zwei mehr als problematische Entscheidungen, indem er einerseits ein von ihnen erzieltes reguläres Tor nicht anerkannte und andererseits das Spiel vorzeitig gerade in dem Augenblick abbrach, als der Mittelstürmer der Engländer in das leere Prager Tor einschießen wollte. Dem Wettkampf wohnten zirka 15.000 Zuschauer bei. * Byrons Grabschrist für seinen Hund. In dem Grade, wie sich bei Byron Menschenhaß und Menschenverachtung steigerten, wuchs auch seine Liebe zu den Tieren, in denen er seine einzigen zuverlässigen Freunde zu sehen vermeinte. Das galt insbesonder für seinen aus den Namen „Boatswain" hörenden Hund, einen prächtigen NeufuMänder, an dem er mit fast krankhafter Liebe hing. Als sein Liebling an der Tollwut einging, schrieb er in tiefftem Schmerz einem Bekannten: „Boatswain ist tot — außer meinem alten Murray (gemeint fft sein alter Diener) habe ich nun nichts mehr in der Welt." Das Andenken Boatswains verewigen zwei Denkmäler. Das eine wurde von Byron selbst im Park von Newstead Mbey errichtet, das andere «befindet sich am Fußende des Grabes des Dichters. Die aus diesem befindliche Grabschrift wurde von dem Dichter selbst verfaßt. Sie lautet: „Nicht weit von hier ruhen die Reste eines Geschöpfes, das Schönheit ohne Eitelkeit, Kraft ohne Roheit, Mut ohne Wildheit, kurz alle Tugenden eines Menschen besaß, ohne dessen Laster." Dieses Lob würde, wenn es den Neftenveines Menschen gezollt würde, als geschmacklose Schmeichelei anmuten. Für das Andenken Boatswains, eines Hundes, der Mai 1803 in Neufundland geboren wurde und am 18. November 1808 in Newstead Abhey einging, sind es just die rechten, geziemenden Worte. * Eine berühmte Jeschiwabibliothek durch jüdische Kommunisten beschlagnahmt. Die jüdische Sektion der kommunistischen Partei in Minsk hat die Bibliothek der berühmten Jeschi wa von Woloszyn für die Stadtuniversität beschlagnahmt. Die Woloszhner Jeschiwa wurde im Jahre 1803 von Ehajm ben Solomon, einem Schüler des Gaon von Wilna, gegründet und war fast ein Jahrhundert lang eine Stätte höchster talmndischer Gelehrsamkeit. Sie wurde im Jahre 1892 von der russischen Regierung geschlossen. (I. T. A.) * Filmrundfunk der Großstation Königswusterhausen. Am Sonntag den 11. d. wird die G r o ß st a t i o n Königswusterhausen znm ersten Male einen F i l m r u n d f u n l veranstalten. Zu einem Film der Jndustriefilm-Gesellschaft über die deutsche Präzisions-Uhrenfabrik Glashütte (Sachsen) wird durch den Direktor dieser Gesellschaft, Dr. Kubitz, ein Vortrag gehalten wevden, der in deutscher Sprache, hernach in schwedischer und norwegischer Sprache gesprochen wird. Die Jndustriefilm-Gesellschaft Wien-Berlin wird auch in der nächsten Zeit derartige Filmrnndfunks veranstalten und dazu aus ihrem 3000 Filme umfassenden Archiv Aufführungen veranstalten. * Tanzinstitut Hermann Braun, 14. Bez., Reindorfgasse 42. _. (Entgeltlich.) Vereine, Bortröge und Versammlungen. Sephardisch-akade m i scher Verein Esperanz a. Heute, 8 Uhr abends, im Vereinslokal, 2. Bez., Novaragaste 27. Vortrag (in deutscher Sprache) Dr. Martin Rosenblüth über „Antisemitismus". Gäste willkommen! — Akademische Sektion Hitachd u t h, 2. Bez., Zirkusgasse 33. Heute, */,8 Uhr abends, Vortrag. Erscheinen Pflicht! Leopoldstädter Volksheim, 2. Bez., Zirkusgaste 48. 7 Uhr: Universitätsastistent Dr. Wilhelm Marinelli: ,/Das Tierlüben des Süßwassers. Mit Lichtbildern.) Eintritt frei. Morgen Sonntag: Zoologische Exkursion unter Führung von Universitätsassistent Dr. Wilhelm Marinelli. Treffpunkt: Endstation Grinzing. Linie 38, dreiviertel 8 Uhr früh. Lese- und R edehalle jüdisch er Hochschüler (9. Bez., Dürkenstraße 9). Heute, Pünktlich halb 8 Uhr abends, Vortrag. Kommerzialrat Th. Ehrenstei n: Betrachtungen über -das Werk. „Das Alte Testanrent rm Bilde". * Keren Kajemeth l'Jsrael (Jüdischer Nakionalfotris). Morgen Sonntag, 10 Uhr vormittags, Aufführung des PalastinafilmS „Eine Reise durch Erez Israel im Jahre 1923" im Phönix-Kino, 7.. Bez., Lerchenfelderstraße 35. Eine Diensttracht für eine Krankenschwester. Die Witwe nach einem Privatbeamten, die für zwei Kinder zu sorgen bat, und sich bisher als Privatpflegerin fortbrachte, mußte infolge langer Krankheit ihre Tätigkeit unterbrechen und hat ihre bescheidenen Mittel anfgübraucht, ja sogar ihre Diensttracht veräußern -müssen. Um nun zu ihrer Tätigkeit zurückzukchren, wozu sie Gelegenheit hätte, braucht die Frau Die n stk leider; deren Anschaffung wnvde etwa 300.000 bis -400.000 K. kosten. Würden sichhilfsbereite Menschen finden, die der -armen Frau «die Mittel zur Anschaffung der Diensttracht und einiger dringend notwendiger -Einrichtungsstücke zur Verfügung stellen? Spenden nimmt die Administration der „Wiener Morgenzertung", 2. Bez.,. Daborstraße 1—3, entgegen. - der auch die Adresse der Schwester bekannt ist. 10. Mar 1924 /V-VV-:*1 * Skr. 1980. Bühne und Kunst. Strlndberg-Abend tat Aaimnnd-Aenter. Gastspiel Elisabeth Bergner. Elisabeth Bergner war gestern zunächst ein Wanket Engel mit herrlichen Augen, vom Tanze erhitzt, lieblich in dii Gesindestube schwebend, dann, ein kapWiöses Frauengimmerchen. von den Düsten der Johannisnacht leicht umnebelt und unter solchem Einflüsse merkwürdig zutraulich zu einem Lakaien, dessen kräftige Männlichkeit das gräfliche Kind anzulocken begann. später ein frisches, lüsternes, ja aggresives Ding, schließlich (nach einer Ereignung, die «für junge Dämchen nicht ohne Bedeutung ist) sehr ergreifend vom moralischen Katzenjammer befallen, den das arme Ding so geflissentlich mit roten Wein zu betäuben suchte, daß sie schließlich richtig beizecht war und der Katastrophe entgegentorkelte. Dies alles war gestern Elisabeth Bergner; aber Strindbergs „Fräulein JMe" war sie keinen Augenblick des Abends. Die Katze spielt mit der Maus. Plötzlich verwandelt sich die Maus in ein großes, gierige- Tier, sagen wir, in eine abcheuliche Rieseuratte und martert die Katze grausam zu Tode. So die Handlung des Einalkters. Die Katze -ist ein junges StriNdberg-Mädchen, ein erblich belastetes Halbweib, von: Männechaß befallen und von den Empfindungen der GeischlechtseiuÄschafl auch dann nicht verlasten, wenn es in einer Jcharmis, nacht mannstoll geworden ist. Fräulein Julie gerät bei ihrem katzenhaften Spiel mit -der Maus „M'ann" einem Stärkeren, Gesünderen, Düchtigeven ins Garn und fft drei' Stunden später des Lakaien Jeans Maitreste und Hörige. Wenn sie schon verloren ist, tM sich ihr furchtbarer Männerhaß, den sie von der Mutter ererbt hat (wenn man Strindberg trauen darf — oder in dieser Szene nicht weit cher seine genialffche Manie wüten hört), in folgenden Wünschen aus: „Ich möchte dein ganzes Geschlecht in einem Blute wimmeln seihen. Ich glaube, ich könnte ans deiner Hirnschale trinken, ich könnte meine Füße in' deinem Brustkorb baden und. dein Herz «gebraten esten!" Wian nrag sich freuen, daß solche Sätze verloren gehen, wann sie die Bergner spricht, aber daß sie verloren gingen, erweist ihr „Borbeffpielen-". Der Bezirk ihrer Kunst ist so schön und gesegnet, daß sie es nicht nötig hat, nach Rollen zu greifen, die sie nicht meistern kann. Ausgezeichnet Herr Edthofer äkS Jean. Da ist wiMch ein Kammerdiener, der eine „ZukNNft" hat, ein robuster Kerl mit Initiative und m!it einem Lebenspvogramm in der Lakaienbrnst, ein „Artbildner", dessen Söhne ihren Weg machen werden. Und Grete K ä i s e r als Christel von überzeugender Dumpfheit und Bch'chränkcheit des Weibes, das am Herd, auf dem es die guten Sachen für die Herrschaft wnvichlbet, zum versMavten Mchentrampvl wurde. - Bocher ,/Debe«t und Kredit", Strindbergs satirische Betrachtung über die Wie des erfolgreichen Ma«nn>es. Nur Herr S ch m i e d e r -und gang besonders Herr L o i b -n e r wurden Strindberg gerecht. Sonst war so Aivmlich alles verf-chlt. Elffabeth Bergner fand wieder außerordentlichen Beifall. Sie wird ihn ja immer finden, seitdem sie berühmt geüvorden fft, auch wenn sie — was die Verehrer ihrer Kunst nicht wünschen — Rollen studiert, an die sie nicht rühren sollte. O. A Gastspiel Bemenil tat Modernen Theater. „Le Fauteuil 47.« Ein dreißigjähriger Antor, dev dreißig Bühnenstücke hinter Dach und Fach gebracht hat (eine anerkennenswerte Leistung), von denen „Karussffel" und ,/Der Frechdachs" über die deutschen Bühnen gegangen sind, erscheint! nun bei uns als Thvaterdirektor und Interpret seimr Werke. Dank der Leitung des Modernen Theaters, die nach dem Grand Guignol uns feinste französische Lustspielkunst genießen läßt: endlich «eine zarte Diätkost aus erster Hand! Die Fabel des Stückes^ Es sei mir verraten, daß vom Parkettsitz Nummer 47 die Künstlerin Gilbert Boulanger von einem blonden JünKing allabendlich an-geschmachtet, durch eine geschickt motiivierte Verwechslung nicht mit dem hartnäckigen Verchrer, sondern mit seinem Sitznachbar, einem älteren Baron, zusamnrengeführt wird, während Paul, der junge Mann, Gilberts Tochter Lou-lou heiratet. Aber Paul liebt Gilbert! Wie er.nun von seiner Schwiegermutt.'r zur Gattin zurückgesührt wird, Krischen Tränen und Lächeln die schelmisch-resolute Loulou nach Krisen erst zu seiner wahren Frau macht, in der Durchführung dieses delikaten Problems liegt der Reiz des Lustfpiels, das anmutig, ohne Zote, ohne Zweideutigkeiten, mit flott dialogisicrlcm Tempo abrollr. Die Darstellung zeigte «alle -Fiuesicn frau«zösischer Bühneukunst. Die blendend hingeworfenen Apercüs, das Aufsangen und Zurückgaben der Pointen, die Grazie in Haltung.und Bewegung, die Durchbildung des hohen sprachlichen Niveaus und schließlich das Her-Msavbeiten -des Rhthmus dort, wo das Lustspiel ins Sentimentale abbog — schloß sich zu einer genußreichc-tt Gefamtwirkung zusammen. Alle Darsteller müßten genanirt werden: der Dichter« Ver-neuil, Andrer Terroy, Klara T«am«bour, George Trsville, Jean Sky, Louis Srott Andre Marsay, Marcelle Bailly und sogar in eine' Di-enerroll-e Alfr-o y. Das Publikum, aus Feinschmeckeru zu sammengesetzt, dankte in angeregtester Stimmung dem Dichte' dem Dheaterdivektor und den Interpreten. o. r „Ruffische Kunst nach der Revolution." Vortrag Prof. Lukomskh in der Kristallgalerie. Prof. Lukomsky bereist als Dele«gierter der Sowjetregie-rung die mittel- und westeuropäischen Staaten, mu unvoreingenommene Zuhörer über die russischen Kunstverhältillsse zu unterrichten, wie sie sich seit dem Mtevgartg «des Zarentums entwickelt haben. Denn die LcgettdenbiDung war gerade aus dem Gebiete der neurussffchen Kunftpslege fruchtbar und hat "Lärchen über den „Bandä-liöNtus" der fetziger- Gebiet"' in di» 8100

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