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Wiener Morgenzeitung · 1924-05-10 · Heft 1880 (10.5.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1880 (10.5.1924)
Date
1924-05-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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■WBHSÜt! Jtc. 1880 ,rrrr Men, Gamstag andsanileihe tat der Hohe 4>ott 100 Millionen Goldkronen MMHMgSN! -vevdsn soll. Mitt dieser Nachricht soll zweierlei msekcht werde»»: der Hinweis aus die in geschäftlichen Dm» tso vochchtiyen Rothschilds soll dsm AuKand emtäm, daß Hortihp ein kvedilwürdtger Kompaziszent -sei; md ÄbeckieS soll durch die Nennung Rothschilds als Bor» ichußdenmvttler der Anschein erweckt werden, daß die ^iwaMmpPe, deren Familientvadit>vlm LeSanMich eine Mfche ist, kern Bedenken trägt, mit der Hovchy-M-egvevung Gchhäfte zu machen, daß also die PoMmlberichte aus UM Mn, welche die ganze gesittete Wett erschauern lassen, von den RochfchMds als unwahr gewertet werden und daher auch vom übrigen Ausland, soweit jüdisches Kapital für Anleihen in Bewacht foitm, fo zu werten sind. Aber daS Manier ist zu plump. Wie alben Nachrichten dev HorkhY°M>egiemng, ist auch dieser die Mgje Hon von weitem anzuseihen: denn wenn die ungarische Regierung meidet, Latz sie beabsichtiyt, durch RoHschMd eimn Anleihedorschutz aufzunchmen, so heitzt das nicht, >daß sie ihn bekommt. Es geht dm Hovthy-Äeuten eben um einen ,Mtm" Wischen Namen; und sie wissen genau, daß das Haus RochschiM) sie nicht dementieren witid. tzmft Sarami Mr die angebliche Liyuidiemng der ungarischen Emigration. Ernst Garami, der Führer der ungarischen Emigration, der bekanntlich vor einiger Zeit gemeinsam mit dem Abgeordneten P e i d l in London weilte, um mit den Führern der Läbcmr Party die gegenwärtige Lage in Ungarn zu besprechen, äußerte sich sehr abfällig über die aus Budapest berichtete Verfügung der Negierung in Angelegenheit der Rückkehr der Emigranten. Er nennt diese ganze Aktion e ine Spiegelfechterei. Es halbe gar keine prinzipielle Bedeutung, daß die Zahl der im Inte r« nierungslager befindlichen unglücklichen Häftlinge um einige verringert wird, und ebenso sei es prinzipiell und politisch ganz bedeutungslos, wenn aus dem mächtigen Lager der Emigranten einige, und diese nur unter der Last der ihnen noch immer drohenden Gefängnisstrafe, zuvückkehren dürfen. Garami bedauert es übrigens, daß die Hauptverhandlung, in welcher ihm die Rolle des Hauptangeklagten zugeda cht war, wieder v e r s ch o b e n wurde, denn er sei doch neugierig, zu sehen, welches Urteil man in Ungarn auf Grund einer Anklageschrift zu fällen imstande ist, in welcher ein unBaMicher, öffentlicher, persönlicher Angriff gegen den Obersten.Wedgwood enthalten ist, der gegenwärtig Mitglied der englischen R e g i e r u n g ist. Diese Vertagung ibede-ute keine politische Richtnngsänderung, ja nicht einmal eine Milderung der gegenrevolutionären Politik. Die ungarländische sozialdemokratische Partei lehnt die Art, wie die ungarische Regierung die Emigrationsfrage neuerlich behandelt, sowohl vom PavteistandpunA als auch vom Gesichtspunkt der Interessen des Landes ab und Kündigt die Fortsetzung des Kampfes bis zur völligen, uneingeschränkten und von jedem Zusammenhang mit dem Strafrecht und einem Strafverfahren losgelösten Liquidierung der Emigration und bis zur restlosen Auflassung der Jnterniertenlager an. Wiener MorgenzeitunK. Ne letzten Kurse. London» 9. Mai. Die Verstimmung über die Aussichten der Reparationsfrage drückte« auf die Valuten und dar Geschäft hatte, einen kleinen Umfang. Die Kurse der britischen Staatsanleihen, bröckelten ab, auch Petroleumwerte waren schwächer, DebeerS wurden angeboten. OesterreichifcheAnleibeSS, Tschechische 98, Royal Dutch 38,12'/,, Shels 41,56,8, Centre Minings 11.12',, DebeerS 12,60 Diamond 17, General MinningS 12'/», RioTinto 32,0625. W e ch f e l k u r f e r New-Dork 4,86,12V», Paris 73,85, Brüssel 89,92'/,, Berlin 18.750 Millionen, Wien 310.500 K., Prag 14.87'/,, Amsterdam 11,67'/*, Christiania 81,32Stockholm 16,52'/», Kopenhagen 24,69Schweiz 24.67'/,, Athen 199, Bukarest 865. Warschau 22.75, Budapest 340.000 bis 440.000, Madrid 31,70»/*, Rom 96,87'/,. London, 9. Mai. (Radio.) Devisenschlußkurse r Wien 810,500, Prag 148'/«, Rew-York 4,36'/,„ Paris 73.60, Brüssel 89,12'/,, Rom 98,06, Zürich 24,55, Madrid 31,71. Amsterdam 11,67'/*, Kopenhagen 25,65'/,, Christiania 31,35'/„ Stockholm 16.52, HelsingsorS 176, Berlin 18'/,. London» 9. Mai. (Radio.) Liverpool: B a um wolle amerikanische anfangs 9 bis 22 Punkte höher, Mai 17,29, Juli 16,65, Oktober 14,48, Jänner 13,92, mittags 1.5 bis 9 Punkte höher, um 1 Uhr 15 Min. r Mai 27,27, Jnli 16,60, Oktober 14,47, Jänner 13,96, Full Middling 17,87. Baumwolle notierte: Mai 17,33, Juli 16,70, Oktober 14,50, Jänner 14,5, ägyptische Ware war um 13 bis 18 Punkte niedriger. Mai 22,45, Juli 21,80. New-Dork erosfnete mit 28 Punkten höher. Zuckergeschäft ziemlich umfangreich in britischer Rafftnerieware durch die Firma Tate Lyle zu Preisen, die einen Schilling nickriger waren. In importierter Ware war der Markt gering und etwas schwächer. Weißer Javazucker, sofort lieferbar, 40,3, Mai bis Jn-nr franko Dampfer 23,3, Juni bis Juli 22,3, Jnli bis August 21,9, tschechischer Granu ladet sofort greifbar 41, sofortige Lieferung starcko Hamburg 26,9 bis 27, weißer Terminmarrt fest. Mai 26,6, August 24,3 bis 24,7,5. Londoner Metallmarkt: Kupfer anfangs fest, der Schluß war schwächer. Standard Kassa 62,13, dreimonatlich 63,11, Elektrolyt —.—, Zinn fester, Standard Kassa 227,17, dreimonatlich 227,17, Blei fester, englisches 30,05, ausländisches 28,15 bis 27.12,6. Silber stieg um */» Penee, Goldum 4 Penee auf 94,7 Pence.' New-BvrK» 9. Mai. (Radio.) Effekienkurfe: Canadian Pacific 148, Union Pacific 130.87'/,, Union Steels 98,12'/„ Royal Dutch 54,87'/,. Aew-DorK» 9. Mai. (Radio.) Devisenschlußkurse: Taggeld 3'/r»/o, Wechsel auf London 4,36,62, 60 Tage-Wechsel 4,33,62, Paris 5,93, Amsterdam 37,34, Prag 2,93'/„ Berliner Schlußkurs 23 bis 23'/,. Wer 65'/*. Paris, 9. Mat. (Radio.) Das Steigen der Devisen wurde von der Börse mit großer Zurückhältustg ausgenommen, da sie nicht an eine dauernde Befestigung der Devisen glaubt. Alle Papiere verzeichnetrn zwar bedeutende Kursgewinne, aber keineswegs im Verhältnis zur Bewegung auf dem Devisenmärkte. Die Umsätze waren verschwindend gering. Wechselkurs London 73,90, Rew-York 16,30, Men 29,76, Prag 50.-, Bukarek 8,40. Paris, 9. Mai. (Radio.) Effektenschlußkurse: Banque de France —, Pragobanka 400,—, Credit LyonaiS 1552, Suez 12,276, Platine 678, Dabrowa 794, Banque Ottomane 770, Central Mining 820, Rio Tinto 2369, Le Naphta Russe 326, Succerir d'Egypte 1024, Baku 2215, Cautchoües sin 168,—, Chartered 6425, DebeerS ordin. 911, GoldfieldS 73.—, HuanchakaS 284, Jägers Fontain 216,—, Malacca ordin. 146.—, Maltzoff 360, Mexican Eagle 80,25, Padang 365,—, Rand Fontain 80,—, Randmine 215,50, Silva plana 176.—, Tanganyika 138.-, Tubice wie 624,-, Utah Copper 1165, Shell 345,-, Royal Dutch 28,700, Bnrmah —.—, Soeiete generale — Inland. LefMvngsrefom «ad zolkMf. Für die kommende Woche erwartet man den M Muß der Verhandlungen >des LSer - AuSschMfstS d« Bundesangestellten über die von der Regierung Vorgesetzten Grundzüge der definitiven Besoldungsrrdmmg, deren Kasten voraussichtlich in den Erträgnissen des neuen Zolltrvi-feS ihre Bedeckung finden sollen. Die Regierung will sich nunmehr auch mit der Einbringung des ZolltarisentwurfeS im Nationalrate beeilen. In den Klubs der Mchrheits- Parteien wurden bereits die Richtlinien des Zolltarifs ausführlich erörtert und der Meinung Ausdruck gegeben, daß bei der heutigen Politischen und wirtschaftlichen Lage Schutzzölle notwendig sind, soll die österreichische Produktion nicht durch die der Nachbarstaaten erdrückt, werden. Auch die sozialdemokratische Opposition zeigt sich nicht abgeneigt, ihren dogmatisch steihändlerifchrn Standpunkt zu verlassen, und sich für d ie Zollbelastung jener Fertigprodukte zu erklären, die auch im Inlands in genügender Menge und Qualität erzeugt werden. Dem Vernehmen nach wird die Negierung die Zolltarifvorlage am 20. d. dem Nationalrate unterbreiten. Der Entwurf der Besoldungsreform soll nach den Wünschen der Beamten noch bezüglich der vorgeschlagenen Spannung korrigiert und einige Unebenheiten in gewissen Besoldungsklassen beseitigt werden. Das als Grundzahl für die sogenannte Spannungsskala vorgesehene Gehalt d e r elften Rangsklasse dürste mit 1,6 bis 1,8 M i I* I:oit eit Kranen bemessen werden, woraus sich ergibt, daß die Höchstgehalte rund 15 Millionen Kronen im Monat betragen werden. Der Gesamtaufwand für die neue Besoldungsordnung wird mit etwa eineinhalb Billionen angenommen. Die Regierung hält den Beamtenabbau zumindest in der Hoheitsverwattung für abgeschlossen, während Generalkommissär Dr. Z immerman noch immer an seinen Instruktionen festhalten und eine Fortsetzung des Abbaues verlangen muß. In dieser Frage wird wohl im Zusammenhänge mit der Aufftellung des Normalbudgets auf der Völkerbundtagung in Genf im kommenden Monat die Entscheidung fallen. krhöhung der gesetzlichen Linse». In der gestrigen Sitzung des Nationalrates wurde der bereits angekündigte Gesetzentwurf über die E r h ö h u >n g Ä e r gesetzlichen Zinsen eingebracht. Er bestimmt unter an-- derem, daß der gesetzlich fcsigelegte Zinssatz von 5 Prozent ans 10 Prozent und der im Handelsgesetzbuch und in den Artikeln 50 und 61 der Wechselordnung festgesetzte Zinsp satz van 6 Prozent auf 12 Prozent für ein Jahr erhöht' wird. Die in bestchöndAn Vorschriften für bestimmte Fälle festgesetzten besonderen Zinssätze bleiben unberührt. Der Bundeskanzler ist ermächtigt, im Einvernehmen mit dem Bundesminister für Finanzen die vorher genannten oder sonstig in. bestehenden zivilrechtlichen Vorschriften sestgesetzten Zinssätze durch Verordnung zu erhöhen oder herab« „Schlagobers." Heiteres Wiener Ballett von Richard Strauß. (Uraufführung im Operntheater.) Seit vielen Wochen wird mit dem neuen Ballett! allerorten fleißig Schaum geschlagen, nun ist daS „Schlagobers" endlich rechtzeitig zur Richard Strauß-Feier fertig. geworden, zugleich mit ihm all die anderen Herrlichkeit^ «eines Wiener Zuckerbäckerladiens, die wie im Kindertraume auf einmal lebendig werden. Der Wunschtraum jedes Kindes, sich an allen Leckereien einer Konditorei einmal richtig krank zu essen, geht an einem Firmling in, Erfüllung,, und die harmlose Revolution eines durchs allznreichenSchlagobersgenuß verdorbenen MagenS erzeugt im Fiebertraum des Kindes die sonderbarsten. Phantasiegebilde. Natürlich darf man von der fadenscheinigen Handlung keine strenge Logik verlangen; ist sie doch! für Richard Strauß nur ein Vorwand für allerlei lustige und' charakteristische musikalische Situationen. Der Schauplatz ist zunächst eine bekannte Konditorei in der Kärntnerstraße, vor welcher die Firmlinge in feschen Zeugeln Vorfahren, um sich an Schokolade mit Schlagobers gütlich zu tun. Ein Firmling verirrt sich m die Konditoreiküche und belauscht dort die Marzipane, Zwetschkenmänner und Lebkuchen bei chren Märschen und kriegerischen Uebungen, sodann ist er Zeuge des Treiblens von Prinzessin! Teeblüte, Prinz Kaffee und Prinz Kakao, um deren Gunst sich Don Zuckero bewirbt. Schließlich erscheint ein riesiger Koch und sspritzt aus einer mit Schlagobers gefüllten, ungeheuren Schüssel das Schlagobers in Form von mttdelsauberen Mädeln heraus, die sich zu einem Walzerfinale dereinigett. Im zweiten Mt finden wir Pen kleinen Jungen wieder, der sich, an Schlagobers überfresssn hat, nnd nun zu Bette liegt. In feinem Mebiertraum beginnen die niedlichen Praltlnees zu tanzen, datm öffnet sich der Liköre schrank und d>ite 'rilesigen Likörflaschen geraten in Bewegung: MademoMle Marijanne Chartreitse gibt dem torkelnden Boris Wutkii eilten Korb> und wählt den vornehmeren Ladislaw Sliwowitz zum Kavalier. Noch! einer Berwattdlung erblickt man die proletarischen Gebäcke der Gilgel-- hupfe, Baumkuchen, Stollen, Strizzelit, Schaumrollen und Brezeln, welche gegen die vornehmetr Bäckereien der Kürntnerstraßen-Konditorei zu Felde ziehen. Prinzessin Praline« und ihr Hofstaat der fein eingewickelten Bonbons, Erdbeertortelettes usw-, sind in höchster ßtoMW durch orientalische Magier — ursprünglich waren es MazzeS, in der Generalprobe < mauschelnde Juden mit krummen Nasen und langen- ^Bärten, Lei der Prem-i«ere glatd-' rasierte, salbungsvolle Prälaten (!) — Flugblätter verbreitet werden und damit die soziale Revolution geschürt wird. (!) Weder Kaffee, noch Tee, noch Kakao, welche sich aus Kannen auf /das Volk ergießen, können die erregte Masse beruhigen, erst der Aufmarsch ungeheurer Münchner Bierfässer — München' in Wien? — bereitet dem Chaos ein Ende und eine prächtige Schlußapvtheose vereinigt die versöhnten feindlichen Lager in wienerischer Walzerseligkeit. Ein lustiges, musikalisches Tanzmärchen, in dem Kaffee, Sliwowitz itnd Münchner Bier, Schlagobers, Pralmees, Leckereien und Backwerk die Akteure sind — wo bleiben übrigens die echt wienerischen Indianerkrapfen! —, birgt reichste Möglichkeiten für einen musikalischen Lukullus wie Richard Strauß, der schon im „Bürger als Edelmann" eine so geniale musikalische Speisenfolge serviert hat, für diesen Magier des Tanzes, der so oft ftr seinen Opetrn und symphonischen Werken den Tanz als die Urzelle des Dramas erschaut hat. Und trotzdem bleibt Richard Strauß dein neuen Werke, dessen höchstes artistisches Können sich mit größter scchtechnischer Einfachheit paart, alles Neue in Einfall und Technik schuldig. Allerlei - liebe Erinnerungen werden wach, als ob der Meister auf der Höhe seines Schaffens einen Augenblick rasten und auf sein bisheriges Werk zurückblicken wollte. Seine Walzertechn-ik, namentliche im Schlagobers- |mtb Pralinee-Walzer, zeigt uns das bewährte Kochrezept des „Rosenkavaliers", der chinesisch! sein sollende Tanz der Prinzessin TeMüie führt uns in die Opernküche der Prinzessin Salome, an deren Judenquintett auch das latmige, charakteristische Quintett 'der jüdischen Magier anklingt. Mit viel Gieist ist das Chaos der Revolution in einer .Passacaglia geschildert, welche das Thema in ewiger Unruhe abwandelt. Wohin man horcht, überall reichster Farbensinn, Stimmung, Humor und feine Charakteristik, die ja dem Schöpfer des „Till Eulenspiegel^ im Blute steckt, überall begegnet man amüsanten und liebeuswürdigen Melodien, die von emem Alleskönner aus leichtem Handgelenk leicht und ftohgelaunt hingeworfeu sind, und ohne engere organische Verknüpfung wie im Traume vorübergleiten. Sollen wir noch. Errtzelheiten anführen: Den lieblichen Reigen der Firmlinge, den Tanz der Marzipane, in dem ebenso „Elektra"-Schauer Nachbeben, :i>Ie in dein Fiebertrannte des Kindds, die Träuntere! des brasilianischen Kaffees, den burlesken Tanz des spießerischen Kakaos^ den Bauerntanz der kleinen Pralinees, oder Mariannens kokettes Menuett! — Dies alles wären wertvolle Gaben von einem anderen Bühnenkomponisten, der etwa eine moderne „Puppenfte" oder eilt aktuelles Pfingstbällett schreiben wollte: von Richard Strauß aber, dessen große Vergangenheit zu neuen Taten und nicht nur zu artistischem Können verpflichtet, wünscht man sich Neues und Eigenartiges! Kein Zweifel, daß das neue Ballett seinen Wieg über die großen D'pernbühnen finden wird- Seit jehtechatte ja Richard Strauß eine unfehlbare Wittemng für den Geschmack und die Wünsche des Pübliktims und die leichtbekömmliche Kost eines heiteren Alt-Wiener Balletts wird in unserer Zeit der musikalischen Uebersättigung sicher zahlreiche Liebhaber finden. Schon um der feenhaften Ausstattung willen wird jeder Wiener Opernbesucher das neue Werk sehen wollen, dessen hübsche, freilich gleichförmige und nicht durchwegs llare Inszenierung und Choreographie — sie gibt mit Rücksicht auf die Musik modernen Tanzproblemen wenig Raum — Heinrich! Krö ller zu danken ist, und dessen ganz prachtvolle kunstgewerblichen Kostüme und Szenettbilder von Ada Nigrin entworfeit sind. Verweisen wir noch auf die glanzvollen Leistungen unserer Vallettschöitcn, ivelche, in der letztett Zeit immer mehr zu Aschenbrödeln der Oper gewordett waren und nun ihren neuen Aufgabe sichtlich froh wurdeu: Mit höfischer Vornehmheit tanzte Frl. Pichler die Prinzessin Pralinee, Frl. Krausenecker war eine neckische Demoiselle Chartreuse, das aus dem Konzertsaäl bekannte Dreigestirn der Damen Losch, P f u n d m e h e r und Mindszenty leuchtete hell in den Rollen der Teeblüte, des Kaffees und der „Visioit", ein drolliger Wutki war Herr Fränzl R'., Herr Ne meth ein possierlicher Kakao, Herr Birkmeyer ein flotter Don Zuckero und Herr Schreibt er ein eleganter Hofmarschall. — Das Publikum dankte dem Meister, der mit jugendlich ein Feuer das Orchester führte, für dieses Geschenk an die Musikstadt Wien mit freundlichem Beifall. So gerne wir dort Publikumserfolg feststellen, verhehlen wir uns doch nicht, daß es ein Pyrrhns-Sieg raffiniert einfacher Artistik und kostbarster Ausstattung über eilte dürftige Ecfiltduitg war, und wünschen dem Meister und uns, Laß er nach dem scherzhaften Jttterrnezzo dieses heiteren: Balletts in seinem neuen Opernintermezzo die volle Höhe der Straußschen Kunst wieder erreichen möge- Dr. Erwin Felve*

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