Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1879 (9.5.1924)
- Date
- 1924-05-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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*py t - '"^ «^.'{Mteg-w»1^ ~ WkM KsMKWW^- M Leiche in der Bahngarderobe. «ne Londoner KriMknalaUre. .- Aus London toindb mns gemeLdtzt: ' Die Londoner Psliyei ift fort »migen Tagen mit der AuMmumy einer der gchLmmnsVolllstiLn und sensa-tionellisten Kriminailchfaren ibefchäftigt, die sich seit langer Zeit in England adgefpiM hat. Am vergangenen Freitag gab ein Mann in der HandyePäckSgarderobe von DMerllvo-Gtvtion in London einen Mantel «sack alb und entfernte sich mit der Bemerkung, er -werde das GepäcksMck. in einigen Tagen aibholen. Zhver Dage spAter wurden die Bediensteten in dem Hvndgspvckswum auf einen Penetranten Geruch aufmerksam, der dem ManteGrck zu entströmen schien. DetMvs un'tersuchten das mit Riemen zulsammengeschnürte GepäcksMck und entdeckten BLiffpuren daran. Bei Oeffimng des Sackes stieß man auf ein blucheflecktes Fleischhanernreffer, mif Mutgetvänkte Seidensetzen sowie auf zeMeinerte Stücke von Menschenfleisch, oon denen der VevwefungHgenkch ausgegangen war. Es -wurden Detektivs nach Waterloo-Station beordert, welche Tag und Nachtt Wache hielten, um den Mann ftsttzunshmen, der das Gepäckstück aibgegelben hatte. Montag erschien der Betreffende und wies den Gepäckschein vor, um den ManltMsvck aus der Garderobe auszulosen. Er wurde sofort verhaftet. Es ist dies ein 46 Jahve Mer, Vecheivateter Kwchnann namens Patrick Dkchon. *' Am selben Dcy, an dem in dev Garderokbe von WaterLoo-Station der Mantelsack geöffnet wurde, machten die PoltzpDchorden des bEmnten Badeortes East-c Sourne an der englischen SiMüste eiwsn noch weitaus grausigeren Fund. Hier wurde im Kamin einer Villa, deren Gahttzimmer Mer das Wochenende an Londoner AuHWer vermietet war, eine tvegung gaben, mir begeistertem Beifall des 2hititori.:m§ bekchnt. Unter/ den Anwesenden bemerkte man m Vertonung des Unterrichtsministers Sektionenschef Markus, ferner den Bürgermeister, Mitgliedev des Professorenkollegiums und andere heworragende Persönlichkeiten. Der Weltrundffug. ) Unfall der portngfesifchen Expedition. Nach einer Meldung aus K a l k u t t a ist das Flugßeug der portugiesischen Weltflieger 306 Kilometer von Delhi entfernt, in einen. W.irbelsturm geraten und adgesÄHt. Hie beiden Flieger sind Verl e'tz t worden. Ne Affäre Hocheuegg. Rekurs gegen das Urteil der Aerztekammer. Wie die Korrespondenz Herzog meldet, wird Professor Hoftat Hochenegg gegen das Urteil des Ehrenrates der Wiener. Aerztekammer den Rekurs einbringen. Die deutschvölkische Hörerschaft Hocheneggs hatte sich gestern vormittags zu dessen Vorlesung vollzählig eingeftmden. und -bereitete ihrem Lehrer beim Betreten des Hörsaales eine Ovation. Ms die Prositrufe verklungen waren, richtete Professor Hochenegg an seine Hörer eine Ansprache, in der er u. a. sagte: Ich danke Ihnen für den besonders warmen und für einen Hövsaail nur zu lauten Empfang, den Die mir bereitet haben. Da ich heute zum 38. Male meine Semestervorlesung beginne und ich jedesmal mit Applaus meiner Hörerschaft begrüßt wurde, habe ich schon einige Erfahrung in der Abschätzung der Wärme Ihrer Kundgebung und so glaube ich mich nicht zu irren, 'wenn ich annchme, daß Sie mich durch die heutige besonders lebhafte Ovation nicht nur als Lehrer begrüßen wollten, sondern.daß Sie mir. vor allem auch Ihre vollen Sympathien zum.Ausdrucke bringen wollten für meine Bestrebungen im.Interesse der ärztlichen Moral und Ethik. Die wissen ja,.daß ich seither von allen, möglichen Persönlichkeiten und Aemtern, denen ich durch meine Worte unbequem geworden bin oder deren Geschäftsbetrieb ich geschädigt habe, auf das Energischeste angegriffen werde. Me Flucht ln den AnfrnMacht. Ein Wachmann verfolgte vorgestern abends in der Kölln echof-gasse drei Mädchen, die er zur AuNveisl>ei!stung verhalten wollte. Sie flüchteten. Die eine von ihnen-wollte in ihrer Angst sich im Keller derberen, geriet aber an die unversperrte Tür des Aufzuges und stürzte gerade in dem Augenblick in den Aufzugsschacht, als der Fahrstuhl niedergmg. Feuerwehr mußte ausrücken und den Boden des Fahrstuhles audbrechen, um die Gefangene zu befreien^ Das Mädchen, die 84jährige Marie P., wurde von der Rettungsgöselffchaft ins Allgemeine Krankenhaus geibracht. Sie hatte eine leichte Nervenerschütterung erlitten und konnte nach kurzer Behandlung im Auto nach Hause fahren. vollständig zerstückelte wMiche Leiche - L'usgefuMen, der der Kopf, fehlte. Die Leichentsille lagen in Zrnnfchachtoln, .wie sie zur Verpackung' von Kalkes 'benützt werden. Ein' weiblicher. Äö'rper irtet* mit' kunstgerechter Hand, .geradezu anatomisch sau her, in Bestandteile geschnitten und in die Biskuitdosen geAvängt worden. Dieser sensationelle Leichenftmd. brachte, iw Zusammenhang mit dsrn mysteriösen Marttelsack, das ganze Detektivkovps von Scotlland- Mnd in Alarm. - Trotz sorgfältigster Nachforschungen in der Billa und im Ga-NteN konnten keinerlei Spuren zu einer einwandfreien AuMavnng des - gvauelwollen Verbrechens gefunden wel» den. Es fand sichbloß, ein Chauffeur, - der aussagte, er -halbe vor etwa zwei ' Wochen einen Herrn und sine blonde, schlanke, f.u.« g e D a m e, zu der Villa geführt. Der' Chauffeur will in dem verhafteten P schrick. Mahon den Mann erkennen, der. damals sein Fahrgast' war. Durch weitere -Nachfovschnngen entdeckten die Londoner Detektivs, daßcin. ' . V- ‘ Fräulein Kahir, eine Bu-roMlibeamtin, fett ziver Wochen -aus Hver Wohnung abgängig sei-. Nun wuvde in dem Kanün der Billa von Gasibourne auch die Photographie einer jungen Dame vorgefunden. Der Vater der verschwundenen Miß Katze erMärte, daß die Person des LrchiibMdes mit seiner Tochter id«n'tisch sei.- Die Polizei bemüht sich nun, den Beweis zu erbringen-, daß Patrick. Mahon der Mörder der Mß Katze sei. Da der Verhaftete leugnet und der Jndizrenlböweis noch nicht völlig geschlossen ist, dürfte dieser sensationelle Kriminaffall'die enFische OeffenNchkoit noch einige'Zeit in Atem halten. ... , Sie Augelkgeuheit des Bankhauses Tanffig und 8o. Im Laufe-der letzten Woche '.liefen gegen das Banchaus Taussig und Co^, Schottenring 17, bei der .Wirtschafts- Polizei mehrere Anzeigen ein,'die besagten, daß die Firma Effektendepots der Komynttenten. nicht ausfolge und die Zahlungen eingestellt -habe. Die Erhebungen und die Bucheinsicht ergaben den dringenden Verdachts daß eine betrügerische Insolvenz votliege. Am '6., hezw. 7i d. tvürdeu det'.Inhaber des'Bankhauses Bruno Tausiig und dessen Gattin Martha in' B e r w a h rung s h a f t genommen. Wie bisher festgestellt werden könnte,"Nträgt die Ueberschüldung des Bank-' Hauses 2,9 Mi l/l i"a r d'e ni Krw n e n. 2>er Fehlbeiräg' wurde fast zur Gänze dutch M ä ch i n a' t i d n e.n des FirinMnhabers und . seiner'Gattin dem Unternehmen entzogen. Effektive- Entnahmen wurden im abgelausenen Jahre allein irr der Höhe von mehr als 65 6 Millionen Kronen-auf dem Konto des F-irmenchess gebucht. Die Mrtschaftspolizei hat auf Grund der Erhebungen gegen beide genannten - Persien die An.zeige wegen b e t-r ü g e r-i s ch e r M a ch i n a t i o n e n zum. Schaden der Gläubiger eingeleitet. Nach Wegfall der gesetzlichen Haftgründe wurden Bruno und Martha Tauss-ig nach den Vorkehrungen zur Verhinderung einer eventuellen Flucht enthaftet. - Selbstmord des Bankiers tissier. Gcstern nachts ^a-f sich in seiner Wohnung - auf - dem Freiheitsplatz 5 im 9. Bezirk der Bankier Isidor Eisler mit Leuchtgas vergiftet; er wurde am Morgen tot auf-gcftmden. Man fand in seinem Schlafzimmer einen offenen Zettel, auf den er geschrieben hatte, daß -er die Tai wegen seelischer Depression und aus Furcht - vor beginnendem Wahnsinn verübet In einem anderen Schreiben teilte'er mit, daß er infolge ges'chäfkIiche'r'Be"rl-üste - sich entschlossen^ habe, den. Tod zu suchen. . Isidor Eisner, der 65 Jahrealt gewesen ist,, war Mitchef, -des Bankgeschäftes H-erz -ut St r auß, das änf dem Sch-ottenring 7 etabliert-ist. Seine Frau ist eine Tochter des ehemaligen Präsidenten der Börse für landwirffchaftliche Produkte, Nasch au er. - - Wie seitens der Firma' m-itge-teilt wird, ist diese, falls tvirtlich. geschäftliche Verluste'- den Setbistinord des Mannes veranlaßt hätten, -nicht in Mitleidenschaft gezogen, die G.eschäfte der Firma sind v o >1 l k o m m e n intakt. .Von gut unterrichteter Seite wird mitgeteibt, daß in der Solvenz Eisners kein Zweifel bestcht,^.daß er persönlich als durchaus aktiv galt, und inan uirmnt an, daß'er die Tat nur in einem Zustande von De'preftsion'begangen halbe. Bankier Eisner war m. Börfokre-isen und in dem Kreise seiner Geschäftsfteunide überaus geschätzt und-galt als . sehr seriöser Geschäftsmann.. Ex scheint, die Ausführung des- SeMtmovdesam Tage vorher geplant zu halben und hat seine Frau von Wien -wsgge.schickt. Sie'befindet sich seit einigen Tagen zur Echolung. in Edlach. Mittwoch abends war Eisner 9. «r itzTtz zur gewohnten Stunde nach Hause gek-Mmveft. Während ldet Nacht juchte er emen Nebenraum -seines. SchlatzimmerS aüf, ließ hier Leuchtgas ausströmen und erwartete so durch'Einatmen des Gases den Tod.- Am ftühen 'Morgen bemerkte die HauSgchilftn den Geruchdes Leuchtgases in der Wchlwng, und ÄS sie nachsah, fand sie ihren Divnstgeber wt auf. WtzliÄrr Tod des Bankiers Lr. Brün. Auf der Rückreise Vom Echolungsurlanb auS Italien ist vor- Wiener-Neustadt der Bankier-Dr. Ernst Grün an Herzschlag im besten Männesalter plötzlich gestorben. Seine Familie weilte noch tu dem Gülden und wurde von dem Ableben verstäM-gt.. Dr. Ernst Grün, Chef der Fivma Edmund Grün, war einer der. beLanutesftn . Händler' mit Exoten an der Börse, und fungierte auch als beeideter SachvetzstüMger und Schatzmeister amtlich nicht kotierter Effekten. . (fet war der Nachfolger seiner Vaters, der die Firma Gdmünd 'Gvün gegründet hatte, die seit mehreren Ichrzchnten.bchcht und'guten Ruf genießt. Doktor Grün war herzleidend und die Aufregungen der'letzten Tage durften aus seinen Zustand -derart einyewrrkt 'haben,, daß er vE Schlage gerührt wuÄe. - i . Re PflMdnotmMcher. Bier Bechaftunge». Im vorigen Monat wurde der ehemalige Bäckergehilft Eugen Klink verhaftet, als er eine falsche englische Pfnndnot« in einer Wechselstube der Mgemeinen Depositenbank wechseln wollte. Er besaß 17 Falsifikate, von denen er sechs Stück emenk gewissen Otto Hofbauerübergab, der gleichfalls verhaftet wurde. Hosbauer gab zu, einem hiesigen Ratenhäudler 48 falsche - Fünfpfuudnoten verkauft zu häben. Ein Mitschuldiger kramen 8 K o j a n e c, der in Budapest 40 falsche Pfundnoten einwrchselu wollte, war wön Budapest, nach Wien mit dem Dampfer he« flüchtet und wurde am 7. d. bei ferner Ankunft in Wien festge« nommen: Eine weitere Person, die mit Hofbamr in Verbiirdung stand, war der Wiener Filmagent Edmund Sza-lao, welcher 50 Stück falscher Banknoten zu einem Preise von 20 Prozent des Nennwertes kaufte. Der Sitz der Wevkstätte dev Fälscher komit-e ' bisher nicht eruiert werden. Die Verhafteten haben ein teilweises Geständnis abgelegt. ßinlgung in de» Fonvrkraukenllnstaüeu. Wie wir. erfahren, ist gestem abends eine Einig trug in den Fondskrankenanstalten erfolgt. Den Beamten wurde .eine Oster au-sh il fe in der Höhe-von 500.0Ü0 Kronen für Verheiratete und 250-000 Kronen für Ledige, zugestanden. D; weiteren Verhandlungen über die Lohnforderungen tverden zugleich mit den BerhanÄmkgen der Bundesange-' stellten erledigt werden. Infolgedessen hat die passive Resistenz, der Beamten auf ge hört. UnverSllderte Kohlenpreise. Wie uns gemeldet wftd, bleiben die Wiener Rutschen» preise für oberschlesische H a « S b r a n d k o h l e unb oberschlesischen Koks bis aus weiteres unverändert. Re LebensmittelmSNte. Die Fleischzufuhrein nach der Großmarkthalle und vor, Vieh nach St. Marx wareu gestem außerordentlich günstig ausgefallen. Mit Rücksicht auf dos starke Angebot und das wärmere Wetter erwartet man Preisrückgänge, namentlich für Kälber und Schweine. Vorläufig sind die Preise, namentlich inr Kleinhandel, noch vollkommM unverändert. Auf den Gvünwarenmävkten waren dir Zufuhren besser ausgefallen, -die Nachfrage war lebhafter als bisher-. Die Preise sind nur für Neusiedler Salat, .grüne Erbsen und Spinat etwas zurückgegan,g-ett, alle übrigen'Preffe bli-ebm so zromlich mwerändert, die Preise für. Karotten und ntalftnifchen Karfiol, der bereits zu Ende geht, sind.sogar etwas gestiegen. .- . -Butter und Eier stehen in genügenden Mengen zur Verfügung, die Preise.erfuhren keine Aenderung. ■ Das Wetter. Gestern stieg unter dem Einflüsse «südlicher Winde die. Te-mperatnr in Oesterreich meist über 20 Grad, stelleMveffe über 25 Grad. Das warme Wetter hielt j-edoch nicht lange an. Abends trat lülhles Wetter und kurzer Regen ein.' -Die Voraussage kündigt -kühles, veränderliches Wetter, meist vorübergehenden Regen an. ' - -.-? Wien, Y. Mai. * „Gengan S' baden!" Diese gemütliche Aufforderung mag für ausgesprochene Hnndstage am Platze sein, derzeit muß sie jedoch unbedingt aufreizend wirken. Die weisen Stadt-- väter 'denken anders. Wenn'schon, die Jahreszmt nicht dazu einlädt, sozusagen ein kaltes Bad zu nehmen, vielleicht tun es die Bäderpreife, die jetzt' saniert wurden (was so viel heißt, daß sie auf keinen Fallbilliger geworden sind). Das Gänse- -häufel bleibt sicherlich jedem lieb und teuer» üuch wenn es, verteuert wird denken die Weisen in der Gemeinde, wobei sie hearer mit. der Verlegung der sorfft so beliebten.-Sommer• irrschenplätz^ aufs Gänfehäufel mit Rücksicht aus, die Börsenkage rechnen. Somit.wäre ein Massenandrang jener zu erwarten, die zwar nicht unbedingt ins Wasser, gehen — das. Sie Lohnverhandlungen bei de» Aaakstheatem. Die Lohnverhandlungen in den beiden Staatstheatern, die bereits durch einige Wochen geführt werben, sind nunmehr in ein entscheidendes Stadium getreten. Die Besp^chungen mit dein ei n z e>l neu Gruppen sind beinä'he beendet und nunmehr wird die'Aöbeitsgsmonvschaft der Bühnenangehörigen die letzten Bechandlungen^ führen. Es fft schr fraglich, ob bis zum 15. d-, für welchen Tag das Ultimatum der. Musiker der Staatsoper -lautet, eine Einigung bereit-, erfolgt sein wird. ‘ - ...... '- Das hervorragende jüdische Geschichtswerk GRAETZ, GESCHICHTE DER JUDEN in S eleganten Geschenkbänden (ca. 2000 Seiten stark) erhält jeder, der die „WIENKR WIORGKWZEITÜNG“ abonniert und die Bezugsgebühr auf ein Jahr im rorhinen entrichtet // Jahresabonnementsgebühr K 420.000 Falls Zustellung ins Haus gewünscht wird, sind überdies für. Porto K 15.000 zu entrichten Für das Ausland beträgt die Jahresbezügsgebühr das l2fache des am Kopfe des Blattes ersichtlichen Monatsabonnementspreises zUzüglich K 25.000 für Expeditionskosten < —-Diese Prämienausschreibung wird bis 80. Mai 1. J. geführt.