Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1879 (9.5.1924)
- Date
- 1924-05-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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-kö. 1879 Wien, Frettag >—:-------1---'- Vs wird daher folgendes Gesetz beantragt: Der AusMchsfonds wird gebildet durch Beiträge Kr Mohnparteien aller Häuser der Gemeinde; oder des Gebietes, für das ein gemeinsamer Ausgleichsfonds errichtet wird. Diese Beiträge■ sind m11 einem VteU fachen des Jahresmietzinses (Mietwertes) für 1914 oder mit einem Zuschlag zur Gebäudesteuer (Wohnbausteuer) festzusetzen. Die Verwaltung des Ausgleichssonds obliegt der Gemeinde oder dem Gemeindeverbind, dem in diesem Falle Rechtspersönlichkeit zükommt. Der Ausgleichsfonds darf nur unter nachstehenden Voraussetzungen zu einer Leistung herangezogen werden: 1. Wenn große Jirstandihaltungsavbeiten in Häusern vorgenommen werden sollen, in denen sich vorwiegend kleine Wohnungen befinden; 2. wenn der Bauzustand des Hauses eine Gefahr für die Gesundheit oder Sicherheit des Eigentums der Bewohner bildet oder in nächster Zeit befürchten läßt; 3. wenn die volle Aufbringung der für die Jnstandhaltungsarbeiten erforderlichen Kosten die Mieter im Harffe nach ihren Vermögens- und Einkommensverhältnissen unverhWni'smäßig belasten würde; 4. wenn der gesetzliche Mietzins ein vorn Landeshanptmanne durch Verordnung festzusetzendes Vielfaches des Grundmietzmscs übersteigt. Wenn ein Haus innerhalb von 10 Jahren nach erfolgter Fondsleistung durch Rechtsgeschäfte unter Lebenden an einen anderen Eigentümer übergeht, so ist der aufgewendete Betrag der Fondsverwaltung znrüchnerstaäen. Bei dein SozialldolnoErateu scheinet sich ein Uinschwu. in den Auscha-mmgen über die Form, in der der Mieterschutz aulfrechtznevhalten sei, vorzubereiten. Dafür spricht der von «ihnen iur Nationalrat vorgelegte An-tvag a^nf Schaffung eines Ausgleichsfonds zur .Instandhaltung der Häuser und die Entrüstungsszcnen, die sie gestern iur Nationalrat bei einen: ganz geringfügigen Anilaß, einetn Verstoß des Präsidenten gegen die formalen Beistimnrungeit der Geschäftsordnung, anssührten. Die Budgetkapitel Bundeskanzleramt, „Aeußere s, Inneres und Justiz" waren oben angenommen worden und eine R c s o l u t i o n betreffe n d d i e Aufhebung des Preistreii'bereigefetzes dorn JuIftizauZschuß zuigeimissen worden. Nunrnehr sollte über e ine Resoluti on abgesiimmt werden, in der die Regierung aufgefovdert wird, den stufe uw eisen Abbau des Mieterschutzes einzuleiten. Bei dieser Gelegenheit wollten die Sozialdemokraten in einer n a m e n t l >i ch e n A >b st i nt nr u u g alle diejenigen annageln, tvelche sich für die Annahme des Antrages entscheiden. Die Mehrheitsparteien Haffen nun, nur über diese unangene-hnve Mftimmung hiNwegzukondmeu,., ^vereinbart, den Antrag dem: iJustizausschuß lzuzuwoi'sen, doch vergaß -der Berichterstatter Dr. Dostal, diese Zuiweifung zu beantragen. Als Präsident M i k l a s gleichwohl die Msiimmung «Mer die Zuweisung e'nrleiten wollte, veranstalteten die Soztaldemoikvateir ein Pultdeckelkonzert und schrien: „Wir lassen rrns nicht veMwMgen! Das ist teiu- Bruch der Gefchäftsovdn'nng!" ufw. Der Präsident gab mitten, im Lärm die Zuweisung der Resolution an den Ausschuß bekannt. Run schrien die Sozialdeiurokrateu so arg, daß au ein Weitervechandeln nicht mehr zu deutelt «lvar. Alan mußte die Sitzung unterbrechen und mit der Opposition BerhaMungou einleiien. Nach WiederaufnahML der Sitzung Wb der Präsident sMst zu, daß ihm ein Uebersehen unterllausen sei. Man mußte eine namentliche Abstimmung vornchmen, bei der mit 88 gegen 63 Stimmen der Sozialdemokraten die Zuweisung an den Iust izausf chuß beschilosseu wurde, wo der Antrag natürlich endgültig begraben ist. Dann wurde die SpeMödelbatte über die Kapitell: „Unterricht, Kunst, Kultus und Bnndest hie ater" zu Ende geführt. NntervichtMnmisier - Schneider, der sich als Freund einer ständigell Schulernenerung bekannt, steWe unter anderem auch dem zurückgetretenen Buvgtiheaterdiwktor P «a u I s e n eilt WohlderihälinuMeugnis ans. Sein Ausscheiden ans der aktiven ' Tätigkeit sei nur wogen Meinungsverischiedenheiten über die KonchetenzabgrenFung nerter Dien!stvor!schriften für den Bundescheaterkommissär e-rfolgt. V o n einer E n tfernungdes um das Burgtheater verdienten Mannes konnte nicht die Rede sein. Ansonsten unterhielten sich die Redner in der Debatte. Herr Leuchnvr sipvach sogar zweimal über ddn Kulinvkantps und über das iSchultvesen in Wien. Kuuschäk wieidevholte seine aus dom Gemeindevat, den diverisen KacholÄen- und ParEelitagen her schon bekannte Kritik am Wiener Stadtschulrat, der iden Zwang zur Teilnahme an religiösen Uelbungen aufgeholben, konfessionslose SchulleKer be>siellt habe usw. Der Präsident des Stadtschulrates Glücket verteidigte sich gegen btefe Angriffe in sehr maßvoller Form und sang wieder das auch schon znm Ue-berdrus; bekanute -hohe Lied von . der Schulreform. Schließlich wunde noch die Beratung des Mschnrttes: „Soziale Berwaltnng, Volksgesnltdheit und Bmidesapotheiken" begonnen. Nächste Sitzung: Honte 10 Uhr vormittags. (Hm Konferenz der IonaMmmMmr. Jut Aufträge der österreichischen Regierung hat sich ßer Präsident des Dr. H o rmch Aa!«tz hegcheNr W *$* Morgenzertung. London, 8. Mai. (Radio.) Devisenschlußkurse: Wien 311,500, Prag 1491'*, New-York 4,38, Paris 69,32%, Brüssel , 86,127?, Nom 97-/«, Zürich 24,61, Madrid 31,70, Amsterdam 11,67%, Kopenhagen 25,74%, Christiania 31.45'/,. Stockholm- 16,577,, Helsingfors 175'/«. Berlin 18'/- Billionen. London» 8. Mai. Baumwolle Liverpool. Es wurden verlauft 7000 Ballen und eingeführt 8563 Ballen amerikanische Baumwolle. Die Preise stiegen um 10 Punkte, Fullmiddling 17,62, Brasilianer stieg um 15 Punkte,, ägyptische um 10 Punkte, ostindische war unverändert, amerikanische Baumwolle war anfangs um 4 bis 8 Punkte niedriger, später infolge lokaler Nachfrage in Manchester fester, Mai 17,02, Juli 16,43, Oktober 14,34. Jänner 13,81. Um 2 Uhr 5 Min. war die Tendenz ruhig. Mai 17,03, Juli 16,44, Oktober 14,53, Jänner 13.83, ägyptische Baumwolle stieg um 18 Punkte, Mai 23,58, Juli 21,98. " London, 8. Mai. (Radio.) B a um wolle: Amerikanische Mai 17,11, Juli 16,49, Oktober 14.37, Juni 13,80, Mai 13,11, ägyptische Mai 22,58, Juni 22,28, Juli 21,98, Oktober 19,71, November 19,06. New-Pork eröffnete Mai 30.15, Juli 28,25, Oktober 24,47, Dezember 23,87, 11 Uhr: Mai 30,10, Juli 28,20, Oktober'24.47, Dezember 23,68. London, 8. Mai. (Radio.) Wechselkurs e: Die Tendenz war allgemein schwächer, besonders französische mb belgische Franken, New-Dork 436'/,, Paris 72,25, Brüssel 88,25, Berlin Billionen, Wien 310.500, Prag 149'/,, Amsterdam 116.72Cbristiania 31,427?, Stockholm 16,55'/-, Kopenhagen 25,757,, Schweiz 24,627-, Rom 97,75, Madrid 31,64'/-, Warschau 22.80, Athen 205, Sofia 600. Bukarest 860, Konstantinopel 812, Budopest 3^5.000 bis 425,000, Riga 22,69. London, 8. Mai. (Radio.) Am Metallmarkt war die Ten- •ii3 nach der gestriaen Abschwächung des Zinnpreises nicht rholt und weiter schwach. Zinn stand Kassa 224,3J5, drelmonatlid) dasselbe, englisches, das unlängst noch einen Tonnen^ preis von 300 Sterling aufwies, sowie auch Kupfer war ebenfalls schwächer, Standard Kassa 62,17,6, dreimonatlich 63.16, Elektrolyt!) 69,3, Blei englisches schwächer 29,5, ausländisches 26,17. Trotzdem blieben die Zinnaktien befestigt. Rio Tinto und andere Kupferaktien waren widerstarpdsfähig. Auf dem Anleihenlarkt waren französische Renten, französische Eisenbah'nen, SrerlinaMigationen, Seinesschuldschüine und Oesterreichifche Anleihe schwächer, hingegen, japanische 6Prozentige fest, auf-er einiger Betvegung in Betvolcumwerten lvar der Btarlt still, Debeers ausgesprochen schwach, Slustroanloihe 93,50. Tschechische Anleihe 97,75, Bodenkredit 16.16 bis 18,18, Otavi 25, Centremining 11,12,6, Diamonds 17. Debeers 11,42,75, 0-eneräün>iuiug 12, Rio Dinto 32,60, Royal Dutch 38r50, Shells 16,12,5. Zucker: Britische Raffinade wurden bei mäßigen Umsätzen zu alten Preisen gchmidelt. Importierte Ware war ruhig. Weißer Javamcker Mai-Juni 22,9, Juiri-Juli 22, Juli 21,6,' tschechv-s-lowakffche Granulate Mai-Juni 26,9, NovenDer- Dezenlber 21,6. franko Hamburg. Fein kristallisierter Trinidat bei sofortiger Lieferung 45 Schilling. Weißer Termin, Markt wiederunr schwächer, aber das Geschäft lebhafter. Mai 26,9 bis 25,10,5, August 23,10,5, Dezember 20,10,5. Paris, 8. Mai. (Radio.) Estektenschlußkurfe: Banque de France —, Pragobanka 390,—, Credit Lyonais 1645, Suez 11,955, Platine 678. Dabrowa 775, Banque Ottomane 771. Central Mining 773, Rio Tinto 2278. Le Näpbta Russe>325, Succerie d'Egypte 992, Baku 2196, CautchoueS sin 165,—, Chartered 5260, Debeers ordin. 882, Goldfields 7075, Huanchakas 270, Jägers Fontain 214,—, Malaeea ordin. 144.—, Maltzoff 360, Mexican Eagle 80,—, Padcmg 367,—, Rand Fontain 77,50, Randmine 204,50, Silva plma 175,50, Tanganyika 139.50, Tubice soie 620,-, Utah Copper 1160, Shell 825,-, Royal Dutch 27,150, Burnwh —.—, Soeiete generale —. Paris, 8. Mai (Radio.) Die heutige Börse war durch die H a" s s e der D e vi so n freundlicher gestimmt. Obwohl der Umfang der Geschäfte noch immer beschränkt war, zeigte die Börse große Belebtheit. Die Baissiers, die gestern in die Konternüne gegangen waren, weil man einen Teil des Pfnndes während der Wahlen eskoniptiert hatte, kaufte den heute rasch wieder zurück und die wenigen Käufe tmgen das ihrige bei, um eine recht dcuMche Hanssvstimmnng amkommen zu lassen. Das Steigen der Kurse der Devisen wird hier auf starke Abgaben von Amsterdam und zurück zurückgeführt, die heute zum erstcnmale seit längerer Zeit wieder in Ko:ttermineposit«ionen zu gehen scheinen. Die Hausse erstreckte sich so zientlich Ms alle Abteilungen des Marktes. Anr bemerkenswertesten war der Kursgewinn der Royal Dlltch, die heute 1260 Franken gewannen. Der Wochenausweis der Banque de France weist eine Verminderung der Vorschüsse an den Staat um 200 Millionen ans, eine Bermiudernng der Notenzirkulation um 91,968.000 Frankcit, so daß der Notenumlauf weniger als 40 Milliarden beträgt. London notiert zuerst 70,60, nachbörslich, nachdem es aus Grund des Ätelv-Uorker Eröffnungskurses sich auf 70,10 erholen konnte, stand es loieder ans 70,30. New-Aork notierte 16,20, nachbörslich 16,05, daun später 16,18, Prag 48,50, Bukarest 8,10, Wien 22.50. Nem-Bork» 8. Mai. (Radio.) Atkinson 100V„ Baltimore 53VS, Eric 2o'/„ Great Northern 57V«, North Pacific 523/s, LieÜig Read mg 527/s, Shell 397/8, 60 Tage-Wechsel London 435Vz, Cable London 438°/«, also höher als die gleichzeitige Londoner Notieruugaus New-Uork, Silber 64'/z. Nsw-Avrk» 8. Mai. (Radio.) BorÜörse: Canadian Pacific 148, Union Pacific 130V«, Uuioü Steel 98'/, Royal Dutch 55'/«. Aew-Bovlr» 8. Mar. (Radio.) Devisenschlußkllrse: Taggeld 372*/o, Wechsel auf London 4,36,37, 60 Tage-Wechsel 4,33,37, Paris 6.03, Amsterdam 37.39, Prag 2,93'/», Berliner Schlußkurs 23-/, bis 23-/., Silber 64.75. gen vor der europäischen DoMttkomnnssion über die durch Artikel 307 des Staatsoertrages vom St.--Germain er-hobeuevt Ansprüche der Donanko-ntinission beginnen. Zer Konflikt Sruber-Mayrzedt beigelest. Linz, 8. Mai. Zur Erörterung des Konfliktes gtvischen Landeshaiüpiurauu-Stellvcrtvckx G ruber und Landesrcgiernngsrat Mayrzedt haben unter dem Vorsitz des. Laudeshauptutauues Hauser, bezichuugsweijse des Laudes-- Hauptnraim-Stellvertreters Dr. Schlegl in Anlnesenheit von Vertretern des Lauveshauptu>anu-^Stelivertrcters Grnber und von drei Vertretern der Beaulteuschaft der politischen Verlvaliui^^.eiligehende Besprechnttgcu sta-ttAvfnnden. .Ihr Ergebnis ist die Beilegung des Ko-nfli;!te s zwischen Landcs- Hauptmanu-Stellvertretcr Gräber' und den Beamten der politischen Verwaltung aus Grund der brid.'rseits udgeMeuen Eöklärnugen.!). NM '1'SZL '"WF*7 ' Sie «einen MMchtslofigkeiten. Menis BevMernng genießt in aller Welt den Nus der Gutmütigkeit. Mit Recht: Die großen Rüchsichtslvsigkeiten sind bei uns selten. Aber die Keinen! Wenn einer einen Sonntagsansfürg macht, dann lauw er was davon erzählen. In-der Straßenbahn ist wohl der Kcvmipf der Borgeher gegen die Nicht-Vovge^her .dadurch wesentlich gemildert, daß sämtliche Fahrgäste zu einer einzigen drei- und' gallertartigen Masse zuisummengepreßt werden, die alle Nischen und Buchten erfüllt. Aber diese Situation bringt es mit sich, daß die vollgestopften Rucksäcke mit besonderem Ibnbehageu empfunden iwerden. Die INaselt der kleiner geratenen Mitreisenden befinden sich iu unaufhörlicher Gefahr des Eingedrücktiwerdens 'und die Wangerr machen bald rechts, bald links uahe und nächste Bekanntschaft mit den Freßkistchen, Feldflaschen oder Orangen der lieben Nächsten. Ans Mnehmen des Rucksackes denkt natürlich niemand — es ist ja unbequem, den Sack in der Hand zu halten oder neben sich nieder zu sollen. Wenn nran den anderen -damit Püffe und Stöße austeilt, iso ist das unvergleichlich angenehmer. Wenigstens für beit Ruckfackbesitzer. Außerdem gibt es immer noch Hntnadeln. Die ivackeren Frauen, die sie verwenden, gchen nicht mit der Mode — ivahrhaftig nicht — und verdienen daher allen Respekt und alles Entgegenkommen. Sie tragen keine verrückten Hüte, sie nicht. Kommt es >bei so vielt Ehrbarkeit und Tugend auf ein paar an'sgestochene Augen oder zerkratzte Wangen oder gar auf die nervöse. Angst vor solchen Eventualitäten an? DaKr halten Männer aller Kategorien, die modernen und die unmodernen, selbst sim dichtesten Gedränge den Glimmstengel zwischen den Zahnen. Me wird der Nichtraucher begreifen, >wie diese Meister das Künstestück zuwege bringen, zu rauchen, «wo andere nicht einmal genug Raum zum Atmen finden. Ihnen ziemt andächtiges Staunen und Schweigen, denn die leifeste Bemerkung wird mit der Einladung, im Auto zu fahreni, beantwortet. Einer Einladung, der meistens eine zweite folgt. In bem Engpaß der oberen Sievermgerftraße stehen vier Mägdelein auf dem Gehsteig. Sie stehen nicht etwa nebeneinander, auf daß auch noch andere der Segnungen des Gehsteiges teilhaftig iverden könnten und nicht au-f die burchiveichte Straße hinunter müßten, sie stehen einander gegenüber. Bricht ein beherzter Mann sich durch dieses Viereck Bahn, so schließt es sich allsogleich wieder, minder Behexte auf die Fährbahn drängende Sanfte Vorstellungen prallen ab, energischer werden mit einem: „So eine Gemeinheit!" abgelchnt. Kie Vier aber stehen, stehen fest und treu. Sanft steigt der Weg, die Straße hinan, die zmn ,Obmmel" führt. Ein Rudel halblv-üchstger Jungen zieht ldes Weges. Sie beginnen ihren Fußball, hm nny her zu Wersen. Es ist ein unendlich wohliges Gefühl, über seinen Kopf, neben seiner Wange, Md von rückwärts, bald von vorne einen gatvaltigen Ball surren zu Höven. Etwaige Ermahnungen, mit dem Spiel doch zu warten, bis sie die Wiese erreicht haben, beantworten die Jünglinge mit der Versicherung, ldaß sie „eh anspassen" und daß „nix net Tschechen is". So lange einem also nicht etliche Zähne ausgeschlagen sind und man noch keine Qhrerwntzünbung akquiriert 'hat, heißt es schweigen. Das Mittagsgasthaus ist erreicht. Da ein sanfter Schneeregen niederfällt, ist auch der Lufthungrige gezwungen, die Rast im Saale zu halten. In diesem Saale steht ein Klavier, an sich harmlos und sympathisch, denn es ist geschlossen. Aus dem Kreise der Niedlich Schmausenden löst sich eine lange Gestalt. Entschlossen Aappt -• er den Deckel des Instrumentes zurück. Und beginnt In spielen. Shimmy, Java, Foxtrott, Jazz. Einen der modernen und stupiden, zum Verzweifeln monotonen TäM nach dam andern. Da's Klavier hält jeden Rekord m , Verstimmtheit. Die sogenannte Musik unterstützt wirksam das Deller- Kappern, Klirren von Besteck, Sprechen, Ruferr. Es ist Labsal für den lärmesmüden Großstädter. Miau beginnt, den beklagensüverten Klavierspieler zu bedauern, und denkt daran, Hm durch eine Kollekte ans schmerzlosere Werse zu Einnahmen Zu verhelfen. Da erfahrt 'man, daß es ein Gast ist, der die gymnastischen Uebungeu freiioillig und ohne Nebengedanken unternimmt. Er hat ein reiches Repertoire. Der musikalisch Gebildete flüchtet -entsetzt in das Wetter hinaus. Schließlich ist es immer noch besser, den Brei unter den Füßen als in den Ohren zu haben. Aber der Wiener kennt keine RüEstchtslosigleitcn! - jv.-sücki.k. ■ Klara Maut n e r. Nbschiedsvortrag Prof. Sr. Karl Krünbergs? Ueber die Anfänge des englischen Sozialismus. M In einem Saale der Universität, der die Anzahl der Erschienenen nuv zum Bruchteil fassen konnte, hielt gestern Professor Karl Grünberg nach Mjähriger Tätigkeit in Wien! einen Abschiedsvortmg. Er folgt einer Berufung nach Frankfurt «. M. . Cr sprach über die Fabiau Societh, die durch ihre' kluge TaM trotz geringer Mitglieldschast.tm Saufe der Jahre die Fühmng des englischen Sozialismus an sich ge-' rissen hat. Selbst keine Partei, hat sie den englischen Sozialisten- Parteien die intellÄtuellen Fi'chrer geliefert. Ihr gchören Sidncy, Webbs, der Vorsitzende der Labour Party, ferner, um nur 'bie: bekanntesten zu nennen, Bernhard Shaw und der Roudancier Wells an.' ' Professor Grünberg jouvde für seine AuSfflhr>urgen, dich! eigentlich eine .NebersiM iiber die ganze enMche