Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1879 (9.5.1924)
- Date
- 1924-05-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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5T Ö:§ "' Mw, Freitäg^ ' " *-:-----.... ....---- Lrausjordamm und krez Israel. London, 7. Mai. Wolfs.)-Im Oberhaus richtete i Lord Raglan an die Regierung die Anfrage, ob sie wisse,! daß die Verwaltung des Emirs Abdullah in Tra-nsl Jordanien tyrannisch und allgemein unbeliebt sei, und ob 'die Politik der Regierung dahin gehe, das Volk Palästinas -mit den Methoden der Zionisten durch die ^Schaffung einer noch Wimmeren Tyrannei in Trans- : MÄanien zu versöhnen. UnteüstaaMekretär Lord Arnold erwiderte, es;tzebe keine zionistische Tyrannei in Paläist ina. Die . dortige Politik se i von drei iaufeinander folgenden britischen ^Regierungen neu bekräftigt wor-! den. Die augenblicklichen Verhältnisse in Tvansjordanim könnten allerdings nicht mit ungetrübter Befriedigung! betrachtet werden. Die Verwaltung des Landes befinde sich!notwendigerweise noch im Bersuchsstadium. Die; Regierung hofft jedoch, in kürzester Zeit mit dem Emir in -freundschaftliche Erörterungen davüher ein- ' ireteu zu können. " . . Der Kulturkampf gegen Katholiken und Jude«. Berlin, 8. foi r(& T. A.) Das führende Zentrums- »rgLn Westdeutschlands, die „Kölnische Volüzeitung", wendet 'sich in längeren Ausführungen gegen die Hetze der Deutsch- ^völkischen, die sich in gleicher Weise gegen das Judenwie gegen das Christentum richtet, und führü st» einzelnen ausr -! '„Wenn wir diese, Erscheinungen historisch betrachten, >^0 stchen wir, daß das, was heute von den Deutschvölkischen ■;dus rÄigiösen und ethischen, aus nationalen und raffenpolitischen Gründen dem Juden Mld dem Judentum vorgeworfen wird, während der Zeit des Kulturkampfes den :Katholiken und der kacholischen Kirche vrgeworfen wurde... Wie heute bei den Deutschvölkischen der gesamte nationale - und weltanschauliche Kampf vielfach eingespannt ist zwischen;j®ermatteit und «Semiten, so war er vor 50 Jahren. Angespannt zwischen Germanen und U'ltramontanen, das!heißt Anhängern der katholischen Kirche. Heute kann man in antisemitischen Organen oft lesen: die Juden arbeiten systematisch am Untergang Deutschlands. Während des sKulturkampfes hieß es: „Der Ruth der Nation und des Materlandes istdas Ziel des Ultramontanism us"". I^rner wird den Juden aus dem antisemittschen Lagen -immer wieder vorgehalten, sie hätten ein heimliches Gesetz, iiben Talmud, das sie von allen Eiden, die sie Nrcht-- ^juden leisten, entbindet. Beim Herannahen des Kultur-,: SaMpfes in Preußen verdächtgte man die katholische Kirche, sie rechne Lu „ihrem Rechte" auch dies, „daß die Unter-- tanen des ketzerischen Königs von Preußen diesem gegenüber Von jedem Eide, von Treue und Gehorsam auf. Gbund. Rechtens entbunden sind oder sein sollten und jeden Augew-! blick durch die Kirche entbunden werden körnten." Und so könnten wir noch eine Reihe anderer Vorurteile mtb. Vorwürfe anführen, die heute in erster Lime den Juden, dvr Jahrzehnten ebenso den Katholiken gemacht wurden. Ile antijüdische Front m Deutschland. Berlin. 8. Mai. ©• %. A.) Die W<chlea *-,fci Reichstag haben, wie erwartet wurde, eine Stärkung der anüijüdischen Front in Deutschland erbracht. Dem bisherigen Reichstag gehörte nur eine sehr kleine ausgesprochen 'antisemitische Gruppe, die von den Deutschnationalen ab-;gesplitterte völkische Dreimänner-GruppeWulle-Graefe- Henning, an. Die Deutschnationalen vermiedeu es bisher, sich parteioffiziell zu einer sogenannten „Judeiigesetzj- 'gebung" zu bekennen. Der Verlaus des Wahlkampfes und der Ausgang der Wahlen hat eine andere Orientierung erbracht. Zum ersten Mal werden größere Fraktionen auftreten, die die Entrechtung der Juden, in Deutschland auf ihre Fahne geschrieben haben. Das ist nicht allein die 32 Mann starke Gruppe der Völkischen und Nationalsozialisten und die Viermänner-Gruppe der Deutschsozialen unter Führung Richard Kunzes, sondern auch ein starker! rechter Flügel der deutschnationalen Volkspartei. Da alle diese Gruppen ihren Wahlkampf unter den Parolen „Entziehung des Bürgerrechtes der deutschen Juden" und „Ausweisung und Vermögensbeschlagnahme bei den Ostjuden" geführt haben, so ist zn erwarten, daß sie auch, schon um» vor ihren Wählern gerechtfertigt dazustehen, im Reichstag selbst auf eine antisemitische Gesetzgebung hinzuwirken versuchen werden. - Von Führern der Antisemiten sind gewählt: Generäl Ludendorff, Graefe, Wulle, Henning, Frick, Acheodor Fritsch, Schlange-Schöningen, Richard Kunze, genannt Knüppel-Kunze. Dagegen ist Artur D inte r, der diesmal in Hessen kandidierte, durchgefallen. Keine Bürgerpavtoi hat Mische Kandidaten ausgestellt. SSott den Sozialdemokraten wurden die folgenden jüdischen Kandidaten gewählt: Eduard Bernstein, Dr. Rudolf Hilfferding, Dr. Julius Moses, Dr. Viktor Rosen- - jseld, Dr. Paul Levi, Hugo Beimann, Simon, Urau Tom Senders. Unter den kommunistischen Kandidaten wurden die folgenden Juden gewählt: Frau Ruch Rischer, Rosenbaum und Rosenberg. Maxim Gorli Mer die antisemitischen Lügen. Die Zeitung „Mezzogiorno" m Neapel verdeutlicht ein Interview mit Maxim Gorki, der sich zur Zeit in Sorrent aufhMt. Der ruffische Schriftsteller Äußerte sich, die in Europa verbreitete Meinung, daß die Russische Revolution! von Juden vorbereitet M durchgeWrt worden sei, bemhe auf Unwissen- Ätctit« M^WG'eMW M. 107$ Der Kamps um die Mar Kemra-Mlle. h ei t.'Die Revolution sei von echten Russen, wieBakun in, Krapotkin und Dostoje-wSki, vorbereitet worden. *, . Die „Protokolle der Weisen von Zion", sagte er, seienidiotische Phantasien. Der Pro- Entsatz der Juden in den Hohen Staatsämtern und im" Staatsdienste in Sowijetrüßlaud stimmt nicht mit dem überein, was darüber in Europa gesagt wird. Unter den 14 Volkskommissären sind 11 Russen, 1 Georgier und 2 Juden. ' Der „Mezzogiorno" wird von dem antisemitischen Publizisten Don' Prezioso geleitet, der die berüchtigten „Protokolle" in Italien verbreitet hat und dafür mit Gefängnis bestraft wurde. : Der Prozeß wegen des Mentatsversuches gegen die Frankfurter Synagoge. (Eigsndienst -der „Wiener Mövgeyzeitung".) . Frankfurt am Main, 8. Mai. Im März 1923 würde ein Anschlag auf die hiesige Synagoge entdeckt und vereitelt und im Zusammenhangs damit mehrere Verhaftungen vorgenmomen. Der Prozeß gegen die AbngeKagten wird in diesen Tagen vor dem Leipziger Staatsgerichtshof stattftuden. . Der Anklage zufolge sollte die «Synagoge am Tage des P u r i m s e st e s in die Luft gesprengt werden. Dies sollte für die nationalistischen Trupps das Zeichen zum Losschlagen seim§ ' ' ßffet freigesprochea. Berlin, 8. Mai. Wie die Blätter aus München melden, ist im Beleidigungsprozeß der württembergischen Regierung gegen den Redakteur des „Völkischen Beobachters" Esser, der Angeklagte frergesprochen Worden. Der pentfch-rnffische Konflikt. Berlin, 8. Mai. (Tel. d. „Wiener Morgenzeitirng".) Wie die „Vvssische Zeitung" meldet, seien zwe.i höhere S o w j e t b e a m t e aus Moskau zur Untersuchung der Vorgänge in der russischen Handelsvertretung in Berlin angenommen. Die Hamburger Polizei soll Material über die kommunistische Ägitati-ansavbeit des S o w j e t k o ns u l s, der der Organisation der ausländischen Ts che ka angehört, beschlagnahmt haben. Verhinderte Gründung einer Acheka in Schwerin. Berlin, 8. Mai. Nach einer. Meldung des „Lokalanzeiger" aus Schwerin ist es , am Dienstag in N e u- BrauLe nburg zw einem Z usa mmenstoß zwischen Schutzpolizei und Mecklenburger Kommunisten gekommen. Die Kommunisten hatten eine Zusammenkunft mit dem Zweck, e i n e T s ch e k a e'i n z ü r i ch t e n. S e'ch s Ko mm un ist e,n wurden verhaftet, darunter der Schweriner LandtagSabge ordnete Schmidt, sowie die Haupttäter bei der Ermordung des Ar- 'beiters Jonas aus Hagenow. Einer der Verhafteten machte einen Fluchtversuch, wobei er durch einen Revolver-' schuß eines Polizisten verwundet wurde. . Sberft Seiffer entlaflen. Nrstn chen, 8. Mai. (Tel. d. ,Wiener Morgen zeituüg".) Die Nachricht von der Entlassung des Obersten S e i s s e r ist nunmehr amtli ch bestätigt worden. Die bayrisch e S i d a t s r e g i e r u n g hat an Seisser selbst die Aufforderung zum Rücktritt ergehen lassen. Än seiner Stelle ist der bisherige Kommandant der Landespolizei in Nürnberg, Oberst Reiß, mit den Funktioneneines Chefs der bayrischen Lande'spol'izei betraut worden. kin neues Buch des deutschen KAronprimen. Berlin, 8. Mai. (Tel. d. „Wiener Morgenzeitung".) Nach einer Meldung des „Lokalanzeigers" wird der deutsch« Exkvoriprinz >dem.nächst ein Buch veröffentlichen, das zur Frage der Schuld am Kriege in eingehender Weise Stellung nimmt. fie internationale kmigrationrksnserenr in Rom. Rom, 7. Mai. (I. T. A.) An der am 16. d. beginnenden internationalen Cmigrationsko.nferenz werden vierzig Länder-vertreten sein. Auch die Bereinigten Staate» werden eine Delegation entsenden. Bon den jüdischen Organisationen wird außer der Jüdischen Welthilfskonferenz und dem Vereinigten Jüdischen . Gmigrationskomites . noch die Jeiwish Cälonisation Asioeiütvon (Jca) teilnehmen. Obwohl die Konferenz Ursprünglich als eine rein technische gedacht ivar, wird die durch die Annahme der neuen I m m ig r a t i o n sbill seitens de's Kongresses und des Senats der Vereinigten Staaten geschaffene neue Lage der Emigratioin einen großen Raum in den Beratungen der Konferenz einnehmen. Eine Konferenz jüdischer Emigrationsgesellschaften wird in Verbindung mit der Ende Juli oder Anfang August in Ma rie nba d statffindenden Tagung der Jüdischen Welthilfskonferenz a'bgehalten werden. > Genera! HMer in Pari». Paris, 8. Mai. (Tel. d. ,Mener Morgenzeitung".) Der polnische Genevalftabschef General Haller ist gestern Mchmittagis in Paris angekommey. ' Sonbott, 8. Mai. (Tel. d. „Wiener Movgenzeitung".) In Beautwortuttg einer Anfrage erklärte C Ihn es in der heutigen Nachmittagslsitzung des Unterhauses, daß die Regierung die Annahme der Motion B a l d w i n s über die Mae Kenna-Zölle als ein Mißtrauensvotum ansehen würde. Man nimmt an, daß die Konservativ e n gsfchlossen f ü r d i e Motion stimmen weiden. Dä ' die Haltung der Liberalen sehr fraglich geworden ist, rechnet nmn sogar mit der Möglichkeit, daß die Regierung in die M i n d e r h e i t versetzt wiÄ. Be-i der Beratung über die '■ Kredite für die Kriegsmarine gab Kenworthy seiner Msmung'Ausdruck, datz deutende ErWvungen perzielen seien. Cr setzte sich Gr', neuerliche Einberufung einer Konferenz zur Heralbsetzuing. dev See- und Lustvüstuugein ein, die im Vertrag .von. Washington nicht behandelt seien. Dady Astor sprach sich gegen eine gänziliche Abrüstung, aus und be-, zeichnete die Pazifisten als die größten Feinde des Friedens. Der ParlamerttsiseLvetär dev Admiva5itüt eMiavte, die Re-, gievung werde die Einberufung einer nemolicheu Kon-' ferenz zur Einschränkung der Ritstungen unterstützen. Clhnes erwiderte aufdie Anfrage eines Wge-ord. neben über die Ergebnisie der englisch-russischen Verhandlungen, er sei nicht in der' Lag>e, die Dauer der Konsevenz voraluS»^ zusiehen. Der Premierminister beabsichtige jedoch,' jede Gelegenheit zu ergreifen, um die Verhandlungen Ot schleiunigen. ' znsammenknnst Dr. Beueich-Dr. Rincic. Belgrad, 8. Mai. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung"4 ' Im Ministerra-te referierte Minister des Aeußern Dr. Ni ncic über den Besuch des tschecho-flowcckischen Außenministers Dr. B r n e s ch, der auf feinem Wege nach Rom mit Doktor Nincie Zusammentreffen wird. Die Zusammenkunft findet' am 14. Mai in Laibach statt. Das' Programm der Kon- , ferenz wird folgende Punkte umfassen: l.'Dre Stellung' der tfchecho-slowakischen Regierung zum frän-- gösisch-jugosla wischen Bündnisvertrag, welcher - anläßlich des Besuches König Alexanders in.Paris:am 24. Mai unterzeichnet werden soll; die Verständigung über den, Inhalt des italienisch-tschecho-slowaikischen Verträges, den Dr. Benesch in Roür zum Abschluß bringen wich;,'3. die Festsetzung des Datums der periodischen K,o n f e-.. renzen der kleinen Entente. \,;j - - •__ ■ —,rr ■ Der neue englische Gesandte in Ungarn. Budapest, 8 Mai. (U.' T.--K.-B.) Wie'' dev ,Heftel ' Lloyd" meldet, - ist -der' britische - Gesandte in Stockholm; - Sir Colbille A. de R. Barclay, zum BüdaPcher ßte' sandten ernannt wprden. MW ' , 3«lanL. Die AnnderMgeftellten. Derzeit keine Streikavsichte». — Erhöhung der Jumbezüge verlangt. Die Meldungen über Sireikvorbereituugen der Bundesangestellten für den Fall dev Nichterhöhung der Bezüge am! 1. Juni werden uns von gut unterrichteter Seite als vollkommen unbegründet bezeichnet. Sie sind daraus zurückzü-7 führen, daß gestern inr Fünfundzwanzigevausschuß darüber gc-- fprocheN wurde, daß eim Erhöhung der Bezüge am 1. Juni c>inzutreten habe. Es wurde ein Antrag der Vertreter des Bundes , der öffentlichen Angestellten angenommen, heute eine Diskussion über die Forderungen abzuführen, daß am 1,: Juni. auf jeden Fall nicht die derzeitigen Bezüge/ ausgezahlt werden, sondern ein erhöhter Bezug. Der Regierung wird eine diesbezügliche Forderung erst nach einer Beschlußfassung im Fünfundzwanzigevausschuß zugchen. Von einer Streikgefahr ist derzeit keine Rede,-- doch kann, im Falle ein heutiger Beschluß auf erhöhte Junibezüge von der Regierung äbgelchnt würde, die Lage kritisch, werden. N ein Anrgleichsfonds für Hflusemparatnren. Die Sozialdemokraten für die Erhöhung des Instand- Haltungszinses. Die Abgeordneten Dr. Danneberg und Genoffen haben gestern im Nationalrat ein Gesetz über die Schaffung eines Ausgleichsfonds -beantragt, und begründen es -damit, daß Wohl das Mietengesetz es möglich gemacht habe, für die Instandhaltung der Einser «Sorge, zu tragen, da die Schlichlungsstellen und Mietkommisstonen berechtigt sind, erforderlichenfalls den Jnstandlhalinngszins für einzelne .Häuser zu erhöhen. Diese individuellen Erhöhungen hätten aber auch ihre Kehrseite. Der Zitls ist dadurch irr den einzelnen Häusern sehr ungleich ge- , worden, da die Erhöhungen mitunter schon mehr als den. zehnfachengesetzlichen Jnstandhal-tungszins erreichen. . Sowird bewirkt, daß die W o h.n u n g e n -i n d e n s ch l e ch-. testen Häusern die teuersten werden, . Diese ungünstige Wirkung des Mretengssetzes hak, der Gesetzgeber vorausgesehen, und zur Korrektur einen.Ausgleick^fonds in Aussicht genommen, aus dem für die Instandhaltung der schlechtesten Häuser Beiträge, beigesteuert werden sollen. Die. näheren Bestimmungen hierüber sind einem besonderen Bundesgesetz und der Berordnungsgewalt des Landeshauptmannes überlaffen. Cs sei nun hoch/ an der Zeit, das Gesetz Mer den NusaletchsftM zu. schaffe«-