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Wiener Morgenzeitung · 1924-05-09 · Heft 1879 (9.5.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1879 (9.5.1924)
Date
1924-05-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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EXnzsInnnun er K120 0 Wien: Zum Abholen in der Expedition, IIMTabor8tr.l-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt,I.Bez., Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 35.000 Ts ehe eh o-S 1 owakei: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. Dinar60. Polen: Mon. 3Vs Zloty, Deutschland:, Mon. Goldmark 4, Frankr., Belgien: Mon. Frcs. 12 BW* Nachzahlungen "WB bei PreiscrbohnDgffio Vorbehalten Wiener Nr. 1879 M» M»» >» Me«. Freitag, q. Mal 1SSL Die Alarmqerüchle über die Wiener Eine amtliche Klarstellung. Dve ÄmAiche Nachrichtenstelle teilt mit: Laut einer aus Paris eingetroffenen Meldung veröffentlicht der ,Matin" eine Wiener Korrespondenz mit ^der Aufschrift: „Die Frankenspekulat io » bewirkt den Konkurs von 40 österreichischen Banken." Insbesondere hätten „zwei großteBan-!ken" durch die Frankenspekulaüon Hunderte von Millionen französische Franken verloren. Eine ähnliche Meldung des „Matin", die vor einigen Tagen erschienen war, ist sogleich aus das Entschiedenste dementiert worden. In der Tat haben, wie in Wien allgemein bekannt, nur ganz wenige Kreditunternchmungen untergeordneten Ranges die Zahlungen eingestellt. Was den behaupteten Umfang der Verluste durch die Frankenspekulation -»belangt, so ist durch die amtlichen Erhebungen der Wiener Vörsenikammer der wirkliche Betrag der Verbindlichkeiten einwandfrei festgestellt. So bebauerlich die SPekulationen in französischen Frauken auch waren und so scharf sie auch-in öffentlichen Kundgebungen der Regierung verurteilt wurden, so steht doch fest, >daß die V e r l u st e keineswegs derartige waren, daß dadurch die Festigkeit des Mener Finanzmarktes erschüttert werden könnte. Man mutz lebhaft bedauern, daß offenkundig übertriebene und tendenziöse Darstellungen über die Lage des Wiener Marktes von Wien aus ihren Weg ins Ausland nahmen. Die österreichische Gesandtschaft in Paris hat sogleich nach Erscheinen der.Meldung auf Grund des informativen Materials, das von der österreichischen Regierung fortlaufend an alle in Betracht kommenden österreichischen Auslandsvertretungen übermittelt wird, die geeigneten Schritte unternommen, um unter Hinweis auf die tatsächlichen Verhältnisse der erwähnten Meldungen tgege n z u t r e t e n. M« Jonald an Poinkare. Verständigung über die englisch-belgische Unterredung. (Eigendienst der ,Mener Morgenzeitung") London, 8. Mai. Das Reuter-Bureau erfährt aus' wohlunterrichteten Quellen, daß Mac Donald an den englischen Botschafter in Paris ein Telegramm gerichtet habe, mit dem Ersuchen, den französischen Ministerpräsidenten über die englisch-belgischen Unterhaltungen in Chequw ers bezüglich der Ausführung des Sachverständigenplanes zu unterrichten. Nach der Meldung eines englischen Blattes hat aber die Mitteilung des englischen Premiers nicht die Form eines persönlichen Briefes an Poineare. Wie verlautet, gab M a c D o n a l d der Ansicht Ausdruck, daß die Besprechungen zum genauen Verständnis des gegenseitigen Starid- >punktes Leigetragen haben. Der B e s u ch der b e l g i s ch e n Staatsmänner in Paris und London sowie die Zwanglose Art des Meinungsaustausches unter den Alliierten hätten die Lösung der Reparationsfrage auf eine erfolgversprechende Grundlage gebracht. Man spricht davon, daß MacDonald und Porne a r e wahrscheinlich noch diesen Monat eine Unterredung halben werden. „Times" melden aus Brüssel, daß ein Mainungsaustcmisch über die Möglichkeit der . Räumung des Nuhrgebietes ,'tattgesunden habe. General Degoutte habe die Gefahr einer völlige!» Aufgabe der Ruhreisenlbahnen betont und erklärt, die französischen Tmrppen dürsten nicht einem eventuellen Handstreich der deutschen Eisenbahner ausge-- liefert sein. General! Degoutte habe einen Plan unterbreitet, der die Rückerstattung der Eisenbahit e n an Deutschland mit der Sich e rh e i t des Restes der Besätzungstruppen im Ruhrgobiet in Ein- 'lang bringe. ßoolidges Wahl gesichert. .Paris, 8. Mai. „New Aork Herald" schreibt, daß sich öte Positionen der Kandidaten für die nächste Pväisident--- schaft immer mehr, präzisieren. Znm. ersten Male in seiner politischen Karriere ist Senator Johnson, ein geborener Kalisornier, in seinem Staate g e sch la g e n worden. Bei der Wahl für die Aufstellung der Präsidentschaftskandidaten errang Eoo li d g e u m 30.000 Stimmen m e h r als Johnson. Gleichzeitig erlitt der Schwiegersohn Wilsons, Mae Ado, eine schwere Niederlage. Trotzdem, ihm kein Kandidat gegenüberstand, wollten ihn die Wähler nicht als Berlin, 8. Mai. (Tel. der „Wiener Morgen-zeitung") Nach den neuesten aus dem Ruhrgebiet eingetroffenen Meldungen hat der Bergarbeiterkonflikt eine weitere Verschärfung erfahren Eine ganze Anzahl w eiterer Belegschaften halben nach siebenstündiger Arbeit die Arbeit n i e d e r g e l e g t, was automatisch ihre Entlassung her- Leiführte. Von Hamm bis Duisburg ruht der ganze Bergbau. Auch die Torauer staatlichen Zechen sind geschloffen. Gerüchtweise verlautet, daß die französischen Besatzungsbehörden beabsichtigen, sowohl eine Generalaussperrung als auch den Generalstreik zu verbieten. , Auch inObers ch l e s i e n hat sich die Lage v erschürft, da eine größere Anzahl von Eisenhütten vom Streik betroffen wird. . Im Zwickau er Revier find 35.000 Bergarbeiter entlassen worden. Trotzdem herrscht in Berliner amtlichen Kreisen bezüglich des Verlaufes und der Auswirkungen des Kampfes Optimismus. Es wird hervorgehoben, daß für längere Zeit., von einer Kohlennot insoserne nicht die Rede sein kann, als alle lebenswichtigen Betriebe mit großen Vorräten versehen sind und auch die Industrie über umfangreiche Lager verfügt. Außerdem hat bereits eine V°rmittlungsaktion eingesetzt. Was die Kosten des Kampfes betrifft, so werden sie von den Zechenbefitzern auf 8 bis 9 Milli o n e n G o l d m a r k P r o T a g göschätzt. VarrikaderMmvse in Buenos Aires. (Eigeudienst der „Wiener Movgenzeitüng".) Buenos Aires, 8. Atai. Die Streikenden der Handelsvereinigungen haben, um gegen die neuen Sanktionsgesetze zu protestieren, in den Straßen Barrikaden errichtet. Es ist.zu mehreren Zusammenstößen mit der Polizei gekommen, bei denen es zahlreiche Verwundete auf beiden Seiten gab. Mehr als hundert Kommunisten sind verhaftet worden. Weitere Verhaftungen flohen bevor. Pväsidentschaftskandidaten aufstellen. Unter diesen Umständen gesichert. Coolidgeö Wahl ist Amerila befreit 8hi«a von der öahlung der Aoxerentsch'Mgung. (Eigendienst der „Wiener Movgenzeitung".) Washington, 8. Mai. Das Abgeordnetenhaus stimmte mit 211 gegen 114 Stimmen für die Befreiung Chinas von der weiteren Zahlung der Boxerentschäd igung. Die Schlußentscheidung liegt beim Senat, IrAXO1 Zwischen Ehe nnd Flirt Po!en:poln.MU50.000 11 a 1 i e n: Monatl 12 Lire Rumänien Mon. 130 Lei Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 5 Uhr abds. 19-483,25-282 IX. Uni versitätsstr. 6—8 (Druckerei Sieinmänii) Oesterreichisches Postspar » kassen-Konto Nr.. 150.693 8. Fahrsaug —y. W i c n, 9. Mai. Im Rahmen einer Besprechung der Vorgänge in Transjordanien kam am Mittwoch im englischen Oberhaus die vorderasiatische Politik Englands zur Sprache. Lord Raglan, ein 'schroffer Gegner dieser ■ Politik, brachte die Frage aufs Tapet. Er hat . sich das seit der Mandatsbestätigung aufgetauchte Schlagwort von der „zionistischen Tyrannei" zu -eigen gemacht und damit dem internationalen Antisemitismus ein neues, großes Terrain' erschlossen, auf dein' sich gut wildern läßt. Die Verwirrung in Transjördanien sei,- sagt Lord Raglan, ein Werk der Zionisten. Me Zionistische Organisation nagelte ihn auf seine im „Daily Expreß" gemachten Aeußerungen fest und bat ihn höflichst mndie Beweise fürseine Behauptung. Antijnden pflegen in solchen Fällen einen bedauerlichen Mangel an Gedächtniskrast zu zeigen, und so antwortete der Lord, er habe niegesagt, daß die Zionisten Aufstände in Transjördanien Hervorrufen, und er habe nichts gegen die Veröffent- 1 lichung dieses Briefwechsels - einzuwenden. Antijuden pflegen in solchen Fällen einen bedauerlichen Mangel an Konsequenz und Loyalität zu zeigen, und so interpellierte der Lord am Mittwoch die Regierung, ob ihre Politik dahin gehe, gemäß den Methoden der Zionisten die Bevölkerung Palästinas an die Tyrannei in Transjorda men zu gewöhnen. Dem Lord Raglan ist es sicherlich bekannt/ daßdie Zionisten, in Erez Israel durchaus nicht über die politische und administrative Macht, verfügen, und', daß sich . die Exekutive vollkommen in englischen Händen befindet. Wären die Voraussetzungen für. eine zionistische Politik' vorhanden, das.' heißt,, könnte sich das jüdische Volk dieses Landes politisch so frei ausleben, daß Lord Raglan mit einiger Berechtigung von einer, zionistischen Tyrannei oder von ihrer . Möglichkeit sprechen könnte, dann wäre es wohl das wichtigste Interesse dieser Politik, die ruhige Entwicklung zu sichern und die politischen Kräfte im Dienste der eigenen Ziele zu verwenden. Soweit es -möglich- oder angezeigt wäre, über die Grenze zu wirken, könnte dies nur im Sinne des Friedens geschehen, und wenn die Juden in Transjordanien Einfluß suchten, so'könnten sie dort auch nicht anders als beruhigend wirken. Mit allen derartigen Reflexionen hat es aber noch gute Wege. Das Judentum steht erst in der Vorbereitung, der Landnahme, im Anfangsstadium der inneren Politik, und kamt von einer äußeren Politik nicht einmal träumen. Was ja Lovd Raglan und seinen Freunden zweifellos nicht verborgen ist. Und trotzdem die zionistische Tyrannei'. Der Vertreter ■ der Regierung, Unterstaatssekretär Lord Arnold, erwiderte kurz. ud . trocken, die in Erez j Israel befolgte Politik sei von drei englischen Kabinetten nacheinander bekräftigt worden, und es gebe keine zionistische Tyrannei! Es wäre hinzuzufügen, daß ein solche sich aus verschiedenen Gründen verbietet. Die Inden wissen aus ihrer Geschichte, was Tyrannei und Unterdvückung bedeutet, und sie werden nie einen Fremden unterdrücken, dieweil - sie selbst „Sklaven waren in Aegypten". Sie wissen ferner, daß sich ihre nationale und politische Konzentration unter den argwöhnischen und mißgünstigen Argusaugen der nichtjüdi scheu Öffentlichkeit vollzieht und daß sie die Linie der Demokratie und Freiheit nie verlassen können. Das jüdische Werk, in Erez Israel kann sich auf keiner anderen Grundlage aufbauen. und es ist schon jetzt in seinem erst embryonalen Zustand eine Keimzelle des Friedens, der sich noch befestigen wird, ivenn erst der kulturelle Inhalt der Aufbauaktion das volle Verständnis der arabischen Welt finden wird. Dies ist allen Elementen ein Dorn im Auge, die dem Judentum-den Weg zu seiner Erlösung verlegen - wollen und denen-die ziorvisüsche Arbeit ein willkommenes Objekt ihrer BerlemndungssuchL ist, die das Aräbertum in seiner politischen Ohnmacht erhalten wollen, und denen die freisinnig-menschliche Politik Englands wider den Strich läuft. Darum hetzt diese Propaganda die .Araber untereinander und gegen die. Juden, darum arbeitet sie. gegen England und darum ergötzt sie. sich an der „zionistischen" Tyrannei", dieser. Ausgeburt einer perversen Pyam tasie- . > j-- ' ■

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