Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1878 (8.5.1924)
- Date
- 1924-05-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Wiener MoegenzeUunü. _ & Mar 1924 ' - Gech ft Sie Aerztekammer gegen HMme-q. Lar Urteil des Khre«rates. Der! Börstand der Meiner Aerztekammer als Ehrenrat har, erkennen. Die Entscheidung über Len '5kostenersätz stützt .sich'.äH' lUk M " BSWeÄi-g d- Sie jüdische Studentenlonserenz geschlossen. C] S'- MMdienst!der „Wiener' Mvrgenizeituttg".) Antwerpen, 6. Mar. -In weiterer Erledigung «der Latzesordnung des Kongresses legte der'Vorsitzende des Weltkongresses der MischenStudertteiffchast Dr. La u terpacht (LondülN) in einem.ausführlichen Memorandum den Zweck des von Gm ''beantragten Weltverbandcs. Mischer Studenten dar. Diesem Antrag gemäß veremigen sich die Organisationen jüdischer.Studenten in den verschiedenen Ländern zu einer Körperschaft, die folgenden 'Zielen zu dienen hat: a) Kult u r eile u n d n a t ’t o tt a l e Z u s a \u m e na. rb eit zwischen allen jüdischen Sütdentender ganzen Welt; Herausgabe . eines z e n t r a l e n M i tt eilu ng sbla tt e 's; Zusainnrenarbeit beim A usbau d e r. h e 'b r ä i scheu» Universität und der UuiverfttätsbibliotlM' in Jerusalem; Unterstützung des Planes 'der Errichtung einer j n d i s ch e n U n i v e r s i t ä t i -n E u r o p a; ' Abhaltung regelmäßiger Konferenzen und WMvngrcsse; Bildung einer Institution'des Studentenaustausches. b) S ch u tz derR e ch t e d e r jüdischen U n i v e rs i t ä t s st u d i e r e n d e n durch eine politische und juristische Tätigkeit, die sich auf das öffentliche Recht und die internationalen Verträge stützen kann und, wenn nötig, durch Appellierung an di»e öffentliche Meinung der ganzen» Welt. e) Schaffung einer H i l f s> i n ft i t n t i o n für diejenigen 'Studenten, die durch die in ihren Ländern bestehenden Bedingungen gezwungen sind, auszuwandern, um an anderen Universitäten zu studieren; Zusammenschluß der wirtschaftlichen Tätigkeit der Mischen StüdeMnorganifationen in den verschiedenen Ländern. Sodann erstattete Herr.S l i o s b e r g (Paris) -das Referat über die Aufgaben der jüdischen Studentenschaft ans kulturellem Gebiet und setzt sich dariar für die Ausrechtevhältnng dev jüdischen interterritorrälen Einheit ein. Hierauf folgten die Referate Steiniug (Wien) über die wirtschaftliche Tätigkeit des Weltverbandes jüdischer Studenten und Lev in (Warschau) über die gesetzliche Lage der jüdischen .Studenten an den Universitäten. An die Referate schloß sich eure eingehende Debatte. Diese ergab, daß sich alle Gruppen der Mischen Studentenschaft aüs der gemeiusameu Plattform des Welt- Verb a n d es vereinigen wollen, mit Ansnähme einer -verschwi'Ndend kleinen .radikal-soziäKftischen Gruppe des polnischen „Bund". Die - letzte S i tz u n g des Kongresses dauerte 16 SLunden. Es wurde die G rü ndu n.g des W eltverbande's beschlossen und eine Exekutive.gewählt, die ihren Sitz in London.haben soll; ein Sekretariat für den europäischen Kontinent soll in Wien eingerichtet werden. Der Kongreß protestierte in einer Resolution gegen den Numerus clausus. Er beschloß ferner >di« Herausgabe einer eigenen Zeitschrift sowie die Organisierung einer intensiven Mitarbeit an der jüdischen Universität in Jerusalem. Mit dem Beschlüsse, der belgischen, -der italienischen und der t-schecho-flowakischen Regierung im telegraphischen Wege für die großherzige st u f n a h m e j ü d i sch er Studenten an den Universitäten, dieser Staaten »zu danikenund auch dem Bürgerm g iftg x v o n Antlwerpen für den freundlichen Empfang, -der dem Kongreß bereitet wurde, den Dank.auszusprechen, wurde der KonMß g e f ch l o s s e n. -. wre seinerzeit berichtet, am 8. April d. I. die Beschuldigungen des Hofcates Hochenegg gegen die Wiener Aerzteschaft geprüft und sein Urteil gefällt. Gestern ijst mm das Erkenntnis publiziert worden, das sich auch mit der inzwischen erschienenen Broschüre Hocheneggs beschäftigt. Das Urteil gibt der Begründung eine eingchende Darstellung des Untersuchungsganges und teilt Unter anderem das folgende mit: „Auf Grund des Beweisversahrens, das durch Bersch ul den des Herrn Professor Hochenegg ohne feine Mitwirkung geführt werden mußte, hat der Ehrenrat die Ueberzeugung gewonnen, daß er seine allgemein gehaltenen, die ganze Wiener Aerzteschaft schwer beleidige-nden und herabsetzenden Beschuldigungen ohne ausreichende Grundlage leichtfertig vorgebracht hat. In formaler Beziehung ist festznstellen, daß Professor Hochenegg trotz ausgewiesMer Ladung der Verhandlung vor dem Ehrenrate ohne Entschuldigung ferngeblieben ist, weshalb die Verhandlung gemäß tz 6 der Geschäftsordnung für den Ehrenrat in Abwesenheit des Beschuldigten durchznführen war." Das Urteil. ist von dem Vizepräsidenten des.Ehrenrates Dr. Steuer gefertigt und lautet: „Herr Hofrat Dr. Julius Hochenegg wird wegen der Usbertretung gegen die Vorschriften der ärztlichen Standesordnung gemäß Wsatz 1, Abschnitt 1, der Standesovdnung und geinäß tz 13, lit. d der Geschäftsordnung für den Ehrenrat zur Disziplinarstrafe der Entziehung des aktiven und passiven Wahlrechtes in die Kammer ans die Zeit von drei Jahren und gemäß tz. 14, Absatz 2, der Geschäftsordnung zur Tragung der Kosten des ehrenräblichen Verfahrens im Betrage von 500.060 K. (fünfhunderttaufend Kronen) verurteilt. Gleichzeitig wird gemäß tz 12, Absatz 2, der Geschäftsordnung die Verkündung dieses Erkenntnisses in 8er nächsten Kamlnerversammlung verfügt." Was die Strafbemessung anlangt, so hat der Ehrenrat als mildernd die bisherige Unbescholtenheit, dagegen als e r s ch w e r e n d eine Reihe wichtiger Umstände angenoumren, und zwar: die hervorragende Stellung des Beschuldigten, die Art dev Beröffentlichnng der vorgebrachten Beschuldigungen^ die Schwere -er erhobenen Anwürse und die tveittragenden Folgen, die das standeswidrige Verhalten'des Beschuldigten für den ganzen Stand nach sich gezogen hat. Infolge Ueberwiegens der erschwerenden gsgenüber den Sa» eurotzBsche Fernsprechkabelmtz. > Oesterreich bisher ausgeschlossen. Im JndustrielleMub hielt der Direktor der Deutschen FernsPrechkabAgesellschaft, Ingenieur Deibal aus Berlin, einen Bortvag über das europäische FernsprechMbelNetz. Bereits vor dem Kriege waren zwischenstaatliche Fernsprechverbindungen vorhanden.. Cs ist jetzt möglich geworden, Fernsprechkabel bis' zu 2000 Kilometer Reichweite zu bauen. Deutschland hat 3000 Kilometer Fernsprechkabel in Betrieb. Oesterreich Hat noch keinen Fernsprechkabelanschlüß. Die Einnahmen, dir der Staat aus einer solchen Anlage ziehen kann, sind ungewöhnlich günstig, selbst tornt man anuimmt, daß alle Ferngespräche nur noch als einfache Gespräche un!d nicht, wie jetzt noch notwendig, als dringende oder Blitzgespräche geführt werden. Auch die DÄglichkeit, an Private Leitungen jn' Hertz 14 der Geschäftsordnung für den Mrenrat. , . , Gegen dieses Erkenütnis steht.der'binnen,'acht. Tagen mch Verkündigung des Erkenntnisses einzubringende.Rekurs an die. Magistvatsabteiluug 13. als politische Landesbehörde in Wien offen. Die Einbringung des Rekurses ist gemäß der Geschäftsordnung dem Ehrenrat anzuzeigcn. Professor Meller mit Hochenegg solrdnrisch. Wie der „Abeird" mitteilt, verlas der Vorstand der ersten Augenklinik, Professor Dr. Meller, zu Beginn seiner gestrigen Vorlesung eine kurze Mitteilung, in der er sich mit Pro» sessor Hochenegg solidarisch erklärte. Er betonte, daß er stets auf Seite Hocheireggs in dieser Fehde gegen die .Aerztckammer gestanden sei und nur deshalb am ^ampf nicht offen teilgenommen habe, well er.. ihn von vornherein für aussichtslos gehalten' habe. Profeffor Hochenegg habe in ein Wespennest gestochen. Professor Meller setzte zum Schluffe hinzu: ,-Sollte auch ich wegen dieser Erklärung vor den Ehrenrat der Aerztekammer gestellt werden, so sage ich schon heute, daß ich auch für mehr als drei Jahre aus,das aktive und passive Wahlrecht m die Aerztekammer verzichte." *';• - Von ärztlicher Seite wird Ms geschrieben: Herr Professor Adeller hat, ebenso wie Profeffor Hochenegg in dtzr Vorlesung sich Ausfälle gegen die Aerztekammer geleistet. Beide Herren klagen, wie viele ihrer Gesiinnungsgenöffen, über die schwindende Achtung vor den Bchörden, sind aber bemühk, ihre ideelle Behörde, die Vertvetuug ihres integren Standes, herabzusetzen. Es ist sehr ftaglich, ob dieselben Herren gegenüber einer faktischen Exekutive dev Aerztekammer so Vorgehen würden. Es ist ein trauriges Zeichen des Verfalles unserer Universität, wenn heute versönliche und morgen dann politische Kämpfe ausgetragen werden von der Kanzel aus vor .Hörern, die zum Besuche dev Voxlesung bei, sonstigem. Verlust des Semesters gezwungen sind. Der Herr Professor Meller hat auch vor fünf Jahren, kurz r.ach seiner Antrittsvorlesung, es unternommen, in einer Vorlts ing auch den AchistMdsntag in den Kreis seiner Erörteru:ra°'n zu ziehen, und dies nicht etwa in wiff'enschaWchent, sondern in politischem Sinn. Es ist eine sonderbare Heldentat, nur dort tapfer zu sein, wo sich kein Widerstand erheben darf. Diese Tätigkeit der Professoren zeitigt den geringen Zuspruch der Patienten und dieser Mangel, wird dann die Quelle der Klagen über geringe Mükünfte. So schließt sich der FeMerkreis. Es lväre endlich an der Zeit, daß^ die Professoren sich an ihrer Lchrstätte lediglich um die wissenmieten und damit für Industrie, Handel, Banken und die Presse ganz neue Berständigungsmüglichksiten zu schaffen, verdient, berücksichtigt zu werdeir. Wichtig ist, daß die Netze dev Länder möglichst gleichzeitig fertig werden, da sonst Lücken im alleuropäischen Netz entstehen. Direktor Dr. Sonnenthal machte auf die Gefahr aufmerksam, daß die ganzen Leitungen, die naturgemäß durch Oesterreich durchgehen sollten, einen sehr unlie'üsamen Umweg um Oesterreich nchmen. Das wäre von-einen: ungcheurerr volkswirtschaftlichen Nachteil für Oesterreich, denn es ginge der ganze Transitverkehr, der eine gute Einnahure wäre, für uns verloren; es würde uns aber auch politisch fchv schaden. Der Jndustriellenklub beäbsichtigt, die , .maßgebenden Stellen auf die Wchtigkeit des Pwjekts für Oesterreich aufmevksomr zu machen. mWerirden Umständen war auch ans die BeMMgung des schaMche Forschung kümmern und ihre politischen Seitensprünge nur außerhalb des akademischen Bodens und ohne Ehrematserkenintinisses. in der nächsten Kammerversammlung zu | Schutz durch ihre akademische Jmmunirtät exekutieren. Ein Geschenk für unsere Abonnenten Dje VerwaltuHg der „Wiener Morgenzeitung“ hat sich entschlossen, ihren Abonnenten die Möglichkeit zur kostenlosen Erwerbung des bedeutsamsten jüdischen Geschichtswerkes „Graetz, Geschichte der luden11 zu bieten. Diejenigen unserer Abonnenten, welche die Bezugsgebfihr für ein Jahr lm Vorhinein entrichten, erhalten als in 3 eleganten Geschenkbänden PRÄMIE: Graetz, Geschichte der luden 11 Mit Rücksicht auf die geringe Anzahl der uns zur Verfügung stehenden Geschenkwerke können wir diese Aktion nur bis 15. Mai 1. J. führen. Es werden daher nur solche Bestellungen berücksichtigt, welche bis spätestens 15. Mai 1.1. in unsere Hände gelangen. Zugleich mit der Bestellung muss die Ueberweisung der für ein Jahr entfallenden Abonnementgebiihr erfolgen. Diese beträgt: Für Oesterieich K 420.000. (Bei Pöstversendung des „Graetz“ sind überdies als Ersatz der Porto- und Verpackungsspesen K 1&60Q zu zahlen.) Für alle Auslandsstaaten das zwölffache der monatlichen BezugsgebUhr zuzüglich K 25.000 für Porto und Verpackung in der Währung des betreffenden Landes. Unser Geschenkwerk „Graetz, Qeschichte der Juden“ bildet nach Ausstattung und Inhalt die Zierde jeder Bibliothek. Diese bisher unübertroffene Darstellung des jü;d, Geschichtsverlauf es gehört In die Hand eines Jeden luden! Verschleisser haben keinen Anspruch auf die Prämie; Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung1 Wien, l(. Taborstrasse 1—3, Telephon 44.0-38, 43-3.19 ifi 6in riesiger Fabrikrbranü in Berlin. Aus Berlin wird berichtet: Durch einen ungeheures Brand, der nicht weniger als volle 12 Stunden wütete, ist in der Köpeuickstraße ein vierstöckiges F a b r i k sgebäude vollkommen vernichtet worden. Das Feuer entstand m den Kellerräumen einer Holzwerkzeugfabrik kurz vor Mitternacht und wurde erst bemerkt, als das Gebäude bereits in hellen Flammen stand. Die Bewohner der umliegenden Häuser, die alle im ' Schlafe lagen, Waren durch den ungeheuren Qualm mit dem Ersttiuitgstode bedroht. Die Hitze war so groß, daß' in der gesamten Nachbarschaft die Fensterscheiben platzten und mit dem Verputz der Häuser auf die Straße fielen. Obwohl die Feuerwehr ununterbrochen aus 10 Motorspritzen riesige ' Wassermasseu in den Brandherd schleuderte,'' konnte' das 'Feuer erst nach 12 Stunden nachdem die g a n z e' F a 'b r i k a Ü s g e b r a n n t und die großen H o l z v o r r ä t e v d r n i ch t e t wören,' aerlöscht werden. kill frecher Vtraßendiebstahl ill Lölldüll. Inder belebtesten und vornehmsten ' Geschäfisstr.ft> Londons, in Bond Street, wurde, wie uns.berichtet wird/ gestern angesichts von sechs Sch u tz I e ut e n ein aussehü,: erregender Diebstahl durchgeführt.' Eiw.Mann. sprairg aus einem f a h r e n d en Automobil, schlug mit einem -Harnwer die Fensterscheibe eines Juwelenlädens ein und ergriff ein Pe'rlenkollier im'Werte von 8000 Pfu.n-d, worauf er in das Automobil zurücksprang. Der Dieb und seine Komplicen sind' dann in dem Auto spurlos unter'der Menge v e r s ch w u nd e m '