Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1876 (6.5.1924)
- Date
- 1924-05-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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'1 sxv H. •3K$teft, ’SSi-eitötäft' "S&ktfcü Morge«zeitü«g? m leine i«n«e Mrms!« Jugoslawien. Berich, h. -Mai. HLnte. nachmittags wurde der Führer, der oppofittonellell ° Blockes. D a vi d o wie zwemral vmn König in AÄienz empfangen. Nach dem eusidn «Empfang hatte Düvidowie eine länge re Befpre ch u n g - mi t - d en Führern der Opposition, worauf er sich zur ziveiteit Audienz zum König begab, die ebenfalls inehr als eine Stunde dauerte. Die Audienzen iverden in Politischen Kreisen mit den Bemühungen zwecks Schaffung eines Konzentrat i o n s k a b.ii« e t t s in ZusMNimeichang gebracht. Zwischen den beiden Skrdienzen des DemokraienMrers wurde Anßen- Minister Dr. Mine4c-vom Könige empfangen. yemeinderatrwahlen in Bulgarien. - (EigenPiensL der ,Mener MorgelHeit-u ng".) Sofia, 5. Mai. Heute finden in Bulgarien die Ge- MLinderatSwahlen statt. Das Ergebnis der Wahlen in Sofia wurde abends bekannt. Gewählt erscheinen zehn Kandidaten der - R e,g i e r un g s Pa r t e r, sieben Agrar- Kommunisten, drei Natiowlttbevale, zwei Sozialisten und zwei raMaldemokratifchr Dissidenten. Beriindemngeu in Lm MechoWwaMm Auslandsvertretungen. Prag, 6. Mai. Zum Gesandten bei der Angora-Regierung wurde der bisherige tzschechisch-slowakifche Gesandte in Madrid, Milos Kob r, designiert. Der tschechoslowakische Gesandte in Bern Dr. Flieder wird Gesandter in Warschau. Der bisherige Warschauer Gesandte Maxa wurde der ZentvalLchövde zugeteitt. Der oberschlesische Streik vMtikndig. Beuche», 5. Mai. Zur StreMage in Oberschlesien wird gemeldet, daß s ä m t l i ch e Gruben mit einer einzigen. Ausnahme stiHgelegt sind. Die Notstandsarbeiien werden verrichtet. Die Hüttenbetriebe sind vom Streik nicht 'betroffen, ._ ZM«L Sozialdemokraten und Heimatsrecht. Budgetdebatte im Nationalrat. Die Spezialdebatte über das Budget wurde gestern 1» Nationalrat vor halb leeren Bänken begonnen. Die Hztteresselosigkett an diesem Gegenstand ist so groß, daß die Abgeordneten aus den Ländern es nicht einmal der Mühe wert finden, nach Wien zu kommen. Der erste Abschnitt-des Voranschlages, die Kapitel: Oberste Bol k 's organe, Gerichte öffentlichen Rechtes, Rechnungshof, Staatsschuld und Pensionen, wurden erledigt, die Abstimmung wird jedoch, da gestern kaum die zur BeschluMhiMt notige Zahl van Mgeordneten anwesend war» erst heute um 10 Uhr vormittags vorgenommen wechen. - Ettvas lebhafter gestaltete fich die Beratung des zweiten Abschnittes des Voranschlages, der die Kapitel: B u n d e skanzleramt,. Aeußeres, Inneres, Justiz, Staatsvertrag von St.-Germain und ,>Wiener Zeitung" umfaßt. Ausgerechnet der Herr Doktor Deutsch aus Mattersdorf erachtete die Gelegenheit für passeÄ, um seinen Witz an der Einbürgerung von Ostju.de» W üben. Er erinnerte an den Fall Eros. Eros sei von der Wiener Landesregierung wegen seiner Agitation gegen die AutomobilaLgabe ausgewiesen worden, die steirische ö, 'wcai 1024. NmMM ' Seite 8 LonLou, .6. - Mai. (Radio.) Debisenschlußkurse r Wien 311M0,. Prag^148^/ New-York 4,88.6, Paris 68.-, Brüssel 81,812,5, Rom 97,812)5, Zürich 24,66 5, Madrid 81,61. Amsterdam 11.717,5, Kövenffagen 25,87,5, Christiauia 31,70,5, Stockholrn 16,62,p,. Helsinklfor's 175. Berlin 18//»- Billionen. . Lou-ö». 5. Mai. (Radio.). W e.chs elkurs er New-:: Uork 4,38-/,. Paris 67.90, Brüssel 82,85, Berlin 18*/. Bill., Wien 311.500, Prag 149, Amsterdam ^11,71, Cliristianiä- 81.72, Stockholm 16,62, Kopenhagen 25.925, Schweiz 124°/,, Rom 97T/*, Madrid 31,575, Warschau 39 bis 45 Millionen, Athen 197.50, Sofia 6000. Bukarest- 860, Budapest 320.000 bis 420.000,. Riga 22,66. Londoner B ö r s e.- Schluß. Amerikanische Terminware ging weiterhin zurück aus schwache New-Uorker Meldungen. Der Schluß war: Mai.16,64, Juli 16;08, Oktober 14,05, Jänner 13,50. Der Aktienmarkt ständig, hei gexiMN -Schwankungen und kleinem Geschäft. Viel beachtet von allen Blättern betont war die Festigkeit der österreichischen'Anleihe, zeitweise 95.—. Der Durch-' schnittskurs war eine Kleinigkeit höher. Diamonds fest, Tschechiche Anleihe 98, Bankverein 9, Centremining 11,125, - Diamonds- -17, Debeers 12,75, Generalminig. 12,75, Rio Tinto 32,75, Royal Dntch 38,50, Sells 4°/,. . , London e r M e t a l l m a r k t r 63,6. Drei Monate 64,4, Zinn Kasse 235.12.' also 70 Schilling niedriger. Blei Kassa englisches unverändert 31,15, ausländisches 29,17, also 10 Schilling niedriger bis 28,7 also 12 Punkte niedriger, Messing ausländisches 30,6, also. 5 Schilling niedriger, Termin 30,11, also 3Vz Schilling niedriger, Silber greifbar 33 Pence, Terminware 32,875, Aluminium englisches 125, ausländisches 130. Zucke r. Brittsche raffinierte Ware wurde im großen Umfang erkauft, und zwar bei Preisen zu einem Schilling für greifbare Ware niedriger Waren,.während der Preisnachlaß für Termine einen Schilling betrug. Weißer Javazucker, greifbar. 41,6, Tschechische Granulate greifbar 42,6, Weißer Java Mai-Juni 23,9, Juni-Juli 23.—, Juli-August 22,6, amerikanische Granulate Mai-Juni 28,6, November-Dezember 22,6 franko Hmnburg. Nem-NorK. 5. Mai. (Radio.) Vorkurse: Canadian Pacific 148,375, Union Pacific 131, Union Steel 98,62,5, Royal Dntch 55VS. Liverpool Baumwolle verlauft; 5000 Ballen, importiert 735 Ballen, amerikanische Ware Tennin. 12 Uhr 20 Mim 0 Punkte niedriger, Fnllmidling 17,50, brasilianische 6 Punkte niedriger, ägyptische 10 bis 25 Punkte teurer, ostindische unverändert, amerikanische Terminware anfangs 9 bis 13 niedriger, sväter auf kontinentale Käufe erholt, Mai 16,85, Juli 16'29, Oktober 14,16. Jänner 13,62; 2 Uhr 5 Min. Tendenz ruhig Ätai 16,86, Juli 16,28, Oktober 14,16, Jänner 13,61. New Bork, k. Mai. (Radio.) Devisenschlußkurse: TaggcXb. 8V2e/o, Wechsel auf London 4,38,50, 60 Tage-Wechsel 4,35,50, Paris 6,45, Amsterdam 37,39, Prag 2,94, Berliner Schlußkurs 23^ bis 23'/«, Silber 64?/,; ' Paris, 5. Mai. (Radio.) Die heutige Börstz eroffnete in sehr fester Stimmung. Zahlreiche. Rückkäufe per Baissiers - sowie einige Kaufordres des Publikums befestigten die Kurse namentlich im Schranken, während in der Kulisse die Kurse zwar fest waren, aber unter Gewinnrealisattonen litten. Bemerkenswert ist der Kursgewinn der Suezaktien, der heute fast 900 Franken betrug. Französische Pankeuwerte, Petro- Ieumaftten und Elektrizitätspapiere verzeichneten Kursgewinne, während der Russenmarkt still lag. In der Kulisse waren -Kautschuk- und Petroleumwerte fest, .und Südafrikaner konnten kleinere Gewinne aufweisen. Der Umfang-der Geschäfte nimmt allmählich M. Im Publikum sind sehr, große Bavkapitalien vorhanden, die-Mer vorläufig nur -spärlich zu Käufen, von Effekten verwendet werden., London, 97,92, New-Dork 15,50, Wien 21,875, Prag 45,70, Bukarest 7.95. Paris, 5. Mai. (Radio.) Effektenschlußkurse: Banque de France —, Pragobanka 394, Credit Lyonais 1647, Suez 12,246, Platine 694, Dabrowa 787, Banque Ottomane 788. Central Mining 770, Rio Tinto 2328. Le Naphta Russe 336, Sueeeried Egypte 1040, Baku 2200, Cautchoues sin 167,70, Chartered 62,50, Debeers ordin. 871, GoldfieldS 71,50, Huanchakas 240, Jägers Fontain 211,—, Malaeea ordin. 144.60, Malhoff 361, Mexican Eagle 78,75, Padang 370,—, Rand Fontain 77,—, Rcmdmine 203,—, Silva plana 176,—. TmrgMyika 137,—, Tubice soie 627,—, Utah Copper 1090, Shell 321,50, Royal Dntch 26,350,'BurmahSociete generale -Landesregierung hat ihm aber die Z-u-ständWrit verliehe». . Auch ändere Leute, di.e.mau in Wien nicht zuständig -tnachen wollte, hätten von der steirischen Landesregierung die -Zuständigkeit erreichen Knmen. „Die ChrWchsozialen -öchaldpten immer," sagte Deutsch, „daß Pie bösen Mener SöKialdemo-kräten OstjudendasHeimatsrechtgejwähren, -aber Sie, die angeblich den Känrpf gegen die Qstjuden führen, verletzen -ihre eigenen Grundsätze, indem sie Le-ute in den Heimatsverband au-fnehmen. die -man nicht einmal in Wien -heimatszuständig gemacht hat." Als Deutsch dann auf den Kon-Mt des sozialdemokratischen Landeshauptmaunes Pon Oberästerreich, G r u b e r, mit dem Bezi^kslhawpttnann Mahrzedt zu sprechen kam, -wurde er wiederholt-durch den Chvistlichsotzialen Dr. D-osial unterbrochen, der ihir -in Zwischenrufen darauf aufmecham machte, daß die Angelegenheit im beiderseitigen Einvernehmen gerichtlich aus-- getragen werden wird. Die Sozialdemo'kraien. suchten Doktor Dostal niederZuschreien, so daß es eine Zeitlang rechtlaut nn hohen Hause zuging. Abgeordneter Falle erinnerte daran, daß heute, fünf Jahre nach BeendigUW de's Krieges, noch immer das Gebiet zwischen T g r vis und Arnold st e i n in Kärnten von den JtaKenevn besetzt gehalten wird, obwohl dieser .Grenzstreistn Oesterreich zugLsprochen wurdr und die Grenzsteine bereits ge>setzt sind. Er schwirren die unstnuigsten Gerüchte umher,-zum-Beispieldaß das Gebiet verschachert -worden sei. -Bundeskanzler Dr. Seipel: „Diese Nachrichten wurden schon d e m.e n t i e r t." .Abgeordneter Falle machte schließlich der Regier-uitg zum Vorwurf, daß sie in dieser Frage nicht alles getan habe, ivas nottvendig sei. Die -wiederholten Ersuchen, bei der italienischen Regierung Schritte zu . unternehmen, daß -das Gebiet eMi-ch geräumt werde, seien bisher u nb er ü ck s i ch t i g t geblieben. Abgeordneter H e r r m a n n 'beantragte, die Regiertrug nröge in Brasilien ew Generalkonsulat an Stelle des in Rio de Janeiro bestehenden ,Honorarkonfulats errichten. Abgeordneter R ieg e r trat für die SchaGung eines wirklich demokratischen Vereins- und Versamm-lung?-- gesetzes ein. - Knapp vor Schluß der Sitzung ereignete sich ein Zwischenfall, der nicht 'der Konük entbchr-t. Es ertönten nämlich plötzlich im ganzen Haus die A l a r m g l o ck e n, so daß die Diener glaubten, es habe sich im Sitzungssaal etwas. UngeLv-öhnliches zügetragen. Der Vorschrift entsprechend, wurden sofort alle Toredes'Hanfes geschlossen- und die Diener eilten in' -den Sitzungssaal. Hier stellte sich jedoch heraus, daß der Präsident M-iklas durch eine unbeabdie Tore wieder geöffnet. Die Spezialdebatte über den Bundesvo-ranschlag-wir-d heute fortgesetzt. Im Emllms der Sitzung Lefa-nd sich - unter anderem eine Vorlage der Bundesregiemng über den Erwerb von Rechten an unbeweglichen Sachen durch Ausländer. Der Bundeskanzler soll durch dieses Gesetz erMchtigt wer» den, soweit der Erwerb von Rechten an iMndischen Liegenschaften durch die Angchörigen eines fremden Staates' nicht durch Staatsvertrage gewährleistet ist, im Hinblick auf die den Oestrrreichern in dem 'betreffenden Staate zuteilwerdende Behandlung, zu erklären, ob», in welchem Mäße, unter -welchen Voraussetzungen und von welchem Zeitpunkte andie Angehörigen dieses Staates zum Er« Jas Altem. Gestatten ans Artur Schnitzlers Werken. Bon Karl Seligmann. „Das Altern ist nun einmal eine einsame Be-schästi- MWg." Der LsbensMnsÄer Gala spricht diese melancholischen Worte im „Einsamen Weg^^. Es ist nicht nur eine -einsame,- sondern auch eine höchst traurige Angelegenheit. Im Grunde genommen ist das Mwerden, das A-eltevwevden die schmerzlichste Tragödie im MenscheÄeben, welche bei jenen Individuen noch eine Steigerung erfährt, bei denen O. Mldes tiöfe Wcchcheit zutvifst: „Me eigenNche Tragödie des Alterns besteht nicht darin-, daß nian alt wird, sondern daß man jung bleibt." Zu ergänzen wäre diose These, die nur scheinbar ein Paradoxon ist, durch dm Zusatz, „daß man jung fühlt trotz des unaufhaltsanren Alterns." Aus dieser Dissonanz-entspringen die schwersten . innerlichen Kouslikte, da es nicht jedermanns Sache ist, rcchtzeitig zu resignieren und verzichten zu lernen. Emen tiefen Blick in die Psyche des alternden Braunes, in dessen Seelenleben die Erotik stärker schwingt, gewährt uns SchniWer vornehmlich in Kvei Werken, in den Novellen ,-Casanovas Heimfahrtt^ und „Dr. Gräsler, Badearzt", während in anderen das Problem nur gestreift wird. So zeigt schon der auf der Höhe geschäftlicher, gesellschaftlicher und erotischer Erfolge stehende Hosreiter (das weite Land) deutliche Symptome, daß auch er sich der Grenze der zweiten Fugend nähert. Er wünscht sich, obschon im besten Mannesatter stehstw, noch einmal jung zu sein. Er meint, mit vierzig Fahren sollte man jung werden, da hätte mcwt evst was davon. Und als er dem jungen Fähnrich Aigner amt der Pistole in der Hand gegeunberstehi, wird.ihur mit furchtharer Deutlichkeit klar„ daß er der alternde und Von seltnem Rivalen verdrängte Mann ist, und der Haß gegen den Fähnrich, nicht weil er sein Nebenbuhler, sondern ivei-l er jung ist, läßt ihnmöcherisch Men. In Richard Spechts ausMeichnetem und erschöpfendem Buch über Artur Schnitzler kommt der Gräsler zienÄ-ich schlecht weg. Er bezeichnet Hn als ungenießbaren Menschenfiisch und beklagt es, daß Sihnttzter so viÄ Meisterschaft aufgewendet hat, einen Dutzendmenschen zu' gestalten. Abgesehen davon, daß auch' Durchschnittsmenschen,. die ja die kompakte Majorität ausmachen, geschildert sein wollen, ist Specht einem Irrtum verfallen. Gräsler ist schon zufolge seines so bunten bewegten Schicksals durchaus kein Alltagscharakter, er ist auch keineswegs uusym-PaMch; jedenfalls ist in ihm der alternde Akann, dessen EitEt gesteigert und dessen SeÄstverttcauen schon erschüttert ist, übergeu-ge-nd gezeichnet. Aur sinnfälligsten tritt dies zu Tage, wenn Gräsler das allzu bereitwillige aber trotzdem durchaus nichts unweMche. Entgegenkommen- SMnens nicht zu werten weiß und durch sei-n Zögem jede Chance einbüßt. Dagegen stürzt er sich uüit jugendlicher Verve in daß mühelose Abenteuer mit Katharina, bei welcher keine Hindernisse zu i'llberwiuderr sirrd und keine Fähklichkeiterr drohen. Der kritischen, prüfenden Sabine gegenüber empfindet er sein scholl reifes Mer, Während er Katharina, eine liebenswürdige Art „süßes Mä!dl", unbedenklich und mit Leichtigkeit erobert. Wie bei Sabim, erweist er sich auch in geschäftlichen Dmgen nicht mchr kauf der-'Höhe der Situation. Der Ankauf des SanatoriunP, welches er mit Sabinens Hilfe empovbringen wollte, scheitert; er hat nicht den Mut gefunden, herzhaft zuzugveifen. So - kehrt er denn, von Sabine z-urückg-ewiesen, durch den' tragischen Tod MthÄrinens verelnsamt, mit der Witwe Smmner, die mit ihrer franttchen Dankbarkeit ob der Lebensvettung ihres Kindes kaunr gespart -haben durfte^ vermählt auf seine Insel Lanzarote zur Winter-Praxis Mvück. In vielen Keinen Z-ügen, Beobachtungen und flüchtiger BmmÄungeN ist in vollendeter- Weist: dieser '-mit-^dem^Alstr MollMtzi WnM gestaltet -und seine' nntunstp.- Mchl^ch-^W'ttströst'Art nicht' Verhüllt, Casanova, der große Menteurer. Nach einem Leben voll unerhörter Sensationen und märchenhafter Erlebnisse, nach oft jähem Wechsel Zwischen Armut und Ueberfluß, 'meldet sich das Atter. In der Ruhebedürftigkeit, in der Sehnsucht nach einem sicheren Hastrr. Heimweh nach der Stadt seiner Jugend, Venedig, erfüllt den sonst von seelischen Emotionen nicht schr beschwerten „Cheval-ie^^ von eigenen Gnaden. Da er aber vor vielen Jahren aus dem berüchtigten Gesmrgnis unter dm Midachern des Dogenpalastes geflohen, droht ihm be-r unerlaubter Heimkchr nenerliche Einkerkerung. So schr quält ihn die Sehnsucht nach seiner schönen Vaterstadt, daß er sich letztlich den demütigenden BedinWngen des hohen Rates unterwirft und sich zu Spiomndiensten bereit erklärt. Schnitzler fügt in einem Nachwort hinzu, daß die Handlung der Novelle frei erfunden ist; aber Casanova ftW, der in seinen Memoiren manches — wie die historische Forschung nachgeiwiesen — erdichtet hat, hätte vre Geschehmsst nicht besser erfntden und sicher nicht so anziehend erzählen! Kimen. Me Hofreiter, tötet auch Casanova im Zweikampf einen bevorzugten jungen Rivalen, dessen Rolle bei der begehrten Marcolttw - §n spielen er sich «um schnödes Geld erkauft hat. Er tötet den jungen Lovsngo aus Haß über dessen Lberstromende, freche 1 Jugend. Meber, dem ganzen Buch ist die wehmütige SttMnmng des zur RsfiSnatiE gezwungenen Bankvottcurs gebreitet. Besonders packend ist die Stimmung jenes heiße:-. SÄmmrlageS wiedergsgeben, an dem Casanova in Gestü schast seines Freundes, dessen Frau, die er eiüst geliebt und 'MareoMaS, die er jetzt heiß begehrst das Kloster der i schweigenden Nonnen besucht. Aus der dämmernden Hallr schaM der sehnsüchtige Riuf „Cafanova!" Wem gehört dir , Nagende Stinrme, ist es eine MtMckls GeWbte, eine Ver -läffene oder Unerreichte, die jetzt das GeWde des ewigen \ Schweigens Stach' um noch einmal den gekrebten 'Narnen- -zü sprechen- — Se.^am Mngens, daß Schnitzler sich sa 'spat erst dieser interessanten, problematischen Figur b:- nrächtigt hat ’vtofa noch meMvüMger, daß er gurrst r r>