Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1876 (6.5.1924)
- Date
- 1924-05-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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JSette 2 _ Wien, DiensMg ~. 8n eigener Sache, Fm Zusammenhang mit der Affäre Bett au er („Er tmd Sie") ist in der gestrigen Nummer des Montagsblattes pDer Morgen" eine anonyme Verdächtigung gegen diö ^Wiener Morgenzeitung" erschienen. ünttare und anonyme Form dieser Verdächtigung erfordert Feststellungen. Mr werden in unserer Mittwochnummer zu den Verleumdungen dieses Blattes und zu dem unmittelbaren verantwortlichen Verleumder Stellung nehmen. Die Herausgeber der „Wiener Morgenzeitung". Bien, am 8. Mai 192*. Demokratie, die als die Partei des Pazifismus und der internationalen Berbrüderungsphroseologie bezeichnet wird, Hedes Einflusses auf di« - politische Entwicklung entkleidet würde. Die „German i a" 'meint, Las Zentrum könne mit dem Wahlergebnis mehr als zufrieden sein. Es stche irnerfchüttert da und bilde nach wie vor das Bollwerk.der, Staatsautorität gegen rechts und links. Das ,Merliner Tagebla tt" meint, die bisherige Regierungsbaisis sei äußerst schmal geworden. Die ,ß ossis che Ze i tun g" schließlich erklärt, rein parteiegoistisch hätten die Gruppen der Mitte alle Veranlassung, den Deutschnationalen Gelegenheit zu geben, ihre Künste dein deutschen Volke einmal glicht nur in Worten, sondern in Taten vorzuführen. Aber diesen Beweis würden Rhein und Ruhr und die gesamte deutsche Wirtschaft, die kaum begonnen habe, sich zu erholen, bezahlen müssen. Dieser Preis sei aber zu hoch und so müsse «nach einer anderen Lösung gesucht werden. Der Eindruck in Paris. Paris, 5, Mar. Hier liegen bis nun nur einzelne Wahlresultate aus Deutschland vor. Die Pariser Presse veröffentlicht sie mit großer Genugtuung. Genugtuung ruft -jede Mitteilung hervor, die über Mißerfolge derextre- 'menPar teien berichtet. Man konstaüert hier vorläufig, daß die Linksparteien und speziell die Sozialdemokraten lange nicht so geschwächt aus den Wahlen hervorgehen werden, wieman geglaubt hat». Man rechnet Hier, soweit man augenblicklich, die Sachlage beurteilen kann, mit einer künftigen bürgerlich en Reg ierung mit Einschluß' der Deu-ischnationalen. - Im allgemeinen glaubt man in hiesigen parlamentarischen Kreisen, daß die Aenderungen "der Besitzstände der einzelnen Parteien nicht derart einschneidend sind, als manche befürchtet hatten. Trotzdem glaubt man, daß die - deutsche Regierung im kommenden Reichstag nur sehr Jchwer jene Z-weidrittelmehrheit finden wird, welche nach der deutschen Verfassung notwendig ist, nm den Beschluß' der durch die Expertengutachten notwerwigen Gesetze zu sichern. - - . - ' , Londvns Ansicht. London, 5. Mai. Die deutschen Wahlergebnisse sind bisher zu lückenhaft, um der Londoner Presse Anlaß zu Kommentaren zu geben. Sie stimmt lediglich' in der' Prognose überein, daß sich eine Me'hrhei t für d i e A nnahme de.s Sachverständigenberichtes ergeben wird. Die Tatsache, daß die O ff iz'i'ere der Ga rnison Pot'sdam in voller Uniform zur Urne schritten, wird nur als monarchistische Kundgebung von geringer Bedeutung angesehen. Die Abendblätter meinen, eine Tatsache sei schon jetzt sicher/ nämlich, daß die Anhänget. LudeMvffs und Hitlers, das heißt die extremen Nationalisten, bei weitem nicht jene Evfotze erzielt haben, die sie sich versprochen haben.'Selbst die Hochburg der extremen Nationalisten, München, ist mit einer größen Zahl ihrer Wähler auch zu den Deutschnationalen übergegangen. Es ist sehr bezeichnend, daß im besetzten Gebiete die extremen Nationalisten nicht einen einzigen Sitz gewonnen haben. Knilling zurückgetreten. München, 5. Mai. Der bayrische Mnisterpräsideni Knilling hat an denbayrischen LandtagspräsiLenten Königbauer ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt: Der Landtag, aus dessen Bestellung das gegenwärtigie Ministerium hervorging, ist ausgelöst. An seine Stelle tritt nunmehr nach Vollzug der Neuwahlen in "ganz Bayern der künftige Landtag. In Ueberrinstimmung mit den Regierungsmitg'liedevn erkläre ich deshalb'im Namen des Gesamtmini-steriums seinen Rücktritt.. Die Mitglieder des bisherigen Kabinetts werden entsprechend ihrer verfassungsmäßigen Verpflichtung die'Geschäfte bis zur Bildung eines neuen Ministeriums wetterführen. Selofetts EanMoysvrogmWM. (EigeMenst >der „Wiener. Morgenzeitung".) Paris, 5. Mai. Das belgische Projekt wirtschaftlicher Sanktion für den Fall von .Verfehlungen Deutschlands gegen den Expertenplan stellt im Grunde verschiedene PrMeme aus: 1. Das Problem der Wirksamkeit derartiger Sank- - tionen im Falle ihrer Anwendung. . 2. Die Frage, in welchem Falle und unter welchen Voraussetzungen diese Sanktionen ergriffen werden sollen. Was die W i rksa mkeit de r Sa nkti o ne nanbelangt, so betont man hier, daß an ihr wohl nicht gezweifelt werden kann. Die deutsche Wirtschaft rönne keine finanzielle .oder tcjat_taoLA^: —ir g&tenett ziel I e Block ade ertragen und die Drohung mit einer derartigen Maßnahme allein wäre nach Ansicht hiesiger Kreise ausreichend, um etwaige Verfehlungen unmöglich zu machen. Anders verhallt es sich aber mit der Frage nach der p r a k t ischen A nwendhark e r t MstrAWHNahule. In Paris scheint man be- - sonderes Gewicht darauf zu legen, da; der Plan der Sanktionen vonvornherein klar unrsMebest . werden müsse. Cs müsse aÄö mH nur prinzipiell f^tgestellt )veÄ>en, daß in gewissen Fallen Sanftiorlesteinzutveten haben, sondern es Müsse auch unter den Alliierten der Casus foederis besttmmt werden. Der deutsch-russische Zloischensall. Ein Protch deS russische^ l^aMeu. 1 ' -*■ (Eigendienst der ,Mener Morgenzettung".) :Berlin,. 5. Mai.. Die Hausdurchsuchung der Bevliner Polizei ., im -Gebäude der ruMchen Handelsvertretung hat ein'diplomatisches -Nachspiel gezeitigt. Es bastcht der dvttvgende Verdachtdaß von der russischen Handelsvertretuntz r.; . Faden zur StttttgEer TscheLa - führen. Es würden me hr e re Per ha s tu n gen v 0 n Rüssen vörgenommen, die sich nicht genügend ausweisen könnten. B-ie Polizei, die diese Russen von S t ü t t g a rt-n ach B e rl i« transportierte,- mußte Hier den Transport von eimm Bahnhof zuim anderen führen. Einer der Russen erklärte vor dem Gebäude dev russischen Handelsvertretung den ihm eskortierenden Schutzleuten, - daß sich in'diesem Hause ein geuLttliches Kaffeehaus befinde. Ahnungs-los folgten die Beamten item. Häftling, der, im Hause angelangt, plötzlich envMüUte. An der Verfolgung wurden die Wachebeamten' von den Russen im Hanise gchindert. Die sofort alarmierte SchutzpolHei sperrte das Gelbäude ab und ließ sämtliche Angestellte auf dem Hof autreteu, wo sie sich zu legitÄnieren hatten. Unterdessen wurde das ganze Haus auf das genaueste untersucht. Trotz stuindenilangen Suchens konnte aber der. Entflohene nicht ergriffen werden. Fünf russische Angestellte der Handelsvertretung wurden wegen Beihilfe zur Wucht verhaftet. Bevor die Hausdurchsuchung zu Ende geführt werden koünibe, muhte sie plötzlich abgebrochen werden. Wie es heißt, geschah dies durch smen A u ftrag des Außenministers Dr. Streseman« an die Polizei ... Der rufsischß Gesandt^ ProtKsfteLt. . Der.russische Botschafter hat ' dem deutschen Außenminister eine Note über die polizeÄiche Durchsuchung im Gelbäude der Msstschen Ha-nldewvertretu-ntz überreicht Pot- -. fcha-fter.Krest'i nski erklärt darin, daß er auf die Nachricht hin, daß die Handelsvertvetung von evnam PolWausgebot. durchsucht werde, sich an den Außenminister Dr, S t r efemann gewendet hätte, welcher erklärtedaß' die PolizeNchen Handlungen ungesetzlich seien, da die Poli- , zei nicht berechtigt, sei, exterritoriale Gsbaude zu betotten. Obwohl die sofortige Räumung zugeisagt wurde, wurde die Aktion fortgesetzt. Die.Note erhebt entschiedensten Protest gegendie HauOlurchsnchung und die Berlatzung der diplomatiischen;UnautastbaKeit.. .% ... . ,. * . . MichsaußenimMster:S>e.-jSt.reseMann^ hat ldie ' Note dahin beantwortet, daß der Bericht de r i nnere« deutschen Behörden mit der russischen. Darstellung nicht, übereinstiimme.. Die deutsche Regierung behalte sich vor, auf die' Angelegenheit, zuvückzukommen,. so-, bald die e i n geleiteten' E r hebu n g e -n . ab"., geschloffen seien. . , - Fünf Russen blewen rn Haft. Berlin,-5. April. Bon -den w der rusiischen Handelsvertretung Politisch. festgenomnrenen Personen sind sieben dem zuständigen Richter vorgeführt^^Worden. Gegen fünf von ihnen hat der Richter ^rftbesehle.erlassen, die zwei anderen 'sind auf f r eien F u ß gesetzt stvorden. . .Deutschland brutal ivorgegangetr? London, 5. Mali. Der Brrliner KorrDöndent des ,Manchester Guardian" eicklärt, 'die offizielle deutsche Darstellung des Zwischenfalles für f a l sch. Das Berliner Auswärtige Amt sandte an die russische Botschaft eine Protestnote/ als ob dte deutsche'Polizsi die angegriffene Partei gewesen Wäre. Der Zwischenfall sei um so ernster, als die tatsächlichen Vorgänge laut dem Korrefpondenten sich folgMdermahw adgelsprell haben:. Imder Gesandtschaft trafen, drei' Personen ein, von denen der Portier zwei zurückhielt. Es waren dies zwei ZiviltzolMten,.die sofort die.Revolver zückten. . Die Polizisten holten ein.Detacheytent grüner P olizei und zahlreiche DeWivs zuriück^ Sie erzwangen den Zugang in die Gesandtschaft, benahmen sich, brutal, trieben hie Angestellten hinaus und btsillten. Sie drohten mit Re v o lv ern, stießen A pvugWn die.A-ngestelltest, Warfen die ' diPlbmaÜschch'PässL'- Sie^ öffneten alle Möbel.mit den Bäj0netten sind schnitten die TelephonTeitung ab. - AiußMministev -Dr.. StvefGWM vMNWdM WWHer KVestrnSßi den. sofortigem Rückzug der -Poild-Trotzdem dauerte ÄZ noch vieLStuWeM bis die Polizei'nNtw- MpMatzne' van acht Mitgliedern der Delegation aibzog.'' ' Etlichen- Arrestanten wurden Han-s-chelle N chn« LLbsat. . " "*’• - 6. Mai ISA-- juj, IN, Die zionistische Fahreokonserenz. Nach einer uns aus London zugehenden Miitterlustg ist bezüglich des Termins und des QrteS der - zionWchen Jahreskon-ferenz, die in diesem Sommer sta-ttfindtzn soll, noch. ke,j nst! «N-Lgültige Entscheidung getroffen worden. Haag, 5. Mai. Eine offizielle Note der holländischen Regierung gibt -bekannt, -daß die -holländische Delegation, die zu Vevhandlungszwecken mit der Sowjetdelegation in Berlin weilte, kein Ergebnis erzielte und.zirrückgekehrt ist. . , ,5 " Die Sinwanderungsbill. Paris, 5. Mm. „New-Dork -Hrrald" Meldet äuS Wäshmigwn: Ein aus Senatoren und Mitgliedern des Repräsentantenhaalses zusammengesetzter Ausschuß verhandelte über die- Girrwvn>- derungsbill und faßt^ einen.auf Pem-Antrag des Senators Reed beruhenden vorläufigen Beschluß, dessen Inhalt jedoch nicht bövannt. ist. -ii Die internationale Austvanderungg' lonferenz. Beginn am 18. Mai in Rom. Rom, 5. Mai. Me Regierung'hat zum 18^ d. ernL int'erna-iio-nale Auswauderun'gskonferenz einberufen. Bisher haben 47 2 ä n d e r ihre Teil n a h -m e.. zugefagt, darunter -die zurzeit wichtigsten Einwan-' de rungsländer, wie die Ber einigten Staa«. ten, Brasilien und Argentinien. Die Ha-uptpro-.. gvammpünkte der Konferenz betreGn das Auswanderer t r ansp o rtwe s e n, hygienische Maßnahmen, Aus- -und .EinwanderungSfürforge, Stellendermiitlung und Koloni-. fation. ' Sic Dmhmaer 8Ä>e» wolle» ndch Sßlonifi? Athen, 5. Mai. (Ägenee d' Achenes.) Wie die Blätter, in Saloniki erfahren,!habey zahlreiche wohlhabende jüdische Familien von Smyrna bei den griechischen Behörden, anfragen .lassen, ob sie sich in Salomik nieherlasien dürfen, um den Bexationerr seitens der Srnhrnaer Behörden:zu ent-: gchen. Die griechische Regierung habe ihr« Einwilligung' gegeben. 'r- __ . . ein SittenBnef fSt ©cotfles SBouicL (Eigendierrst der ,-Wiener Movgenzeitung".)' / Paris, 5. Mai. Gestern wurde in sämtlichen Kirchen von Bordeaux ein tz i r t'e Nb r t'e f de's §kavdmälerMscho>fs A n d r i e u verlesen, worin dieser die Gläubigen ermahnt, am kommenden Sonntag ihre Stimme dem ListeNfuhrer des nationalen Blocks, Georges Mandel, zu geben. Der Hirtenbrief verweist da-vauf, daß der Deputierte Mandel m der Kammer unbedingt für die Rechte des Katholizismus" eintveten wevde. ' '' Der Deputierte Georges M a n Ü e l ist I u d e. Seine 'letzte Wahlrede in Bavsae wurde durch Kommunisten -gesprengt. Der gewesene Kabinettschef Elemenoeaus ist -derzeitinfolge der Anstrengungen der Wahlkampagire bElligerig^ Das neue cnMchc SoMstem. London, 5. Mai. (Test der ,,Wr. Morgenzeitung".). Im Uattevhcmse wurden heute zahlreiche Anfragen über die Aufhebung der Mac Kennü-Zölle gestellt. Me Regrevung begnügte sich danüt, zu erklären, daß dieser Frage au einem dev nächsten Tage eine besondere Sitzung gewidmet werden' wurde. Der HandelAminister erklärte, es bestche die Befürchtung, daß Amerika im Falle der Aufhebung der Mae Ken-na-Zolle den -enMchen Markt mit -Mrtonrobilenüberschwemmen werde. - , Hohler »»d Horchst. BuLcchcst, 5. Mm. (Xdjb. J8bt. Movg«rqeitwng".) De^ abibevufene englische Gesandte Sir Thomas Hohler wat bei seinem Abschied , von Budapest recht elegisch gestimmt. Bitter bemerkte, er zu einem Pressevertreter:. „Man mutz mitunter eben dann voneinem Posten scheiden, wenn man ihn besonders liebgewonneü hat! Mit der h ö ch st e n Be wu n> d.eru n g gedenke ich. des Reichs- Verwesers Ungarns, Nikolaus von Horthys, dessen Lage M diesen so schweren Zeiten vielleicht schwieriger war als die Lage irgend eines anderen Mannes, dw je an. der Spitze eines Landes gestanden hat. Er hat sich immer mit der größten Selbstverleugnung und mit der größten Selbstaufopferung allen Anordnungen untergeovd-- net, die das Jnievesje der Nation von ihm erheischte." \ Aevisto» i» Waegersreg. > Noch 270 Internierte. ' Budapest 5. Mai. Me „Az Est" meldef, ist in best letzten Tagen im Jnterniertenlager von Zalaegerszeg ' Sitte Revision vorgermMmen worden, auf GrunddeM 108 JnterMerte,- davMter 14 politische Internierte, eW . lassen wurden. Mr-Lager veMÄben .nvch^ ungefähr 370 Jntftnietze, darimter acht politische. Ende Mii soll eine ' - Rev!siott''sWmViMr' .