Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1874 (4.5.1924)
- Date
- 1924-05-04
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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/ jfi? Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung. r4. Mar im Nr. 1874 O n 0 P f B f R I ( h T Pariser Modebrief. Keine Einheitsfront. — Die gerade Linie. — Verlängerung der Taille. — Die Hutmode. R. K., Paris, Ende April. Wir stehen vor großen Ereignissen. Das soll nicht etwa ein- Hinweis ans politische Ueberraschungen sein, vielmehr handelt es sich in diesen! Falle nn: ein ^Umsturz- Projekt der Pariser Modcoligarchie, welche bisher nur angedeutet, doch schon. seine Schatten vorauswirst- und bei den Modejnngcrn aller Länder eine gewisse Emotion Hervorrust. Sie, die ihr nach Neuem durstiges Auge auf die französische Metropole richten, halten den Atem an und erwarten Großes von der Phantasie und der Schöpferkraft ihrer Meister. Es ist kaum anzunehmen — die Erfahrung spricht dagegen —, daß dieser Pariser „Große Rat", in welchem beide Geschlechter vertreten sind, sich zu einer Einheitsfront kristallisieren wird, vielmehr kann angenommen werden, daß die individuelle Initiative zu Wort kommen und uns ein wahres- Kaleidoskop von Neuheiten bescheren wird. Auf diese Weife kommt die Modecaprice zur Welt. Vorläufig leben wir noch in Erwartung der kommenden Tinge. Die „Grands conturiers" und ihre Nachbeter halten sich nach wie vor an die gerade Linie als Grundform des Kleides, und begnügen sich mit Variationen der Details, beispielsweise mit dem geraden oder godetartigen Faltenwurf der linken Seite des Rockteiles, geziert mit einem Blumentuff, einer Kokarde oder einer Schleife in .Schmetterlingsform. Mitunter wird die gerade Linie des Kleides oberhalb des Knies durch ztvei bis drei Volants; unterbrochen. Volants und T u n i q ues aus leichtfließen-!dem Material sind überaus beliebt; ihr Effekt wird durch ein Futter aus Seidenmousseline in leuchtenden Farben noch wesentlich erhöht. Nach längerer Pause hat sich das Plisse in allen seiner: Varianten seinen Platz in der Damenmode wieder erobert: es figuriert nicht nur bei leichten Wollmousseline- und Seidentoiletten, selbst der elegante Tailleur weist es auf. Im heurigen Sommer werden viel Mousselinekleidcr mit zarter Spitzengarnitur zu sehen sein, mährend zn Toiletten aus Grosgrain, Reps und anderen kernigen Geweben Halskragen und Manchetten aus Guipurespitzc 'komponiert werden. ‘ Ein charakteristisches Merkmal der Linie des Tages ist die zunehmende Verlängerung der Taille bei gleichzeitiger Fortlassung des Gürtels. Man kann eine Wiedergeburt des.ärmellosen Boleros konstatieren, allerdings itt einer von der ursprünglichen Form abweichenden Manier: er ist ziemlich lang, kasakartig und legt Kragen und Jabot der Muse frei. Als eine, bereits in Erscheinung tretende Novität ist das Empirekle id zu nennen, doch wird es bisher nur vereinzelt und nur als Abendkleid verwendet. In Crepe de Chine, sich eng deni Körper anschmiegend, weist es ein rundes oder viereckiges Spitzen-Empiccemeni aus, das den Schulteransatz durchblickeu läßt; doch findet auch das Fichu a la Maria Antoinette bei diesen Toiletten Anwendung. Im übrigen sehen die Tageskleider infolge der Lime der Ausschnitte um Hals und Arme den Soireetoiletten bedenklich ähnlich. Allein, die Mode bewegt sich bekanntlich in Extremen, deshalb finden wir den Aermel, wo er in dieser sonst ziemlich ärmelloser: Tagesmode auftritt, nreist sehr laug und knapp anliegend. Der-,,T aille ur cl ass ique" wird vielfach aus kleirrkarrierten Stoffen hergestellt, während für Mäntel und Reisekostüme das große Earreanx, oft in schottischen Tönen, Verwerrduug findet. Das elegante Trotteurkleid weist insbesondere am Rock viel bunte Stickerei auf; um sie uoch reicher zrr gestalten, konturiert man die Arabesken mit schwarzer oder farbiger Chenille. Die Sommerkleider wirken um so frischer, als sie mit Vorliebe waschbare Garnitur zeige», wie Kragen aus Batist oder Spitze, bisweilen Plisses aus Tüll. Mau kam: sich des Eindrucks nicht erwehren, daß in dieser Saison der Kleiderstoff als solcher — mag es sich um Samt, Seide, Mousseline oder Wolle handeln — den Löwenanteil an der Modeschöpfung trägt. Es scheint, daß der Einfachheit der Form eine um so größere Pracht des Materials zur Verfügung gestellt werden soll. Goldrrnd silberdurchwirkte Moires, Atlas in glänzender: und matten Streifen gewebt, reizvoll wirkend in der vielfältigen Anwerrdung, Seidenkaschmir und Seidenalpaca in allen Tönen und Abarterr, Crepe de Chine, Rezocrepe, Foulards mille fleurs, Crepe abyssirr, Kasha für Capes, Twill und Triomphante — wahrlich, selbst der wählerischeste Geschmack kommt nicht irr Verlegenheit. Tie Hntmode steht der Kleidermode nicht nach. Es ist nur logisch, daß sie die der geradlinigen Form trvs Kleides angepaßte kleine Clochesorm vorläufig beibehält, allerdings mit einigen Variationen: der Kopf ist höher und hat eine rundere Form, der Rand erscheint enger und umgebogen; die Garnitur irr der vorderen Mitte des Hutes strebt in die Höhe und besteht entweder ans Band oder aus einer Aigrette; der duftigen Frühlingsstimmung passen sich noch besser die aus Blümchen gebildeten Kokarden 'an, die überaus zart und kokett wirken- Für mehr originell als schön hält man das mit rotem Siegellack dem Hut- -vande aufgetragene Monogramm, von ähnlicher Wirkung 'find die dem Hutbande eingestickten Dominosteine oder 'KtziÄkarten. .Solche exzentrische Modeexemplare, die rum Teile als Modeirrtümer augesehei: tverden, findet man glücklicherweise selten. Ueberaus apart machen sich Echarpes aus bordiertem Seiderüwile als Garnitur der kleinen Hüte; ihre langen Ende,: werden -urn den Hals gerollt, um dann, wirkungsvoll drapiert, nach vom zu fallen. Dem so beliebter: kleinen Trotteurhpt istü: der breitrandiger: Capeliuc eine gefährliche Konkurrentin erstanden: sie wird aus durchsichtigen: Roßhaarstoff verfertigt und erhält als Garnitur eine vollerblühte Rose aus Samt Mp eilten kleinen Kranz ans Früchten. Weiß wird in: kommenden Sommer für Kleide» und Hüte dominieren, doch werden sich vereinzelte Liebhaber auch für Schwarz, Braun und Marineblau finden. Rot und Altrosa sind noch nicht ausgestorben, doch habe» sie sich in die Sphäre des Hutrrnd Ohrcnschmuckes Mrückgezogen. Kuvertüre zur Vadesaison. Man wird h.uer der Badetoilette noch mehr Aufmerksamkeit zuwerrden als bisher, weil man eingeschen hat, daß die Grazie der weiblichen Fora: als Gesamterscheimmg an allen Orrer: und bei jeder Gelegenheit zur Geltung kommen soll. Je auspeMcner die Frau ist, desto anzichervder will sie wirken: dieses Prinzip ist nicht nur modisch, sondern auch ästhetisch wertvoll. Tie führenden Wäschesalons suchen nach neuen Ideen für die Mode des Badestrandes und man ist berechtigt, aiHUnehmen, daß sie sich wesentlich von den Modellen des Vorjahrs unterscheiden wird. Ter Wäschesalon T. R o s e n f e-l d (1. Bez., Kohlmarkt 3) bat uns zwei interessante Kreationen zur Verfügung gestellt. Das B a de kost üm scheint für kühlere Stunden bestimmt. zu sei,:. Es ist aus roten: Kaschmir her-gestellt, hat winzige Aermelchen und zeigt einen ziemlich höhen Ausschnitt. Das Kostüm rrnd das dazu Passende Strandhänbchen sind mit winziger: Muschel'.: besetzt. Der B a d e m a n: e % erinnert an den Stil der Abendmaurel. Durch die - aparte Verwendung des slawisch auinutenden Streifenmusters kommt ein beisorrid-ers schlairkmachendcs Modell zustande, das der herrschender: Modelinie emspricht. r. m. |y|oclem@ Seiden waren f^loderne Jackenfutter kaufen Sie billig im Modengeschäft HEIA SILBER 18« Taborstrasse 18 (Hotel National) Bitte Adresse genau ,v:j beachten.' 1058^ Reste besonders preiswert! Mb Mied»» Spejial^fener»'^^'3 e*ijr/:ai ii^örperforrner /Mariah||fer5{^T^ „ n- -?snkuo8«uu^aeb0k>eru- Neuheit Leibchen-Gürtel- /= Kombination, fisebbeinlöß, am blossen Körper in tragen.' Spe*«al« Abteilung für Geradehalter, Körperfora- Korrekturen (Hoblwattfcrung), Miederbinden und Gürtel-Innenbinden gegöti ffi 28} tionen, Umstandsblnden. PERMANENTE AUSSTELLUNG Kunstgewerblicher Arbeiten aller Art Binsen / Handarbeiten / Hippes Feine Damenwäsche Handgemalte Kleider und Tücher Hausindustrie EXPORT Hanna Menzel & Cie. Kunstgewerbe Wien, I. 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