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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-30 · Heft 1870 (30.4.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1870 (30.4.1924)
Date
1924-04-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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WM » < *m t - - v-, . Wahl haben die Mächie. damals Griechenland eine Anleihe gewährt, aber me hätte Griechenland sich zu einem solchen Wohlstand auffchwingen können, tvenn nicht die za-hlreichen Griechen, die ebenso wie die Juden fern von ihrer Heimat in der Diaspora wohnten, sich mit allen Kräften für ihr Mutterland eingesetzt hätten. Hier hinkt aber leider der Vergleich zu unseren ungunsten. Denn damals stellten sich alle Griechen in der Diaspora in den Dienst des Vaterlandes, aber noch viele Juden stehen unseren Bestrebungen fremd gegenüber. Die Griechen haben nicht gehalten, was man sich von ihnen versprach. Wir Juden haben noch nicht Palästina, aber wir sind auf dem Wege dahin. Und auf diesem Wege haben wir eine Tat vollbracht, die allein geeignet wäre, das volle Rccht für ein regeres Interesse , an unserer Sache in Anspruch zu nOmen: Wir haben, hie hebräische Sprache,, die nun seit zwei Jahrtausenden tot schien, zu neuem Leb en erweckt, und das nicht aus einer äußeren Notwendigkeit heraus, sondern aus Idealismus, aus Liebe zu utrserem Volk. Und wer unsere Jugend in Palästina an der Arbeit gesehen hak, der muß sagen: Dieses Volk kann nicht Bankrott machen, wie damals Griechenland, dieses Volk wird halten, w a s e s v e r s p r i ch t. Ich stelle nun'' die Frage an Sie, haben Sie noch in sich die Kraft und die Heiligkeit, über allen Interessen und Kleinigkeiten des Tages hinweg sich mit der Ewigkeit zu verbinden und an dem Werke teilzunehmen, durch das ein neues Kapitel der Kultur eröffnet wird, haben Sie die Kraft? Die- Antwort liegt bei' Ihnen. - Dr.'Alfred Loewh dankte für die mit ungeheurem Beifall auisgenommenrn Ausführungen des Redners und forderte-die Anwesenden auf, sich der P r o P a g ü n d a d e r T a 1* für Palästina anzuschließen. Im Hotel Bayrischer Hof wurde die Versammlung mit neuen Lichtbilderaufnahmen eröffnet, welche der jüngst von einer Palästina-Reffe zurückgekehrte Herr Graubart (Innsbruck) 'mit einer lebhaften Schilderung der praktischen',Aüfbautätigkeit in Erez Israel verband. Dann richtete Gemtinderat Dr. P lascht es die Aufforderung an die.Versammelten, durch unermüdliche Werbetätigkeit und persönliche Leistung, das Tempo des Palästina-Aufbaues zu beschleunigen. ' Hierauf ergriff, . stürmisch ' bejubelt, Ingenieur str.icker das Wort. Er führte aus: Als Herzl vor 25 Jahren um seine flammenden Palästina-Ideen warb, erntete, er größtenteils Spott und Hohn. Karl Kraus, den setzt diele, feiern, hatte hamals in feinem Pamphlet '/Eine.Krone für Ziön" nur Wortwitze und zynische Floskeln für Hevzl. Heute ist Hertzl in die Weltgeschichte eingezogen und von Karl Kraus 'hört man, daß er fünfzig Jahre alt geworden'M'Früher -war die Stellung-zur' Palästina- Frage Sache jedes einzelnen, .solange Erez Israel als Phantcrsiegalt, an die nur eine kleine-Schar von Getreuen glaubte. Heute."ist das jüdische Palästina da, bestätigt durch den Völkerbund und die Gesamtheit dev Mächte, denen die moralisch Kraft der Vertreter eines kleinen Teiles des J u d e n t u m s -für die Wiederaufvichtung des alten Landes für das alte Volk genügte. Jetzt müssen diese moralischen-Kräfte und die Tatsache des Mischen Palästina alle Juden-vereinigen. , . Wenn denen, die ausgchen, für- Palästina, für den Keren Hajessod zu werben, Gleichgültigkeit und Ablehnung seitens vieler begegnen sollten, dann mögen sie sich es nicht verdrießen lassen und stolzen Hauptes Weggehen. Die Schande bleibt -den andern, die vielleicht über Na,cht nach einem Asyl für sich und ihre Kinder- Umschau werden halten müssen, das nur ein jüdisches Pa'lästina bieten kann. Immer halben nur kleine Teile des Volkes Heimat und Vaterland erkämpft. Wenn die Massen sich noch nicht anschließen, wird'eben die Minderheit das $iel erreichen. Wenn vor 25 Jahren die als Narren verschrienen Anhänger Herzls verzagt hätten, gäbe es heute kein jüdisches Palästina. Auch Griechenland ist ähnlich anfgebaut worden. Nicht die Zähl der Köpfe war vor dem Völkerbund maßgebend, sondern unsere moralische Kraft. Wenn die Massen des jüdischen Polkes träge sind und nicht mit uns gehen, dann werden sie es bewirken, daß von den wenigen noch mehr Arbeit geleistet werden muß. Wir sind bereit, unter den größten Schwierigkeiten zu beginnen. Wenn sich diejenigen, die Palästina mit den Fäusten aus dem Boden gerissen haben, hätten entmutigen lassen, dann wäre es um Palästina traurig bestellt gewesen. Baffagierflugvertehr Wien-Sraz-Salzbmg- Liuz. Salzburg, 29. April. Nach einer Mitteilung der Kurkommission Bad Gastein plant die Oesterreichffche Flugverkehrsgesellschaft. vorläufig während der Linzer Ausstellung einen regelmäßigen Passagierflugverkehr Wien—Graz—Villach—Bad Gaslein—Salzburg- Linz einzurichten, der bei genügender Beteiligung eventuell über den ganzen Sommer ausgedehnt werden soll. Verbot ber Maifeier aaf der Universität. Gestern teilte der Re.ktor der Universität einer Abordnung der sozialistischen Studenten mit, daß er auf. Grund einer Beschwerde der „Kammer der Deutschen Studentenschaft" genötigt sei, die aus die Rampe'der Universität emberusene M aiv erf amm lun g der sozialdemÄratischen Studenten zu untersagen. Auch dürfe auf akademischem Boden für die Parteikundgebung keine Propaganda gemacht werden, und er verurteile die Affichierung der Maiplakate auf den Wänden der .Universität. fefenüijc »iWmi-Wche Vom 4. bis 11. Mai 1924 Stärket die Arbeitsfreude, die Zuversicht unserer palästinensischen Jugend durch wahrhaftige Opfer-' leistungen! Sie bauen Straßen, entsuinpfen das Land, bestellen den Acker, errichten Städte. Gebt ihnen Mittel für Saatgut und landwirtschaftliche Geräte, für Einwanderer- Heime und Spitäler und lasset die Lehrer ihrer Kinder Nicht darben! Widmet diese einzige kurze Woche mit aller Hingabe der Arbeit für den Keren Hajeflodi bringet Opfer und veranlagt alle, ans die ihr Einfluß habt, Opfer zu bringen. _____ Konferenz der Mitarbeiter y El BYK Sitzungssaal der Israelitischen VIBII l E Kultusgemeindei ..« Uhr abends J Stottraa Adolf BONN: „Ler Aufbau Palästina»" Referent Dr. Nahum BLAUER: „Die Organisation der Arbeit" Alle Männer und Frauen,-die sich an der Arbeit während der österreichischen Palästina-Woche beteiligen, .sind geladen. ir etfdjefitett ifl"VI Uebergabe des Ärbeitsu. Propaganda- Materials an die Sektionsleiter. Alle Zuschriften 'in - Sä^Dder österreichischen Palästina-Woche sind zu kichten an das BurSäü des Keren Hajessod, 1. Bez., Bauernmarkt 24. Wiener Semeinderat. In der gestrigen Sitzung würde für die städtischen Sammlungen zur' Ergänzung ihres Budgetkredites ein Zuschußkredit von 3 00 Millionen Kronen bewilligt. Hierauf berichtete Stadtrat Siegel über die fünf- Wohnhausprojekte titt 16., 11., 12., 2. und 3. Bezirk. In drei bis fünf Wochen dürften die im Jahre 1923 begonnenen Bauten fertiggestellt sein. Dazu kommen noch zwei bis drei Siedlunigsbauten im 11. Bezirk mit' 76 Häusern, die auch schon .zum BWgtz-reff sind, und schließlich die Siedlung aus der Hermeswiese im Lainzer Tiergarten mit rund 80 Häusern, die Mitte Mai durch den Gemeinberat feierlich eröffnet werden wird. Was nun die Bauvorhaben des heurigen Jahves betrifft, so hat sich herausgestellt, daß gegenüber den u r s p r ü n >glich geplanten 4600 Wohnungen 5908 Wohnungen errichtet werden können. Die fünf Entwürfe und die Baubewilligung werden angenommen. Stadtrat.Siegel berichtet sodann über den.Abschluß eines Ziegellieferungsvertrasges mit der „Kronos", Internationale Bau- und Handelsgesellschaft nt. b. H., für die Jahre 1924 bis 1928. Die Anträge des Referenten werden angenommen. Stadtvat Siegel referiert über eine weitere Kretz i t b e s ch a f f u n g ffrr die Vereinigte Porphyrit-, Syenit- und Sandrndnstrieaktienigesellschast. Das Porphhritvorkommen dieser Gesellschaft bei Persenbeug ist das einzige Hartschottervorkommen in Oesterreich. Die Gemeinde, die über sehr viele Makadamstraßen verfügt, hat außerordentliche Vorteile, wenn sie dieses Werk in Betrieb setzen kann. Das Kapital wurde bisher von der Eskomptebank unter Garantie der Gemeinde Wien gegeben, und zwar acht Milliarden Kronen. Ueber diese acht Milliarden hinaus sollen nun 1,6 Milliarden von. ,der Eskomptebank an die Gesellschaft gegeben -werden, wozu die Garantie der Gemeinde Wien notwendig ist. Die Referentenanträge werden angenommen. . Set Lrchesterftreik In der Volkroper beigelegt. Die Intervention des Bürgermeisters. Gestern fand im Räthaüse unter dem Vorsitz des Bürgermeffters Seitz eine Besprechung statt, an 'der Vertreter der Volksoper-Betriebs-A.-G., der Direktion und des Musikerverbandes teilncchmen. Der Bürgermeister schlug vor, vorerst die . zwischen den beiden Parteienentstandeneil Unstimmigkeiten .durch gegenseitige loyale Erklärunlgen . aüszp- ,gleichen, nach Zuvücknähnle der erfolgten Entlassungen den Betrieb sofort Mittwoch abendswieder a uf zun ehtne'n und den bisher bestandenen Vertrag bis 31. August 1924 in Geltung zu belassen. Die neuen Verhandlungen mit dem MusikervevbaM wären am F r e,i t a g der: 2. Mai aufzunehmen und, - so rasch ' Äs''-ÄöMch - derart'' zu beenden,' daß'; '"' S), RkBM - den, berechtigten Forderungen'der Musiker, soweit da- Ihpl« tut' dazu sinanziell in der Läge ist, enchrrochen wiÄ». DA V«-! treter.'beid er Teil.e. dankten dem Büvgermefft« und erklärten, sich für d"ie Annahme dieser einzusetzen. Den Orchestermitglredern wurden im StveiKokE die Bor- - schlagedes Bürgermeisters mitgeteilt, die nach mehrstündiger- Beratung angenommen wurden. ..Dgs Orchester erklärte, den Dienst in.der' Volksoper wieder aufzunehmen.. Die Devhand-/ lungen, die sich an die Forderungen knpfen, die den AiuSstand verursacht haben, werden am 2. Mai beginnen. Die Opernvorstellungen in der Vvlksoper nehmen Mittwoch wieder ihren Fortgang, und eS wird die neu einftudievte Mozartsche Oper ,^Don Juan" aufgeWrf. , Sie Anschuldigungen Hocheveggs. Ein Disziplinarverfahren beschlossen. . Montag fand eine vertrauliche Beratung beS Borl'tcrndes der Aerztekammer statt, die sich, mit der Broschüre des Professors Hochenegg beschäftigte. , Wie wir erfahren, wurde beschlossen, gegen Professor Hycheuegg ein Disziplinarverfahren einzuleiten. Mit Befremden wurde in der Debatte hervorgehoben, daß die hinter Hochenegg stehenden Kreise bemüht sind,, der Angelegenheit einen politisch.-antisemitischm Charakter zn geben, obzwar bereits heute.feststcht, daß . die Anschuldigungen gegen Aerzte gerichtet sind, die dem Bolkskreise H och.enegg s angehö rem Die Aerztekammern derBundesländer, die seit jeher auf national-chauvinistischem Standpunkt stehen, hatten, in Unkenntnis der Tatsache, daß es sich bei den Anschuldigungen um Volksgenossen Hocheneggs handelt, sofort Zustimmungskundgeüungen an Hpchenegg aesandt, auf die er sich, jetzt beruft. ' Protefttundgebung der Wohnnugriosen. Eine stürmische Versammlung. Die Wohnungsliga, eine Bereinigung der Wohnung-» losen, Wohnungssuchenden und Untermieter, veranstaltete gestern abermals eine sehr zahlreich besuchte Bärsammlun^ um gegen die Verschleppung ihrer Reformpläue in der Wohnungsfrage Protest zn erheben. Die Versammlunjg war sehr erregt, und fand in leidenschaftlichen Kundgebungen «gegen da» Wohnungsamt lauten Ausdruck. In einer - einstimmig anizenömmenen Resolution wurde unter anderem verlangt: Entfernung aller PiM-iker und politischen Berwaltungssekretäre aus dem Wohnungsamt, Zuuückzichung sämtlicher Delegierten und Kommisiionrmkt^licher «iS allen Gruppen sowohl seitens der fozialdemokvatffchen wie der ' chrfftlichsozialen - Partei, Uebergabe'der' ^iiunjg de- 'WdhnNngs-- amtes an'die Hausbesitzer, Mieter, Untermieter und WohnmdgSsuchenden, öffentliches Verfahren in WohmmgSangelegen^ heilen, unpavteiffche Untersuchung der biGerigen Wohnungs-' zuweffungen, Ausbau Und Abbau des Mieterschutzes unter, der Aegide der Betroffenen und Schaffung eines zentralen WohMNgsgevichtshoses. Me Enffchließuug der -letzten Versammlung wegen Echelbung der Anklage Gegen das Wiener Wohnungsamt wegen Amtsmißbrauches wurde von der VersamnÄung ratisizievt. Die Versammlung erklärte sich schließlich bereit, gqgchenen Falles für ihre Forderungen auch durch Straßenknndgebungen einzutreten. Die Versammlung verlief während der Ausführungen des Referenten überaus stürmisch, als dieser die Zustände im Wohnungsamt schilderte. Mehrere, im rückwärtigen Teile des Saales angffammölte junge Burschen lärmten und provozierten -durch Zwffchenrufe einen großen Skandal. Es kam Mischenden Anhängern des Wohnungsamtes und den Gegnern zu heftigen Zusanrmenstößen und zu einem Handgemenge, fo daß die Wache einschreiten mußte, die die Ruhestörer auS hexn Saale entfernte. Stoßer Auswanderungrschwindel i» der Slowakei. Die Betrüger in Men vechaftet. Seit Jahren wurde tvahrgenourmen, daß .in -der 3 schccho« Slowakei eine lebhafte Propaganda für die AuswanderüiW nach Amevika betrieben wurde. Namentlich in den'Gegenden von Preßburg, Epevjes und Znaim trieben sich die Agenten herum, die in erster Linse slowakische Bauern zur Auswande-' rung zu bestimmen suchten. Die Lmte verkauften meist ihre Habe, wendeten sich nach dem Abschied von der Heimat an die Agenten und wurden von ihnen meist in Trupps über Oesterreich und Deutschland nach Hamburg gebracht. Für Reffe,' Pässe, Visa und Schiffskarte hatten sie in der Regel sehr viel Geld ^geopfert und .mußten sich bisweilen in der Hafenstadt davon überzeugen, daß sie Gaunern in die Hände gefallen sind, die die Lmte in der gewissenlosesten W'effe nur deshalb zur Auswanderung bewogen, hatten, um sie zu betrügen und ihnen Ersparnisse u-nfo den Erlös der Habe für fiktive Spesen abtzuknöpfen. In Men hatte sich das Konsortium als „Schiffsagentie". eingerichtet, ' wo die Auswanderer wertlose Schiffskärten erhielten. Es /gelang der Wiener Sicherheitsbehövde, die Rädelsführer in der Person des angeblichen Advokaturskandidaten Lefkovit's, des' beschäftigungslosen Friedrich Schopftffuu.. und der Bvünnerin Rosa W i n k l e r festzunehmen. Das Haupt', der Bande ist Albert Bl euer, der in Znaim fesigelwmmenl wurde. In 'der Angelegenheit spickt auch ein angMicher. Dpksor' Szabo eine Rolle, der den Auswanderern die.Dokmnente zw liefern versprach, sich ansehnliche Bettäge anszählen--ließ Und die Leute stets -vertröstete. Der angebliche Dr. Szabo tonnte bisher nicht emiert werden. .! :

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