Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1870 (30.4.1924)
- Date
- 1924-04-30
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Eerte S _ Men, Mittwoch' Angelegenheiten" (btt immer politische Niedertracht bewert muß) eine Korrektur des Galgenlsystenrs herdciz-uführen. Der Generalkonrnlissär überwacht bas Budget und die Budget-Gesetzgebung. Es istchm also die Handhabe gegeben, die Ausgaben für bas Militär und die sonstigen Schmarotzer zu überprüfen, und mit den-bisheute nicht erfüllten Besümmüngen des Vertrages von Trianon in Einklang zu .bringen. Schon dieses eine würde Beruhigung schaffen und den breiten Massen der Sklaven und Parias die Ueberzeugung bringen, daß auch die Macht der magyarischen Tyrannen eine Grenze hat. Herr Smith kommt aus freierer Luft mit einer Mission des Völkerbundes, einer Institution des Rechtes. Es ist zu hoffen, daß er sich als Vertreter Amerikas und der Liga der Nationen bewähren wird. Er betritt Ungarn in dem Augenblick, wo Hohler den Abschied nimmt. Hohlers Abberufung.. Budapest, 29. April. (Ung. Del.-Korr.-Bur.) Nach einer >. MeDung des Reuterschen Bureaus aus London ist der englische Gesandte in Buda'pest, Hohler, von der englischen Regierung mit einer Spezialmission nach Mexiko betraut worden. Hierzu meldet das ungarische Regierustgsblatt „Regelt Hirek", das einzige Budapestex ungarische Blatt, das trotz des Setzevstreiks erscheinen darf, aus London: Der Buda- Pester Gesandte Hohler wurde von der englischen Regierung seiner Stelle in Budapest enthoben und in einer Spezialuüffion zum Studium der politischen Zustände nach Mexiko entsendet., . Thomas Beaumont H ochle r, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister, kam im Jahre 1919 als Haupt-bevollmächtigter nach Budapest und wurde im August 1921 zum Gesandten ernannt. Vorher wirkte Hohler eine Zeitlang in Aegypten als -Gefandtschastssekretär, kam dann nach-Konstantinopel und lva-r von 1910 an Geschäfts-, träger der britischen Gesandtschaft in Mexiko. Er gehört zu den englischen Diplomaten, die die innenpolitischen Verhältnisse von Mexiko am gründlichsten kennen und hat auch über seine dortigen Erfahrungen eine gründliche Studie veröffentlicht. Weniger rühmlich ist die Rolle, die Hohler in Budapest unter dem Horthy-Regirne gespielt hat. Hier faßte der englische Diplomat seine Aufgaiöe dahin auf, das t e rroristisch-e Regime in Ungarn zu stützen.und ihm durch günstig gefärbte Berichte gewissermaßen die Mauer zu machen. Wäre an Stelle Hohlers in Budapest ein anderer, weniger reaktionärer Diplomat der Vertreter des britischen Reiches. gewesen, so hätte die Reaktion in Un- ' garn niemals so viel Schaden anrichten Runen als sie es tat und viele Juden uüd Arbeiter' wären am Leben geblieben, Pie von . den ungarischen Atordbandett/ die im der ungarischen Regierung und in best auswärtigen Vertretern, ganz besonders über in Hohler, ' einen Protektor hatten, straflos ernrordet wurden. Hohler hat selbst der englischen Arbeitermission, die unter Führung des gegenwärtigen Ministerpräsidenten Mae Donald vor etwa zwei Jahren zum Studium der Verhältnisse nach Ungarn gekommen war, seine Mithilfe zur Aufhellung der Wahrheit verweigert und der aufsehenerregende Bericht Mae Donalds an das englische Parlament wies zum ersten Male aus die unverläßliche Berichterstattittng Hohlers an seine Regierung hin. Seit dem Regierungsantritt der Labour Party stand es fest, daß Hohler nicht länger auf einem so exponierten Posten, wie der Budapefter es ist, die englische Regierung vertreten könne. Seine Mberufung wurde wiederholt gemeldet und es ist bekannt, daß die ungarische Regierung durch ihre Londoner konservativen Freunde einen Druck aus die Arbeiterregierung ausznüben versuchte, um Hohler in Budapest zu belassen. Nun ist die Mberufung Hohlers Ms feiner rühmlosen Budapefter Wirkungsstätte Tatsache geworden und seine Entsendung nach Mexiko in einer Mission, die offenbar seinen Fähigkeiten besser entspricht, scheint das Kompwmißevgebnis bec Verhandlungen in London M sein. In den ungarifchen Regierungskreisen hat die Abberufung! Hohlers, obzwar sie bereits vor längerer Zeit von der Regierung Mae Donalds in Aufsicht.genommen worden war, sehr verstimmt. Der Ministerpräsident B e t h l e n erklärte: „Dem Abschied Hohlers steht «die gesamte öffentliche M e i n u n g U n g a r n % mit aufrichtigem Bedauern gegenüber. Er war uns während der vier letzten schweren Jahre ein loyaler Freund und stand uns immer mit guten Ratschlägen zur Seite. . Zweifellos tritt er jetzt einen wichtigeren Posten an und unsere w ä r m st e n Sympathien begleiten ihn auf seinem neuen Wege." Die Mische Landwirtschaft in Bebarabien in Sesahr. Kischinew, 28. April. (I. T. A.) Bekanntlich existieren in Veßarabien seit Jahren größere jüdische landwirtschaftliche Siedlungen mit zusammen 10.000 Familien, die 40.000 Hektar Boden oelbauen. Seit einiger Zeit macht sich nun die Tendenz bemerkbar, die beharabilschen Bauern auf Kosten der jüdischen Landwirte zu befriedigen, um so die Bauern für das Verbleiben Beßarabiens bei Rumänien günstig zu stimmen. Der Artikel 33 des Agrargesetzes schreibt vor, daß die mit Staatsboden beteilten Bauern den Boden selbst, bearbeiten müssen. Es. wurden jetzt mehrere Kommissionen' emgesetzt, die..Untersuchungen in vieser Beziehung durchführen und besonders die jüdischen Siedler aufs Korn.nahmen. Dg die Juden aus Mangelt an lebendem Inventar, oft TaAöhndr beschäftigen müssen, wird gegen.isie die Entziehung des Bodens ausgesprochen. Hunderte jüdiIsche Koloniste n stehen jetzt vor der Gefahr, ihr ggsmntes Permägen zu Verl icrcit. „■ ■"i •'Wientzr MoegenUitttM. ,» England setzt tiie Steuer» herab. (Eigendienst der „Wiener Movgenzeitung".) London, 29. April. Schatzlkanzler S n o w d e n entwickelte heute nachmittags im Unterhaufe sein Expose über das.Budget1924/25. Zur großen Ueberraschung des Hauses, -das sich auf das Gegenteil gefaßt gemacht 'hatte, teilte er den Beschluß der Regierung mit, die Einfuhra b g a b e Mae K e n n a s a b 1. Aug ust a u f z u h e L e n. Ferner kündige er solgerrde Steuerherabsetzungen •ober Aufhebungen an: 1 Cent pro Pfund Sterling auf Z u ck e r, 4 Cent pro Pfund Sterling ans T e e, 60 Prozent Ermäßigung der Steuer aus Kaffee, Kakao und Z i ch o r i c sowie der Abgabe aus getrocknete Früchte, der Abgabe auf Mineralwasser und der G e w i n n st e u e r der Aktiengesellschaften sowie Aufhebung -der Steuer aus Theaterplätze unter 6 Pence. Die Einkommensteuer und die Posttarife werden nicht reduziert. Sn-owden teilt mit, -daß sich die vorgeschlagenen Ermäßigungen auf über 34.Millionen Pfund Sterling-belaufen. Sn-owden teilt Weiters mit, daß am 31. März 1924 die schwebende Schuld Großbritanniens sich ans 76,8 Millionen Pfund Sterling belief. England habe seine aus dem Kriege stammenden Schulden an Holland, Spanien, Schweden, Norwegen, die Schweiz, Argentinien, - Japan und Kanada bezahlt. Solbald diejenigen Länder, die England noch Geld schulden, die Rückzahlung ihrer Schulden ausgenommen haben würden, werde es möglich sein, den englischen Steuerträgern -weitere Erleichterungen zu geiwähren. Die. gesamten Ausgaben für daS. kommende Jahr schätzte Snowden auf 790,036.000 Pfund. Seine Schätzungen betreffend die Einnahmen bezeichnete er als optimistisch; sie feien aus 828 Millionen zn veranschlagen, so daß sich ein A'eberschuß von 38,674.000 Pfund ergebe» wurde. Die Mftevfratze. Der Kolonienminister eMärte, daß angesichts der Unmöglichkeit, zu einem Mkommen zu gelangen, eine AbgrenZUngskommission die Grenzen von Ulst er bestimmen werde. Die miMSrMe Ruhrbesehung bleibt bestehe». Paris, 29. April. „Petit Pariisien" erfährt zu den gestrigen Besprechungen der belgischen Minister mit -Poiwe a r e folgendes: Die Konferenz gelangte zunächst zur einmütigen Ansicht, der Reparationstkommission die Vorbereitungen aller Maßnahmen zu überlassen, die die Durchführung des Rdpargtio-nspwnes ermöKichen. Weiterher -wurde beschloffen,' idaß dst' wprffchastliche Räumung der Rühr keinesfals's -auch die Zurückziehung der französisch-belgischen Truppen mit sich bringen - dürfe. Gin bestimmt^ Kontingent «werde an der Ruhr bleiben, bis Deutschland seine Verpflichtungen erfüllt hat. Andererseits 'wurde man sich'darüber einig, die' wirtschaftliche' und admiBstrative Einheit des Reiches nach Beginn 'der Durchführung des il^pertenplanes schrittweise wisderherzustellen. Bezüglich der französisch-belgischen Eisenbähnregie wurde vereinbart, daß die Verwaltung dieses' Eisenbahnnetzes in das allgemeine System der deutschen Reichsbahnen übergehen könne, daß aber die nötigen Maßnahmen zur Sicherung der. ftanzösifch-beWchen. Kontingente an-Rhein und Ruhr getroffen.werden sollen.' Parisien" glaubt -weiiei zü -wissen, -daß bei der Konferenz' die Frage der intevalliierten Schulden iricht berührt wurde. Die Alldeutschen. .Berlin, 29. April. (Tel. d. ,Mr. Mvpgenzeitltng".) Der Alldeutsche Verband erläßt eine Kundgebung, in der die Ablehnung des Sachverständige«^ gutachte ns verlangt und die V^rständigungspoMk als verhängnisvolle Politik bezeichnet wird. Im Innern wird die völkische Diktatur gefordert. Der „Vorwärts" ni-mmt diese Kundgebung zum Anlaß, um an die JuWbehörde die Frage zu richten, wie es denn mit der Untersuchung in der M o r d v e r s ch w ö r u ng gegen -den General v. Seeckt stehe, in die bekanntlich der Vorsitzende des. Mdeutchen .Bevbandes, . Justizrat Dr. C l a ß,. värwMt ist. ' _____ Der 1. Maki» Haste. Der Berliner,Dokalanzerger" erfährt aus H a l l «, daß dort am 1. Mai.die Einweihung des Moltke-Denkmals stattfinden -werde. Mit der Einweihung werde die größte n a t i o n a l e K u n d g e h u n g in Deuts-chland nach dem Kriege verbunden sein. Es -werden 250.000 T eilnehmer erwartet, darunter Feldmarschall H i n d e tt* b u r g und General L u d e n d o r s s. Aus allen Teilen des Reiches sind Mitglieder rechtsstehender Organisationen angesagt. Wie das ,-HaWsche Bolksblatt" mitteilt, hat die kommunistische Partei einen Aufruf an die -Arbeiter zu einer machtvollen Ge ge nde monstra tion am 1. Mai erlassen.' __- Treckt in Münchea. München,. 29. .April.: Der Chef der Heeresleitung, Ge- ' neral >v. S e e-ck tist gxsteM in München eingetrosfen. Er : wird morgen früh einer F e i e n st ü b u n g -. der i gesamten Garnison - Minchens ^beiwohnen,' Man lhetrachchvt > . den dienstlichen Besuch des Chefs -der Heeresleitung als er-»: freulichen Absch I u ß d e r Differenzen, als deren Folge 'der bayrische Teil der Reichswehr eine Zeitlang der Kompetenz dex Bersten Führung entzogen war. v 30. April 1924. i Antisemitische Unruhen in Tunis. Paris, 26. April. (Tel. d. ,,Wr.' MovgettzMr^.) AN< Tunis wird gemeldet: Gestern abends 'LntwiMtM PH aus einer Kafsee-hausschlägerei' in Tunis-Ärieihnä, erhebliche Unruhen. Eingeborene stürmten jüdi-' s ch e - H ä u s e ti Drei Kaffeehäuser des Ortes «wurden ge-' plündert und die Besitzer mißhandelt, ' viele Menschüt' s ch-we r verle tz t. Aus Tunis stellte die gesamte Poligeiverstä-rkung die Ordnung wieder her und «ahnt V erhaftungen vor. Diese StveitiglkeiteN fielen in die Osterseiertage und den Ramasan. Es herrscht große Unruhe in, der Stadt. Die Be-hörden treffen streng -Maßregeln, .' . Die Schliehuug der ftemden Schule» i» Kouftantlnovel. Konstantinopel, 26. April. (I. T. A.) Die tüMfche» Behörden haben sechs Weitere ftemde Schulen geschlossen,-' so daß die Gesamtzahl der bisher geschlosseneu. Schulen 45 auSmacht. 40 dieser Schulen -sind französische und 4 italienische. 1500 moÄemitische Kinder und mehr als 4000 jüdische Kind.er bo-. suchten diese Schulen. Auflösung der magyarischen Vereine in der Woiwodina. Belgrad, 28. April. Zagreber Zeitungsnachrichten zufolge soll die jugoslawische Regierung die Absicht,' halben, auch die magyarischen.Organisationen in der Woiwodina aufzul^en. Sine Konserenr Wer die polnische» Rand« gebiete. , (Eigendienst der ,Miener Mlmgenzertung".) ' Warschau, 29. April. Wie Ihr Korrespondent erfährt, , hat die polnische Regierung beschloffen, in allernächster Zeit eine K o n s e r e n z über die Randgebiete einzube«. rufen, zu der die Obmänner aller SejmklubS eingeladen werden ßallen. Es handelt sich um die Verwaltung der sogenannten Randgebiete, welche die Re-, gierung Grab'ski aus eine lbeffere Grundlage stellen wllh Die ministerielle Expertenkommission für bie Verwaltung der Randgebiete wird ihre Vorschläge vor der Konferenz erstatten, die dann erörtert werden sollen. Dem Vernehme» nach -ist beabsichtigt, im Innenministerium einr e i g e -n e S t e l l e für die Angelegenheiten! der Randgebiete zu schaffen, die in gewiffem AuKMß ein seWstäst. diges Berfügungsrecht haben soll. . Der Staad der polnischen Armee. Warschau 29. April. (P. T. A.) Die BudgitekontMiisfiück befaßte sich in -der heutigen Sitzung mit der Beratung WS''. Voranschlages für das Heer. Kriegsminffter Sikorski mott-' pierte in längerer Rede die Anfpvü-che des Heeres und' er- ' Karte, 'das vom -ehemaligen Kriegsminister ^epthcki mit 733 Milliamn präliminierte Budget habe eine Herabschung aus 605 M-llionen Polnische Zloch erfahren, doch sei dies die äußerste Grenze. Berichterstatter Abg. Szetiwirtynski erMänte unter anderem, daß nach dem neuen Gesetz über die MMtärdienist- Pflicht der Frisdensstand der Armee 350.0000 Mann betragen werde, wähmch er bisher nur 270.0W Mann betragen hübe. ,‘ . - Ae Prager Bemtungen über die MHstung. (Sigendienst der „Wiener Movgenzeitung".) Prag, 29. April. Die Kontwlle der privaten Waffe ne rzeug-untz wird nach den von der gestery ‘ beendeten intewationaken Expertenkonferentz in Prag aw ' genommenen Grundsätzen von jedem ei nz e l ner, Staate i-m Wege des Lizenzsystems au'sgeübt werden. Der internationale Einfluß des Volkerb-undez wird in der diesbezüglichen Legislatur jedes Staates in!dei Äufftellu-ng gewiffer einheitlicher -Prinzipien, di!e bei der Lizenzerteiliung zu befolgen fein werden, zur Geltung kommen. Interessant ist -der Gmndsatz, daß die Lizenz, e r t e i l u n g an solche Personen zu v e r w e i g e r n -se-iv wird, die aus irgend eins Zeitung einen entscheidender. Einfluß ausüben können. ~ Die Prager zoWnterriehuugsaMe. Die Wiener Firma Danubia beteiligt. (Eigendienst der „Wiener Movgenzeitung".); Prag, 29. April. Zu den ZollhiuterziehuNM der Firnn Pev wird noch bekannt, daß sie mit der Firma Danubia Wien, gemeinsam ausgvführt wurden. Im Verlause du letzten zwei Jahve wurde von Oesterreich von (tot genannter Firmen in die Tschecho-Slowakei eine größere Anzahl vor Elektromotoren eingeführt. Die Zollhinterziehung,wuvd in der Weise ausgeführt, daß in die vier Kilogramm, wiegender . Elektromotoren Bleieinlagen gegelben wurden, um ein Gewich . von über fünf Kilogramm zu erzielen. Der Zollsatz ist bei klei uen Elektromotoren bis fünf Kilogramm 6000 K. pro 100 Kilo gramm und für größere Apparate über fünf Kilogramm 3Q0<. Kronen pro 10y Kilogramm. Es wurde, sestgestellt, daß }xi' , Staat um ungefähr 800.000 -tschech. K.. geschädigt würde, -Dis,.. Direktoren s^vastz Äd'i^ar und -Dupoy wstrde'n in Derwahrnngs . Haft' genommen'.' Das^weitMhen-de'/Wlrtsch'astsamommen. ml' Oesterreich gibt die Möglichkeit, auch die Wiener Firm» Dannbia zu belangen. /