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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-27 · Heft 1867 (27.4.1924) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1867 (27.4.1924)
Date
1924-04-27
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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.: Nr. M7 . Wien, Ts^Mtz , Re b ö «i c u f a a l. Montag, V*8 Uhr, „Der B a r- Hier von Sevilla". Kammerspiele. Mittwoch den 80. d., zum ersten Male „D i e Mar h", vier Bilder aus der guten Ge'ellschaft' von Siegfried Geyer. Die Titelrolle stellt Erika G l ä tz n e r. dar. Dienstag den 29. d., geht zum ersten Male im Nahmen der Nachtvorstellungen der dreiaktige Schwank „G e n v r a l G o l d s ch i n" von Annin Friedmann und Gustav Beer in Szene. Neuer Wien e r S t a d t't h e a t e r r Freitag den 9.- d. findet die deutsche Uraufführung der Pariser SensationSkomöhiv „Die schwarze P e r l e^ (Le crime M bpuif) von Monczy Eon und La Fouchardiere statt. Die Spielleitung führt Ferdinand Bonn, der auch eine der Hauptrollen (Dr. Boudon) spielt. Neue Wiener Bühne. Dienstag den 39. d., 7 Uhr, zum ersten Male Karl Kraus' „Tr au m° the ater" und „Traum stück". Carl-Theater. Heute, 6 Uhr nachmittags, bei ermäßigten Preisen die Leo Fallsche Operette „Der f t b etc Bauer"! Heute und ctäglich V,8 Uhr abends, „Der L i e b l i n g v o n L o n d o n". - L ust s p i e l t h e a,te r. Freitag dm 2. d. die Gesangs- Posse „Sie u n d i h r Zimmerherr", von Awin Fyedmann und Fritz Lunzer zum ersten Male. Hans: Niese gastiert in der treulichen Hauptrolle. Modernes Theater. Heute findet eine vom „T h e a t r e G r a n d G u i g n o l" aus Paris veranstaltete - Festvorstellung mit vollständig neuem Programm statt. Zur Aufführung gelangen r ,Za Reeommandation", „L'horrible experience" und „Le saertfice". 7 Uhr abends Wiederholung der Einakter, von Curt Götz mit Valerie v. Martens und dem Autor in den Hauptrollen. 3 Uhr nachmittags zu halben Preisen „I n g e- - bor g." - Kon;ertnachrichten. Mlhelm Backa. Konzert mit Orchester am 60. d., im Großen Musikveveinssaall. Dirigent: Bernhard, Titel. Programm: Beethoven: Konzert C-Moll. Brahms: Paganmi- Variattvnen. Schumann: KoMrt AMov. Einziger Klavierabend-'am o. Mai im Großen Mnstbvereinssäal. Karten an der Musibvereinskasse. (Konzertdirektion Georg Kugel.) __ (Entgeltlich.) Joses Labor gestorben. Gestern ist der bekannte Orgelbirtiuose Josef Labor im 88. Lebensjahre gestorben. Er trat im Jahre 1863 znm ersten Male «als Pianist in Wien auf. Er unternahm Konzertreisen als Orgelvirluofe in Deutschland, Belgien, England, Frankreich mb Rußland, komponierte viele Klavierwerke. Quartette, Quintette, Konzertstücke, Variationen usw., unterrichtete in Orgel, Klavier und Harmonium und erwarb sich Weltruhm. Bei seinen: 70. und 80. Geburtstag war er Gegenstand vielfacher enthustastifcher Ehrungen. Aus Anlaß der Feier des 80. Geburtstages-wurde von begeisterten Freunden seiner Kunst der „Labor-Bund" gegrimdet. Labor hat an mehr als 1000 Orgeln in den verschiedenen Ländern gespielt und überall große Erfolge erzielt. Am 26. v. M. gab er sein letztes Haus-konzert. Vor einigen Tagen war er an Grippe erkmnkt, infolge des hohen Alters verschlimmerte sich der Zustand und gestern mittags trat der Tod ein. Labor wird wahrscheinlich in einem Ehrengrabe bestattet werden. ' Saisonschluß in der Jüdischen Bühne. Die Jüdische Bühne (2.'Bez.,. Dabo-rstraße 12, Hotel Stephanie) .schließt ihre diesjährige - Saison auswärtiger Verpflichtungen Wher bereits Mittwoch den 30. d. An diesem Tage -gelangt ms Zugstück dieser Saison. GoMevgs Komödie „A u f S o m m e r fr i Is ch e", zum letzten Male in dieser Saison zur Aufführung. Die weMiche Hauptrolle wird von Fräulein Markowa dargestellt, d:e männliche Welt Direktor I.. De nt sch. Der Gong, das neue Figurencheatkr in der Hofburg (Grillparzersaal) bringt heute Sonntag um halb 4 Uhr eine Kindervorstellung. Abends halb 8 Uhr wird die Oper „La Serba Padrona" iviederholt. Mittwoch den 80. d. gelangt „Ein Gelöbnis" nach Poeci zur Aufführung. -.Im Staatsopernorchester wird Wulfs Beisetzung einer Stelle für das Instrument zweite Violine ein KonkurrenAPiel abgchalten.'zu'welchem sich nur bestqualiifizierte Bewerber bis längstens 10. Mai dieses Jahres in der DirSktionskauül-ei des Operntheaters schriftlich anmelden wollen. Charlie Chaplin studiert den Hamlet? Amerikanische Blätter melden,- >daß der. geniale Wmdavsteller Chaplin gegenwärtig den Hamlet Wdiert. Die zünftigen Schauspieler nehmen diesen Entschluß Chaplins mit gemischten Gefühlen auf. Der bekannte amerikanische ShakespeareLdarsteller SotHern soll sich folgendermaßen geäußert haben: „Chaplin ist gewiß ein Künstler. .Außerdem sieht er gut aus, was hei einem ShäkefPeare'schen Helden sehr ins Gewicht fällt . .. Und daß er strebsam, fleißig und nicht unbegabt ist, können schließlich auch seine Feinde nicht bestreiten. * Armin T. Wegner, unseren Lesern durch seine trefflichen Arbeiten essayistischer tone erzählender Art, die in der,,Wiener MorgeiHeitung" erschienen sind, wohlbekannt, wird, wie wir erfahren, demnächst in Wien zwei Vorträge halten, in denen er das- Martyrium der Armenier darlegt. Wegner, der die Verhältnisse im OrieM aus eigener Anschauung genau kennt, will mit diesen . Vorträgen, die das, was sie Vorbringen. durch Aufnahmen beweisen, die AÄmerk-' santk-eit der Kulturwelt auf die Leiden der Armenier lenken, damit so ein Weg gefunden werde, umdem unglücklichen Volke Hilfe zu bringen. Die „Fledermaus" in Paris. Gin Zyklus deutscher Auf- Uhrnngen der .MedermauS" wird in Paris geplant. Mit der Ausführung des Projektes beschäftigt sich Gcheimrat Rainer Simons, der frühere Direktor der Wiener Bolksoper. Die BechaMungen sind sehr weit gediehen. Vera Schwarz, die von Beginn der nächsten Saison an dom Ensemble der Wiener Staatsotoer angchört, wird die Rosalinde/ Richard Tauber den Eisenstein singen.. Bekanntlich werden die beiden Künstler auch - in der neueinstudierten Aufführung der .MedennauS" an der Wiener Staatsoper im Herbst auftveten. Zur Handel-Renaissance. Äm Badischen Landescheater in Karlsruhe gelangt heute die dreiaMge Oper ,Mmerlan", zu der Nicola Hayn den Text und Georg Friedrich Händel die Musik geschrieben hat, zur AuGühruuü.. Die teMche Neugestaltung stammt von Anton Rudolph,'die neuen Seecorelzitatide und die musMische EWUdievung von Hermann Roth. „Don Juans letztes Abenteuer", eine Oper Georg Graeners, in Wien noch unbekannt, aber in Deutschlano. vielfach erprobt, gelangt im Berliner Deutschen Opernhaus unter der musikalischen Leitung von Wilhelm Freund Mitte Mai zur Erstausführung. Das Werk wird von Doktor Goovg Pauly in Szene gesetzt. .. . „Die Rose vom LiebeSgarten" in München. Hans; PfrtznerS romantische Oper ,Me Rose vom LiebeSgarten" kam am Münchener Nationalthearer im Osteusonntag neu einstudiert heraus. Hans Knappertsbusch leitete -den orchestralen Dchll der KWHhrnng, Max Hofmüller den szenischen. — Und Sei uns schlummert das Werk, seitdem sich kem Gustav'.Mahler dafür einsetzt, tm verstaubten Archiv der - StaatSoper. ■ v;.: * SDa9 Oesterrdichische, Komitee^ bei Internationalen Gesellschaft für neue. Musik veranstaltet gemeinsam mit der Gesellschaft zur Muderung moderner Kunst Dienstag den 29. um 7 Uhr abends in der - Sezession einen lnternation a le n Abend mit Werben von Bloch. Hallfter-Escviche- Milbaud, Salazar, Schönberg, Stravinsky und Vycpalek. - Aussührende: Ruzena Herlinaer, Dr. Ernst Bachrich, Rudolf Reti, Pros. Fvichr. Wührer, Prof. Iacq, van Vier, Professor VA. Pollatschek, Rudolf Koltsch, das Kmisch-Ouartett. Iungtsckrchlsch^ Zeichnung, und Graphik in der Kristallgalerie (9. Bez.,' Wämingerstrahe. 2). Im Nähmen diaser Ausstellung finden noch folgende zwei Vorträge statt: Dienstag am 39. d. um 8 Uhr, A. Trcka, eigene Lyrik; Samstag am 3. Mai um.8 Uhr, tfchechischer Volksliederabe'nd (unter 'Mitwirkung Fr. F. Parisova, Opern- und Kanzevtsängerin und Prof. Egon Lustgarten). KunstMorische Kurse in Venedig. Die Hochschule für Staatswissenschaften ' in. Venedig veranstaltet auch heuer im Palazzo Fosoari in Venedig in der Zeit vom 1. bis 13. September/men allgemein zugänglichen Spezialkurs über italie-f nische und besonders veneziantsche Kuiift und Güschichte für ' AnSlünde r. Das Programm umfaß t unter anderem: Venezianische Kunst (goldenes Zeitalter), mit Mhvung durch" die Museen und Galerien; Geschichte Venedigs (mit Archivbesuch und Bibliothekssührung); ferner Vorträge über die Geschichte der italienischen Medizin und Geschichte der Musik (mit Symphomekonzevten der' St. MarknsMpelle).. Die Teil». nchmevgchühr beträgt 300 Lire. Auskünfte erteil) die Segre- - teria. de: Cors: per Stvanicvi, Ca Foscari, Venezia. Gerichtssaal. Ler „Seelensürst" und seine Wertane«. Vor dem Zivillandesgericht als Berufungsinstanz farvd kürzlich die Ueberprüfnng zweier Beschlüsse des Bezirksgerichtes Margareten statt, mittels welcher.die beschränkte Entlnündigung des 86jährigen Leo P a w il i tz k a, eines ehernaligen Kassiers der Anglo-Austrian Bank, mW der 27jährigen 'Mitzi' Schneider einer ehemaligen Beamtin desselben Instituts, wegen Geisteskrankheit ausgesprochen war. Pawlitzka wurde im Juni 1922 vom Kassierposten enthoben, tveil er gewissen Anordnungen der Direktoren nicht Folge leistete. Gr erklärte, daß ihn: der Banbberuf unleidlich geworden sei, weil er seinem h o h e n s it tili ch e n E m Pf i n d e n und seiner E t h i k n i ch t' entspreche. Pastlitzka verließ die Bank und wußte drei seiner KolleiMnen, welche in.ihmühreu Meister und ihr Vorbild erblickten Und blindlings seinem Diktate folgten, zu bewegen, das Gleiche zu tun. Cr stellte der Bank Bedingungen und verlangte die Entfevrmng dreier Vizedirektoren. Pawlitzka, der die Beamtin Schneider schon seit. viÄcn Jahren kennt, wußte, fie unter seinen Einfluß zu bringen. Sie wurde das willenlose Wertzeirg des-von fanatischen Ideen erfüllten Mannes, verließ die Bank und das eltevliche Haus, zog zu -den An gehörten Pawlitzkas undbetätigte sich in deren Miedergeschäft. Sie erklärte, daß sich, die' Welt und auch ihre Angchörigen zu der hohen Ethik und Sittlichkeit ihres Freundes, den sie als „Seelenfürsten" bezeichnete, eben nicht echeben könnten. Die Psychiater hatten in einem 42 Seiten, umfassenden Guta chten beide für geisteskrank eEärt. Die "Sachverständigen Wen hervor, daß Pawlitzka -formell logisch denke und spreche, eil:e sittlich bochstehende- Persönlichkeit ' sei, seine Ethik und die Reinheit seines 'Charakters stünden außer Zweifel, doch leide er nach Art der Paranoiker an Weltverbesserunigsideen. Sein Selbstgefühl sei krankhaft entwickelt, was sich in der Anmaßung emer Führerrolle kennzeichne. Die Schneider sei seine Hörige. Im Bewe:8verfabren wurde festgestM, daß die Freundschaft der beiden jenseits jeder Erotik stehe. Das Landesgerichl bestätigte die Entmündigung beider-Personen. In der Begvündunig wurde erklärt, es se: dem Pawlitzka letzten Endes nur 'um Sensation zu tun. Das ganze Bild des Mannes sei der T y p u s d e r Paranoia. Die Schneider stehe unter dem Einfmffe des unheilbar Geisteskranken, wes-- halb es geboten sei, sie beschränkt zu entmündrgen. Gegen diese Entscheidungen brachte der. Vertreter der. Entmündigten den Rekurs an den Obersten Gerichtshof ein, der in dieser Sache das letzte-Wort zu sprechen hat. Ae Delogkemng einer 7ü8hrigen pensionier, te« Lehrerin. Ein Prozeß um eine von der Gemeinde Wien durchgeführte Wohnungsanforderung und Delogierung ist heute — nach viereinhalb fahr :g er Dauer beim Bezirksgerichte FünHanS (LaBesgmchtsrat Dr. Mitterlechner) zu E:we gelangt. Der Fall hat auch den Verwaltüngsgerichtshof und den Berfassungsgerichtshof. beschäftigt. Es liegt ihm folgen-. der Tatbestand zugrunde:-Am 4. September 1919 wurde, der Frau Regma Kapper, einer pensionierten Lehrerin im Älter von 74 Jahren, ihre im Hause, 15/Bez.', Vogelweidplatz 12, gelegene Wohnung angefoÄert, weil sie angeblich nicht benützt w:rd. (Frau Kapper hat die Zeit bet ihrer Tochter zugebracht und be: der Wege des kranken Schwiegersohnes mAgewirkt.) Gegen die Anfocherung hat Frau Kapper sofort an das magistratische Bezivksamt eine Eingabe gerichtet, in der allerdings die U n t tz r s ch r i s 1 f eh l te. Aber schon aus den einleitenden Worten und dem weiteren Verlauf-des Schriftstückes war zu erschen. daß es sich um den Einspruch der Genannten und nur um diefen harchelt. Der damalige' Senat, für Wohnungsanforderungen hat äm 16. Oktober 1919 eim Einspruchs- Verhandlung anberaumt, zu der die Eilrsvruchswerherin nicht.geladen und von deren Durchführung sie auch nicht verständigt worden ist. Ihr „Einspruch" wurde abgewiesen, well angeblich ihre Eingabe (weil nicht unterschrieben) nicht als „Eürspruch" anzusthen sei. — Einige Tage später hat sich der bisherige Untermieter der Fran Kapper, der Privatbeamt« Arnold Färber, um die Wohnung beworben und sie auch zu me wiesen erhalten. Die Einrichtungsgegenstände der Frau Regina Kapper wucken seitens der Gemernde Wien aus der Wohnuug befördert und in einer ihrer Depotstellen eingelagert. Frau Kapper hat dann wiederholt durch chren Vertreter versucht, eine Abschrift der Entscheidung^ des Senates über die Abweisung «ihres Einspruches vom 16. Oktober 1919 zu erhalten. Erst am 24. Jänner 1921 ist es ihr gelungen, eine solche Abschrift zu erlangen. Auf Grund dieses Wweifungs- ' befcheideS konnte sie die Beschwerde an den VerwaltungSg « r i ch t Sh o f einbringen. der auch st a t t g e g e b e n wurde. Die Anforderung wurde mit Entscheidung vom 24. Juni 1921 aufgehoben. Nunmchr versuchte sie, wieder in ihre Woh- I „Wiener Morgenzeitmg" I 27. HM tm ” " Seitze M nimg zu gelangen.. Der neue Wohnungsinhaber Arnold FLtz« ) h e r weigerte sich, die Wohnung „heräuszugeben" und die meinde Wien lehnte es ab, ihn zu delogieren und äußerte M / hyhin. daß sie „auf die Anforderung am 29. August 1920 verzichtet" hätte.- Daraufhin hat Frau Kapper den Weg zur Metkommission beschritten; im Jahre 1922 hat sich auch der V^e r- , 'ä s s Ün g s'g e r i ch t sh o f m:t der Sache beschäftigt, und zwar mit her Klage der Frau Kapper gegen die Gemeinde Men aus Beistellung einer Wohnung. Diese Klage wurde abgewiesen. In der Entscheidung wurde ausgefichrt, daß zwar > owohl die Anforderung als auch die zwangsweise Räumung dieser Wohnung ungesetzlich gewesen wären, daß über die Klage dennoch abgewiesen werden muffe, weil Art. 23 des Geetzes vom 1. Oktober 1920 die Haftung der bei der Gemeinde angestellten Personen fiir durch sie erfolgte Rechtsverletzungen zwar in Aussicht stellt, ein solches Gesetz bis heute jedoch Ncht erschienen ist, weshalb eine Schadenersatzpflicht der Gemeinde wegen Verschuldens ihrer Organe nicht besteht. — Nach diesem abiveisenden Bescheid des Verfassungsgerichtshofes bat Fvaü Kapper wiederholt vergeblich von der Gemeinde Wien die Rückstellung ihrer Wohnung begehrt -und das Bezirksgericht Fünshaus zur Entscheidung angerufen. Der Mietsenat hat dem lLinspruch gegen den Beschluß, mit den: die Rückstellung der Wohnung seitens der Gemeinde verweigert wurde, stattge-; e b e n. In der Begründung des gestern gefällten Urteils ourde u. a.- gesagt: Es erscheint mit Rücksicht aus den Tatbestand der Einspruch vollkommen berechtigt. Es mußte ihm nach dem Anfovderungsgesetze stattgegeben werden. Die Weigerung der Gemeinde, die Wohnung zurückzustellen, weil sie ans!>ie Anforderung derselben schon mit Dekret vom 29. August 1920 verzichtet hat, ist völlig unhaltbar, schon aus den: Grunde, weil )a eine Anforderung, die n i e m-i t R e ch t erfolgt st, nie vollzogen werden kann u:td nie hätte vollzogen werden ollen. * Der AM« vor Gericht. Ein Eisenbahnzusammenstoff auf der Aspangbahn. Aus Wiener-Neustadt wird uns gemeldet: An: 1. Fe» )ruar ereignete sich auf der Aspangbahn ein Zusammenstoß" Ünes Perisonenzuges nut einen: Lokomotivzng der Südbahn, )ei dem 12 Personen verletzt wurden. Der Wächter hatte das Lignit „babnfrei" gegeben, während die Signa'hütte von .der Station aus, das Hältesignal gegeben hatte. Als schuldtragend varen. die Lokomotivführer Dominik Kleidernigg und Kosef Komposch wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens angeklagt. Der Inspektor der Bundesbahnen Winkler bezeichlete die Geleifeanlage an der kritischen Stelle als unzmängich. stompvsch verantwortete sich dahin, daß er streckmrnkundig war und durch die große Liauchentwicklung das oaltesignal nicht gesehen habe. Kleidernigg, der die strecke kmmte, erklärte, daß er im letzten Momente nicht uohr -das Unglück verhüten koMte. Als der Richter in der Verhandlung an einen Zeugen Sie Frage richtete, was seiner Ansicht nach den Unfall veravsacht' habe, ries aus dem Auditorium eine Stimrne: ,,Der flbbau", worauf die anwesenden Zrchörer, zumeist Evfen-? ahn er, in Zustimninngsruse cnlsbrachen, so daß drc .sichrer mt der Räumung des Saales drohte. Der Richter schloß sich V^en Ausführnngei:: des Verteidigers an, der erklärte, daß die Hauptschuld auf seiten der Bahn liege, weil dorthin ein Stock- »•.rnU/t ««{in«.. «..«iS? v o.4 hoviitvfivtTfii gehöre, und sprach. K o m P o s ch f r e i, vemrtellte ernigg bedingt zu., sechs Wochen Arrest. kleidernigg Tschechische »der österreichische Kronen? Aus Prag wird: uns berichtet: Gestern wurden zum erstenmal eine Klage aus den sogenannten Placamentverträgeu der Phönix- Lebensvevsicherungsgesellichäft vom Handelsgericht stattgebeuid entschieden. Ein Knegsanleshelbesitzer übergab dev Olnvützer FÄale des Phönix eme Anzchl von SchuildverlschveWnngm und schielt daifür eine VerfichemngspoliM, in der sich die Gesellschaft verpflichtet, im Ablebensfall oder bei Erleben nach zchn Jahren einen bestimmten Betrag auszuzahlen. Der Verkaufswert der. Krieg s a n «l e i h e wurde. Äs einmalige Versicherüngsprämie angenommen. In der Polizze ist auch das Auflöfungs- und Rückkaufsrecht des Versicherten nach Ablauf von drei Jahren festgeisetzt. Die Gefellschaft verweigerte die Zahlung des festgesetzten Rückkaufsbetrages Mit der Begründung,. esliege kein V e r s ich e r u n g sv er trag, sondern ein Placementv ertrag vor, der der Abrechnung beim Eleavinginftitut der Landesbank unterliege. Im übrigen könnten nicht tschechische Kronen, sondern nur österreichische Kronen verlangt werden, da der Phönix seinen Sitz in Wien habe. Das. Gericht gab der Klage jedoch statt, indem es ans Grunid der Polizze. die s'ämmche Bedingungen eines VersicheMngsvevtrages. aufwies, entschied, daß kein Placement-, sondern ein Bersicherunasvertrag vovliege und der Kläger daher mit Recht die Zahlung, des RüNausbetrages verlangen, könne, chne die Vermittlung'des Clearinginstituts a^nrufen. Femer bestehe eine Filiale oes' Phönix in Ölmütz, daher sei die Gefellschaft verpflichtet, tfchechifche Kronen zu zahlen. Hochstapler — eine zulässige Bezeichnung für einen untreuen Ehemann. Der Fabriksaugestellte Friedrich Dew«a«ld wurde von feiner Gattin auf Ehescheidung geklagt, weil er ein Verhältnis mit einem Mädchen unterlhaltc, das sich als seine Braut ausgebe und-das Bild .dieises ihres ./Bräutigams" herumzeige. Er selbst habe sich, ihr gegenüber ÄS ledig ausm und ihr die Ehe vevstwochen. Er habe mit ihr Bälle t, Ausflüge mit ihr gemacht uifw., was allein, schon zur leidung genüge, wenn auch der Ehelbruch nicht direkt nachweisbar sei. Der Angeklagte bestritt, daß er unavlaubte Beziehungen mit den: Fräulein unterhalte. Wenn aber schon die Ehe geschieden werden solle, fo sei sie aus dem alleinigen Verschulden der Gattin zu scheiden, .da sie ihn vor Zeugen einen Hochstapler" -genannt habe. Der Klagevertreter bein-erkte darauf, m\\ die -Hochstapelei nicht als EtgentumsdelM, sondern mit B-czug auf die eheliche Untreue des Mannes gemeint sei. ein untreuer Ehemann sei gewissermaßen ein Hochstapler der Ehe. Zu dieser Auffassung kam auch das ZivMandesgericht, indem es die Ehe aus dem alleinigen Pevschulden des Mannes für geschieden erklärte. Das Verhältnis des Geklagten zu dem Adägchen, o b i n t i m o d e r n: ch t, bilde einen Gyescheidungsgrund, dagegen sei der von der Klägerin gegen ihren Mann gebrauchte Ausdruck „Hochstapler" eine natürliche Reaktion gegen das Verhalten des-Mannes. Das Oberlandesgericht hat die Beruifuna des Klägers mit der Begründung abgewi-esen, sein Verhalten gegenüber dem Mädchen sei nicht, wie er behaupte, als harinlos anpifehen. überschreite virstuchr weit' die Grenzen des Erlaubten uh’t bedeute eine schwere 'Kränkung der Klägerin in ihrer Frauenehre. Dagegen liege-kein Verschulden auf Seite der Kllägerii' vor, da der von ihr gebrauchte Ausdruck „Hochstapler" nu: mit Bezug auf die eheliche Unaufrichtigkeit und Unchrlichkeü gemeint sein kann. ■ Ein ukrainischer Pogromführer zu zehn Jahren Gefangnii verurteilt. Ans Moskau berichtet I. T. A.: Attamar Shpak, einer. dev Führer der, Petljura-Banden wurde vom Gericht der Älnstiftung zahlreicher Pogrome gege: die Juden in der Ukraine schuldrg befunden nud pirt Tobt verurteilt. Das Urteil wurde dann -aber in zeh: Jahre G e f ä n g n is umgewan>delv

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