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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-27 · Heft 1867 (27.4.1924) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1867 (27.4.1924)
Date
1924-04-27
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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T-TT--rflt-wy V«V!»^Zchv, Kefte W . '' Dien, SonMtz'"^" Böhne und Kunst. M Hebe Ml" (Gastspiel Elisabeth 'Bergner. — Raimund-Theater.) Kürzen, kürzen, Herr Direktor Beer! Zu dom Stück ^Sechs Personen suchen einen Autor" ward uuibMmmert hinzugedichtet. Zum Ausgleich eurpfchlen wir, Frau Zucker- LaMs Uebertragung dieses Lustspiels von Sacha Guitrtz ausgiebig zu streichen. Das Beiwerk ist tüchtig zu beschneiden» das Füllsel ist erbarmungslos herauszuholen. Dann bleibt ein zartes, frohes Liübesidyll, gang iÄstlich frisch und mit einem gar Worten Horizont. Elisabeth Bergner spielt ein junges Mädchen, das von einem herzhaften, unverderbten Mann geliebt wird und diese Liebe durch die süße Entfaltung ihres frohen, gesunden Wesens belohnt. Der Referent, der sich nichi vovwersen muß, damals, als sie an der Neuen Wiener Bühne recht unbemerkt und unbedaillt ganz herrlich Theater spielte, die Bergner verkannt zu haben, stellt fest, daß dieses entzückende Spiel zu Zweit nur einen Schimmer der eigenartigen, kräftigen, von Humor und knabenhaftem Schmiß sprühenden Künstlernatur scheu läßt. Sie muß diesmal mit Pafiellfarbeu arbeiten, ein Lhrikon hiuhauchen — und sich leider gar schr bändigen. So schr, daß sie — man hat es ihr recht roh aus die Bichne gerufen —.in unmöglichem Flüsterton verfällt. Trotzdem: Auch nur das Zipfelchen Frohmut und erquicklicher Mädchenklughelt (ganz ungowitzigte, unberührte, aber urkräftige), das sie in dieser Rolle speichen darf, war schon reiche Gabe. Das nämliche Publikum, das sie während ihrer Mener Jahre übersah und sie bei ihren: Abschiedsabend. int VvvtragIsaal so ziemlich allein ließ, drängte sich an den Kassen und am Schluß nahnr der .Jubel kein Ende. Anton Edthoser war der scharmante Partner der Bergner. Wenn man nach der Premiere so vernünftig war, die Dielen Ueberflüsfigkeiten auszuurerzen, ist jetzt den Theatergästen ein duftender FrühlingsabeUd geischeOt. O. A, Aus dem Burgtheater. Im Burgtheater gelangt im DLouai Dcai zunächst Maughams Schauspiel ,Aas Abenteuer in China" zur deutschen UrauWhMirg. Dann wivd Artur Schnitzlers ,Z)er Schleier der Boatriee" — ebenfalls noch im Laufe des Monats Mar — in Szene gehen. Im Akademietheater wird die nächste Erstaufführung Nestrohs „Der Zerrissene" mit Willi Th aller in der Hauptrolle sein. Ferner wird an dieser Bühne Paillerous Lustspiel „Die Maus" gegeben werden, wobei Frau Mayen die Rolle der Frau Reith übernimmt. DaS Schönbrunner Schloßtheator wild anfangs Mai mit einer Aufführung von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung" eröffnet. Die Hauptrollen find mit Herrn Aslan und Frau Pinkosdy bchetzt. — Die gestrige Meldung eines Wiener Blattes, ein Burgtheaterensemlble werde auswärts gastieren, wird von der Direktion des Burgtheaters als unrichtig bezeichnet, da der gleichzeitige Betrieb dreier Buhnen in Wien auswärtige GasWele nicht gestattet. " Wrenev Morgenzertuns. Vie bekannte Firma „Zur Blusenkönigin“ hat ihre erweiterten Verkaufsräume neu adaptiert und nunmehr eröffnet /// Den P. T. Damen ist Gelegenheit geboten, aus dem reichhaltigen Lager der neuesten Frühjahrsmodelle ihre Einkäufe in Kleidern, Mänteln, Kostümen, Blusen und Jumpers zu besorgen ftf 5038 WIENER MODENHAUS „ZUR BLUSENKÖNIGIN« Inhaber: M. WEINSTOCK WIEN, IX. ALSERSTRASSE 32 Telephon 22-045 FLEISCHHAUEREI SIEGM. KORN ME HL, WIEN Hauptgeschäft: IX. Berggaeae Nr. 19 .— TOD KoscherFleisehbankin Währing XVIII. Bez., Währlngorstrasse Nr. 97 unter Aufsicht des Khrw. 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Die Abende der Internationalen Gesellschaft für neue Musik haben nicht nur durch die ausgesührten Werke, sondern auch durch die MitwirLenden und das Publikum ihr besonderes Gepräge. Neben jenen, die mit dem .Herzen dabei sind, begegnet man hier gewissen Snobs, die bei allem Neuen dabes gewesen sein müssen, ferner radikalen Umstürzlern, die eine andere musikalische Welt ersehnen, und Mitläufern, die ein halber Zufall ins Konzert gebracht hat und die nun fassungslos den EmignUeu ge.genübe.r stehen. Auch m den Wrriken selbst, die durchaus dem ehrlichen Ringen nach modernem Ausdruck enitspvungen sind, ist eine gewisse Mischung von Alt und Neu, von Gewolltem und Gekonntem, von Gefühl und Intellekt zu erkennen, ohu>r daß jeweils der richtige Ausgleiche erzielt wäre. Fünf Sätze für Streich- 'MUtett tm Kndm Webe r n und MsvrwMMcko Mau " 27. April im ' tik> im ■ -—--—---— ... r; Bergs von aphoristischer Kürze scheinen uns jienseits tmt Schön amtib Häßlich aller herkömmlichen AeschetiL zu stehen^ Wie anders wieder vier Lieder von Karl Horwitz, imtig euipfnndeu, voll krastvoll vornehmer Melodik, die durch einen klaren Klaviersatz gestützt wird. Ganz modern und dabei derstäMich und fesselnd, die gchaltvollen Virtuosen Klavierstücke von Paul A. P i s k: bald zart und verträMnit, Wb mipetuos vorwärts drängend, bringen sie eine Art Schnnvcmnscher Lyrik, die nicht nachgeahint, sondern durch ein modernes' Temperament zeitgemäß neu erfühlt ist. Eine iirtoveflante SolMMnsonate von Egon Wellesz, überraschend kurz und asketisch, verbindet ältere MusAvokabeln der Bachschrn Zeit mit modernen Wendungen zu eigenartig herber Dou--. spräche. Zwölf kleine Stücke von Josef Matchias Hauer für Klarinette, Klavier und Streicher klingen nicht übet, sind srMch mchr ans dem Klavier als aus dem Geiste der Kaumwrmusik heraus geboren und verraten trotz aller hochtrabenden Ueberschriften eine bescheidene Begabung für kleine Formen. Sie liegen fernab von jeder Ätonalität, welche Hauer beLamEch theoretisch innner wieder verficht und praktisch innner wieder ad absuMnu führt. Im Streich-. quartett, Opus 7, von Rudolf Ret'i klaffen altcxlct Lücken und Gegensätze: leidenschaftliches Erleben, da und dort prägnante Einifälle, die nicht recht organisch ve-rbnuden sind, arge Dehnungen, Mangel au Stilreiicheit, Verquickung ganz verschiLdeuartiger AuSdmcksmittel; dies alles zeigt, daß Reti in seiner Tonsprache noch nicht zu bändigen Vevniag, was seineui übervollen reiuen Herzen entströmt: muDalische Aphasie eines lerdenschastlichen Musikanten! UnLingeschräEtes Lob verdienen alle MllwivLenden des Konzertes, namentlich die Herren Kolisch, PollatscheL und Wührer. Ein Abend des Rose-Quartetts mit Alsrad Rose am Klavier brachte ein in Men noch mibMmrtes Klaviorqu'intett des Polen Ludomir v. Rozycki. Jhns gab Gott wohl die Tonsprache, um seine eigenen urusikalischen. Gedanken zu verbergen. Seine schniachtende Melodik und farne dürftige, in schalblynerchasten Sequenzen ansgelbairte Havmo-« nik, die der Mchrstiniimigkeit wenig Ramn läßt, beruft sich auf alle möglichen Tondichter von TschaAowslky mid Debussh bis zu Strauß und Skrjabin; nur eigenen Ton und eigene Farbe mag er nicht baßeunen. WÄch quälende Lange und noch dazu zwei lanigsiame Sätze hintereinander! Es war keine erfvouLiche Bereicherung des Rose---Repertarrs, fßb Sezesfio«. JM»s J«Sck. , . . Me Sezession hat für ihre letzte Ausstellung gW deutsche KünsLer als Gäste eingeladen, die einander in ihren SK». bestrebungen ähnlich sind, beide eine gewisse Große der Auffassung bezeugen und schon dadurch sich von den Werken der Wiener Sezessionsmitglieder abhoben. Die deutsche Gegestwartkunst hat ihnen einen vornchmen Platz angewiesen, wenn Mch chre Stellung noch nicht fixiert und ihr Entwicklungsgang auch noch nicht aus einer einen UeibevMck gestattenden Hohe angolangt ist. Der Münchener Julius Hüther stellt seine Darstellungswelt in grelles, ungetrübtes, südliches Sonnenlicht. DaS vegetative Dasein der Naturvölker findet in ihm einen kraftvollen, bisweilen bmtalM SchAderer, der das Primitive wie das Häßliche-Trostlose in Mensch und Landschaft mit gleicher Liebe wiedergM. Sudanesen, Kolumbier, Vorstadtbuden und Kleinstadtmärkte bringt er in wundervoll anfleuchtenden, meistechast getönten Farben, das Motiv in Groteske steigernd, wenn er Bewegung und Luft ineinander komponieren will. Neben Hüther erscheint WiL) I a e ck e l elementairer mck dramatischer. Seine Kompositionen erinnern in Hrer Wucht und in ihrem Ausdmckswillen an Michelangelo: eine seltene Mischung, von gotischen und barocken Formen, die in Länwni-- sche Landschaften gesetzt sind und in ihrem StimmuugsgchM Beethovenscher Musik verwandt sind. Aber diese musMtevavische Bergleichswelt tangiert den Kern foiner Kunst durchaus nicht. Sie gibt bloß dm Mord an, die Mittel sind stets malerischer Natur. JaeM strebt in seinen Problemen einer Vereinfachung zu, die man am besten mit dem Wort- ^Herbheit" bezeichnen kamr. Wie er die Menschen in das Kolossalische des Raumes hinoinstellt, ohne sie als Kreaturen tieferer weltlicher Ordnung zu charakterisieren, ist sein gwßes künstlerisches Geheimnis, ist zum Teil auch seine WeltMschauung. Baum, Berg, Himmel, See, Unendlichkeit — sie sind Genossen des Menschen. Auch im Porträt zeigt sich diese großzügige Auffassung, das Streben zur Monumentalität, die das Menschliche cher erhöht als abschwächt, stempelt ihn zu einem Schöpfer größten Formats. Achwlichkeiten mit HMer machen ihn Vicht kleiner. Neben Hücher und Jaeckel müssen die offiziellen Vertreter der Wiener Sezession naturgemäß in den Hiut-ergvuud treten. Gute, solide Arbeit ohne Höhepunkt, wem: auch mit Ambitionen, kennzeichnen das Niveau der Ausstellung. Wenn ich Namen wie Wieden, Hänisch, Bouvard, Dübrowsky, Kitt, Stoitzner und den PlasMer Alfred Hofmann nenne, so geschicht dies .ausnahmsweise ohne jede Berautwortlichkeit.; Oskar R o senfel d. Aus de« Aeatem. B u r g t h e a t e r. Morgen, als Millionär." Dienstag Richard der Zweite". A k a d e w i etheater. Morgen, 7 Uhr, „D er B a u ts den 29. d., „K ö tt f. o 7,8 Uhr. „D e , w v f#° //<V V;1 utc Köuig". Dienstag den 29. d., l/s8 Uhr, „Dil S ch mette rlingsschlach t". S t a a t s o p e r. Morgen, 7 lchr, zu besonderen Preisen »Der Maskenball" (mit Frau Kurz ,und Herrn Pieeaver). -ra-va* l^3MMIMHg

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