Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-04-27 · Heft 1867 (27.4.1924) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1867 (27.4.1924)
Date
1924-04-27
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980950--18730-3005820
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

l&itfe 8 Men, Sonnkvg Wiener Martzenzeitung. 27. April im M. mt j Suppe, GemHe uulb ettimctt in der MoDphn Dekagravick s Fleisch. Das Gemme und die Kartoffeln werden von Straf-, silmgen selbst auf dem Felde ange'baut. Besonder-'die''BuWn- ^bänider, von denen eine ganze Anzahl zu den unfreiwilligen -Bewohnern der Anstalt gehört, zeigen, sich für landwirtschaftliche Arbeit sehr geschickt und willig. Gelernte. Arbeiter worden nach Dunlichkest in ihren Berufetr beschäftigt. So werden in der Schlosserei, Tischlerei, Buchbinderei und Korbflechterei einfache Arbeiten fabriksmaßig hergestellr. Die Sträflinge ' decken so einen Teil der Kr sie aufgewendeten Kosten durch ihre eigene Arbeit. Bon 1 bis 4 Uhr ist wieder Unterricht, dann gibt es Mendbrot, das aus einer Schüsse! Äemüse besteht. Dann dürfen sich die Häftlinge mit Spielen wie Domino, Schach. Dame nsw., beschäftigen oder lernt Bücher aus der Anstaltsbibliochek. Auch eine kleine' Musikkapelle, diaus Sträflingen besteht, sorgt hier für Unterhaltung, Punkt 8 Uhr heißt es schlafen gehen. Die Häftlinge schlafen in großen Räumen, die Kasernensälen gleichen, m welchen dreißig . Betten aufgestellt sind. Die Sträflings der Gruppe A genießen das Vorrecht, allein in kleinen Zellen schlafen zu dürfen, Cs find dies nach reichentscheu: Muster errichtete, käftgartige Gelasse,'die außer dem'Bett mit Ströhsack, Polster und Decken ein Tischchen mit Waschgcschirr und einen Becher enthalten. Alles ist hier peinlich rein gehalten, uttgeziesersrei, aber von einer schrecklichen . Nüchternheit, die leinen,Moment vevgesfey läßt, wo man sich befindet.. Die Anstalt, die von einem Obevdirektor, einem Verwalter und 26 Beamten geleitet wird, untersteht außer der Kontrolle der Vorgesetzten Behörde, noch derjenigen dreier Vertrauensleute der Bevölkerung Kaiser-Ebersdorss. Diese Vertrauens- Personen gehören den verschiedenen politischen Parteien an, können jederzeit die Strafanstalt inspizieren, mit jedem Häftling unter vier Angen sprechen tutfo Beschwerden , entgegennehmen. Bemerkenswert ist, daß Fluchtversuche zu den größten Seltenheiten gehören und daß es feit dem Bestehen der Anstalt noch zu keiner Revolte gekommen ist, wie s ich das in anderem ähnlichen Strafhäusern wiederholt ereignet hat. Die Wachebeamten gehen mit den ihnen Anvertrauten in humanster Weise um und haben sich trotz jahrzehntelangen Umganges mit Verbrechern ein mitfühlendes Herz bewphrt. r. 1 Eine Anzahl von ihnen hat einen-Verein gegründet, der es sich zur lobenswerten Aufgabe macht, - entlassenen jungen Sträflingen die Wage zur Rückkehr in die bürgerliche Gefell-, schaft zu ebnen und ihnen hilfreich an die Hand zu gehen. Die? ser Verein, der sich „Jugendschutzberein der Jiistizb e a m t e n O e st e r r e i chs"- nennt, aber auch Angehörige anderer .Bernfsschichten zu seinen Mitgliedern zählt, setzt mit seiner Tätigkeit ein, tvenn der Jugendliche Es der Haft - enl«^ lassen wird^ Bisher mußte sich der PcrHU. da'ranf.-beschränken, solchen Leuten durch seine Vermittlung HUelt-gArgHcheiten zu verschaffen oder, sie mit Kleidern.und »Mustatten. Für die Zukunft hat jedoch die Dereinslettung ein.weiteres Ziel ins Auge gdfaßt. Es besteh: die Absicht,'■,& u-g e nd l r ch e n, die, sei es aus Mangel an Angehörigen, welche sie aufnehmen, sei es aus anderen Gründen, nicht in der Latze,find,, ssfort^Unterkunft zu finden, ein Asyl für die erste-böse. Zeit.zu schaffen. Auch will der Verein Werkstätten errichten, in denen entlassene Häftlinge, die. infolge ihrer Abstrafung keine Arbeit - firwen, als Arbeiter die in der Strafanstalt erworbenen Kennt-, niste verwerten und sich auf diese Weise ihr Brot verdienen können. D i e P l ä ne für e i u s o l ch e s H e i m s i n d bereits a u s g e a r b e i t e t, ein Haus i n e i n e r schönen, kleine n S t ad t Nied e r ö st er re i ch s, w ä r e v o r h a n d e n, selbst eine Hobelbank ist schon da und ein paar Burschen, die sehnsüchtig und im voraus dankbar warten. Was noch fehlt, ist Geld. Schwerlich könnte Kapital produktiver im besten Sinne des Wortes angelegt werden. Ein Sträfling kostet pro Tag zirka 20.000 K. In Oesterreich gibt es beiläufig fünftausend Sträflinge, deren Erhaltnngökosten also hundert Millionen täglich oder 86,5 Milliarden im Jahre betragen. Für die Errichtung des geplanten Heimes und der Werkstätten . für entlassene jugendliche Sträflinge sind etwa Hv Millionen erforderlich. Hier gibt es also Gelegenheit, soziale Arbeit zu leisten und Menschen zu retten. Lehrwerkstätten im Landesgericht. Da sich die Einrichtung der Lehrwerkstätten in der Iiigendstrafanstalt Kaiser-Ebersdorf in hervorragender Weife bewährt hat, ist die Leitung des Strafgefängnisses im Lawdesgerichte. Wien 1 diesem Beispiele gefolgt. Wahrend bisher bloß Reparaturen und einfache Arbeiten in den dortigen Werkstätten hergestellt wurden, ohne die individuelle 'Leistungsfähigkeit der Häftlinge zu berücksichtigen, werden die Sträflinge von jetzt an Gelegenheit zu ihrer weiteren beruflichen Ausbildung haben und auch ihre theoretischen Kenntnisse erweitern können. Es hat sich gezeigt, daß sehr viele Hatldwerkar nur mangelhaft ausgebildet sind. Frauen werden in allen Handarbeiten vom einfachsten bis zum feinsten Genre unterrichtet. Sie ler nen klöppeln, sticken, Filets und Petit Point-Arbeiten sowie verschiedene kunstgewerbliche Arbeiten. Jede Werkstatt« wird von einem geprüften Werkmeister geleitet, die Oberaufsicht führt Oberdirektor Hosfmann. Auch hier hat sich, ein Fürsorge verein gebildet, der die Sache in jeder Weise, besonders auch finanziell, fördert. . ' : Die sinngemäße Beschäftigung der Sträflinge hat den be sonderen Wert, die Gefangenen von ihrer traurigen Lage abzu lenken und ihr Interesse wieder ihrem Berufe zuzuwenden. Da mit wird gleichzeitig der Wille zu ehrlicher Arbeit und die Liebe zu einem geordneten Leben wieder geweckt, die beide schon erstorben schienen. Philipp. Freund. zugszusammenftoh in kngland. Aus London wird gemeldet: Ein elektrischer Eisenbahnzug ist mit einem Dampfeisenbcrhnzng bei Enston zusammeuge- .stoßen, wobei zwei Personen getötet und 25 verletzt worden sind. HtfliMMNhAaiMIMMita Vom 4. bis 11. Mai 1924 Stärket die Arbeitsfreude, die Zuversicht unserer palästit'.ensische« Jugend durch wahrhaftige Opferleistungen! Sie baue« Straßen, entfttinpsen das Land, bestelle» de« Acker, errichten Städte. Gebt ihnen Mttel für Saatgut und landwirtschaftliche Geräte, für Einwandererheime und Spitäler «ttd lasset die Lehrer ihrer Kinder nicht darben! Widmet diese einzige kurze Woche mit aller Hingabe der Arbeit für den Keren Hajessod, bringet Opfer und veranlaßt alle, aus die ihr Einfluß habt, Opfer zu bringen. Nach dem 11. Mai 1984 darf die österreichische Judenschaft mit ihrer Leistung für Erez Israel nicht mehr so beschämend weit hinter den Inden der meisten anderen Länder zurückstehen wie bisnun! SondeMweudMgen Dein Wiener Keren Hajessod-B-nreau kam die Anlegung zu,, alle. Palästina-Freunde mit Rücksicht auf die bevorstehende verstärkte EsUwanderung zu ernmaligen Sonderzuwendungen zu veranlassen. .. , ■ ' Wir nehmen diese -eigemäße Anregung auf und erfuchtzn alle' JuGnDMche teHaben möchten an.der Behebung der materiellen Sorgen, die dem jüdischen Volke aus der erfreulichen Erweiterung und Beschleunigung des Palästina-Aufbaues erwachsen, eine Sonderzuwendung, die als solche ausdrücklich bezeichnet ist, bis zum 11. Mar 1924 uns zukommen zu lassen. Dienstag den 29. d., Festfaäl >,zu.m grünen Tor", 8, Bez., Lerchenfeldersttaße 14, halb 8 Uhr: „Ler Ausbau Griechenlands «. PslWnas, eine Parallele Für dve Gemeinschaft der jüdischen Vereine, Bennoplatz: Dr. Max B e r n h a r d t, Dr. Alfred L ö w h, L. S i tz Nt a n n, Dr. Jakob W eine r. Dienstag den 29. d. der zionistischen Bezirkssektion L e o P o l d ft a d t. Festsääl Hotel Bayrischer Hots. „Die österreichische Palästina-Woche." ■.il R e d u e r: ' ' äbevbäurai Ing. Robert Stricker, Vizeprästdens des Aktionskomitees. ' Gemeinderat Dr. Leopold Plasch^. Dr. Joses Löwenherz, Vizepräsident der österreichi-. scheu Zionistischen Organisation. Mittwoch den 30.. d. Versammlung der Mitarbeiter an her Propaganda- und Sanrmeltätigkeit während der österreichischen Palästina-Woche. Ansprache Adolf' Böhms, sodann Schluhberatung über die Organisation der Arbeit. Ort und Zeit wird schriftlich dekanntgegelben. ' Alle Zuschriften in Sachen der österreichischen Palästina-Woche sind zu richten an das Bureau des Keren Hajessod, 1. Bez., Bauernmarkt 24. Re Katastrophe von Bellinzona. Aus Bellinzona wird heute gemeldet: Die Vermutung, daß die Zahl der Toten noch steigen wird, erhält eine Bestätigung, indem beim Wegräumen der einen Lokomotive unter dieser noch Teile eines Körpers gefunden wurden, bei " denen eine Armbanduhr lag, die auf 10 Uhr 43 Minuten stillstand. Der Körper dürfte von einem Passagier des deutschen Waggons stammen. Im Erdgeschoß des Rathauses ist ein wahres Totenmuseumm eingerichtet worden. Auf langen ' Kissen sind die ausgesundenen Gegenstände, die über die Identität der Toten Auskunft geben könnten, ausgestellt. Diese Dkenge von Gegenständen spricht eine herzergreifende Sprache. Sie sind die einzigen Ueberreste der noch nicht gefundenen' und identifizierten Passagiere des Unglückszuges. Die Menge der Gegenstände tveist davuf Hin, daß die Zahl der Opfer noch höher ist als man heute annahm. - Ler Bndapefter Zettangrstrek geht west«. (Eigendienst der „Wiener Movgenzeitung".) Budapest, 26. April. Die Arbeiter des Buchdrnckergewevbes haben heute eine geheime Abstimmung über die Lohnbedmgungen der Arbeitgeber vorgenommen. Es wurden, mehr als 5000 Stimmen abgegeben, davon bloß 203 für die Aufnahme der Arbeit unter den vorgeschlagenen Bedingungen. Der Streik wird somit s o r t g e s e tz 1. Die Negierung wurde sofort von dem Beschluß in Kenntnis gesetzt. Sie griff daraufhin zu den von für diesen Fall an- - gedrohten Maßnahmen und erließ in - den Wendstunden eine Verordnung, wonach das Erscheinen sämtlicher Tagesblätter verboten wird. Erscheinen darf nur noch die Morgen- und Abendausgabe der RegiernngSorgane „Reggeli Hirek" mw „Esti Hirek", die gleichfalls Notzeitungen sind Fortdauer des Streifs in der Bottsoper. Die Direktion verlangt einen Schadenersatz von 159 Millionen. Im Streik des VölksoperNorchesters hat sich die Lage verschärft. 'Aus beiden Seiten ist bis jetzt keine Geneigtheit zum Nachgübeu bemerkbar. In der gestern nachmittags stattgefundenen Verwaltungsratssitzung der Vollsoper-Betriebs.-A.-G. . wurde, wie wir erfahren, beschlossen, erst in Verhandlungen' einzngchen, wenn sich die Streikenden bereit erklären, den bis nun ausgelaufenen Schaden von 150 Millionen Kronen aus der Orchesterkasse zu ersetzen. Ferner wird die Entlassung der Streikagitatoren und die Zurückziehung der an das Publikum verteilten Erklärung verlangt Sollten die Orchestermitglieder bis heute 10 Uhr vormittags nicht in diese Forderung einwilligen, evfolgt ihre Entlassung. Für die Dauer des Streiks wird das Ensemble des R a i m und-Theaters in der Volksoper ein Gastspiel, äbsolvieren. Für heute nachntittags und abönds -wird das Stück ,-S e ch s Personen, s n ch nt einen Au to r" Mit Direktor Beer in der Hauptrolle angesetzt. Der Oesterreichische Mufikerverbcmd mißbilligt /Mar das Vorgehen der Mitglieder des Vokksopernorchcsters, das einett ' wilden Streik darstellt, als ungewerkschafilich, hat jedoch beschlossen, behufs schneller Schlichtung des Konflikts zu iuier« venieren. Abends habert die Vcrhandluttgeu des Miisikerverbandes mit der Direktion begonnen. Sie werdet: hettte vormittagts fortgesetzt werden. Das Orchester hat sowohl als Ganzes' als auch in kleineren Partien zahlreiche Engagementsauträgs atts Ungarn und der Dschecho-Slowakei erhalten. , Es besteht die Absicht, nach Dcettdigung des Streiks einige Gastspiele zu absolvieren. Die Direktion der VoWoper teilt mit: Heute entfallen wegen des Streiks der Orchestertnitglieder die Nachmittagsvorstellungetl von „Zanberfilvte" und die Abendvorstclluug von „Fledermaus", an deren Stelle durch, das Ensemble des Raimund-Theaters unter Leitung und Mitwirkung, des Direktors Dr. Beer das Lustspiel „Sechs Personen suchen einen Autor", nachmittags 3 Uhr tiwd abends halb 8 Uhr zur, Anfft'chruttg gelangt. Die Gemeinde lednt eine finanzielle Unterstützung av. Gestern erschienen der Veriwalinngsrat der Volksoper A.-G., Berthold Stör f e r und Divektor M a r k o w s i i, beim Bürgermeister Seitz, brachten die. .Schwierigkciten' zur Sprache, ttnter denen die Volksoper, wie die nleisten Theater,- derzeit leide, und stellten auch die Frage zur Diskussion, ob die Gemeitche nicht bereit wäre, sich im weitergehenden Ausmaß an dem Unternchmcn zu beteiligett. Bürgermeister Seitz verwies aus die Gerüchte, die schon seit längerer Zeit sowohl über die U ober nah me der Sbaatsiheater als auch der Volksoper in Umlauf seien. Allen diesen Gerüchten gegenüber könne er nur sagen, daß die Gemeinde sehr großen Aufgaben ans anderen Gcbietetr gegenüberstche, die. die .Anspannung ihrer sinangiellen Mittel notwendig machen.' Die Gemeinde erkenne vollauf die schwerett Opfer, welche die' Volksoper»Bn triebs A.-G.. bringe, mn das Institut zu erhalten'. So sehr es wünschettsiwert erfcheinen könnte, sie dabei, zu unterstützen mtb für die Pflege der Kunst GemeindentiM zur Bevfiigung zu stellen, sei dies bei der Finanzlage der Gemeinde leider gänzlich auSgöschlosse«. Die Gemeinde könne daher nicht im entferntesten düran denken, irgend Welche Mittel für solche Zwecke aulfzuwenden und müßte selbst dann, Voeutt die Bolksoper-Betriebs A.-G. nicht imstande wäre, daß Institut weiter zu ftihren, es mit Bedatrem Mehnett, finanziell eiWlgreifett. Eine Mitteilung des MustkerveMnndes. Der Vorstand des Mustderverbailtdes' derbffen'tlicht eine Erklärung, worin er bezüigiich der Festsetzung der Tarife jode Bevormuudtmg von attderer Seite ablehttt und Mitteilt, daß er auf Grund einer Crmächfigung der streikenden Mlsiker ibic Unterhandlungen rin geleitet habe. Die Direktion der VMsoPeEetriebs A.-G. stchcn Elk ber ftftprme inlicki o ff. daü

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.