Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1867 (27.4.1924)
- Date
- 1924-04-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Men, ÄVMta'H s Strom -entsteht. Ter Strom wird -nun--durch dierStraße-.l-! dwhte.geleitet, von denen jeder T-riWvWgem der Straßen-, bahn mit der großen DrahtMinge, die ihr ja kennt, den' Strom -ätbnimmt. Durch Drähte Mich der Strom - in' den ' Elektromotor geführt, der im Prinzip aus denselben - Teilen besteht wie die Dynamomaschine, nämlich ans Elektronragnet und Anker. Ein.solcher Elektromotor ist in jeden 1 , Triebwagen emgebaint. Wenn der in der Dhnamonraschme erz>euOe Strom durch die Drähte fließt, mit denen der Anker des Elektromotors umwickelt ist, geraten die Drähte in Bewegung, .versetzen dadurch den Anker in Drehung, die üvisder die Räder des Wagens ms Rollen bringt. Durch Kurbeldrehung kann der Motorflihrer den - Strom tzimrseits öffnen-und schließen, andererseits durch Einschaltung von Widerständen regulieren und dadurch die Geschwindigkeit ändern. Das sind also in ganz großen Zügen die Pvirrzipien, nach Lenen Elektrizitätswerke und elektrische Bahnen gebaut wechen. Natürlich fft die Geschichte in Wirklichkeit diel komplizierter. Unser CMrizitätswerk in Simmering enthält riesige Hallen, in denen nur Dampfkessel in ungcheurer Zlnzahl stehen, jeder einzelne mit genauen Registriervorrichtungen und eigenartigen AnheiMechanismen versehen. In den-Höfen sind Geleise aus hohen Brücken, über, die die Kohlenwagen fahren; automatische Auslademechanismen von verschiedener Art sind angebracht und noch vieles andere. Die Anker der Dynamomaschinen sind-rieserchaft, ungefähr fünf Meter im Durchmesser, und zu . ihrem. Betrieb ist eine ungeheure Kohlenmeuge -nöthg, eine ganz ungeheure Menge Sonnenenergie muß zu diesem Zweck fveigernacht werden." „Äi Mama," unterbrach der Junge, „warum holt: nmn denn die Sonnenenergie-unter so viel Unfftänden aus der Kohle? Schon ihre Gewinnung aus der Erde, nnt Wie viel Menschenqual und Lebensgefahr ist doch die verbunden. Und dann diese vielen Bauten, Kesselräume, Brücken, Geleise, Wagen, wozu das alles, wenn -das fließende Wasser. dieselben Kräfle von der Sonne liefert? Das verstehe ich nicht." „Ja, mein Kind, du hast ganz recht, das ist auch schwer verständlich. Die Geschichte ist-nämlich die: Die Kohlenlmagnaten müßten umsatteln, wenn die Kohle aus dem Wirtschaftsleben ausgeschaltet wäre. Und das fft ihnen.zu unbequem. Darum müssen sich die .Kohlenarbeiter in den Bergwerken martern und darum-müssen wir die teure Kohle zahlen. Im übrigen geht man jetzt, unter her Nachtw-irkung der Einflüsse von Krieg und Umsturz, -allmählich -öch daran," Wasserkraftwerke zu bauen." ' „Maüm," mischte sich das Mädchen ins 'Gespräch, „ich hceb' fast alles, herrlich verstanden..Nur eines' ist mir nicht klar., Wieso entsteht eigentlich durch -Bewegung deß Drahtes zwischen den Magnetpolen derStrom?" , „Ja, liebes Kind, das ist sehr -kompliziert. Da müssen i wir aus die. Ekektronentheorie zu sprachen kommen.: ^- Aber wir sind ja schon um eine Station zu «weit-gefahren. Wenn wir wieder Zeit haben, reden-wir weiter.";? " K» BMerbunLvorschlag vor 82 Jahre«. Bekanntlich hat kürzlich ein reicher Kaufmann von Boston, Herr Edward Fi le n e, einen Preis im Werte von >200.000 Franken ausgesetzt für die beste Arbeit.über das Thema: „Wie kann die Sicherheit und die Wohlfahrt Frankreichs und Europas durch eine internationale Kooperation hergestellt werden?" Weniger bekannt dürfte sein, daß in: Jahre 1841 ein ähnliches Preisausschreiben erlassen worden.war, und zwar durch die „Gesellschaft für christliche.Moral" in Paris. Nach dem Programm desselben sollte die .Frage rrach folgenden Gesichtspunkten gelöst werden: - . 1. Man soll beweisen, daß der Krieg im Widerspruch mit. dem wahren Christentum steht.. 2. Nachweisen, daß der Krieg allen Gefühlen der Menschlichkeit Gewalt antut und der Wohlfahrt der Nationen entgegengesetzt ist, 3. Die Mittel suchen und angebeu, „durch welche es möglich wäre, ohne die Hilfe'der Waffen'die Herrschaft des dauernden und allgemeinen Friedens herb eizu führen." Preisgekrönt wurde damals das Memorandum eines ‘ Herrn CoUstantin Pecqueur. Die Gesellschaft ließ es - veröffentlichen und es erschien im Jahre 1842 in der Buch-- Handlung Capelle, rue des Gres-Sorbonne in Paris unter dem Titel: „Bom Frieden, seinen Grundsätzen und seiner Verwirklichung". - Obgleich 82 Jahre alt, ist dieses Buch doch heute noch auffallend aktuell. Alle den Krieg betreffenden Probleme sind darin behandelt. Der Krieg wird darin aus meisterhafte Weise gebrandmarkt, und der Verfasser schlägt zum Schluß die Errichtung einer „Liga derNa- Lionen" vor. - 8I«e Srnbenervlofion in Belgien. In den Minen von Maroinelles, ereignete sich, wie aus : Brüssel gemeldet wird, eine schwere Grubenexplosion. Sieben .Bergarbeiter wurden durch schlagende Vetter getötet. ... MiMd MöWWKW Geschäfts Lokale Bureaus v 6 R K A II V durch 9 B N S A l, JOSRFSALXIR III, GB|ISAUGA8SE 49 _(bei Anfang Erdber&itf.V Tel. Vl/734, Sprachst, v. a—4 Der Schlager der Saison.! ES klopfte und Freund Theodor trat' ein; der Mvße 'Theodor, der Dichterder Nachtlokale, der Schöpfex der-Bar- Poesie, der berühmte Verfasser der BolkShyncke:' „Mir ein Biertelstiindchen", der Welterfolge: - „GewüS, Rest" Ä ,^Jch 'hin ein Wiener und doch ein Neger". Er sah sich in dem engen Raum um. „Zimmer mit Badebenützung", sagte er, „sein wohnst du, Ferdinand, aber, wo ist das Bett?" Ich habe nie Ferdinand geheißen, aber ich zeigte auf die Badewanne. „So ehrt das Mietamt seine vaterländischen Dichter", sprach Theodor, „es fft höchste Zeit.. „Daß ich eine andere Wohnung bekomme!" „Nein, daß wir an die Arbeit gehend Ich bemühte mich, ihn geistreich anzuschauen. „Gleich, lieber Iaromir", begann er. „Du weißt, wir haben zusammen die Schulbank gedrückt. Du warft DorzugsMler und eine Säule der Ordnung. Ich ein vaterlandsloser Geselle und eine eiternde Beule am Körper der Anstalt, dem die Professoren das schwärzeste Schicksal prophezeiten. Nun, Mittelschullehrer bin ich zwar nicht geworden, aber meine eigene Villa habe ich mir doch schon erspart, und dies, ohne auf der Börse, tätig gewesen zu sein, in welchem Falle ich sie wahrscheinlich nicht mchr hätte. 3>u aber, Jonathan, machst lyrische Gedichte, die zwar -hervorragend sind, sich jedoch für die Reklame einer Schuh-Pasta oder eines Maogarinersatzes nicht eigermen und deshall» auch -nichts erbringen. Jmmechin kannst'du dafür hier baden, so oft du willst. . ." „Die Poesie trägt leider nichts", meinte ich. „Trägt schon, lieber Florian, nur muß man die Sache richtig garnieren und deichseln. .Ich habe ztvar keine poetischen Ambitionen, aber, ist zum Beispiel in meinem. letzten Opus '(Nr. 4211)' „Gük schau'n wer aus", das'so' fabMast-gefallen^ hat, nicht Innigkeit, .Gefühl, Anmut, -ja-Dichfeng enchalten? Und waschse-Haupffäch^ fft: Es hat mir so viel getpagem daß ich eist, gäuzes Jahr. ruhig ‘ zusehenkönnte. Das tue ich, aber -- -nicht, denn ich habe Verpflichtungen der Menschheit gegenüber und. darfihr .meine WWstngen sticht, vorenthatten. y-nd jetzig ist es höchste Heit. daßHerH^lgger der.Saison Hevau^oWNst". ’i „Ich berstehe" nlcht - -? ---- -- --- - „Du bist ein größer Näivlim lieber Tobias. Der Schlager der Saison ist'das, was die Menschheit belebt, was die Daseinsfteude und Lebenslust"erhöht, was klein und groß singt und seufzt, pfeift und trällert, was die Sorgen des Tageverscheucht, den Kummer der Nächte bannt, was das Kind in der Wiege plappert und die Amme leiert, was die Köchin hinausschmettert und der Gatte der gereizten Frau gegenüber intoniert, was die Großmutter ergötzt und was. im Kaffeehaus die Maid immer wieder plärrt an der Seite des Jünglings, zu dessen Wohlgefallen,, da sie dadurch doch weniger konsumiert; Schlager der- Saison fft, womit die Jungfrau das Klavier peinigt, was jedes Grammophon krächzt und . das Werkel quieffcht, was die spellen'erdröhnen kaffen und was zu jedem Radiokonzeri gehört, Kurzum, was Wonnen bereitet und begeistert, im Triumph durch die Wett flieizt, was einen überall verfolgt, quält und von über-' all vertreibt, was das Leben verbittert, bis man ichsüchtig wird..." - „Schrecklich!"' „Lieber Freund Benjamin, ich könnte ja die Sache allem machen. Aster du weißt, ich habe immer etwas. für dich übrig gchM, aützerdem' soll e§ 'etwas ganz besonderes sein, ein Schlager, daß die Konkurrenz zerspringt. Eine Mischung von Dichtung und Wahrheit, von Poesie und Satire, von Anmut und Ironie. Du Mt die Lyrik und ich mache das übrige!" „Theodor, ich weiß wirklich nicht, was ich dabei tun könnte!" . . " ' „Du bfft'eiü Schafstapf,' mein lieber Eberhard; man sieht, du warst VorMgsschüAr, denn du taugst für das praktische Leben nicht. Hä, was fft das?" Sein Blick M auf den kleinen Tffch. ans dem ein beschriebenes . Blatt lag. .Mn Frühlingsgedicht", sägte ich kleinlaut. „Trottel, davon wirst du nicht satt werden. Aber dieser Satz, da,'he...?". Ich las: Am Busen der Natur. „Mm, das fft nichts?" schrie er. „Mensch. Dummkopf,. der. Satz ist doch Gold: Am. Busen der Natur! Unerhört originell , ist daS, entzückend., sein! Gleich werden wir es .haben, gib acht: Am Busen der Natur, so wird der Refrain beginnen; dazu , kommt ein aktueller Vers, am liebsten möchte ich die Sanierung, drinn häben!". . , „Aber, das pfeifen ja doch schon die Spatzen vom Dach)" „Armer Junge!" Theodor fächelte mitleidig. „Das ist doch der richtige Schlager,'den die Spatzen vom Däche.pseffen. Also, Paß aus: Wir machen die Vorstrophen: Alles wandert hinaus, freut sich, lacht, und zuletzt, im Refrain, liegt MS. ■sM ~~~?7. ÄM IM arn Buseu der Natur, den andern streicht uul die Zensur! FabeHafl, kolossal, ein Schlages Hahaha, direkt genial! Weißt du, andenten muß man, andeutsn, jeder soll sich denken was er will. Das ist dezent, das kann die ganze .Familie singen! Schau mich nicht so Md an! Zeig', .was hast 'du noch?" . : ' Er kramte in den Schriften.' „Halt, was ist das? Küssen - -Und lieben . . . No, warum, ganz gut, nicht mchr neu, cher wärte: Küssen Und lieben,' göblieben, schieben . . . nein «. küsse und lieb' mich .... auch nichts . Nsf mich und lleb' mich nicht, Gericht, halt, hab's schon, großartig: - K ü ss' m ich,- .Schatz, und liebst du mich dann nicht, S^hw wir u n 8 h a l t b e i m B e z i -r k s,g e r i ch t! Wieder ein Schlager,: aktuell, modern, aus dem Volttsenrpfinden heraus,- das wird gefallen! Was hast du noch da? Wenn du mich möchtest laben und meine Sehnsucht stillst . .. nicht schlecht, davarzs läßt sich was machen, hab's schön: Wenn du mich möchtest l.aben und meine Sehnsucht stillst, kannst du mich gerne haben, mein Schatz, so oft. du willst! Das sind Perlen, das erobert sich -die Wett. Bravo, Joachim, ich dank« dir! DaS sind ausjgesprochene Schlages Ganz Wien wird verrückt sein!" . - „Und die Musik? " wagte ich schüchtern vovzubrmgen. „Haha, t'iebcr Stanislaus, da mache dir keine Sorgen. Haben wir nicht wahre Kleinodien im MelMenschatze --unserer großen, verstorbenen Meister?" „Ja, aber die sind doch bekannt!" . „Das ist doch gut, Kind. Um so rascher gch^n sie ins Ohr und in die Beine. Di-e Leute merken sich eine solche Melodie am besten." „Aber, daS fft doch . '.7 „Glaubst du vielleicht, es kommt etwas anderes heraus, wenn ein Zeitgenosse eine Ovigmalm-eloLie produziert?" „Man wird doch aber sagen . . ." „Zerbrich dirnicht den' Kops. Die VertvttUW übevniMw. selbstverständlich ein populärer Komponist/ nur die Musik' wird von einem alten Meister sein. Je tveniger daran geändert wird' desto besser. Das ist schon so. Verlaß dich ans mich!" ' Ich schwieg beschämt.' „Also, lieber' Nepomuk — wie heißt du übrigens? —/ 'alles andere mache ich. Dem Name konnnt unter die Sache. Um deine Beteiligung braucht dir nicht hange zu sein. M - wirst dirbald ein schönes HauS einvichten. können. Meinetwegen mit Badezimmer, wenn du unbedingt baden, mußt. Mso,' Sschus, Emanuel!^ . -'' '. , Er ging und ich begann zu hoffen,-.Nach einigen Wocheü kam ein Lied heraus. Gerade als eS anstng, populär zu iverden,'' klagte einer wegen Plagiats: Der Busen der Natur wäre'vo«' ihm. ES kommt zum Prozeß, Geld habe ich noch keiner gffehen, aber dafür zscht es inmeiner Badewanne sÄrchteMch. Ali.' ' Ae FünfzehnWrigen. - '. Die sunszehnjährigen Mädchen. — Sie sind es, die vdn Hren Angchörrgen' 'jetzt MM chitMührt werden' und in-' Bars und äM'en.'üntechaltUngslokM Mstaüchwn: KinderjbU noch in die Schule gehören, spielen Lebedamen und sind von einer Schar Verehrer umgeben, die an ihnen hängen wie' Kletten. Man beobachtet diesen Unfug jetzt immer mehr. Diese Mädchen, die fein der Schulpflicht entwachsen und'natürlich gänzlich ungebildet sind, werden mit' einem Male in den Mitt^punkt. des GesellschaMchens gestellt. ES fft ja.' nichts ^.ÄnstMeß, wenn ein so junges Mädchen wachmsttagS-in t>ic Tanzbär mitgcht, meint die unvernünfttge Mutter, eS, wird ja. nur getanzt. .. , Ein Fall sei von den vielen herausgegviffen. Das Mädchen ist auffallend schön und sehr entwickelt.' „Wanun schauen mich alle so an!" fragt sie die Mutter, obwohl ihr diese schon längst gesagt hat. daß sie schön ist. Die Tanzstunde genügt nicht, es kommt der Besuch der Bars, des Nachmittagstees, der Ausflug, mit Leuten vom Film, vom Theater, die Mama natürlich mit, damit' nichts Unangenehmes passiert. Die Fünfzchnjährige hat bereits , ihre ständigen- Begleiter, alles natürlich in Ehren. . „Sie ist ja noch ein Kind-!" meint die Mama. Gelernt' wird nichts;/die Kleine geht Mr ins Lyzeum, aber, mm tarnt sich leicht verstellen, wie wenig dort von den Schülerinnen verlangt wird. Die Fünszohnjähri'ge ist dumm, ungebildet und wird kokett. DaS sind die Hervorstechendsten. Merkmale unserer hoffnungsvollen weiblichen Jugend, die von den Müttern in ganz verfehlter Weise'erzogen wird. Bei unserer'Kleinen — nennen wir sie Lifly — kann der Vater sich nicht viel um die Erziehung kümmern, er ist in Jugoslawien, Prag oder sonstwo,' und die Mutter versteht nicht viel von Kindererzichung. So' wird dem Mädchen mit Nichtigkeiten der Kopf gefüllt, die jungen Burschen, mit denen sie zusammenkomMt, verdrehen ihr den Kopf oder vergrößern zum mindestens die Eitelkeit' Und Gefallsucht des von Natur aus ganz unverdorbenen KindeS, das heranwächst, ohne etwas Vernünftiges zu tamu, ■ dafür die neuesten Operetten und Tänze sehr gut kennt. So. , war eS immer! wird' man einwenden. Das' ist nicht wahr. Die fünfzchnjährtgen Mädchen blieben damals zu Hause;- der ' Nachkriegszeit und den NachkriegSgewinnern blieb es vorbc-" halten, sie in den Vordergrund zu bringm. ' Und nun die Eintänzer! Diese Errungenschaften der ' neuesten Zeit scheint für die Minszchnjähvigen wohl auch nicht nötig zu sein. Wenn Frauen, die sich langweilen, einen solchen - Eintänzer zu benötigen glauben, ihm 60.00V Kronen für die Stunde znstecken und ihn auch sonst an sich heranziehen, so-ist das eine Artgelegenheit, die den Ehegatten interessiert. Aber WltN.I.ADtERg*j; 't"lirr1,n H, 7(32 (54