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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-25 · Heft 1865 (25.4.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1865 (25.4.1924)
Date
1924-04-25
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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S^MWPWWWWHWWWPWWW »HWWWWWWVSffW SiP , «M- S. . SBfew, Fretzag " Sie Labour Partd gegen Lloyd George. - (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 24. April. Der Hauptei npeiffcher der Arber- ^kerpartsi SPoor antwortete inBishopauckland ans einen Angriff Lloyd Georges unter anderm: „Die Behauptungen Lloyd Georges über die Mitarbeit aller Parlamentarier cm der konstruktiven nationalen Politik und dem Standpunkt der Arbeiterpartei sind unwahr. Die liberale Partei-sei hoffnungslos gespalten und deren kleinster Teil steht unter Lloyd Georges Führung. . Daher dessen Aerger. Der Glaube an individuelle Freiheit ist kein Monopol der liberalen Partei, der Wunsch, das bestehende Gute zu erhalten, sei kein Torrymvnopol." Der Kongreß der Labour Party. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 24. April. Die Labour Party hat ihren Iahreskongreß beendigt. Das Gerücht, die Labour Party leiste der Politik Mac Donalds Widerstand, wird dementiert. Es fei falsch, zu behaupten, daß der Ministerpräsident des Vertrauens unwürdig fei, das man' in ihn gefetzt habe. Die iuteressantsste Rede hielt Mac Donald, der aber nur Fragender i n n e r e n Politik erörterte. Er führte aus, daß es leichter sei, eine Revolution zu schmieden, als ein Kabinett zu bilden, und wenn er die Wahl hätte, würde er die Verantwortung für eine Revolution vorziehen. Die Labom-Regierung ha.he versucht, ihr Bestes zu tim, dennoch fei es unmöglich, zu garantieren, daß sie unter allen Umständen so handeln werde, wie die Labour Party es wollte. Man könne noch nicht sagen, ob das Kabinett lange am Ruder bleiben werde. Uebrrgens fei dies eine Frage von untergeordneter Bedeutung. Das Kabinetts wolle sich auch nicht an die Macht klammern, es wünsche vor allem einen neuen Geisteszustand zu schaffen. Mae Donald erklärte, daß er persönlich eine außerordentlich schwierige Aufgabe zu erfüllen habe. Der Kongreß nahm sodann eine Resolution an, in der dem Kabinett das Vertrauen ausgesprochen wird. Der Minister für öffentliche Arbeiten brachte den Antrag ein, der Kongreß wolle beschließen, daß so rasch wie möglich eine internationale Abrüstungskonferenz einberufen werden soll. Dieser Antrag wurde mit 365 gegen 106 Stimmen angenommen; ein Antrag, den Religionsunterricht an den Schulen auszuMietzen, wurde Mt 235 gegen 162 Stimmen abgelehnt. Zr. Marx m besetzten Gebiet. Paris, 24. April. Die Agence Havas mewet aus ' Düsseldorf: Der deutsche Reichskanzler Dr. Marx wird Sonntag in einer Wählerversammlung sprechen. Es ist dies bas e r st e m a l seit der Besetzung, daßeinem deutschen Minister von den alliierten Behörden die Erlaubnis gegeben wurde, ins Ruhvgebiet zu kommen. kme bluttge dentschvöMsche Wahlversammlung. Darmstadt, 24. April. (Tel.-Kmnp.) In Bensheim entstand anläßlich einer deutschvölkffchen Wahlbevsammlung ein blutiger Zusammenstoß zwischen Versammlungsteilnehmern und Sc^ialdemokraten und Kommunisten. Nach einer Wahlrede des Spitzenkandidatens der Deuffchvölkischen Dr. Artur Dinier hatte sich ein Redakteur des Frankfurter sozialdemokvatischer: Organes zu einer Gegenrede erhoben. Ms der Redakteur gegen Dinier zu Polemisieren begann, erhob sich Di nt er, Packte den sozialdemokratischen Redakteur und warf ihn Wer die Tribüne in den Saal. Im Anschluß daran entwickelte sich eine schwere Schlägerei, der Redakteur wurde schwer verletzt vom Platze getragen, zahlreiche andere sozialdemokratische Versammlungsteilnehmer erlitten Verletzungen. Die Polizei konnte die Ruhe nur dadurch Herstellen, daß sie die Versammlungsteilnehmer mit Gummiknütteln aus dem Saale trieb. Lndendorsf gegen den Papst. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 24. April. General Ludendorff hat die Angriffe, die er in seiner Verteidigungsrede vor dem Münchener Gericht gegen den Vatikan gerichtet hat, in einem Interview wiederholt, das er einem Vertreter der „Chicago Daily News" gewahrt hat. Der General soll sich folgendermaßen geäußert haben: „Meiner Ansicht nach ist die deutsche Rasse die wertvoll sie der ganzen Welt. Ich möchte sie gegen ausländische Einflüsse beschützen. Das feste Ziel der völkischen Außenpolitik ist die Revision des Versailler Vertrages. Ich kenne keine protestantischen und keine katholischen Solidaten, sondern nur deutsche. Aber während Deutschlands Kampf um die Freiheit ist der Vatikan nicht neu t r a l geblieben. Wenn man die strenge Disziplin der katholischen Kirche in Betracht zieht, ist es schmerzlich, zu sehen, wie der Heilige Vater im vorigen Sommer die Sabotage im Rheinland und Ruhrgebiet mißbilligte und dadurch Deutschland' eine kräftige Waffe gegen Frankreich aus der Hand nahm. Nicht,weniger schmerzlich war für uns'die Tätigkeit des Kardinals F a u l h a b e r, als er im vorigen Jahre in Amerika war. Der Kardinal äußerte ' sich 'über deutsche Interessen in einer Weise, die die Mehrzahl'des deutschen Volkes nicht als wahr betrachtet. Es ist erstaunlich, zu bemerken, wie er die Juden gerade vgr Wiener MoraerrzelLunü. _ dem 8. Novembö r' v e^r t e i b i g t e. Rom arbeitet langsam, hat aber weitsichtige Zieste. Für den Vatikan spielen 50 oder 100 Jahre keine Rolle. Das Ziel des Vatikans fft, das ganze Christentum katholisch zu machen und anderen Konfessionen G l e i ch b e r e ch t i g u n g a b z u s p r e ch e n. Ich hoffe, die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland wieder oinzuisühren. Die Nationen, die ohne Verteidigung sind, sind verurteilt. Aber diese hat Mit Militarismus nichts zu tun. MlitariSmUS ist ein Wort, das von unseren Feinden 'erfänden worden ist. Ich bin nach innerster Ueberzeugung ein Monarchist, und im tiefsten Herzen an -das Haus Hohenzvllern gebunden. Aber ich halte den jetzigen Augenblick nicht für den gegebenen, um dieses Problem zu lösen. Ich bin jetzt, tvre immer, der Ansicht, daß die Frage der Dynastie dem Volke zur Entscheidung überlassen, werden muH/ Sie Münchener Hitler-Prozesse. Was Hitlers Jünglinge schwören mußten. München, 24. April. Im Laufe des zweiten Berhandlungstages im Prozeß gegen die Angehörigen des. Hitler- Stoßtrupps gab der Angeklagte Wilhelm Briemann bei seiner Vernehmung 'die Eidesformel bekannt, die den Angehörigen des Stoßtrupps am 8. November abgenommen worden ist. Sie Mißten dem Führer Bertold schwören: „Wirgeloben unserem jeweiligen Führer Treue und blinden Gehorsam und bleiben unserer Fahne'treu bis zum Tad." Briemann sagte weiters,. er sei im Nebenzimmer des Büvgevbräukellers gewesen und habe auch gesehen, wie Lossow, Kahr und Seißer in die Hand Hitlers' eingeschlagen hatten. Mit der Zeugeneinvernahme wird voraussichtlich Freitag begonnen werden. . Die nationalen Minderheiten im deutschen Wahlkampf. (Eigendienst der ,Mener Morge-nzeitung".) Berlin, 24. April. Die Mmderheiten in Deuffchland halben sich zur Aufstellung einer einheitlichen Reichstags- - Wahlliste zusammengetan, und zwar unter der Führung der Pole n und Dänen. Die Polen stellen auf der - Rei'chsliste-den evsiM und zweiten Kandidaten, die Herren Dr. . K a c z -m a r e k und Landtagsabgeovdueten Graf - Srerakow 'sk i.. An dritter. Stelle folgt ein Däne. Die Litauer haben sich an einer vorbereitenden Konferenz in -Berlin beteiligt, haben daun aber doch nicht mftgsmacht, 'weil sie, wie eine dänische Blätterstimme feststellt, ,-eine 'besondere Haltung^^ einnehmen. .Auch die Wenden haben sich 'dem' Block "angejschlossen und nehmen den 5. und 10; Platz der Reichsliste ein. '.Deuffchen PlättermelÄUngenzufolge rechnen die Mnderheiten Mit zwei Mandaten in -Oberschlesien für die Mlierr und mit einem Mandat auf die Reichsliste. FapMche Proteste gegen das klnwandernngrgesetz. Tokio, 24. April-. 'Hivr'und in Osaka wurden unter Beteiligung aller Klassen der Bevölkerung Massenversammlungen zum Protest gegen das ameirikamsche Einwanderungsgefetz abgehalten. Die , japanische V olkerbundvererini-' gung hat beschlossen, an die Völkerbundvereinigung in Washin gtvn ein Schreiben zu richten, worin diese aufgeifovdert wird,- ihren Einfluß geltend zu machen, um zu verhindern, daß diese Vorlage Gesetzeskraft erlange. Teilnahme des Völkerbundes an der Auswanderrungskonferenz. Paris, 24. April. Der Völkerbund hat die italienische Einladung angenommen, der Eröffnung-, der intevnationalen Ein- und Auswandernngskonferenz am 15. Mai in Rom beizuwohne-n. - - - - - . - Sie spanische MMstrMatNk bleibt bestehen. Paris, 24. April. (Tel.^ der „Wr. Morgenzeitung".) Während der Führer des . MiMrdirektoriums in Spanien,. General Primo de R i V e ra, noch vor kurzem die Absicht geäußert hatte, die Militärdiktatur in nächster Zeit abzu- «bauen, ist er, wie aus Madrid gemeldet wird, nunmehr von dieser Absicht wieder abgekommen, i . .. . 6ine rnffisch-rnmünische Konferenz. Zur Regelung strittiger Grenzfragen. Bukarest, 24. April. (Del. der „Wiener Movgenzeitung".) Äit dem Abbruche der russisch-rumänischen Konferenz in Wien fand gestern das erste Mal eine offizielle Berührung zwischen den beiden Ländern statt. In Kamenez-Podolsk wurde auf Einladung der russischen Gvenzkommisfion eine Sitzung äbgchalten, an welcher auch die rumän-ischen Mitglieder dieser Kommission, welche die Aufgabe hat, strittige Grenzfragen zu bereinigen, teilnahmen. Neuorientierung der Ileiue« Kntente? Annäherung der Tschecho-Slowakei an Italien. Paris, 24. April. Der Prager Korrespondent des „Matin" berichtet, daß die Reise des Präsidenten Masarhk nach Italien dm Abschluß eines Bündnisvertrages z'win der Tschecho-Slowakei und Italien bezwecke, wodurch .Anschluß der Tschecho-Slowakei an die italienischjugoslawische Entente besiegelt und die Solidarität der beiden slaw-i,scheu Nachfolgestaaten neuerdings Hüstgeftellt tzechen jvlle. Kex MW WMKSvMjWg -werde auf Wst 26. April 1924' ' Nr. 1868 rogung Dr. Be.nesch' zweifellos von den gleichen GruM fätzen eines Garantiepaktes wie der fra^ösisch-ffchechische - Vrtrag geleitet, sein. An Wiener unterrichteter tschechischer Stelle wird diese N-charicht als unrichtig bezeichnet. Es sei gcvch ausgeschlossen, daß Präsident Dr. Masarhk bei seiner' diesmaligen Reffe pol-itische Verhandlungen fuhren wird.- Der Präsident fft -von keinem Politiker, sondern nur von seinem Arzte und einer Suite von-ganz privatem'. Charakter -begleitet. Es ist auch nicht in Änssicht'.gewommen, daß ihm Minister Dr. Ben es ch, der bei einem .solchen Bertragsabfchlnß gewiß anwesend sein müßte, naDöb Die diesmalige Reffe Masaryks gN ausschließlich holungszwecketr. Dr. Benesch will in Amerika Bortrüge halten. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Prag, 24. April. Bekanntlich soll jedes halbe Ighv^ abwechselnd in den Hauptstädten der kleinen ElMvttzländer eine Konfevenz der Staatsmänner, der kleinen Entente stattsinden. Die nächste Zusammenkunft sollte im . Juli dieses Jahves in Prag staktfinden. Die Konferenz fft jedoch, wie ,^Tvtbuna" zu melden weiß, in Frage gestellt, da Außenminister Dr- Benesch nach Amerika fahren will, um dort Vorträge zu halten. Falls die Konferenz nicht, im Juni oder- Juli statffinden.könnte,- würde : sie erst im Oktober zUsammenberUsen werden. Ausdeilung einer kommunistischen Lerrorl orgmisation in Pole». Warschau, 24. April. Inr Dfftrikt Ro wno in Ost-.. polen fft eine Spionage, Sabotage und t-errovistffche Attentate betreibende Ovganffatron entlarvt worden, die unter. der Leitung eines außerhalb Polens stehenden Zentrums stand. Die Mtglieder derselben sind polnische und ruffische ' Kommunfften. 52 Mitg/lieder dieser Organisation wurden verhaftet und die Organffation auf polnffchem Boden aufgelöst. ’ Sntstaatlichnng der polnische« Nahne«. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung":) Warschau, 24. April. Anfangs Mai findet eine intet» ' mmffterielle Beratung über die Umwandlung der polnlschen Staatsbahnen in autonome HandelsMtevnehmungen' statt. _ Die WWen Sesmdepnüerten an den polnischm Premier. Warschau, 24. APM.' (I.- T. Ä.) Die jüdffchsn'Se^ doputiertein haben an den P rem rer mini ste r- Grabski ein Schreiben gerichtet, in welchem sie sich auf die Meldungen-beziehen, daß die polnffche Regierung eine Neuregelung der Angelegenheiten der nationalen Minderheiten beabsichtigt und auch schon e>in Beratungskomitee eingesetzt hat. Es wird dev.. Verwunderung Ausdruck gegeben, daß die Regierung es' bisher nicht für nötig, gesunden hat, sich in dieser Be-, ziehnng mit der patlämentarischen Repräsentanz der jüdischen BevAkerung zu Vevstandigsn/ Dageg-m hat sie in das BeratungSIkomiltee Personen ein-, geladen, die Mr dem Namen nach eine. Beziehung zur jüdffchon Gesellschaft haben. ' Der ungarische Generaikommissür. London, 24. April. Der Genewlkommisiär des Vök» keöbnndes für Ungarn, Jeremias Smith, ist in London eingetroffen und hatte mit Sir Artur Salier, dem Direktor der finanzwirffchaftlichen Sektion des Völkerbundes, eine Unterredung. Smlith begM sich mit seinem Stabe am Samstag nach Paris und dürfte am Dienstag in B u d a p e st eintveffen. _ r Der Bndapefter zeitnngsstreik. Budapest, 24. April. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Der Zeitungssetzevstreik hält weiter an. Die . materiellen Differenzen wären nicht allzu groß und würden einer Vereinbarung nicht im Wege stehen, allein.die Arbeitgeber fordern Garantien, daß, falls eine Einigung zustande kommt, die passive Resistenz, die seit geraumer Zeit bei den Arbeitern bemerkbar ist, aufhört. Es -wird seitens der Ärbeitigeber fsstgeftellt, daß z. B. die Maschinensetzer nur die Hälfte der vorherigen Arbeit leisten, offenbar weil sie einen Wink erhalten haben, daß man den Arbeitslosen Arbeit versoffen müsse. In diesem Punkt sind die Differenzen sehr schwere. Ern Umstand, der auf einen Dauerstreik'hinweist, liegt darin, daß in der letzten Zeit zahlreiche Drucker Passe bei der Polizei eingeveicht haben, um inS Ausland fahren zu können, offenbar in der Ueberzeugung, daß der Streik längere Zeit andauern werde. Die Regievung droht. Budapest, 24. April. Wie Ihr Korrespondent erfährt, erhielt Handelsminfft-er W a l k o den Auftrag, die beiden Parteien auszusordern, bis morgen, mittags 12 Uhr, die Ordnung und den Frieden im Buchdruckevgewevbe herzu-, stellen, da widrigenfalls sich die Regierung veranlaßt sehen müßte, unter Anwendung aller ihr zu Gebote stehenden Machtmittel'zu enffprechenden Maßnahmen zu greisen. : Den Bemühungen des- Handelsministers ist es gelungen, die beiderseitigen - Vertreter für heute abends. Kr einer Konferenz zufammenzubvingen. Die Konferenz endete jedoch gegen 10 Uhr ergebnislos. Sie Wird morgen fortgesetzt werden.

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