Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1865 (25.4.1924)
- Date
- 1924-04-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ElBteJmnmwJtl'OO Wien: Zorn Abholen in der Expedition; llnTaliorst».1-3, oder in einet Verschleisatelle (Trafik 1. monatl. K 35.000 Strassenverkanf in Wien döreb'die Kolporteure der Firma Goid«ehmiedt,I.Be*., Wollseile 11. Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 85.000 Tseheeho-S lowakiit Mon. K 18 lu?osTawien: Mon. Dinar 60. P o,l en:Mon. SV» Zloty, DentseKland: Mon Goldmark 4, FranWr^ Belgien- Mon. Frcs. 12 W Na®b*«h W PreiterhnhaBrco wrbeliiltw mmm Nr. 1865 . Me«, gtettan, 25. Avril 1984 Po’enrpoiiiv 3F0.060 Italien: Monatl. 12 l .ire, Rumänien Mon. 1301^1, Bulgarien Mon. 80 I.ewa, S e h w e i r nnrl dasnhrijje Ansland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, nHTaKoratrasBel—-S Teleohone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr ahda. 19-4P3.25-282 IX. UniversltHtsstr. 6—8 (Druckerei Stelnmann) Oesterreichisches Postspar kassen- Konto Nr. 150.698 6. ftnftraang Keine offizielle Beteiligung Amerikas <m der bntgegenkommen in Washington, 24. April; (Tel. der „Wiener Mavgen- Keitung".) Staatssekretär Mellon hat erklärt, daß bei'der im Sachvenständ'pgenplan Vovgchehenen Anle'che an Deutschland nur eine^ > E Beteiligung der amerikanischen Privatbanken, - Nicht aber eine Beteiligung der Regierung in Betracht kommen könne. Die a m e r i k a n i s ch e'.- R e-- gierung.könne keine Garantie für den Erfolg oder Nichte vfolg der Anile'che übernehmen. Ihre Unterstützung der Anleihoaktion werde übrigens Mvvn Abhängen, wie die Frage der i* Prioritäten 1 ' geWst werde. - £,■ Man glaubt aber au' zustäUdiger Stelle, daß Amerika damit einverstanden sein werde, daß seine Priorität für di-e Bssatzungskosten zugunsten einer ■ Priorität der geplanten Anleihe durückgestellt wird. Paris, 24. April. „New-Iork Hera-Id" erfahrt aus WaHrygton, der vom RepräsentauteiihMs beschlossene.Gesetzentwurf betreffend ernenn 10 MMonen Dollar-Kredit .M. Ä«e-.HfffSaktWN, .zugunMr, der ldsütschen topfit, kverl sich' eine O p P o s i t.i o n geltend mächö. Die ' Haltung der Senatoren, sei auf die' Berichte Kurückzusühven, die ihnen über die v e rschwen d e r i s ch e n A u s g a b e n der deutschen Touristen in Italien zugekommen seien. , Die Antwort der Miierten. , Paris, 24. April. Die Agence Habas erklärt, daß heute nachmittags die Antworten der alliierten Regierungen auf den Beschluß der Reparattonskommiffion vom 17. April noch nicht im G'eneralsekretariat überreicht worden seien.. Die nächste Sitzung der Re Paration skommission werde erst im Laufe der nächsten Woche stattfinden. Wie der „T e m P s" mitteilt, soll die britische Aue tiirkischenMche Konferenz. Beginn am 1. Mai in Konstantinopel. (Eigendienst der „Wiener Mergenzennng".) Konstantinopel, 34. April. Die Anerkennung Moskaus durch England zeiiigt nun auch rm Oviem bereits ihre Folgen. Mustafa Keniat Pascha hat sich kürglich mit dem vusssschen Bovtreter über die Fortdauer des alten Bündnislses Müschen Angora und Moskau-geeinigt. Me Politik der Düvkvl ist nunmehr dahin gerichtet, in'voller Usberemstlimn,ung mit Rußland und England vorzugchen. -In diesem Sinne hat die türkische Regierung sich zu VechanldÜungen mit England entschlossen, di« am 1. Mai in Konsta-ntinopet beginnen sollen. In dieser. Konferenz erwartet die Türkei in der Mossülfrage ein Entgeg«nkommen Englands und ist.dafür.zu Konzessionen in Wirischast sangelegen heilten, insbesondere i« Petroleum, beredt. Die türkische Regierung glaubt, daß sie durch Abschaffung des Kalifats. und Loslüfung der Türkei aus dM Gesamtislam alles Paniskamitische, also E n g l a n d s e i n d l i ch e s cmS ihrer' Pöditik' bef eitrgt hat und einer Verständigung daher nichts mehr im Wege stcht. Sie englisch-lussische Konferenz. London» 24. April. In der heutigen Sitzung der englisch-russischen Konferenz wurden mehrere Ausschüsse eingesetzt, und zwar: 1. Zur Untersuchung der Frage der Schuldfovderungen und Gegenforderungen sowie der Mittel zur Wiederhe.rstellung des russischen Kredits in England. 2. Zur Ausarbeitung des Entwurfes eines Handelsvertrages und eines Schiffahrtsabkommens und 3. «zur Prüfung der Frage der Territordlgewässer. Die Konjerenz der Wokttölssrage. Regierung mitgeterlt haben, daß ihve Antwort heute abends oder Morgen emtreffen werde. Die Antwort der belgischen Regierung werde Freitag oder Samstag erwartet. Das Blatt erklärt, es stelle/ um keine Jrrtümer cr.f* kommen zu lasst«, fest, daß bis jetzt noch keine Antwort der französischen Regierung an die Reparatwnskoumrisfion vovl-iche, sondern lediglich ein Priv,atbrief Poine^res an den französischen Delegierten Barth ou. Besprechungen Theunis' mit Poineare und Mae Donald. London, 24. April. Die Firnes" melden aus Brüssel: T h e u n i s fft zwecks Besprechung des Expertengutachtens mit Poineare nach Par i s abgeveist und begibt sich von dort nach London, wo er eine Konferenz mit M a c Donald haben wird. Belgien akzeptiert das, Gutachten des Experten, wünscht aber einen Meinungsaustausch über die prozentucIIc Verteilung der deutschen^ZahlungsbÄingüngen für die RuhrräumulV und die Lösung der inierallnerten Schuldenfrage. Wester wünscht Belgien die Be- Handlung, der G.e s a m t l e i st ün g Deutschlands und glttchzeiKg' die Behaudkung der i n t e r a l liier t e n S'dj-ttbda-HK. .. - Die »Mche 8«d«ftrie ffr das Gutachten. Berlin, 24. Aipril.. Das Präsidium und der Vorstand des Reichsverbandes der deutschen Industrie erkennen in einer Entschließung zum Gutachten der Sachverständigen an, Paß diesies eine geeignete Grundlage zur LösuW des ReParationsiprcVloms darstelle und billigen den Standpunkt der Reichsregierung, auf der Grundlage dieses G u t a ch t e n 8 z u v e r h a n d e l n.. Sie beschränken sich darauf, als fundamentale Voraussetzungen für die Annahme und Durchführung des Gutachtens hevvou',uheben: 1. die. Wiederherstellung der vollen administrativen und wirtschaftlichen Souveränität des Deutschen Reiches in den besetzten Teilen Deutschlands und 2. daß die Aus- -führung des Gutachtens in demselben Geiste erfolge, der die Sachverständigen , bei der Abfassung beseelt hat. wurde, sodann bis zu, dem Zeitpunkt vertagt, wo einer der Ausschüsse bereit sein würde, seinen Bericht vorzulegen. Poincare über die Aufgaben der neuen Kammer. Paris, ,24. April. Aus dem Bankett des.Landesikongressts der vepublÄanischsn Vereinigung hielt Poincare ein« Rede über die ä u ß e r e P o T i 11 k und erklärte, Aufgabe der neuen Ka.imner werde es. ebenso wi« der vorhergehenden sein, die R e ch t e A r a n k r e i ch s z u w .a h r-e n und den Weltfrieden zu festigen. Ferner werde sie die moralische Geltung Frankreichs im Orient wiederherstellen müssen, iydem sie ohne Verzug den La usauu er Bert rag. ratifiziere. Die Handslsibezie!'hungelt Frankreichs, zu den BÄchten, mit penen Frankreich nur durch unibsstandige Uebeveinkommen verbunden sei, müsst» entwickelt werden. Ferner werde die Karmner das neue Wirtschastsshstsm zu prüfen haben, über das in kürzester Frist mit D e u t s ch lau d zu verhandeln der Vertrag Frankreich verpflichte, um die R e p a rat -i o n e n und die Garantien für die Sicherheit Frankreichs zuerlangen, ohne irgendeinen Vorwa.rd zur Entstellung der friMichen Absichten Frankreichs zu liestrn. Die französischen Minister dürfen keine Wahlreden hatten. Paris, 24. April. (Tel. per „Wr. MonPnzeitung".) Die Regierung hat beschlössen, d^ß diestnigen Minister, die als Kandidaten bei den Kammer wählen äuftreten, von heute an in den W a h i v e r s a m m l n n g e n n i ch t mehr das Wort ergreifen dürste Mae Donalds Schwierigkeiten. -y. Wien. 2b. April. Wieder schwimmt der deutschen Kriegspresse ein-beliebtes Thema fort.. Die Regierung Mac Donalds hat vvn dem Jahreskor.greß der Arbeiterpartei das Vertrauensvotum erhalten. Der kontinentalen Reaktion war dieses Kabinett nicht radikal genug. Da es auf sozialistisches Programm gewählt worden war, so sollte es nach den Kommentaren, die ihm die Völkischen aller Nationen mit auf den Weg gaben, dieses Programm auch sofort durchsetzen, aber. nur für England. Abrüstung' in England, Sozialisierung der Verkehrsmittel, der Bergwerke, des Grundbesitzes — alles schön, aber nur für England. Als dies alles nicht eintrat, erfand man sich die Schwierigkeiten der Regierung mit ihrer Partei. Es wurde mitgeteilt, daß sogar einzelne Labour-Deputierte bei wichtigen Vorlagen gegen die Regierung stimmten. Dies war tatsächlich bei der Mieterschutz- und Arbeitslosenbill der Fall, aber wie sich bald zeigte, nur deshalb, weil die von der Regierung bei ihrem Amtsantritt Vorgefundene Vorlage unklar textiert war. Die Sache wurde korrigiert. \ V . ' . Aus diesem Zwischenfall aber leitete man in Deutschland sofort den Schluß ab, daß sich die Partei in .Revolte befinde, und baute darauf wieder hurtig mit Donnevgepolter ein neues System von Hoffnungen auf. Die.Regierung hat sich mit Frankreich auf guten Fuß gestellt; fällt sie, so muß eine neue Orientierung emtreten und der franzö'srfch-engjlffche Konflikt, die Lebensquelle für tausend Korrespondenten, erschien wieder in rstr trystloson Wü ste der Reparationsartikel. Damit ist's ÜrÄ'die wundörlichen Söhne des Chaos müssen was anderes zu Ersinnen suchen. ' Die Schwierigkeiten, mit denen die englische Regierung zu kämpfen hat, übertreffen nicht die Sorgen, die heute jeder Regierung täglicher Begleiter sind. Die Liquidierung des Krieges ist auch für England kein kleines Problem und die Weltmachtstellung dieses Staates gibt ihm zu den Annehmlichkeiten seines Prestiges und zu seiner Autorität auch die Verpflichtung, mit nimmer rastender Unermüdlichkeit an dem Abbau der Konfliktstoffe zu wirken. Die sozialistische Partei, die dem Dogmatismus und der programmatischen Sentimentalität ihrer deutschen Freunde abhold ist, hat, wie Mac Donald hervorhob, ihre erste Aufgabe in der Herbeifiihrung einer neuen politischen Mentalität erblickt. Es sei leichter, eine Revolution zu machen, als zu regieren, und er persönlich würde die Verantwortung für eine Revolution lieber auf sich nehmen. Aber der Ungeduld des Kontinents geht es nicht rasch genug. Es gibt Millionen von Menschen, die in ehrlichster Ueberzeugung alles Heil von der englischen Regierung erwarten; ihnen gegenüber steht die internationale Reaktion, die jeden falschen Griff bekräht und höhnisch darauf hinweist, daß ' die Arbeiter, die nun im Besitze der Macht sind, auch nicht rascher vorwärts kommen. Und der gläubige Chor der inwendig G'flickten betet es nach. Als ob es so leicht * wäre, die Verbrechen des sünffährigen Krieges in allen Spuren zu beseitigen. Die Leiden aller europäischen Staaten potenzieren sich , in der Wirtschaft des. englischen. Riesenreiches, und schon daraus erMrt es sich, daß jede englische Regierung für den Frieden eintreten muß. Daß aber diese Leiden je nach dem Gebiete, das sie heimsuchen, ein anderes Gesicht tragen, kompliziert die Äufgabe Englands, das es seit Lloh-d George immer wieder unternimmt, die drei großen Problemkomplexe . der Reparationen, Mitteleuropas und. des Ostens, auf die gemeinsame Wurzel des Versailler Friedens , zu führen und. ihre Heilung auf einem neuen Weltkongreß anzustreben. In dieser Richtung bewegt sich die englische Politik seit dem Kriege und sie. ist. so konservativ — im guten Sinne natürlich —, daß sie die.Linie, auf die sie einmal durch die Logik der Tatsachen gebrachst wird, solange als nur möglich beibehält. Die Politik des liberalen Lloyd George führt der Sozialist Mac Donald fort, , ohne die Experimente, zu versuchen, die einen Teil des übrigen Europa verwüstet haben und die, wenn sie England vornehmen wollte, die ganze Welt , in Brand setzen würden. Was für den Augenblick zu erreichen war, daß eine Instanz für den Weltfrieden errichtet wird, ist erreicht worden. Das ist schon sehr viel..