Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1864 (24.4.1924)
- Date
- 1924-04-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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mii'iuii wwvm umuiiiuj w SeNe 8 Wien, BolttterStag §Aihlen Wasser bringt. Wenn Entstein tu London, Paris, Tokio und Singapore in dmtscher Sprache seine Zehren vorträgt, dann bucht dies Alldeutschland freudig als völkische Ehre; wenn irgendwo in Amerika ein jüdischer Forscher stirbt, dany annektiert ihn die Horthy- Presse sehr rasch für die magyarische Rasse. Solche Reflexionen sind freilich müßig. Man konnte leichter einen Sack Flöhe hüten als Hakenkreuzlern Logik beibringen. Mer fällt den Politikern, bte diese Kulturämter mit Aufträgen versorgen, nicht auf, daß sie mit der Veröffentlichung solcher Listen ihrem Volk und seiner kulturellen Wertschätzung einen sehr schlechten Dienst erweisen? Was zttm Teufel hindert denn die Arier, die jüdiscken Professoren an Zahl und Leistung zu übertreffen? Wer eine solche Liste betrachtet, muß doch auch fraget:, weshalb denn zum Beispiel das geisnge Deutschtum — von. Ungarn ganz zu schweigen, denn wo nichts ist, hat der Kaiser nichts zu sagen —, das doch von den heiligen Impulsen zur Forschung nach Wahrheit und Licht erfüllt ist, keine größere Schar geistiger Führer stellt? Jedes Ding hat bekanntlich mehrere Seiten und wer die eine vorkehrt, muß es sich gefallen lassen daß auchl alle anderen beleuchtet werden. D'e Profkripttonslisle jüdischer Professoren Hai einen politischen Zweck. Die Arier — und wir meinen hier vornehmlich die völkischen Deutschen — wollen bemänteln, daß ihre geistigen Führer steril geworden sind, daß sie ihr Gehirnschmalz an die Verbreitung der Revancheidee und an die Verführung der Jugend verschwenden und daß sie' darum am geistigen Wettbewerb in der GelehrtenrepMik nicht mehr teilnehtnen. Darum lügen sie, daß ihnen die Juden die Platze wegnehmett. Das Wiener Kulturamt hat deshalb eine sehr nützliche Tat vollbracht. Ar AtzrSstnng. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Prag, 23. April. Heute trat in Prag ein Spezial- Ausschuß von Fachleuten zusammen, die vom Völkerbund, respektive vom Unterausschuß der vorläufigen gemischten Kommission für die Herabsetzung der Rüstungen mit der Aufgabe betraut wurde, die Frage der privaten Herstellung von Waffen und Munition zu beraten und ans Grund der vcrli-egeMn Anträge eine internationale Konvention vorzuber-eiten. Der Kommission gehören an der kanadische Delegierte Carnegie, der italienische General D e m ar i n i s, der französische Oberst R e q u i n, der beTanute Führer der französischen Syndikate Jouhaux und der tschechische Delegverte Dr. Hadac, Den Vorsitz führt der iranzösiifche Senator Lebrun. Wiener Moroen^eitunft. 24. April IM Nr.-1864 . Hinter verschlossenen Türen. fEtgendienst der »Diener Morgenzeitung".) München, 23, April. Heute begann vor dem Vc'lksgericht der zweite Teil der I u st i z k o m ö d i e. die Hitler- Prozeß -benannt wird. 36 Angehörige des Hitkrschen Stoßtrupps sind der Beihilfe zum Hochverrat angeUagt; die standhaften Führer des Stoßtrupps, Josef Berchtvld und Emil M ö r i s, sind flüchtig. Den Kombattanten, die jetzt vor dein sogenannten Gericht stehen, kann schon durch die Formulierung der Anklageschrift nicht diel geschehen, denn die Anklage bezeichnet in den meisten Fakten, d'e st« anführt die beiden flüchtigen Hitler-Helden als die Ansiiifler oder Täter: Ber chto ld habe den Stoßtrupp am 8. November alarmiert, den Befehl gegeben, die blaue Schutzpolizei ' vor dem Burgerbväu zu überrumpeln und den Keller zu besetzen, ferner am nächsten Tage ein Maschinengewchr gegen das Polizeigelbä-uds in Stellmtg bringen lassen und vensucht, den dort gefangenen Putschisten P o e h n e r zu befreien. - . Die Anklage gibt neben der Schilderung der Festnahme von Geiseln durch den Stoßtrupp auch ein Bild von der Art. wie . die Burschen (die meisten sind Studenten und HandlungSgehllfen, viele stammen nicht auS Bayern, sondern wahrscheinlich auS P reu ß e n und T i rol) in den paar Stunden, da sie „Machthaber" ivarett, hausten. Sie marschierten zum Gebäude der Münchner Post", um es von G r u n d a u s z u z e r st ö r e n. Sie hausten dort,, wie es in der Anklage heißt, wie Vandalen. Eine Kasse mit mehreren Billionen Mar^ w u r d e i h r e s I n h a l t s b e r a u b t. v i e r S ch r e i b- Maschinen, zwei VervielfaltigungLmaschi« n e n, fünf Gummireifen für Kraftwagen und eine große Menge Schreibmaterial auf Lalstkraftwagen fovtgöschafft. Ein anderer Teil des Stoßtrupps ging während dieser Zeit , in die Wohnung des sozialdemokratischen Führers Auer,, wo aber nur d.ssen Gattin, Tochter und Schwiegersohn. anwesend waren. Frau Auer wurde die Pistole auf die Brust gehalten und aufgefordert, aiWgeben, wo sich ihr Mcvun befindet. Gin anderer Stcßtruppter stieß sie mehrmals vor die Brust und sperrte,sie vorübergehend in ein Zimmer. Der Prozeß erregt gar kern Interesse. Der Zuschauerraum ist säst leer. .Bon den AngeElagien, deren Generalien zur Verlesung gelangen, sind mehrere vorbestraft, gewöhnlich wegen Körperverletzung oder Diebstahl; das letztere Delikt kommt auch mit mehrfachem Rückfall vor» Auf Antrag des Staatsanwaltes üttd unter Zustimmung ' der Verteidigung wird, sofort nach der Verlesung der Anklage die ohnedie'S spärlich vorhandene Oeffeutlichk«it ausgeschlossen. der Amnestie ausgenommen sind die Führer und die Anstifter der Bewegung, im ganzen etwa 46 Personen. Der, Antrag, die Amnestie atif die Minister des Kabinetts Radoslawow auezudehnen, wurde von der Regierung bekämpft und vom Sobnmje verworfen. rer Proretz men die «»mische« Migranten. Budapest, 23. April. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Die Hauptverhandlung gegen die ungarischen Emigranten, und zwar MäW gegen Graf K a r o l y i, Ernst Garaml, Ludwig Hatva>ny, Siegmund Ku nfi und Emanuel Buchinger wegen Beleidigung des ungarischen Staates und der ungarischen Nation, findet vor dem Budapester Strafsenat am 20. Mai statt. Tagesbericht. SkSffmmg der britischen Weltausstellung. Ms London wird gemeldet: Die ReichsauSstellung in Wembley ist heute vom König eröffnet worden. Der König erklärte, die Ausstellung gebe der Welt eine praktische Vorstellung vom Geist deS freien ZusammenarbeitenS, welcher Völker verfchisdemr Raffen, verschiedenen. Glaubensbekenntnisses, verschiedenartiger Sitten und Gebräuche veranlaßt habe, sich in einem einzigen Gemeiuivesen zu vereinigen.! Äe AnsstellMg werde hoffentlich nicht: nur dem Reich, sondern der Menschheit im allgemeinen , zum^ Ae JnternationaMerung der deutschen Bahne». Berlin, 23. April. (Wolff.) Laut Bevovdmrng des RcichslZcmzlers wurde der Reichsverkehrsminister Oeser zum Generaldirektor der deutsche« Reichsbahnen emnnt und ihm ein vorläufiges Direktorium mit begutachtender Stimme als Unterstützung zur Seite gestellt, das aus den Staatssekretären des Reichsvevkehrsministerium's als geschästsführenden Mitgliedern- und den AbteiVungsleitern als weiteren Mtgliedem gebildet wird. (Osfer soll, wie wir erführen, aut die Spitze der internationale« Eisenbahngeselkischaft treten, in die die deutschen Reitbahnen nach >dem Vorschläge des Sachverständigengutachtens umgewamdelt werden sollen.) Fremdengesehgebunn in Bayern. Erleichterung der Einreise, Verschärfung der Ausweisungsbestimmungen. München, 23. April. (Tel.-Koinp.)Die Eiureifefür Ausländer nach Bayern ist wesentlich erleichtert worden. Ausländer, die sich weniger als sech's Mona t e m Bayern aufhallen wollen, bedürfen nach eitler ministeriellen Verordnung nicht mehr der schriftlichen Genehmigung. Bei einem länger als sechs. Monate währenden Aufenthalte oder bei Uebernahme vc«n Dienst beziehungsiweise Arbeit ist die schriftliche Genehmigung der Bezirkspoliizeibehörde erforderlich. Die A u s w e isungs bestimmungen sind dagcgett erweitert worden. Ta» sozialistische Kabinett in SÜnemark. Kopenhagen, 23. April. (MM.) Das neue Kabinett ist folgendermaßen zusammengesetzt: Staatsmiuister und Minister für Handel, Industrie und Sesschis'ahrt — S tauuing, Minister des Aeußevn — Gras v. Moltke, bisher Gesandter in Berlin. Minister für soziale Verwaltung — Redakteur Richard Borgbjerg, VerMtgungsminister — Ra's müssen, Mitglied. dos Folketing. Minister des Innern — Redakteur Hange, Kirchenminister -—Dahl, Mitglied des Folketing, Minister für öffentliche Arbeiten — Fre iis - Skote, Mitglied des Folketing UnterrlchtSimnlster — Frau Nina Bang, Mitglied des LaUdstiug, Finanzntinister — B r a m s n a e S, Mitglied des Landsting, Justizm'mister — Gerichtspräsident Steinke, Laiedwirtschaftsminister — Hofbesitzer B o r t i n g. Sie Amnestie in B«igarirn. Sofia, 23. April. (Bulg. Tel.-Ag.) Da's Seibraufti hat einen von der Regierung emgebrachten Gesetzentwurf genvhmigl, wonach den a« den agrarische« und kowistuttlsilschen unruhe« vom Juni und September 1323 beteiligten Personen Amnestie gewährt wird. Bon UHHIIIV# «letzt tzina«,gelehnt. Bon ein» führenden Persdnlichkeit der nationalsoztalisUschen Partei wird einem Wiener Hakenkreuz- Blatt mitgeteilt: ,Jn der Freitag den 18. d., halb 8 Uhr aberchs, im Gasthause Tischler in der Schauflergasse abgchal« tenen Obmännerkouserenz der Wieüer Gruppen wurde die Mititeiliuug gemacht, daß die Reichsparteileitung in ihrer Sitzung vom 18. b. den früheren Obmann ttnd Gründer der Partei Dr. Walter Riehl aus der -Partei ausgeschlossen hat. Eine Crörtemug des Bs,'chl«sses wurde nicht zugelassen." Daß der Gründer ei-uer Partei nicht Rotz kallgestellt, sondem hinausgewovfen wich, ist eine ziemlich seltene Erscheinung. Der Grund für diese Maßregel dürste darin zu suchm sein, daß Walter Richl in genauer Evkennluis des autikapitalistlischen Schwindelseiner Partei für eine Aenderung der TE eintrat und den Eintritt der reichen Germauen in die BaMeitungen propagierte. Riehl über seinen Ausschluß. Den: Herausgeber der Ko-rreifpmtdenz Herzog machte Riehl gestern die folgenden Mttenuuaen: ,Hch wecke noch heute die Lage mit einer Attzabl don Ortsgruppenvevtretern. die mir ihren Besuch augökündlgt hüben, bsprechen. U-m die zwischen mir und der Partei schwabenden Differenzen zu bereinigen, Nnicke seinerzeit von der Partei ein Schiedsgericht berufen, zu dessen Vorsitzenden 'ich den tschecho-siowakkschen Abgeordneten Knirsch vorschlug..Die Gegenstite lchute ihn jedoch ab. und schllrg einen in der Partei ganz uubekanitten Mann für die Obmannstelle des Schi-cksgerlchtes vor. Meine Vertreter in dem Schrcksgerichte erklärten daraushin. eS falle ihnen gar nicht ein, unter solchen Unrständen sich an den Beratungen des Gchledsgerichtes zu beteiligen. Ich nehme an, daß die Parteileitung daraufhin in-völlig statuienwidrigec We^-e meinen Ausschluß verMt hat. Die heutige ParteilMUlw hat überhaupt kein Recht mchr, an der Spitze der Partei zu stehen und mich ausguschließen, muß ich nach alleidom, waS vorgefallen ist, gelinde gesagt, mS eine politische Kinderei bezeichnen. Sollte ich mich entschließen, Men einen derartigen Beschluß vorznaehen, so müßte ich diein der schärfften Weise tun, doch habe ich anderevstits, einen solchen Ekel vor den politischen Ouertretbereien, daß ich mich eventuell ntit einer kurzen öffentlichen Stellung«ahnte ztt dem verrückten -Beschlüße bescheiden-wecke. Meine lvesentlichsten Differenzpuntte mit der Parteileitung bestanden bekanntlich darin, daß ich dm seinerzeitigen Parteiböschluß auf Abstinenz, bet / deu letzten Nationalratswchlen mißbilligte nutz das Bovashen der- Partei bei den N ove,n ber«re :gnissen in München als übereillt -bezeichnete." .. Dem HerauWber der Kvrvefpvndem Hervei gegen« Mr erklärte Dr. Riehl: ES ärgert vie jetzigen Macher der nationalsozialistischen Püvtei, daß die Bewegung, hier nicht vorwärts geht. Die» hübe ich auch Hitler vor einige Zeit geschrieben Md.die.Parteileitung wick mm von diesem Schreiben Kenntnis erhallen haben und darüushin - mit melner AttKichließuug -wrgeswMN' sÄn. J mich mit der Angelegenheit noch beschäftigen und das Vorgehen der Neichöparteileitung lehr emachorck peleuchtev- Nutzen gereichen., . . - Arbeitsaafnahm ans den englischen Werften. Southampton, 23. April. (Reuter.) Die Medewufmhme der Arbeit cutif den Schiffswerften ist allgemeine Die' AnoMungen betreffend Aussperrung der Arbeiter siud zurückgezogen worden. , r“ rc- -t ■ . -! Die Kant-Feier in Königsberg. - Aus Königsberg wick gemeldet:. Den Abschluß..der. Kant-Feier bildete hellte der große Kommers der hiesigen Studentenschaft. Unter den Ehrengästen befand sich unter anderen auch Minister Bölitz. Die Festrede hielt Prosesso"', HeintSoeth (Königsberg). Ber Budavefter zestvngrstrrsl getzt weiter. Aus Budapest wird gemeldet: Die Vertrauens» mÄmer der Buchdvuckereiarbeiter ha'ben das Angebot der Arbeitgeber abgelehnt. Infolgedessen dauert der StrviEwriter an. . rtzaw geistig gesnnd. DaS Reutersche Bureau meldet auS Philadelphia: Di» Jury hat den Millionär Harry Thaw, der im Jahre 18U' in New-Uork den Architekten Stanfock White getötet hattc und hierauf in einer Anstalt interniert worden war, für geistig gesund und für fähig erklärt, sein großes Be>' . mögen selbständig zu verwalten. Znternationaie Fraurnliga für Frieden und Freiheit. Der Kongreß in Washington. Der vierte Konigreß der Internationalen, Frauenliga für Frieden und Freiheit findet vom 1. bis 7. Mai in Washington statt. Die Liza die 1916 > im Haag unter Beteiligung anS 14 Ländern gegründet wuchs,,. erwartet heute Delegierte ans 39 Ländern. ' Aegypten, Japan, Ehina, J.ndien, die .füd- amerikanischen Staate n werden vertretensein. DaS Hauptchema des Kongresses lautet: „Eine »wuc Wel'tordnu ng". Ein Souderzug mit FrisdensvmlblMrn , wick die.Deleglerden nach dvtn Kongreß tzttrch viele amerikMl- , sche Städte aus dem Wege von Washington nach - Ehikago bringen und Gelegenheit geben, überall Mafsenversammlungen für den Frieden zu vevansballen. Vom . 17, bis 81. Mai wird in Chikago eine Internat io*, m a l « S o m m e r s ch u l e apgchalten. nach dmri. BeMdigung NochnMS ein Fviedenszug über nordaMvikantsche und kanadische AM« bis M o n t r e a l führt, von wo die Rückfahrt nach; Europa erfolgt.- -