Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1864 (24.4.1924)
- Date
- 1924-04-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummern 1200 Wien: Zorn Abholen in der Expedition, li^Taborsh. 1-3, oder meiner Verseht eisnt eile fTrafikt monatl. K 35,000 otrwsemrerkabf in Wien durch die Kotnortenre der Firma Goldschmiedt, 1.6ezn Wollzefle 11. Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 35.000 Taehee h o-S I owalc ei: Mon. K18. lonroalawien: Mon. Dinar60. Polen: Mon. 3*/t Zloty, Deutschland: Mon- Goldmark 4, F r a n k rn Belgien' Mon. Fres. 12 8T Niehiahiuni«« "M> PraimritöluiSfen «orMialtm Nr. 1864 lener Wien. Lonnerstag, 24, April 1924 Polen:poinJL350.000 Italien: Monatl.-12 l.ire, Rumänien Mon. 130 l.ei, Bulgarien .Mon. 80 l ewa, Schweiz ond das übrige Aasfand monatlich Fres. 4 Redaktion o. Administration Wien, IIn Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43*3-19, abfi Uhr abds. 19-488.25-232 fX. UnlversitSfpströ—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisehes Postspar» Wa«sen-Xonto Nr. 150.693 WUWMMSWWWWWWWW». 6. adürsons Kein Kurswechsel in Ungarn. Setölen HAI seine Snsestiindnisse an die Svvosttton nicht ein. (Eigendienst der „Wiener MoWenzettnng".) Budapest, 83. April. Die Parlamentarische Verabschiedung der Rekonstruktionsdorlagen bis zum Ostertermin war bekanntlich einer Einigung zwvschen dem Mimsterpräsidenten und d«n ausschlaggebenden Frakti-onen der Opposition zu verdanken. Der Preis, den die Regierung für die rechtzeitige Erledigung dieser Vorlagen zu zahlen hätte, ist in verbürgter Form bisher nicht bekannt geworden. Graf Bethlen soll im Laufe der Verhandlungen unter anderem auch die Entlastung des sehr einflußreichen LandespolizeiHauptmannS Nadossy. den die Opposition für alle reaktionären Erscheinungen 4» der mnerpolitischen Entwicklung Vera n t w o rtli ch macht, zugesagt haben. Tatsache ist. daß Graf Bethlen den Lande'spolize'vhLUptmanll Nadossy zu sich beschieden und eine An rotzalistisches Attentat in Paris. Paris, 23. April, (Tel. der „Wiener.Morgenzeitung".) In der vergangenen Nacht wurde von Camelots du roi auf den Führer der Pariser Anarchisten, Bau re, ein Attentat Verübt. Er wurde' von vier jungen, Burschen', überfallen, die ein« Reihe von Schüssen aus ihn abgaben und ihn so fchwex,verletzten, daß er kaum am Leben bleiben dürfte, . Bombenexvlofion in Ren-Sander. (Eigendienst der „Wiener Morgenzrttung".) Warschau, 23. April. Gestern um 1 Uhr nachts explodierten auf dem Geleise vor dem Bahnhof N e u - S a n d e e auf der Linie Neu-Sairdee—Krakau z w e i Bomben gerade vor Ankunft eines Personenzuges. Die Explosion verursachte mp geringen Schaden. Die eingeleitete Untersuchung blieb resultatlos. Lr. Sttefemam über die Mimm- Berttiige. Berlin, 23. April. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Reichsaußenminister Dr. Stresemann erklärte einem Mitarbeiter des „Dresdener Anzeigers" über die Haltung der Reichsrcgierung bezüglich der Verlängerung der Micum-Verträge, die Reich sfinanzen würden durch die jetzige Verlängerung dieser Verträge nicht in Anspruch genommen. In den Kreisen des unbesetzten Deutschlands und im Auslände habe man gar keine Vorstellung von der Wirkung dieser raffiniert ausgesonnenen Verträge, für die der Ausdruck „Vertrag", wenn man ihre Entstehung berücksichtigt, ebenso paffe, als wenn man den Frieden von Versailles als einen durch gemeinsame Verstänidigung zustandegckommemn Vertrag bezeichnen wollte. . Die Durchführung der Micum-Verträge sei bei der Kvh- - lenindustrie bisher nur durch die Aufnahme von Krediten im Auslande, die unter größten Schwierigkeiten und unrer den schwersten Bedingungen beschafft werden mußten, ermöglicht worden. Die Werke betrieben Raubbau, und seien nicht in der Lage, auch nur die geringsten Investitionen vorzunehmen. Infolge des S a ch v e r st ä n d i g e n g u t a ch t e n 8 sei jedoch eine e n t s ch e i d e n d e A e n d e r u n g insoferne eingetreten, als die. fristlose Verlängerung der Verträge, wie sie von Frankreich gewünscht wurde, nicht mehr in Betracht gekommen sei. Dadurch sei die Zustimmung zu ihrer Verlängerung möglich geworden. Sie Bereinigten Staaten von knropa. London, 82. April. (Reuter.) Auf der Konferenz der ttnavhängigen Arbeiterpartei in N o r k wurde ein Beschlußantrag angenommen, worin eine Beteinigung aller 91 o-t tonen- E u r oPas nach . dem Mister ■ der Bereinigten Staaten empfohlen wird. lange Unterredung mit ihm gehabt hat, nach der N a d o s sy seinen politischen Freunden in sehr gedrückter Stimmung Mitteilung von seinem bevorstehenden Rücktritt machte. Seither scheint sich wieder eine Wendung vollzogen zu haben. Nadosths Position hat sich wieder gestärkt und anlählich einer gestern stattgefun denen Tisza-Feier -hat er erklärt, es sei seinen Gegnern nicht g e l u n g e n, ihn zu stürze n. Ebenlso großem Interesie begegnet die Nachricht, wonach Minister des Innern , Rakowsky, deffen D e m i s s t o n etbenfalls tat Aussicht genommen worden war, sein Amtheutewiede r ange treten hat. Ist stamöWen Wahlen. Die Wahllisten für Paris. (Eigendienst der „Wiener/ Morgenzeitung".) ' - /Paris,' 23. April. Nunmehr liegen sämtliche- Wahllisten für Paris und Umgebung vor. Das Pariser Stadt- - gebiet ist in vier Sektoren eingeteilt. Der erste Sektor wählt ' 13 Abgeordnete und eS Hetzen.sich E, acht Listen gegenüber, und zwar: J.. 4>ic Ö ift e jttßic -relnxDI liBöitif Umortund der nationalen Einigung (Bloc national), Listensührer der derzeitige Kolonialminister F a b Hy; 2. die Liste der Action Franeaise, Listenführer D e Vesins; 3. die Liste der republikanischen Union, und öffentlichen Wohlfahrt, Listen-- führer Colrat; 4. die Liste der einfachen republikanischen Union, Listenfühver der ehemalige srvnpsische Botschafter in Rußland Noulens. Ferner befindet sich auf dieser! Liste der ehemalige Finanzminister Clemenceaus Klotz. 5. Die Liste des Kartells der Linken, Listenführer Umv.- Prof. Pinard; 6. die Liste derMmmrunisten, . Listenführer Cachin; 7. die Liste der Anarchisten; 8. die Liste der distidenten-republikanischen Sozialisten. Der zweite Sektor wählt elf Abgeordnete, hier stehen sich fünf Liften gegenüber, der dritte Sektor Ivählt 13 Augeordnete mit sieben Listen, ..der vierte. Sektor (Umgebung von Paris) 19 Abgeordnete-mit fünf Listen. Kein russisch-rumänischer Kries. Trotzky über die Wiener Verhandlungen. Moskau, 22, April. (Rust. Tel.-Ag.) In einer Unterredung mit dem Berichterstatter der „United Preß" und des International New Service" dementierte Trotzky die Mitteilung der ausländischen Presse über eine angebliche Mobilisierung der Roten Armee und erklärte, die Sowjetunion sei nach wie vor.'bereit, an jedem internationalen Abkommen zur tatsächlichen Abrüstung un>d zur Verminderung 'der Kriegsgefahr teilzunehmen. Bezüglich der Möglichkeit eines Krieges mit Rumänien sagte Trotzky: SMstiverständllch denken wir nicht daran, aus der beßarabischen Frage einey Casus belli zu machen. Wir wollen uns -bemühen, daß das SelLstbestimmungsvecht des beßarabvschen Bolkes sich auf friedlichem Wege, verwirkliche. Der Abbruch der Verhandlungen in Wien hat nur zu bedeuten/ daß die Sowjetum'on den Raub Beßavabiens niemals gutheißen wird. Trotzky gab zu, daß die Sowjetregierung Kredite von England erhoffe. Diese Kredite.würden zur planmäßigen Stärkung der Sowjetwirtfchast bienen. Stallen anerkennt die griechische Rehnblik. Rom, 23. April. (Stefan:.) Wie die Blätter melden, hat Italien die griechische Republik anerkannt. Aue Proskriptionsliste. —y. Wien. 24. April. Ein sogenanntes Kulturamt der völkischen Stu- )enten Wiens veröffentlicht als Resultat einer , eingehenden Untersuchung eine Liste aller als nicht irisch, das heißt im vorliegenden Falle als jüdisch Veremten Lehrer der Wiener Universität. Dseses Kultüramt hat seine Nachforschungen mit einem - Eifer.' ' -betrieben, der wahrscheinlich dem Berussstudium . besser zustatten gekommen wäre, und man kann-sich die geistige Veranlagung von jungen Leuten sehr gut vorstellen, die im Lektionskatalog jeden. Namen darauf prüfen, ob er einem Juden zugehört. Die Lifte, die an zweihundert Namen enthält, soll als Beweismaterial für die von den Völkischen deutscher, slawischer und romanischer Couleur behauptete Uebevschwemmung des arischen Geisteslebens mit jüdischen Elementen dienen und das klägliche Geschrei aller Rassenschützler bekräftigen, daß die Juden ineinem ihrer zahlenmäßigen Minorität, nicht entsprechenden'Ausmaß an' dem. Beruf des akademischen Lehrers partizipieren.' .Worausdann die Lehre gefolgert/ wird., daß . sie auf ihren ' Prozentsatz. : zu beschränken wären. Das ist, wie manja 'weiß; eine aus dem jugendlichen. Gebiet rn dem Bereich - des ^allge- : meinen ’ politrschen Lebens ■ eingreifende Forderung an- -;sehnlicher, politischer ^Parteien; -deren ' Angehörige selbst im Sinne der - Raffeniheorie -erzogen/wurden-.'und -die. l nunmehr Mt' Hilfe dör Mrkeren Lüngenkraft Znd. der alle Kompromisse verwerfenden Jugend das Gelernte m gesetzliche Form zu -briygeytraHeft^? "" ZMr sind die gegenwärtigen Zeitläufte. solchem- .'Beginnen, zuma'lrrm MM'M deutschen Sprachkrerses, nicht, günstig, Es gibt Friedensverträge,. - welche eine solchen' Tendenzen - entsprechende Degradierung', von Bevölkerungstellen nicht ' zulasten und weder Oesterreich, das unter der ^Kontrolle des Völkerbundes steht, noch Deutschland könnten' derartige Experimente via legis versuchen. In Ungarn konnte dies in der Gestaltder. drirch rohe Gewalt^ durchgesetzten Vertrerbung und Demütigung der jüdischen Lehrer geschehen und der Zustand der. magyarischen Hochschulen .läßt die Wirkung in einem Maße erkennen, das sogar bei den eingefleischtesten Turanern Bedenken für die Zukunft erweckt hat. In Polen und Rumänien sind solche Hakenkreuzwünsche von den Regierungen, die auf- Reputation vor dem kultivierten Europa noch etwas hasten, abgelehnt worden. Deutschland, das jetzt' unmittelbar vor denn Beginn schwieriger internationaler Verhandlungen steht, kann weder seine Position noch seine moralische Geltung' -durch rassischen Bruch der in Versailles übernommenen . Verpflichtungen auf gleiche Behandlung aller Einwohner belasten.^ Trotz dieser Hemmungen aber besteht eine sehr eifrig betriebene Agitation, die aus jungen Leuten Denunzianten macht und sie bedenkenlos sittlich körrumpiert. Diese Jugend, die in jeder Art des Kampfes gegen eine Minorität erzogen urd an das Recht des härteren gewöhnt wird, soll in der nächsten Zukunft die für die EnÜvicklung veranttvortlichen ' geistigen und politischen . Führer stellen. Man bekommt wenig Respekt vor einer Zukunft, die in solcher Weise vorbereitet wird. Aber jeder Unbefangene erhält, wenn er die Liste betrachtet, Respekt vor der Gehirnkultur des Judentums. Wer keine RassensMtzbrille trägt, muß erstaunt die Tatsache feststellen, daß der organisierte wissenschaftliche Betrieb in einer so bedeutsamen Kulturstätte wie in Wien nicht durch das jüdisck)e Mb, von dem das Hakenkreuztum so gerne redet, sondern durch geistige Mitarbeit jüdischer Forscher zu einem sehr, großen Teü getragen wird. Daß die jüdische Ziffer-so hoch ist, wird wohl kein ernster Mensch anders als eine Ehre auffassen, die die Bedeutung des Judenttnns denn doch in einem anderen Licht erscheinen läßt als die vielfach beliebte neidvolle Nennung von Schiebern und Geldfürsten jüdischen Stammes. Das Judentum ist eben trotz oder vielmehr wegen der so lange und so intensiv bettiebenen Unterdrückung geistig außerordentlich regsam. Es kann seine Kräfte nicht oder noch nicht in den eigenen Dienst stellen und es muß sich damit abfinden, daß seine Forschung fremden und sogar antijüdischen »"Kl« M5ekikkmsnn II. Taborstra&e 48 Telrnhon 47-1-7S» En cgros En detail