Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1861 (20.4.1924)
- Date
- 1924-04-20
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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UTC. TCd Mefi, SonnW V Mertel Movstenzeltnntz. 20 AM IM GM IS PüÄikumS gerne sieht. Das Rezept ist sehr einfach: Man nimmt einen schönen weiblichen Star und läßt ihn in möglichst vielen Szenen Auftreten. Wenn die Primadonna reiten, fechten, springen und tanzen kann, sind Einlagen genug gegeben, und NM diesen Star herum wird ein phantasieloses Stück geschti^.i. Glücklicherweise haben wir in manchen MMunternchmunq.m noch Dramaturgen und Regisseure sitzen, die salbst höhere Ansprüche stellen, und diesen verdanken wir, daß das PM'kum doch noch manchmal etwas Wertvolles scheu kann. Dieser schlechte Geschmack des Publikums rann natürlich nicht ewig dauern und es ist die höchste Zeit, daß eine Aenderung tritt, Wir werden mit amerikanischen Filmen.überschwemmt, da die österreichischen Filme versagt haben. Wie kann diese Wertlosigkeit beseitigt werden? Vor allem nur dadurch, daß dieser Ring durchbrochen wird. Wir sehen dieselben'Verhältnisse wie br-m Theater, das bei uns in Oesterreich und in Deutschland ans einem ziemlichen Tiefstand angelangt ist, weil die Theaterdirektoren nur GeschafiSlutte sind, und wr-.i der Ring der .Mach-'." nicht oder nur Wien durchbrochen werden har.. Und Tcur es jemandem gelingt, diesen Ring zu durchbrechen, dann wird er in diesem Ring ausgenommen, der Ring schließt sich hinter ihm und der alte Zustand bleibt begehen. Wenn sie «roß-cn FiUrüirektc-reri und Unternehmer als ersten Grundsatz auf-, stellen, daß der ftemden Begabung Einlaß gewährt' werd-n soll, und nicht die meisten Filmstücke von . dem internen Mitarbeiter stammen müssen, so wird die neue Zeit füx den Film beginnen können. Wie wird der Film der Zukunft aussehen müssen? Zu betonen ist, daß wir bereits Ansätze dieses Films der Zukunft vor uns haben und daß einige Unternehmungen Filmstücke herausgebracht haben, die diesem Ideale nahekommen. Es wäre verfehlt, zu glauben, daß dem Film der Zukunft das Effektvolle schien wird. Er wird Effekt mit richtigem dramatischen Aufbau vereinigen, ohne sich je dem Kitsch zu nähern. In Wien wurde das Stück von Bojnovic „Die Dame mit der Sonnenblume" im Kino aufgeführt. Da in diesem Stück das Kitschmäßige entfernt wurde, war es ein wirksames, gutes Kinowerk geworden. Das Stück von Sem Benelli, ,Ia eena delle Besse" (Das Gastmahl der Spötter), das in einem Wiener Theater seinerzeit aufgesührt worden, war, würde gleichfalls für -en Film wertvoll erscheinen; doch bei allen diesen Stücken ist die Gefahr der Vergröberung vorhanden, eine Gefahr, der im Film sehr schwer auSgewichen werden kann. Eine große Reklame hatte bei „S o d o m u n d G o m o r r a" eingesetzt und dann ist dieser Film in.Amerika durchgefallen. Der Film der Zukunft wird also ebenso schr vom Kitsch- Mäßigen wie von Uebertrerbungen und Roheiten entfernt sein muffen. Er wird Phantasie mit geschmackvoller Ausarbeitung rerbinden und gutes Theater Vorsteven muffen. Man darf nicht vergessen, daß der Film viel leichter Dinge ausdrücken kann als das Theater, das nur auf das Wort angewiesen ist. Am Film der Zukunft wird das banale Detektivstück, das weiter nichts, als eine Jagd nach dom Verbrecher mit Ausschluß der Phantasie'ist, und die banale Liebesgeschichte keine Rolle mehr spielen, dagogen wivd der Film der Zukunft Phantasie zeigen, alsoetwas, was im jetzigen Film nicht schr oft zu bemerken ist. Das Phantastische, ja Grauenhafte, Wird darin ebenso dargestellt werden wie das Symbolische. Humor darf nicht schien. Was wir an sogenannten lustigen Szenen bisher im- Film . sehen, ist größtenteils wertloser Situationswitz aus den ältesten „Münchner Fliegenden". Das gemeinsam Vorgehen und gemeinsame Richtlinien feststellen, fo daß nicht etwa die Matthäus-Passion oder die große Peethoven-Messe von mehreren Chorvereinen im gleichen Fahre aufgeführt werden und andere namhafte Chorkompomsten ß^nz leer ausgehen. Hier wie auch sonst würde intensive Zusammenarbeit der verschiedenen Musikverebne und Konzertdirektionen in der Repertoirebildung' und anderen künstlerischen Fragen dem Publikum zugute kommen. Daß die breiten Massen nach wie vor Interesse an guter Musik in guten Darbietungen besitzen, beweist die starke Frequenz der Abonnernentkonzerte unserer ■ Chor- und Orchestervereinigungen und der Veranstaltungen der K,inststellen. Die sozialdemokratische Krmftstelle hat uns zuerst gezeigt, was richtige Mufikorganisation vermag, wie sie ein ganz naives Publikum erziehen und so auch allmählich für schwierige Musik heranbilden kann. Sollten die privaten Konzertdirektionen bezüglich ihrer erzieherischen Pflichten völlig versagen, so wären, die verschiedenen Kunststellen dazu berufen, an ihrer. Stelle echte Kunst zu pflegen und auch die Moderne Musis gegen Trägheit und Verständnislosigkeit sv lange durchzuhalten, bis sich der Staat seiner Pflicht stls oberster Hüter und Förderer der Kunst bewußt wird. Im alten Griechenland war die- Kunstpflege eine öffentliche Angelegenheit, im jungen Rußland begegnet sie der vollen Förderung/der Volkskommissare, nur bei uns steht der Stgat.abseits. Mir wiederholen unsere Wünsche und Vorschläge: Schutz des Publikums durch Zulassung ausschließlich qualifizierter Virtuosen zum Konzertpodium, Ausgestaltung des Reper toires ^^ch der Gegenwart, und Vergangenheit hin, sachliche Beratung des Publikums in den Programmheften (ttamend lich bei modernen Werken), gründliche Vorbereitung großer Chor und Orchesterwerke in einer entsprechenden Anzahl von Proben, gemeinsame Aufstellung eines abwechslungsreichen, zeitgemäßen Aktionsprogramms der großen Chor und Orchestervereine. Größere Subventionen des Staates und selbstloser Mäzene täten dem Konzertbetrieb« wohl not, doch auch ohne -solche dürfte in allen künstlerischen-Angelegenheiten nicht nur die Frage der geschäftlichen Rentabilität gestellt werden, sondern eS müßten auch ab und zu kleinere oder größere Opfer gebracht werden, um neue künstlerische.Werte gegen die Ungunst der Zeit allmählich durchzusetzen.: .. .N Hrwin Felbov. Vom 4. bis 11. Mai 1924 Die österreichische Iudenschaft steht mit ihrer bisherigen Leistung Er den Palästina-Ausbaufonds hinter den §nd » fast aller Lander beschämend weit zurück. Die österreichische Palästina-Woche, mutz eine Kraftanstrengung werden und vor allem die Pflichterfüllung jener Juden bewirken, welche sich znm Zionismus bekenne«. Durch Einwirkung unserer führenden und verantwortungsvollen Männer und Frauen müssen sie veranlaßt werden, ihre schon etngegangenen Keren- Hajeffod-Pflichten sofort zu erfüllen und darüber hinaus Svfer zu bringen« Denket an die heroischen Leistungen drr Palästina-Pioniere. Sie ziehen, vom Malariafieber befallen, Sumpfland in Kultur, hausen in Zeiten, haben unter schwersten Entbehrungen Straßen gebaut, Karstland aufgeforstet, Städte errichtet. Gebet die Mittel für Einwanderung-- he me, landwirtschaftliche Maschine«, Zuchtvieh» Spitäler und lasset die Lehrer ihrer Kinder nicht darben! An der Hand von Listen werden in dieser Woche alle diejenigen angegangerr, welche für das Palästina-Welk Opfer bringen müssen. Darüber hinaus sollen aber unsere Freunde auch alle jene Juden aygehen, von denen man weiß. daß sie die jüdische Gemeinschaft lieben und mit warmherzigem Interesse dys Aufbauwerk in Erez Israel verfolgen. Organisation der Arbeit In den Bezirken Einzelne Bezirke haben die von ihnen zu gründenden Arbeitskomitees sowie die Listen der Besucherpaare demKeren-Hajessod-Bureau (I.Bauernmarkt 24) noch nicht bekanntgegeben. Dies ist schleunigst nachzutragen. Propaganda-Abende Es sind bisnun folgende Propaganda-Abende festgesetzt: . ll. Bezirk: Dienstag den 29. April, 9 Uhr abends, Hotel Bayrischer Sol: Massenmeeting. Referenten: Oberbaurat Siricker. Vizepräsident des Zionistischen Aktionskomitees. Gkmeinderat . Dr. Leopold PlaschKeS. De. Josef Löwenherz, Vizepräsident der Zionistischen LandeSörgani» sation. Ul Bezirk: Mittwoch den 7. Mai. */»9 Uhr abends, VortragSsaal des CafS Lovrana, IN. Löwengaffe Nr. 39. A-v>l Böhm: „Was gibt Erez Israel den Juden der Verstreu,,ng?^ Dr. Rudolf Schrvarz- Hiller: „Der Jude und Palästina? VI. Bezirk: Dienstag, den 29. April Palace Hotel» Mariähilferstraße, Vortrag des Oberrabbiners Prof. Dr. Z. P. Chajes: »Der Aufbau Griechenland» und Palästina-, eine Parallele." Eine Konferenz der Propagandisten Am 27. April findeti eine Konferenz aller Männer und Frauen statt, welche sich in den Dienst der Werbearbeit während der österreichischen Palästina-Woche stellen, Organisation und Methode der Arbeit werden bei dieser Konferenz eingehend beraten und wichtige Maßnahmen für diese Tage angestrengtester Arbeit besprochen werden. O r t un d Z eit der Konferenz wird allen bei uns gemeldeten Mitarbeitern rechtzeitig bekanntgegeben. Alle Zuschriften in Sachen der öfterreichi che« Palästina-Woche find zu richten an. Bureau des Keren Hajeffod, Wie«, l. Bauernmarkt 24. Leiet und verbreitet die arrtteoende illustrierte Schrift „Der Aufbau Palästinas!« Benützet die Feiertage zur Aufklärung Über das allen Juden gleich tenire jüdisch« PalSstina-WerL! 'Lustspiel scheint für das Kino nicht zu bestehen, denn waS aufgeführt wird, verdientmeisten» nicht diesen Namen. Einige amerikanische Filme verdienen als. gute Lustspiele erwähnt zu werden. Dabei ist das Publikum.gerade für die lustigen Szenen sehr empfänglich, so daß wirkliche LustsPiele großen Erfolg erwarten lassen. Das landschaftliche Moment wird in neueren Filmen bereits oft zur Belebung der Szene angewendet, e» wird stets gute Wirkung. auSübeN. Falsch ist die Ansicht, den Star rmr in recht vielen Szenen auftreten zu lassen und dabei das dramatische Moment zu vergessen. Die Cartellieri wird gewiß gerne in einem . Film austreten, der Sd» Gelegenheft, gibt, schauspielerisches Können zu entfalten, ^rausgesetzt, daß sie schauspielerische Begabung hätte. Der Film der Zukunft wird packende Szenen enthalten, ohne bloß auf Effekthafcherch berechnet zu sein. Erst dann wird er eine wirksame Konkurrenz für daS Theater werden. Die Zukunft gehört dem Film. In wenigen Jahren wird man ernste Besprechungen der Premieren schreiben, regelmäßige Besprechungen, nicht wie jetzt, wo die meisten Besprechungen keine genügende Beachtung finden. - /.; . . Und zum Schluffe die Kinobesitzer! Sie sind in der. Regel sehr verständnislos und weiter nichts als Geschäftsleute. Es ist keinem von ihnen eingefallen, das^R a d i o .für den Film herxrnzuziehen. Und wie leicht ließe sich da» machen. DaS gesprochene Wort Ware vorhanden und die Schnsucht EdisonS gestillt., ^8 fft. sicher, daß in einigen Jahre« , die Bedeutung des Radioielephons für den Wlch erkannt sein wird. Heute allerdings ist davon noch keine Rede, ebensowemvon hervorragenden Filnien der, österreichischen Kmonchustrie, zumal Kese sich jetzt in einem Niedergang befindet, aus dem sie'sich hoffentlich bald wich retten können. Dr. Fritz Tauber. Ser Wische AntffemMrmur. Daß gereizte Menschenim Aevger manchmal wettet gehen als sie selbst wollen und Aussprüche tun, die sie nicht verantworten Linnen, ist sicherlich keine neue und kein« über-! raschende Feststellung. Man dach'solche Heftigkeiten nicht überschätzen und nicht zu ernst nehmen: Bin ich mit jemandem in Streit geraten und er. nennt mich ein widerwärk^es Frauen-' > zimmer, so finde ich alles in schönster Ordnung und sehe keinen Grund zur Aufregung. Ich habe gegen Schimpfen überhaupt nicht diel einPvwenden,' solamge es schriftlich oder telephonisch . geschieht, man muß den Briefnicht zu Ende lesen und di» segensreiche Einrichtung de« Telephons evlaübt ja immer, den Hörer <urf den Schreibtisch zu legen und nützlicheren Beschäftigungen nachzugehen als der. Mitteilung-über die eigene Drmrmheit, Annvaßung und Verworfenheit zu lauschen. Mt der Tatsache, daß eS angenehme Zeitgenossen gibt/die ausschlagen, wenn sie/sich gekränkt fühlen, habe ich mich also vollkommen abgefunde«. Mer gegen eine Form der Berungfimpfung lege ich entschieden Verwahrung chn. .Sie ist in - letzter Zeit sozusagen modern geworden und immer wieder, wenn die Diskussion jenen Gipfel der Sachlichkeit «Rommen hat, auf dem zwar 'die Begriffe fehlen, sich jedoch immer rechtzeitigt ein gseigrveteS oder ungeeignetes Schimpfwort einstellt (es können auch mehrere fein), sagt der Jude zum Juden: eigentlich hat der Antisemitismus doch recht. DaS wird «m mMer oder schroffer Form gesagt, wird gchlötet oder gebrüllt. Aber immer Mngt die hämische Freude mit, einen Punkt getroffen zu hoben, der - sicherlich empfindlich ist, eine Wunde berührt-zu hckben, die jeden von unS schmerzt. Daß wir Juden verhaßt sind, daß unS die Meinung der Urteilslosen älß Schädliidge kennzeichnen will, ist Hort und bitter genug. Tausendfach größer aber die Mttevkeit, immer wiederzu sehen, wie die eigenen Brüder sich -nicht scheuen, die vevgifivim Waffen der Feinde aufzunehmm. Daß dies« jüdischen AnHemikKt sich selbst - mit dem/ Schlage treffen, daß diese Schmähung wie der Bummerang aus den Schmähercken zurückfällt, wird in der Hitze deS Ge- ^ftchtes nicht beachtet. SelbstverstäMich zieht ja d^r Belleidi-- ger eine scharfe Gverrze: bis dahin gilt alles, waS Feindeshaß von unsrer Art zu sagen weiß. Aber jenseits dieser Grenze, wo er selbst steht, ist alles lichte, abgcklärte Welt» bürgerschast. Alle Verallgemeinerung muß haltmachen a« dem Strich, der den Judenerster Klasse von jenen omderentvemrt, fiir di« der AMfemitiSmus güt und für die man auch die wüstesten Rasseniheorien arrerkeunt. Düse Juden vom anderem Ufer begreifen ja nicht, daß jedes zustimmende Wvft Wasser auf die Mühle unserer Feinde ist, die gewiß keine feinen Unterschiede machen, sondern einfach sagen: die Juden geben Vie Bsrechtiguiny deS Judenhasses zu. Wenn sich die Wiener „bodenständigen" Juden/oft genug. das Vergnügen leisten wvllm, ihren R asserrantisemitismuS an den Oftjrlden auszutviben,- so ist das ein trauriger Spaß, eist Spaß, bei dem nrmr eher weinen als lachen kM«. Das Emstimmen von Jrrden in den Chor der Hakenkreuzler, wie may das jetzt bei so nvanchsm kleinen Zwist zu hören bekommt, ist ein Zeichen, wie weit weg Aevgerlichkeit vmr Vernunft, TW. und Urteilsfähigkeit treiben karm. - .,/ ES fällt wir nicht sin, für Milde Versöhnlichkeit und Einkracht unter den Juden eine Lanze einlagen zu wollen. Gegen- Strettj Kampf, und, weil eS dazu gchört. gegen ein Wegmfi «ches klsimS Schimpflonzert ist üichtS Pt sagen. Aber ganz entschieden darf di« Forderung erhüben werden, daß Juden den Gebrauch deS Wortes „Daujud" venneiden. Nicht layt und nicht leise, in keine.M Weffel «.* sich nicht gut H unserem Mund und man weiß 'ja wch me gevou» wer Kii meint ist. . Wir Javm sollten doch wenigstens überzeugt davon ftlih daß der AntisernitiSmuS rmrecht hat. Namentlich, da die deutsche Sprache neben .dm'aniffemitlschen auch noch einen wiche« Blütenkranz anderer Schftchftvörter hat. ES muß mcht gerade 'Sanjnd sein ... . ,K.M.