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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-20 · Heft 1861 (20.4.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1861 (20.4.1924)
Date
1924-04-20
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Seite T M. J88T SBfeti, Sonnlag Wsenev 20. April 1924 Wie ein schmerzlicher, vergiftender Fremdkörper saß Cäsarea am lebendigem Leibe des jüdischen Volkes. Bon Her ödes dem Ersten zu Ehren des Kaisers'Augustus erbaut, wurde es bald zum fürchterlichen „Keil in Israel", wie der Talmud sich verbittert ansdrückt. (Tr.. Megillah 6 A.) Zum Aerger des jüdischen Volkes ließ Herodes hier.Standsäulen griqhischer Götzen, einen Zirkus und ein Theater errichten und machte Cäsarea zur Pflegestättc der entartetsten Sitten und Bräuche Noms. Zur Einbürgerung und Verbreitung dieser schamlosen, von der jüdischen Seele verabscheuten Unkultur, wurden Heiden nach Palästina gebracht und in Cäsarea ansässig gemacht. Nicht genug war es den fremden, h^5.'»ischen Eindringlingen, daß sie in Palästina, sozusagen vor den Augen Jerusalems, ihre schamlosen Unsitten treiben durften, sie wagten es noch, bei den römischen Be- -drückern, bei »den Behörden Cäsareas, den in Cäsarea wohnenden,, ihrem Volke und ihrem Gotte treu gebliebenen Juden, das Bürgerrecht auf chrem eigenen Boden streitig zu machen. iCäsarea war nicht nur die Hasserin der jüdischen Kultur und seiner Religion, es . war gleichzeitig auch die Todseindin des jüdischen Volkes, und war auch der Sitz der Wühlereien und Anschläge auf die jüdische Selbständigkeit. Hier war die'Residenz der am Mark , des jüdischen! Volkes zehrenden römischen Prokuratoren. Hier wurden die Fäden gesponnen, die das erbitterte, seiner politischen Frei-, heit beraubte, jüdische Volk durch Verbrechen und Druck zu Empörung und Aufruhr reizten, und schließlich zur Zerstörung des Tempels und zum Untergange des jüdischen Staatswesens führten. - Der Anstoß zum ersten jüdischen Krieg kam aus Cäsarea. Nach der Zerstörung Jerusalems ließ Titus in Cäsarea mehr als »zweilausendfüufhundert jüdische gefangene Helden „teils in den Tiergefechten, teils auf dem Scheiterhaufen, teils in den Kämpfen untereinander zugrunde gehen". (Josephns: Bellum Judaicum, Buch 7, Kap. 3, I.) Ein Jauchzen ging durch Cäsarea, als. Jerusalem zum Schutthaufen wurde. Sein eigentlicher Aufstieg begann erst mit der Zerstörung Jerusalems. Mit dem Untergange des jüdischen Staatswesens begann nun von Cäsarea ans der brutale Vernichtnngskampf gegen die Thora und jüdische Kultur. Bon hier ans wurden die blutrünstigen Schergen durch das ganze Land geschickt, die jeden, der wach der jüdischen Tradition lebte und die jüdische Lehre verbreitete, dem Henker überantworteten. In Cäsarea haben die meisten jener zehn berühmten Märtyrer, die sogenannten „assarah Harngei malchüt", durch Henkershand ihr heiliges Leben gelassen. Hier starb den Märtyrertod der große R. Akibah, dem das Fleisch mit eisernen Kämmen vom lebendigen Leibe gerissen wurde, ging freudig dem Tode entgegen, da er die Möglichkeit gesunden hatte, das Gebot „Du sollst lieben deinen Gott mit deiner ganzen Seele,' selbst wenn er sie dir nimmt", zu verwirklichen. Mit dem „Schema Israel" auf den Lippen hauchte er seine heilige Seele aus. (Tr. Berachot 61 B.) In Cäsarea begann, selbst in der Synagoge das Hebräische durch das Griechische verdrängt zu werden, indem dort — man denke: auf dem! Böden Erez Israels — das „Schema Israel" in griechischer Sprache gesagt wurde. (Jeruschalmi Tr. Sotah.Absch 7 Anfang.) Trotz der Verfolgungen haben doch viele namhafte Gelehrte, wie zum Beispiel R. Jachanan Leu Mieser, R. Abbahn,'R. Jizchak, R. Josse und andere, Pflegestätten der Thora in Cäsarea erhalten. Nach mehreren wechselvollen Schicksalsfällen wurde Cäsarea noch während der Kreuzzüge ausgebaut und befestigt, bis es endlich im Jahre 1265 von Sultan Benbars bis ans den Grund zerstört wurde. Das Wort des Talmud: „Ekron wird bis auf. den ewgg— , — Glück und Angst. Seit Monaten, seitdem , ich/immer ungeduldiger und ungeduldiger Ihre süßen Briefe erwarte, wachst und schwillt in meinem Herzen eine Leidednschaft an, die nun, da ich ^nch Ihr strahlendes Bild gesehen habe, züm Ausbrüche kam. Ueber die Schranken der Rassen, über die Fremde, die Weite, über Berge und Meer hinweg fliegt die Liebe und atmet einen Kuß auf Ihre, weiße. Hand. Vergebens verbieten es mir Klugheit und Zweifel, vergebens erschreckt mich die Furcht, daß Sie mit der Abneigung und Ueberlegenheit Ihrer Rasse auf mich blicken, meine Liebe fühlt, daß unsere Seelen einander gleichen - und miteinander . verwandt sind, daß unsere Seelen, die sich auf solch wunderbare Art gefunden, sich auch nie mehr von einander trennen können. Ihr blondes Haar bestrahlt mich über die Meere hinweg, Ihr weißes Gesicht.beleuchtet den Weg meines Ich befinde mich in der Tiefe,.und wie zur Sonne blicke rcy zu Ihnen empor. Beugen Sie sich zu mir hernieder und erlösen Sie. mich durch das Berühren Ihrer Hand. Meine Seligkeit, mein Leben hängt , von Ihrer Antwort ab. Wenn mich nicht jene Ahnung betrogen hat, daß aus den feinen Buchstaben Ihrer Briefe Liebe zu mir.sprach, dann gehört das Leben, mir. Hat es mich .betrogen, dann, ist mein. Leben zu Ende. Zn Ende, so wahr, wie daß durch meine Ädera das Blut, jener japanischen Adeligen fließt, die sich, wegen eines Fehlers oder Irrtums, auch nur wegen des Scheines der Ehrlosigkeit oder wegen, eines Leidens, das sie wortlos, ertragen mußten, mit dem Schwert das Herz, durchbohrten." Klara Horvat las feuchten Auges den Brief. Ausden Zeilen sprach eine innige Liebe zu ihr, die sie ergriff und betäubte; jene eigentümliche Romantik berauschte sie, die i" dieser flehenden, großen Liebe enthalten war. Jenseits der Meere, drüben ans der anderen Seiteder Erde, gab es jemanden, der da stirbt, wenn sie auf seine Bitte njcht mit „Ja" antwortet. . Befremdet blickte sie auf Sand or Csäk: Jener Mensch dort jenseits des Meeres stirbt, wenn sie zu diesem hiev „Ja" sagt. Und jenen — dort, jenseits des Meeres — liebte Eie; sie war dessen schon vollkommen sicher, daß sie ihn Grund ganz zerstört werden (Zephanjah 2, 4), damit ist Cäsarea-gemeint" (Tr. Megillah 6.A), gingen buchstäblich -in- Erfüllung.' . Das grsße Weh, das Cäsarea dem jüdischen Volke zugeffügt' .hat, . war zu groß und zu furchtbar, als. daß es verziehen und.'vergessen werden könnte. In der ganzen talmudisch-midraschischen Literatur ist der Haß - gegen das verbrecherische Cäsarea, als' Symbol -des' Judenhasses und>der jüdischen Vernichtung, lebendig. "ES' entstand der Glaube , und die tiefe Ueberzengnng, daß Jerusalem und Cäsarea wegen der gegenseitigen, ewigen Feindschaft, zusammen nicht bestehen können. „Wenn dir jemand sagt, daß beide (Jerusalem und Cäsarea) zerstört sind, glaube •«Gö Tausend Tennis schuhe weiss fernen mit Chrom feüersohfen.für Aamen..K für Kenen JC iamen-Halbschühe braun Boxeaff Rahmengenalu K. Herren-l/alb schuhe braun Chevr. Rahmengenäh! Aamensf rümpfe sfr&pazfahige Qoa füäferi in schwarz u. viefen Modefarben. 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Kurz, nicht herzlos, bloß gleichgültig: „Ich habe mich gestern mit Sandor Csak. verlobt." (Aus dem Ungarischen übersetzt von Maurus Me^ei.) Fahrendes Bott. Aus der Serie „Schwin.dende Ghettogestalten". Bon Jakob Krausz. ' 3. Aus dem Tapebuch des Berl Sträselmann. *) Der ‘ fünfte Pessach, seit ich in die Gilde der Schnorrer eingetreten bin; und heute bin ich mieten drin, ein mit allen Vörziigen und Mängeln einer Zierde der Zunft ausgestatteter, mit allen Salben geschmierter, von alleniHnnden gehetzter Schnorrer. Ern ganz, gewöhnlicher „Tarchener". Schluß. Bor zwei Jahren noch'sandte mir die steinreiche Witwe Malte" Eisenberger, eine wegen ihrer Frömmigkeit undGastfreundschaft verehrte Greisin, schon wahrend des Winters einen Boten in "mein viele Kilo- - '") Siche„Wiener 'Atorgenzeitnng" vom -30. Atär». 6. und 18/Apoll. ' ' es nicht; daß beide bestehen, glaube auch nicht; Cäsarea sei z-er stört und Jerusalem besteht, oder Jerusalem sei zerstör und Cäsaren besteht,' daran glaube, denn weim..d iese zev "stört ist, kann jene bestehen, besteht diese, muß jene zerstört sein." (Tr. Megillah ebenda.) Nachdem wir unsere Pferde den Wärtern zur ObHu übergeben hatten, schritten.wir mit eigenartigen, undefinierbaren Empfindungen über das fast endlose Meer von Trümmern, gewaltigen Steinquadern, wie zahllosen, heo umliegenden, zerbrochenen Säulen, deren herrlich gemeißelt« Kapitale die klassisch-antike Meisterhand verrieten., islns .dsi Spuren der Umrisse, wie ans den Formen, der Große, und Menge des umherliegenden Gesteines und der Säulen..tanh man vermuten, welche gewaltigen Bauten-Cäsarea einst i.be« saß. Nur ein himmlischer Fluch konnte diese. Stadt w. m solche Trümmerwüste verwandeln. Längere Zeit schritten wir über die Trümmer, bis wn ermüdet in ihrer Mitte Rast, machten..Einer der Anwesender machte uns aufmerksam, daß man. bei lautloser . Stille zwischen den Steinen, aus der Tiefe , seltsame Töne, wie einen melancholischen Gesang, Hören kann.' In. der Tat konnten wir zusammenhängende, stille Töne aus der Tief» hören. Es dürfte dies das in der Tiefe durch das. Inner« einer mit Steinen verlegten Höhle dringende Wasser. feilt, das dieses, einer monotonen Melodie ähnliche Geräusch hervorbringt.. Nach einem alten Bericht sollen sich unterhalb der Oberfläche Cäsareas unterirdische Höhlen hingezogen haben, von denen eine sogar bis über die User des'Jordan geführt haben soll. (Mech'ltah. Beschalach, Abschnitt H, 14.) Einer aus der Gesellschaft, meint jedoch, nicht, ein . Klagen, sondern ein frohes Singen zu hören. Die Toten sind gerächt. Jerusalem wird wieder. ausgebaut. und' Cäsarea liegt in Trümmern. - 8er Glasschleifer van Wambrunn. Von Artur Silbergleit. Thies Ka'bot galt allenthalben als Meister, m dev edlen Kunst des.Glassch-leifens, die er in so hoher Vollkommenheit auszuüben vermochte, weil sie Geschlecht um Geschlecht seines Hauses seit den ältesten Aufzeichnungen der Kirchenchronik gepflegt hatte. Er kannte die zartesten und tiefsten Geheimnisse der 'Lichtbrechungen und 'Spiegelungen und war in der Einsa-mkerl seiner.'schlesischen Berge stets von dem Glanze frommer Gmtesträume umflossen- Wenn er, von feinem Prohhetenbart umwallt, in der Würde und Gelasienheit seiner siebzig Jahre.:aut. seiner Hütte trat und die unvergänglichen Berge erblickte, wüßte auch er. sich dem Ewigen nahe,, zu dessen strahlendem Lob und Preis er die Mosaiken und Sterne , in den Tempelfenstern geschliffen hatte, daß die Dämmerungen -hoher Menschendome von den in buntem Glasfluß bald noch.hinrinnenden, bald schon erstarrten Wellen -phantastischer Farbenmeere glückstrunken aufglühten. Und er sah. in jeder Scherbe am Wegrand, in der sich-die. Sonne siebenfach ' brach, eine winzige Regenbogenbrücke, einen 'schmalen! Farbenweg und -Steg zu Gott. -Und . er - vernahm die - Weisen des Weltenberrn im oz-ean- und or'kawhaften An- > branden föhngepeitschter Wipfel, -in den Sturzgewässern der Bäche, in dem Schrei der Aare. Diese brausende Musik zwang ihn immer wieder auf die Knie und riß, ihn zur Anbetung der Schöpfermacht in die demütige Stille seiner Hütte hinein, ivelche die hehren Schatten von Angelus Silesius und Jakob Bochme Nacht um Nacht in der Geisterstunde heimlich zu besuchen schienen. Thies Kabot fühlte' sich so nahe, seinem Schöpfer, daß er-auf-den abendlich an« Meter von ihrem Wohnort entfernt' gelegenes - Winterquartier, mit einem ganz regelrechten Bittgesuch, den kommenden Pesiach als ihr Gast in ihrem Hanse zu verbringen und chr den Söder zu geben. Ihr verstorbener Mann, Reb AkUba Eifenlberger, war ein bevühnuer TF-müdgelehrter, betrieb einen großen Lederhaudel und sein Haus war „ein Sammelpunkt für Weise und Gelehrte". Eine Einladung von der Witwe dieses großen. Mannes, bei Br dem Seder zu geben, war also eine bedeutende Ehrung. Das war noch vor zwei Jahren. ... Diesmal habe ich den Seder in der großen Waschkammer des Schlafstätters einer kleinen Gemeinde zwischen Donau und Theiß fiic meine Kollegen und Weggenossen gegeben, die gleich mir keine Einladung erhielten und die ersten zwei Pesiachtage auf Kosten der Gemeindemitglieder verköstigt wurden. Hier in diesem Kreise habe ich noch Geltung, hier werde ich noch unschwärmt, verehrt, behütet, wie eine wertvolle Siegesbeute, die dem Feind abgerungen wurde. Aber dort draußen in der Gasie, in den „Häusern", bei den Mächtigen, da habe ich bereits ausgespi-olt. Ich will es hier gestehen, daß ich mich gegen diese Entwicklung meiner Karriere als fahrender Bruder mit aller Kraft zur Wehr setzte. Als ich zu fühlen begann, daß die Gasie anfing, sich gegen den Jluj reserviert zu Verhalten, gestattete ich, daß sich mir der kleine Leb Buchinger, der vor einem Jahre von seiner Jeschiwah zn einer Sammlung für den Ausifpbisevereiu ausgesandt wurde, an dem Schnorr e rleben jedoch so großen Gefallen fand, daß er mit dem gesammelten Gelb und den Empfaitgsschreiben bei den Schnorrern blieb, als „Schlatbenschamm-es" anschloß. Diese künsNch.e Erhöhung meines Ansehens fand keinen. Anklang, sei es,, weil Leb Buchinger es mit der Anpreisung meiner Gesehrsamkeit und Frömmigkeit zu toll trieb, oder ii>**-r ich tatsächlich nicht mehr der Jluj von ehedem, lvar. Der Staub der Straße hat doch eine andere Wirkung als der Staub des Beth Hamidrasch. In der Lehrstube verdichtet sich der Staub und das Spinngewebe zu einem Vorhang, der den Bachur von der Außenwelt scheidet,- ihn blind nracht für die verlockende Pracht und den eitlen Tand, die den Menschen draußen anlocken, und seine Gedanken von

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