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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-20 · Heft 1861 (20.4.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1861 (20.4.1924)
Date
1924-04-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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«mw -*r TBmt, TVNNkag i S . Modern« Badeanlagen -1 Waschtische u. Klosette HrGEBRÜDER MEOEK Hl* Ungargasse 4? t«i elephon« 1BB3,1040, 78197 Strefemann für das Satachtea. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 19. April. In der „Zeit" veröffentlicht Außenminister Dr. Sresemann einen Ostevartikel, in dem er sich mit dem Sachverständigengutachten «befaßt und unter anderem ausführt, daß gewisse Bestimmungen des Sachverständigengutachtens schwer zu tragen sind. Heute muß jeder einsehen, daß es nur möglich fei, die Erhaltung des Deutschen Reiches dadurch zu erkämpfen, daß man durch Annahme des Sachverständigengutachtens die Möglichkeit zurückgewinnt, die wirtschaftliche Souveränität über die besetzten Gebiete wenigstens zum größten Teilewieder zu erlangen. Die deutsche Regierung sei den Weg gegangen, die Grundlage des Sachverständigengutachtens gutzuheißen. , Keine Begnadigung für Höh. (Eigendienst der ,M«ner Morgenzeitung".) Berlin, 19. April. Wie die „Röte Fahne" mitteN, hat eine kommunistische Delegation von dem Reichspräsidenten eine Begnadigung des zu Zuchthaus verurteilten kommunistischen Spitzenkandidaten Holz insofern verlangt, daß Hötz das bürgerliche Ehrenrecht zurückgegeben werden soll. Der Reichspräsident hat dieses Verlangen abgewiesen. Die Mörder des veltreifenden Tattansky verhaftet. (Eigendienst der ,Wiener Morgenzeitung".) Jerusalem, 17. APriil. Me «bereits berichtet, wurde vor kurzem der aus der Tschecho-Slowakei stammende Journalist TatranskY, «welcher zusammen mit seiner Frau eine Fußre-iise um die Welt unternahm, als er in der. Nähe von Nablus übernachten wollte, von Arabern überfallen Pud ermordet; seine Frau liegt schwer verwundeit Lm Kramferchau.se zu Sichern. Den energischen Nachifoüschun-gen der Behörden ist es gelungen, die Mordtat a«uGu*. klärend Es wurden mehrere Scheichs und arabische Orts- ,Vorsteher in der Umgebung van Nablus verhaftet und «m. Verlause, der gegen sie geführten Unterst! chmrg fest», ^stellt daß -in Nablus eine Räuberbande Ähren Sitz hatte, die auch mit den arabischen Nationalisten e x t r e mst e r R i ch t u n g in Veribindung stand. Von Mb-. gliedern dieser Bande wurde TatranÄY evnrordetz ihr werden auch einige seinerzeit'.erfolgte Ueberfälle auf jüdische Kolonien zur Last gelegt und es ist wahrscheinlich, daß sie auch vor einiger Zeit an der Ermordung zweier englischer Po «ligei ofsizie re 'beteiligt war. Ausland Geddes tritt ins geschäftliche Leben Mer. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 19. April. Der gewesene englische Boffchüister in Washington, Sir Auckland Geddes, hat sich aus dem politischen Leben endgültig zurückgezogen und wurde zum Direktor einer großen Versicherungsgesellschaft, der Liverpool GlÄbe Insurance Eompanh, mit dem Sitze in London, ernannt. Bor Berändemnge« im Kabinett Mussolini. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 19. April. Die Blätter melden aus Rom, in parlamentarischen Kreisen rechnet man mit verschiedenen Veränderungen im Kabinett Mussolini. Das Kolonialministerium und das Auswanderungskommissariat sollen dem Außenministerium unterstellt, das Volkswirtschaftsmimsterium dem Finanzministerium anyeschlossen -werden. KriegSm'mister Diag dürfte auS Gesundheitsrücksichten demissionieren. Der jetzige Kolonialminister dürfte die Kammerpräsidentervschaft übernehmen. Außerdem beabsichtigt Mussolini die Schaffung eines Ministeriums für Luftschifsahrt. Semeindewahkn in Broßnitz. Prag, 19. April. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) ilm 27. d. findet die Wahl in die Gemeindevertretung statt. Die jüdisch-nationale Partei kandidiert die Herren Dr. Robert Sonnemark, Advokat, Alexander Bratter und Siegfried Herr- •maitn, Pvwatbeamteik Bisher hatten die Jüdischnationalen em Gemeinderatsmandat inne, es ist aber bei rühriger Agitation nicht ausgeschlossen, daß sie ein zwÄtes Mandat erlangen. Jedenfalls dürste der Wahlkampf ein heftiger werden, zumal auch die deutsch-bürgerliche und bi« d e üt sch - sozialdemokratische Partei je eine Kandidatenliste «ingereicht haben. kl« dreitägiger Sottesfriede. Prag, 19. April. Heute fand mr Abgeordnetenhaus in Anwesenheit des Präs-deuten Masaryk eine Sitzung des ischecho-slowakischen Roten reuzes statt, in w-?'ch-?r ein dreitägiger Gottesfriede verkündet wurde, Wiener Morflenzeitunft. ™ Ae letzte» Kurse. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Vondvn, 19: April. (Radio.l Devisenschlußkurse r Infolge der ständigen Besserung des Pfundkurses waren die kontinentalen Valuten mit AuSnadme von Paris und Brüssel schwächer. New- »ork 4,86, Pari« 69,56, Brüssel 81,25, Berlin 19 Billionen. Rom 98,25. Amsterdam 11.60, Madrid 81,46, Wien 309,500. Prag 14.77'/,. Warschau 40 Millionen. Bukarest 830, Athen 227, Schweiz 24,76, Kopenhagen 26.2. Stockholm 13.52.E hristiania 31,55, Japan 22',„ Budapest 330.Y00 bis 340.000, Sofia 600, Kostantinopel 809, Riga 22,52. «ew-Dorh. 19. April. (Radio.) Devisenschlußkurse: Tag. aeld nominell, Wechsel auf London 4,38, 60 Tage-Wechsel 4,85, Paris 6.81. Amsterdam 37,24, Prag 2,97, Berliner Schlußkurs 22'/.—23, Silber 64»/,. Fnland. Sie Bundesaugestellten. Individuelle Notaushilfen. Amtlich wnb mitgeteil-t: Die Meldung, daß der Mi- «msterrat infolge der Vorspvache der akademisch gebildeten Beamten bei der Regierung beschlossen habe, den höheren Beamten eine größere Geldaushrlfe zuMvenden, entspricht Mcht den Tatsachen. Es 'handelt sich lediglich um die «individuellen No tau 8 Hilfen, von denen der Bundeskanzler schon gÄegentlich der erwähnten Dovsprache Mtteilnng gemacht hat. Individuelle Noiaushllfen können ihrer Natur nach selbstverständlich nicht a-uf eine e-mzige Gmppe van Beamten eingeschränkt werden. Sin völkische» Sroßdeuftchland unter dem Hakenlrenr. Ludendorffs Wunsch. General L udendorff-L und st r öm hat an die Wiener Natwnaffitzvalisten daS folgende Schreiben gerichtet: „Don Freunden aus Deuijschösterreich, vor allem von meinen nationalsaz'iMstilschen Freunden, habe «ich während ' des Prozesses und namentlich zu meinem Geburtstag überaus zahlwrche Bekundungen der Treu«, der. Hoffnungen und Erwartung erhallen. Ich kann einzelnen nicht danken und danke hiermit. Die vüKische, großdsuffche Freiheitsbewegung hat Erfolge ermngM, die me Gegner immer schärfer ans den Plan rufen werden, Ahr das Gewonnene zu nehmen und sie niedeyzntreten. Darum bitte ich mein« Freunde, nicht zu ruhen und zu vasten und der Bewegung neue Kräfte zuznftihven. Wie viele Arbeiter stehen Mp Beispiel noch o!6* letits und doch sind es Männer mit dsuffche-m Herzen. Befreien wix sie von,, dem jüdisch-marxistischen Wahn und zeigen wir ihnen, wo sie ihre wahrhaften Freunde finden. Wir stehen - am Anfang' des Kampfes, ihn mit aller Kraft werterzuführen, ist unsere Wicht. Wir wollen ein völkisches Gr-oßdeutfchland unter dem Hakenkreuz, und .vir wevttzm es erreichen, wenn wir unsere SchuDigkeit in täglicher .Aeinavbeit mit echter BogeffteMng rm Herzen tun. Das erbitte ich von meinen FreuNden." Jüdische Arbeit in Tmnöshlvanien. Bon Adolf Pollak. Viele Altzeichen sprechen dafür, daß innerhalb unserer Organisation in letzter Zeit eine Wandlung eingetreten, ist, die uns zu der Hofnung berechtigt, daß das große und schwere Werck des Palästina-Aufbaues gegenwärtig unter günstigeren Bedingungen sortschreitet, als dies in den letzten vier Jahren der Fall war. Dies äußert sich in einer wesentlich verstärkten Aktivität zionistischer Organisations- und Werbearbeit, die in säst allen Ländern zu konstatieren ist. Diese erfreuliche Wandlung ist in der Hauptsache auf zwei Ursachen zurückzuführen: Erstens auf die Wirkung der realen Leistungen in Palästina, zweitens aus die positiven und negativen organisatorischen Erfahrungen der letzten Jahre. Darüber einiges an der Hand von Tatsachen und der praktischen Arbeit zu sagen, 'dürste «nicht ganz ohne Nutzen sein. Zunächst eine allgemeine Bemerkung: Es ist bedauerlich, daß gerade diejenigen, die mitten in der OrganisationS- und Werbearbeit stehen, selten dazu kommen, ihre Erfahrungen niedevzulegen, weil sie meist die dazu nottvendige Atempause nicht finden. Dadurch gelangen wir so schwer zu einem wirklichen System dieser wichtigen Ackert. Zwei Monate intensiver Organisations- und Propagandatätigkeit in Transsylvanien (Siebenbürgen) haben auch mir wiederum einmal gezeigt, wie viel Erfahrungen man dabei sammeln kann und wieviel Aehnliches —. trotz aller Bevschiedenartigkeit der örtlichen Verhältnisse in den Grundprinzipien der Arbeitsmethoden doch liegt. Ich kam nach Transsylvanien fast unmittelbar nach einer sechswöchigen Studienreise in Palästina. Der größte Teil der Judenheit Transsylvaniens weiß von Palästina eben so wenig, wie wahrscheinlich die meisten Juden in allen übrigen Ländern. Diese Feststellung macht jeder, der irgendwo das Glück hat, die Botschaft von Erez Israel «in die Länder zu tragen. Älbst in Deutschland, hat man im letzten Winter gesehen und sieht es noch jetzt, wie z. B. der Palästinafilm des Keren Kajemeth staunende Bewunderung und «Helle Begeisterung bei allen Juden findet, obwohl er doch — bei all seiner Wirkung — nnr einen schwa- \ Abglanz der Wirklichkeit Palästinas gibt, In den ^_20. April 1924 Skr. 1801 FÜR OSTERN- 1 NEUE WÄSCHE /NEUE KRAWATTEN direkt beim Erzeuger | BERTHOLD SCHEER I . . .. rUndatrefler Gürtel 19, Linien 0. 4,118. meisten Städten Transsylvaniens habe ich in öffentlichen Versammlungen, .geschlossenen Sitzungen.und -Zirkeln von dem erzählt, was ich in Palästina gesehen habe, und habe mich bemüht, von unserem Aufbauwerk so zu sprechen, wie es heute ist, mit all seinen Vorzügen und all feinen Mängeln. Das Interesse der Judercheit im ganzen Lande war' ein so starkes, wie ich es nie für möglich gehalten hatte,' und unsere Freunde in Transsylvanien überzeugen sich immer mehr, daß dieses Interesse anhält und immer wer-' tere Kreise zieht. Die gleichen Erfahrungen liegen auallen Ländern vor, wo zionistische Arbeiter, aus eigener Kenntnis Palästinas, die Judenheit über den Ausbau deS Landes informieren und deren Mitarbeit an dem große« Werk organlsiewn. An sich ist daran nichts Erstaunliches denn, ob wir mchr begeistert oder mehr kritisch unser Werk" in Palästina betrachten, es läßt sich «nicht bestreiten, daß! es in den letzten Jahren gewachsen ist und in seiner To*? taütät auf jeden Unvoreingenommenen die stärkste Wir* kung ausübt. Wir.überzeugen uns immer mehr, daß diese Wirkung auf Nichtzionisten und eFrnstehende, wenn sie die? Wirklichkeit Palästinas kennen lernen, oft stavker fft als auf? uns selbst. Zu den erfreulichsten Erscheinungen, die ich in TvanS«1 sylvanien vorgefunden habe, gehört die jüdische Jugend' dieses Landes. Eine begeisterte Schar von reichlich 8008 jungen Menschen, die planvoll und stramm in Wander*. Vogelvereinen, akademischen und nichtakademischen Burschenschaften und Mädchengruppen organisiert sind, habe« sich dort in den Dienst der Palästina-Arbeit gestellt. Wie ernst diese Jugend ihre Ausgabe nimmt, beweist am beste« ' die Tatsache, daß neben der Erfüllung der täglichen Mich* ten für Keren Kajemeth und andere Palästina-Institutionen Hebräischlernen, Geschichtsunterricht und Palästina* Kenntnis das Hauptprogramm dieser. Jugendgruppe bildet. Schon heute ist der Einfluß dieser Jugend auf dazionistische und innerjüdische Leben des Landes ein «nver- - kennbarer. Es soll hier aber auch von den negativen Erschein««»- ' gen gesprochen werden, die ich in Transsylvanien beäb--7 achtet habe, wobei es sich wieder um Din«ge handelt, die auf die meisten Länder zutreffen. Die Galuth- oder, toi»; wir sie etwas „progvammatrsch" zu nennen Pflegen, Gegen*. wartsarbeit, war auch in Transsylvanien bisher das Primäre. Was man in einem Lande wie Transsylvanien, mit seiner sozial, religiös und kulturell so verschiedenen Judenheit allesunter. Gegenwartsarbeit besteht, will. ich. Hier.: nicht im einzelnen auszMen. Mit der.Gamthäröest den wir uns «wohl in vielen Ländern noch für länge Zeit' abfinden müssen, aber es ist klar, daß unser Bestreben s überall daraus gerichtet sein muß, der Palästina-Arbeit, wenn nicht den Prinmt, doch mindestens eine gleichwertige .'. Bedeutung mit der Galuthavbeit zu verschaffen. Dazu bedarf/s es aber klarer und fester Parolen seitens unserer Leitung,; denn nicht nur in Transsylvanien, sondern sicherlich auH, andeswo absorbiert die Galuthavbeit eine große Zahl M' serer besten, und aktivsten Kräfte. Für jeden Zionisten, der" die Größe unserer Ausgabe in Palästina kennt, darf es, keinen Zweifel geben, wenn es sich um. die Entscheidung Palästina- oder Galutharbeil handelt. Mit Staunen und Besorgnis habe ich manchmal konstatieren müssen, durch welch unbedeutende, rein lokale Jnanaspruchnahme unsere wenigen zionistischen Mitarbeiter an jeglicher Arbeit, für Palästina «behindert werden, so «daß die Funktion, die sie. - in der zionistischen Gruppe bekleiden, oft zur leeren Form wird und sie dadurch auch lähmend auf junge, aufftrebende Zionisten wirken.. Ein Kapitel für sich sind die zahlreichen Wischen Sportvereine, deren Ausbreitung in allen Ländern man vom. Standpunkt der körperlichen Regeneration unserer Jugend nur aufs wärmste begrüßen kann.. Aber in man* chen. Ländern, darunter g. B. . auch m Transsylvanien, zeigen sich gewisse Auswüchse, von denen nicht ernst genug getvarnt werden kann. Fast in jeder Stadt gibt' es einen jüdischen Sportverein, der in der Hauptsache den Fußballsport betreibt. Ob dabei die sportliche Seite auf Kosten «der nationalen,^ durch das Streben nach Höchstleistungen, nicht allzusehr übertrieben wird, möchte ich dahingestellt sein lassen. Ich habe mich aber davon überzeugt, daß die Existenz mancher Sportvereine nicht nur die «besten und aktivsten zionistischen Kräfte vollständig «absorbiert, was «bei dem Mangel an solchen Kräften sehr ins ‘ Gewicht fällt, sondern daß auch materielle Mittel von einer Höhe zur Erhaltung dieser Vereine erforderlich sind, die die Leistungen der Judenheit für den Palästina-Ausbau in manchen großen Orten weit übersteigen. Ich muß r ferner mit Bedauern feststellen, daß ein Interesse bei vielen Wischen Sportvereinen am Palästina-Aufbau überhaupt nicht vorhanden -ist und man auf Widerstand stößt, wenn man sie zur Arbeit für unsere wichtigsten Institutionen heranzieht. Eine Ausnahme bildet die Wiener Hakdah, besonders seitdem ihre Mi«tgliederin Palästina waren. " Vielleicht werden diese wenigen Andeutungen üus der - praktischen Arbeit zionistische Mitarbeiter veranlassen,' - auch ihre Erfahrungen niederzulegen. Aus einem solchen Gedankenaustausch wird man nicht nur unmittelbare,- praktische Anregungen ziehen, sondern allmählich zu einer immer größeren Systematik und dadurch auch zu erfolg- - reicherer Arbeit bei der Aufbringung der Mittel ftir den Aufbau Erez Israels gelangen, '

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